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refactor: Fredebold-Inhalte von Berichten zu Unterlagen/Dorfgeschichte umstrukturiert
Die Inhalte des Fredebold-Blogs sind keine zeitgebundenen Berichte,
sondern eine zusammenhängende historische Studienreihe über Rössing.
Daher Umzug von berichte/ nach unterlagen/dorfgeschichte/ als Docs
mit echter Kapitelstruktur statt 31 Datums-Einträgen.
Neue Struktur:
- unterlagen/dorfgeschichte/index.md (Übersicht zur Reihe)
- unterlagen/dorfgeschichte/einleitung.md
("Aus der Geschichte eines alten Dorfes")
- unterlagen/dorfgeschichte/herren-von-roessing/ (3 Teile + Übersicht)
- unterlagen/dorfgeschichte/meierding/ (5 Teile + Übersicht)
- unterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/ (21 Teile + Übersicht)
Anpassungen:
- Frontmatter von Blog (date, authors, tags, source) auf Docs-Format
(id, slug, title, sidebar_label, sidebar_position) umgestellt
- _category_.json je Reihe mit generated-index für Übersichtsseiten
- Quellen- und Datumshinweis als Footer in jeder Datei
- Truncate-Marker entfernt (Blog-spezifisch)
- berichte/authors.yml und berichte/tags.yml zurück auf Originalstand
https://claude.ai/code/session_019LmaXdyVUBTz4eYjPv8fmGShowing 72 changed files with 3377 additions and 3389 deletions.
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "Rössing" | |
| 3 | deleted: date: 2012-01-13 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [historie, ortsgeschichte] | |
| 7 | deleted: description: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder ga" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/rossing-aus-der-geschichte-eines-alten.html | |
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| 11 | deleted: **Aus der Geschichte eines alten Dorfes** | |
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| 13 | deleted: Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder gar 1111jähriges Bestehen. Auch die Rössinger haben das ganze Jahr 2000 hindurch mit vielen Veranstaltungen den 1150sten 'Geburtstag' ihres Dorfes gebührend gefeiert. | |
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| 17 | deleted: Das Alter einer Ortschaft rechnet man vom Zeitpunkt ihrer ersten urkundlichen Erwähnung an. Natürlich war der Ort Rössing, bevor die Ansiedling aktenkundig wurde, bereits bewohnt. Die älteste schriftliche Überlieferung finden wir in der älteren Reihe der *Corveyer Traditionen*, die zwischen 822, dem Gründungsjahr der Benediktinerabtei in Corvey an der Weser, und 877 entstanden sind. Diese Schriften enthalten einfache, undatierte Verzeichnisse der dem Kloster übereigneten Grundstücke und Ländereien in lateinischer Schrift. Der Geber und seine Gaben werden genannt, Personen, in deren Interesse die Schenkung erfolgte, und eine Reihe Zeugen. Die Schenkung selber fand als symbolischer Akt statt - durch die Übergabe eines Zweiges oder eines Rasenstücks. | |
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| 19 | deleted: Doch diese *Corveyer Traditionen* sind im Original nicht mehr erhalten. Sie zerfielen und vermoderten im Laufe von über tausend Jahren. So ist die älteste Überlieferung des Namens Rössing 'nur' in einer Abschrift enthalten, die der Priester und Kreuzherr Johannes von Falkenhagen im Jahre 1479 angefertigt hat. Dieses mit großer Sorgfalt ausgeführte Dokument stellt die wertvollste Unterlage der derzeitigen historischen Untersuchungen dar. | |
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| 21 | deleted: Rössing ist darin in unterschiedlicher Schreibweise zweimal verzeichnet. Denn der Schreiber hat die abgeschriebenen alten Ortsnamen zusätzlich in der Schreibweise des 15. Jahrhunderts am Rande des Dokuments ausgeworfen. So steht für das alte rotthingun am Rande rotthingen. Und bei der zweiten Eintragung heißt es im Text hrottingun und am Rande rottingen - was sich exakt mit der Schreibweise für Rössing in damaliger Zeit deckt. | |
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| 23 | deleted: Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen kann man das Jahr 850 – also die Mitte zwischen 822 und 877 - als den Zeitpunkt annehmen, an dem Rössing urkundlich gegründet sein muss. Die Feiern zum 1150 jährigen Bestehen von Rössing im Jahr 2000 fanden also auf quellensicherem geschichtlichem Boden statt. | |
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| 25 | deleted: Quelle: Staatsarchiv Münster, Corvey-Akten Nr. 1419 | |
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| 2 | deleted: title: "Die Herren von Rössing ( 1)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-01-23 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [herren-von-roessing, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansäss" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-von-helga.html | |
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| 11 | deleted: Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansässig, nach dem sie sich nennt. | |
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| 15 | deleted: Hier hatte die Familie ihren Rittersitz mit Ländereien und gutspflichtigen Leuten. Die Männer standen als Ministeriale in Diensten der Hildesheimer Bischöfe und erhielten von diesen umfangreichen Lehnsbesitz mit zahlreichen zehnt- und dienstpflichtigen Bauern in Rössing und anderen Teilen des Bistums. Die Lehnsgüter wurden im Mittelalter adeligen „Lehnsmannen“ verliehen gegen persönliche, nicht bäuerliche Leistungen, z.B. ritterliche Gefolgschaftsdienste. Sie sollten der Familie ein standesgemäßes Auskommen sichern. Die Herren von Rössing besaßen die Patrimonialgerichtsbarkeit, also die niedere Gerichtsbarkeit „über Haut und Haar", sie hatten das Mühlen-, das licentfreie Braurecht und das Kirchenpatronat, denn nach Überlieferung hatten sie die Kirche St. Peter und Paul auf eigenem Grund und Boden um 1290 gestiftet. | |
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| 17 | deleted: **Ein Dorf** **zwischen zwei Rivalen** | |
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| 19 | deleted: Die Geschichte Rössings ist geprägt von seiner Lage an der westlichen Grenze des Fürstbistums Hildesheim. An der Leine saßen die welfischen Herzöge, die noch nie zimperlich waren, wenn es darum ging, ihre Machtposition auszubauen, auf ihrer 1290 dort provokativ errichteten Feste Calenberg. Bei ihren ständigen Versuchen, ihren Machtbereich gegen die Hildesheimer Bischöfe nach Osten hin zu erweitern und ihre Grenznachbarn, die Herren von Rössing, aus ihren Besitzungen auszukaufen und zu verdrängen, setzt ihnen das selbstbewußte Rittergeschlecht erheblichen Widerstand entgegen, nach dem Wahlspruch: | |
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| 21 | deleted: *Wer Gott vertraut, brav um sich haut,* | |
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| 23 | deleted: *der hat auf keinen Sand gebaut.* | |
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| 25 | deleted: **Ritter Lippold III Longus von Rössing** | |
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| 27 | deleted: Eine besonders hervorstechende Persönlichkeit in der Geschichte dieser adeligen Familie war Ritter Lippold III Longus von Rössing. Er war ein Mann seiner Zeit, der Zeit der mittelalterlichen Fehden. Die Fehde galt als legitimes Mittel, sein Recht, oder auch nur sein vermeintliches Recht, nach schriftlichem Fehdebrief durchzusetzen. | |
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| 29 | deleted: 1331 verpflichtet sich Lippold III schriftlich für fünf Jahre dem Rat der Stadt Hildesheim zum Kriegsdienst mit Knechten und Pferden, mit Rüstungen und Waffen. Dafür muß ihm die Stadt jährlich 100 lötige Mark zahlen. Sollte er gefangen werden, muß die Stadt für ihn das Lösegeld aufbringen. | |
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| 31 | deleted: Am 11. November 1333 fordert Lippold III Longus in einem Beschwerdebrief seinen Anteil an der im Krieg gemachten Beute. Dazu gehört, was Bürger und Ritter bei dem Überfall auf die Dammstadt in der Weihnachtsnacht 1332 erbeutet haben, dem schwärzesten Blatt der Hildesheimer Stadtgeschichte: Erwachsene wie Kinder, und auch der Priester waren in der Kirche niedergemetzelt worden. | |
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| 33 | deleted: Lippold und sein Sohn Geverd errichten 1342 eine Burg, ein festes Haus (Kemenate und Wohnung) in Rössing, wie sie schriftlich versichern müssen: „zum Schutz der Herzöge“. Dem welfischen Herzog Heinrich wird die Burg aber lästig, er zerstört sie 1431 und verbietet den Wiederaufbau. Gestattet werden nur Gebäude für Wohn- und Wirtschaftszwecke. | |
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| 35 | deleted: Lippold III war dreimal verheiratet und gelangte durch eine seiner Heiraten an die „Herrschaft Hohenbüchen“ bei Alfeld, die später veräußert wird. Er war zweifellos ein mächtiger Mann, und um ihn rankt sich die Sage vom Räuber Lippold. | |
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| 37 | deleted: **Ehrenvolle Ämter** | |
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| 39 | deleted: Die Herren von Rössing sind aber nicht nur Ritter, die Kriegsdienste leisten, sondern. mehrere Familienmitglieder erwerben das hoch angesehene Amt des Domscholasters und werden Leiter der berühmten Hildesheimer Domschule. Andere sind Domherren, und im Jahre 1398 erhalten Siverd und Dietrich von Rössing das erbliche Marschallamt im Bistum Halberstadt, zugleich mit Gütern in Berssel und Suderode. Der Titel Erbmarschall für den Senior der Familie war bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich. | |
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| 41 | deleted: Siverd steigt 1415 zum Kaiserlichen Reichsvoigt der Silberstadt Goslar auf, was sein Ansehen noch erheblich stärkt. | |
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| 43 | deleted: Wenn Herzog Erich d.Ä. den Herren von Rössing 1506 auch das ehrenvolle, erbliche Hofamt des Erbkokenmeisters (Erbküchenmeisters) mit all seinen Einkünften verleiht, so sind die von Rössing doch selten in hannoverschen Diensten zu finden, sondern engagieren sich lieber in Kurbrandenburg und Preußen, wo sie Offiziere werden oder in hohe Staatsstellungen aufsteigen. | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "Die Herren von Rössing (2)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-01-30 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [herren-von-roessing, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Machtausdehnung der Welfen 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adli" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/machtausdehnung-der-welfen.html | |
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| 11 | deleted: **Machtausdehnung der Welfen** | |
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| 13 | deleted: 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adlige Ritter um die von Saldern, zu denen auch die Herren von Rössing gehören, verbünden sich und verweigern die Rückgabe der vom Bischof an Adel und Ritterschaft verpfändeten Güter und Ländereien, die dieser wegen seiner schlechten finanziellen Lage einlösen will. Die anfangs lokale Auseinandersetzung entwickelt sich zu einem offenen Krieg der niedersächsischen Territorialfürsten. In der großen Schlacht bei Soltau am 28. Juli1519 bleibt das Hochstift militärischer Sieger. | |
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| 17 | deleted: Aber der neugewählte Kaiser Karl V. in Wien fällt eine völlig andere Entscheidung. | |
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| 19 | deleted: Über Bischof Johann wird 1522 die Reichsacht verhängt und 1523, beim Friedensschluß im Quedlinburger Rezeß, wird das Fürstbistum Hildesheim bis auf die drei Ämter Peine, Steuerwald, Marienburg und die Domprobstei völllig zerschlagen und auf die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt. | |
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| 23 | deleted: Rössing wird dem Fürstentum Calenberg zugeordnet. Es wird auch bei der Restitution des Stiftes 1643 nicht wieder zurückgegeben. | |
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| 25 | deleted: Herzog Erich der Ältere läßt nicht nach, seinen persönlichen Machtbereich, sein „Hausgut“ durch Grunderwerb am Calenberg zu erweitern. 1527 und 1532 kauft er den Herren von Rössing große Teile ihres erblichen Eigenbesitzes ab. Er übt ziemlichen Druck auf seine Nachbarn aus, obwohl er die erforderlichen Summen nicht aufbringen kann. Immer wieder werden Zinszahlungen angemahnt, bis ein Teil der gekauften und nicht bezahlten Ländereien wieder zurückgegeben werden muß.(1) | |
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| 29 | deleted: **Die Herzogliche Vogtei und das Patrimonialgericht der Herren von Rössing** | |
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| 33 | deleted: Herzog Erich d. Ältere erwirbt 1537 die Pfandschaft über das bisher vom Kloster Helmarshausen an das Godehardikloster verpfändete Meierding in Rössing mit Vogtei und Gericht. So wird ihm die Hälfte der Rössinger Bauern zehnt- und dienstpflichtig und untersteht seiner Gerichtsbarkeit. | |
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| 37 | deleted: Schon als das Godehardikloster das Meierding im Pfandbesitz hatte, gab es ständig Streit mit den Herren von Rössing um die Gerichtsbarkeit, die diese sich im Dorf nicht nehmen lassen wollten. Das ging so weit, daß Siegfried und Friedrich von Rössing im Jahr 1516 wegen Nichterscheinen zu Gerichtsterminen mit dem Godehardikloster vom Gericht der Benediktinerklöster in Erfurt exkommuniziert wurden. | |
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| 41 | deleted: Das Amt Calenberg setzt für seinen Gerichtsbezirk in Rössing einen Untervogt, später einen Amtmann ein. Dieser ist auch Steuereinnehmer und versieht Verwaltungsaufgaben und Registratur. | |
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| 45 | deleted: **Konflikte vorprogrammiert.** | |
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| 49 | deleted: Die Herren von Rössing verbleibt die andere Hälfte des Dorfgerichts als „geschlossenes Adeliges Untergericht“ mit patrimonialem Charakter. Aber daß adelige Gerichtssassen und herzogliche Amtsuntertanen neben- und durcheinander wohnen, gibt es einzig in Rössing und da sind Konflikte natürlich vorprogrammiert. Prozesse sind an der Tagesordnung und die Akten darüber füllen Bände. (2) | |
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| 51 | deleted: Denn die Gerichtshoheit ist nicht nur ein wichtiges Herrschaftsindiz der Territorialstaaten, sondern sie hat auch handfeste materielle Hintergründe, weil die Strafgelder dem Gerichtsherrn zufallen. | |
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| 53 | deleted: Die Dorfsassen des geschlossenen Untergerichts werden im Gegensatz zu denen eines ungeschlossenen in keinen Amtslagerbüchern, Registern und Katastern des Amtes geführt, sondern nur beim Adeligen Gut. Die Herren von Rössing empfangen ihre Anweisungen wie zum Beispiel über Kriegssteuern oder sonstige Anordnungen direkt von der Regierungskanzlei, ohne die Zwischenschaltung subalterner Beamter. | |
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| 57 | deleted: **Zwei Gerichtshoheiten in Rössing** | |
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| 61 | deleted: Differenzen durch die doppelte Gerichtsbarkeit im Dorf bleiben nicht aus. So beschwert sich Ludolph von Rössing 1654 in einem Schreiben an den Amtmann von Calenberg, weil zwei seiner Leute wegen etlicher Feldbrüche auf dem Calenberger Landgericht erscheinen sollen. Da von jeher: die gesamten Rössingschen Herrenleute niemals zum Calenbergischen Landgericht gezogen, sondern alles, was an dieser Seite der Zollbrücke (an einem alten Leinearm bei Calenberg) verwirket, auf das Rössingsche Gericht gehöre, und weil den Herren von Rössing die Hälfte des Strafgeldes zustehe, wahre er seine Rechte, um aller Neuerung vorzubauen und in seinem Rechte unbetrübt zu bleiben. | |
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| 65 | deleted: Die Jurisdiktion auf den Straßen von Rössing ist ein weiterer Streitpunkt. Höchstens auf des Herzogs Hildesheimer Heerstraße erkennen die Herren von Rössing sie an. Die Gäßchen in Rössing verdienten den Namen Straße nicht, sie führten nur zu einigen Bauernhäusern und so jagt man sich dort gegenseitig die Verbrecher ab. | |
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| 69 | deleted: Wie dem von Rössingschen Schäfer Steinwehe einmal ein Hammel gestohlen wird, ertappt man den Täter und verfolgt ihn. Die Gutsleute greifen ihn samt dem corpus delicti im Dorf und setzen ihn im Haus des Schäfers auf gutseigenem Hofe fest. Bevor der Täter, wie es der Rechtsbrauch ist, für drei Tage auf dem adeligen Hof ins Gefängnis gesetzt werden kann, holt ihn der Vogt mit Gewalt auf den Calenberg. Eigentlich müßte er nach drei Tagen Gutskarzer und Meldung beim Amt auf Verlangen desselben ordnungsgemäß zwischen den beiden Brücken (der Rössingbachbrücke und der Schloßgrabenbrücke) übergeben werden. Wieder ist ein Protestschreiben fällig. | |
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| 73 | deleted: Oft trifft es auch die kleinen Leute. Wie der Gutsuntertan Wintel 1768 heiraten will, wird beim Gut der Manntaler fällig. Auch der Ehedispens wird dort kostenlos ausgestelt. Trotzdem verlangt der Amtsvogt Rothard noch 2 Taler und 31 Mariengroschen, weil sich die Braut bei der Verlobung im Hause eines Amtsuntertanen aufgehaltenhat. Der Ehedispens sei ganz mit Fett oder Tran vollgeschmiert und er erkenne ihn nicht an. Von Rössing beschwert sich bei der Königlichen Justizkanzlei, daß die Landesgesetze ausdrücklich verordnet haben, die Armut nicht über Billigkeit zu beschweren und daß für eine Ehestiftung nicht mehr als 1 Reichstaler genommen werden soll. Außerdem versuche der Vogt Rothard „überall Geld zu erhaschen.“ | |
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| 75 | deleted: Aber er wird abgewiesen. | |
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| 77 | deleted: Diese Zweiteilung der Dorfschaft dauert bis zum Jahr 1821, als die hannoversche Regierung die Auflösung des Adeligen Gerichts verfügt und beide Gemeindeteile 1829 unter calenbergischer Verwaltung vereinigt werden. Die Herren von Rössing werden wiederholt aufgefordert, die Akten und Registratur des Adeligen Gutes, bzw. seiner Untertanen an das Amt Calenberg abzuliefern; diese wurden dort und nicht beim Amt geführt. Aber allem Anschein nach ist das nicht geschehen, denn wiederholt werden die Deposita angefordert. Die Aktenlage über die gutspflichtigen Bauern ist, wohl auch deshalb, sehr schlecht. | |
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| 81 | deleted: Quellen: | |
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| 83 | deleted: (1) NHSA Sign. Cal Or Des 24 neu Nr 45 ff. | |
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| 85 | deleted: (2) NHSA Hann. 74 Cal Nr 293 - 298 | |
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| 2 | deleted: title: "Die Herren von Rössing (3)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-01-30 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [herren-von-roessing, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Der Bau des Schlosses 1579-89 Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenp" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-3.html | |
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| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Der Bau des Schlosses 1579-89** | |
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| 15 | deleted: Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenpatronat, Gericht und sonstigen Zubehörungen und die Hälfte der auswärtigen, zu Rössing gehörenden Einkünfte. Er heiratet 1579 Anna von Stöckheim und beginnt mit dem Bau des Wasserschlosses. Daran erinnert noch das Allianzwappen am steinernen Portal des östlichen Flügels. Er hatte namhafte Geldmittel in Kriegsdiensten für den spanischen sowie für den französischen König erworben, die ihm die Errichtung des Schlosses in Rössing ermöglichen. | |
| 16 | deleted: Gleichzeitig mit Rössing baut Ludolph nach fast demselben Plan, nur aufwendiger mit einem großen Rittersaal, den dreigeschossigen Bunten Hof in Osterwieck, eine der von Rössingschen Besitzungen. | |
| 17 | deleted: Die beiden rechtwinklig zueinander stehenden Gebäude der zweiflügeligen Rössinger Anlage sind erbaut im Stil der Weserrenaissance, allerdings wesentlich einfacher als die bekannteren Bauten dieser Epoche. Sie sind verbunden durch einen Fachwerkturm mit einer glockenförmigen, welschen Haube. Der westliche Flügel ist mehrfach umgebaut und vergrößert worden und erhält ca. 1910 eine sandsteinerne, historistische Westfassade. Der besondere Reiz der Anlage liegt in den umlaufenden Gräften, von denen die eine vollständig und die andere noch als Teich vorhanden ist. Die Zugbrücke über den recht breiten Schloßgraben wird 1821 durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt. | |
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| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: **Die weitere Entwicklung des Adeligen Gutes** | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: Im 18. Jahrhundert verfügt die Familie von Rössing noch über einen sehr umfangreichen Lehnsbesitz. Aber sämtliche Lehnsvettern geraten wegen Verschuldung in Prozesse, die 1713 sogar eine kaiserliche Kommission beizulegen versucht. Als Folge dieser Erbstreitigkeiten gehen die Halberstädtischen Besitzungen Berssel, Suderode und Osterwieck der Familie verloren. Als sich die Anzahl der Lehnsvettern 1724 verringert hat, werden die Nutzungsrechte des Rittersitzes in Elftel aufgeteilt. | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: Louis von Rössing (1790 – 1856) war der Ur-Ur-Großvater des jetzigen Seniors der Familie, Gerhard Freiherr von Rössing und von Hugo. Er war Offizier in der Königlich-Deutschen-Legion, in der Georg III die Reste der durch die Franzosen 1806 aufgelösten hannoverschen Armee gesammelt hatte. Er war bei der Schlacht von Waterloo 1815 dabei und verläßt 1833 als Oberstleutnant den aktiven Dienst, um die Bewirtschaftung des Gutes in Rössing selbst zu übernehmen. Er bringt es fertig, diesen zersplitterten, verschuldeten Rittersitz in eins der ansehnlichsten Güter der Region umzuwandeln. Zu Hilfe kommt ihm, daß er durch die Agrarreform die Ablösungsgelder der Bauern erhält. | |
| 25 | deleted: Er wirtschaftet sehr erfolgreich, unterstützt von seiner Frau, der legendären Ahnfrau Levine, geb. Freiin von Dincklage. Sie steigt im Sommer und Winter morgens in den Schloßgraben, um sich abzuhärten, auch wenn ihr der Kutscher das Eis vorher aufhacken muß, offenbar mit Erfolg, denn sie bringt 13 gesunde Kinder zur Welt. Reste ihres Badehäuschens hat man 1993 bei der Entschlammung des Schloßgrabens noch gefunden. Sie kümmert sich um die Alten und Kranken im Dorf und unterstützt die Einrichtung einer Spinnschule für Mädchen und verschafft ihnen Aufträge. | |
| 26 | deleted: Der älteste Sohn des Ehepaares Alexander war Jurist und erlangte vom König von Preußen 1872 den Freiherrentitel für die Familie, nachdem 1866 das Königreich Hannover zu einer preußischen Provinz geworden war. | |
| 27 | deleted: | |
| 28 | deleted: Als der Vater des jetzigen Betriebsinhabers Gerhard von Rössing und von Hugo 1954 den Betrieb übernahm, arbeiteten noch 18 Männer und 25 Frauen ständig auf dem Hof. | |
| 29 | deleted: Seit 1995 führt der Sohn, Kurt-Alexander, die Tradition fort und bewirtschaftet den Hof weiter. Die ökonomischen Verhältnisse und Betriebsformen haben sich entscheidend geändert und die weitaus größte Arbeitslast liegt auf den Schultern des Betriebsinhabers. Die enge Zusammenarbeit mit den Bauern im Ort und die gemeinsame Nutzung und Auslastung der teuren Maschinen soll das Überleben der wenigen Landwirte gewährleisten. | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: Das Schloß wird derzeit von drei Generationen der Familie von Rössing bewohnt. | |
| 32 | deleted: Es steht unter Denkmalsschutz und seine Erhaltung erfordert viel Einsatz von der traditionsbewußten Familie. Aber sie fühlt sich nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart verpflichtet. Die Mutter des jetzigen Gutsherrn, Madeleine Frfr. von Rössing arbeitet schon viele Jahrzehnte ehrenamtlich für das Deutsche Rote Kreuz. Ihr Sohn, Alexander Frh. von Rössing, ist im Rat der Samtgemeinde Nordstemmen vertreten und seine Ehefrau Tita ist schon mehr als fünf Jahre sehr engagierte Ortsbürgermeisterin in Rössing. | |
| 33 | deleted: | |
| 34 | deleted: Quellen: | |
| 35 | deleted: August Freiherr von Rössing: “Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing“, . Gerstenberg, Hildesheim 1900 | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: Armgard von Reden Dohna: „Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim“ Barton`sche Verlagsbuchhandlung Göttingen 1995 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "Rössing - historische Aufnahme" | |
| 3 | deleted: date: 2012-02-11 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [historie, ortsgeschichte] | |
| 7 | deleted: description: "Historische Aufnahme von Rössing" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/02/blog-post.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted:  | |
| 12 | deleted: | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "Das Meierding in Rössing (1)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-01 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [meierding, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössin" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-1.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge** | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: <!--truncate--> | |
| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt. | |
| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten. | |
| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“ | |
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| 21 | deleted: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1) | |
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| 23 | deleted: **Liefertermine und Höhe der Abgaben** | |
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| 25 | deleted: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde. | |
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| 27 | deleted: Zum Fest Apostelorum Petri und Paul sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2) | |
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| 29 | deleted: **Schwierige Lebensumstände der Bauern** | |
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| 31 | deleted: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht. | |
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| 33 | deleted: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren. | |
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| 35 | deleted: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen. | |
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| 37 | deleted: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden Rös -sing und Giesen. | |
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| 39 | deleted: Quellen | |
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| 41 | deleted: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts | |
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| 43 | deleted: Verlag August Lax Hildesheim 1991 | |
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| 45 | deleted: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein) | |
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| 2 | deleted: title: "Das Meierding in Rössing (2)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-02 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [meierding, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Wechsel der Besitzer 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war d" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-2.html | |
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| 11 | deleted: **Wechsel der Besitzer** | |
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| 13 | deleted: 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war die Bewirtschaftung wegen der Entfernung zu Helmarshausen zu aufwendig geworden. Nach dem Tod Salderns, als das Meierding wieder an das Kloster Helmarshausen zurückfällt, wird es offenbar an die Familie von Rössing verpfändet. (1) | |
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| 17 | deleted: Über diese Verpfändung selbst sind keine sicheren Unterlagen aufzufinden. Aus einer Urkunde vom Jahre 1417 geht aber zweifelsfrei hervor, daß die Brüder Siverd und Diederich von Rössing Pfandinhaber des Meierdings gewesen sein müssen. Denn das Kloster Helmarshausen kauft es ihnen im Jahr 1417 für 1000 Gulden wieder ab. Das ist das einzige Mal, daß das Meierding in den „Stammtafeln“ der Herren von Rössing genannt wird.(2) Gleichzeitig verpfändet Diderik, der Abt von Helmarshausen, das halbe Meierding für 10 Jahre an Hilmar von Otze, den Probst im Kloster am Moritzberg. Das Godehardikloster Hildesheim zahlt dessen Erben dann nach 10 Jahren die Pfandsumme zurück, und so gelangt eine Hälfte des Amtes oder Meierdings in den Besitz des Godehardiklosters. (3) | |
| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: In diesem Kaufvertrag wird das Meierding sehr genau beschrieben. Verkauft werden immer noch 22 Hufe, aber nur noch 21 Höfe - 1375 war ein Höriger von seiner Hofstelle entflohen und nicht wieder eingefangen worden; die Hofstelle blieb unbesetzt. Dazu kommt der Amtshof mit 6 Hufen, eine „Kammerhufe“ genannte Hufe und 15 Morgen, das sogenannte Berner Gut. Pauschal aufgeführt werden Wiesen, Weiden und Holzung, die Vogtei und die Gerichtsbarkeit, außerdem 2 Hufe in Bevelte und 5 Hufe in Werbeke, Acker- und Weideland also, das zu zwei, heute untergegangenen Ortschaften in der Nähe von Rössing gehörte und immer schon vom Kloster Helmarshausen zusammen mit dem Rössinger Meierding verpfändet worden war. Durch geschickte Geldgeschäfte erlangt das Hildesheimische Godehardikloster in der folgenden Zeit den Pfandbesitz über das gesamte Meierding. (4) | |
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| 21 | deleted: **Das Meierding, ein begehrter Besitz** | |
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| 23 | deleted: Nach der Hildesheimer Stiftsfehde, 1519 bis 1523, wird das Stift zerschlagen und unter die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt. Es bleibt nur das sogenannte „kleine Stift“ übrig, das aus den drei Ämtern Steuerwald, Marienburg, Peine und der Domprobstei besteht. Das Dorf Rössing, an der Westgrenze des Bistums gelegen, wird dem welfischen Amt Calenberg zugeordnet. Herzog Erich d.Ä. nutzt 1526 die Gunst der Stunde und behauptet, seine Vorfahren hätten das Kloster Helmarshausen gestiftet und der Reichsabtei das Rössinger Meierding geschenkt. | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: Jetzt, wo die Abtei durch die Reformation in Auflösung begriffen ist, macht er durch tätliches Vorgehen Ansprüche an St. Godehard geltend. Der Abt des Godehardiklosters beschwert sich darüber bei Bischof Balthasar - vergebens. Aber er gibt nicht auf und klagt nun beim Kammergericht gegen Herzog Erich d.Ä. wegen gewaltsamer „Absetzung von jenem Amte und Abziehung der zugehörigen Leute vom Godehardikloster in calenbergischen Dienst“. Jetzt kommt sogar Karl V., der Kaiser in Wien, ins Spiel. Am 7. Oktober 1530 erläßt er ein Restitutionsmandat an Herzog Erich d.Ä., der damit gezwungen ist sich zurückziehen bzw. wieder herauszugeben, was er ohne rechtliche Grundlage gewaltsam vereinnahmt hat. (5) | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: Die Behauptung, daß die Welfen Kloster Helmarshausen gestiftet hätten, ist nachweislich nicht richtig - es war im Jahre 998 von dem Helmarshäuser Grafen Eckhard und seiner Frau Mathilde gegründet worden. Allerdings hatte Heinrich der Löwe eine besondere Beziehung zu diesem Benediktinerkloster, das durch seine Buchmalerei und Goldschmiedekunst berühmt war. Das kostbare Evangeliar Heinrichs des Löwen, das 1983 in der Öffentlichkeit soviel Aufmerksamkeit erregte, weil es wie eine x-beliebige Antiquität von einem Auktionshaus zum Kauf angeboten worden war, es war von dem Mönch Herimann in Helmarshausen hergestellt worden. Heinrich der Löwe war zwar bis zu seiner Verbannung im Jahre 1180 Schutzvogt des Klosters Helmarshausen und seiner Besitzungen gewesen, aber eben nicht sein Stifter. (6) | |
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| 29 | deleted: **Herzog Erich d. Ä. erwirbt 1537/38 das Meierding Rössing** | |
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| 31 | deleted: 1537/38 macht Herzog Erich d.Ä. einen erneuten Vorstoß, um sich das Meierding in Rössing einzuverleiben. Er schaltet sich geschickt ein in einen Streit zwischen dem Godehardikloster und dem durch die Reformation in Auflösung begriffenen Kloster Helmarshausen um das verpfändete Meierding Rössing und erwirbt es für sich selbst. Der Pfandvertrag ist auf 60 Jahre angelegt und enthält eine bezeichnende Einschränkung: nur wenn das Kloster die Bewirtschaftung wieder selbst übernähme, sollte es die Möglichkeit haben, die Pfandschaft nach sechs Jahrzehnten wieder einzulösen. Das aber war aussichtslos, der Pfandvertrag bedeutet also eine Abtretung auf Dauer. (7) | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: Das Meierding wird nun als Vogtei Rössing dem Amt Calenberg unterstellt und Landesherren sind nicht mehr die Bischöfe von Hildesheim, sondern die Welfenherzöge; auch die Herren von Rössing müssen sie als Lehnsherren anerkennen. Zwar gehörte Rössing zum Amt Steuerwald, das Bestandteil des „Kleinen Stiftes“ gewesen war, aber es wird nach der Wiederherstellung des „Großen Stiftes“, 1643, nicht wieder zurückgegeben. Von nun an gelten die Calenberger Gesetze. | |
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| 35 | deleted: Quellen | |
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| 37 | deleted: 1. Overham VIII, 134. | |
| 38 | deleted: | |
| 39 | deleted: (2) August Frh. von Rössing: Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: Gebr. Gerstenberg in Hildesheim 1900 | |
| 42 | deleted: | |
| 43 | deleted: (3) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr. 14 vom Jahr 1417 | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: (4) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr.17 von 1427 | |
| 46 | deleted: | |
| 47 | deleted: (5) Lit. Bistumsgeschichte Bertram II von 1916, S. 56, Cod. Bev. 313, 50, 51. Cod | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: Bev.221, 427, Wien Judicialia miscell. H. fasc. 2, und Hildesheim 191. | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: (6) Hermann Schmidt: Beiträge zur Geschichte der Stadt, der Reichsabtei | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: und der Kunstwerkstätten Helmarshausen, Lippoldsberg 1981 | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: (7) NHSA Hannover: Sign. Cal Or Des 24 neu Nr.54 | |
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| 2 | deleted: title: "Das Meierding in Rössing (3)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-02 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [meierding, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Foto: Erhard Wolpert Am Pastorenthie In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Geric" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-3.html | |
| 9 | deleted: --- | |
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| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: Foto: Erhard Wolpert | |
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| 16 | deleted: **Am Pastorenthie** | |
| 17 | deleted: | |
| 18 | deleted: In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Gerichtsstätten und Versammlungsplätze aus früheren Jahrhunderten. | |
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| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: Auch in Rössing gab und gibt es einen solchen Platz. In der Ortsmitte am Fuße des kleinen Hügels mit dem Pfarrhaus stehen zwei Linden und davor ein geschnitztes Straßenschild: „Am Pastorenthie“, das die Erinnerung an einen Gerichtsplatz wachhält. | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: Durch vor einiger Zeit aufgefundene alte Prozeßakten erhält dieser Platz eine ganz besondere Bedeutung. Die teilweise über 400 Jahre alten Gerichtsprotokolle befassen sich mit den hier regelmäßig abgehaltenen Meierdingsgerichten. Der Ort, an dem diese stattfanden, war mit Sicherheit der durch Linden gekennzeichnete Platz vor dem Pfarrhaus, der „Pastorenthie.“ Denn Rössing war der Sitz eines Meierdings und auch Bauern, die in Giesen Land beackerten, das zu diesem Meierding gehörte, mußten zum Meierdingsgericht nach Rössing. | |
| 25 | deleted: | |
| 26 | deleted: An anderen Ortschaften gab es auch andere Gerichte oder Thingstätten, wie z.B.das „Freiding“ in Giesen für die freien Bauern des „Güldenen Winkels“, zu dem die Ortschaften Himmelsthür, Emmerke, Sorsum, Escherde, Barnten, Rössing, Beelte und Giesen zählten. Die Besitzer von Freidingsland durften nur dieses beackern, um als freie Bauern zu gelten. Sie hatten ihren Gerichtsplatz mit dem Thiestein in Giesen. Dort wurde ihre Grundstücksangelegenheiten – und nur diese – behandelt. | |
| 27 | deleted: | |
| 28 | deleted: Das „Goding“ befaßte sich mit Kriminalfällen und Landesjustiz, dessen Aufgaben Ende des 16. Jahrhunderts teilweise die Landgerichte der Ämterverwaltungen übernahmen und das „Holtding“ war zuständig für Holz- und Waldangelegenheiten. | |
| 29 | deleted: | |
| 30 | deleted: Aber Rössing hatte ein Meierding und ein Meierdingsgericht. (1) | |
| 31 | deleted: | |
| 32 | deleted: **Das Meierdingsland und das Meierdingsgericht** | |
| 33 | deleted: | |
| 34 | deleted: Das Meierdingsgericht verhandelt und entscheidet Angelegenheiten, die das Meierdingsland betreffen. Alle Bauern, die Meierdingsland besitzen, auch wenn es nur ein ganz kleines Stück ist – gehören zu den Erben. Das Land, das von dem altfeudalen Meierding herstammt, hat bis ins 19. Jahrhundert immer einen besonderen rechtlichen Status behalten. Es ist Erbland und daher besonders begehrt und wertvoll. | |
| 35 | deleted: | |
| 36 | deleted: Die rechtliche Stellung der Hörigen, der Laten, hat sich gegenüber der frühmittelalterlichen Situation verändert. Eine neue gesellschaftliche Ordnung hat sich zum Ende des 16. Jahrhunderts durchgesetzt. Die Bauern werden persönlich frei. Die Strukturen des alten Meierdings verändern sich und es zerfällt in Einzelhöfe. | |
| 37 | deleted: | |
| 38 | deleted: Die Besitzer von Meierdingsland können frei über dies Land verfügen, sie können es vererben, verpfänden oder auch verschenken, denn es gehört ihnen. Verpfändungen und Veräußerungen von Meierdingsland, Verschreibungen als Altenteil usw. werden sorgfältig hier verhandelt und genau im „Meierdingsbuche“ festgehalten, wie heute in den Grundbüchern. | |
| 39 | deleted: | |
| 40 | deleted: Für die Zeit ab 1589 sind sehr ausführliche Aktenprotokolle über die in Rössing abgehaltenen Meierdingsgerichte erhalten: 1589, vier Protokolle in 1604, 1608, 1615, 1616, 1618, 1620, 1621, 1630, 1650, 1659, 1662. Sie enthalten Kauf- und Pfandbriefe sowie Prozeßakten. Das Papier ist vergilbt, die Tinte, mit dem Federkiel zu Papier gebracht, ist nach 400 Jahren verblaßt, die Schrift kaum zu entziffern. Und der Sand, der damals die Tintenschrift löschte – trocknete, rieselt z.T. noch heute aus den Seiten des Dokuments. (2) | |
