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Clauderefactor: Fredebold-Inhalte von Berichten zu Unterlagen/Dorfgeschichte umstrukturiert0a85ea1History
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| 2 | title: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal" |
| 3 | sidebar_label: "Teil 16 – Terror gegen Familie Blumenthal" |
| 4 | sidebar_position: 16 |
| 5 | description: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „" |
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| 8 | **Familienschicksale: |
| 9 | Terror gegen Familie Blumenthal** |
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| 11 | Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem |
| 12 | Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „Machtergreifung“ wuchs die |
| 13 | Angst in der Familie. Sofort nach dem 30. Januar 1933 setzten die |
| 14 | staatspolitischen Maßnahmen ein. Am 1. April 1933 verkündete Julius Streicher |
| 15 | den organisierten Judenboykott. Der Titel auf der ersten Seite des „Stürmers“, |
| 16 | dem wüsten Hetzblatt der SA, lautete: |
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| 18 | *Wer |
| 19 | beim Juden kauft, ist ein Volksverräter* |
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| 21 | Und so prangte es an allen Litfasssäulen.Das blieb , auch in |
| 22 | Rössing, nicht ohne Wirkung. Blumenthals Schlachterei ging zurück. Am 9. |
| 23 | November 1938, als die Synagogen brannten und in einer organisierten Aktion die |
| 24 | jüdischen Geschäfte und Wohnungen demoliert und geplündert wurden, wurden auch |
| 25 | Blumenthals ein Opfer der Hetze. Augenzeugen berichteten, dass ein ortsfremder |
| 26 | Autofahrer aus Richtung Nordstemmen kam, vor ihrem Haus anhielt und mit der |
| 27 | Anlasserkurbel die geschlossenen hölzernen Fensterläden und die Scheiben |
| 28 | zerschlug. Ein paar Jungen, die das mit angesehen hatten, fanden das aufregend |
| 29 | und schmissen noch ein paar Steine hinterher, während die Familie Blumenthal |
| 30 | total verängstigt auf ihren Betten im Schlafzimmer saß. |
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| 32 | Schon seit 1936 durften jüdische Kinder nicht mehr am |
| 33 | Schulsportfest teilnehmen, und ab 1937 wurde ihnen der Besuch der allgemeinen |
| 34 | Lehranstalten ganz verboten. Von den beiden Kindern Hanna, Jahrgang 1928, und |
| 35 | Hans-Jürgen Blumenthal, Jahrgang 1931, konnte Hanna noch drei Jahre die |
| 36 | Rössinger Schule besuchen. Die jüdische Kultusgemeinde in Hannover versuchte |
| 37 | durch kulturelle Maßnahmen die weitere Schulbildung der Kinder zu übernehmen |
| 38 | und Hanna wurde am 12. April 1937 nach Hannover abgemeldet. |
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| 40 | Als sich nach dem 9. November 1938 niemand mehr getraute bei |
| 41 | Blumenthals zu kaufen, mußten sie die Schlachterei schließen. Damit löste sich |
| 42 | auch der geschlossene Familienverband der Blumenthals auf. Die Oma war |
| 43 | gestorben, Hanna war in Hannover, Karl Blumenthal fand eine Stelle als Arbeiter |
| 44 | beim Betonwerk R. Grasdorf in Hannover Wülfel, und die Familie lebte still und |
| 45 | zurückgezogen und so unauffällig wie möglich im Dorf. |
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| 47 | **Druck und |
| 48 | Diskriminierung** |
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| 50 | 1935 waren den Juden ihre Staatsbürgerrechte aberkannt |
| 51 | worden. Punkt 4 in Hitlers Parteiprogramm lautete: |
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| 53 | *Volksgenosse |
| 54 | kann nur sein, wer arischen Blutes ist,* |
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| 56 | *also |
| 57 | kann kein Jude Volksgenosse sein.* |
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| 59 | Damit waren die Juden rechtlos wie im Mittelalter und |
| 60 | unbegrenzt besteuerbar. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurden |
| 61 | sie mit einer Sondersteuer belegt als Strafe dafür, wie es hieß, daß der Jude |
| 62 | Herschel Grynspan den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris |
| 63 | erschossen hatte. Außerdem wurde die Kennzeichnung von jüdischen Pässen |
| 64 | angeordnet. Sie wurden auf der Aussenseite mit einem 3 cm großen J versehen und |
| 65 | die Passinhaber damit für alle sichtbar als Juden gekennzeichnet. |