| 41 | deleted: | |
| 42 | deleted: Später wird die Aktenlage über das Meierding dünn. | |
| 43 | deleted: | |
| 44 | deleted: Die alten Meierdingsgerichte folgen festen Verfahrensregeln und Ritualen, die heute schwer verständlich sind. Zuerst fragt der Meierdingsvogt die alten Rechtsgrundsätze ab, die immer auf die gleiche Weise von zwei gewählten *Vorsprechern* beantwortet werden müssen. Niemand darf im Verfahren seine Streitfragen selbst vortragen oder ungefragt sprechen, auch dies ist Aufgabe der *Vorsprecher.* | |
| 45 | deleted: | |
| 46 | deleted: Als 1538 das Meierding Rössing in den Besitz der Calenberger Herzöge übergeht, | |
| 47 | deleted: | |
| 48 | deleted: treten die Calenbergischen Beamten, also Amtmann und Amtsschreiber als Gerichts- und Meierdingsherr in Vertretung ihres Landesherrn auf, der hier als *lllustrissimo* bezeichnet wird. Von jedem Landverkauf, der hier getätigt wird, stehen ihm 2,5% des Erlöses zu. Alle Umsatzgebühren werden genau registriert. | |
| 49 | deleted: | |
| 50 | deleted: Die typischen Abgaben der Meierdingsleute an den Grundherrn, der hier auch der Landesherrn ist, sind bei Heirat *Bedemund* (Betterlaubnis) und im Erbfall *Baulebung* Und jedes Jahr ist ein Hals- oder Rauchhuhn abzuliefern – eine Überlieferung aus der Zeit, als die Hörigen noch als *Halseigene* bezeichnet wurden. Rauchhühner sind keine geräucherten Hühner, sondern der Zins für einen Hof, bzw. für ein Haus, aus dem Rauch aufsteigt, das also eine Feuerstätte hat. | |
| 51 | deleted: | |
| 52 | deleted: **Das Meierrecht** | |
| 53 | deleted: | |
| 54 | deleted: Als die Fronhofsverbände zerfallen, bilden sich Vorformen des Meierrechtes. | |
| 55 | deleted: | |
| 56 | deleted: Durch Hofzusammenlegungen entstehen aus den ehemaligen Ein-Hufe-Höfen sogenannte Vollmeierhöfe mit 3 - 4 Hufen Land oder Halbmeierhöfe durch die Teilung von Vollmeierhöfen. Die kleinsten sind die Köthnerstellen mit 30 und weniger Morgen. Die Bauern können nun Land auf Zeit von anderen Grundherren pachten. Dafür müssen sie Meierzins zahlen. Schon das Wort *Meier* kennzeichnet nicht die genaue Art des Besitzrechtes. Ursprünglich war der *Meier* der Verwalter eines Meierdings oder eines Amtes, später geht der Name auf diejenigen Meierdingsleute über, die wenigstens 2 Hufen beackern. | |
| 57 | deleted: | |
| 58 | deleted: Die wichtigsten Gesetzessammlungen, die das Meierrecht für den hiesigen Raum regeln, sind der Gandersheimer Landtagsabschied von 1601, eine Verordnung über die Besetzung der Bauernhöfe von 1691 und die Calenberger Meierordnung von 1772. | |
| 59 | deleted: | |
| 60 | deleted: In Meierbriefen werden die Bedingungen über den Meierzins, den Fleisch- und Getreidezehnten und die Hand- und Spanndienste gegenüber dem Grundherren festgelegt. Bei Mißwirtschaft oder unpünktlicher Zahlung konnte der Hof entzogen werden. (Abmeierung). | |
| 61 | deleted: | |
| 62 | deleted: In hiesiger Gegend betrieb die welfische Landesherrschaft allerdings schon früh eine bewußte Bauernschutzpolitik, denn ein gesunder Bauernstand bildete eine sichere Steuerquelle. Um den Bauern gegen die Willkür der Grundherren mehr Sicherheit zu geben, wurden die Höfe um 1600 erblich und das Abmeiern erschwert. | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: Die Hofgröße – Vollmeier – Halbmeier – Köthner - definiert nicht nur den sozialen Rang, sondern auch bestimmte Wirtschaftsmöglichkeiten des Hofbesitzers. Eingereiht in die Gruppe der *Reiheleute* hat er eine bestimmte *Allmendeberechtigung*, d.h. ein anteilmäßiges Nutzungsrecht an der nicht aufgeteilten kommunalen Gemarkung Rössing. Er kann auf der *Allmende* – wann und wie lange ist genau geregelt – sein Vieh grasen lassen oder Holz schlagen. Sogenannte Anbauer und Brinksitzer, die kein kein eigenes Land, höchstens einen Garten haben, sind entsprechend nicht allmendeberechtigt. | |
| 65 | deleted: | |
| 66 | deleted: Quellen: | |
| 67 | deleted: | |
| 68 | deleted: (1) Katharina Schrader. Die Bauern von Giesen | |
| 69 | deleted: | |
| 70 | deleted: Druck: kcs & ddh GmbH, Hildesheim 1997 | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: 2. NHSA Hann 74 Cal. Nr. 347, 350, 351, 352, 353, 354, 944, | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "Das Meierding in Rössing (4)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-02 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [meierding, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Der Niedergang des Meierdings Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buc" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-4.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Der Niedergang des Meierdings** | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buch: Giesen und seine Beelter Männer, daß Archivmaterial für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts deutlich macht, daß Meierdingsgüter in Besitz von Beamten gekommen waren und Meierdingsunterlagen (Meierdingsbücher): | |
| 14 | deleted: | |
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| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: „in gantz ohnverantwortlicher weise supprimiert (unterdrückt) seyn, solches aber aus keiner anderen uhrsache geschehen, denn daß wegen derer gar vielen von dem sehl. Oberambtmann Osterwaldt an sich gebrachter Erbländereyn niemand die eigentliche Beschaffenheit wißen soll“. (1) | |
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| 19 | deleted: Christoph Heinrich Osterwaldt ist mindestens seit 1673 Amtsschreiber, dann Amtmann und von 1702 bis 1717 Oberamtmann der großen Vogtei Calenberg. Seitdem wohnt er in Rössing, denn auf der alten Feste Calenberg gibt es keine standesgemäße Bleibe für ihn. Er baut in der Langen Straße Nr.17/19 Wohn- und Wirtschaftsgebäude und den schönen Brunnen mit der Jahreszahl 1685,der heute noch Wasser führt. Überall zieht er die Ländereien an sich und bewirtschaftet u.a. den Klunzhof, den ehemaligen Haupt- und Meierhof, als Herrschaftlichen Amtshof sowie die drei Vollmeierhöfe, deren Besitzer in den Türkenkriegen sind. Diese müssen klagen, daß er sie hinterher wieder herausgibt. Außerdem ist er Pächter des herzoglichen Domanialgutes, des heutigen Hausgutes Calenberg und steht dem Landgericht Calenberg vor. Es heißt, daß er von den 32.114 Talern, welche die 12.000 Einwohner des Amtes Calenberg im Jahr 1711 aufbringen müssen, allein 6.010 Taler zahlt. (2) | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: Es liegt nahe, daß das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. | |
| 22 | deleted: | |
| 23 | deleted: **Verfall des alten Brauchtums** | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: Nach einem Bericht von 1719 war schon über 40 Jahre kein Meierding mehr abgehalten worden. So tritt ein Verfall des alten Brauchtums ein. In einer recht ausführlichen Beschreibung der Meierdingsgerichte im Amte Calenberg von 1752 gibt es nur noch zwei, eins in Alferde und eins in Sorsum zu Wittenburg. Das Rössinger Meierding wird gar nicht mehr erwähnt. | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: Im Jahre 1832, also kurz vor der Agrarreform, wird in Rössing eine Tabelle über die Verteilung des Grundeigentums erstellt. Darin werden die durch das Meierrecht gebundenen Ländereien aufgelistet, über die die Besitzer nicht frei verfügen konnten, und der frei veräußerliche Grundbesitz. Das an die Höfe gebundene Meierland beträgt 1050 Morgen und das freie Erbland 644 Morgen, davon sind noch 435 Morgen Meierdingsland. In diesen Angaben ist das Adelige Gut mit seinem Grundbesitz nicht enthalten. Dieses freie, erbliche, mittelalterliche Meierdingsland hat sich also bis ins 19. Jahrhundert erhalten. (3) | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: **Die Agrarreform** | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: 1833 setzt in Hannover die Agrarreform ein, die sogenannte Bauernbefreiung, obwohl die Bauern als Person schon lange frei waren. Sie war ein gewaltiges verwaltungstechnisches Werk. Die Reform wurde nur durchsetzbar, weil sie auf eine entschädigungslose Enteignung des Adels und der anderen Grundbesitzer verzichtete. Die Bauern sollten endlich Eigentum an dem Land erhalten, das sie bewirtschafteten. | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: Zuerst erfolgt die Befreiung der Bauern von den Feudalabgaben wie Grundzinsen, Zehnte, Hand- und Spanndienste durch Zahlung des 25-fachen Jahresbetrages, der als abtragbare Hypothek eingetragen und im Laufe von Jahrzehnten getilgt wird. Dafür wird extra eine Bank gegründet, die Hannoversche Landeskreditanstalt. | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: Der hannoversche Minister Carl Bertram Stüve, der die Gesetze für die Landwirtschaftsreform in Hannover schuf, wiederholte aber nicht die Fehler, die in Preußen 20 Jahre vorher gemacht wurden. Dort konnte ein großer Teil der Ablösegelder 1/3 - ½ , in Land bezahlt werden, die Güter der Grundbesitzer wuchsen, die Bauern verarmten und das Land entvölkerte sich. In Hannover kann nur 1/6 der Ablösungssumme des Zehnten in Land abgegolten werden, alles andere wird langfristig durch Kredite finanziert. Aber nicht alle verkraften die Kosten und müssen aufgeben und verkaufen. | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: Dann erfolgt die Gemeinheitsteilung, d.h. die von der Allgemeinheit genossenschaftlich genutzten Flächen werden unter die bisherigen Nutznießer aufgeteilt. Dann wird ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt, Zusammenlegung der verstreut liegenden Ländereien zu größeren Stücken. Das war dringend notwendig. | |
| 38 | deleted: | |
| 39 | deleted: Zum Beispiel ergab eine Aufnahme der Flurstücke des Meierhofes Nr. 1 Windel/später Kroos aus dem Jahr 1778: 123,75 Morgen in 84 Stücken! (4) | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: Außerdem muß ein neues Wege- und Grabennetz angelegt werden. | |
| 42 | deleted: | |
| 43 | deleted: Im Zuge des großen Flurbereinigungsverfahrens wird auch der neue Friedhof am Rande des Dorfes eingerichtet. Jeder Landbesitzer erhält einige Quadratmeter Grund und Boden für ein ewiges Erbbegräbnis auf dem Friedhof und dafür entsprechend weniger Ackerland. | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: „Im Holze“, das ist das Gebiet zwischen der Eisenbahnlinie nach Göttingen und der Leine, das im 19. Jahrhundert noch teilweise bewaldet war, wird die Flurbereinigung erst nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommen. | |
| 46 | deleted: | |
| 47 | deleted: Zwischen 1980 und1990 mußte erneut ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt werden, als die neue ICE -Eisenbahnstrecke angelegt wurde, die die Rössinger Feldmark durchschnitt und neue Straßen- und Brückenbauten erforderte. | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: Quellen | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: (1).Franz Schwerdtfeger: Giesen und seine Beelter Männer | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: 1991 Verlag Lax Hildesheim , S. 60/61 | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: (2).Archiv Rittergut II | |
| 56 | deleted: | |
| 57 | deleted: (3).NHSA Hann 74 Cal Nr. 1054, 1056 | |
| 58 | deleted: | |
| 59 | deleted: (4).NHSA Hann 74 Cal Nr. 474 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-02 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [historie, kirchengeschichte] | |
| 7 | deleted: description: "Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt K" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/unfreie-bauern-auf-kirchlichem.html | |
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| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt. | |
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| 15 | deleted: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten. | |
| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“ | |
| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1) | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: **Liefertermine und Höhe der Abgaben** | |
| 22 | deleted: | |
| 23 | deleted: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde. | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: Zum Fest *Apostelorum Petri und Paul* sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2) | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: **Schwierige Lebensumstände der Bauern** | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht. | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren. | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - *Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen.* | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: *In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden* | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: *Rössing und Giesen.* | |
| 38 | deleted: | |
| 39 | deleted: Quellen | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts | |
| 42 | deleted: | |
| 43 | deleted: Verlag August Lax Hildesheim 1991 | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein) | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (1)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-08 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwoh" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in.html | |
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| 11 | deleted: Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwohner gegeben hat. Zwar steht auf den sechs Grabsteinen, die dort noch vorhanden sind, nur der Name Blumenthal, aber aus alten Akten geht hervor, daß hier vor etwa 2OO Jahren noch andere jüdische Familien im Ort gelebt haben. Es war nur eine kleine Gruppe, aber es ist sehr interessant, einmal dem Schicksal dieser Menschen nachzugehen. | |
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| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: # Allgemeiner historischer Rückblick | |
| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: Die Juden in Deutschland lebten von jeher in einer verminderten rechtlichen Stellung. Im Mittelalter unterstanden sie dem kaiserlichen Judenregal (dem Recht, Juden aufzunehmen). Das bedeutete, daß sie dem Kaiser und König einen *goldenen Opferpfennig* für ihren Aufenthalt im Reich zahlen mußten. Dieses Judenregal ging in vielen Fällen als kaiserliches Privileg an die Kurfürsten und sonstigen Territorialfürsten über. Aber diese Tatsache besserte keineswegs den rechtlichen Status der Juden. Bald fiel es dem einen kleinen Landesherren ein die Juden zuzulassen, bald ließ er sie wieder vertreiben, der Willkür waren Tür und Tor geöffnet. | |
| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: Auch der Bischof von Hildesheim besaß das Judenregal, das er **1428** an den Rat der Altstadt verpfändete. Durch hohe Sondersteuern verschlechterte sich die Lage der Juden derart drastisch, daß diese nach Braunschweig flüchteten, wo die Judengesetze zu dieser Zeit liberaler waren. Seit **1457** gab es für ca. 5O Jahre praktisch keine jüdische Gemeinde mehr in Hildesheim. | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: # Die rechtliche Stellung der Juden in den welfischen Fürstentümern | |
| 22 | deleted: | |
| 23 | deleted: **1345** Herzog Magnus hatte die Juden in seinen Schutz genommen. Einige Jahre später, als die Pest hier wütete, verfolgte man sie hart und verwies sie des Landes, weil man sie für den *Schwarzen Tod*“ verantwortlich machte | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: **1375** sie wurden von den Herzögen Wenzeslaus und Albrecht wieder in Hannover zugelassen, wo ihnen der Aufenthalt vorher verboten war | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: **1553** Herzog Erich II vertrieb sie, weil sie „Gott, Jesus und alle gläubigen Christen in ihren Synagogen verflucht und geschmäht hätten". Ein paar Jahre später wurden sie wieder zugelassen | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: **1614** als die Landstände von Herzog Friedrich Ulrich erneut die Vertreibung der Juden verlangten, entdeckte dieser die Juden als geschätzte Einnahmequelle. Gegen hohe Geldzahlungen gewährte er einer ganzen Anzahl von ihnen Schutz- und Aufenthaltsrecht in Hannover. Da sie keine vollen bürgerlichen Rechte hatten, waren sie praktisch unbegrenzt besteuerbar und auch sonst einer ganzen Reihe von Beschränkungen unterworfen. Beim Überschreiten von Stadt- und Landesgrenzen mußten sie im Gegensatz zu den christlichen Einwohnern Leibzoll bezahlen | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: Es wurden auch Versuche unternommen, die in Sitte und Art so fremdartig erscheinenden Juden zu Christen zu machen. Aber dem setzten die Juden nach wie vor die Unabänderlichkeit ihres Religionsgesetzes und ihrer religiösen Formen entgegen | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: **1622** im Calenbergischen wurde ihnen der Besuch von Synagogen untersagt und sie wurden zeitweilig gezwungen, christliche Kirchen zu besuchen, weil sie andernfalls mit hohen Strafen belegt wurden | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: **1673** in Hannover ereignete sich zum wiederholten Male eine Freveltat, bei der von dem jüdischen Friedhof auf dem Sandberge vor dem Steintore widerrechtlich Sand abgefahren und Gräber und Grabsteine beschädigt wurden. Der hochgeachtete und später zum Hof- und Kammeragenten ernannte Hofjude Leffmann Behrens beklagte sich bitter bei den Herzögen. Den Missetätern wurden strenge Strafen angedroht und den Juden erneut das Recht auf die Unversehrtheit ihres Friedhofes bestätigt | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: 1) Dr. jur. Abraham Löb, Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover | |
| 38 | deleted: | |
| 39 | deleted: 2) M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (2)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-03-08 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Der Schutzbrief Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder au" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in_08.html | |
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| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted:  | |
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| 13 | deleted: **Der Schutzbrief** | |
| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder auch von den Gerichtsherren der Adeligen Patrimonialgerichte. | |
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| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: 1687 regelte Herzog Ernst August für seine welfischen Lande, das spätere Kurfürstentum Hannover, die Schutzverleihung, die er für sich allein in Anspruch nahm. Den Städten und adligen Gerichten sprach er alles Recht der Ausstellung von Schutzbriefen ab. Die nicht unbeträchtlichen Geldsummen, die die Juden für die Schutzbriefe bezahlen mußten, sollten allein in die landesherrliche Schatulle fließen. Sein Sohn, der Kurfürst Georg Ludwig, der 1714 als König Georg I den englischen Thron bestieg, bestätigte während seiner Regierungszeit dieses Schutzgeld-Edikt und erließ außerdem noch eine ganze Reihe anderer Judenordnungen. | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: Der Schutz erstreckte sich auf die Person des Juden, seine Ehefrau, seine unverheirateten Kinder, so lange sie in seinem Haus wohnten, und auf diejenige Anzahl von Dienstboten, die den Juden erlaubt war. Wollten sich die Kinder von Schutzjuden verheiraten, oder von ihren Eltern separieren, so bedurften sie eines besonderen Schutzbriefes. (Heiratserlaubnis erhielt von den Söhnen meistens nur der älteste). Der Schutzbrief gewährte das Recht ungestörten Aufenthaltes im Lande auf begrenzte Zeit, zunächst 6 Jahre, Schutz für Leben , Freiheit und Eigentum, ungestörte Ausübung der jüdischen Religion und sicherte den Inhaber davor, nach Willkür der Behörden außer Landes verwiesen zu werden. Er gestattete, nach Maßgabe der Beschränkungen durch die Landesgesetze, Handel- und Wechselgeschäfte zu treiben. Dagegen gewährte der Schutzbrief weder Bürger- noch Heimatrecht. | |
| 22 | deleted: | |
| 23 | deleted: Ganz andere Vorschriften galten dagegen für die unvergleiteten Juden: Sie waren häufig vor Pogromen geflüchtete Osteuropäer. Sie zählten zu den „Armen" und man versuchte, sie sich durch Kontingentierung vom Halse zu halten. | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: So hieß es: | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: Sie werden als Fremde behandelt. Sie dürfen sich an einem Ort nur 3 Tage, in Hannover 8 Tage, bei andern Juden aufhalten und müssen einen Leibzoll erlegen. Wer länger verweilt, wird „allsofort weggeschafft" und muß nach Maßgabe seines Vermögens 1O - 15 Reichstaler Strafe an die Ortsarmenkasse zahlen. An den Denunzianten müssen außerdem noch 5 - 1O Reichstaler gezahlt werden. | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: Dies alles gilt aber nur für die sog. „reputierlichen Juden" (Verordnung vom 9. Juni 1733). | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: „Betteljuden" sollen dagegen gar nicht zugelassen werden. | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: *Werden sie ertappt, so werden sie zum erstenmal mit 14täiger harter Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot belegt und über die Grenze gebracht, beim zweitenmal erhalten sie ein Brandmal, und beim dritten Male werden sie einfach aufgehängt.* | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: (Edikt vom 14. Aug. 1714). Diese Gesetzgebung zwang sie natürlich erst recht zum Vagabundieren. | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: Die Judenordnungen waren aber in den verschiedenen deutschen Fürstentümern durchaus nicht überall gleich. Was den Juden in dem einen Land verboten war, war ihnen im Nachbarland vielleicht erlaubt. Es gab so gut wie nichts, was überall einheitlich geregelt war. | |
| 38 | deleted: | |
| 39 | deleted: Etwa 9O % der im Kurfürstentum Hannover lebenden Juden wohnten in den Städten oder in größeren Orten. Auf dem platten Lande gab es wenige, was mit dem Verbot von Grunderwerb und anderen Berufsbeschränkungen zusammenhing. Ackerbau war ihnen nach der Feudalverfassung verboten. | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: Wenn ein Jude bei der Landdrostei einen Antrag auf einen Schutzbrief stellte oder ein Schutzbrief von einer Gemeinde wegen Umzugs auf eine andere Gemeinde transferiert werden sollte, so wurden genaue Erkundigungen über den betreffenden eingeholt. Der Schutzbrieferteilung wurde nur stattgegeben, wenn die Auskünfte ohne jegliche Beanstandung waren. Die Landdrosteien vertraten den Standpunkt, daß die Juden freiwillig ins Land gekommen seien zu den bekannten Konditionen, daß sie jederzeit des Landes verwiesen werden konnten. Die Anzahl der Juden sollte eine statische Größe bleiben. Es sei immer von dem Grundsatz auszugehen: „Das Kurfürstentum sei ein christliches Land und solle es bleiben.“ | |
| 42 | deleted: | |
| 43 | deleted:  | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: 1) Dr. jur. Abraham Löb, Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover | |
| 46 | deleted: | |
| 47 | deleted: 2) M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: # | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: # 3) Niedersächsisches Jahrbuch 1992 Bd. 64, vom Historischen Verein f. Niedersachsen, Verlag Hahnsche Buchhndlg. Hannover 1992, Uwe Eissing S. 287 ff. | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: # | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: # 4) Chur-Braunschweig-Lüneburgische Landesordnungen und Gesetze IV Teil, | |
| 56 | deleted: | |
| 57 | deleted: # von Policey - Sachen | |
| 58 | deleted: | |
| 59 | deleted: # zum Gebrauch der Fürstenthümer Graf- und Herrschafften Calenbergischen Theils | |
| 60 | deleted: | |
| 61 | deleted: Göttingen 1740, in Verlag der Königl. privilegirten Universitäts Buchhandlung | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (3)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Berufsbeschränkungen der Juden Ein reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergil" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: Berufsbeschränkungen der Juden | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: Ein | |
| 14 | deleted: reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, | |
| 15 | deleted: denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergilden, die | |
| 16 | deleted: Zünfte und Innungen basierten auf den christlichen Bruderschaften | |
| 17 | deleted: des Mittelalters, und ihr Brauchtum war stark christlich geprägt. | |
| 18 | deleted: Mit der Zunftverfassung konnte eine "*durch | |
| 19 | deleted: Religion und Sitte ganz verschiedene Sekte*" | |
| 20 | deleted: kaum in Übereinstimmung gebracht werden. | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: <!--truncate--> | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: **Schlachten** | |
| 25 | deleted: | |
| 26 | deleted: Das | |
| 27 | deleted: Schlachten war ihnen zum eigenen Verbrauch erlaubt, aber z.T. auch | |
| 28 | deleted: zum Verkauf an Christen. Ihr jüdischerGlaube gestattete ihnen, nur | |
| 29 | deleted: Fleisch von geschächteten Tieren zu essen. | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: Dieses | |
| 32 | deleted: Schächten ist eine rituelle Schlachtung makelfreier (koscherer) | |
| 33 | deleted: Tiere. Nach den jüdischen Speisegesetzen sind dies wiederkäuende | |
| 34 | deleted: Paarhufer wie Rind, Schaf, Ziege oder Hirsch. Es wird von einem | |
| 35 | deleted: Schächter, einem Kultbeamten durchgeführt. Dieser führt mit einem | |
| 36 | deleted: langen, scharfen Messer einen raschen Querschnitt durch | |
| 37 | deleted: Halsschlagader, Speise- und Luftröhre des Tieres, wodurch eine volle | |
| 38 | deleted: Ausblutung erreicht werden soll. Eine vorherige Betäubung des | |
| 39 | deleted: Schlachttieres war religionsgesetzlich unzulässig. | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: In | |
| 42 | deleted: Deutschland wurde das Schächten durch das Gesetz vom 21.4.1933 | |
| 43 | deleted: verboten, weil es dem deutschen Tierschutzgesetz widerspricht. Durch | |
| 44 | deleted: Verordnung wurde es 1946 und 1947 von den Alliierten | |
| 45 | deleted: Militärregierungen wieder zugelassen. Eine einheitliche | |
| 46 | deleted: bundesgesetzliche Regelung steht auch heute noch aus und es wird in | |
| 47 | deleted: den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: **Handel | |
| 50 | deleted: und Geldgeschäfte** | |
| 51 | deleted: | |
| 52 | deleted: Die | |
| 53 | deleted: organisierten Kaufmannschaften waren ihnen verschlossen. | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: Die | |
| 56 | deleted: Juden durften mit alten und einigen neuen Waren handeln, so weit | |
| 57 | deleted: nicht die Privilegien der Zünfte oder der Bürgerschaft dagegen | |
| 58 | deleted: standen. Als „*Trödeljuden*" | |
| 59 | deleted: hielten sich viele über Wasser. Der Hokenhandel, der Kleinhandel, | |
| 60 | deleted: war ihnen erlaubt. Gewohnheitsmäßig kamen auf dem Lande der Vieh-, | |
| 61 | deleted: Getreide- und Pferdehandel dazu, sowie Geld- und Wechselgeschäfte. | |
| 62 | deleted: | |
| 63 | deleted: Vor | |
| 64 | deleted: allem der Geldverleih lag in den Händen der Juden, den das | |
| 65 | deleted: kirchliche Zinsverbot den Christen untersagte. Sie hatten das | |
| 66 | deleted: Privileg, von Darlehen Zinsen zu nehmen und das Recht, verpfändete | |
| 67 | deleted: oder verkaufte Sachen bis zur Zahlung zurückzubehalten. Einige Juden | |
| 68 | deleted: kamen dadurch zu erheblichen Vermögen und wurden wegen ihrer | |
| 69 | deleted: Geschicklichkeit in Gelddingen von den stets finanzschwachen Fürsten | |
| 70 | deleted: an ihre Höfe gezogen. | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Einer | |
| 73 | deleted: von diesen war der bekannte Joseph Süß-Oppenheimer (1692-1738), der | |
| 74 | deleted: von Herzog Karl Alexander von Württemberg zum Geh. Finanz-und | |
| 75 | deleted: Staatsrat ernannt wurde. Durch Münzmanipulationen und Verkauf von | |
| 76 | deleted: Ämtern, Titeln und Privilegien erschloß er dem geldbedürftigen | |
| 77 | deleted: Herzog immer neue Geldquellen. Die Beamtenschaft und die Landstände | |
| 78 | deleted: zwangen dem Herzog kurz vor seinem Tode den Haftbefehl gegen | |
| 79 | deleted: Süß-Oppenheimer ab, der in einem anfechtbaren Verfahren zum Tode | |
| 80 | deleted: verurteilt wurde. Seine Lebensgeschichte diente als Vorlage für den | |
| 81 | deleted: im Dritten Reich gedrehten Film „*Jud | |
| 82 | deleted: Süß.“* | |
| 83 | deleted: | |
| 84 | deleted: # Geisteswissenschaften | |
| 85 | deleted: | |
| 86 | deleted: Öffentliche | |
| 87 | deleted: Ämter und Würden im Militär- und Zivilstand waren ihnen bis zur | |
| 88 | deleted: Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert nicht zugänglich, obwohl | |
| 89 | deleted: das in den verschiedenen deutschen Fürstentümern auch | |
| 90 | deleted: unterschiedlich gehandhabt. wurde. Die Universitäten standen ihnen | |
| 91 | deleted: offen und es gab jüdische Ärzte und Advokaten. Diese Gegebenheiten | |
| 92 | deleted: führten dann im 19. und 2O. Jahrhundert beinahe zwangsläufig in | |
| 93 | deleted: verschiedenen Berufsgruppen, vor allem geistigen und künstlerischen, | |
| 94 | deleted: zu einer Überrepräsentation der Juden im Verhältnis zur übrigen | |
| 95 | deleted: Bevölkerung. | |
| 96 | deleted: | |
| 97 | deleted: Ein | |
| 98 | deleted: klassisches Beispiel dafür ist die Nachkommenschaft des jüdischen | |
| 99 | deleted: Bankiers und Kammeragenten Leffmann Behrens im 17. Jahrhundert am | |
| 100 | deleted: Hannoverschen Hofe | |
| 101 | deleted: | |
| 102 | deleted: Er | |
| 103 | deleted: war verheiratet mit Jente Hameln. Diese hatte aus erster Ehe schon | |
| 104 | deleted: sechs Kinder. Aus ihrer zweiten Ehe mit Leffmann Behrens gingen noch | |
| 105 | deleted: einmal drei Kinder hervor. | |
| 106 | deleted: | |
| 107 | deleted: Diese | |
| 108 | deleted: Kinder hatten sehr berühmte Nachfahren, u.a. Siegmund Freud, die | |
| 109 | deleted: Dichter Heinrich Heine und Carl Sternheim und der Komponist Felix | |
| 110 | deleted: Mendelssohn Bartholdy | |
| 111 | deleted: | |
| 112 | deleted: Quellen: | |
| 113 | deleted: | |
| 114 | deleted: Dr. | |
| 115 | deleted: jur.Löb, Abraham: | |
| 116 | deleted: | |
| 117 | deleted: „Rechtsverhältnisse | |
| 118 | deleted: derJuden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz | |
| 119 | deleted: Hannover“, Frankfurt 1908 | |
| 120 | deleted: | |
| 121 | deleted: M: | |
| 122 | deleted: Zuckermann. | |
| 123 | deleted: | |
| 124 | deleted: „Kollekteana | |
| 125 | deleted: zur Geschichte der Juden im Hannoverland“, Hannover 1912 | |
| 126 | deleted: | |
| 127 | deleted: Jahrbuch | |
| 128 | deleted: des Historischen Vereins 1992, Uwe Eissing S.320 ff | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (4)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Erwerb von Grund und Boden Der Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern se" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_26.html | |
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| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: Erwerb von Grund und Boden | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: Der | |
| 14 | deleted: Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und | |
| 15 | deleted: sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern seit eh | |
| 16 | deleted: und je verboten. Aber da sie Geldverleih betrieben und dafür häufig | |
| 17 | deleted: Sicherheiten in Form von Grundbesitz nahmen, waren die | |
| 18 | deleted: diesbezüglichen landesherrlichen Anordnungen oft unterlaufen worden. | |
| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: <!--truncate--> | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: Um den bestehenden Gesetzen erneut Nachdruck zu | |
| 23 | deleted: verleihen und einer weiteren Verbreitung dieses Brauchs Einhalt zu | |
| 24 | deleted: gebieten, wurde 1718 auf Befehl des hannoverschen Kurfürsten Georg | |
| 25 | deleted: Ludwig, der 1714 als Georg I den englischen Königsthron bestiegen | |
| 26 | deleted: hatte, ein Dekret mit folgendem Inhalt veröffentlicht: | |
| 27 | deleted: | |
| 28 | deleted: *"Es | |
| 29 | deleted: wird angeordnet, daß von nun an kein Jude in unseren Landen, den | |
| 30 | deleted: Fürstentümern Lüneburg, Calenberg, Göttingen und Grubenhagen | |
| 31 | deleted: u.s.w., die Stadt Harburg ausgenommen, weder in den Städten noch auf | |
| 32 | deleted: dem Land ein Wohnhaus oder andere Immobilien als Eigentum erwerben | |
| 33 | deleted: soll.* | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: *Nachdem | |
| 36 | deleted: die Juden in der vergangenen Zeit durch Kauf viele Häuser und | |
| 37 | deleted: Immobilien an sich gebracht, wurde die Zahl der Juden vermehrt, die | |
| 38 | deleted: bürgerliche Nahrung dagegen vermindert und die Häuser im Preis | |
| 39 | deleted: unnötig gesteigert. Außerdem werden die Bürger durch | |
| 40 | deleted: Einquartierung von Soldaten über Gebühr belastet, da die | |
| 41 | deleted: Juden-Häuser wegen der Verfassung bisher nie mit Einquartierung | |
| 42 | deleted: belegt worden sind. Damit diese Anordnung nicht unterlaufen wird, | |
| 43 | deleted: wird der Abschluß solcher Contrakte verboten, die am Ende eine | |
| 44 | deleted: rechtmäßige Güterübertragung nach sich ziehen. Wo eine | |
| 45 | deleted: Veräußerung verboten ist, ist auch eine Verpfändung verboten. Im | |
| 46 | deleted: ersteren Fall fallen die Immobilien der Königlichen Kammer anheim, | |
| 47 | deleted: im zweiten Fall, also bei Verpfändung, soll der Schuldner nicht zur | |
| 48 | deleted: Zahlung verpflichtet sein und der Contrakt null und nichtig.* | |
| 49 | deleted: | |
| 50 | deleted: *Damit jedoch den Untertanen nicht jede | |
| 51 | deleted: Gelegenheit genommen wird, im Fall der Not auf ihre Immobilie Geld | |
| 52 | deleted: herzuleihen, so wird gestattet, daß ein Jude 6 Jahre lang Geld | |
| 53 | deleted: darauf leiht, dies darf aber nur vor dem Magistrate geschehen. Nach 6 | |
| 54 | deleted: Jahren erlischt der Vertrag. Sollte nach diesen 6 Jahren der | |
| 55 | deleted: Schuldner zahlungsunfähig sein, und eine Verlängerung der Hypothek | |
| 56 | deleted: wünschen, so ist dies beim Rat anzumelden, der eine diesbezügliche | |
| 57 | deleted: Anordnung trifft. Damit sich aber kein Jude mit Unwissenheit | |
| 58 | deleted: entschuldigt, wird diese Anordnung öffentlich angeschlagen und jedem | |
| 59 | deleted: Juden mit dem Schutzbrief zusammen ausgehändigt."* | |
| 60 | deleted: | |
| 61 | deleted: 5. | |
| 62 | deleted: Januar 1718 | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: Ad | |
| 65 | deleted: Mandatum Regis | |
| 66 | deleted: | |
| 67 | deleted: F.W.Fr. | |
| 68 | deleted: von Goertz | |
| 69 | deleted: | |
| 70 | deleted: ## Quelle: NHSA Sign: Hann 74, Cal Nr. 43O | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Am | |
| 73 | deleted: **18. | |
| 74 | deleted: August 1731** | |
| 75 | deleted: wurde von der hannoverschen Regierung eine weitere Verordnung | |
| 76 | deleted: erlassen, die folgendes zum Inhalt hatte: | |
| 77 | deleted: | |
| 78 | deleted: *"Wir | |
| 79 | deleted: vernehmen mißfällig, daß unsere unterm 5. Januar 1718 erlassene | |
| 80 | deleted: Verordnung, kraft welcher wir verboten, daß die in unseren Landen | |
| 81 | deleted: vergeleiteten Juden einige unbewegliche Güter an sich bringen oder | |
| 82 | deleted: darauf anders als die vorgeschriebene Art Gelder herleihen, von | |
| 83 | deleted: vielen Magistratspersonen dahin gedeutet wird, daß den Juden erlaubt | |
| 84 | deleted: sei, bei Konkursen oder Zwangsversteigerungen Immobilien durch das | |
| 85 | deleted: höchste Gebot zu erstehen, oder auf Ländereien Geld zu leihen und | |
| 86 | deleted: in Besitz zu nehmen, den Pflug darauf zu schicken, oder Gärten und | |
| 87 | deleted: Wiesen selbst zu bestellen oder das Nutzungspfand an Liegenschaften | |
| 88 | deleted: zu genießen. Dies läuft unserer Absicht völlig zuwider. So | |
| 89 | deleted: bekräftigen wir unsere Willensmeinung dahingehend, daß es den Juden | |
| 90 | deleted: auf keine Art und Weise erlaubt sein soll, Immobilien an sich zu | |
| 91 | deleted: bringen. Auch bei Zwangsversteigerungen ist es nicht gestattet, daß | |
| 92 | deleted: sie selbst oder durch Bevollmächtigte vertreten, die Pfandnutzung an | |
| 93 | deleted: Ländereien, Gärten oder Wiesen* | |
| 94 | deleted: *erwerben."* | |
| 95 | deleted: | |
| 96 | deleted: Es | |
| 97 | deleted: folgt der Passus wie vorhergehend. | |
| 98 | deleted: | |
| 99 | deleted: *"Damit kein Jude sich mit | |
| 100 | deleted: Unwissenheit entschuldigen kann, wird dies sofort öffentlich bekannt | |
| 101 | deleted: gemacht und einem jeden Juden ein Exemplar zugestellt."* | |
| 102 | deleted: | |
| 103 | deleted: 18. | |
| 104 | deleted: Aug. 1731 | |
| 105 | deleted: | |
| 106 | deleted: Ad | |
| 107 | deleted: Mandatum Regis | |
| 108 | deleted: | |
| 109 | deleted: L. | |
| 110 | deleted: U. v. Hardenberg | |
| 111 | deleted: | |
| 112 | deleted: ## Quelle: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O | |
| 113 | deleted: | |
| 114 | deleted: Aber | |
| 115 | deleted: schon längst hatte die handelsübliche Praxis die fürstlichen | |
| 116 | deleted: Anordnungen überholt. Es war den Juden nicht mehr länger zu | |
| 117 | deleted: verbieten, für ihre Darlehen auch offiziell Sicherheiten zu nehmen | |
| 118 | deleted: und auf Immobilien Hypotheken eintragen zu lassen. Daher folgte dem | |
| 119 | deleted: Dekret vom 18. Aug. 1731 einige Monate später, **am | |
| 120 | deleted: 17. Dez**. | |
| 121 | deleted: desselben Jahres ein neues. Im Namen des Königs Georg verfügte die | |
| 122 | deleted: hannoversche Regierung nun folgendes: | |
| 123 | deleted: | |
| 124 | deleted: *"Es sind bei der | |
| 125 | deleted: in unsern Landen angesessenen Judenschaft Zweifel über die unterm | |
| 126 | deleted: 18. August 1731 ergangene Verordnung entstanden: Kann einer der | |
| 127 | deleted: vergeleiteten Schutzjuden, wenn er Gelder ausleiht, gültige Hypothek | |
| 128 | deleted: auf Immobilien eintragen lassen? Hat eine solche Hypothek nach dem | |
| 129 | deleted: Edikt Gültigkeit und wird sie nach vorfallenden Konkursen anerkannt?* | |
| 130 | deleted: | |
| 131 | deleted: *Unsere | |
| 132 | deleted: Willensmeinung wird hiermit kund getan: Weil den in unseren Landen | |
| 133 | deleted: vergeleiteten und mit richtigen Schutzbriefen versehenen Juden die | |
| 134 | deleted: Handelschaft nach Maßgabe der ergangenen Edikte gestattet ist, ist | |
| 135 | deleted: ihnen auch nicht verwehrt, bei allen ihnen erlaubten Verträgen die | |
| 136 | deleted: erlaubten Sicherheiten zu nehmen. Dazu gehört allerdings auch die | |
| 137 | deleted: Belastung von Immobilien und "liegenden Grund=Stücken" mit | |
| 138 | deleted: Hypotheken. Im übrigen behält das Edikt seine Gültigkeit. Wir | |
| 139 | deleted: erklären noch einmal ausdrücklich, daß alle vergeleiteten und mit | |
| 140 | deleted: gehörigen Schutzbriefen versehenen Juden bei allen und jeden ihnen | |
| 141 | deleted: erlaubten Handlungen, wo sie es zu ihrer Sicherheit nötig finden, | |
| 142 | deleted: sich von den Schuldnern auf Immobilien Hypotheken verschreiben lassen | |
| 143 | deleted: dürfen und bei entstehenden Konkursen und anderen ´Prozessen in | |
| 144 | deleted: Judicando´ den Rechten gemäß darauf zu reflektieren. Es soll nach | |
| 145 | deleted: rechtlicher Ordnung bei all unseren Gerichten danach verfahren werden | |
| 146 | deleted: ohne Ansehung der Tatsache, daß bei dieser Art Schulden Juden in den | |
| 147 | deleted: Besitz von Immobilien kommen.* | |
| 148 | deleted: | |
| 149 | deleted: 17. | |
| 150 | deleted: Dezember 1731 | |
| 151 | deleted: | |
| 152 | deleted: Ad | |
| 153 | deleted: Mandatum Regis | |
| 154 | deleted: | |
| 155 | deleted: L. | |
| 156 | deleted: U. v. Hardenberg | |
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| 158 | deleted: Quelle: | |
| 159 | deleted: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (5)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Lockerung der Judengesetze in der Franzosenzeit und bleibende Familiennamen Während der französischen Revolution, schon 1789 auf der Nationalversammlung, wurde" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8268.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Lockerung der Judengesetze in der | |
| 12 | deleted: Franzosenzeit und bleibende Familiennamen** | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: <!--truncate--> | |
| 15 | deleted: | |
| 16 | deleted: Während | |
| 17 | deleted: der französischen Revolution, schon 1789 auf der | |
| 18 | deleted: Nationalversammlung, wurde für die Juden als Staatsbürger die | |
| 19 | deleted: rechtliche Gleichstellung gefordert und durch die Emanzipationsakte | |
| 20 | deleted: in Frankreich auch gesetzlich verankert. Als während der | |
| 21 | deleted: französischen Okkupation große Teile des Kurfürstentums Hannover | |
| 22 | deleted: dem kurzlebigen Königreich Westfalen (18O7-1812) angegliedert | |
| 23 | deleted: wurden, erhielten auch die hannoverschen Juden die bürgerliche | |
| 24 | deleted: Gleichstellung. Die alten hannoverschen Judengesetze wurden | |
| 25 | deleted: aufgehoben, der Grunderwerb gestattet und die Schutzbriefe sowie der | |
| 26 | deleted: diskriminierende Leibzoll wurden abgeschafft. | |
| 27 | deleted: | |
| 28 | deleted: Obwohl | |
| 29 | deleted: durch das Dekret vom 27. Januar 1808 allen Juden dieselben Rechte wie | |
| 30 | deleted: den andern Bürgern eingeräumt wurden, mußten die Juden in Hannover | |
| 31 | deleted: das ihnen von der alten Landesregierung auferlegte Schutzgeld weiter | |
| 32 | deleted: zahlen. Ein diesbezügliches Protestschreiben wurde von der | |
| 33 | deleted: französischen königlich-westfälischen Präfektur in Kassel | |
| 34 | deleted: abgeschmettert. | |
| 35 | deleted: | |
| 36 | deleted: „Das Schutzgeld | |
| 37 | deleted: gehört zu den Dotationen, die dem Kaiser der Franzosen nach der | |
| 38 | deleted: Okkupation des Kurfürstentums Hannover zustehen und die dieser an | |
| 39 | deleted: König Jerôme von Westfalen abgetreten hat.“ | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: Am | |
| 42 | deleted: 31.März 1808 wurde außerdem verfügt, daß die Juden binnen 3 | |
| 43 | deleted: Monaten *bleibende | |
| 44 | deleted: Familiennamen* annehmen | |
| 45 | deleted: sollten. Bis dahin führten sie in der Regel nur ihre | |
| 46 | deleted: *alttestamentarischen*Vornamen. | |
| 47 | deleted: Das *westfälische | |
| 48 | deleted: Namensedikt* | |
| 49 | deleted: wurde im Benehmen mit den Juden des Landes entwickelt, die sich | |
| 50 | deleted: einmütig für bleibende Familiennamen ausgesprochen hatten. Die | |
| 51 | deleted: Namenwahl war grundsätzlich freigestellt, anders als in Frankreich | |
| 52 | deleted: waren auch jüdische Namen und Vornamen erlaubt. (3) | |
| 53 | deleted: | |
| 54 | deleted: Aber | |
| 55 | deleted: als nach dem Ende der Fremdherrschaft Hannover 1814 Königreich | |
| 56 | deleted: wurde, setzte es sofort, noch vor dem Ende des Wiener Kongresses, | |
| 57 | deleted: seine aus dem 18. Jahrhundert stammenden kurfürstlichen Judengesetze | |
| 58 | deleted: - mit Ausnahme des Leibzolls - wieder in Kraft, erneuerte damit die | |
| 59 | deleted: Institution des Schutzjudentums und setzte seine restriktive | |
| 60 | deleted: Judenpolitik fort. | |
| 61 | deleted: | |
| 62 | deleted: Von | |
| 63 | deleted: 1828 bis 1833 sammelten die Landdrosteien statistisches Material über | |
| 64 | deleted: die Lage der jüdischen Bevölkerung. Ihr Anteil betrug 0,6% im | |
| 65 | deleted: Königreich. Außer ländlichen Handelsleuten, Schlachtern und | |
| 66 | deleted: kleinen Gewerbetreibenden gab es nur einen jüdischen Juristen, einen | |
| 67 | deleted: Arzt und einen Tierarzt, und die Altstadt von Hannover verfügte | |
| 68 | deleted: noch, wie die Stadt Osnabrück, über das Privileg des *non | |
| 69 | deleted: tolerandi Judaeos.* | |
| 70 | deleted: (4) | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Quellen | |
| 73 | deleted: | |
| 74 | deleted: 1. Dr. | |
| 75 | deleted: jur. Abraham Löb, Frankfurt 1908: Rechtsverhältnisse der Juden im | |
| 76 | deleted: ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover | |
| 77 | deleted: 2. M. | |
| 78 | deleted: Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im | |
| 79 | deleted: Hannoverland | |
| 80 | deleted: | |
| 81 | deleted: 3) Niedersächsisches | |
| 82 | deleted: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld, S. 275 ff | |
| 83 | deleted: | |
| 84 | deleted: 4) Niedersächsisches | |
| 85 | deleted: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 289 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (6)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Die Emancipation der Juden im Königreich Hannover Während In der Deutschen Bundesakte von 1815 die Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten di" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_5293.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: Die *Emancipation* | |
| 12 | deleted: der Juden im Königreich Hannover | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: Während | |
| 15 | deleted: In der *Deutschen | |
| 16 | deleted: Bundesakte von* ***1815***die | |
| 17 | deleted: Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten die | |
| 18 | deleted: einzelnen Deutschen Bundesländer, bis auf Preußen, sie wieder außer | |
| 19 | deleted: Kraft. | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: <!--truncate--> | |
| 22 | deleted: | |
| 23 | deleted: Mit Fragebögen wurde die jüdische Bevölkerung | |
| 24 | deleted: wieder genau erfaßt. Es wurde nachgeforscht, wo jemand inzwischen | |
| 25 | deleted: Grundeigentum erworben hatte und die Institution des Schutzjudentums | |
| 26 | deleted: wurde erneuert. Die unveränderlichen Nachnamen blieben teilweise im | |
| 27 | deleted: Gebrauch, manchmal fielen sie weg. | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: In | |
| 30 | deleted: Frankreich erfolgte die Gleichstellung der Juden **1790**durch | |
| 31 | deleted: eine einzige Akte, im Königreich Hannover dagegen war es ein | |
| 32 | deleted: langwieriger Prozeß, der sich schrittweise über Jahrzehnte | |
| 33 | deleted: erstreckte. 1828 wurden wieder bleibende Familiennamen eingeführt. | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: Die | |
| 36 | deleted: drei Rössinger Judenfamilien mußten sich am **14. | |
| 37 | deleted: Mai 1828** | |
| 38 | deleted: auf dem Amt Calenberg einfinden und ihren Wahlnamen angeben. Sie | |
| 39 | deleted: entschieden sich für die Namen, die sie auch schon während der | |
| 40 | deleted: Franzosenzeit führten: | |
| 41 | deleted: | |
| 42 | deleted: Neuhaus, | |
| 43 | deleted: Neuberg und Blumenthal | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: **1832**Der | |
| 46 | deleted: Gesetzentwurf zur Reform der bürgerlichen Verhältnisse der Juden, | |
| 47 | deleted: an den „nur noch letzte Hand anzulegen war," gelangte **1836**zur | |
| 48 | deleted: Beratung an die Stände und ging **1837**im | |
| 49 | deleted: Verfassungskonflikt unter. | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: **30. | |
| 52 | deleted: September 1842: „*****Emancipationsgesetz“*** | |
| 53 | deleted: | |
| 54 | deleted: Gesetz | |
| 55 | deleted: über die Rechtsverhältnisse der Juden | |
| 56 | deleted: | |
| 57 | deleted: Artikel | |
| 58 | deleted: 1, Abschnitt 1 stellte als Regel den *Grundsatz | |
| 59 | deleted: der Gleichheit* | |
| 60 | deleted: in Rechten und Pflichten mit den Christen auf. | |
| 61 | deleted: | |
| 62 | deleted: § 5 | |
| 63 | deleted: enthielt die Bestimmung: | |
| 64 | deleted: | |
| 65 | deleted: "*Das | |
| 66 | deleted: Schutzverhältnis der Juden, so weit es noch* | |
| 67 | deleted: *besteht, | |
| 68 | deleted: wird aufgehoben. Die daraus folgenden Leistungen bleiben jedoch | |
| 69 | deleted: einstweilen und bis auf ein zu erlassendes Gesetz bestehen.*" | |
| 70 | deleted: | |
| 71 | deleted: Die | |
| 72 | deleted: Juden wurden zwar der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen, aber der | |
| 73 | deleted: Regierung stand das Recht zu, die Juden bis auf weiteres nicht zum | |
| 74 | deleted: Militärdienst heranzuziehen. | |
| 75 | deleted: | |
| 76 | deleted: Viele Bestimmungen des neuen Gesetzes wurden durch | |
| 77 | deleted: Ausnahmeregelungen durchlöchert. | |
| 78 | deleted: | |
| 79 | deleted: **1847** | |
| 80 | deleted: folgten Ergänzungen zu dem Gesetz von 1842, unter anderem: | |
| 81 | deleted: | |
| 82 | deleted: **das | |
| 83 | deleted: Recht der** | |
| 84 | deleted: **Juden, | |
| 85 | deleted: ein Haus und 1 1/4 Morgen Acker zu erwerben.** | |
| 86 | deleted: | |
| 87 | deleted: **Am | |
| 88 | deleted: 5. September 1848** | |
| 89 | deleted: brachte das Gesetz die *völlige | |
| 90 | deleted: Gleichstellung der Juden im* | |
| 91 | deleted: Königreich Hannover durch den Passus, daß die Ausübung der | |
| 92 | deleted: bürgerlichen und politischen Rechte vom Religionsbekenntnis | |
| 93 | deleted: unabhängig sein sollte. Die Juden konnten damit auch öffentliche | |
| 94 | deleted: Ämter übernehmen und waren berechtigt zur Teilnahme an der | |
| 95 | deleted: Gemeinde- und Landesvertretung. | |
| 96 | deleted: | |
| 97 | deleted: **1869**sorgte | |
| 98 | deleted: der *Norddeutsche | |
| 99 | deleted: Bund* für | |
| 100 | deleted: die Aufhebung der letzten persönlichen Beschränkungen. | |
| 101 | deleted: | |
| 102 | deleted: Quelle: | |
| 103 | deleted: | |
| 104 | deleted: Niedersächsisches | |
| 105 | deleted: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 287 ff. (Rechtsverhältnisse der | |
| 106 | deleted: Juden) | |
| 107 | deleted: | |
| 108 | deleted: Niedersächsisches | |
| 109 | deleted: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld S. 263 ff. (Familiennamen der | |
| 110 | deleted: Juden) | |
| @@ -1,78 +0,0 @@ | ||
| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (7)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Ein Diebstahl auf dem Schloß Die ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem Eigentumsdelikt. 1757 wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Die" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7127.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: # Ein Diebstahl auf dem Schloß | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: Die | |
| 14 | deleted: ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem | |
| 15 | deleted: Eigentumsdelikt. | |
| 16 | deleted: | |
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| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: **1757** | |
| 20 | deleted: wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Diebstahl von | |
| 21 | deleted: silbernen Tressen auf dem adeligen Gute ertappt. Er war geständig | |
| 22 | deleted: und gab die gestohlenen Tressen auch sogleich zurück. Es war die | |
| 23 | deleted: Zeit des Siebenjährigen Krieges, das Kurfürstentum Hannover war von | |
| 24 | deleted: den Franzosen besetzt und auch in Rössing lag Einquartierung. | |
| 25 | deleted: | |
| 26 | deleted: Bei | |
| 27 | deleted: dem Übeltäter handelte sich um einen hier angesessenen Juden und | |
| 28 | deleted: Herr F.L. von Rössing als Guts- und gleichzeitig Gerichtsherr | |
| 29 | deleted: sperrte den Übeltäter für drei Tage im Hundestall ein, der als | |
| 30 | deleted: Karzer diente. Danach ließ er ihn laufen und betrachtete die | |
| 31 | deleted: Angelegenheit damit als erledigt. | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: Aber | |
| 34 | deleted: der Gerichtsvogt der Gemeinde, G.W. Rothard, erstattete über die | |
| 35 | deleted: Angelegenheit postwendend schriftlichen Bericht auf dem Calenberg. | |
| 36 | deleted: Offenbar stand er in persönlicher Feindschaft zu dem | |
| 37 | deleted: Patrimonialgerichtsherrn. Das zeigt die sehr aggressive Form, die in | |
| 38 | deleted: all seinen diesbezüglichen Schriftstücken hervorsticht. Er war der | |
| 39 | deleted: Meinung, Herr von Rössing hätte kein Recht gehabt, den Delinquenten | |
| 40 | deleted: eigenmächtig zu entlassen. Vielmehr hätte er ihn nach drei Tagen | |
| 41 | deleted: „zwischen den beiden Brücken" (Schloßgraben und | |
| 42 | deleted: Rössingbachbrücke) dem Calenberger Gericht übergeben müssen, | |
| 43 | deleted: damit dieser vom Amtsgericht ordentlich abgestraft würde. | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: „*Allein | |
| 46 | deleted: die arglistigen Inhabers des Rössingschen* | |
| 47 | deleted: *Niedergerichts | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: versuchen öfters bei ein und den anderen Veränderungen, ob sie | |
| 50 | deleted: durch | |
| 51 | deleted: dergleichen Einschleichung sich verbreiten können."* | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: F.L | |
| 54 | deleted: von Rössing wurde vom Amt um Stellungnahme gebeten. | |
| 55 | deleted: | |
| 56 | deleted: Seine | |
| 57 | deleted: Antwort: | |
| 58 | deleted: | |
| 59 | deleted: „*Da | |
| 60 | deleted: der hier eingesessene Jude, als man ihn ertappte, die Silbertressen, | |
| 61 | deleted: die er in den Händen hielt*, | |
| 62 | deleted: *sogleich | |
| 63 | deleted: zurückgegeben hat*, | |
| 64 | deleted: *ist er | |
| 65 | deleted: nicht wegen Diebstahls, sondern nur wegen ungebührlicher Aufführung | |
| 66 | deleted: mit drei Tagen Hundezwinger bestraft. So habe ich mich auch nicht | |
| 67 | deleted: eines Eingriffs in die Königliche* | |
| 68 | deleted: *Jurisdiktion | |
| 69 | deleted: schuldig gemacht.“* | |
| 70 | deleted: | |
| 71 | deleted: Vereinzelt | |
| 72 | deleted: in den Dörfern lebende Juden hielten sich mit Vorliebe unter den | |
| 73 | deleted: „Adeligen Gerichtsherrn“ auf, weil sie dort meistens nicht die | |
| 74 | deleted: volle Härte der offiziellen restriktiven hannoverschen Judenpolitik | |
| 75 | deleted: traf. | |
| 76 | deleted: | |
| 77 | deleted: Quelle: | |
| 78 | deleted: NHSA, Sign. Hann 74, Cal Nr. 295 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (8)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau Jette Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die Erlangung der für die Juden überlebenswichtige Schutz" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_1630.html | |
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| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau | |
| 12 | deleted: Jette | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die | |
| 15 | deleted: Erlangung der für die Juden überlebenswichtige | |
| 16 | deleted: Schutzbrieferteilung. | |
| 17 | deleted: | |
| 18 | deleted: <!--truncate--> | |
| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: Im | |
| 21 | deleted: Jahre 1806 stellt der „Judenknecht“ Samuel Hirsch aus Barnten | |
| 22 | deleted: wiederholt einen Antrag auf einen Schutzbrief auf Rössing. Als | |
| 23 | deleted: „Judenknechte“ wurden alle nicht selbstständig arbeitenden | |
| 24 | deleted: männlichen Juden im „Amtsdeutsch“ bezeichnet. Dieser Schutzbrief | |
| 25 | deleted: wird ihm mehrmals abgeschlagen. | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: Der | |
| 28 | deleted: gutachterliche Bericht des Rössinger Gemeindevogts war sehr | |
| 29 | deleted: ungünstig ausgefallen. Samuel Hirsch stammte aus Barnten, das zum | |
| 30 | deleted: Hildesheimer Amt Steuerwald gehörte. | |
| 31 | deleted: | |
| 32 | deleted: „*Nachdem | |
| 33 | deleted: sein in Armut geratener Vater sich zu seinem in Copenhagen | |
| 34 | deleted: etablierten Sohne begeben, hat er sich bald im Hildesheimischen, bald | |
| 35 | deleted: im Hannöverschen umhergetrieben. Mehr denn ein Schutzjude darf nach | |
| 36 | deleted: unserm unterthänigst pflichtmäßigen Dafürhalten im Dorfe Rössing | |
| 37 | deleted: nie vergleitet werden, wenn er sich auf ehrliche Art nähren und | |
| 38 | deleted: seinen Glaubensgenossen nicht als Bettler zur Last fallen soll. Es | |
| 39 | deleted: erscheint der hiesigen Amts- und Gerichtsgemeinde von keinem großen | |
| 40 | deleted: Gewicht, ob es gleich bei dem geführten umherschweifenden | |
| 41 | deleted: Lebenswandel des Supplikanten uns unthunlich gewesen, von dessen | |
| 42 | deleted: bisherigem Wandel zuverlässige Erkundigung einzuziehen.“* | |
| 43 | deleted: | |
| 44 | deleted: In diesem Schreiben vom 18. Dezember 1805 an das | |
| 45 | deleted: Regierungs-Collegium des Amtes Calenberg legt der Amtsvogt aus | |
| 46 | deleted: Rössing seiner vorgesetzten Behörde nahe, die Schutzbriefanträge | |
| 47 | deleted: des Samuel Hirsch ein für allemal abzulehnen. | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: Samuel | |
| 50 | deleted: Hirsch hält sich die nächsten Jahre trotzdem vorwiegend in Rössing | |
| 51 | deleted: unter dem Adeligen Gericht als unvergleiteter Jude auf. Er lebt vom | |
| 52 | deleted: Trödelhandel mehr schlecht als recht. Als während der Franzosenzeit | |
| 53 | deleted: das westfälische Namensedikt 1808 verlangte, daß die hannöverschen | |
| 54 | deleted: Juden unveränderliche Familiennamen annehmen sollten, nennt er sich | |
| 55 | deleted: | |
| 56 | deleted: *Samuel | |
| 57 | deleted: Hirsch-Neuhaus* | |
| 58 | deleted: | |
| 59 | deleted: Er | |
| 60 | deleted: heiratet während dieser Zeit eine *Jette | |
| 61 | deleted: Behrens* | |
| 62 | deleted: aus Bernburg, mit welcher er jedoch eine „unzufriedene Ehe“ | |
| 63 | deleted: führt. | |
| 64 | deleted: | |
| 65 | deleted: Bürgermeister | |
| 66 | deleted: (maire) Georg Opitz beschreibt die Verhältnisse des Ehepaares | |
| 67 | deleted: Hirsch-Neuhaus: | |
| 68 | deleted: | |
| 69 | deleted: „*Samuel Hirsch-Neuhaus, 39 Jahre, | |
| 70 | deleted: lebt vom Trödelhandel, seine Vermögensumstände sind schlecht. Er | |
| 71 | deleted: lebt unter dem Adeligen Gericht und hat eine Frau.“* | |
| 72 | deleted: | |
| 73 | deleted: Bei | |
| 74 | deleted: der Frage nach der Schutzwürdigkeit heißt es einmal: | |
| 75 | deleted: | |
| 76 | deleted: „*Er | |
| 77 | deleted: führt nicht die beste Lebensart, mißhandelt seine Frau und überläßt | |
| 78 | deleted: sie der* | |
| 79 | deleted: | |
| 80 | deleted: *Wohltätigkeit | |
| 81 | deleted: anderer Leute. Er verdient den Schutz nicht.“* | |
| 82 | deleted: | |
| 83 | deleted: Ein | |
| 84 | deleted: anderes Mal lautet seine Beurteilung ähnlich: | |
| 85 | deleted: | |
| 86 | deleted: „*Er | |
| 87 | deleted: stehet nicht in bestem Rufe, soll jedem schuldig sein und behandelt | |
| 88 | deleted: seine Frau äußerst schlecht, hat sich von ihr separiert, gibt ihr | |
| 89 | deleted: nichts zu leben und muß Leute um Almosen anbetteln. Meines | |
| 90 | deleted: Dafürhaltens soll ihnen der Schutz nicht gewährt werden. Ein Haus | |
| 91 | deleted: oder Grundstück besitzt das Paar nicht in Rössing*.“ | |
| 92 | deleted: | |
| 93 | deleted: Nachdem das Paar schon einige Zeit getrennt gelebt | |
| 94 | deleted: hatte, ließ es sich im Jahre 1817 förmlich scheiden, und die Ehe | |
| 95 | deleted: wurde den jüdischen Gesetzen gemäß aufgehoben. Für ihr | |
| 96 | deleted: eingebrachtes Heiratsgut erhielt Jette Behrens von ihrem geschiedenen | |
| 97 | deleted: Ehemann 50 Reichstaler zurück. | |
| 98 | deleted: | |
| 99 | deleted: 1818 hat Samuel Hirsch-Neuhaus dann doch seinen | |
| 100 | deleted: Schutzbrief erhalten und der Rössinger Gemeindevogt Opitz steckt | |
| 101 | deleted: sich hinter die Verwaltung auf dem Calenberg, um Jette Behrens, die | |
| 102 | deleted: sich „*hier immer noch herumtreibt* *und mit allerlei | |
| 103 | deleted: Trödeleien abgibt,“* nach Bernburg, in ihre Heimat und zu ihren | |
| 104 | deleted: wohlhabenden Verwandten abzuschieben. | |
| 105 | deleted: | |
| 106 | deleted: „*Obwohl sie hier | |
| 107 | deleted: doch gar keine Veranlassung zu längerem Aufenthalt mehr hat, hält | |
| 108 | deleted: sie sich doch noch am Ort und in der Umgebung auf und hat auch immer | |
| 109 | deleted: noch ein Unterkommen gefunden. Da inzwischen zu befürchten ist, daß | |
| 110 | deleted: besagte Person, wenn sie einst alt und hilfsbedürftig ist, dem | |
| 111 | deleted: Publico zur Last fällt und um Unterstützung bittet, halte ich es | |
| 112 | deleted: für meine Pflicht, die Verhältnisse dem königlichen Amte | |
| 113 | deleted: anzuzeigen. Der Jette Behrens sei bitte zu bedeuten, daß sie sich | |
| 114 | deleted: binnen einiger Monate von hier wegzubegeben habe.“* | |
| 115 | deleted: | |
| 116 | deleted: Auf dies Schreiben vom Gemeindevogt Opitz vom | |
| 117 | deleted: Dezember 1819 erhält Jette Behrens vom Königlichen Amt Calenberg | |
| 118 | deleted: die Aufforderung, sich bis Ostern 1820 aus Rössing und dem hiesigen | |
| 119 | deleted: Amte zu entfernen. Offenbar hat sie dieser Aufforderung Folge | |
| 120 | deleted: geleistet, denn sie taucht in den Rössinger Akten nicht wieder auf. | |
| 121 | deleted: | |
| 122 | deleted: Das fiscalische Schutzgeld für Samuel | |
| 123 | deleted: Hirsch-Neuhaus war 1818 bei Erteilung des Schutzbriefes zunächst auf | |
| 124 | deleted: 4 Reichstaler festgesetzt worden. Aber da das Geld nicht beizutreiben | |
| 125 | deleted: war, wird es 1822 auf 2 Reichstaler ermäßigt und danach *„wegen | |
| 126 | deleted: seiner Dürftigkeit“* ganz erlassen. Bis 1840 wird Samuel | |
| 127 | deleted: Hirsch-Neuhaus in den Listen der jüdische Einwohner noch geführt. | |
| 128 | deleted: Wahrscheinlich ist er dann gestorben und auf dem jüdischen Friedhof | |
| 129 | deleted: in Rössing beigesetzt. | |
| 130 | deleted: | |
| 131 | deleted: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal. Nr. 425 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (9)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale - Rahel Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg Im 18. Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen noch keine verg" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_3389.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Familienschicksale | |
| 12 | deleted: -** **Rahel | |
| 13 | deleted: Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg** | |
| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: <!--truncate--> | |
| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: Im 18. | |
| 18 | deleted: Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen | |
| 19 | deleted: noch keine vergleiteten Juden. Erst als in der Franzosenzeit die | |
| 20 | deleted: Bestimmungen liberaler wurden und die Verwaltungen durch die | |
| 21 | deleted: Fremdherrschaft sowieso verunsichert waren, faßten sie auch in | |
| 22 | deleted: Rössing Fuß. | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: Im Jahre 18O6 in Rössing wurde hier eine Jüdin | |
| 25 | deleted: mit Namen Rahel Simson aktenkundig. Sie stammte aus dem Hessischen | |
| 26 | deleted: und war zugewandert, aber bei wem sie in Rössing lebte oder | |
| 27 | deleted: arbeitete, geht nicht aus den Akten hervor. Doch dieser Aktenvermerk | |
| 28 | deleted: hatte schon eine längere Vorgeschichte. | |
| 29 | deleted: | |
| 30 | deleted: Am | |
| 31 | deleted: 24.März des Jahres 18O4 hatte der aus dem Bambergischen zugewanderte | |
| 32 | deleted: und in Pattensen lebende „*Judenknecht*“ | |
| 33 | deleted: Amsel Calman einen Antrag auf Erteilung eines Schutzbriefes auf die | |
| 34 | deleted: Dorfschaft Wülfingen gestellt. Das wurde ihm aber mit Schreiben vom | |
| 35 | deleted: 6. August 18O4 von Seiten des "*Calenberg-Grubenhagenschen | |
| 36 | deleted: Polizey- und Städte-Departements"* verweigert. | |
| 37 | deleted: | |
| 38 | deleted: Die | |
| 39 | deleted: Begründung lautete: | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: „*--daß* | |
| 42 | deleted: *bei der | |
| 43 | deleted: bereits vorhandenen großen Anzahl inländischer Schutzjuden Bedenken | |
| 44 | deleted: getragen werde, ausländischen Juden den Schutz in hiesigen Landen zu | |
| 45 | deleted: verleihen, mithin dem eingebrachten Gesuch nicht stattgegeben werde.“* | |
| 46 | deleted: | |
| 47 | deleted: Offenbar hat Amsel Calman doch noch den | |
| 48 | deleted: Schutzbrief auf Wülfingen erhalten, der bis "Meytag" 18O6 | |
| 49 | deleted: Gültigkeit hatte. Inzwischen hatte er sich mit der in Rössing | |
| 50 | deleted: lebenden Rahel Simson verlobt und beantragte im März 18O5 die | |
| 51 | deleted: Transferierung seines Schutzbriefes von Wülfingen auf das „ganze | |
| 52 | deleted: Dorf Rössing." Dazu mußte erst ein Gutachten von der | |
| 53 | deleted: Gemeindeverwaltung eingeholt werden. | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: Rössing bestand damals noch aus 2 Gemeindeteilen, | |
| 56 | deleted: dem Amt Rössing und dem Adeligen Gericht Rössing, die erst 1829 | |
| 57 | deleted: zusammengelegt wurden. Da man der Meinung war, daß mehr als ein | |
| 58 | deleted: einziger vergleiteter Jude für Rössing zuviel wäre, befürwortete | |
| 59 | deleted: man den Schutzbrief nur für das „ganze" Dorf, nicht etwa | |
| 60 | deleted: einen für jeden Gemeindeteil. Amsel Calman lebte vom Pferdehandel | |
| 61 | deleted: und erhielt seinen Schutzbrief. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, | |
| 62 | deleted: daß er dafür weiterhin jährlich 4 Reichstaler an das Amt Calenberg | |
| 63 | deleted: zu bezahlen habe, was eine ansehnliche Summe darstellte. | |
| 64 | deleted: | |
| 65 | deleted: Ob | |
| 66 | deleted: es noch zu der beabsichtigten Heirat mit Rahel Simson kam oder ob | |
| 67 | deleted: Amsel Calman vorher starb, läßt sich nicht genau feststellen. Kurze | |
| 68 | deleted: Zeit nach der Transferierung des Schutzbriefes im Juli 18O5 war er | |
| 69 | deleted: jedenfalls tot und Rahel Simson wird manchmal als seine Braut und | |
| 70 | deleted: manchmal als seine Witwe bezeichnet. | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Quelle: | |
| 73 | deleted: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Cal 425 | |
| 74 | deleted: | |
| 75 | deleted: # Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg | |
| 76 | deleted: | |
| 77 | deleted: Aber | |
| 78 | deleted: im März des folgenden Jahres 18O6 hat Rahel Simson einen neuen | |
| 79 | deleted: Verlobten, Jesaia Nathan Schay aus Sarstedt, manchmal auch Schey oder | |
| 80 | deleted: Schaie geschrieben. Dieser nahm später den Namen Neuberg an, der | |
| 81 | deleted: noch manchem alten Rössinger bekannt ist. Rahel Simson beantragte | |
| 82 | deleted: den Schutzbrief für ihren Verlobten, damit er nach Rössing ziehen | |
| 83 | deleted: könnte und die Hochzeit stattfinden dürfte. Aber der Antrag wurde | |
| 84 | deleted: am 14. April 18O6 von „Seiner Königlichen Majestät von Preußen | |
| 85 | deleted: provisorisch bestätigter hiesigen Provinzial-Regierung" | |
| 86 | deleted: abgelehnt, denn im Jahre 1806 gehörte das Kurfürstentum Hannover im | |
| 87 | deleted: Zuge der Napoleonischen Wirren für einige Monate zu Preußen. | |
| 88 | deleted: | |
| 89 | deleted: Daraufhin | |
| 90 | deleted: schrieb Nathan Schay ein weiteres dringendes Gesuch auf Erteilung des | |
| 91 | deleted: Schutzbriefes, weil seine Braut jetzt hoch schwanger sei, und er | |
| 92 | deleted: zeigte die unglücklichen Folgen, wenn sie nicht mit dem | |
| 93 | deleted: Landesherrlichen Schutz begnadigt würden. | |
| 94 | deleted: | |
| 95 | deleted: *"Es | |
| 96 | deleted: steht daher in Eurer Wohlgeborenen Gewalt, meine Braut und mich | |
| 97 | deleted: glücklich zu machen oder in namenloses Elend zu stürzen, denn auf | |
| 98 | deleted: den Bericht eures hochlöblichen Amtes wird es ankommen, ob ich mit | |
| 99 | deleted: dem Landesherrlichen Schutz begnadet werde oder nicht. Ich wage daher | |
| 100 | deleted: auf hochderoselben Menschenfreundlichkeit vertrauend, die gehorsamst | |
| 101 | deleted: demütigste Bitte: Hochderoselben wollen geruhen, auf das von meiner | |
| 102 | deleted: Braut unterm 19.d.M. bei einem hohen Polizey und Städte-Departement | |
| 103 | deleted: untertänigst überreichte Gesuch einen wohlmöglich guten Bericht | |
| 104 | deleted: huldvollst abzustatten.* | |
| 105 | deleted: | |
| 106 | deleted: *Ich | |
| 107 | deleted: ersterbe in tiefstem Respekt* | |
| 108 | deleted: | |
| 109 | deleted: *Euer | |
| 110 | deleted: Wohlgeboren untertänigster Diener* | |
| 111 | deleted: | |
| 112 | deleted: ## Nathan Schay“ | |
| 113 | deleted: | |
| 114 | deleted: Daraufhin | |
| 115 | deleted: ordnet die Provinzialregierung mit Schreiben vom 10. Juli 1806 an, | |
| 116 | deleted: daß das Gesuch erneut zu überprüfen sei. Es soll genau dargestellt | |
| 117 | deleted: werden, was gegen die Gewährung des Schutzes vorzubringen sei. Der | |
| 118 | deleted: Rössinger Amtsvogt beantwortet das Schreiben am 1. August 1806 | |
| 119 | deleted: wohlwollend. Aber offensichtlich hat sich der ganze Vorgang | |
| 120 | deleted: verzögert, vielleicht durch die politischen Veränderungen. Denn am | |
| 121 | deleted: 16. Oktober 1806 hatten die Preußen in der Schlacht bei Jena und | |
| 122 | deleted: Auerstedt eine vernichtende Niederlage erlitten und die Franzosen | |
| 123 | deleted: waren wieder die Herren im Lande. Mit Schreiben vom 18. Dezember | |
| 124 | deleted: desselben Jahres befürwortet der Vogt erneut, Nathan Schay mit dem | |
| 125 | deleted: Schutz zu begnadigen, nachdem er umfassende Erkundigungen über das | |
| 126 | deleted: Vermögen, die Lebensumstände und die Familie des Bewerbers aus | |
| 127 | deleted: Sarstedt eingezogen hat. | |
| 128 | deleted: | |
| 129 | deleted: „*Da ich wegen des bisherigen | |
| 130 | deleted: Lebenswandels und guter Aufführung die vorzüglichsten Zeugnisse | |
| 131 | deleted: erhalten habe, ist gegen eine Schutzbrieferteilung nichts | |
| 132 | deleted: einzuwenden.“* | |
| 133 | deleted: | |
| 134 | deleted: Diese | |
| 135 | deleted: erfolgte, wenn auch mit einiger Verzögerung, so daß die Heirat mit | |
| 136 | deleted: mit Rachel Simson stattfinden und das Paar sich in Rössing | |
| 137 | deleted: niederlassen konnte. | |
| 138 | deleted: | |
| 139 | deleted: Quelle: | |
| 140 | deleted: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal | |
| 141 | deleted: Nr. 425 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (10)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle 18O8 nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das Ehepaar Simson/Schay als un" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_9854.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: # Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: <!--truncate--> | |
| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: 18O8 | |
| 16 | deleted: nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das | |
| 17 | deleted: Ehepaar Simson/Schay als unveränderlichen Nachnamen den Namen | |
| 18 | deleted: Neuberg an. | |
| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: Die | |
| 21 | deleted: von den Franzosen zugesicherte Gleichberechtigung schloß den bis | |
| 22 | deleted: dahin im Kurfürstentum Hannover verbotenen Grunderwerb der Juden | |
| 23 | deleted: ein. Nathan Schay nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem er am 21. | |
| 24 | deleted: Dezember 18O6 seinen Schutzbrief erhalten hatte, kaufte er die | |
| 25 | deleted: Köthnerstelle Nr. 15 ( Lange Str. Nr.7**).** | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: Diese | |
| 28 | deleted: Köthnerstelle hatte Hans Heinrich Blume gehört, der über 40 Jahre | |
| 29 | deleted: dort den Dorfkrug und einen einträglichen Garn- und Hokenhandel | |
| 30 | deleted: betrieben hatte. Nach seinem Tode 1802 geriet sein Sohn Heinrich | |
| 31 | deleted: Julius Blume in finanzielle Schwierigkeiten. Er ging in Konkurs. und | |
| 32 | deleted: der Schlachter Schreyer aus Jeinsen kaufte Haus und Grundstück. Von | |
| 33 | deleted: diesem erwarb Nathan Neuberg die Köthnerstelle. Aber die behördliche | |
| 34 | deleted: Zustimmung zum Erwerb der „Köthnerey" wurde ihm von Seiten | |
| 35 | deleted: der Regierung mit Schreiben vom 16. Juni 18O8 verweigert**.** | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: Als | |
| 38 | deleted: Begründung wurde angegeben, daß das Ehepaar nicht wohlhabend genug | |
| 39 | deleted: sei, um solche finanziellen Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Denn | |
| 40 | deleted: es sei nicht einmal im Stande gewesen, die Schulden von Amsel Calman | |
| 41 | deleted: abzutragen, dem ersten Ehemann der Rahel Simson. | |
| 42 | deleted: | |
| 43 | deleted: Solange | |
| 44 | deleted: die Franzosen im Lande waren, ließ man die Familie Schay-Neuberg | |
| 45 | deleted: unbehelligt. Sie wohnte in ihrem Hause, brachte es zu einer | |
| 46 | deleted: ansehnlichen Kinderschar, hatte einen Hauslehrer, eine Dienstmagd, | |
| 47 | deleted: einen Handelsknecht und brachte es durch den Handel mit „Tuch- und | |
| 48 | deleted: Ellenwaren" zu einigem Wohlstand. | |
| 49 | deleted: | |
| 50 | deleted: Aber | |
| 51 | deleted: als die Franzosen abgezogen waren, wurden die meisten alten | |
| 52 | deleted: Judengesetze wieder in Kraft gesetzt und Familie Neuberg mußte um | |
| 53 | deleted: ihren Besitz fürchten. | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: Daher | |
| 56 | deleted: richtete Neuberg im Sommer des Jahres 1814 an die Provisorische | |
| 57 | deleted: Regierungskommission das Gesuch, ihn in seinem Besitz zu bestätigen. | |
| 58 | deleted: Diese forderte das Amt Calenberg auf, Nathan Schay (auch die | |
| 59 | deleted: bleibenden Familiennamen hatte man vorübergehend wieder abgeschafft) | |
| 60 | deleted: zur Verantwortung zu ziehen, weil er die besagte Köthnerstelle | |
| 61 | deleted: angekauft habe, obwohl ihm die Erlaubnis dazu (im Jahre 18O8) | |
| 62 | deleted: verweigert worden war. Der in Rössing schon während der | |
| 63 | deleted: Franzosenzeit amtierende Bürgermeister Georg Opitz befürwortete | |
| 64 | deleted: aber das Gesuch des Nathan Schay-Neuberg sehr eindringlich. | |
| 65 | deleted: | |
| 66 | deleted: *"Da | |
| 67 | deleted: es keine weiteren Gründe gibt, dem Schay-Neuberg die Erteilung der | |
| 68 | deleted: Erlaubnis für den Erwerb zu verweigern, als den, weil eigentlich die | |
| 69 | deleted: Schutzjuden nicht mit liegenden Gründen angesetzt sein sollten, so | |
| 70 | deleted: ist dies in neueren Zeiten aber doch möglich. Die Familie ist | |
| 71 | deleted: inzwischen wohlhabend und in der Lage, die Blumesche Konkurs-Sache | |
| 72 | deleted: endlich zu beendigen und den ausstehenden Teil der Kaufsumme und die | |
| 73 | deleted: restlichen Zinsen bar zu bezahlen. Darum weiß ich dem Wunsche des | |
| 74 | deleted: Schay-Neuberg, in seinem Eigentum von der jetzigen Landesregierung | |
| 75 | deleted: geschützt zu werden, gar nichts entgegen zu setzen."* | |
| 76 | deleted: | |
| 77 | deleted: Aber | |
| 78 | deleted: das Amt Calenberg fordert Rechtfertigung. Zweimal wird Schay | |
| 79 | deleted: vergeblich vorgeladen. Ein seitenlanges, sehr interessantes Protokoll | |
| 80 | deleted: gibt Kunde von der Verhandlung am 19. September 1814 auf dem Amt | |
| 81 | deleted: Calenberg. | |
| 82 | deleted: | |
| 83 | deleted: Für sein zweimaliges Fernbleiben entschuldigt er | |
| 84 | deleted: sich einmal wegen der Feier des jüdischen Neujahrsfestes und das | |
| 85 | deleted: andere Mal sei er verreist gewesen. Ferner gibt er an: | |
| 86 | deleted: | |
| 87 | deleted: „*Solange | |
| 88 | deleted: die Hannnöversche Verwaltung gedauert habe, hätte er es nicht | |
| 89 | deleted: gewagt, gegen das von Königlicher Regierung ergangene Verbot, die | |
| 90 | deleted: Stelle des Köthners Blume, die der Schlächter Schreyer aus Jeinsen | |
| 91 | deleted: gekauft habe, zu erwerben.* ***Aber | |
| 92 | deleted: während der Westfälischen Verfassung (König Jerôme) habe kein | |
| 93 | deleted: Verbot bestanden, daß jüdische Untertanen Grundbesitz erwerben | |
| 94 | deleted: dürften****, | |
| 95 | deleted: und so habe er keine Bedenken gehabt, in den Kontrakt Schreyers | |
| 96 | deleted: einzutreten. Diese Verhandlung sei indes nur mündlich abgemacht und | |
| 97 | deleted: damit beschlossen, daß Schreyer ihm sämtliche sich auf den Ankauf | |
| 98 | deleted: beziehenden Aktenstücke ausgehändigt habe. Da er nicht der einzige | |
| 99 | deleted: Jude gewesen sei, der in dieser Periode Grundbesitz erworben habe, | |
| 100 | deleted: hoffe er, daß man dieses nicht übel aufnehmen werde. Nur durch den | |
| 101 | deleted: Tod des Schlächters Schreyer sei die Sache noch nicht abgewickelt | |
| 102 | deleted: gewesen.* | |
| 103 | deleted: | |
| 104 | deleted: *Zu | |
| 105 | deleted: der Köthnerei gehöre auch kein Ackerland, und das dem | |
| 106 | deleted: Herrschaftlichen Amt zustehende Dienstgeld für Haus und Garten von | |
| 107 | deleted: nur 5 Reichsthalern und 24 Mariengroschen könne er leicht aufbringen | |
| 108 | deleted: (anstatt der auf den Köthnerstellen lastenden Hand- und | |
| 109 | deleted: Spanndienste). Die 27O Reichsthaler in Gold, die Schlächter Schreyer | |
| 110 | deleted: von der Kaufsumme schuldig geblieben sei, habe er auch übernommen | |
| 111 | deleted: und hätte sie schon längst beim damaligen Mahlerter Friedensrichter | |
| 112 | deleted: Liekefett bezahlt, wenn die angesagten Termine zustande gekommen | |
| 113 | deleted: wären.* | |
| 114 | deleted: | |
| 115 | deleted: *Die | |
| 116 | deleted: Schulden, die vom ersten Ehemann seiner Ehefrau , Amsel Calman | |
| 117 | deleted: herrührten, seien längst vor dem Friedensrichter Liekefett in der | |
| 118 | deleted: Westfälischen Zeit durch einen Vergleich bereinigt.* | |
| 119 | deleted: | |
| 120 | deleted: *Sehr | |
| 121 | deleted: hart wäre es auch für ihn, wenn das Gesuch abgeschlagen würde, | |
| 122 | deleted: weil er schon 3OO bis 4OO Reichsthaler an Reparaturen in das Haus | |
| 123 | deleted: gesteckt habe."* | |
| 124 | deleted: | |
| 125 | deleted: Im Mai 1815 wird Nathan Schay-Neuberg folgender | |
| 126 | deleted: Beschluß verkündet und schriftlich ausgehändigt: | |
| 127 | deleted: | |
| 128 | deleted: „**Nathan | |
| 129 | deleted: Schay-Neuberg wird der Besitz des Kothofes zugesprochen.** | |
| 130 | deleted: | |
| 131 | deleted: **Sollte | |
| 132 | deleted: allerdings ihm oder seinen Leibes- oder sonstigen Erben der | |
| 133 | deleted: Landesherrliche Schutz (Schutzbrief) entzogen werden, so muß der | |
| 134 | deleted: Kothof einem christlichen Einwohner verkauft oder überlassen werden. | |
| 135 | deleted: Sollten er oder seine Frau zu ihren Lebzeiten den Kothof verkaufen | |
| 136 | deleted: wollen, so gilt dieselbe Bedingung, daß der neue Besitzer ein Christ | |
| 137 | deleted: sein muß und kein Jude sein darf."** | |
| 138 | deleted: | |
| 139 | deleted: Quelle: | |
| 140 | deleted: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Calenberg, Nr. 430 und Nr. 439 | |
| @@ -1,204 +0,0 @@ | ||
| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (11)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen Familie, die üb" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7943.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: ## Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: <!--truncate--> | |
| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: Rahel | |
| 16 | deleted: Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen | |
| 17 | deleted: Familie, die über vier Generationen bis ca. 1930 in Rössing | |
| 18 | deleted: ansässig ist. | |
| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: Nathan | |
| 21 | deleted: Schay-Neuberg bezahlt jährlich 4 Reichstaler für den Schutzbrief | |
| 22 | deleted: für sich und seine Familie und gehört somit zu den „reputierlichen“ | |
| 23 | deleted: Juden. Er ist recht wohlhabend und handelt mit Tuch- und Ellenwaren, | |
| 24 | deleted: außerdem betreibt er einen Hoken- oder Kleinhandel. | |
| 25 | deleted: | |
| 26 | deleted: Eine | |
| 27 | deleted: amtliche Beurteilung über ihn lautet im Jahre 1816: | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: *---ist | |
| 30 | deleted: ein rechtlicher Mann, führt sich recht gut und besitzt hier eine | |
| 31 | deleted: kleine Köthnerey.* | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: Zwischen | |
| 34 | deleted: 1807 und 1815 bekommt das Ehepaar fünf Kinder: | |
| 35 | deleted: | |
| 36 | deleted: Nathan 1807 | |
| 37 | deleted: | |
| 38 | deleted: Ester 1809 | |
| 39 | deleted: | |
| 40 | deleted: Simon 1811 | |
| 41 | deleted: | |
| 42 | deleted: Lina 1813 | |
| 43 | deleted: | |
| 44 | deleted: Sara 1815 | |
| 45 | deleted: | |
| 46 | deleted: Conrad | |
| 47 | deleted: Geburtsjahr unbekannt | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: Außerdem | |
| 50 | deleted: gehören zum Haushalt der Schullehrer Daniel Rufen, der Handelsknecht | |
| 51 | deleted: Wolf Walbaum und die Magd Eva Moses. | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: **1828** | |
| 54 | deleted: verfügt die Regierung**,** | |
| 55 | deleted: daß die Judenwieder | |
| 56 | deleted: unveränderliche Nachnamen annehmen müssen. Nathan Schay nimmt | |
| 57 | deleted: wieder seinen alten Namen aus der Franzosenzeit an: *Neuberg.* | |
| 58 | deleted: | |
| 59 | deleted: # Bildung von Synagogengemeinden | |
| 60 | deleted: | |
| 61 | deleted: Mit | |
| 62 | deleted: Schreiben vom 18. Juli 1843 fordert die Landdrostei die Juden in | |
| 63 | deleted: Rössing auf, Synagogengemeinden zu bilden. Der Vorsteher dieser | |
| 64 | deleted: Synagogengemeinde wird verpflichtet, Trauungs-, Geburts- und | |
| 65 | deleted: Sterbelisten zu führen. Dies sind die einzigen Quellen für die | |
| 66 | deleted: Lebensdaten der hiesigen jüdischen Einwohner. Von diesen Listen sind | |
| 67 | deleted: aber nur sehr wenige, dazu lückenhaft geführte Exemplare erhalten. | |
| 68 | deleted: Standesämter gab es noch nicht und jüdische Geburten oder | |
| 69 | deleted: Eheschließungen wurden in die christlichen Kirchenbücher nicht | |
| 70 | deleted: eingetragen. | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Der | |
| 73 | deleted: erste Synagogenvorsteher wirdNathan Neuberg. | |
| 74 | deleted: | |
| 75 | deleted: **Eine | |
| 76 | deleted: schöne Mitgift** | |
| 77 | deleted: | |
| 78 | deleted: Im | |
| 79 | deleted: Jahr 1854 taucht noch eine Julie Neuberg auf, die wir nicht ohne | |
| 80 | deleted: weiteres einordnen können. Es kann sich um eine spät geborene | |
| 81 | deleted: Tochter von Rachel und Nathan Neuberg oder um eine schon | |
| 82 | deleted: heiratsfähige Tochter des noch recht jungen Simon Neuberg handeln. | |
| 83 | deleted: | |
| 84 | deleted: Von | |
| 85 | deleted: ihr erfahren wir erst im Jahre 1854 etwas, als der 30jährige | |
| 86 | deleted: Handelsmann Levi Wolff aus Hildesheim sie heiraten will. | |
| 87 | deleted: | |
| 88 | deleted: Der | |
| 89 | deleted: Hildesheimer Magistrat hat Bedenken wegen der wirtschaftlichen Lage | |
| 90 | deleted: des Bräutigams. Aus diesem Grunde richtet er am 11. März 1854 eine | |
| 91 | deleted: Anfrage an die Gemeinde Rössing, ob die Angaben des Wolff zutreffen, | |
| 92 | deleted: dass der „Fabrikant“ Neuberg seine Tochter mit einem Brautschatz | |
| 93 | deleted: von 400 Reichsthalern ausstatten kann, | |
| 94 | deleted: | |
| 95 | deleted: und | |
| 96 | deleted: außerdem erkundigt er sich nach dem guten Ruf der Braut. | |
| 97 | deleted: | |
| 98 | deleted: Beide | |
| 99 | deleted: Fragen werden wohlwollend beantwortet. | |
| 100 | deleted: | |
| 101 | deleted: „*Der | |
| 102 | deleted: Fabrikant Neuberg ist sehr wohl des Vermögens, seiner Tochter eine | |
| 103 | deleted: Aussteuer von 400 Reichsthalern zu geben.* | |
| 104 | deleted: | |
| 105 | deleted: *Seine | |
| 106 | deleted: Tochter Julie Neuberg hat bis jetzt ein sittlich unbescholtenes Leben | |
| 107 | deleted: geführt*.“ | |
| 108 | deleted: | |
| 109 | deleted: # Und so steht einer Heirat wohl nichts mehr im Wege. Allerdings erfahren wir in dem Schreiben auch nicht, ob es sich bei dem Brautvater, dem „Fabrikanten Neuberg, um den Vater Nathan oder seinen Sohn Simon Neuberg handelt. | |
| 110 | deleted: | |
| 111 | deleted: Kurze | |
| 112 | deleted: Zeit später, noch in demselben Jahre 1854 stirbt Nathan Neuberg. | |
| 113 | deleted: | |
| 114 | deleted: # | |
| 115 | deleted: | |
| 116 | deleted: # Das Erbe wird geteilt | |
| 117 | deleted: | |
| 118 | deleted: Nach | |
| 119 | deleted: dem Tode des Vaters wird der zweitälteste Sohn von Nathan, der 1811 | |
| 120 | deleted: geborene Simon Neuberg im Jahr 1855 Synagogenvorsteher. | |
| 121 | deleted: | |
| 122 | deleted: Das | |
| 123 | deleted: Grundstück der Köthnerstelle Nr. 15 wird mit dem Garten der Länge | |
| 124 | deleted: nach geteilt. Zu jedem Teil gehört ein Wohnhaus und ein | |
| 125 | deleted: langgestreckter Garten. Das linke Haus erbt Simon, es behält die | |
| 126 | deleted: Nummer 15 (heute Lange Straße Nr. 7), das rechte Haus erhält der | |
| 127 | deleted: jüngste Sohn Conrad. Dies steht mit dem Giebel direkt an der Straße | |
| 128 | deleted: und bekommt die neue Hausnummer 71 (heute Lange Straße Nr. 9). | |
| 129 | deleted: | |
| 130 | deleted: Über | |
| 131 | deleted: Nathan, den ältesten Sohn des Ehepaares und die drei Töchter | |
| 132 | deleted: erfahren wir nichts. Ob sie verheiratet und fortgezogen oder | |
| 133 | deleted: verstorben sind, geht aus den Unterlagen nicht hervor. | |
| 134 | deleted: | |
| 135 | deleted: **Die | |
| 136 | deleted: nächste Generation** | |
| 137 | deleted: | |
| 138 | deleted: Simon | |
| 139 | deleted: Neuberg ist verheiratet mit Friederike Oppenheimer und hat zwei | |
| 140 | deleted: Kinder. | |
| 141 | deleted: | |
| 142 | deleted: Die | |
| 143 | deleted: Tochter Regine heiratet 1866 den 30jährigen Hermann Leidensdorf aus | |
| 144 | deleted: Neuhaus an der Elbe und verläßt Rössing. | |
| 145 | deleted: | |
| 146 | deleted: Der | |
| 147 | deleted: Sohn David ist Kaufmann und heiratet am 13. Februar 1872 Johanne | |
| 148 | deleted: Kaiser aus Eschwege, wo auch die Hochzeit stattfindet, und am 29. | |
| 149 | deleted: November desselben Jahres wird er Vater eines Sohnes Paul. | |
| 150 | deleted: | |
| 151 | deleted: Dieser | |
| 152 | deleted: Paul Neuberg taucht später als Inhaber eines Schuhgeschäftes in | |
| 153 | deleted: Walsrode auf. Seine Familie fällt später dem Holocaust zum Opfer. | |
| 154 | deleted: | |
| 155 | deleted: Wahrscheinlich | |
| 156 | deleted: ist Simon Neuberg 1873 schon verstorben, denn der Schlachter Israel | |
| 157 | deleted: Levi Blumenthal hat zu diesem Zeitpunkt das Amt des | |
| 158 | deleted: Synagogenvorstehers inne. | |
| 159 | deleted: | |
| 160 | deleted: Simon | |
| 161 | deleted: Neubergs Wohnhaus wird um die Jahrhundertwende 1899/1900 an | |
| 162 | deleted: Schneidermeister Wilhelm Haase verkauft, der es seiner Tochter | |
| 163 | deleted: vererbt und seit 1982 ist es im Besitz von Klaus Peinemann. | |
| 164 | deleted: | |
| 165 | deleted: Die | |
| 166 | deleted: Witwe von David Neuberg, Johanne Kaiser, lebt nachdem Wegzug ihres | |
| 167 | deleted: Sohnes und dem Verkauf des Hauses noch bis ca. 1930 allein in Rössing | |
| 168 | deleted: im Eikenhof Nr. 4 (etwa 2004 abgerissen). In der Nachbarschaft war | |
| 169 | deleted: sie als „Tante Nit“ bekannt. Sie hütete oft die Kinder der | |
| 170 | deleted: Bauern und ging mit ihnen spazieren, wenn diese keine Zeit hatten. | |
| 171 | deleted: Eine stereotype Redewendung von ihr war: „Nit woahr?“, und so kam | |
| 172 | deleted: sie zu ihrem Spitznamen. Sie starb etwa 1930 und hat die Zeit der | |
| 173 | deleted: Nationalsozialisten nicht mehr erlebt. | |
| 174 | deleted: | |
| 175 | deleted: Über | |
| 176 | deleted: die Familie von Conrad Neuberg oder seine Nachfahren ist nichts | |
| 177 | deleted: bekannt. Das Haus Nr 71 wird schon vor der Jahrhundertwende verkauft. | |
| 178 | deleted: Es wechselt mehrfach den Besitzer; Kregel, Sindram und bis in die | |
| 179 | deleted: 50er Jahre Familie Siede. Der letzte Siede war ein besonderes | |
| 180 | deleted: Original, er war der letzte Rössinger Bader, gleichzeitig Friseur, | |
| 181 | deleted: Apotheker, Arzt, Zahnarzt und Kohlenhändler. | |
| 182 | deleted: | |
| 183 | deleted: Heute | |
| 184 | deleted: hat das Haus einen Sarstedter Besitzer. | |
| 185 | deleted: | |
| 186 | deleted: Damit | |
| 187 | deleted: war die Familie Neuberg in Rössing ausgestorben. Auf dem jüdischen | |
| 188 | deleted: Friedhof finden sich auch keine Grabsteine der Familie Neuberg mehr. | |
| 189 | deleted: Als 1940 der jüdische Friedhof zwangsweise verkauft wurde, entfernte | |
| 190 | deleted: man die umgefallenen und zerbrochenen Grabmale. Es blieben nur Steine | |
| 191 | deleted: der Familie Blumenthal erhalten, die bis 1942 in Rössing lebte. | |
| 192 | deleted: | |
| 193 | deleted: # Weitere Familiennachrichten | |
| 194 | deleted: | |
| 195 | deleted: Der | |
| 196 | deleted: Rössinger Stammvater der Neubergs, Nathan Schay, stammte aus | |
| 197 | deleted: Sarstedt. Die Sarstedter Neubergs waren eine angesehene und | |
| 198 | deleted: wohlhabende Familie und betrieben Textil- und Schuhhandel auf der | |
| 199 | deleted: Hauptstraße. Unter anderem gehörte ihnen das Haus Steinstraße 13, | |
| 200 | deleted: die heutige Begegnungsstätte der Gemeinde, bis sie in der NS-Zeit | |
| 201 | deleted: dem Holocaust zum Opfer fielen | |
| 202 | deleted: | |
| 203 | deleted: Quellen: | |
| 204 | deleted: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 423, 424, 425, 427, 428, 431 | |
| @@ -1,165 +0,0 @@ | ||
| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (12)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-04-26 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Synagogen- und Schulwesen 1687 wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen Oberhaupt" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8903.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: Synagogen- und Schulwesen | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: **1687** | |
| 14 | deleted: wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, | |
| 15 | deleted: Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen | |
| 16 | deleted: Oberhauptes, eines Landesrabbiners und damit endlich ihre freie | |
| 17 | deleted: Religionsausübung gestattet. Die Synagogen, soweit vorhanden, | |
| 18 | deleted: standen bisher schmucklos und in versteckten Winkeln. Die jüdische | |
| 19 | deleted: Religionsausübung sollte unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich | |
| 20 | deleted: gehen. | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: <!--truncate--> | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: Der | |
| 25 | deleted: Landesrabbiner hatte richterliche Funktionen und war für | |
| 26 | deleted: Streitigkeiten der Juden untereinander verantwortlich. Außerdem | |
| 27 | deleted: unterstand ihm das jüdische Schulwesen, wobei es sich fast | |
| 28 | deleted: ausschließlich um Talmudschulen handelte. Der **Talmud** | |
| 29 | deleted: ist die Sammlung der Gesetze der religiösen Überlieferungen des | |
| 30 | deleted: nachbiblischen Judentums. Die Kinder lernten hauptsächlich | |
| 31 | deleted: Hebräisch, die jüdischen Gesetze und Gebetsriten. Weitere | |
| 32 | deleted: Lerninhalte waren vor allem für Mädchen kaum vorgegeben. | |
| 33 | deleted: | |
| 34 | deleted: Von | |
| 35 | deleted: 1802 bis ca. 1830war der | |
| 36 | deleted: Posten des Landesrabbiners nicht besetzt. | |
| 37 | deleted: | |
| 38 | deleted: 1816 | |
| 39 | deleted: erfolgte von Seiten des Amtes Calenberg eine Anfrage an die Gemeinde | |
| 40 | deleted: Rös- sing, ob eine Synagoge oder eine jüdische Schule am Ort sei. | |
| 41 | deleted: Die Antwort war „Nein". | |
| 42 | deleted: | |
| 43 | deleted: In | |
| 44 | deleted: demselben Jahrwurde | |
| 45 | deleted: in einer Liste der zum Haushalt des Nathan Schay-Neuberg gehörenden | |
| 46 | deleted: Personen der 39jährige*Daniel | |
| 47 | deleted: Rufen*als | |
| 48 | deleted: Schullehrer angeführt. Solche jüdischen Hauslehrer waren damals vor | |
| 49 | deleted: allem Religionslehrer. Vom 3. Lebensjahr an wurden die Kinder im | |
| 50 | deleted: jüdischen Glauben und seinem Ritualkodex unterrichtet. Diese Lehrer | |
| 51 | deleted: waren auch besonders im Schächten ausgebildet, damit die jüdischen | |
| 52 | deleted: Speisegesetze eingehalten werden konnten. Sie fungierten als Sänger | |
| 53 | deleted: und Vorbeter bei den Gebetsstunden, bei denen die geschriebene | |
| 54 | deleted: Thorarolle der 5 Bücher Moses, der Gebetschal, der den Kopf bedeckte | |
| 55 | deleted: und der Gebetsriemen, ein Lederriemen, der in einer besonderen Art | |
| 56 | deleted: und Weise um den Arm gewickelt wurde, eine wichtige Rolle spielten. | |
| 57 | deleted: | |
| 58 | deleted: Wie | |
| 59 | deleted: im einzelnen hier auf dem Lande die jüdischen Gottesdienste | |
| 60 | deleted: abgehalten wurden, ist nicht überliefert. Zu einem | |
| 61 | deleted: vorschriftsmäßigen jüdischen Gottesdienst gehörten nämlich | |
| 62 | deleted: mindestens 10 männliche Juden über 14 Jahre. | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: 1824waren | |
| 65 | deleted: aber lt. Statistik insgesamt nur 20 Juden in Rössing vorhanden, | |
| 66 | deleted: wovon mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Wahrscheinlich | |
| 67 | deleted: mußte hier das ganze Ritual in einer vereinfachten Form stattfinden. | |
| 68 | deleted: | |
| 69 | deleted: 1842 | |
| 70 | deleted: wurden die Juden aufgefordert, Synagogengemeinden zu bilden. | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: M. | |
| 73 | deleted: Zuckermann gibt in seinem Buch: „Kollektanea zur Geschichte der | |
| 74 | deleted: Juden im Hannoverland" (Hannover 1912) an, daß es 1842 in | |
| 75 | deleted: Rössing eine Synagoge gab. | |
| 76 | deleted: | |
| 77 | deleted: Dies war aber mit Sicherheit kein eigenständiger | |
| 78 | deleted: Kirchenbau, sondern der jüdische Gottesdienst wurde in einem | |
| 79 | deleted: Wohnraum der Familie Neuberg abgehalten. | |
| 80 | deleted: | |
| 81 | deleted: 1860/61wurde | |
| 82 | deleted: das Wohnhaus von Simon Neuberg umgebaut, man sieht es aus der | |
| 83 | deleted: Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkataster. Es wurde mit einem | |
| 84 | deleted: Anbau versehen und dieser Anbau wurde lt. mündlicher Überlieferung | |
| 85 | deleted: als Synagoge genutzt, zumindest, so lange wie das Haus im Besitz der | |
| 86 | deleted: Familie Neuberg war (bis ca. 1900). | |
| 87 | deleted: | |
| 88 | deleted: # Synagogenvorsteher waren | |
| 89 | deleted: | |
| 90 | deleted: 1843 | |
| 91 | deleted: Nathan Neuberg bis 1854 | |
| 92 | deleted: | |
| 93 | deleted: 1855 Simon Neuberg bis 1873 | |
| 94 | deleted: | |
| 95 | deleted: # 1873 Israel Levi Blumenthal | |
| 96 | deleted: | |
| 97 | deleted: Moritz Blumenthal | |
| 98 | deleted: | |
| 99 | deleted: Karl Blumenthal bis 1942 | |
| 100 | deleted: | |
| 101 | deleted: Die | |
| 102 | deleted: Synagogenvorsteher waren verpflichtet, Heirats-, Geburts- und | |
| 103 | deleted: Sterbelisten zu führen. Leider enthalten sie sehr wenig Angaben, und | |
| 104 | deleted: es sind auch nur noch sehr wenige erhalten. | |
| 105 | deleted: | |
| 106 | deleted: Die | |
| 107 | deleted: nächste Synagoge mit einem richtigen Synagogengebäude befand sich | |
| 108 | deleted: bis 1942 in Eldagsen. | |
| 109 | deleted: | |
| 110 | deleted: ## Jüdisches Schulwesen | |
| 111 | deleted: | |
| 112 | deleted: 1854erfolgte | |
| 113 | deleted: die Neuordnung eines eigenständigen jüdischen Elementarschulwesens | |
| 114 | deleted: und der jüdischen Lehrerbildung, die beide dem Landrabbinat | |
| 115 | deleted: unterstanden. Nach der Schulordnung von 1854 waren mit 17 | |
| 116 | deleted: Wochenstunden mehr als die Hälfte der Unterrichtsgegenstände auf | |
| 117 | deleted: jüdische Religion und Kultur ausgerichtet, davon waren allein 4 | |
| 118 | deleted: Stunden hebräische Sprache und 3 Stunden für biblische und jüdische | |
| 119 | deleted: Geschichte vorgesehen. | |
| 120 | deleted: | |
| 121 | deleted: In | |
| 122 | deleted: Rössing hat es jedenfalls keine jüdische Elementarschule gegeben, | |
| 123 | deleted: dazu war der Ort viel zu klein. Vielleicht lag auch darin der Grund, | |
| 124 | deleted: daß so viele Kinder der hiesigen jüdischen Familien in den Akten | |
| 125 | deleted: nicht wieder auftauchten. | |
| 126 | deleted: | |
| 127 | deleted: Bei | |
| 128 | deleted: den Juden ist ein hervorstechendes Merkmal der Sippenzusammenhalt. | |
| 129 | deleted: Ältere oder auch jüngere Verwandte fanden ohne weiteres | |
| 130 | deleted: Unterschlupf in den Familien, und so ist auch möglich, daß die | |
| 131 | deleted: Kinder in größeren Orten bei Verwandten wohnten und dort die | |
| 132 | deleted: jüdische Schule besuchten. | |
| 133 | deleted: | |
| 134 | deleted: Die | |
| 135 | deleted: Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu | |
| 136 | deleted: schicken, wenn keine jüdischen Schulen am Ort waren. Vom | |
| 137 | deleted: Religionsunterricht waren sie allerdings befreit Für den jüdischen | |
| 138 | deleted: Religionsunterricht sorgte dann der Rabbiner. | |
| 139 | deleted: | |
| 140 | deleted: In | |
| 141 | deleted: der Schulstatistik der Rössinger Grundschule fanden sich nur | |
| 142 | deleted: Angaben.über den Zeitraum von 1898 bis 1911. Frühere Angaben über | |
| 143 | deleted: jüdische Schulkinder waren nicht aufzufinden. | |
| 144 | deleted: | |
| 145 | deleted: 1898-1900 kein | |
| 146 | deleted: jüdisches Kind | |
| 147 | deleted: | |
| 148 | deleted: 1901 2 | |
| 149 | deleted: jüdische Kinder | |
| 150 | deleted: | |
| 151 | deleted: 1904.24.Juli je | |
| 152 | deleted: 1 jüd. Kind in Kl. III und Kl. IV | |
| 153 | deleted: | |
| 154 | deleted: 1906.20.Juni 3 | |
| 155 | deleted: jüdische Kinder | |
| 156 | deleted: | |
| 157 | deleted: 1911.24.Mai 1 | |
| 158 | deleted: jüdisches Kind | |
| 159 | deleted: | |
| 160 | deleted: Quellen: | |
| 161 | deleted: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 431 und 432 | |
| 162 | deleted: | |
| 163 | deleted: Niedersächsisches Jahrbuch 1989 | |
| 164 | deleted: | |
| 165 | deleted: Rössinger Schulchronik Band 2 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (13)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale; Die ersten Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle Israel Levin Blumenthal I Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Familienschicksale;** | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: **Die ersten | |
| 14 | deleted: Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle** | |
| 15 | deleted: | |
| 16 | deleted: <!--truncate--> | |
| 17 | deleted: | |
| 18 | deleted: **Israel Levin | |
| 19 | deleted: Blumenthal I** | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat sich während | |
| 22 | deleted: der gelockerten Bestimmungen in der Franzosenzeit , also zu Beginn des 19. | |
| 23 | deleted: Jahrhunderts, in Rössing angesiedelt. | |
| 24 | deleted: Israel Levin war ein Schlachter aus Barnten, Amt Steuerwald, der den Namen | |
| 25 | deleted: Blumenthal angenommen hatte und vom Schlachten und Kleinhandel lebte. | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: **Der Schutzbrief** | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: Am 16. Februar 1814 wird er in einer Liste als | |
| 30 | deleted: unvergeleiteter jüdischer Einwohner in der Vogtei Rössing aktenkundig, weil er | |
| 31 | deleted: einen Schutzbrief beantragt hat. Die Behörde fragt an, ob der Antragsteller | |
| 32 | deleted: Blumenthal „*schutzwürdig*“ sei. Der | |
| 33 | deleted: Bürgermeister bzw. Vogt Opitz stellt ihm ein gutes Führungszeugnis aus und | |
| 34 | deleted: befürwortet Blumenthals Antrag. | |
| 35 | deleted: | |
| 36 | deleted: Am 31.Mai 1814 wird Israel Levin Blumenthal I ohne weitere Beanstandungen mit dem | |
| 37 | deleted: Schutzbrief versehen. Er soll vier Reichsthaler jährlich bezahlen, aber | |
| 38 | deleted: Bürgermeister Opitz teilt dem Amt gleich mit, dass Blumenthal nur in der Lage | |
| 39 | deleted: sei, höchstens zwei Reichsthaler aufzubringen. | |
| 40 | deleted: | |
| 41 | deleted: Im nächsten Jahr erhält Blumenthal eine Zahlungsaufforderung | |
| 42 | deleted: über zwei Reichs-thaler, doch wegen Armut wird ihm die Zahlung erlassen. 1817 | |
| 43 | deleted: wird wegen des Schutzgeldes erneut eine Anfrage von Amts wegen gestellt und vom | |
| 44 | deleted: Bürgermeister beantwortet: | |
| 45 | deleted: | |
| 46 | deleted: *"Gegen | |
| 47 | deleted: seinen Lebenswandel ist nichts zu sagen, aber er hat wegen* | |
| 48 | deleted: | |
| 49 | deleted: *Armut | |
| 50 | deleted: bisher kein Schutzgeld bezahlt."* | |
| 51 | deleted: | |
| 52 | deleted: Und so geht es weiter, bis die Behörde im Jahre 1824 | |
| 53 | deleted: feststellt, dass Blumenthal seit der Erteilung des Schutzbriefes 1814 überhaupt | |
| 54 | deleted: noch keine Zahlung geleistet hat. 1825 | |
| 55 | deleted: muss er zum ersten Mal zwei Reichsthaler bezahlen und das nun Jahr für Jahr | |
| 56 | deleted: - bis 1842 das Schutzgeld im Königreich | |
| 57 | deleted: Hannover aufgehoben wird. | |
| 58 | deleted: | |
| 59 | deleted: **Familiengründung** | |
| 60 | deleted: | |
| 61 | deleted: 1824 leben im ganzen Amte Calenberg 176 Juden, davon etwa 15 | |
| 62 | deleted: in Rössing. Die jüdische Bevölkerung wird von Zeit zu Zeit behördlich in | |
| 63 | deleted: statistischen Erhebungen gesondert | |
| 64 | deleted: erfaßt. | |
| 65 | deleted: | |
| 66 | deleted: Im Jahr 1816 war Israel Levin Blumenthal I 36 Jahre alt, seine Frau Hanne Meyer 30 und | |
| 67 | deleted: ihr erster Sohn Israel Levin Blumenthal II drei Jahre. 1819 wird dem Ehepaar ein zweiter Sohn geboren, | |
| 68 | deleted: Meyer Blumenthal. | |
| 69 | deleted: | |
| 70 | deleted: 1 | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Quelle: NHSA Sign. | |
| 73 | deleted: Hann 74 Cal Nr.423 Nr.425 | |
| 74 | deleted: Nr.431 | |
| 75 | deleted: | |
| 76 | deleted: **Israel Levin Blumenthal II** | |
| 77 | deleted: | |
| 78 | deleted: Über | |
| 79 | deleted: Israel Levin Blumenthal II, den ältesten Sohn des ersten Blumenthal in Rössing, | |
| 80 | deleted: ist nicht viel bekannt. Er ist 1813 geboren und von Beruf Schlachter, wie schon | |
| 81 | deleted: sein Vater. Er ist verheiratet mit Jette Blumenthal, geb. Abraham Heinemann. | |
| 82 | deleted: Doch wo genau die Blumenthals in Rössing wohnten und ihr Gewerbe betrieben, ist | |
| 83 | deleted: aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Über Hauseigentum verfügten sie zu diesem | |
| 84 | deleted: Zeitpunkt noch nicht. | |
| 85 | deleted: | |
| 86 | deleted: Nachdem Simon Neuberg verstorben ist, folgt ihm Levin | |
| 87 | deleted: Blumenthal II 1855 als Synagogenvorsteher der hiesigen kleinen jüdischen | |
| 88 | deleted: Gemeinde nach. Am 3. Januar 1873 stirbt Jette Blumenthal und ihr Mann muss als | |
| 89 | deleted: Synagogenvorsteher ihren Tod in den Sterbelisten selbst beurkunden. Israel | |
| 90 | deleted: Levin Blumenthal II stirbt 1881. Sein | |
| 91 | deleted: Grabstein ist einer der wenigen, die auf dem jüdischen Friedhof in Rössing | |
| 92 | deleted: heute noch erhalten sind. Ob das Ehepaar Kinder hatte, ist nicht bekannt. In | |
| 93 | deleted: den Akten werden sie nicht erwähnt und Hinweise auf Grabsteine lassen sich | |
| 94 | deleted: nicht mehr finden. | |
| 95 | deleted: | |
| 96 | deleted: Quelle: | |
| 97 | deleted: NHSA Sign. Hann 74 Nr. 431 | |
| 98 | deleted: | |
| 99 | deleted: **Meyer Blumenthal** | |
| 100 | deleted: | |
| 101 | deleted: 1819 wird Meyer Blumenthal als zweiter Sohn von Israel Levi | |
| 102 | deleted: Blumenthal I und seiner Frau Hanne Meyer geboren. Dieser Meyer Blumenthal ist | |
| 103 | deleted: der Stammvater aller weiteren in Rössing ansässigen Blumenthals, bis die | |
| 104 | deleted: Familie 1942 dem Holocaust zum Opfer fällt. | |
| 105 | deleted: | |
| 106 | deleted: Er wird Schlachter - wie schon sein Vater und sein sechs | |
| 107 | deleted: Jahre älterer Bruder Israel Levi Blumenthal II. | |
| 108 | deleted: | |
| 109 | deleted: Im Jahre 1852 kauft Meyer Blumenthal ein Haus, die | |
| 110 | deleted: Anbauerstelle Nr. 116, heute | |
| 111 | deleted: | |
| 112 | deleted: Maschstr. Nr. 22, und richtet dort eine Schlachterei ein. Im | |
| 113 | deleted: selben Jahr heiratet er, 33 Jahre alt, Line Holländer aus Bergen, ebenfalls 33 | |
| 114 | deleted: Jahre alt. Eindeutig werden als seine Eltern in der Trauungsliste Israel Levin | |
| 115 | deleted: Blumenthal l und Hanne Meyer angegeben. Am 16. März 1853 stirbt ein kleiner | |
| 116 | deleted: Junge mit Namen Israel Blumenthal im Alter von 21 Wochen am | |
| 117 | deleted: „Nervenfieber".Als dessen Eltern werden Meyer Blumenthal und Helene Bach | |
| 118 | deleted: genannt. | |
| 119 | deleted: | |
| 120 | deleted: Diese beiden Vorgänge lassen sich auf den ersten Blick nicht | |
| 121 | deleted: ohne weiteres zusammenbringen. Aber da helfen die heute noch auf dem jüdischen | |
| 122 | deleted: Friedhof vorhandenen Grabsteine weiter. Offensichtlich war das Verhältnis von | |
| 123 | deleted: Meyer Blumenthal mit Helene Bach nur eine folgenreiche, voreheliche Episode. | |
| 124 | deleted: Denn die 1819 geborene Line Blumenthal, die er 1852 geheiratet hatte, war und | |
| 125 | deleted: blieb die Ehefrau von Meyer Blumenthal und wurde die Mutter seiner beiden | |
| 126 | deleted: ehelichen Kinder, während Helene Bach nicht wieder in den Akten auftaucht. | |
| 127 | deleted: | |
| 128 | deleted: Die Tochter Johanne Blumenthal wird 1855 geboren und der | |
| 129 | deleted: Sohn Moritz drei Jahre später, 1858. Ihre Mutter Line stirbt 1884 und wird an | |
| 130 | deleted: der Seite ihres zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Mannes Meyer Blumenthal | |
| 131 | deleted: beigesetzt. In welchem Jahr Meyer Blumenthal gestorben ist, läßt sich leider | |
| 132 | deleted: auf dem sehr verwitterten Grabstein nicht mehr entziffern. | |
| 133 | deleted: | |
| 134 | deleted: 1852 umfaßt die jüdische Gemeinde 18 Personen in Rössing. | |
| 135 | deleted: Diese werden aber nur summarisch aufgezählt, nicht namentlich. Die meisten | |
| 136 | deleted: davon gehören zweifellos zu den beiden jüdischen Familien Neuberg und | |
| 137 | deleted: Blumenthal, bei den anderen handelt es sich höchstwahrscheinlich um | |
| 138 | deleted: Hauspersonal und sonstige Angestellte der beiden Familien. | |
| 139 | deleted: | |
| 140 | deleted: Quelle: NHSA Sign.Hann 74 Nr. 431 | |
| 141 | deleted: | |
| 142 | deleted: **Das Haus Nr. | |
| 143 | deleted: 116, heute Maschstraße Nr.22** | |
| 144 | deleted: | |
| 145 | deleted: Bei dem Haus Nr. 116, das Meyer Blumenthal 1852 gekauft hat, | |
| 146 | deleted: handelt es sich um eine typische Anbauerstelle, zu der weder Ackerland noch ein | |
| 147 | deleted: größerer Garten gehören. Es ist ein kleines Haus am Rande des Dorfes. Aber | |
| 148 | deleted: schon der Erwerb eines Hauses ist erst seit 1847 offiziell durch eine Ergänzung | |
| 149 | deleted: der „Emanzipationsakte“ von 1842 gestattet und ein Riesenschritt in der | |
| 150 | deleted: Gleichberechtigung der Juden im Königreich Hannover. | |
| 151 | deleted: | |
| 152 | deleted: An der Entwicklung des Brandkatasters können wir die | |
| 153 | deleted: Wertsteigerungen des Hauses und den | |
| 154 | deleted: wachsenden bürgerlichen Wohlstand der Familie erkennen. Der Vorbesitzer | |
| 155 | deleted: des Hauses war Carl Brandes; das Baujahr ist nicht ersichtlich. In den ersten | |
| 156 | deleted: 10 Jahren nach dem Erwerb des Hauses durch Meyer Blumenthal im Jahre 1852 | |
| 157 | deleted: werden größere bauliche Maßnahmen durchgeführt, zweifellos ein Hinweis auf den | |
| 158 | deleted: Umbau zur Schlachterei, denn der Versicherungswert wird 1861 von 750 auf 1.200 | |
| 159 | deleted: Reichsthaler hochgestuft. Es fällt auf, daß an dem Haus ständig Erhaltungs- und | |
| 160 | deleted: Wertverbesserungsarbeiten durchgeführt werden. | |
| 161 | deleted: | |
| 162 | deleted: 1877 erfolgt wieder eine bedeutende Erhöhung des Taxwertes. | |
| 163 | deleted: Nach der Umrechnung von Reichsthalern in Mark (1 Taler = 3 Mark) steigt er von | |
| 164 | deleted: 3.600 Mark auf 6.314 Mark. | |
| 165 | deleted: | |
| 166 | deleted: Außerdem werden ein Stall, Waschhaus und Wagenschuppen neu | |
| 167 | deleted: gebaut, Versicherungswert 344 Mark. Es werden also grössere Geldbeträge | |
| 168 | deleted: investiert. | |
| 169 | deleted: | |
| 170 | deleted: Auch unter Moritz Blumenthal, dem Sohn und Nachfolger von | |
| 171 | deleted: Meyer Blumenthal, geht die positive Entwicklung weiter. | |
| 172 | deleted: | |
| 173 | deleted: Quelle: NHSA Sign. Hann 330 Nr.51, 109, 879, 880 | |
| @@ -1,184 +0,0 @@ | ||
| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (14)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_24.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne** | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er | |
| 14 | deleted: wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater, sein Grossvater und sein | |
| 15 | deleted: Onkel vor ihm. Am 26. Oktober 1892 heiratet er im Alter von 34 Jahren ein | |
| 16 | deleted: Fräulein Sophie Wallhausen aus Lüthorst, und es wird eine großartige Hochzeit | |
| 17 | deleted: gefeiert. Die mit riesigem Aufwand gedruckte | |
| 18 | deleted: Hochzeits- zeitung ist noch erhalten. | |
| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: <!--truncate--> | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: Dem | |
| 23 | deleted: Paar werden fünf Söhne geboren: | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: 1893, | |
| 26 | deleted: 16.Oktober Gustav Blumenthal | |
| 27 | deleted: | |
| 28 | deleted: 1895, | |
| 29 | deleted: 02. März Karl Blumenthal | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: 1897, | |
| 32 | deleted: 11. Oktober Hermann Blumenthal | |
| 33 | deleted: | |
| 34 | deleted: 1900, | |
| 35 | deleted: 23. Juni Robert Blumenthal | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: 1901, | |
| 38 | deleted: 30. Dezember Willi Blumenthal. | |
| 39 | deleted: | |
| 40 | deleted: 1897 werden wieder erhebliche Geldmittel für Haus und Nebengebäude | |
| 41 | deleted: aufgewendet. Die Wagenremise und der Stall werden erneuert, und der Taxwert des | |
| 42 | deleted: Wohnhauses erhöht sich wieder um gut 1000 Mark auf 8387 Mark. | |
| 43 | deleted: | |
| 44 | deleted: 1907 erfolgt eine bedeutende Modernisierung der Schlachterei | |
| 45 | deleted: und auch das Wohnhaus wird noch einmal verbessert. | |
| 46 | deleted: | |
| 47 | deleted: Quelle: NHSA Sign: | |
| 48 | deleted: Hann 174, Springe 162 | |
| 49 | deleted: | |
| 50 | deleted: **Ein moderner Betrieb** | |
| 51 | deleted: | |
| 52 | deleted: Im Jahr 1907 bringt Moritz Blumenthal seine Schlachterei auf | |
| 53 | deleted: den modernsten Stand. Da der Bau eines | |
| 54 | deleted: Kühlkellers wegen der Lage des Hauses in der Masch mit ihrem hohen Grundwasserstand nicht möglich ist, | |
| 55 | deleted: baut er oberirdisch einen Eisturm, der heute noch vorhanden ist. Ein | |
| 56 | deleted: doppelwandiger, ca. 5 m hoher Turm, dessen 8o cm breite Zwischenwände zur | |
| 57 | deleted: Isolierung mit Torf gefüllt sind, wird von der Seite durch eine oben | |
| 58 | deleted: befindliche Luke im Winter mit Eis gefüllt und hält ihn über den ganzen Sommer | |
| 59 | deleted: kühl. Das Dach und der daneben liegende Kühlraum werden ebenso ausgestattet. | |
| 60 | deleted: | |
| 61 | deleted: Wenn das Eis im Winter auf dem Schloßteich dick genug war, | |
| 62 | deleted: wurde es geschnitten und eingelagert. Im Winter galt Blumenthal als begehrter | |
| 63 | deleted: Arbeitgeber, beschäftigte er doch zeitweilig bis zu 15 Personen in der | |
| 64 | deleted: arbeitsarmen Zeit mit Eisschneiden. An der Sohle des Eisturms ist eine türgroße | |
| 65 | deleted: Öffnung zum Kühlraum, in dem das Fleisch auch im heißesten Sommer hervorragend | |
| 66 | deleted: gekühlt wurde. Es gab ja noch kein künstlich hergestelltes Stangeneis. Die Schlachterei Moritz Blumenthal war weit und | |
| 67 | deleted: breit bekannt für ihr hervorragendes Fleisch. Wenn man ein besonders gutes | |
| 68 | deleted: Stück Fleisch haben wollte, kaufte man es bei Blumenthal. Natürlich gab es dort | |
| 69 | deleted: vorwiegend Rindfleisch und manchmal Hammelfleisch. Schweine wurden nicht | |
| 70 | deleted: geschlachtet oder verkauft. Die Rinder suchte sich Blumenthal bei den Bauern | |
| 71 | deleted: aus und war als hartnäckiger und harter Verhandlungspartner bekannt. Mit Pferd | |
| 72 | deleted: und Wagen fuhr er über Land, sogar bis | |
| 73 | deleted: Hannover. Sein Fleisch verkaufte er in den umliegenden Dörfern, wo man an | |
| 74 | deleted: bestimmten Tagen schon auf ihn wartete. | |
| 75 | deleted: | |
| 76 | deleted: **Rituelles | |
| 77 | deleted: Schlachten** | |
| 78 | deleted: | |
| 79 | deleted: Die linke Hälfte des Erdgeschosses wurde als Schlachterei | |
| 80 | deleted: genutzt. Das heutige große Schaufenster gab es noch nicht. Fensterläden zur | |
| 81 | deleted: Straßenseite schützten vor Sonneneinstrahlung. | |
| 82 | deleted: | |
| 83 | deleted: Das Schlachten der Rinder erfolgte nach dem jüdischen | |
| 84 | deleted: Ritualkodex. Dazu kam extra ein Schächter als Kultbeamter aus Pattensen oder | |
| 85 | deleted: auch aus Hannover. Mit Pferd und Wagen wurde er vom Bahnhof Barnten abgeholt. | |
| 86 | deleted: In einem besonderen Kasten, ähnlich wie | |
| 87 | deleted: ein Geigenkasten, brachte er das Messer zum Schächten mit, das nicht die | |
| 88 | deleted: geringste Scharte aufweisen durfte. Geschlachtet wurde in dem Raum, der einen | |
| 89 | deleted: Eingang von der linken Hofseite aus hat. Von der Hofmauer aus schauten die | |
| 90 | deleted: Dorfjungen manchmal bei der Zeremonie zu, die sie als sehr grausam empfanden. | |
| 91 | deleted: Mit Ketten wurden die Tiere an den Füßen gefesselt, durch eine Winde zu Fall | |
| 92 | deleted: gebracht und ohne Betäubung Halsschlagader, Speise- und Luftröhre durchtrennt, | |
| 93 | deleted: um eine völlige Ausblutung zu erreichen. | |
| 94 | deleted: | |
| 95 | deleted: Das Schächten wurde im NS-Deutschland, am 21.4.1933, | |
| 96 | deleted: verboten. Durch Verord-nungen der Militärregierungen von 1946 und 1947 wurde es | |
| 97 | deleted: wieder zugelassen. | |
| 98 | deleted: | |
| 99 | deleted: Auch die jüdischen Beerdigungen erweckten das Interesse der | |
| 100 | deleted: Dorfjugend, weil sie anders waren als | |
| 101 | deleted: die hier üblichen. Besonders die Särge fielen ihnen auf. Sie hatten keinen | |
| 102 | deleted: hochgewölbten Deckel und waren aus unbearbeitetem Holz. | |
| 103 | deleted: | |
| 104 | deleted: **Karl Blumenthal | |
| 105 | deleted: und seine Brüder** | |
| 106 | deleted: | |
| 107 | deleted: In Rössing wußte man bisher nur von drei Brüdern, Karl, | |
| 108 | deleted: Robert und Willi, die in den 1920er und 1930er Jahren voll in der | |
| 109 | deleted: Dorfgemeinschaft integriert waren. Daß es noch zwei weitere Brüder Blumenthal | |
| 110 | deleted: gab, Gustav (geb. 1893), und Hermann (geb. 1897) war bisher in Rössing unbekannt. | |
| 111 | deleted: Von der Existenz dieser beiden Brüder erfuhr man erst fast 100 Jahre später | |
| 112 | deleted: durch Kurt Blumenthal, den Enkel von Gustav, als er Im Jahre 2008 auf den | |
| 113 | deleted: Spuren seiner Ahnen ihre Gräber in Rössing besuchen wollte. Er überließ mir ein | |
| 114 | deleted: Exemplar der 2003 von seinem Vater Werner verfaßten Familienchronik, durch die | |
| 115 | deleted: wir umfassende Informationen über die Schicksale der einzelnen | |
| 116 | deleted: Familienmitglieder erhielten. | |
| 117 | deleted: | |
| 118 | deleted: Gustav und Hermann Blumenthal haben Rössing schon jung | |
| 119 | deleted: verlassen und wurden sehr erfolgreiche und wohlhabende Geschäftsleute in | |
| 120 | deleted: Bochum. Das Startkapital stammte wohl vom Vater Moritz, denn sie wurden | |
| 121 | deleted: Besitzer oder Teilhaber der Firma Gebr. Koppel | |
| 122 | deleted: später Heymann & Co, eines großen Geschäfts-oder Kaufhauses der Textilbranche, | |
| 123 | deleted: was ihnen einen recht luxuriösen Lebensstil ermöglichte mit Tennisspiel, | |
| 124 | deleted: Reitstunden im Tattersall, Urlaubsreisen und einem Auto mit Chauffeur. | |
| 125 | deleted: | |
| 126 | deleted: Dadurch, daß sie Rössing frühzeitig verließen und sehr | |
| 127 | deleted: wohlhabend wurden, entgingen sie wahrscheinlich dem Schicksal ihrer drei | |
| 128 | deleted: Brüder, denn ihnen gelang noch rechtzeitig die Ausreise in die USA. | |
| 129 | deleted: | |
| 130 | deleted: Nach „Arisierung“ ihres Geschäftes und KZ-Aufenthalt gelang | |
| 131 | deleted: Hermann Blumenthal 1940 die kostspielige „Auswanderung“ in die USA, von wo aus | |
| 132 | deleted: er durch Stellung einer Bürgschaft ein Visum für seinen Bruder Gustav mit | |
| 133 | deleted: Familie besorgen konnte und ihnen so die Flucht aus Nazi-Deutschland im August | |
| 134 | deleted: 1942 in letzter Minute ermöglichte. | |
| 135 | deleted: | |
| 136 | deleted: . | |
| 137 | deleted: | |
| 138 | deleted: Die andern drei Brüder wuchsen in Rössing heran und teilten | |
| 139 | deleted: das Dorfleben bis ins Erwachsenenalter. Karl und Willi wurden Schlachter wie | |
| 140 | deleted: ihre Vorfahren und arbeiteten im väterlichen Betrieb, während Robert, der an | |
| 141 | deleted: einer Bechterewschen Wirbelsäulenverkrümmung litt , einen kaufmännischen Beruf | |
| 142 | deleted: ergriff. | |
| 143 | deleted: | |
| 144 | deleted: **Der Erste | |
| 145 | deleted: Weltkrieg** | |
| 146 | deleted: | |
| 147 | deleted: Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, rief nicht nur der „*Centralverein deutscher Staatsbürger | |
| 148 | deleted: jüdischen Glaubens*", sondern auch die „*Zionistische Vereinigung für Deutschland"* zur | |
| 149 | deleted: Vaterlandsverteidigung auf, letztere mit den Worten: | |
| 150 | deleted: | |
| 151 | deleted: ***"****Wir rufen Euch auf, im Sinne des alten jüdischen | |
| 152 | deleted: Pflichtgebots mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen, Euch dem | |
| 153 | deleted: Dienste des Vaterlandes hinzugeben."* | |
| 154 | deleted: | |
| 155 | deleted: Die ganze Familie war deutsch-national eingestellt, und die | |
| 156 | deleted: drei ältesten Blumenthal-Brüder Gustav, Hermann und Karl folgten dem Aufruf und | |
| 157 | deleted: meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Hermann wurde Unteroffizier und am 17. | |