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| 67 | Viele Juden bemühten sich um Auswanderung, dabei wurden |
| 68 | Teile ihres Vermögens als Sonderabgabe einbehalten. |
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| 70 | Diese betrug bei Vermögen |
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| 72 | bis 1.000 RM nichts |
| 73 | |
| 74 | 1.000 5.000 RM 0,5 |
| 75 | % |
| 76 | |
| 77 | 5.000 10.000.RM 1,0 |
| 78 | % |
| 79 | |
| 80 | Bei einem Vermögen von 800 000 RM bis 1 Mio RM wurde sie als |
| 81 | Reichsfluchtsteuer bis auf 10 % gesteigert. |
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| 83 | Eine Reihe von Schriftstücken der Gestapo (Geheimen |
| 84 | Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit befassten, wie mit den |
| 85 | Juden verfahren werden sollte, waren so brisant, daß sie mit dem Stempel |
| 86 | „streng vertraulich“ versehen wurden. |
| 87 | |
| 88 | Manchmal wurde die Ausreise der Juden von den Behörden |
| 89 | gefördert, manchmal erschwert. Einmal weist der Reichsführer der SS die Gestapo |
| 90 | an, daß die Landräte ab 1.Januar 1939 keine Dringlichkeitsbescheinigungen für |
| 91 | Auslandsreisen jüdischer Mitbürger mehr ausstellen dürfen ; das hätte die |
| 92 | Ausreise beschleunigt. So hat man mehr Zeit, sich die jüdischen Vermögen |
| 93 | anzueignen. |
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| 95 | Am 28.Februar 1939 wird die Förderung der Auswanderung |
| 96 | minderbemittelter Juden angeordnet. Ohne Vermögen waren sie uninteressant und |
| 97 | man wollte sie loswerden. |
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| 99 | Aber auch das Ausland sperrte sich gegen die Aufnahme vor |
| 100 | allem armer Juden. Verwandte mußten Bürgschaften übernehmen, andere hatten kaum |
| 101 | eine Chance auszureisen. |
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| 103 | Am 1.September 1941 erging der Befehl zum sichtbaren Tragen |
| 104 | des etwa 10 cm großen gelben Judensterns und zur Führung israelitischer |
| 105 | Vornamen für die Juden. |
| 106 | |
| 107 | **Zwangsverkauf des |
| 108 | Hauses** |
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| 110 | Am 24. Juni 1939 ergingen vom Landrat in Springe an alle |
| 111 | jüdischen Familien Verkaufsaufforderungen betreffend ihrer Immobilien. Karl |
| 112 | Blumenthal hatte schon am 6. Juni 1939 sein Haus an Otto Altendorf verkauft , |
| 113 | nicht freiwilllig, versteht sich. Bei diesen Zwangsverkäufen mußten die |
| 114 | arischen Käufer die Verkaufssumme an den Staat bezahlen. Von der Verkaufssumme |
| 115 | erhielten die Verkäufer nur einen Bruchteil, das meiste behielt der Staat ein. |
| 116 | Daher kamen nach dem Krieg die Differenzen zwischen den Alteigentümern und den |
| 117 | Käufern, die in der Regel alles noch einmal bezahlen mussten. |
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| 119 | Blumenthals durften in ihrem Hause nur noch eine kleine |
| 120 | Küche und zwei Zimmer bewohnen. Trotz ihres früheren guten Leumunds mied man |
| 121 | die Familie. |
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| 123 | Inzwischen war Krieg, die Lebensmittel wurden rationiert und |
| 124 | die Juden bekamen erheblich kleinere Rationen auf ihre Lebensmittelkarten. Zwar |
| 125 | gab es auch Beweise von nachbarschaftlicher Hilfe, etwa, wenn ihnen heimlich an |
| 126 | der Hintertür beim Melken ihre Kanne mit Milch gefüllt wurde oder die andern |
| 127 | Hausbewohner einen Topf mit Mittagessen hinstellten. Aber es durfte keiner |
| 128 | sehen, alle hatten Angst, als „Volksverräter" zu gelten. Die Familie des |
| 129 | Schäfers Schmieding stand Todesängste aus, weil dieser für die Blumenthals ein Schaf |
| 130 | geschlachtet hatte. |
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| 132 | Alle Tiere waren registriert und es wurde kontrolliert, ob |
| 133 | die Anzahl der registrierten Tiere stimmte. Bei Opa Harke am Leinkamp ging es |
| 134 | um Ziegen, als Karl Blumenthal eines Abends verstohlen an sein Fenster klopfte: |
| 135 | „Kannst Du mir nicht noch einmal eine Ziege verkaufen?“ Aber diesmal ging es |
| 136 | nicht. Der Enkel, der das damals mit ansah, berichtete es unter Tränen. |
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| 140 | *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1866.html).* |