| 158 | deleted: Oktober 1917 wurde ihm | |
| 159 | deleted: | |
| 160 | deleted: *„von* Sr. *Majestät vom Kaiser und König das Eiserne | |
| 161 | deleted: Kreuz II. Klasse* verliehen“. | |
| 162 | deleted: | |
| 163 | deleted: Alle drei Brüder hatte das Erlebte geprägt, aber sie hüteten | |
| 164 | deleted: ihr deutsches Nationalbewusstsein. Hermann war stolz auf seine | |
| 165 | deleted: Kriegs-Auszeichnung und bewahrte die Verleihungsurkunde sein Leben lang auf. | |
| 166 | deleted: | |
| 167 | deleted: Die Blumenthals lebten in Rössing als alteingesessene | |
| 168 | deleted: Bürger, nahmen am Dorfleben teil und traten nach außen hin recht bescheiden | |
| 169 | deleted: auf. Auf dem Erinnerungsfoto an das Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr | |
| 170 | deleted: von 1928 sind Karl und Willi Blumenthal | |
| 171 | deleted: mit verewigt und bei den geselligen Zusammenkünften des im Jahre 1900 | |
| 172 | deleted: gegründeten „Klub Frohsinn" war | |
| 173 | deleted: Willi Blumenthal ebenfalls mit von der Partie, wie ein Foto von 1932 zeigt | |
| 174 | deleted: (siehe Bildband „Rössing, unser Dorf im Wandel"). Karl, Mitte der 20er | |
| 175 | deleted: Jahre mit Henny Hartogsohn (geb. 1899) aus Emden verheiratet, hatte mit ihr zwei Kinder – Hanna, geb. am 6. | |
| 176 | deleted: März 1928, und Hans-Jürgen, der am 7. | |
| 177 | deleted: November 1931 geboren wurde. | |
| 178 | deleted: | |
| 179 | deleted: Karl Blumenthal, einer der besten Sänger im Gesangverein | |
| 180 | deleted: „Concordia“, wurde 1935 aus rassistischen Gründen ausgeschlossen. Karl Pahl, | |
| 181 | deleted: der 1. Vorsitzende des Vereins, hatte mehrfach erfolglos zugunsten von Karl | |
| 182 | deleted: Blumenthal interveniert. Man setzte ihn höheren Ortes so unter Druck, daß er | |
| 183 | deleted: schließlich nachgeben mußte, weil er sonst selbst in größte Schwierigkeiten | |
| 184 | deleted: gekommen wäre. | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (15)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern: Werner Blumenthal erzählt Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.192" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5173.html | |
| 9 | deleted: --- | |
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| 11 | deleted: **Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern:** **Werner Blumenthal erzählt** | |
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| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.1923) | |
| 16 | deleted: in der Rückschau, wie er die Schulferien in den 1920er und 1930er Jahren | |
| 17 | deleted: zusammen mit seiner Schwester Lore bei seinen Großeltern Sophie und Moritz | |
| 18 | deleted: Blumenthal und den Brüdern seines Vaters in Rössing erlebt hat. | |
| 19 | deleted: | |
| 20 | deleted: *--- | |
| 21 | deleted: Das einfache und arbeitsreiche Leben auf dem Lande – etwa einen Kilometer vom | |
| 22 | deleted: Haus entfernt bewirtschafteten sie zugleich einen Acker (11/4 Morgen)– hatte | |
| 23 | deleted: sie geprägt und zu geachteten Mitgliedern der dörflichen Gemeinde gemacht.* | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: *Sie | |
| 26 | deleted: hatten fünf Söhne, mein Vater Gustav war der älteste von ihnen. Danach kamen | |
| 27 | deleted: Karl, Hermann, Robert und Willi. Schon die Wahl der Namen ihrer Kinder verweist | |
| 28 | deleted: darauf, dass sie trotz ihres bewusst und strikt gelebten Judentums | |
| 29 | deleted: uneingeschränkt und selbstverständlich Deutsche waren.* | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: *Die | |
| 32 | deleted: Kneipe gegenüber ihrem Haus war für die männlichen Familienmitglieder ebenso | |
| 33 | deleted: sozialer Treffpunkt wie für den Rest der Einwohner des Dorfes. –* | |
| 34 | deleted: | |
| 35 | deleted: *--- | |
| 36 | deleted: Oma Sophie hatte gewiss kein leichtes Leben. Familie, fünf Kinder, Haus und | |
| 37 | deleted: Laden zu bewirtschaften, dazu noch | |
| 38 | deleted: Garten und „Land“. Der koschere Haushalt verlangte zusätzliche Mühe durch die | |
| 39 | deleted: gebotene strenge Trennung zwischen „fleischigen“ und „milchigen“ sowie | |
| 40 | deleted: sonstigen Lebensmitteln und dem dazugehörigen Geschirr, Besteck usw.* | |
| 41 | deleted: | |
| 42 | deleted: *---Freitagsabends | |
| 43 | deleted: wurde auf feierliche Weise mit dem Abendessen in der guten Stube der Sabbat | |
| 44 | deleted: eingeläutet. Oma zündete die beiden Kerzen an und segnete die „Challe“, den | |
| 45 | deleted: selbstgebackenen geflochteten Mohnstuten, der zunächst unter einer geklöppelten | |
| 46 | deleted: Zierdecke lag. Jeder bekam ein Stück und aß es mit Salz zur Feier des Tages.---* | |
| 47 | deleted: | |
| 48 | deleted: *---Des | |
| 49 | deleted: öfteren begleitete ich Onkel Karl zur Arbeit auf dem Stück Land, auf dem | |
| 50 | deleted: vornehmlich Kartoffeln und diverse Gemüse für den Hausbedarf angebaut wurden. | |
| 51 | deleted: Mit Freude und viel Anstrengung zog ich den kleinen Bollerwagen dorthin, ein | |
| 52 | deleted: gutes Stück auf der Landstraße entlang. Damals bestand noch kaum die Gefahr, | |
| 53 | deleted: von einem Auto angefahren zu werden. Für mich als Stadtkind war es fast eine | |
| 54 | deleted: Offenbarung, eine frische Möhre aus dem Beet ziehen und sie essen zu können, | |
| 55 | deleted: Salat zu schneiden, Kartoffeln auszubuddeln.---* | |
| 56 | deleted: | |
| 57 | deleted: Werner Blumenthal erinnert sich lebhaft an die ungeheizten | |
| 58 | deleted: Schlafkammern im Winter, das dicke Federbett, auf dem sich bis zum Morgen durch | |
| 59 | deleted: die Atemluft eine richtige dünne Eisschicht bildete - und an das eisig kalte | |
| 60 | deleted: Plumpsklo. Aber besonders beeindruckt hat ihn offensichtlich der Besitz eines | |
| 61 | deleted: eigenen Stück Landes, durfte doch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kein Jude nach | |
| 62 | deleted: dem Gesetz Acker- oder Gartenland besitzen. | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: Willi Blumenthal, der jüngere Bruder von Karl, war auch | |
| 65 | deleted: Schlachter, arbeitete bei seinem Vater in der Metzgerei und belieferte mit | |
| 66 | deleted: Pferd und Wagen Kunden in der näheren und weiteren Umgebung, wobei Werner ihn | |
| 67 | deleted: begleiten durfte. Außerdem besaß er ein Motorrad und brauste gern mit ihm auf | |
| 68 | deleted: dem Soziussitz durch die Gegend. | |
| 69 | deleted: | |
| 70 | deleted: Moritz Blumenthal starb 193O, und Karl übernahm die Schlachterei, | |
| 71 | deleted: während Moritz‘ Frau Sophie noch bis | |
| 72 | deleted: 1938 lebte. Diese beiden sind die letzten, die auf dem jüdischen Friedhof | |
| 73 | deleted: beerdigt wurden. | |
| 74 | deleted: | |
| 75 | deleted: Nach einer Liste der jüdischen Einwohner vom 1.10.1935 umfaßte der Haushalt noch folgende Personen: | |
| 76 | deleted: | |
| 77 | deleted: Name | |
| 78 | deleted: Vorname Beruf Geburtstag Geb.Ort Bemerkungen | |
| 79 | deleted: | |
| 80 | deleted: 1. Blumenthal Karl Schlachter | |
| 81 | deleted: 2. 3. 1895 Rössing | |
| 82 | deleted: | |
| 83 | deleted: 2. " Henny Ehefrau 22.11. 1899 Emden | |
| 84 | deleted: | |
| 85 | deleted: 3. " | |
| 86 | deleted: Hanna Tochter | |
| 87 | deleted: 6 3. 1928 Rössing | |
| 88 | deleted: | |
| 89 | deleted: 4. " Hans-Jürgen Sohn | |
| 90 | deleted: 7.11. 1931 Rössing | |
| 91 | deleted: | |
| 92 | deleted: 5. " Sophie Witwe 18. | |
| 93 | deleted: 4. 1866 Lüthorst | |
| 94 | deleted: | |
| 95 | deleted: 6. " Willi Sohn | |
| 96 | deleted: zu 5 30.12. 1901 Rössing verzogen | |
| 97 | deleted: n.. | |
| 98 | deleted: | |
| 99 | deleted: 7.Gaup Auguste Hausangest. 2. 3. 1910 Roßlau | |
| 100 | deleted: a,d,Elbe | |
| 101 | deleted: | |
| 102 | deleted: 8 Blumenthal Robert Sohn zu 5 Kaufmann 23. 6. 1900 Rössing | |
| 103 | deleted: " | |
| 104 | deleted: | |
| 105 | deleted: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 174 Springe Nr. 162 | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (16)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1866.html | |
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| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Familienschicksale: | |
| 12 | deleted: Terror gegen Familie Blumenthal** | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem | |
| 15 | deleted: Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „Machtergreifung“ wuchs die | |
| 16 | deleted: Angst in der Familie. Sofort nach dem 30. Januar 1933 setzten die | |
| 17 | deleted: staatspolitischen Maßnahmen ein. Am 1. April 1933 verkündete Julius Streicher | |
| 18 | deleted: den organisierten Judenboykott. Der Titel auf der ersten Seite des „Stürmers“, | |
| 19 | deleted: dem wüsten Hetzblatt der SA, lautete: | |
| 20 | deleted: | |
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| 22 | deleted: | |
| 23 | deleted: *Wer | |
| 24 | deleted: beim Juden kauft, ist ein Volksverräter* | |
| 25 | deleted: | |
| 26 | deleted: Und so prangte es an allen Litfasssäulen.Das blieb , auch in | |
| 27 | deleted: Rössing, nicht ohne Wirkung. Blumenthals Schlachterei ging zurück. Am 9. | |
| 28 | deleted: November 1938, als die Synagogen brannten und in einer organisierten Aktion die | |
| 29 | deleted: jüdischen Geschäfte und Wohnungen demoliert und geplündert wurden, wurden auch | |
| 30 | deleted: Blumenthals ein Opfer der Hetze. Augenzeugen berichteten, dass ein ortsfremder | |
| 31 | deleted: Autofahrer aus Richtung Nordstemmen kam, vor ihrem Haus anhielt und mit der | |
| 32 | deleted: Anlasserkurbel die geschlossenen hölzernen Fensterläden und die Scheiben | |
| 33 | deleted: zerschlug. Ein paar Jungen, die das mit angesehen hatten, fanden das aufregend | |
| 34 | deleted: und schmissen noch ein paar Steine hinterher, während die Familie Blumenthal | |
| 35 | deleted: total verängstigt auf ihren Betten im Schlafzimmer saß. | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: Schon seit 1936 durften jüdische Kinder nicht mehr am | |
| 38 | deleted: Schulsportfest teilnehmen, und ab 1937 wurde ihnen der Besuch der allgemeinen | |
| 39 | deleted: Lehranstalten ganz verboten. Von den beiden Kindern Hanna, Jahrgang 1928, und | |
| 40 | deleted: Hans-Jürgen Blumenthal, Jahrgang 1931, konnte Hanna noch drei Jahre die | |
| 41 | deleted: Rössinger Schule besuchen. Die jüdische Kultusgemeinde in Hannover versuchte | |
| 42 | deleted: durch kulturelle Maßnahmen die weitere Schulbildung der Kinder zu übernehmen | |
| 43 | deleted: und Hanna wurde am 12. April 1937 nach Hannover abgemeldet. | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: Als sich nach dem 9. November 1938 niemand mehr getraute bei | |
| 46 | deleted: Blumenthals zu kaufen, mußten sie die Schlachterei schließen. Damit löste sich | |
| 47 | deleted: auch der geschlossene Familienverband der Blumenthals auf. Die Oma war | |
| 48 | deleted: gestorben, Hanna war in Hannover, Karl Blumenthal fand eine Stelle als Arbeiter | |
| 49 | deleted: beim Betonwerk R. Grasdorf in Hannover Wülfel, und die Familie lebte still und | |
| 50 | deleted: zurückgezogen und so unauffällig wie möglich im Dorf. | |
| 51 | deleted: | |
| 52 | deleted: **Druck und | |
| 53 | deleted: Diskriminierung** | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: 1935 waren den Juden ihre Staatsbürgerrechte aberkannt | |
| 56 | deleted: worden. Punkt 4 in Hitlers Parteiprogramm lautete: | |
| 57 | deleted: | |
| 58 | deleted: *Volksgenosse | |
| 59 | deleted: kann nur sein, wer arischen Blutes ist,* | |
| 60 | deleted: | |
| 61 | deleted: *also | |
| 62 | deleted: kann kein Jude Volksgenosse sein.* | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: Damit waren die Juden rechtlos wie im Mittelalter und | |
| 65 | deleted: unbegrenzt besteuerbar. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurden | |
| 66 | deleted: sie mit einer Sondersteuer belegt als Strafe dafür, wie es hieß, daß der Jude | |
| 67 | deleted: Herschel Grynspan den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris | |
| 68 | deleted: erschossen hatte. Außerdem wurde die Kennzeichnung von jüdischen Pässen | |
| 69 | deleted: angeordnet. Sie wurden auf der Aussenseite mit einem 3 cm großen J versehen und | |
| 70 | deleted: die Passinhaber damit für alle sichtbar als Juden gekennzeichnet. | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: Viele Juden bemühten sich um Auswanderung, dabei wurden | |
| 73 | deleted: Teile ihres Vermögens als Sonderabgabe einbehalten. | |
| 74 | deleted: | |
| 75 | deleted: Diese betrug bei Vermögen | |
| 76 | deleted: | |
| 77 | deleted: bis 1.000 RM nichts | |
| 78 | deleted: | |
| 79 | deleted: 1.000 5.000 RM 0,5 | |
| 80 | deleted: % | |
| 81 | deleted: | |
| 82 | deleted: 5.000 10.000.RM 1,0 | |
| 83 | deleted: % | |
| 84 | deleted: | |
| 85 | deleted: Bei einem Vermögen von 800 000 RM bis 1 Mio RM wurde sie als | |
| 86 | deleted: Reichsfluchtsteuer bis auf 10 % gesteigert. | |
| 87 | deleted: | |
| 88 | deleted: Eine Reihe von Schriftstücken der Gestapo (Geheimen | |
| 89 | deleted: Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit befassten, wie mit den | |
| 90 | deleted: Juden verfahren werden sollte, waren so brisant, daß sie mit dem Stempel | |
| 91 | deleted: „streng vertraulich“ versehen wurden. | |
| 92 | deleted: | |
| 93 | deleted: Manchmal wurde die Ausreise der Juden von den Behörden | |
| 94 | deleted: gefördert, manchmal erschwert. Einmal weist der Reichsführer der SS die Gestapo | |
| 95 | deleted: an, daß die Landräte ab 1.Januar 1939 keine Dringlichkeitsbescheinigungen für | |
| 96 | deleted: Auslandsreisen jüdischer Mitbürger mehr ausstellen dürfen ; das hätte die | |
| 97 | deleted: Ausreise beschleunigt. So hat man mehr Zeit, sich die jüdischen Vermögen | |
| 98 | deleted: anzueignen. | |
| 99 | deleted: | |
| 100 | deleted: Am 28.Februar 1939 wird die Förderung der Auswanderung | |
| 101 | deleted: minderbemittelter Juden angeordnet. Ohne Vermögen waren sie uninteressant und | |
| 102 | deleted: man wollte sie loswerden. | |
| 103 | deleted: | |
| 104 | deleted: Aber auch das Ausland sperrte sich gegen die Aufnahme vor | |
| 105 | deleted: allem armer Juden. Verwandte mußten Bürgschaften übernehmen, andere hatten kaum | |
| 106 | deleted: eine Chance auszureisen. | |
| 107 | deleted: | |
| 108 | deleted: Am 1.September 1941 erging der Befehl zum sichtbaren Tragen | |
| 109 | deleted: des etwa 10 cm großen gelben Judensterns und zur Führung israelitischer | |
| 110 | deleted: Vornamen für die Juden. | |
| 111 | deleted: | |
| 112 | deleted: **Zwangsverkauf des | |
| 113 | deleted: Hauses** | |
| 114 | deleted: | |
| 115 | deleted: Am 24. Juni 1939 ergingen vom Landrat in Springe an alle | |
| 116 | deleted: jüdischen Familien Verkaufsaufforderungen betreffend ihrer Immobilien. Karl | |
| 117 | deleted: Blumenthal hatte schon am 6. Juni 1939 sein Haus an Otto Altendorf verkauft , | |
| 118 | deleted: nicht freiwilllig, versteht sich. Bei diesen Zwangsverkäufen mußten die | |
| 119 | deleted: arischen Käufer die Verkaufssumme an den Staat bezahlen. Von der Verkaufssumme | |
| 120 | deleted: erhielten die Verkäufer nur einen Bruchteil, das meiste behielt der Staat ein. | |
| 121 | deleted: Daher kamen nach dem Krieg die Differenzen zwischen den Alteigentümern und den | |
| 122 | deleted: Käufern, die in der Regel alles noch einmal bezahlen mussten. | |
| 123 | deleted: | |
| 124 | deleted: Blumenthals durften in ihrem Hause nur noch eine kleine | |
| 125 | deleted: Küche und zwei Zimmer bewohnen. Trotz ihres früheren guten Leumunds mied man | |
| 126 | deleted: die Familie. | |
| 127 | deleted: | |
| 128 | deleted: Inzwischen war Krieg, die Lebensmittel wurden rationiert und | |
| 129 | deleted: die Juden bekamen erheblich kleinere Rationen auf ihre Lebensmittelkarten. Zwar | |
| 130 | deleted: gab es auch Beweise von nachbarschaftlicher Hilfe, etwa, wenn ihnen heimlich an | |
| 131 | deleted: der Hintertür beim Melken ihre Kanne mit Milch gefüllt wurde oder die andern | |
| 132 | deleted: Hausbewohner einen Topf mit Mittagessen hinstellten. Aber es durfte keiner | |
| 133 | deleted: sehen, alle hatten Angst, als „Volksverräter" zu gelten. Die Familie des | |
| 134 | deleted: Schäfers Schmieding stand Todesängste aus, weil dieser für die Blumenthals ein Schaf | |
| 135 | deleted: geschlachtet hatte. | |
| 136 | deleted: | |
| 137 | deleted: Alle Tiere waren registriert und es wurde kontrolliert, ob | |
| 138 | deleted: die Anzahl der registrierten Tiere stimmte. Bei Opa Harke am Leinkamp ging es | |
| 139 | deleted: um Ziegen, als Karl Blumenthal eines Abends verstohlen an sein Fenster klopfte: | |
| 140 | deleted: „Kannst Du mir nicht noch einmal eine Ziege verkaufen?“ Aber diesmal ging es | |
| 141 | deleted: nicht. Der Enkel, der das damals mit ansah, berichtete es unter Tränen. | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (17)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland . Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausl" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_3785.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Familienschicksale: | |
| 12 | deleted: Jugendtransporte ins Ausland** | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: . | |
| 15 | deleted: | |
| 16 | deleted: Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im | |
| 17 | deleted: NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausland. Es gab ausländische | |
| 18 | deleted: Organisationen, die Hilfsprogramme für gefährdete Jugendliche in Deutschland | |
| 19 | deleted: organisierten. Wenn den Eltern die Ausreise noch nicht gelang, sahen sie darin | |
| 20 | deleted: eine Chance, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Das geschah mit | |
| 21 | deleted: Billigung der NS-Behörden. | |
| 22 | deleted: | |
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| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: Auch die beiden Kinder von Gustav Blumenthal in Bochum, | |
| 26 | deleted: Werner und Lore, kamen in den Genuß solcher Maßnahmen, die Kinder ins | |
| 27 | deleted: europäische Ausland zu evakuieren, um sie dem Zugriff der Nazis zu entziehen. | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: Nachdem der Besuch der öffentlichen Schulen für jüdische | |
| 30 | deleted: Kinder verboten war, wurde Werner Blumenthal von seinem Vater nach Berlin | |
| 31 | deleted: gebracht, wo er in einer jüdischen Bildungsanstalt einen praktischen Beruf | |
| 32 | deleted: erlernen sollte. Nach der sog. Kristallnacht am 9. November 1938 wurde er von | |
| 33 | deleted: Berlin aus nach England geschickt. Mit Beginn des Krieges wurde er dort aber | |
| 34 | deleted: als feindlicher Ausländer interniert und nach Kanada verbracht, wo er fünf | |
| 35 | deleted: Jahre hinter Stacheldraht saß, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehren | |
| 36 | deleted: konnte. | |
| 37 | deleted: | |
| 38 | deleted: Seine Schwester Lore kam in ein holländisches Kloster, bevor | |
| 39 | deleted: die Deutschen in die Niederlande einfielen, während sich ihre Eltern krampfhaft | |
| 40 | deleted: um eine Ausreisemöglichkeit bemühten. Sie litt furchtbar unter Heimweh und | |
| 41 | deleted: fühlte sich todunglücklich. Als die Eltern glaubten, eine Ausreisechance nach | |
| 42 | deleted: Kuba zu haben, durfte sie zurückkommen. Aber diese Chance zerschlug sich wie so | |
| 43 | deleted: viele, und erst zum 27. Mai 1941 erhielten sie ihr Visum zur Einreise in die | |
| 44 | deleted: USA, die sie nach dramatischen Zwischenfällen am 25. August 1941 erreichten. | |
| 45 | deleted: | |
| 46 | deleted: Die Kinder von Karl Blumenthal, Hanna und Hans-Jürgen, hatten nicht so viel Glück. Sie hielten sich | |
| 47 | deleted: wiederholt längere Zeit in Hannover auf. Einmal war Hanna „Auf dem Emmerberg | |
| 48 | deleted: 31“ gemeldet und seit dem 7.4.1939 in Ahlem in der Israelitischen Gartenbauschule, wo sie noch Schulunterricht erhielt, | |
| 49 | deleted: zeitweilig zusammen mit ihrem Bruder Hans-Jürgen. Das Mädchenheim der Schule | |
| 50 | deleted: war im März 1941 von der Feuerschutzpolizei belegt worden, dann richtete die | |
| 51 | deleted: Stadt Hannover dort ein Ausweichkrankenhaus ein. Seit Ende 1941 dienten das | |
| 52 | deleted: Direktorenhaus und andere Gebäude der Schule als Sammellager für die Juden der | |
| 53 | deleted: Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, die in osteuropäische | |
| 54 | deleted: Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert werden sollten. Am 23. Juli | |
| 55 | deleted: 1942 wurde sie ganz geschlossen und von der Gestapo übernommen. | |
| 56 | deleted: | |
| 57 | deleted: Der Landrat forderte am 23. Dezember 1941 und am 30. Januar | |
| 58 | deleted: 1942 noch einmal genaue Angaben über die Familie Blumenthal und den Aufenthalt | |
| 59 | deleted: der Kinder an, die zu diesem Zeitpunkt wieder in Rössing waren. Sie wurden | |
| 60 | deleted: einige Wochen später zusammen mit ihren Eltern nach Polen deportiert. | |
| 61 | deleted: | |
| 62 | deleted: Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß nach dem 2. Weltkrieg | |
| 63 | deleted: wurde festgestellt, daß am 31.Juli.1941 der Befehl zur sog. „Endlösung" | |
| 64 | deleted: der Judenfrage durch Vernichtung erteilt worden sei. Dieses Datum wird aber | |
| 65 | deleted: heute in Frage gestellt. Die NS- Gesetzgebung war schon viel früher auf den Holocaust perspektiviert. | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (18)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale: Der letzte Teil der Tragödie beginnt Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landra" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1400.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Familienschicksale: | |
| 12 | deleted: Der letzte Teil der Tragödie beginnt** | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der | |
| 15 | deleted: Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit | |
| 16 | deleted: befassten, wie mit den Juden verfahren | |
| 17 | deleted: werden sollte, wurden nur den obersten Spitzen der Behörden zugestellt. Die | |
| 18 | deleted: untergeordneten Instanzen bekamen immer nur Teilaufträge, so daß die Wenigsten | |
| 19 | deleted: den schaurigen Weg, den die Juden gehen | |
| 20 | deleted: mußten, vollständig übersehen konnten. | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: <!--truncate--> | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: Am 25. März 1942 | |
| 25 | deleted: werden der Familie Blumenthal vier Verfügungen zugestellt, für jedes | |
| 26 | deleted: Familienmitglied eine. Sie hätten sich drei Tage später, am 28. März 1942, zum | |
| 27 | deleted: Abtransport mit einem LKW bereitzuhalten. Es handelt sich um Karl (47), seine | |
| 28 | deleted: Frau (43), Tochter Hanna (14) und Sohn Hans-Jürgen (11). | |
| 29 | deleted: | |
| 30 | deleted: *Jeder | |
| 31 | deleted: zu evakuierende Jude muß mitbringen* | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: *1.) | |
| 34 | deleted: 1 Koffer oder Rucksack mit Ausrüstungsstücken* | |
| 35 | deleted: | |
| 36 | deleted: *(kein | |
| 37 | deleted: sperrendes Gut) bis 50 kg* | |
| 38 | deleted: | |
| 39 | deleted: *2.) | |
| 40 | deleted: Vollständige Bekleidung (ordentliches Schuhwerk)* | |
| 41 | deleted: | |
| 42 | deleted: *Bettzeug | |
| 43 | deleted: mit Decken (keine Matratzen)* | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: *3.) | |
| 46 | deleted: Transportverpflegung für etwa 3 Tage,* | |
| 47 | deleted: | |
| 48 | deleted: *Essgeschirr | |
| 49 | deleted: (Teller oder Topf mit Löffel)* | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: Offiziell hieß es, es ginge zum Arbeitseinsatz nach Polen. | |
| 52 | deleted: Ein LKW mit Anhänger sammelte die Juden aus dem Landkreis Springe auf | |
| 53 | deleted: vorgeschriebener Route am 28. März 1942 im Laufe des Vormittags ein. Die | |
| 54 | deleted: zweiköpfige Begleitmannschaft musste von der Gendarmerie gestellt werden, nicht | |
| 55 | deleted: von einer uniformierten NS-Organisation. Der Abtransport wäre sonst wohl | |
| 56 | deleted: weniger problemlos verlaufen. Der Transport ging zunächst zur Israelitischen | |
| 57 | deleted: Gartenbauschule nach Hannover-Ahlem. Dort war ein Sammellager | |
| 58 | deleted: eingerichtet, und am 31.März 1942, also | |
| 59 | deleted: drei Tage später, ging ein Transportzug vom Bahnhof Fischerhof nach Trawniki | |
| 60 | deleted: bei Lublin ab. | |
| 61 | deleted: | |
| 62 | deleted: Die nüchterne Sprache der aufgefundenen Aktenstücke ist | |
| 63 | deleted: erschreckend, wenn man weiß, daß es sich um eine Reise ohne Wiederkehr | |
| 64 | deleted: handelte. | |
| 65 | deleted: | |
| 66 | deleted: Das vierseitige „vertrauliche“ Schreiben der Gestapo vom 19. | |
| 67 | deleted: März 1942 an den Landrat betr. der „Abwanderung" der Juden nach Trawniki | |
| 68 | deleted: bei Lublin in Polen, der die Einzelheiten der Abschiebung regelt, ist im | |
| 69 | deleted: Original erhalten. Da die Originalschriftstücke auf sehr schlechtem, vergilbtem | |
| 70 | deleted: Kriegspapier geschrieben sind, werden | |
| 71 | deleted: hier nur einige Auszüge zitiert: | |
| 72 | deleted: | |
| 73 | deleted: Seite 1 | |
| 74 | deleted: | |
| 75 | deleted: *Der | |
| 76 | deleted: Transportzug D a 6 (sogenannter Koppelzug) wird fahrplanmäßig* | |
| 77 | deleted: | |
| 78 | deleted: *am | |
| 79 | deleted: 31.März 1942 um 12,12 Uhr in Gelsenkirchen eingesetzt und trifft mit 400 Juden | |
| 80 | deleted: der Staatspolizeileitstelle Münster um 18,15 Uhr in Hannover, Bahnhof | |
| 81 | deleted: Fischerhof, ein. Hier erfolgt die Zuladung der für Hannover (bzw. Hildesheim) abzuschiebenden | |
| 82 | deleted: 500 Juden und die Einrangierung der benötigten Güterwagen und des B-Wagens für | |
| 83 | deleted: das Begleitkommando der Schutzpolizei. Um 18,36 Uhr fährt der Transportzug nach | |
| 84 | deleted: Braunschweig weiter und trifft dort um 20,05 Uhr ein. Die | |
| 85 | deleted: Staatspolizeileitstelle Braunschweig ladet die von ihr vorgesehen Juden (116) | |
| 86 | deleted: und das zugehörige Gepäck zu, so daß die endgültige Weiterfahrt des D a | |
| 87 | deleted: 6-Transportzuges nach Trawniki bei Lublin um 20.16 Uhr erfolgen kann.* | |
| 88 | deleted: | |
| 89 | deleted: *Die | |
| 90 | deleted: Auswahl der von der Maßnahme betroffenen Juden für die Regierungsbezirke | |
| 91 | deleted: Hannover und Hildesheim trifft die Staatspolizeileitstelle Hannover.* | |
| 92 | deleted: | |
| 93 | deleted: ***Nicht abgeschoben werden******zunächst:*** | |
| 94 | deleted: | |
| 95 | deleted: 1. In deutsch-jüdischer Mischehe lebende | |
| 96 | deleted: Juden | |
| 97 | deleted: | |
| 98 | deleted: 2. Juden ausländischer einschließlich | |
| 99 | deleted: sowjetrussischer Staatsangehörigkeit----- | |
| 100 | deleted: | |
| 101 | deleted: 3. In geschlossenen kriegswichtigen | |
| 102 | deleted: Arbeitseinsatz befindliche Juden------ | |
| 103 | deleted: | |
| 104 | deleted: Seite 2 / 3 | |
| 105 | deleted: | |
| 106 | deleted: *Ehetrennung, | |
| 107 | deleted: sowie Trennung von Kindern bis zu 14 Jahren von den Eltern ist zu vermeiden.* | |
| 108 | deleted: | |
| 109 | deleted: ***Jeder abzuschiebende Jude hat sein | |
| 110 | deleted: Bargeld, seine Wertpapiere, Sparkassenbücher, sonstige Wertgegenstände, wie | |
| 111 | deleted: Schmucksachen, Ringe, Halsketten, Armbänder usw. bei seiner Festnahme bei sich | |
| 112 | deleted: zu führen. Alle diese Gegenstände werden ihm bei der Durchsuchung der Koffer | |
| 113 | deleted: und der Leibesvisitation im Sammellager Ahlem abgenommen. Keinesfalls dürfen Juden | |
| 114 | deleted: Bargeld oder Wertgegenstände auf dem Transport mitnehmen. Nur Eheringe dürfen | |
| 115 | deleted: den Juden belassen werden.*** | |
| 116 | deleted: | |
| 117 | deleted: *Für | |
| 118 | deleted: die aus dem Regierungsbezirk Hildesheim abzuschiebenden Juden werden vorstehend | |
| 119 | deleted: bezeichnete Sachen von der Außenstelle Hildesheim bereits in eigener | |
| 120 | deleted: Zuständigkeit abgenommen.* | |
| 121 | deleted: | |
| 122 | deleted: *Alles | |
| 123 | deleted: bewegliche und unbewegliche Vermögen der abzuschiebenden Juden wird mit | |
| 124 | deleted: Rückwirkung vom 1.3.1942 staatspolizeilich beschlagnahmt und eingezogen. Die | |
| 125 | deleted: Verwertung des eingezogenen Judenvermögens wird der Oberfinanz-präsident | |
| 126 | deleted: durchführen.* | |
| 127 | deleted: | |
| 128 | deleted: *Über | |
| 129 | deleted: die Kosten des LKW-Transportes wird der Gestapo vom Landkreis eine Rechnung | |
| 130 | deleted: zugestellt.* | |
| 131 | deleted: | |
| 132 | deleted: Der Befehl für diesen LKW-Transport wurde nicht schriftlich | |
| 133 | deleted: erteilt, sondern bezog sich auf eine mündliche Anweisung vom 10. Januar 1942, | |
| 134 | deleted: die die Gestapo dem Landrat übermittelt hatte. | |
| 135 | deleted: | |
| 136 | deleted: Quelle: NHSA Hann 174 Springe 162 | |
| 137 | deleted: | |
| 138 | deleted: In der Einwohnerliste der Juden in Rössing wurden die Namen | |
| 139 | deleted: dann einfach durchgestrichen. Unter “Bemerkungen“ steht bei jedem Einzelnen: „*evakuiert | |
| 140 | deleted: am 28. März.1942“* | |
| 141 | deleted: | |
| 142 | deleted: Der Gendarmerieeinzelposten Rössing vermeldet ganz lapidar | |
| 143 | deleted: dem Landrat am 29. März.1942 Vollzug mit dem Bericht, daß die Familie | |
| 144 | deleted: Blumenthal in Rössing am 28. März.1942 nach dem Osten abtransportiert worden | |
| 145 | deleted: ist. | |
| 146 | deleted: | |
| 147 | deleted: Quelle: NHSA Hann 174 | |
| 148 | deleted: Nr. 162 | |
| 149 | deleted: | |
| 150 | deleted: **Nachtrag** | |
| 151 | deleted: | |
| 152 | deleted: Bei ihrem Abtransport ahnte Familie Blumenthal noch nicht, | |
| 153 | deleted: was ihr bevorstand. Sie glaubten an einen Arbeitseinsatz in Polen und daß man | |
| 154 | deleted: sie dort in Polen zusammen ansiedeln würde. Frau Blumenthal hatte ihre | |
| 155 | deleted: Nähmaschine in die Gepäckaufbewahrung zum Bahnhof Barnten gebracht, eine | |
| 156 | deleted: Nachbarin sollte sie ihr nachschicken, wenn sie ihre neue Adresse hätte, damit | |
| 157 | deleted: sie sich durch Nähen etwas dazuverdienen könnte. Was wirklich geschah, hätte | |
| 158 | deleted: sich niemand vorstellen können. | |
| 159 | deleted: | |
| 160 | deleted: Karl Algermissen aus Rössing hat als Soldat in Polen Karl | |
| 161 | deleted: Blumenthal noch einmal in der Nähe von Warschau bei Gleisarbeiten in einem | |
| 162 | deleted: erbärmlichen Zustand getroffen: „Karl, was machst Du denn hier?“ fragte er ihn | |
| 163 | deleted: ganz entsetzt. „Geh weiter, geh weiter“ sagte dieser nur. Am nächsten Tag | |
| 164 | deleted: wollte Algermissen ihm etwas zu Essen bringen, aber er hat Karl Blumenthal | |
| 165 | deleted: nicht wieder getroffen. Das war das letzte Lebenszeichen von der Familie | |
| 166 | deleted: Blumenthal. Wie sie alle gestorben sind, wissen wir nicht. | |
| 167 | deleted: | |
| 168 | deleted: Der Hausrat der Familie Blumenthal wurde auf dem Hof ihres | |
| 169 | deleted: Hauses versteigert und der Erlös dem Finanzamt zugeführt. | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (19)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Die Schicksale der vier anderen Brüder Robert Blumenthal Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit i" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5058.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Die Schicksale der vier anderen Brüder** | |
| 12 | deleted: | |
| 13 | deleted: **Robert Blumenthal** | |
| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen | |
| 16 | deleted: kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit in Wiesbaden. Mit seiner Frau Edith | |
| 17 | deleted: hat er zwei Kinder. Ab Juli 1934 wohnt er wieder in Rössing, am 8.6.1936 zieht | |
| 18 | deleted: die Familie nach Hannover, wohnt in der | |
| 19 | deleted: Nordmannstrasse 11. Später lebt die Familie in der Josephstraße 2., in | |
| 20 | deleted: einem Haus, in dem jüdischen Familien | |
| 21 | deleted: zusammengezogen werden. Am 15. Dezember 1941 wird die Familie mit dem ersten | |
| 22 | deleted: Transport, der in einem Vernichtungslager endete, nach Riga verbracht und kommt | |
| 23 | deleted: dort um. | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: <!--truncate--> | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: Quelle: Erinnerungsblatt der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: **Willi Blumenthal** | |
| 30 | deleted: | |
| 31 | deleted: Roberts ein Jahr jüngerer Bruder Willi hatte 1933 in eine Schlachterei in Horn (Lippe) | |
| 32 | deleted: eingeheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Die Kinder und die Mutter sind vom | |
| 33 | deleted: Terrorregime des NS ermordet worden. | |
| 34 | deleted: Willi Blumenthal hatte ein besonderes Schicksal. | |
| 35 | deleted: | |
| 36 | deleted: Er war als KZ-Häftling in Frankreich zum Bau von Befestigungsanlagen | |
| 37 | deleted: eingesetzt worden und sollte, als er nicht mehr arbeitsfähig war, zusammen mit | |
| 38 | deleted: seinen Leidensgenossen in Güterwaggons nach dem Osten zur Vernichtung | |
| 39 | deleted: abtransportiert werden. Irgendwie schaffte er es, sich eine Zange zu | |
| 40 | deleted: organisieren. Auf dem Weg durch Belgien gelang es ihm, damit den Waggon | |
| 41 | deleted: aufzubrechen und aus dem fahrenden Zug zu springen. Belgische Bauern fanden und | |
| 42 | deleted: versorgten ihn, bis die Amerikaner im Frühjahr 1945 einrückten und er befreit | |
| 43 | deleted: wurde. | |
| 44 | deleted: | |
| 45 | deleted: Als er sich nach Kriegsende mit seinen Brüdern in den USA in | |
| 46 | deleted: Verbindung setzt, ermöglichen sie ihm die Ausreise nach Amerika. Er arbeitet | |
| 47 | deleted: dort wieder als Metzger und heiratet noch einmal. Willi Blumenthal besucht noch | |
| 48 | deleted: einmal seine Heimat in Rössing, 1983 | |
| 49 | deleted: stirbt er in New York. | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: **Hermann Blumenthal** | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: Er war der zweitälteste der fünf Brüder und nicht | |
| 54 | deleted: verheiratet. Er wohnt zeitlebens bei der Familie seines ältesten Bruders | |
| 55 | deleted: Gustav, mit dem ihn eine enge geschäftliche und menschliche Beziehung | |
| 56 | deleted: verbindet. In Bochum sind sie Inhaber oder Teilhaber eines größeren | |
| 57 | deleted: Textilgeschäftes oder -kaufhauses und sehr wohlhabend. Nachdem die Nazis sie | |
| 58 | deleted: enteignet und ihr Geschäft „arisiert“ haben, | |
| 59 | deleted: eröffnen sie ein kleines Etagengeschäft für Stoffe und Kurzwaren. Als | |
| 60 | deleted: ihnen am 9. November 1938 auch diese Existenz zerstört wird und sie ins | |
| 61 | deleted: Konzentrationslager nach Sachsenhausen gebracht werden, schmieden sie, als sie | |
| 62 | deleted: nach sechs Wochen entlassen werden, notgedrungen Auswanderungspläne. | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: Hermann erlernt in weiser Voraussicht das Schweißen, um sich | |
| 65 | deleted: eventuell mit einem handwerklichen Beruf durchzuschlagen - was sich als sehr | |
| 66 | deleted: nützlich erwies, als ihm im Frühjahr 1940 die Ausreise in die USA nach | |
| 67 | deleted: Überwindung großer Schwierigkeiten gelingt. Dort findet er wirklich Arbeit als | |
| 68 | deleted: Schweißer und arbeitet an zwei Stellen, um die Bürgschaften für seinen Bruder | |
| 69 | deleted: und dessen Familie zusammen zu bringen, damit auch sie in die USA ausreisen | |
| 70 | deleted: können. | |
| 71 | deleted: | |
| 72 | deleted: **Gustav Blumenthal** | |
| 73 | deleted: | |
| 74 | deleted: Gustav Blumenthal lebte mit seiner Familie in sehr guten | |
| 75 | deleted: Verhältnissen, bevor der Terror gegen die Juden das glückliche Familienleben | |
| 76 | deleted: zerstört. Sein Sohn Werner muß als Fünfzehnjähriger Schüler, ebenso wie seine | |
| 77 | deleted: drei Jahre jüngere Schwester Lore, das Gymnasium verlassen. Er besucht dann | |
| 78 | deleted: eine „ORT-Schule“ bei Berlin, um eine Schlosserlehre zu machen. Mit Hilfe eines | |
| 79 | deleted: internationalen Schutzprogramms für gefährdete Jugendliche gelangt er noch vor Beginn des Krieges nach England. Seine | |
| 80 | deleted: Eltern sieht er erst 1946 wieder. Seine Schwester Lore kommt, ebenfalls mit | |
| 81 | deleted: einem Kinderschutzprogramm, | |
| 82 | deleted: vorübergehend nach Holland. | |
| 83 | deleted: | |
| 84 | deleted: Als sich Gustav Blumenthal, dem Vater, die Chance bietet, | |
| 85 | deleted: eine Stellung in einem Reisebüro bei Hapag-Lloyd zu bekommen, schafft er es mit | |
| 86 | deleted: Glück und einem nicht legalen Trick , eine Schiffs-Passage für sich und die | |
| 87 | deleted: Familie zu erhalten. Im Sommer 1941 reist die Familie in die USA aus und | |
| 88 | deleted: schwört, niemals im Leben wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen – sie | |
| 89 | deleted: haben diesen Schwur gehalten und können es absolut nicht verstehen, als ihr | |
| 90 | deleted: Sohn Werner wieder nach Deutschland | |
| 91 | deleted: zurück will. Sie leben bis zu ihrem Tode in New York. Gustav stirbt 1966 mit 73 | |
| 92 | deleted: Jahren, Hermann 1978 mit 81 Jahren und | |
| 93 | deleted: Gustavs Frau Erna 1982 mit 87 Jahren. | |
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| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (20)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland. Lore Blumenthal berichtet 1995: Ich schreibe diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner." | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-judische-geschichte-in-rossing-20.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: # Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland. | |
| 12 | deleted: | |
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| 14 | deleted: | |
| 15 | deleted: # | |
| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: # Lore Blumenthal berichtet 1995: | |
| 18 | deleted: | |
| 19 | deleted: *Ich schreibe | |
| 20 | deleted: diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner. So oft ich auch | |
| 21 | deleted: versuchte ihm davon zu erzählen, was damals geschah, konnte ich mein Vorhaben | |
| 22 | deleted: nicht zu Ende bringen. Zugleich hoffe ich, mir hiermit das Geschehen von der | |
| 23 | deleted: Seele schreiben zu können.* | |
| 24 | deleted: | |
| 25 | deleted: *\* \* \** | |
| 26 | deleted: | |
| 27 | deleted: *In der Nacht des 8. November 1938, vielmehr | |
| 28 | deleted: in den frühen Morgenstunden des 9. November – es war etwa 2 Uhr – schellte es | |
| 29 | deleted: ohne Unterbrechung. Man hatte ein Streichholz neben den Klingelknopf geklemmt. | |
| 30 | deleted: Man versetzte uns zunächst in Schrecken, während man dabei war, eine andere | |
| 31 | deleted: Wohnung in der Nähe zu demolieren.* | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: *Papa brachte | |
| 34 | deleted: Mutti, Opa und mich ganz leise auf den Dachboden und schloß uns dort in einen | |
| 35 | deleted: kleinen Raum ein. Er selbst und Hermann blieben unten in der Wohnung.* | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: *Endlich hatten die | |
| 38 | deleted: Nazis ihr Werk weiter unten auf der Straße beendet und nun waren wir an der | |
| 39 | deleted: Reihe: Etwa 20 bis 25 SA-Leute jagten Papa und Hermann aus unserer Wohnung ins | |
| 40 | deleted: Treppenhaus. Dort mußten sie mit dem Gesicht zur Wand und hoch erhobenen Händen | |
| 41 | deleted: stehen bleiben. Die SA-Leute trugen alle hölzerne oder stählerne Knüppel bei | |
| 42 | deleted: sich (wahrscheinlich waren es die üblichen Gummiknüppel, Anm. d. Verfassers). | |
| 43 | deleted: Ob sie Papa oder Hermann geschlagen haben, weiß ich nicht. Keiner von beiden | |
| 44 | deleted: hätte uns davon erzählt.* | |
| 45 | deleted: | |
| 46 | deleted: *Oben auf dem Boden | |
| 47 | deleted: hörten Mutti und ich lautes Krachen und wir zitterten am ganzen Leibe. Opa war | |
| 48 | deleted: doch taub und so war es nicht leicht, ihn zu beruhigen, zumal wir uns ihm in | |
| 49 | deleted: der Dunkelheit nicht verständlich machen konnten. Nach den längsten zwei | |
| 50 | deleted: Stunden in unserm Leben wurde es wieder ruhig und Papa kam, um uns zu holen.* | |
| 51 | deleted: | |
| 52 | deleted: *Als wir in unsere | |
| 53 | deleted: Wohnung kamen, sahen wir, dass alles kaputtgeschlagen war. Überall lag | |
| 54 | deleted: zerbrochenes Glas. Papa sagte zu Mutti: Alles ist ruiniert. Muttis Antwort: | |
| 55 | deleted: Hauptsache, dass dir nichts passiert ist.!* | |
| 56 | deleted: | |
| 57 | deleted: *Jedes Bild war | |
| 58 | deleted: zerschnitten, jedes Einrichtungsteil zerschlagen. Silber, sowie Bettwäsche | |
| 59 | deleted: waren aus dem Fenster geworfen, Muttis Schmuck war gestohlen worden. Man konnte | |
| 60 | deleted: sich nirgends hinsetzen, da alles voller Glasscherben war. Wir versuchten ein | |
| 61 | deleted: wenig wegzuräumen, damit Mutti sich etwas hinlegen konnte. Inzwischen dämmerte | |
| 62 | deleted: es schon.* | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: *Ich schaute aus dem bleiverglasten, bunten Fenster in Opas | |
| 65 | deleted: Zimmer, wo ich selbst nicht gesehen werden konnte. Von dort aus sah ich, wie | |
| 66 | deleted: die Synagoge brannte.* | |
| 67 | deleted: | |
| 68 | deleted: *Gegen 8 oder 9 Uhr | |
| 69 | deleted: vormittags kam wieder eine Horde SA-Leute und verhafteten Papa und Hermann. | |
| 70 | deleted: Sie, wie alle andern männliche Juden in Bochum, brachte man auf die | |
| 71 | deleted: Polizeiwache.* | |
| 72 | deleted: | |
| 73 | deleted: *An diesem Tag | |
| 74 | deleted: hatten die Kinder schulfrei. Etliche folgten einem SA-Mann, der mal bei uns | |
| 75 | deleted: angestellt gewesen war, und der sie aufforderte, Steine in unsere Wohnung zu | |
| 76 | deleted: werfen und so noch das letzte heile Glas zu zertrümmern. Wir schlossen alle | |
| 77 | deleted: Türen und verbrachten die meiste Zeit des Tages im Flur, damit wir nicht selbst | |
| 78 | deleted: von Steinen getroffen wurden. Da wir die Nacht nicht in der Wohnung verbringen | |
| 79 | deleted: konnten, gingen wir eine Etage höher zu Lyons, die uns erlaubten, in ihrer | |
| 80 | deleted: Küche zu schlafen. Am nächsten Tag halfen Karl-Heinz und Frau Müller uns bei | |
| 81 | deleted: dem Versuch aufzuräumen.* | |
| 82 | deleted: | |
| 83 | deleted: *Wenige Tage nach | |
| 84 | deleted: ihrer Verhaftung wurden Papa und Hermann in Viehwagen in das KZ Sachsenhausen | |
| 85 | deleted: bei Berlin transportiert. Erstmals musste Mutti allein die Verantwortung für | |
| 86 | deleted: uns tragen.* | |
| 87 | deleted: | |
| 88 | deleted: *Zu dieser Zeit war | |
| 89 | deleted: Werner in Berlin, ging dort zur ORT-Schule, um eine Schlosserlehre zu machen. | |
| 90 | deleted: Er war gerade 15 Jahre alt – aber die Gestapo in Bochum suchte ihn. Kurz darauf | |
| 91 | deleted: ergab sich für 10 Jungen der ORT – Schule die Möglichkeit, mit einem | |
| 92 | deleted: Kindertransport nach England auszureisen. Werner sollte dabei sein. Mutti war | |
| 93 | deleted: bemüht, ihn sicher auf den Transport zu bringen. Als dann der Krieg ausbrach, | |
| 94 | deleted: wurden Werner und die andern Jugendlichen zu „feindlichen Ausländern“, später | |
| 95 | deleted: interniert und für einige Jahre in Kanada hinter Stacheldraht verbannt.* | |
| 96 | deleted: | |
| 97 | deleted: *In Bochum war | |
| 98 | deleted: Mutti immer wieder zur Gestapo gegangen | |
| 99 | deleted: - das fiel ihr | |
| 100 | deleted: verständlicherweise sehr schwer -, um sich | |
| 101 | deleted: nach Papa und Hermann zu erkundigen. | |
| 102 | deleted: Nach etwa sechs Wochen sagte man ihr, dass Papa entlassen würde, was | |
| 103 | deleted: dann auch passierte.* | |
| 104 | deleted: | |
| 105 | deleted: *Als Papa das KZ | |
| 106 | deleted: Sachsenhausen verlassen konnte, war sein erster Weg zu der Adresse, wo Werner | |
| 107 | deleted: in Berlin gewohnt hatte. Dort erfuhr er, dass dieser nach England emigriert | |
| 108 | deleted: war. Das traf ihn zunächst schwer, doch zugleich war er glücklich, seinen Sohn | |
| 109 | deleted: in Sicherheit zu wissen. Endlich kam Papa nach Hause. Seine Haare waren | |
| 110 | deleted: abrasiert, sein Anzug kaum wieder zu erkennen, so zerknittert war er. In | |
| 111 | deleted: Sachsenhausen hatte man alle Kleider in irgendeiner Desinfektionsmaschine so | |
| 112 | deleted: behandelt, dass sie nie wieder glatt werden konnten. Etwa zwei Wochen später | |
| 113 | deleted: kam auch Hermann.* | |
| 114 | deleted: | |
| 115 | deleted: *- Es begannen | |
| 116 | deleted: verstärkt die Mühen, eine Ausreisemöglichkeit aus Deutschland zu finden. Papa | |
| 117 | deleted: versuchte es mit jedem erdenkbaren Land: Argentinien, Chile, Brasilien usw. Aber alle Staaten hatten ihre Grenzen | |
| 118 | deleted: geschlossen. In ihrer Verzweiflung beschloß die Familie, einen illegalen Ausweg | |
| 119 | deleted: zu finden. Man wollte nachts durch den Wald über die Grenze nach Belgien | |
| 120 | deleted: marschieren. Menschen, die uns „über die grüne Grenze“ brngen wollten, waren | |
| 121 | deleted: gefunden, bezahlt und alles war vorbereitet. In letzter Minute gab Papa einer | |
| 122 | deleted: bösen Ahnung nach und es wurde entschieden, die Sache abzublasen. Alle Leute, | |
| 123 | deleted: die in dieser Nacht den gleichen Weg wählten, wurden erfasst und erschossen.* | |
| 124 | deleted: | |
| 125 | deleted: *Juden durften nur noch zwischen vier und fünf Uhr | |
| 126 | deleted: nachmittags einkaufen. Da alle Lebensmittel schon rationiert waren, gab es um | |
| 127 | deleted: diese Zeit kaum noch etwas zu kaufen. Einige Läden weigerten sich auch, uns zu | |
| 128 | deleted: bedienen. Nichtjüdische Freunde sorgten dafür, dass wir dennoch bekamen, was | |
| 129 | deleted: wir brauchten.* | |
| 130 | deleted: | |
| 131 | deleted: *1939 wurde ich mit | |
| 132 | deleted: einem Kindertransport nach Holland geschickt. Es war für mich eine schreckliche | |
| 133 | deleted: Zeit. Ich hatte furchtbares Heimweh.* | |
| 134 | deleted: | |
| 135 | deleted: *Kurz nach meiner | |
| 136 | deleted: Abreise nach Holland beschlagnahmte die Gestapo unsere Wohnung. Die SS brauchte | |
| 137 | deleted: sie. Zu unserm Glück hatten wir so gute Freunde wie Lewkonjas, die Mutti, Papa | |
| 138 | deleted: und Hermann bei sich aufnahmen. Opa hatte die Familie bereits in ein Altersheim | |
| 139 | deleted: eingekauft, in der Hoffnung, dass er dort seinen Lebensabend unter | |
| 140 | deleted: seinesgleichen verbringen könnte. Er kam dennoch nach Theresienstadt und kam | |
| 141 | deleted: dort um.* | |
| 142 | deleted: | |
| 143 | deleted: *Papa war damit beschäftigt, vielen jüdischen Familien in | |
| 144 | deleted: Bochum bei dem vielen Papierkram zu helfen, der zur Emigration anfiel. Die | |
| 145 | deleted: Hapag, ein Reisebüro in Essen, hatte ihn angestellt; so konnte er den | |
| 146 | deleted: Auswanderern bei der Beschaffung ihrer Passagen behilflich zu sein.* | |
| 147 | deleted: | |
| 148 | deleted: *Endlich konnte Papa Visa für Kuba bekommen. Die Gestapo | |
| 149 | deleted: liess mich grosszügig aus Holland zurückkommen - für drei Tage! - ,um dann mit der Familie | |
| 150 | deleted: nach Kuba auszureisen. Hermann holte mich an der Grenze ab. Als wir zu Hause | |
| 151 | deleted: ankamen, machte uns Mutti die Türe auf. Sie war weiss wie ein Gespenst. Gerade | |
| 152 | deleted: hatten sie die Nachricht erhalten, dass auch Kuba seine Grenzen geschlossen | |
| 153 | deleted: hatte.* | |
| 154 | deleted: | |
| 155 | deleted: *Was mich betraf: | |
| 156 | deleted: Ich war glücklich, wieder bei der Familie sein zu können. Da die Gestapo wußte, | |
| 157 | deleted: dass wir verzweifelt versuchten auszuwandern, machte man uns keine zusätzlichen | |
| 158 | deleted: Schwierigkeiten. Zu dieser Zeit mußte jeder jüdische Mann den Namen Israel, | |
| 159 | deleted: jede Frau den Namen Sara annehmen.* | |
| 160 | deleted: | |
| 161 | deleted: *Eines Tages wurde | |
| 162 | deleted: allen polnischen Juden befohlen, binnen zwei Stunden zur Deportation auf dem | |
| 163 | deleted: Bahnhof zu erscheinen. Sie durften jeweils nur einen Koffer mitnehmen. Mutti, | |
| 164 | deleted: Papa und Hermann sowie auch Lewkonjas stellten Tische auf dem Bahnsteig auf; | |
| 165 | deleted: Mutti, und Grete Lewkonja schmierten Brote für die Betroffenen, Papa und die | |
| 166 | deleted: andern halfen ihnen bei ihrem Gepäck. In ihrer Aufregung und der Eile hatten | |
| 167 | deleted: sie die unwichtigsten Dinge eingepackt. Papa sorgte dafür, dass möglichst jeder | |
| 168 | deleted: eine Decke und warme Kleidung dabei hatte anstelle unnützer Dinge.* | |
| 169 | deleted: | |
| 170 | deleted: *An diesem Abend | |
| 171 | deleted: ließ Papa jeden von uns einen Koffer packen – nur warme und feste Kleidung. | |
| 172 | deleted: Diese Koffer sollten unter den Betten und immer bereit bleiben.* | |
| 173 | deleted: | |
| 174 | deleted: *Damals gab es fast | |
| 175 | deleted: nächtlich Bombenangriffe und wir verbrachten die meiste Zeit im | |
| 176 | deleted: Luftschutzkeller. Wir gingen angezogen ins Bett, da wir sonst zum Anziehen | |
| 177 | deleted: keine Zeit haben würden. Manchmal stand ich im Dunkeln mit Papa am Fenster und | |
| 178 | deleted: wir beobachteten Luftkämpfe zwischen deutschen und britischen Fliegern.* | |
| 179 | deleted: | |
| 180 | deleted: *Nun suchte Papa | |
| 181 | deleted: nach Wegen, in die USA zu kommen. Da wir dort keine Verwandten hatten, | |
| 182 | deleted: brauchten wir dazu erhebliche Bürgschaften. Unser guter Freund Felix Röttgen, | |
| 183 | deleted: der bereits in Amerika war, schlug vor, dass Hermann erst allein kommen solle. | |
| 184 | deleted: Es wäre leichter, eine Bürgschaft für eine Person zu bekommen und würde für uns | |
| 185 | deleted: einfacher, da wir dann ja einen Verwandten dort hätten.* | |
| 186 | deleted: | |
| 187 | deleted: *Hermann fuhr | |
| 188 | deleted: schließlich allein, mit schwerem Herzen. Seit vielen Jahren trennte er sich | |
| 189 | deleted: erstmals von uns, seiner Familie. Als er erst einmal dort war, gelang es ihm | |
| 190 | deleted: mit Felix, ausreichende Bürgschaften für uns zu bekommen.* | |
| 191 | deleted: | |
| 192 | deleted: *Als schliesslich unsere Quotennummer beim amerikanischen | |
| 193 | deleted: Konsulat an die Reihe kam forderte man uns auf, zu einem bestimmten Zeitpunkt | |
| 194 | deleted: dort zu erscheinen. Wir sollten einen Beweis vorlegen, daß wir im Besitz einer | |
| 195 | deleted: Überfahrtsbuchung waren. Was Papa uns erst viel später erzählte: Er hatte eine | |
| 196 | deleted: Scheinbuchung gemacht, die aber die Unterschrift des Hapag-Managers trug. In | |
| 197 | deleted: seinem Vertrauen zu Papa hatte er die | |
| 198 | deleted: Papiere unterschrieben ohne zu wissen, dass sie falsch waren. Während der | |
| 199 | deleted: ganzen Zeit hatte Papa auch Geld an die Hapag in Madrid für uns überwiesen, um | |
| 200 | deleted: damit eines Tages eine echte Passage nach Amerika buchen zu können.* | |
| 201 | deleted: | |
| 202 | deleted: *Schließlich fuhren | |
| 203 | deleted: wir nach Stuttgart zum amerikanischen Konsulat. Unsere Fingerabdrücke wurden | |
| 204 | deleted: registriert und wir mussten zu einer ärztlichen Untersuchung. Vor lauter Angst | |
| 205 | deleted: war ich leichenblass, worauf Mutti mich ständig in die Wangen kniff, damit ich | |
| 206 | deleted: gesunder aussehe. Sie selbst half sich mit etwas mehr Rouge.* | |
| 207 | deleted: | |
| 208 | deleted: *Wir erhielten | |
| 209 | deleted: unsere Visa zur Einreise in die USA am 27. Mai 1941. Onkel Pitz brachte uns zum | |
| 210 | deleted: Flughafen. Es war schwer, Abschied zu nehmen. Wir wussten aber, dass Pitzens | |
| 211 | deleted: Nummer bald an die Reihe kommen und er uns nachfolgen würde. Als es sich von | |
| 212 | deleted: Papa verabschiede flüsterte er ihm zu: Gestern Abend hat das amerikanische | |
| 213 | deleted: Konsulat seine Pforten geschlossen. Das hiess, : Es gab keine Visa mehr für die | |
| 214 | deleted: USA. Da Papa ja wusste, wie sehr Mutti an ihrem Bruder hing, hat er ihr diese | |
| 215 | deleted: Nachricht erst einmal verschwiegen.* | |
| 216 | deleted: | |
| 217 | deleted: *Wir durften jeder | |
| 218 | deleted: 10 US-$ und nur einen Koffer mitnehmen. Mutti und ich hatten darum so viele | |
| 219 | deleted: Sachen angezogen, dass ich kaum gehen, geschweige denn atmen konnte.* | |
| 220 | deleted: | |
| 221 | deleted: *Nun waren wir | |
| 222 | deleted: endlich in der Maschine. Erste Landung: Münschen. Alle Passagiere mußten | |
| 223 | deleted: aussteigen und plötzlich waren wir drei ausgesondert, um von Kopf bis Fuss | |
| 224 | deleted: durchsucht zu werden. Mit all den Kleidungsstücken am Leib brauchte ich | |
| 225 | deleted: verständlicherweise sehr lange, um mich auszuziehen. Endlich durften wir wieder | |
| 226 | deleted: an Bord. Beim Abflug sagte Papa:“ Atmet tief durch, wir sind raus. Die nächste | |
| 227 | deleted: Landung ist in Lyon.“ Als wir dort landeten, kam uns als erstes ein SS-Mann vor | |
| 228 | deleted: die Augen. Zum Glück wurden wir nicht belästigt.* | |
| 229 | deleted: | |
| 230 | deleted: *Es ging weiter | |
| 231 | deleted: nach Madrid. Mir war die ganze Zeit über schlecht – kein Wunder, da ich vor | |
| 232 | deleted: lauter Kleidung kaum atmen konnte. In Madrid waren es fast 40° C, es war Juni. | |
| 233 | deleted: Ich entledigte mich darum erst einmal aller Anziehsachen bis auf ein Kleid.* | |
| 234 | deleted: | |
| 235 | deleted: *Papa hatte in | |
| 236 | deleted: Madrid für ein Hotelzimmer vorgesorgt, wiederum durch die Hapag, wir wussten | |
| 237 | deleted: also, wohin. In diesem Hotel wohnten auch zahlreiche andere Flüchtlinge. Am | |
| 238 | deleted: nächsten Tag bemühte sich Papa bei der Hapag um eine Passage in die USA.* | |
| 239 | deleted: | |
| 240 | deleted: *Nach einigen | |
| 241 | deleted: Wochen war endlich ein Schiff gefunden, das Platz für uns hatte. Es würde aber | |
| 242 | deleted: ab Lissabon fahren. Ich glaube, sein Name war „Balboa“. Nun ging es wieder Tag | |
| 243 | deleted: für Tag zur Jagd auf ein Visum ins portugiesische Konsulat. Und von Woche zu | |
| 244 | deleted: Woche verschob sich der Abfahrtstermin des Schiffes. Schliesslich sollte es | |
| 245 | deleted: übermorgen um 5.30 Uhr nachmittags ab Lissabon losgehen.* | |
| 246 | deleted: | |
| 247 | deleted: *Am nächsten Tag | |
| 248 | deleted: erhielten wir endlich unsere Visa für Portugal sowie einen Flug, der mittags um | |
| 249 | deleted: eins aus Madrid nach Lissabon starten sollte. Damit konnten wir gerade noch | |
| 250 | deleted: rechtzeitig das Schiff erreichen. Nun – wir kamen in ein kräftiges Gewitter. | |
| 251 | deleted: Der Pilot bemühte sich, dem Unwetter auszuweichen, hatte dann aber nicht mehr | |
| 252 | deleted: genug Treibstoff!. Kannst du dir Mutti vorstellen im Flugzeug bei einem | |
| 253 | deleted: Gewitter?!* | |
| 254 | deleted: | |
| 255 | deleted: *Wir mussten | |
| 256 | deleted: Notlandung in Casanez machen. Dort gab | |
| 257 | deleted: es nur eine kleine Landebahn, nur einen Krug voll Wasser, aber kein Benzin. Das | |
| 258 | deleted: musste erst aus Madrid besorgt werden. Man brachte uns auf Kosten der | |
| 259 | deleted: Fluggesellschaft in einem Hotel unter. Die Räume waren aber voller Ungeziefer | |
| 260 | deleted: und wir blieben die ganze Nacht auf. Natürlich hatte inzwischen unser Schiff | |
| 261 | deleted: den Hafen ohne uns verlassen. Am nächsten Tag kam das Benzin und wie konnten | |
| 262 | deleted: weiterfliegen.* | |
| 263 | deleted: | |
| 264 | deleted: *In Lissabon brachte Papa Mutti und mich wieder in ein Hotel | |
| 265 | deleted: und ging sofort zur „Hias“, um Hilfe zu bekommen. Als erstes holte man uns aus | |
| 266 | deleted: dem offenbar teuren Hotel heraus und brachte uns bei einer jüdischen Familie in | |
| 267 | deleted: Lissabon unter.* | |
| 268 | deleted: | |
| 269 | deleted: *Die „Hias“ ist | |
| 270 | deleted: eine jüdische Hilfsorganisation, die nicht nur jüdischen Menschen zur Verfügung | |
| 271 | deleted: steht sondern allen, die Hilfe brauchen. Jeden Tag ging Papa dort hin, um eine | |
| 272 | deleted: andere Passage aufzutreiben. Schliesslich sagte man ihm, dass schon morgen ein | |
| 273 | deleted: amerikanisches Schiff führe, dass aber nur eine Kabine zur Verfügung stehe. Wir | |
| 274 | deleted: hätten uns inzwischen schon mit einer halben Kabine begnügt. An Geld fehlten | |
| 275 | deleted: uns allerdings 35 US $. Die „Hias“ half uns aus und so konnten wir am 15. | |
| 276 | deleted: August 1941 An Bord der „Excalibur“ gehen. Der nächste Tag war mein Geburtstag | |
| 277 | deleted: und den durfte ich nun auf amerikanischem (Schiffs-)Boden feiern.* | |
| 278 | deleted: | |
| 279 | deleted: *Zehn Tage lang war | |
| 280 | deleted: ich seekrank, bis wir schliesslich am 25. August 1941 unser Ziel erreichten. Am | |
| 281 | deleted: frühen Morgen, bei der Einfahrt in den Hafen von New York, standen wir alle an | |
| 282 | deleted: Deck, um mit ungläubigen Augen die Dame des Hafens zu begrüssen, die | |
| 283 | deleted: Freiheitsstatue. Damals habe ich zum ersten Mal im Leben Papa weinen sehen. Der | |
| 284 | deleted: Mann, der nicht nur für uns, sondern auch für so viele Menschen ein Fels in der | |
| 285 | deleted: Brandung gewesen war, konnte endlich wieder tief durchatmen. Es war ein | |
| 286 | deleted: glücklicher Tag.* | |
| 287 | deleted: | |
| 288 | deleted: *Hermann, Felix und | |
| 289 | deleted: Lisa Röttgen empfingen uns am Pier. Sie brachten uns zum Haus des Rabbiners | |
| 290 | deleted: Steven Weiss. Dort wurden wir Neuankömmlinge untergebracht. Sie konnten dort | |
| 291 | deleted: kostenlos wohnen, bis sie Arbeit gefunden hatten und in der Lage waren, eine | |
| 292 | deleted: Wohnung zu mieten. Papa fand schon nach fünf Tagen Arbeit und Mutti wenige Tage | |
| 293 | deleted: danach. Ich übernahm die Haushaltspflichten. Als erstes schickte Papa die | |
| 294 | deleted: geborgten 35 $ an die „Hias“.. Über die Jahre haben wir ihnen noch manche | |
| 295 | deleted: Spende gesandt, damit sie weiter vielen Menschen helfen sollten.* | |
| 296 | deleted: | |
| 297 | deleted: *Ein weiterer | |
| 298 | deleted: glücklicher Tag wurde der 17. März 1947. An diesem Tag wurden wir als Bürger | |
| 299 | deleted: der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.* | |
| @@ -1,209 +0,0 @@ | ||
| 1 | deleted: --- | |
| 2 | deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (21)" | |
| 3 | deleted: date: 2012-06-24 | |
| 4 | deleted: authors: | |
| 5 | deleted: - helga_fredebold | |
| 6 | deleted: tags: [juedische-geschichte, historie] | |
| 7 | deleted: description: "Der jüdische Friedhof Über den Ursprung des jüdischen Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts bekannt. Aber er ist mit Sicherhe" | |
| 8 | deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5009.html | |
| 9 | deleted: --- | |
| 10 | deleted: | |
| 11 | deleted: **Der jüdische | |
| 12 | deleted: Friedhof** | |
| 13 | deleted: | |
| 14 | deleted: Über den Ursprung des jüdischen | |
| 15 | deleted: Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts | |
| 16 | deleted: bekannt. Aber er ist mit Sicherheit schon über 200 Jahre alt. Die jüdischen | |
| 17 | deleted: Friedhöfe auf den Dörfern wurden immer weitab vom Dorfmittelpunkt angelegt, | |
| 18 | deleted: häufig mitten in der Feldmark. Der hiesige Friedhof lag damals auch weitab. | |
| 19 | deleted: Durch die Ausdehnung des Dorfes liegt er heute schon am Rande des bebauten | |
| 20 | deleted: Gebietes. Aktenkundig wurde der Friedhof am 10. Februar 1813. | |
| 21 | deleted: | |
| 22 | deleted: <!--truncate--> | |
| 23 | deleted: | |
| 24 | deleted: Damals war der 56-jährige *Adam Oppenheimer* aus Gronau infolge eines Unglücksfalles beim | |
| 25 | deleted: Überschreiten der zugefrorenen und mit Schnee bedeckten Leine ertrunken. Bei | |
| 26 | deleted: Rössing war er gefunden und zu einem Hause im Eikenhof gebracht worden. Dort | |
| 27 | deleted: wurde er von zwei Gronauer Glaubensgenossen, dem Kaufmann Heine Dannenberg, 23 | |
| 28 | deleted: Jahre alt, und Isaac Meier, 20 Jahre alt, im Beisein des Rössinger | |
| 29 | deleted: Bürgermeisters Georg Opitz, (Rössing Nr. 22) identifiziert und dann auf dem | |
| 30 | deleted: Rössinger Judenfriedhof beigesetzt. | |
| 31 | deleted: | |
| 32 | deleted: 1992 forschte ein Dr. *Arnold | |
| 33 | deleted: Oppenheimer* aus London nach den Gräbern seiner Vorfahren auf dem Rössinger | |
| 34 | deleted: Judenfriedhof, zu denen auch der ertrunkene Adam Oppenheimer gehörte. Er teilte | |
| 35 | deleted: mit, dass viele seiner Gronauer Vorfahren auf dem Rössinger Friedhof beerdigt | |
| 36 | deleted: seien, weil Rössing ein *Sammelfriedhof* gewesen | |
| 37 | deleted: sei*.* Darüber waren aber hier bisher | |
| 38 | deleted: noch keine Unterlagen aufgefunden worden. Doch es wäre einleuchtend, weil der | |
| 39 | deleted: Rössinger Friedhof für die kleine Rössinger Synagogengemeinde allein sehr groß | |
| 40 | deleted: gewesen wäre. Dr. Oppenheimer konnte es gar nicht fassen, dass die alten | |
| 41 | deleted: Grabsteine seiner Familie nicht mehr erhalten sind, denn die Gräber der Juden | |
| 42 | deleted: hatten eine ewige Liegezeit und wurden normalerweise nicht eingeebnet. | |
| 43 | deleted: | |
| 44 | deleted: Die Zeitspanne zwischen der Feststellung des Todes und der | |
| 45 | deleted: Bestattung war bei den Juden immer sehr kurz. Innerhalb von 24 Stunden mussten | |
| 46 | deleted: sie beerdigt werden, zumindest durften sie nicht mehr im Hause sein. Erst ca. | |
| 47 | deleted: 25 Jahre später nach diesem Todesfall, etwa 1840, wurde diese Frist auf 48 | |
| 48 | deleted: Stunden verlängert, um zu verhindern, dass Scheintote oder im Koma Liegende bei | |
| 49 | deleted: lebendigem Leibe begraben wurden. | |
| 50 | deleted: | |
| 51 | deleted: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Gronau 1660/1665 | |
| 52 | deleted: | |
| 53 | deleted: # Schliessung der jüdischen Friedhöfe | |
| 54 | deleted: | |
| 55 | deleted: Am 31. Juli 1938 beantwortete die Gemeinde Rössing | |
| 56 | deleted: eine Anfrage der NS-Behörden, den jüdischen Friedhof betreffend: | |
| 57 | deleted: | |
| 58 | deleted: *„Der | |
| 59 | deleted: jüdische Friedhof ist 4,37 ar groß, Eigentümer ist die jüdische Gemeinde in | |
| 60 | deleted: Rössing. Die letzte Beerdigung war hier am 5. Juni 1938. Es sind noch etwa 25 | |
| 61 | deleted: freie Begräbnisplätze vorhanden. Zur Zeit wohnt noch eine jüdische Familie | |
| 62 | deleted: Blumenthal mit vier Personen in Rössing.“* | |
| 63 | deleted: | |
| 64 | deleted: Karl Blumenthal hatte sich schon mit Wilhelm | |
| 65 | deleted: Freimann, dem Grenznachbarn des jüdischen Friedhofes, in Anbetracht der sich | |
| 66 | deleted: zuspitzenden Judenverfolgungen in Verbindung gesetzt. Wilhelm Freimann grenzte | |
| 67 | deleted: mit seinem Hausgrundstück Nr 132, heute als Nr. 45 der Kirchstraße zugeordnet, | |
| 68 | deleted: an den Judenfriedhof. Am 2. Juli 1940 wurde in Hannover zwischen dem | |
| 69 | deleted: Rechtsanwalt Dr. Hans Israel Ries als alleinigem Vorstand der jüdischen | |
| 70 | deleted: Kultusgemeinde, welche die Nachfolgerin der jüdischen Gemeinde in Rössing war, | |
| 71 | deleted: und Wilhelm Freimann ein Kaufvertrag mit folgendem Inhalt geschlossen: | |
| 72 | deleted: | |
| 73 | deleted: *Die Schlosser Wilhelm Freimann kauft den ganzen jüdischen Friedhof von* | |
| 74 | deleted: | |
| 75 | deleted: *4 ar 37m² für 218,50 RM. Der Käufer verpflichtet sich, während einer | |
| 76 | deleted: Liegefrist* | |
| 77 | deleted: | |
| 78 | deleted: *von 30 Jahren den mit Gräbern belegten Teil des Friedhofs unangetastet | |
| 79 | deleted: zu* | |
| 80 | deleted: | |
| 81 | deleted: *lassen und während der Liegefrist eine Grabpflege in angemessener Weise* | |
| 82 | deleted: | |
| 83 | deleted: *vorzunehmen, den Angehörigen während der Liegefrist Zutritt zum | |
| 84 | deleted: Friedhof zu* | |
| 85 | deleted: | |
| 86 | deleted: *geben, auch wenn sie nicht mehr in Rössing ansässig sind, ggf.die | |
| 87 | deleted: Beerdigung der z. Zt. in Rössing ansässigen Juden auf dem Friedhof zu gestatten | |
| 88 | deleted: und unter allen Umständen die Pietät in erforderlicher Weise zu wahren.* | |
| 89 | deleted: | |
| 90 | deleted: *Der Käufer hinterlegt den Kaufpreis beim Notar. Dieser übermittelt es | |
| 91 | deleted: an die Reichsvereinigung der Juden in Berlin, die zugunsten des (jüdischen) | |
| 92 | deleted: Gemeindevermögensfonds Rössing überweist.* | |
| 93 | deleted: | |
| 94 | deleted: *Wilhelm Freimann ist Arier im Sinne des Gesetzes.* | |
| 95 | deleted: | |
| 96 | deleted: *Unterschrift Unterschrift* | |
| 97 | deleted: | |
| 98 | deleted: Offenbar hatte man die Liegefristen für die | |
| 99 | deleted: jüdischen Gräber schon auf 30 Jahre beschränkt. | |
| 100 | deleted: | |
| 101 | deleted: Bei dieser Art Verträge war folgendes üblich: | |
| 102 | deleted: | |
| 103 | deleted: Als am 6. September 1940 das Synagogengrundstück in | |
| 104 | deleted: Eldagsen verkauft wurde, wurde der Vertrag ebenfalls vor Dr. Ries in Hannover | |
| 105 | deleted: abgeschlossen. Als sich die Synagogengmeinde über den geringen Verkaufspreis | |
| 106 | deleted: von 2.000 RM beschwerte, wurde ihr mitgeteilt, daß die Synagogengemeinde als | |
| 107 | deleted: Verkäuferin sowieso nur 500 RM davon bekäme, 1.500 RM gingen an das Reich als | |
| 108 | deleted: Ausgleichszahlung. Außerdem muß der Käufer noch 200 RM an den Makler bezahlen. | |
| 109 | deleted: So ähnlich wird es auch beim Verkauf des Rössinger Friedhofs zugegangen sein. | |
| 110 | deleted: | |
| 111 | deleted: Familie Freimann räumte den Friedhof auf und | |
| 112 | deleted: entfernte die umgefallenen und zerbrochenen Grabsteine. Im übrigen hielt sie | |
| 113 | deleted: ihn die ganzen Jahre in Ordnung, bis sie ihn nach dem Krieg entschädigungslos | |
| 114 | deleted: wieder an die jüdische Gemeinde in Hannover (Haeckelstraße 13) übereignen | |
| 115 | deleted: mußte, so war das Gesetz. Bis 1979 pflegte Familie Hachmeister-Freimann, nun | |
| 116 | deleted: gegen ein geringes Entgelt, den Friedhof weiter. | |
| 117 | deleted: | |
| 118 | deleted: Danach wurde eine Gärtnerei mit der Pflege | |
| 119 | deleted: beauftragt, die mehrmals im Jahr den Rasen mäht. Die Gräber sind mit Efeu | |
| 120 | deleted: bepflanzt, der auch geschnitten wird, und die Grabsteine wurden gereinigt. | |
| 121 | deleted: | |
| 122 | deleted: Der Friedhof wurde neu eingezäunt, er erhielt | |
| 123 | deleted: verschließbare Pforten, und ein holzgeschnitztes Schild „Judenfriedhof“ macht | |
| 124 | deleted: auf den etwas versteckten Standort. aufmerksam. | |
| 125 | deleted: | |
| 126 | deleted: . | |
| 127 | deleted: | |
| 128 | deleted: Quellen: NHSA Hannover, Sign: Hann 174, Springe Nr. | |
| 129 | deleted: 163 und Nr. 167 | |
| 130 | deleted: | |
| 131 | deleted: Sechs alte Gräber und Grabsteine stehen noch auf dem | |
| 132 | deleted: Friedhof. Vier davon sind aus schon sehr verwittertem Sandstein. Neben den | |
| 133 | deleted: Namen und Daten auf der Vorderseite tragen sie auf der Rückseite umfangreiche | |
| 134 | deleted: hebräische Inschriften. | |
| 135 | deleted: | |
| 136 | deleted: **Lewi Blumenthal** **Meier Blumenthal** | |
| 137 | deleted: | |
| 138 | deleted: geb. 1813, gest. 1881 geb. 1819, gest. --- | |
| 139 | deleted: | |
| 140 | deleted: Sie waren die beiden Söhne des ersten Blumenthal | |
| 141 | deleted: Israel Lewi I in Rössing | |
| 142 | deleted: | |
| 143 | deleted: **Line Blumenthal** **Johanne Blumenthal** | |
| 144 | deleted: | |
| 145 | deleted: geb. 1819, gest 1884 geb. 1855, | |
| 146 | deleted: gest. 1926 | |
| 147 | deleted: | |
| 148 | deleted: die Frau von Meier Blumenthal | |
| 149 | deleted: die Schwester von Moritz | |
| 150 | deleted: Blumenthal | |
| 151 | deleted: | |
| 152 | deleted: Der Grabstein von Moritz Blumenthal ist aus | |
| 153 | deleted: schwarzem Marmor, der von seiner Frau dagegen schon recht klein und bescheiden. | |
| 154 | deleted: | |
| 155 | deleted: Hier | |
| 156 | deleted: ruht in Gott Hier | |
| 157 | deleted: ruht | |
| 158 | deleted: | |
| 159 | deleted: mein | |
| 160 | deleted: unvergesslicher Gatte unsere | |
| 161 | deleted: liebe Mutter | |
| 162 | deleted: | |
| 163 | deleted: und | |
| 164 | deleted: meiner Kinder **Sophie Blumenthal** | |
| 165 | deleted: | |
| 166 | deleted: treusorgender Vater geb. | |
| 167 | deleted: 18.4.1866 | |
| 168 | deleted: | |
| 169 | deleted: **Moritz Blumenthal** gest. 4.5.1938 | |
| 170 | deleted: | |
| 171 | deleted: geb. 7.12.1858 | |
| 172 | deleted: | |
| 173 | deleted: gest. 17.11.1930 | |
| 174 | deleted: | |
| 175 | deleted: Von den fünf Söhnen von Moritz und Sophie Blumenthal | |
| 176 | deleted: fand keiner mit seiner Familie die letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof | |
| 177 | deleted: seines Heimatdorfes. Hermann und Gustav mit seiner Frau sind in den USA | |
| 178 | deleted: geblieben und dort beerdigt, ebenso Willi. | |
| 179 | deleted: | |
| 180 | deleted: Robert wurde als erster am 15. Dezember 1941 mit | |
| 181 | deleted: Frau und Kindern nach Riga ins Ghetto transportiert, als Todesdatum wurde | |
| 182 | deleted: angegeben 26.März 1942. Karl und Familie wurden am 28. März nach Trawniki in | |
| 183 | deleted: Polen deportiert. Niemand weiß, wo sie geblieben sind und wie sie den Tod | |
| 184 | deleted: fanden.Und von Willis Frau und Kindern haben wir gar keine Daten. Nur der Name | |
| 185 | deleted: Blumenthal auf den sechs Grabsteinen erinnert noch an diese jüdische Familie, | |
| 186 | deleted: die fast 140 Jahre in Rössing gelebt hat. | |
| 187 | deleted: | |
| 188 | deleted: **Vier | |
| 189 | deleted: Stolpersteine** | |
| 190 | deleted: | |
| 191 | deleted: Die Gemeinde hat vor dem Hause der Blumenthals in | |
| 192 | deleted: der Maschstraße Nr. 22 zum Gedenken an ihre jüdischen Mitbürger am 19. November | |
| 193 | deleted: 2009 vier „*Stolpersteine“* durch | |
| 194 | deleted: Gunter Demnig verlegen lassen: In einer sehr würdevollen Feier in Anwesenheit | |
| 195 | deleted: von mehreren Mitgliedern der Familie Blumenthal wurden vier Messingplatten mit | |
| 196 | deleted: den Namen der einzelnen Familienmitglieder ins Pflaster vor dem Hause eingelassen. | |
| 197 | deleted: Es sind keine wirklichen Stolpersteine, sie sollen nur auffordern einen | |
| 198 | deleted: Augenblick des Gedenkens innezuhalten. | |
| 199 | deleted: | |
| 200 | deleted: Trotz ihrer schrecklichen Schicksale sind die beiden | |
| 201 | deleted: Kinder von Gustav Blumenthal, Werner und Lore, wieder nach Deutschland | |
| 202 | deleted: zurückgekommen, um hier zu leben. Werner ist nach der Internierung in Kanada | |
| 203 | deleted: nach Herne gegangen, hat 1947 dort geheiratet und seine fünf Kinder leben alle | |
| 204 | deleted: in Deutschland – in Berlin, Hamburg und Herne. Von dort sind sie gekommen, um | |
| 205 | deleted: an der Feier teilzunehmen. | |
| 206 | deleted: | |
| 207 | deleted: Lore ist nach dem Tode der Mutter - mit ihrem | |
| 208 | deleted: amerikanischen Mann und dessen Mutter - ihrem Bruder nach Herne gefolgt. 1999 , | |
| 209 | deleted: mit 73 Jahren, ist sie in Herne gestorben. | |
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| 1 | 1 | udo_noack: |
| 2 | 2 | name: Dr. Udo Noack |
| 3 | 3 | title: Vorsitzender der Bürgerstiftung Rössing |
| 4 | deleted: | |
| 5 | deleted: helga_fredebold: | |
| 6 | deleted: name: Helga Fredebold | |
| 7 | deleted: title: Heimatforscherin und Chronistin Rössings | |
| 8 | deleted: url: https://fredebold.blogspot.com | |
| @@ -13,27 +13,3 @@ dorfstudie: | ||
| 13 | 13 | architektur: |
| 14 | 14 | label: Architektur |
| 15 | 15 | description: Architektonische Projekte und Planungen |
| 16 | deleted: | |
| 17 | deleted: historie: | |
| 18 | deleted: label: Historie | |
| 19 | deleted: description: Geschichtliche Beiträge und historische Studien zu Rössing | |
| 20 | deleted: | |
| 21 | deleted: ortsgeschichte: | |
| 22 | deleted: label: Ortsgeschichte | |
| 23 | deleted: description: Beiträge zur Ortsgeschichte Rössings | |
| 24 | deleted: | |
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| 26 | deleted: label: Jüdische Geschichte | |
| 27 | deleted: description: 200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing – Reihe von Helga Fredebold | |
| 28 | deleted: | |
| 29 | deleted: meierding: | |
| 30 | deleted: label: Meierding | |
| 31 | deleted: description: Beiträge zum Meierding und Meierdingsgericht in Rössing | |
| 32 | deleted: | |
| 33 | deleted: herren-von-roessing: | |
| 34 | deleted: label: Herren von Rössing | |
| 35 | deleted: description: Beiträge zur Adelsfamilie der Herren von Rössing | |
| 36 | deleted: | |
| 37 | deleted: kirchengeschichte: | |
| 38 | deleted: label: Kirchengeschichte | |
| 39 | deleted: description: Beiträge zur Kirchen- und Religionsgeschichte | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes" | |
| 4 | added: sidebar_position: 2 | |
| 5 | added: description: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder ga" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Aus der Geschichte eines alten Dorfes** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder gar 1111jähriges Bestehen. Auch die Rössinger haben das ganze Jahr 2000 hindurch mit vielen Veranstaltungen den 1150sten 'Geburtstag' ihres Dorfes gebührend gefeiert. | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Das Alter einer Ortschaft rechnet man vom Zeitpunkt ihrer ersten urkundlichen Erwähnung an. Natürlich war der Ort Rössing, bevor die Ansiedling aktenkundig wurde, bereits bewohnt. Die älteste schriftliche Überlieferung finden wir in der älteren Reihe der *Corveyer Traditionen*, die zwischen 822, dem Gründungsjahr der Benediktinerabtei in Corvey an der Weser, und 877 entstanden sind. Diese Schriften enthalten einfache, undatierte Verzeichnisse der dem Kloster übereigneten Grundstücke und Ländereien in lateinischer Schrift. Der Geber und seine Gaben werden genannt, Personen, in deren Interesse die Schenkung erfolgte, und eine Reihe Zeugen. Die Schenkung selber fand als symbolischer Akt statt - durch die Übergabe eines Zweiges oder eines Rasenstücks. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Doch diese *Corveyer Traditionen* sind im Original nicht mehr erhalten. Sie zerfielen und vermoderten im Laufe von über tausend Jahren. So ist die älteste Überlieferung des Namens Rössing 'nur' in einer Abschrift enthalten, die der Priester und Kreuzherr Johannes von Falkenhagen im Jahre 1479 angefertigt hat. Dieses mit großer Sorgfalt ausgeführte Dokument stellt die wertvollste Unterlage der derzeitigen historischen Untersuchungen dar. | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: Rössing ist darin in unterschiedlicher Schreibweise zweimal verzeichnet. Denn der Schreiber hat die abgeschriebenen alten Ortsnamen zusätzlich in der Schreibweise des 15. Jahrhunderts am Rande des Dokuments ausgeworfen. So steht für das alte rotthingun am Rande rotthingen. Und bei der zweiten Eintragung heißt es im Text hrottingun und am Rande rottingen - was sich exakt mit der Schreibweise für Rössing in damaliger Zeit deckt. | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen kann man das Jahr 850 – also die Mitte zwischen 822 und 877 - als den Zeitpunkt annehmen, an dem Rössing urkundlich gegründet sein muss. Die Feiern zum 1150 jährigen Bestehen von Rössing im Jahr 2000 fanden also auf quellensicherem geschichtlichem Boden statt. | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: Quelle: Staatsarchiv Münster, Corvey-Akten Nr. 1419 | |
| 21 | added: | |
| 22 | added:  | |
| 23 | added: | |
| 24 | added:  | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: --- | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-13 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/rossing-aus-der-geschichte-eines-alten.html).* | |
| @@ -0,0 +1,42 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Ein Dorf" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 1 – Ein Dorf" | |
| 4 | added: sidebar_position: 1 | |
| 5 | added: description: "Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansäss" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansässig, nach dem sie sich nennt. | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Hier hatte die Familie ihren Rittersitz mit Ländereien und gutspflichtigen Leuten. Die Männer standen als Ministeriale in Diensten der Hildesheimer Bischöfe und erhielten von diesen umfangreichen Lehnsbesitz mit zahlreichen zehnt- und dienstpflichtigen Bauern in Rössing und anderen Teilen des Bistums. Die Lehnsgüter wurden im Mittelalter adeligen „Lehnsmannen“ verliehen gegen persönliche, nicht bäuerliche Leistungen, z.B. ritterliche Gefolgschaftsdienste. Sie sollten der Familie ein standesgemäßes Auskommen sichern. Die Herren von Rössing besaßen die Patrimonialgerichtsbarkeit, also die niedere Gerichtsbarkeit „über Haut und Haar", sie hatten das Mühlen-, das licentfreie Braurecht und das Kirchenpatronat, denn nach Überlieferung hatten sie die Kirche St. Peter und Paul auf eigenem Grund und Boden um 1290 gestiftet. | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: **Ein Dorf** **zwischen zwei Rivalen** | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Die Geschichte Rössings ist geprägt von seiner Lage an der westlichen Grenze des Fürstbistums Hildesheim. An der Leine saßen die welfischen Herzöge, die noch nie zimperlich waren, wenn es darum ging, ihre Machtposition auszubauen, auf ihrer 1290 dort provokativ errichteten Feste Calenberg. Bei ihren ständigen Versuchen, ihren Machtbereich gegen die Hildesheimer Bischöfe nach Osten hin zu erweitern und ihre Grenznachbarn, die Herren von Rössing, aus ihren Besitzungen auszukaufen und zu verdrängen, setzt ihnen das selbstbewußte Rittergeschlecht erheblichen Widerstand entgegen, nach dem Wahlspruch: | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: *Wer Gott vertraut, brav um sich haut,* | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: *der hat auf keinen Sand gebaut.* | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: **Ritter Lippold III Longus von Rössing** | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Eine besonders hervorstechende Persönlichkeit in der Geschichte dieser adeligen Familie war Ritter Lippold III Longus von Rössing. Er war ein Mann seiner Zeit, der Zeit der mittelalterlichen Fehden. Die Fehde galt als legitimes Mittel, sein Recht, oder auch nur sein vermeintliches Recht, nach schriftlichem Fehdebrief durchzusetzen. | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: 1331 verpflichtet sich Lippold III schriftlich für fünf Jahre dem Rat der Stadt Hildesheim zum Kriegsdienst mit Knechten und Pferden, mit Rüstungen und Waffen. Dafür muß ihm die Stadt jährlich 100 lötige Mark zahlen. Sollte er gefangen werden, muß die Stadt für ihn das Lösegeld aufbringen. | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Am 11. November 1333 fordert Lippold III Longus in einem Beschwerdebrief seinen Anteil an der im Krieg gemachten Beute. Dazu gehört, was Bürger und Ritter bei dem Überfall auf die Dammstadt in der Weihnachtsnacht 1332 erbeutet haben, dem schwärzesten Blatt der Hildesheimer Stadtgeschichte: Erwachsene wie Kinder, und auch der Priester waren in der Kirche niedergemetzelt worden. | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Lippold und sein Sohn Geverd errichten 1342 eine Burg, ein festes Haus (Kemenate und Wohnung) in Rössing, wie sie schriftlich versichern müssen: „zum Schutz der Herzöge“. Dem welfischen Herzog Heinrich wird die Burg aber lästig, er zerstört sie 1431 und verbietet den Wiederaufbau. Gestattet werden nur Gebäude für Wohn- und Wirtschaftszwecke. | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: Lippold III war dreimal verheiratet und gelangte durch eine seiner Heiraten an die „Herrschaft Hohenbüchen“ bei Alfeld, die später veräußert wird. Er war zweifellos ein mächtiger Mann, und um ihn rankt sich die Sage vom Räuber Lippold. | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: **Ehrenvolle Ämter** | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: Die Herren von Rössing sind aber nicht nur Ritter, die Kriegsdienste leisten, sondern. mehrere Familienmitglieder erwerben das hoch angesehene Amt des Domscholasters und werden Leiter der berühmten Hildesheimer Domschule. Andere sind Domherren, und im Jahre 1398 erhalten Siverd und Dietrich von Rössing das erbliche Marschallamt im Bistum Halberstadt, zugleich mit Gütern in Berssel und Suderode. Der Titel Erbmarschall für den Senior der Familie war bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich. | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: Siverd steigt 1415 zum Kaiserlichen Reichsvoigt der Silberstadt Goslar auf, was sein Ansehen noch erheblich stärkt. | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: Wenn Herzog Erich d.Ä. den Herren von Rössing 1506 auch das ehrenvolle, erbliche Hofamt des Erbkokenmeisters (Erbküchenmeisters) mit all seinen Einkünften verleiht, so sind die von Rössing doch selten in hannoverschen Diensten zu finden, sondern engagieren sich lieber in Kurbrandenburg und Preußen, wo sie Offiziere werden oder in hohe Staatsstellungen aufsteigen. | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: --- | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-23 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-von-helga.html).* | |
| @@ -0,0 +1,84 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Machtausdehnung der Welfen" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 2 – Machtausdehnung der Welfen" | |
| 4 | added: sidebar_position: 2 | |
| 5 | added: description: "Machtausdehnung der Welfen 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adli" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Machtausdehnung der Welfen** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adlige Ritter um die von Saldern, zu denen auch die Herren von Rössing gehören, verbünden sich und verweigern die Rückgabe der vom Bischof an Adel und Ritterschaft verpfändeten Güter und Ländereien, die dieser wegen seiner schlechten finanziellen Lage einlösen will. Die anfangs lokale Auseinandersetzung entwickelt sich zu einem offenen Krieg der niedersächsischen Territorialfürsten. In der großen Schlacht bei Soltau am 28. Juli1519 bleibt das Hochstift militärischer Sieger. | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Aber der neugewählte Kaiser Karl V. in Wien fällt eine völlig andere Entscheidung. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Über Bischof Johann wird 1522 die Reichsacht verhängt und 1523, beim Friedensschluß im Quedlinburger Rezeß, wird das Fürstbistum Hildesheim bis auf die drei Ämter Peine, Steuerwald, Marienburg und die Domprobstei völllig zerschlagen und auf die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt. | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: Rössing wird dem Fürstentum Calenberg zugeordnet. Es wird auch bei der Restitution des Stiftes 1643 nicht wieder zurückgegeben. | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: Herzog Erich der Ältere läßt nicht nach, seinen persönlichen Machtbereich, sein „Hausgut“ durch Grunderwerb am Calenberg zu erweitern. 1527 und 1532 kauft er den Herren von Rössing große Teile ihres erblichen Eigenbesitzes ab. Er übt ziemlichen Druck auf seine Nachbarn aus, obwohl er die erforderlichen Summen nicht aufbringen kann. Immer wieder werden Zinszahlungen angemahnt, bis ein Teil der gekauften und nicht bezahlten Ländereien wieder zurückgegeben werden muß.(1) | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **Die Herzogliche Vogtei und das Patrimonialgericht der Herren von Rössing** | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Herzog Erich d. Ältere erwirbt 1537 die Pfandschaft über das bisher vom Kloster Helmarshausen an das Godehardikloster verpfändete Meierding in Rössing mit Vogtei und Gericht. So wird ihm die Hälfte der Rössinger Bauern zehnt- und dienstpflichtig und untersteht seiner Gerichtsbarkeit. | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Schon als das Godehardikloster das Meierding im Pfandbesitz hatte, gab es ständig Streit mit den Herren von Rössing um die Gerichtsbarkeit, die diese sich im Dorf nicht nehmen lassen wollten. Das ging so weit, daß Siegfried und Friedrich von Rössing im Jahr 1516 wegen Nichterscheinen zu Gerichtsterminen mit dem Godehardikloster vom Gericht der Benediktinerklöster in Erfurt exkommuniziert wurden. | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: Das Amt Calenberg setzt für seinen Gerichtsbezirk in Rössing einen Untervogt, später einen Amtmann ein. Dieser ist auch Steuereinnehmer und versieht Verwaltungsaufgaben und Registratur. | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: **Konflikte vorprogrammiert.** | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: Die Herren von Rössing verbleibt die andere Hälfte des Dorfgerichts als „geschlossenes Adeliges Untergericht“ mit patrimonialem Charakter. Aber daß adelige Gerichtssassen und herzogliche Amtsuntertanen neben- und durcheinander wohnen, gibt es einzig in Rössing und da sind Konflikte natürlich vorprogrammiert. Prozesse sind an der Tagesordnung und die Akten darüber füllen Bände. (2) | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: Denn die Gerichtshoheit ist nicht nur ein wichtiges Herrschaftsindiz der Territorialstaaten, sondern sie hat auch handfeste materielle Hintergründe, weil die Strafgelder dem Gerichtsherrn zufallen. | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: Die Dorfsassen des geschlossenen Untergerichts werden im Gegensatz zu denen eines ungeschlossenen in keinen Amtslagerbüchern, Registern und Katastern des Amtes geführt, sondern nur beim Adeligen Gut. Die Herren von Rössing empfangen ihre Anweisungen wie zum Beispiel über Kriegssteuern oder sonstige Anordnungen direkt von der Regierungskanzlei, ohne die Zwischenschaltung subalterner Beamter. | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: **Zwei Gerichtshoheiten in Rössing** | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: Differenzen durch die doppelte Gerichtsbarkeit im Dorf bleiben nicht aus. So beschwert sich Ludolph von Rössing 1654 in einem Schreiben an den Amtmann von Calenberg, weil zwei seiner Leute wegen etlicher Feldbrüche auf dem Calenberger Landgericht erscheinen sollen. Da von jeher: die gesamten Rössingschen Herrenleute niemals zum Calenbergischen Landgericht gezogen, sondern alles, was an dieser Seite der Zollbrücke (an einem alten Leinearm bei Calenberg) verwirket, auf das Rössingsche Gericht gehöre, und weil den Herren von Rössing die Hälfte des Strafgeldes zustehe, wahre er seine Rechte, um aller Neuerung vorzubauen und in seinem Rechte unbetrübt zu bleiben. | |
| 57 | added: | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: | |
| 60 | added: Die Jurisdiktion auf den Straßen von Rössing ist ein weiterer Streitpunkt. Höchstens auf des Herzogs Hildesheimer Heerstraße erkennen die Herren von Rössing sie an. Die Gäßchen in Rössing verdienten den Namen Straße nicht, sie führten nur zu einigen Bauernhäusern und so jagt man sich dort gegenseitig die Verbrecher ab. | |
| 61 | added: | |
| 62 | added: | |
| 63 | added: | |
| 64 | added: Wie dem von Rössingschen Schäfer Steinwehe einmal ein Hammel gestohlen wird, ertappt man den Täter und verfolgt ihn. Die Gutsleute greifen ihn samt dem corpus delicti im Dorf und setzen ihn im Haus des Schäfers auf gutseigenem Hofe fest. Bevor der Täter, wie es der Rechtsbrauch ist, für drei Tage auf dem adeligen Hof ins Gefängnis gesetzt werden kann, holt ihn der Vogt mit Gewalt auf den Calenberg. Eigentlich müßte er nach drei Tagen Gutskarzer und Meldung beim Amt auf Verlangen desselben ordnungsgemäß zwischen den beiden Brücken (der Rössingbachbrücke und der Schloßgrabenbrücke) übergeben werden. Wieder ist ein Protestschreiben fällig. | |
| 65 | added: | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: | |
| 68 | added: Oft trifft es auch die kleinen Leute. Wie der Gutsuntertan Wintel 1768 heiraten will, wird beim Gut der Manntaler fällig. Auch der Ehedispens wird dort kostenlos ausgestelt. Trotzdem verlangt der Amtsvogt Rothard noch 2 Taler und 31 Mariengroschen, weil sich die Braut bei der Verlobung im Hause eines Amtsuntertanen aufgehaltenhat. Der Ehedispens sei ganz mit Fett oder Tran vollgeschmiert und er erkenne ihn nicht an. Von Rössing beschwert sich bei der Königlichen Justizkanzlei, daß die Landesgesetze ausdrücklich verordnet haben, die Armut nicht über Billigkeit zu beschweren und daß für eine Ehestiftung nicht mehr als 1 Reichstaler genommen werden soll. Außerdem versuche der Vogt Rothard „überall Geld zu erhaschen.“ | |
| 69 | added: | |
| 70 | added: Aber er wird abgewiesen. | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: Diese Zweiteilung der Dorfschaft dauert bis zum Jahr 1821, als die hannoversche Regierung die Auflösung des Adeligen Gerichts verfügt und beide Gemeindeteile 1829 unter calenbergischer Verwaltung vereinigt werden. Die Herren von Rössing werden wiederholt aufgefordert, die Akten und Registratur des Adeligen Gutes, bzw. seiner Untertanen an das Amt Calenberg abzuliefern; diese wurden dort und nicht beim Amt geführt. Aber allem Anschein nach ist das nicht geschehen, denn wiederholt werden die Deposita angefordert. Die Aktenlage über die gutspflichtigen Bauern ist, wohl auch deshalb, sehr schlecht. | |
| 73 | added: | |
| 74 | added: | |
| 75 | added: | |
| 76 | added: Quellen: | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: (1) NHSA Sign. Cal Or Des 24 neu Nr 45 ff. | |
| 79 | added: | |
| 80 | added: (2) NHSA Hann. 74 Cal Nr 293 - 298 | |
| 81 | added: | |
| 82 | added: --- | |
| 83 | added: | |
| 84 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-30 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/machtausdehnung-der-welfen.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Der Bau des Schlosses 1579–89" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 3 – Bau des Schlosses" | |
| 4 | added: sidebar_position: 3 | |
| 5 | added: description: "Der Bau des Schlosses 1579-89 Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenp" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Der Bau des Schlosses 1579-89** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenpatronat, Gericht und sonstigen Zubehörungen und die Hälfte der auswärtigen, zu Rössing gehörenden Einkünfte. Er heiratet 1579 Anna von Stöckheim und beginnt mit dem Bau des Wasserschlosses. Daran erinnert noch das Allianzwappen am steinernen Portal des östlichen Flügels. Er hatte namhafte Geldmittel in Kriegsdiensten für den spanischen sowie für den französischen König erworben, die ihm die Errichtung des Schlosses in Rössing ermöglichen. | |
| 11 | added: Gleichzeitig mit Rössing baut Ludolph nach fast demselben Plan, nur aufwendiger mit einem großen Rittersaal, den dreigeschossigen Bunten Hof in Osterwieck, eine der von Rössingschen Besitzungen. | |
| 12 | added: Die beiden rechtwinklig zueinander stehenden Gebäude der zweiflügeligen Rössinger Anlage sind erbaut im Stil der Weserrenaissance, allerdings wesentlich einfacher als die bekannteren Bauten dieser Epoche. Sie sind verbunden durch einen Fachwerkturm mit einer glockenförmigen, welschen Haube. Der westliche Flügel ist mehrfach umgebaut und vergrößert worden und erhält ca. 1910 eine sandsteinerne, historistische Westfassade. Der besondere Reiz der Anlage liegt in den umlaufenden Gräften, von denen die eine vollständig und die andere noch als Teich vorhanden ist. Die Zugbrücke über den recht breiten Schloßgraben wird 1821 durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: **Die weitere Entwicklung des Adeligen Gutes** | |
| 16 | added: | |
| 17 | added: Im 18. Jahrhundert verfügt die Familie von Rössing noch über einen sehr umfangreichen Lehnsbesitz. Aber sämtliche Lehnsvettern geraten wegen Verschuldung in Prozesse, die 1713 sogar eine kaiserliche Kommission beizulegen versucht. Als Folge dieser Erbstreitigkeiten gehen die Halberstädtischen Besitzungen Berssel, Suderode und Osterwieck der Familie verloren. Als sich die Anzahl der Lehnsvettern 1724 verringert hat, werden die Nutzungsrechte des Rittersitzes in Elftel aufgeteilt. | |
| 18 | added: | |
| 19 | added: Louis von Rössing (1790 – 1856) war der Ur-Ur-Großvater des jetzigen Seniors der Familie, Gerhard Freiherr von Rössing und von Hugo. Er war Offizier in der Königlich-Deutschen-Legion, in der Georg III die Reste der durch die Franzosen 1806 aufgelösten hannoverschen Armee gesammelt hatte. Er war bei der Schlacht von Waterloo 1815 dabei und verläßt 1833 als Oberstleutnant den aktiven Dienst, um die Bewirtschaftung des Gutes in Rössing selbst zu übernehmen. Er bringt es fertig, diesen zersplitterten, verschuldeten Rittersitz in eins der ansehnlichsten Güter der Region umzuwandeln. Zu Hilfe kommt ihm, daß er durch die Agrarreform die Ablösungsgelder der Bauern erhält. | |
| 20 | added: Er wirtschaftet sehr erfolgreich, unterstützt von seiner Frau, der legendären Ahnfrau Levine, geb. Freiin von Dincklage. Sie steigt im Sommer und Winter morgens in den Schloßgraben, um sich abzuhärten, auch wenn ihr der Kutscher das Eis vorher aufhacken muß, offenbar mit Erfolg, denn sie bringt 13 gesunde Kinder zur Welt. Reste ihres Badehäuschens hat man 1993 bei der Entschlammung des Schloßgrabens noch gefunden. Sie kümmert sich um die Alten und Kranken im Dorf und unterstützt die Einrichtung einer Spinnschule für Mädchen und verschafft ihnen Aufträge. | |
| 21 | added: Der älteste Sohn des Ehepaares Alexander war Jurist und erlangte vom König von Preußen 1872 den Freiherrentitel für die Familie, nachdem 1866 das Königreich Hannover zu einer preußischen Provinz geworden war. | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: Als der Vater des jetzigen Betriebsinhabers Gerhard von Rössing und von Hugo 1954 den Betrieb übernahm, arbeiteten noch 18 Männer und 25 Frauen ständig auf dem Hof. | |
| 24 | added: Seit 1995 führt der Sohn, Kurt-Alexander, die Tradition fort und bewirtschaftet den Hof weiter. Die ökonomischen Verhältnisse und Betriebsformen haben sich entscheidend geändert und die weitaus größte Arbeitslast liegt auf den Schultern des Betriebsinhabers. Die enge Zusammenarbeit mit den Bauern im Ort und die gemeinsame Nutzung und Auslastung der teuren Maschinen soll das Überleben der wenigen Landwirte gewährleisten. | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Das Schloß wird derzeit von drei Generationen der Familie von Rössing bewohnt. | |
| 27 | added: Es steht unter Denkmalsschutz und seine Erhaltung erfordert viel Einsatz von der traditionsbewußten Familie. Aber sie fühlt sich nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart verpflichtet. Die Mutter des jetzigen Gutsherrn, Madeleine Frfr. von Rössing arbeitet schon viele Jahrzehnte ehrenamtlich für das Deutsche Rote Kreuz. Ihr Sohn, Alexander Frh. von Rössing, ist im Rat der Samtgemeinde Nordstemmen vertreten und seine Ehefrau Tita ist schon mehr als fünf Jahre sehr engagierte Ortsbürgermeisterin in Rössing. | |
| 28 | added: | |
| 29 | added: Quellen: | |
| 30 | added: August Freiherr von Rössing: “Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing“, . Gerstenberg, Hildesheim 1900 | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Armgard von Reden Dohna: „Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim“ Barton`sche Verlagsbuchhandlung Göttingen 1995 | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: --- | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-30 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-3.html).* | |
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| 7 | added: "description": "Die Adelsfamilie der Herren von Rössing und der Bau des Wasserschlosses – eine dreiteilige Reihe von Helga Fredebold." | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Dorfgeschichte Rössing" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Dorfgeschichte" | |
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| 5 | added: description: "Historische Studien zu Rössing von Helga Fredebold" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: # Dorfgeschichte Rössing | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Diese Sammlung historischer Studien zu Rössing stammt aus der Feder der Heimatforscherin und Chronistin **Helga Fredebold**. Sie hat ihre Untersuchungen 2012 in einem Blog ([fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com)) veröffentlicht und damit einen wertvollen Fundus zur Geschichte des Dorfes zugänglich gemacht. | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Die Inhalte sind hier in thematische Reihen gegliedert. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: ## Themenreihen | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: - **[Aus der Geschichte eines alten Dorfes](./einleitung.md)** – die Einleitung mit der frühesten urkundlichen Erwähnung Rössings | |
| 17 | added: - **[Die Herren von Rössing](./herren-von-roessing/01-ein-dorf.md)** – die Adelsfamilie und der Bau des Wasserschlosses (3 Teile) | |
| 18 | added: - **[Das Meierding in Rössing](./meierding/01-unfreie-bauern-und-abt.md)** – Gerichtswesen, unfreie Bauern und kirchlicher Grundbesitz (5 Teile) | |
| 19 | added: - **[200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing](./juedische-geschichte/01-1428.md)** – von 1428 bis zur Schoa, mit den Familienschicksalen der Familie Blumenthal (21 Teile) | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: ## Über die Autorin | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: **Helga Fredebold** beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der Sozial- und Ortsgeschichte Rössings und hat mehrere Monographien zur Dorfgeschichte (1995, 2002, 2008) veröffentlicht. | |
| 24 | added: | |
| 25 | added: ## Lizenz | |
| 26 | added: | |
| 27 | added: Die Inhalte wurden mit Genehmigung übernommen. Quellen sind in den jeweiligen Beiträgen aufgeführt. | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "1428" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 1 – 1428" | |
| 4 | added: sidebar_position: 1 | |
| 5 | added: description: "Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwoh" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwohner gegeben hat. Zwar steht auf den sechs Grabsteinen, die dort noch vorhanden sind, nur der Name Blumenthal, aber aus alten Akten geht hervor, daß hier vor etwa 2OO Jahren noch andere jüdische Familien im Ort gelebt haben. Es war nur eine kleine Gruppe, aber es ist sehr interessant, einmal dem Schicksal dieser Menschen nachzugehen. | |
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| 10 | added: # Allgemeiner historischer Rückblick | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Die Juden in Deutschland lebten von jeher in einer verminderten rechtlichen Stellung. Im Mittelalter unterstanden sie dem kaiserlichen Judenregal (dem Recht, Juden aufzunehmen). Das bedeutete, daß sie dem Kaiser und König einen *goldenen Opferpfennig* für ihren Aufenthalt im Reich zahlen mußten. Dieses Judenregal ging in vielen Fällen als kaiserliches Privileg an die Kurfürsten und sonstigen Territorialfürsten über. Aber diese Tatsache besserte keineswegs den rechtlichen Status der Juden. Bald fiel es dem einen kleinen Landesherren ein die Juden zuzulassen, bald ließ er sie wieder vertreiben, der Willkür waren Tür und Tor geöffnet. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Auch der Bischof von Hildesheim besaß das Judenregal, das er **1428** an den Rat der Altstadt verpfändete. Durch hohe Sondersteuern verschlechterte sich die Lage der Juden derart drastisch, daß diese nach Braunschweig flüchteten, wo die Judengesetze zu dieser Zeit liberaler waren. Seit **1457** gab es für ca. 5O Jahre praktisch keine jüdische Gemeinde mehr in Hildesheim. | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: # Die rechtliche Stellung der Juden in den welfischen Fürstentümern | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: **1345** Herzog Magnus hatte die Juden in seinen Schutz genommen. Einige Jahre später, als die Pest hier wütete, verfolgte man sie hart und verwies sie des Landes, weil man sie für den *Schwarzen Tod*“ verantwortlich machte | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: **1375** sie wurden von den Herzögen Wenzeslaus und Albrecht wieder in Hannover zugelassen, wo ihnen der Aufenthalt vorher verboten war | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: **1553** Herzog Erich II vertrieb sie, weil sie „Gott, Jesus und alle gläubigen Christen in ihren Synagogen verflucht und geschmäht hätten". Ein paar Jahre später wurden sie wieder zugelassen | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **1614** als die Landstände von Herzog Friedrich Ulrich erneut die Vertreibung der Juden verlangten, entdeckte dieser die Juden als geschätzte Einnahmequelle. Gegen hohe Geldzahlungen gewährte er einer ganzen Anzahl von ihnen Schutz- und Aufenthaltsrecht in Hannover. Da sie keine vollen bürgerlichen Rechte hatten, waren sie praktisch unbegrenzt besteuerbar und auch sonst einer ganzen Reihe von Beschränkungen unterworfen. Beim Überschreiten von Stadt- und Landesgrenzen mußten sie im Gegensatz zu den christlichen Einwohnern Leibzoll bezahlen | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Es wurden auch Versuche unternommen, die in Sitte und Art so fremdartig erscheinenden Juden zu Christen zu machen. Aber dem setzten die Juden nach wie vor die Unabänderlichkeit ihres Religionsgesetzes und ihrer religiösen Formen entgegen | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: **1622** im Calenbergischen wurde ihnen der Besuch von Synagogen untersagt und sie wurden zeitweilig gezwungen, christliche Kirchen zu besuchen, weil sie andernfalls mit hohen Strafen belegt wurden | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: **1673** in Hannover ereignete sich zum wiederholten Male eine Freveltat, bei der von dem jüdischen Friedhof auf dem Sandberge vor dem Steintore widerrechtlich Sand abgefahren und Gräber und Grabsteine beschädigt wurden. Der hochgeachtete und später zum Hof- und Kammeragenten ernannte Hofjude Leffmann Behrens beklagte sich bitter bei den Herzögen. Den Missetätern wurden strenge Strafen angedroht und den Juden erneut das Recht auf die Unversehrtheit ihres Friedhofes bestätigt | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: 1) Dr. jur. Abraham Löb, Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: 2) M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland | |
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| 37 | added: | |
| 38 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-08 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Der Schutzbrief" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 2 – Der Schutzbrief" | |
| 4 | added: sidebar_position: 2 | |
| 5 | added: description: "Der Schutzbrief Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder au" | |
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| 7 | added: | |
| 8 | added:  | |
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| 10 | added: **Der Schutzbrief** | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder auch von den Gerichtsherren der Adeligen Patrimonialgerichte. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: 1687 regelte Herzog Ernst August für seine welfischen Lande, das spätere Kurfürstentum Hannover, die Schutzverleihung, die er für sich allein in Anspruch nahm. Den Städten und adligen Gerichten sprach er alles Recht der Ausstellung von Schutzbriefen ab. Die nicht unbeträchtlichen Geldsummen, die die Juden für die Schutzbriefe bezahlen mußten, sollten allein in die landesherrliche Schatulle fließen. Sein Sohn, der Kurfürst Georg Ludwig, der 1714 als König Georg I den englischen Thron bestieg, bestätigte während seiner Regierungszeit dieses Schutzgeld-Edikt und erließ außerdem noch eine ganze Reihe anderer Judenordnungen. | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: Der Schutz erstreckte sich auf die Person des Juden, seine Ehefrau, seine unverheirateten Kinder, so lange sie in seinem Haus wohnten, und auf diejenige Anzahl von Dienstboten, die den Juden erlaubt war. Wollten sich die Kinder von Schutzjuden verheiraten, oder von ihren Eltern separieren, so bedurften sie eines besonderen Schutzbriefes. (Heiratserlaubnis erhielt von den Söhnen meistens nur der älteste). Der Schutzbrief gewährte das Recht ungestörten Aufenthaltes im Lande auf begrenzte Zeit, zunächst 6 Jahre, Schutz für Leben , Freiheit und Eigentum, ungestörte Ausübung der jüdischen Religion und sicherte den Inhaber davor, nach Willkür der Behörden außer Landes verwiesen zu werden. Er gestattete, nach Maßgabe der Beschränkungen durch die Landesgesetze, Handel- und Wechselgeschäfte zu treiben. Dagegen gewährte der Schutzbrief weder Bürger- noch Heimatrecht. | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: Ganz andere Vorschriften galten dagegen für die unvergleiteten Juden: Sie waren häufig vor Pogromen geflüchtete Osteuropäer. Sie zählten zu den „Armen" und man versuchte, sie sich durch Kontingentierung vom Halse zu halten. | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: So hieß es: | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Sie werden als Fremde behandelt. Sie dürfen sich an einem Ort nur 3 Tage, in Hannover 8 Tage, bei andern Juden aufhalten und müssen einen Leibzoll erlegen. Wer länger verweilt, wird „allsofort weggeschafft" und muß nach Maßgabe seines Vermögens 1O - 15 Reichstaler Strafe an die Ortsarmenkasse zahlen. An den Denunzianten müssen außerdem noch 5 - 1O Reichstaler gezahlt werden. | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: Dies alles gilt aber nur für die sog. „reputierlichen Juden" (Verordnung vom 9. Juni 1733). | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: „Betteljuden" sollen dagegen gar nicht zugelassen werden. | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: *Werden sie ertappt, so werden sie zum erstenmal mit 14täiger harter Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot belegt und über die Grenze gebracht, beim zweitenmal erhalten sie ein Brandmal, und beim dritten Male werden sie einfach aufgehängt.* | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: (Edikt vom 14. Aug. 1714). Diese Gesetzgebung zwang sie natürlich erst recht zum Vagabundieren. | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Die Judenordnungen waren aber in den verschiedenen deutschen Fürstentümern durchaus nicht überall gleich. Was den Juden in dem einen Land verboten war, war ihnen im Nachbarland vielleicht erlaubt. Es gab so gut wie nichts, was überall einheitlich geregelt war. | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: Etwa 9O % der im Kurfürstentum Hannover lebenden Juden wohnten in den Städten oder in größeren Orten. Auf dem platten Lande gab es wenige, was mit dem Verbot von Grunderwerb und anderen Berufsbeschränkungen zusammenhing. Ackerbau war ihnen nach der Feudalverfassung verboten. | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: Wenn ein Jude bei der Landdrostei einen Antrag auf einen Schutzbrief stellte oder ein Schutzbrief von einer Gemeinde wegen Umzugs auf eine andere Gemeinde transferiert werden sollte, so wurden genaue Erkundigungen über den betreffenden eingeholt. Der Schutzbrieferteilung wurde nur stattgegeben, wenn die Auskünfte ohne jegliche Beanstandung waren. Die Landdrosteien vertraten den Standpunkt, daß die Juden freiwillig ins Land gekommen seien zu den bekannten Konditionen, daß sie jederzeit des Landes verwiesen werden konnten. Die Anzahl der Juden sollte eine statische Größe bleiben. Es sei immer von dem Grundsatz auszugehen: „Das Kurfürstentum sei ein christliches Land und solle es bleiben.“ | |
| 37 | added: | |
| 38 | added:  | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: 1) Dr. jur. Abraham Löb, Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: 2) M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: # | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: # 3) Niedersächsisches Jahrbuch 1992 Bd. 64, vom Historischen Verein f. Niedersachsen, Verlag Hahnsche Buchhndlg. Hannover 1992, Uwe Eissing S. 287 ff. | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: # | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: # 4) Chur-Braunschweig-Lüneburgische Landesordnungen und Gesetze IV Teil, | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: # von Policey - Sachen | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: # zum Gebrauch der Fürstenthümer Graf- und Herrschafften Calenbergischen Theils | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: Göttingen 1740, in Verlag der Königl. privilegirten Universitäts Buchhandlung | |
| 57 | added: | |
| 58 | added: --- | |
| 59 | added: | |
| 60 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-08 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in_08.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Schlachten" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 3 – Schlachten" | |
| 4 | added: sidebar_position: 3 | |
| 5 | added: description: "Berufsbeschränkungen der Juden Ein reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergil" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Berufsbeschränkungen der Juden | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Ein | |
| 11 | added: reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, | |
| 12 | added: denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergilden, die | |
| 13 | added: Zünfte und Innungen basierten auf den christlichen Bruderschaften | |
| 14 | added: des Mittelalters, und ihr Brauchtum war stark christlich geprägt. | |
| 15 | added: Mit der Zunftverfassung konnte eine "*durch | |
| 16 | added: Religion und Sitte ganz verschiedene Sekte*" | |
| 17 | added: kaum in Übereinstimmung gebracht werden. | |
| 18 | added: | |
| 19 | added: **Schlachten** | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: Das | |
| 22 | added: Schlachten war ihnen zum eigenen Verbrauch erlaubt, aber z.T. auch | |
| 23 | added: zum Verkauf an Christen. Ihr jüdischerGlaube gestattete ihnen, nur | |
| 24 | added: Fleisch von geschächteten Tieren zu essen. | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Dieses | |
| 27 | added: Schächten ist eine rituelle Schlachtung makelfreier (koscherer) | |
| 28 | added: Tiere. Nach den jüdischen Speisegesetzen sind dies wiederkäuende | |
| 29 | added: Paarhufer wie Rind, Schaf, Ziege oder Hirsch. Es wird von einem | |
| 30 | added: Schächter, einem Kultbeamten durchgeführt. Dieser führt mit einem | |
| 31 | added: langen, scharfen Messer einen raschen Querschnitt durch | |
| 32 | added: Halsschlagader, Speise- und Luftröhre des Tieres, wodurch eine volle | |
| 33 | added: Ausblutung erreicht werden soll. Eine vorherige Betäubung des | |
| 34 | added: Schlachttieres war religionsgesetzlich unzulässig. | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: In | |
| 37 | added: Deutschland wurde das Schächten durch das Gesetz vom 21.4.1933 | |
| 38 | added: verboten, weil es dem deutschen Tierschutzgesetz widerspricht. Durch | |
| 39 | added: Verordnung wurde es 1946 und 1947 von den Alliierten | |
| 40 | added: Militärregierungen wieder zugelassen. Eine einheitliche | |
| 41 | added: bundesgesetzliche Regelung steht auch heute noch aus und es wird in | |
| 42 | added: den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: **Handel | |
| 45 | added: und Geldgeschäfte** | |
| 46 | added: | |
| 47 | added: Die | |
| 48 | added: organisierten Kaufmannschaften waren ihnen verschlossen. | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: Die | |
| 51 | added: Juden durften mit alten und einigen neuen Waren handeln, so weit | |
| 52 | added: nicht die Privilegien der Zünfte oder der Bürgerschaft dagegen | |
| 53 | added: standen. Als „*Trödeljuden*" | |
| 54 | added: hielten sich viele über Wasser. Der Hokenhandel, der Kleinhandel, | |
| 55 | added: war ihnen erlaubt. Gewohnheitsmäßig kamen auf dem Lande der Vieh-, | |
| 56 | added: Getreide- und Pferdehandel dazu, sowie Geld- und Wechselgeschäfte. | |
| 57 | added: | |
| 58 | added: Vor | |
| 59 | added: allem der Geldverleih lag in den Händen der Juden, den das | |
| 60 | added: kirchliche Zinsverbot den Christen untersagte. Sie hatten das | |
| 61 | added: Privileg, von Darlehen Zinsen zu nehmen und das Recht, verpfändete | |
| 62 | added: oder verkaufte Sachen bis zur Zahlung zurückzubehalten. Einige Juden | |
| 63 | added: kamen dadurch zu erheblichen Vermögen und wurden wegen ihrer | |
| 64 | added: Geschicklichkeit in Gelddingen von den stets finanzschwachen Fürsten | |
| 65 | added: an ihre Höfe gezogen. | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: Einer | |
| 68 | added: von diesen war der bekannte Joseph Süß-Oppenheimer (1692-1738), der | |
| 69 | added: von Herzog Karl Alexander von Württemberg zum Geh. Finanz-und | |
| 70 | added: Staatsrat ernannt wurde. Durch Münzmanipulationen und Verkauf von | |
| 71 | added: Ämtern, Titeln und Privilegien erschloß er dem geldbedürftigen | |
| 72 | added: Herzog immer neue Geldquellen. Die Beamtenschaft und die Landstände | |
| 73 | added: zwangen dem Herzog kurz vor seinem Tode den Haftbefehl gegen | |
| 74 | added: Süß-Oppenheimer ab, der in einem anfechtbaren Verfahren zum Tode | |
| 75 | added: verurteilt wurde. Seine Lebensgeschichte diente als Vorlage für den | |
| 76 | added: im Dritten Reich gedrehten Film „*Jud | |
| 77 | added: Süß.“* | |
| 78 | added: | |
| 79 | added: # Geisteswissenschaften | |
| 80 | added: | |
| 81 | added: Öffentliche | |
| 82 | added: Ämter und Würden im Militär- und Zivilstand waren ihnen bis zur | |
| 83 | added: Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert nicht zugänglich, obwohl | |
| 84 | added: das in den verschiedenen deutschen Fürstentümern auch | |
| 85 | added: unterschiedlich gehandhabt. wurde. Die Universitäten standen ihnen | |
| 86 | added: offen und es gab jüdische Ärzte und Advokaten. Diese Gegebenheiten | |
| 87 | added: führten dann im 19. und 2O. Jahrhundert beinahe zwangsläufig in | |
| 88 | added: verschiedenen Berufsgruppen, vor allem geistigen und künstlerischen, | |
| 89 | added: zu einer Überrepräsentation der Juden im Verhältnis zur übrigen | |
| 90 | added: Bevölkerung. | |
| 91 | added: | |
| 92 | added: Ein | |
| 93 | added: klassisches Beispiel dafür ist die Nachkommenschaft des jüdischen | |
| 94 | added: Bankiers und Kammeragenten Leffmann Behrens im 17. Jahrhundert am | |
| 95 | added: Hannoverschen Hofe | |
| 96 | added: | |
| 97 | added: Er | |
| 98 | added: war verheiratet mit Jente Hameln. Diese hatte aus erster Ehe schon | |
| 99 | added: sechs Kinder. Aus ihrer zweiten Ehe mit Leffmann Behrens gingen noch | |
| 100 | added: einmal drei Kinder hervor. | |
| 101 | added: | |
| 102 | added: Diese | |
| 103 | added: Kinder hatten sehr berühmte Nachfahren, u.a. Siegmund Freud, die | |
| 104 | added: Dichter Heinrich Heine und Carl Sternheim und der Komponist Felix | |
| 105 | added: Mendelssohn Bartholdy | |
| 106 | added: | |
| 107 | added: Quellen: | |
| 108 | added: | |
| 109 | added: Dr. | |
| 110 | added: jur.Löb, Abraham: | |
| 111 | added: | |
| 112 | added: „Rechtsverhältnisse | |
| 113 | added: derJuden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz | |
| 114 | added: Hannover“, Frankfurt 1908 | |
| 115 | added: | |
| 116 | added: M: | |
| 117 | added: Zuckermann. | |
| 118 | added: | |
| 119 | added: „Kollekteana | |
| 120 | added: zur Geschichte der Juden im Hannoverland“, Hannover 1912 | |
| 121 | added: | |
| 122 | added: Jahrbuch | |
| 123 | added: des Historischen Vereins 1992, Uwe Eissing S.320 ff | |
| 124 | added: | |
| 125 | added: --- | |
| 126 | added: | |
| 127 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "18. August 1731" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 4 – 18. August 1731" | |
| 4 | added: sidebar_position: 4 | |
| 5 | added: description: "Erwerb von Grund und Boden Der Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern se" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Erwerb von Grund und Boden | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Der | |
| 11 | added: Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und | |
| 12 | added: sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern seit eh | |
| 13 | added: und je verboten. Aber da sie Geldverleih betrieben und dafür häufig | |
| 14 | added: Sicherheiten in Form von Grundbesitz nahmen, waren die | |
| 15 | added: diesbezüglichen landesherrlichen Anordnungen oft unterlaufen worden. | |
| 16 | added: | |
| 17 | added: Um den bestehenden Gesetzen erneut Nachdruck zu | |
| 18 | added: verleihen und einer weiteren Verbreitung dieses Brauchs Einhalt zu | |
| 19 | added: gebieten, wurde 1718 auf Befehl des hannoverschen Kurfürsten Georg | |
| 20 | added: Ludwig, der 1714 als Georg I den englischen Königsthron bestiegen | |
| 21 | added: hatte, ein Dekret mit folgendem Inhalt veröffentlicht: | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: *"Es | |
| 24 | added: wird angeordnet, daß von nun an kein Jude in unseren Landen, den | |
| 25 | added: Fürstentümern Lüneburg, Calenberg, Göttingen und Grubenhagen | |
| 26 | added: u.s.w., die Stadt Harburg ausgenommen, weder in den Städten noch auf | |
| 27 | added: dem Land ein Wohnhaus oder andere Immobilien als Eigentum erwerben | |
| 28 | added: soll.* | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: *Nachdem | |
| 31 | added: die Juden in der vergangenen Zeit durch Kauf viele Häuser und | |
| 32 | added: Immobilien an sich gebracht, wurde die Zahl der Juden vermehrt, die | |
| 33 | added: bürgerliche Nahrung dagegen vermindert und die Häuser im Preis | |
| 34 | added: unnötig gesteigert. Außerdem werden die Bürger durch | |
| 35 | added: Einquartierung von Soldaten über Gebühr belastet, da die | |
| 36 | added: Juden-Häuser wegen der Verfassung bisher nie mit Einquartierung | |
| 37 | added: belegt worden sind. Damit diese Anordnung nicht unterlaufen wird, | |
| 38 | added: wird der Abschluß solcher Contrakte verboten, die am Ende eine | |
| 39 | added: rechtmäßige Güterübertragung nach sich ziehen. Wo eine | |
| 40 | added: Veräußerung verboten ist, ist auch eine Verpfändung verboten. Im | |
| 41 | added: ersteren Fall fallen die Immobilien der Königlichen Kammer anheim, | |
| 42 | added: im zweiten Fall, also bei Verpfändung, soll der Schuldner nicht zur | |
| 43 | added: Zahlung verpflichtet sein und der Contrakt null und nichtig.* | |
| 44 | added: | |
| 45 | added: *Damit jedoch den Untertanen nicht jede | |
| 46 | added: Gelegenheit genommen wird, im Fall der Not auf ihre Immobilie Geld | |
| 47 | added: herzuleihen, so wird gestattet, daß ein Jude 6 Jahre lang Geld | |
| 48 | added: darauf leiht, dies darf aber nur vor dem Magistrate geschehen. Nach 6 | |
| 49 | added: Jahren erlischt der Vertrag. Sollte nach diesen 6 Jahren der | |
| 50 | added: Schuldner zahlungsunfähig sein, und eine Verlängerung der Hypothek | |
| 51 | added: wünschen, so ist dies beim Rat anzumelden, der eine diesbezügliche | |
| 52 | added: Anordnung trifft. Damit sich aber kein Jude mit Unwissenheit | |
| 53 | added: entschuldigt, wird diese Anordnung öffentlich angeschlagen und jedem | |
| 54 | added: Juden mit dem Schutzbrief zusammen ausgehändigt."* | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: 5. | |
| 57 | added: Januar 1718 | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: Ad | |
| 60 | added: Mandatum Regis | |
| 61 | added: | |
| 62 | added: F.W.Fr. | |
| 63 | added: von Goertz | |
| 64 | added: | |
| 65 | added: ## Quelle: NHSA Sign: Hann 74, Cal Nr. 43O | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: Am | |
| 68 | added: **18. | |
| 69 | added: August 1731** | |
| 70 | added: wurde von der hannoverschen Regierung eine weitere Verordnung | |
| 71 | added: erlassen, die folgendes zum Inhalt hatte: | |
| 72 | added: | |
| 73 | added: *"Wir | |
| 74 | added: vernehmen mißfällig, daß unsere unterm 5. Januar 1718 erlassene | |
| 75 | added: Verordnung, kraft welcher wir verboten, daß die in unseren Landen | |
| 76 | added: vergeleiteten Juden einige unbewegliche Güter an sich bringen oder | |
| 77 | added: darauf anders als die vorgeschriebene Art Gelder herleihen, von | |
| 78 | added: vielen Magistratspersonen dahin gedeutet wird, daß den Juden erlaubt | |
| 79 | added: sei, bei Konkursen oder Zwangsversteigerungen Immobilien durch das | |
| 80 | added: höchste Gebot zu erstehen, oder auf Ländereien Geld zu leihen und | |
| 81 | added: in Besitz zu nehmen, den Pflug darauf zu schicken, oder Gärten und | |
| 82 | added: Wiesen selbst zu bestellen oder das Nutzungspfand an Liegenschaften | |
| 83 | added: zu genießen. Dies läuft unserer Absicht völlig zuwider. So | |
| 84 | added: bekräftigen wir unsere Willensmeinung dahingehend, daß es den Juden | |
| 85 | added: auf keine Art und Weise erlaubt sein soll, Immobilien an sich zu | |
| 86 | added: bringen. Auch bei Zwangsversteigerungen ist es nicht gestattet, daß | |
| 87 | added: sie selbst oder durch Bevollmächtigte vertreten, die Pfandnutzung an | |
| 88 | added: Ländereien, Gärten oder Wiesen* | |
| 89 | added: *erwerben."* | |
| 90 | added: | |
| 91 | added: Es | |
| 92 | added: folgt der Passus wie vorhergehend. | |
| 93 | added: | |
| 94 | added: *"Damit kein Jude sich mit | |
| 95 | added: Unwissenheit entschuldigen kann, wird dies sofort öffentlich bekannt | |
| 96 | added: gemacht und einem jeden Juden ein Exemplar zugestellt."* | |
| 97 | added: | |
| 98 | added: 18. | |
| 99 | added: Aug. 1731 | |
| 100 | added: | |
| 101 | added: Ad | |
| 102 | added: Mandatum Regis | |
| 103 | added: | |
| 104 | added: L. | |
| 105 | added: U. v. Hardenberg | |
| 106 | added: | |
| 107 | added: ## Quelle: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O | |
| 108 | added: | |
| 109 | added: Aber | |
| 110 | added: schon längst hatte die handelsübliche Praxis die fürstlichen | |
| 111 | added: Anordnungen überholt. Es war den Juden nicht mehr länger zu | |
| 112 | added: verbieten, für ihre Darlehen auch offiziell Sicherheiten zu nehmen | |
| 113 | added: und auf Immobilien Hypotheken eintragen zu lassen. Daher folgte dem | |
| 114 | added: Dekret vom 18. Aug. 1731 einige Monate später, **am | |
| 115 | added: 17. Dez**. | |
| 116 | added: desselben Jahres ein neues. Im Namen des Königs Georg verfügte die | |
| 117 | added: hannoversche Regierung nun folgendes: | |
| 118 | added: | |
| 119 | added: *"Es sind bei der | |
| 120 | added: in unsern Landen angesessenen Judenschaft Zweifel über die unterm | |
| 121 | added: 18. August 1731 ergangene Verordnung entstanden: Kann einer der | |
| 122 | added: vergeleiteten Schutzjuden, wenn er Gelder ausleiht, gültige Hypothek | |
| 123 | added: auf Immobilien eintragen lassen? Hat eine solche Hypothek nach dem | |
| 124 | added: Edikt Gültigkeit und wird sie nach vorfallenden Konkursen anerkannt?* | |
| 125 | added: | |
| 126 | added: *Unsere | |
| 127 | added: Willensmeinung wird hiermit kund getan: Weil den in unseren Landen | |
| 128 | added: vergeleiteten und mit richtigen Schutzbriefen versehenen Juden die | |
| 129 | added: Handelschaft nach Maßgabe der ergangenen Edikte gestattet ist, ist | |
| 130 | added: ihnen auch nicht verwehrt, bei allen ihnen erlaubten Verträgen die | |
| 131 | added: erlaubten Sicherheiten zu nehmen. Dazu gehört allerdings auch die | |
| 132 | added: Belastung von Immobilien und "liegenden Grund=Stücken" mit | |
| 133 | added: Hypotheken. Im übrigen behält das Edikt seine Gültigkeit. Wir | |
| 134 | added: erklären noch einmal ausdrücklich, daß alle vergeleiteten und mit | |
| 135 | added: gehörigen Schutzbriefen versehenen Juden bei allen und jeden ihnen | |
| 136 | added: erlaubten Handlungen, wo sie es zu ihrer Sicherheit nötig finden, | |
| 137 | added: sich von den Schuldnern auf Immobilien Hypotheken verschreiben lassen | |
| 138 | added: dürfen und bei entstehenden Konkursen und anderen ´Prozessen in | |
| 139 | added: Judicando´ den Rechten gemäß darauf zu reflektieren. Es soll nach | |
| 140 | added: rechtlicher Ordnung bei all unseren Gerichten danach verfahren werden | |
| 141 | added: ohne Ansehung der Tatsache, daß bei dieser Art Schulden Juden in den | |
| 142 | added: Besitz von Immobilien kommen.* | |
| 143 | added: | |
| 144 | added: 17. | |
| 145 | added: Dezember 1731 | |
| 146 | added: | |
| 147 | added: Ad | |
| 148 | added: Mandatum Regis | |
| 149 | added: | |
| 150 | added: L. | |
| 151 | added: U. v. Hardenberg | |
| 152 | added: | |
| 153 | added: Quelle: | |
| 154 | added: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O | |
| 155 | added: | |
| 156 | added: --- | |
| 157 | added: | |
| 158 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_26.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Lockerung der Judengesetze in der Franzosenzeit und bleibende Familiennamen" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 5 – Lockerung der Judengesetze" | |
| 4 | added: sidebar_position: 5 | |
| 5 | added: description: "Lockerung der Judengesetze in der Franzosenzeit und bleibende Familiennamen Während der französischen Revolution, schon 1789 auf der Nationalversammlung, wurde" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Lockerung der Judengesetze in der | |
| 9 | added: Franzosenzeit und bleibende Familiennamen** | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: Während | |
| 12 | added: der französischen Revolution, schon 1789 auf der | |
| 13 | added: Nationalversammlung, wurde für die Juden als Staatsbürger die | |
| 14 | added: rechtliche Gleichstellung gefordert und durch die Emanzipationsakte | |
| 15 | added: in Frankreich auch gesetzlich verankert. Als während der | |
| 16 | added: französischen Okkupation große Teile des Kurfürstentums Hannover | |
| 17 | added: dem kurzlebigen Königreich Westfalen (18O7-1812) angegliedert | |
| 18 | added: wurden, erhielten auch die hannoverschen Juden die bürgerliche | |
| 19 | added: Gleichstellung. Die alten hannoverschen Judengesetze wurden | |
| 20 | added: aufgehoben, der Grunderwerb gestattet und die Schutzbriefe sowie der | |
| 21 | added: diskriminierende Leibzoll wurden abgeschafft. | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: Obwohl | |
| 24 | added: durch das Dekret vom 27. Januar 1808 allen Juden dieselben Rechte wie | |
| 25 | added: den andern Bürgern eingeräumt wurden, mußten die Juden in Hannover | |
| 26 | added: das ihnen von der alten Landesregierung auferlegte Schutzgeld weiter | |
| 27 | added: zahlen. Ein diesbezügliches Protestschreiben wurde von der | |
| 28 | added: französischen königlich-westfälischen Präfektur in Kassel | |
| 29 | added: abgeschmettert. | |
| 30 | added: | |
| 31 | added: „Das Schutzgeld | |
| 32 | added: gehört zu den Dotationen, die dem Kaiser der Franzosen nach der | |
| 33 | added: Okkupation des Kurfürstentums Hannover zustehen und die dieser an | |
| 34 | added: König Jerôme von Westfalen abgetreten hat.“ | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: Am | |
| 37 | added: 31.März 1808 wurde außerdem verfügt, daß die Juden binnen 3 | |
| 38 | added: Monaten *bleibende | |
| 39 | added: Familiennamen* annehmen | |
| 40 | added: sollten. Bis dahin führten sie in der Regel nur ihre | |
| 41 | added: *alttestamentarischen*Vornamen. | |
| 42 | added: Das *westfälische | |
| 43 | added: Namensedikt* | |
| 44 | added: wurde im Benehmen mit den Juden des Landes entwickelt, die sich | |
| 45 | added: einmütig für bleibende Familiennamen ausgesprochen hatten. Die | |
| 46 | added: Namenwahl war grundsätzlich freigestellt, anders als in Frankreich | |
| 47 | added: waren auch jüdische Namen und Vornamen erlaubt. (3) | |
| 48 | added: | |
| 49 | added: Aber | |
| 50 | added: als nach dem Ende der Fremdherrschaft Hannover 1814 Königreich | |
| 51 | added: wurde, setzte es sofort, noch vor dem Ende des Wiener Kongresses, | |
| 52 | added: seine aus dem 18. Jahrhundert stammenden kurfürstlichen Judengesetze | |
| 53 | added: - mit Ausnahme des Leibzolls - wieder in Kraft, erneuerte damit die | |
| 54 | added: Institution des Schutzjudentums und setzte seine restriktive | |
| 55 | added: Judenpolitik fort. | |
| 56 | added: | |
| 57 | added: Von | |
| 58 | added: 1828 bis 1833 sammelten die Landdrosteien statistisches Material über | |
| 59 | added: die Lage der jüdischen Bevölkerung. Ihr Anteil betrug 0,6% im | |
| 60 | added: Königreich. Außer ländlichen Handelsleuten, Schlachtern und | |
| 61 | added: kleinen Gewerbetreibenden gab es nur einen jüdischen Juristen, einen | |
| 62 | added: Arzt und einen Tierarzt, und die Altstadt von Hannover verfügte | |
| 63 | added: noch, wie die Stadt Osnabrück, über das Privileg des *non | |
| 64 | added: tolerandi Judaeos.* | |
| 65 | added: (4) | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: Quellen | |
| 68 | added: | |
| 69 | added: 1. Dr. | |
| 70 | added: jur. Abraham Löb, Frankfurt 1908: Rechtsverhältnisse der Juden im | |
| 71 | added: ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover | |
| 72 | added: 2. M. | |
| 73 | added: Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im | |
| 74 | added: Hannoverland | |
| 75 | added: | |
| 76 | added: 3) Niedersächsisches | |
| 77 | added: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld, S. 275 ff | |
| 78 | added: | |
| 79 | added: 4) Niedersächsisches | |
| 80 | added: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 289 | |
| 81 | added: | |
| 82 | added: --- | |
| 83 | added: | |
| 84 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8268.html).* | |
| @@ -0,0 +1,109 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "1815" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 6 – 1815" | |
| 4 | added: sidebar_position: 6 | |
| 5 | added: description: "Die Emancipation der Juden im Königreich Hannover Während In der Deutschen Bundesakte von 1815 die Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten di" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Die *Emancipation* | |
| 9 | added: der Juden im Königreich Hannover | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: Während | |
| 12 | added: In der *Deutschen | |
| 13 | added: Bundesakte von* ***1815***die | |
| 14 | added: Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten die | |
| 15 | added: einzelnen Deutschen Bundesländer, bis auf Preußen, sie wieder außer | |
| 16 | added: Kraft. | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: Mit Fragebögen wurde die jüdische Bevölkerung | |
| 19 | added: wieder genau erfaßt. Es wurde nachgeforscht, wo jemand inzwischen | |
| 20 | added: Grundeigentum erworben hatte und die Institution des Schutzjudentums | |
| 21 | added: wurde erneuert. Die unveränderlichen Nachnamen blieben teilweise im | |
| 22 | added: Gebrauch, manchmal fielen sie weg. | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: In | |
| 25 | added: Frankreich erfolgte die Gleichstellung der Juden **1790**durch | |
| 26 | added: eine einzige Akte, im Königreich Hannover dagegen war es ein | |
| 27 | added: langwieriger Prozeß, der sich schrittweise über Jahrzehnte | |
| 28 | added: erstreckte. 1828 wurden wieder bleibende Familiennamen eingeführt. | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: Die | |
| 31 | added: drei Rössinger Judenfamilien mußten sich am **14. | |
| 32 | added: Mai 1828** | |
| 33 | added: auf dem Amt Calenberg einfinden und ihren Wahlnamen angeben. Sie | |
| 34 | added: entschieden sich für die Namen, die sie auch schon während der | |
| 35 | added: Franzosenzeit führten: | |
| 36 | added: | |
| 37 | added: Neuhaus, | |
| 38 | added: Neuberg und Blumenthal | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: **1832**Der | |
| 41 | added: Gesetzentwurf zur Reform der bürgerlichen Verhältnisse der Juden, | |
| 42 | added: an den „nur noch letzte Hand anzulegen war," gelangte **1836**zur | |
| 43 | added: Beratung an die Stände und ging **1837**im | |
| 44 | added: Verfassungskonflikt unter. | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: **30. | |
| 47 | added: September 1842: „*****Emancipationsgesetz“*** | |
| 48 | added: | |
| 49 | added: Gesetz | |
| 50 | added: über die Rechtsverhältnisse der Juden | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: Artikel | |
| 53 | added: 1, Abschnitt 1 stellte als Regel den *Grundsatz | |
| 54 | added: der Gleichheit* | |
| 55 | added: in Rechten und Pflichten mit den Christen auf. | |
| 56 | added: | |
| 57 | added: § 5 | |
| 58 | added: enthielt die Bestimmung: | |
| 59 | added: | |
| 60 | added: "*Das | |
| 61 | added: Schutzverhältnis der Juden, so weit es noch* | |
| 62 | added: *besteht, | |
| 63 | added: wird aufgehoben. Die daraus folgenden Leistungen bleiben jedoch | |
| 64 | added: einstweilen und bis auf ein zu erlassendes Gesetz bestehen.*" | |
| 65 | added: | |
| 66 | added: Die | |
| 67 | added: Juden wurden zwar der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen, aber der | |
| 68 | added: Regierung stand das Recht zu, die Juden bis auf weiteres nicht zum | |
| 69 | added: Militärdienst heranzuziehen. | |
| 70 | added: | |
| 71 | added: Viele Bestimmungen des neuen Gesetzes wurden durch | |
| 72 | added: Ausnahmeregelungen durchlöchert. | |
| 73 | added: | |
| 74 | added: **1847** | |
| 75 | added: folgten Ergänzungen zu dem Gesetz von 1842, unter anderem: | |
| 76 | added: | |
| 77 | added: **das | |
| 78 | added: Recht der** | |
| 79 | added: **Juden, | |
| 80 | added: ein Haus und 1 1/4 Morgen Acker zu erwerben.** | |
| 81 | added: | |
| 82 | added: **Am | |
| 83 | added: 5. September 1848** | |
| 84 | added: brachte das Gesetz die *völlige | |
| 85 | added: Gleichstellung der Juden im* | |
| 86 | added: Königreich Hannover durch den Passus, daß die Ausübung der | |
| 87 | added: bürgerlichen und politischen Rechte vom Religionsbekenntnis | |
| 88 | added: unabhängig sein sollte. Die Juden konnten damit auch öffentliche | |
| 89 | added: Ämter übernehmen und waren berechtigt zur Teilnahme an der | |
| 90 | added: Gemeinde- und Landesvertretung. | |
| 91 | added: | |
| 92 | added: **1869**sorgte | |
| 93 | added: der *Norddeutsche | |
| 94 | added: Bund* für | |
| 95 | added: die Aufhebung der letzten persönlichen Beschränkungen. | |
| 96 | added: | |
| 97 | added: Quelle: | |
| 98 | added: | |
| 99 | added: Niedersächsisches | |
| 100 | added: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 287 ff. (Rechtsverhältnisse der | |
| 101 | added: Juden) | |
| 102 | added: | |
| 103 | added: Niedersächsisches | |
| 104 | added: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld S. 263 ff. (Familiennamen der | |
| 105 | added: Juden) | |
| 106 | added: | |
| 107 | added: --- | |
| 108 | added: | |
| 109 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_5293.html).* | |
| @@ -0,0 +1,77 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "1757" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 7 – 1757" | |
| 4 | added: sidebar_position: 7 | |
| 5 | added: description: "Ein Diebstahl auf dem Schloß Die ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem Eigentumsdelikt. 1757 wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Die" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: # Ein Diebstahl auf dem Schloß | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Die | |
| 11 | added: ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem | |
| 12 | added: Eigentumsdelikt. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: **1757** | |
| 15 | added: wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Diebstahl von | |
| 16 | added: silbernen Tressen auf dem adeligen Gute ertappt. Er war geständig | |
| 17 | added: und gab die gestohlenen Tressen auch sogleich zurück. Es war die | |
| 18 | added: Zeit des Siebenjährigen Krieges, das Kurfürstentum Hannover war von | |
| 19 | added: den Franzosen besetzt und auch in Rössing lag Einquartierung. | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: Bei | |
| 22 | added: dem Übeltäter handelte sich um einen hier angesessenen Juden und | |
| 23 | added: Herr F.L. von Rössing als Guts- und gleichzeitig Gerichtsherr | |
| 24 | added: sperrte den Übeltäter für drei Tage im Hundestall ein, der als | |
| 25 | added: Karzer diente. Danach ließ er ihn laufen und betrachtete die | |
| 26 | added: Angelegenheit damit als erledigt. | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Aber | |
| 29 | added: der Gerichtsvogt der Gemeinde, G.W. Rothard, erstattete über die | |
| 30 | added: Angelegenheit postwendend schriftlichen Bericht auf dem Calenberg. | |
| 31 | added: Offenbar stand er in persönlicher Feindschaft zu dem | |
| 32 | added: Patrimonialgerichtsherrn. Das zeigt die sehr aggressive Form, die in | |
| 33 | added: all seinen diesbezüglichen Schriftstücken hervorsticht. Er war der | |
| 34 | added: Meinung, Herr von Rössing hätte kein Recht gehabt, den Delinquenten | |
| 35 | added: eigenmächtig zu entlassen. Vielmehr hätte er ihn nach drei Tagen | |
| 36 | added: „zwischen den beiden Brücken" (Schloßgraben und | |
| 37 | added: Rössingbachbrücke) dem Calenberger Gericht übergeben müssen, | |
| 38 | added: damit dieser vom Amtsgericht ordentlich abgestraft würde. | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: „*Allein | |
| 41 | added: die arglistigen Inhabers des Rössingschen* | |
| 42 | added: *Niedergerichts | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: versuchen öfters bei ein und den anderen Veränderungen, ob sie | |
| 45 | added: durch | |
| 46 | added: dergleichen Einschleichung sich verbreiten können."* | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: F.L | |
| 49 | added: von Rössing wurde vom Amt um Stellungnahme gebeten. | |
| 50 | added: | |
| 51 | added: Seine | |
| 52 | added: Antwort: | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: „*Da | |
| 55 | added: der hier eingesessene Jude, als man ihn ertappte, die Silbertressen, | |
| 56 | added: die er in den Händen hielt*, | |
| 57 | added: *sogleich | |
| 58 | added: zurückgegeben hat*, | |
| 59 | added: *ist er | |
| 60 | added: nicht wegen Diebstahls, sondern nur wegen ungebührlicher Aufführung | |
| 61 | added: mit drei Tagen Hundezwinger bestraft. So habe ich mich auch nicht | |
| 62 | added: eines Eingriffs in die Königliche* | |
| 63 | added: *Jurisdiktion | |
| 64 | added: schuldig gemacht.“* | |
| 65 | added: | |
| 66 | added: Vereinzelt | |
| 67 | added: in den Dörfern lebende Juden hielten sich mit Vorliebe unter den | |
| 68 | added: „Adeligen Gerichtsherrn“ auf, weil sie dort meistens nicht die | |
| 69 | added: volle Härte der offiziellen restriktiven hannoverschen Judenpolitik | |
| 70 | added: traf. | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: Quelle: | |
| 73 | added: NHSA, Sign. Hann 74, Cal Nr. 295 | |
| 74 | added: | |
| 75 | added: --- | |
| 76 | added: | |
| 77 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7127.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (8)" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 8" | |
| 4 | added: sidebar_position: 8 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau Jette Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die Erlangung der für die Juden überlebenswichtige Schutz" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau | |
| 9 | added: Jette | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die | |
| 12 | added: Erlangung der für die Juden überlebenswichtige | |
| 13 | added: Schutzbrieferteilung. | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: Im | |
| 16 | added: Jahre 1806 stellt der „Judenknecht“ Samuel Hirsch aus Barnten | |
| 17 | added: wiederholt einen Antrag auf einen Schutzbrief auf Rössing. Als | |
| 18 | added: „Judenknechte“ wurden alle nicht selbstständig arbeitenden | |
| 19 | added: männlichen Juden im „Amtsdeutsch“ bezeichnet. Dieser Schutzbrief | |
| 20 | added: wird ihm mehrmals abgeschlagen. | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Der | |
| 23 | added: gutachterliche Bericht des Rössinger Gemeindevogts war sehr | |
| 24 | added: ungünstig ausgefallen. Samuel Hirsch stammte aus Barnten, das zum | |
| 25 | added: Hildesheimer Amt Steuerwald gehörte. | |
| 26 | added: | |
| 27 | added: „*Nachdem | |
| 28 | added: sein in Armut geratener Vater sich zu seinem in Copenhagen | |
| 29 | added: etablierten Sohne begeben, hat er sich bald im Hildesheimischen, bald | |
| 30 | added: im Hannöverschen umhergetrieben. Mehr denn ein Schutzjude darf nach | |
| 31 | added: unserm unterthänigst pflichtmäßigen Dafürhalten im Dorfe Rössing | |
| 32 | added: nie vergleitet werden, wenn er sich auf ehrliche Art nähren und | |
| 33 | added: seinen Glaubensgenossen nicht als Bettler zur Last fallen soll. Es | |
| 34 | added: erscheint der hiesigen Amts- und Gerichtsgemeinde von keinem großen | |
| 35 | added: Gewicht, ob es gleich bei dem geführten umherschweifenden | |
| 36 | added: Lebenswandel des Supplikanten uns unthunlich gewesen, von dessen | |
| 37 | added: bisherigem Wandel zuverlässige Erkundigung einzuziehen.“* | |
| 38 | added: | |
| 39 | added: In diesem Schreiben vom 18. Dezember 1805 an das | |
| 40 | added: Regierungs-Collegium des Amtes Calenberg legt der Amtsvogt aus | |
| 41 | added: Rössing seiner vorgesetzten Behörde nahe, die Schutzbriefanträge | |
| 42 | added: des Samuel Hirsch ein für allemal abzulehnen. | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: Samuel | |
| 45 | added: Hirsch hält sich die nächsten Jahre trotzdem vorwiegend in Rössing | |
| 46 | added: unter dem Adeligen Gericht als unvergleiteter Jude auf. Er lebt vom | |
| 47 | added: Trödelhandel mehr schlecht als recht. Als während der Franzosenzeit | |
| 48 | added: das westfälische Namensedikt 1808 verlangte, daß die hannöverschen | |
| 49 | added: Juden unveränderliche Familiennamen annehmen sollten, nennt er sich | |
| 50 | added: | |
| 51 | added: *Samuel | |
| 52 | added: Hirsch-Neuhaus* | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: Er | |
| 55 | added: heiratet während dieser Zeit eine *Jette | |
| 56 | added: Behrens* | |
| 57 | added: aus Bernburg, mit welcher er jedoch eine „unzufriedene Ehe“ | |
| 58 | added: führt. | |
| 59 | added: | |
| 60 | added: Bürgermeister | |
| 61 | added: (maire) Georg Opitz beschreibt die Verhältnisse des Ehepaares | |
| 62 | added: Hirsch-Neuhaus: | |
| 63 | added: | |
| 64 | added: „*Samuel Hirsch-Neuhaus, 39 Jahre, | |
| 65 | added: lebt vom Trödelhandel, seine Vermögensumstände sind schlecht. Er | |
| 66 | added: lebt unter dem Adeligen Gericht und hat eine Frau.“* | |
| 67 | added: | |
| 68 | added: Bei | |
| 69 | added: der Frage nach der Schutzwürdigkeit heißt es einmal: | |
| 70 | added: | |
| 71 | added: „*Er | |
| 72 | added: führt nicht die beste Lebensart, mißhandelt seine Frau und überläßt | |
| 73 | added: sie der* | |
| 74 | added: | |
| 75 | added: *Wohltätigkeit | |
| 76 | added: anderer Leute. Er verdient den Schutz nicht.“* | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: Ein | |
| 79 | added: anderes Mal lautet seine Beurteilung ähnlich: | |
| 80 | added: | |
| 81 | added: „*Er | |
| 82 | added: stehet nicht in bestem Rufe, soll jedem schuldig sein und behandelt | |
| 83 | added: seine Frau äußerst schlecht, hat sich von ihr separiert, gibt ihr | |
| 84 | added: nichts zu leben und muß Leute um Almosen anbetteln. Meines | |
| 85 | added: Dafürhaltens soll ihnen der Schutz nicht gewährt werden. Ein Haus | |
| 86 | added: oder Grundstück besitzt das Paar nicht in Rössing*.“ | |
| 87 | added: | |
| 88 | added: Nachdem das Paar schon einige Zeit getrennt gelebt | |
| 89 | added: hatte, ließ es sich im Jahre 1817 förmlich scheiden, und die Ehe | |
| 90 | added: wurde den jüdischen Gesetzen gemäß aufgehoben. Für ihr | |
| 91 | added: eingebrachtes Heiratsgut erhielt Jette Behrens von ihrem geschiedenen | |
| 92 | added: Ehemann 50 Reichstaler zurück. | |
| 93 | added: | |
| 94 | added: 1818 hat Samuel Hirsch-Neuhaus dann doch seinen | |
| 95 | added: Schutzbrief erhalten und der Rössinger Gemeindevogt Opitz steckt | |
| 96 | added: sich hinter die Verwaltung auf dem Calenberg, um Jette Behrens, die | |
| 97 | added: sich „*hier immer noch herumtreibt* *und mit allerlei | |
| 98 | added: Trödeleien abgibt,“* nach Bernburg, in ihre Heimat und zu ihren | |
| 99 | added: wohlhabenden Verwandten abzuschieben. | |
| 100 | added: | |
| 101 | added: „*Obwohl sie hier | |
| 102 | added: doch gar keine Veranlassung zu längerem Aufenthalt mehr hat, hält | |
| 103 | added: sie sich doch noch am Ort und in der Umgebung auf und hat auch immer | |
| 104 | added: noch ein Unterkommen gefunden. Da inzwischen zu befürchten ist, daß | |
| 105 | added: besagte Person, wenn sie einst alt und hilfsbedürftig ist, dem | |
| 106 | added: Publico zur Last fällt und um Unterstützung bittet, halte ich es | |
| 107 | added: für meine Pflicht, die Verhältnisse dem königlichen Amte | |
| 108 | added: anzuzeigen. Der Jette Behrens sei bitte zu bedeuten, daß sie sich | |
| 109 | added: binnen einiger Monate von hier wegzubegeben habe.“* | |
| 110 | added: | |
| 111 | added: Auf dies Schreiben vom Gemeindevogt Opitz vom | |
| 112 | added: Dezember 1819 erhält Jette Behrens vom Königlichen Amt Calenberg | |
| 113 | added: die Aufforderung, sich bis Ostern 1820 aus Rössing und dem hiesigen | |
| 114 | added: Amte zu entfernen. Offenbar hat sie dieser Aufforderung Folge | |
| 115 | added: geleistet, denn sie taucht in den Rössinger Akten nicht wieder auf. | |
| 116 | added: | |
| 117 | added: Das fiscalische Schutzgeld für Samuel | |
| 118 | added: Hirsch-Neuhaus war 1818 bei Erteilung des Schutzbriefes zunächst auf | |
| 119 | added: 4 Reichstaler festgesetzt worden. Aber da das Geld nicht beizutreiben | |
| 120 | added: war, wird es 1822 auf 2 Reichstaler ermäßigt und danach *„wegen | |
| 121 | added: seiner Dürftigkeit“* ganz erlassen. Bis 1840 wird Samuel | |
| 122 | added: Hirsch-Neuhaus in den Listen der jüdische Einwohner noch geführt. | |
| 123 | added: Wahrscheinlich ist er dann gestorben und auf dem jüdischen Friedhof | |
| 124 | added: in Rössing beigesetzt. | |
| 125 | added: | |
| 126 | added: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal. Nr. 425 | |
| 127 | added: | |
| 128 | added: --- | |
| 129 | added: | |
| 130 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_1630.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: id: 09-familienschicksale | |
| 3 | added: slug: 09-familienschicksale | |
| 4 | added: title: "Familienschicksale" | |
| 5 | added: sidebar_label: "Teil 9 – Familienschicksale" | |
| 6 | added: sidebar_position: 9 | |
| 7 | added: description: "Familienschicksale - Rahel Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg Im 18. Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen noch keine verg" | |
| 8 | added: --- | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: **Familienschicksale | |
| 11 | added: -** **Rahel | |
| 12 | added: Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg** | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Im 18. | |
| 15 | added: Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen | |
| 16 | added: noch keine vergleiteten Juden. Erst als in der Franzosenzeit die | |
| 17 | added: Bestimmungen liberaler wurden und die Verwaltungen durch die | |
| 18 | added: Fremdherrschaft sowieso verunsichert waren, faßten sie auch in | |
| 19 | added: Rössing Fuß. | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: Im Jahre 18O6 in Rössing wurde hier eine Jüdin | |
| 22 | added: mit Namen Rahel Simson aktenkundig. Sie stammte aus dem Hessischen | |
| 23 | added: und war zugewandert, aber bei wem sie in Rössing lebte oder | |
| 24 | added: arbeitete, geht nicht aus den Akten hervor. Doch dieser Aktenvermerk | |
| 25 | added: hatte schon eine längere Vorgeschichte. | |
| 26 | added: | |
| 27 | added: Am | |
| 28 | added: 24.März des Jahres 18O4 hatte der aus dem Bambergischen zugewanderte | |
| 29 | added: und in Pattensen lebende „*Judenknecht*“ | |
| 30 | added: Amsel Calman einen Antrag auf Erteilung eines Schutzbriefes auf die | |
| 31 | added: Dorfschaft Wülfingen gestellt. Das wurde ihm aber mit Schreiben vom | |
| 32 | added: 6. August 18O4 von Seiten des "*Calenberg-Grubenhagenschen | |
| 33 | added: Polizey- und Städte-Departements"* verweigert. | |
| 34 | added: | |
| 35 | added: Die | |
| 36 | added: Begründung lautete: | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: „*--daß* | |
| 39 | added: *bei der | |
| 40 | added: bereits vorhandenen großen Anzahl inländischer Schutzjuden Bedenken | |
| 41 | added: getragen werde, ausländischen Juden den Schutz in hiesigen Landen zu | |
| 42 | added: verleihen, mithin dem eingebrachten Gesuch nicht stattgegeben werde.“* | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: Offenbar hat Amsel Calman doch noch den | |
| 45 | added: Schutzbrief auf Wülfingen erhalten, der bis "Meytag" 18O6 | |
| 46 | added: Gültigkeit hatte. Inzwischen hatte er sich mit der in Rössing | |
| 47 | added: lebenden Rahel Simson verlobt und beantragte im März 18O5 die | |
| 48 | added: Transferierung seines Schutzbriefes von Wülfingen auf das „ganze | |
| 49 | added: Dorf Rössing." Dazu mußte erst ein Gutachten von der | |
| 50 | added: Gemeindeverwaltung eingeholt werden. | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: Rössing bestand damals noch aus 2 Gemeindeteilen, | |
| 53 | added: dem Amt Rössing und dem Adeligen Gericht Rössing, die erst 1829 | |
| 54 | added: zusammengelegt wurden. Da man der Meinung war, daß mehr als ein | |
| 55 | added: einziger vergleiteter Jude für Rössing zuviel wäre, befürwortete | |
| 56 | added: man den Schutzbrief nur für das „ganze" Dorf, nicht etwa | |
| 57 | added: einen für jeden Gemeindeteil. Amsel Calman lebte vom Pferdehandel | |
| 58 | added: und erhielt seinen Schutzbrief. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, | |
| 59 | added: daß er dafür weiterhin jährlich 4 Reichstaler an das Amt Calenberg | |
| 60 | added: zu bezahlen habe, was eine ansehnliche Summe darstellte. | |
| 61 | added: | |
| 62 | added: Ob | |
| 63 | added: es noch zu der beabsichtigten Heirat mit Rahel Simson kam oder ob | |
| 64 | added: Amsel Calman vorher starb, läßt sich nicht genau feststellen. Kurze | |
| 65 | added: Zeit nach der Transferierung des Schutzbriefes im Juli 18O5 war er | |
| 66 | added: jedenfalls tot und Rahel Simson wird manchmal als seine Braut und | |
| 67 | added: manchmal als seine Witwe bezeichnet. | |
| 68 | added: | |
| 69 | added: Quelle: | |
| 70 | added: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Cal 425 | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: # Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg | |
| 73 | added: | |
| 74 | added: Aber | |
| 75 | added: im März des folgenden Jahres 18O6 hat Rahel Simson einen neuen | |
| 76 | added: Verlobten, Jesaia Nathan Schay aus Sarstedt, manchmal auch Schey oder | |
| 77 | added: Schaie geschrieben. Dieser nahm später den Namen Neuberg an, der | |
| 78 | added: noch manchem alten Rössinger bekannt ist. Rahel Simson beantragte | |
| 79 | added: den Schutzbrief für ihren Verlobten, damit er nach Rössing ziehen | |
| 80 | added: könnte und die Hochzeit stattfinden dürfte. Aber der Antrag wurde | |
| 81 | added: am 14. April 18O6 von „Seiner Königlichen Majestät von Preußen | |
| 82 | added: provisorisch bestätigter hiesigen Provinzial-Regierung" | |
| 83 | added: abgelehnt, denn im Jahre 1806 gehörte das Kurfürstentum Hannover im | |
| 84 | added: Zuge der Napoleonischen Wirren für einige Monate zu Preußen. | |
| 85 | added: | |
| 86 | added: Daraufhin | |
| 87 | added: schrieb Nathan Schay ein weiteres dringendes Gesuch auf Erteilung des | |
| 88 | added: Schutzbriefes, weil seine Braut jetzt hoch schwanger sei, und er | |
| 89 | added: zeigte die unglücklichen Folgen, wenn sie nicht mit dem | |
| 90 | added: Landesherrlichen Schutz begnadigt würden. | |
| 91 | added: | |
| 92 | added: *"Es | |
| 93 | added: steht daher in Eurer Wohlgeborenen Gewalt, meine Braut und mich | |
| 94 | added: glücklich zu machen oder in namenloses Elend zu stürzen, denn auf | |
| 95 | added: den Bericht eures hochlöblichen Amtes wird es ankommen, ob ich mit | |
| 96 | added: dem Landesherrlichen Schutz begnadet werde oder nicht. Ich wage daher | |
| 97 | added: auf hochderoselben Menschenfreundlichkeit vertrauend, die gehorsamst | |
| 98 | added: demütigste Bitte: Hochderoselben wollen geruhen, auf das von meiner | |
| 99 | added: Braut unterm 19.d.M. bei einem hohen Polizey und Städte-Departement | |
| 100 | added: untertänigst überreichte Gesuch einen wohlmöglich guten Bericht | |
| 101 | added: huldvollst abzustatten.* | |
| 102 | added: | |
| 103 | added: *Ich | |
| 104 | added: ersterbe in tiefstem Respekt* | |
| 105 | added: | |
| 106 | added: *Euer | |
| 107 | added: Wohlgeboren untertänigster Diener* | |
| 108 | added: | |
| 109 | added: ## Nathan Schay“ | |
| 110 | added: | |
| 111 | added: Daraufhin | |
| 112 | added: ordnet die Provinzialregierung mit Schreiben vom 10. Juli 1806 an, | |
| 113 | added: daß das Gesuch erneut zu überprüfen sei. Es soll genau dargestellt | |
| 114 | added: werden, was gegen die Gewährung des Schutzes vorzubringen sei. Der | |
| 115 | added: Rössinger Amtsvogt beantwortet das Schreiben am 1. August 1806 | |
| 116 | added: wohlwollend. Aber offensichtlich hat sich der ganze Vorgang | |
| 117 | added: verzögert, vielleicht durch die politischen Veränderungen. Denn am | |
| 118 | added: 16. Oktober 1806 hatten die Preußen in der Schlacht bei Jena und | |
| 119 | added: Auerstedt eine vernichtende Niederlage erlitten und die Franzosen | |
| 120 | added: waren wieder die Herren im Lande. Mit Schreiben vom 18. Dezember | |
| 121 | added: desselben Jahres befürwortet der Vogt erneut, Nathan Schay mit dem | |
| 122 | added: Schutz zu begnadigen, nachdem er umfassende Erkundigungen über das | |
| 123 | added: Vermögen, die Lebensumstände und die Familie des Bewerbers aus | |
| 124 | added: Sarstedt eingezogen hat. | |
| 125 | added: | |
| 126 | added: „*Da ich wegen des bisherigen | |
| 127 | added: Lebenswandels und guter Aufführung die vorzüglichsten Zeugnisse | |
| 128 | added: erhalten habe, ist gegen eine Schutzbrieferteilung nichts | |
| 129 | added: einzuwenden.“* | |
| 130 | added: | |
| 131 | added: Diese | |
| 132 | added: erfolgte, wenn auch mit einiger Verzögerung, so daß die Heirat mit | |
| 133 | added: mit Rachel Simson stattfinden und das Paar sich in Rössing | |
| 134 | added: niederlassen konnte. | |
| 135 | added: | |
| 136 | added: Quelle: | |
| 137 | added: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal | |
| 138 | added: Nr. 425 | |
| 139 | added: | |
| 140 | added: --- | |
| 141 | added: | |
| 142 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_3389.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Familienschicksale (Fortsetzung)" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 10 – Familienschicksale (Forts.)" | |
| 4 | added: sidebar_position: 10 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle 18O8 nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das Ehepaar Simson/Schay als un" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: # Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: 18O8 | |
| 11 | added: nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das | |
| 12 | added: Ehepaar Simson/Schay als unveränderlichen Nachnamen den Namen | |
| 13 | added: Neuberg an. | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: Die | |
| 16 | added: von den Franzosen zugesicherte Gleichberechtigung schloß den bis | |
| 17 | added: dahin im Kurfürstentum Hannover verbotenen Grunderwerb der Juden | |
| 18 | added: ein. Nathan Schay nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem er am 21. | |
| 19 | added: Dezember 18O6 seinen Schutzbrief erhalten hatte, kaufte er die | |
| 20 | added: Köthnerstelle Nr. 15 ( Lange Str. Nr.7**).** | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Diese | |
| 23 | added: Köthnerstelle hatte Hans Heinrich Blume gehört, der über 40 Jahre | |
| 24 | added: dort den Dorfkrug und einen einträglichen Garn- und Hokenhandel | |
| 25 | added: betrieben hatte. Nach seinem Tode 1802 geriet sein Sohn Heinrich | |
| 26 | added: Julius Blume in finanzielle Schwierigkeiten. Er ging in Konkurs. und | |
| 27 | added: der Schlachter Schreyer aus Jeinsen kaufte Haus und Grundstück. Von | |
| 28 | added: diesem erwarb Nathan Neuberg die Köthnerstelle. Aber die behördliche | |
| 29 | added: Zustimmung zum Erwerb der „Köthnerey" wurde ihm von Seiten | |
| 30 | added: der Regierung mit Schreiben vom 16. Juni 18O8 verweigert**.** | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Als | |
| 33 | added: Begründung wurde angegeben, daß das Ehepaar nicht wohlhabend genug | |
| 34 | added: sei, um solche finanziellen Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Denn | |
| 35 | added: es sei nicht einmal im Stande gewesen, die Schulden von Amsel Calman | |
| 36 | added: abzutragen, dem ersten Ehemann der Rahel Simson. | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: Solange | |
| 39 | added: die Franzosen im Lande waren, ließ man die Familie Schay-Neuberg | |
| 40 | added: unbehelligt. Sie wohnte in ihrem Hause, brachte es zu einer | |
| 41 | added: ansehnlichen Kinderschar, hatte einen Hauslehrer, eine Dienstmagd, | |
| 42 | added: einen Handelsknecht und brachte es durch den Handel mit „Tuch- und | |
| 43 | added: Ellenwaren" zu einigem Wohlstand. | |
| 44 | added: | |
| 45 | added: Aber | |
| 46 | added: als die Franzosen abgezogen waren, wurden die meisten alten | |
| 47 | added: Judengesetze wieder in Kraft gesetzt und Familie Neuberg mußte um | |
| 48 | added: ihren Besitz fürchten. | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: Daher | |
| 51 | added: richtete Neuberg im Sommer des Jahres 1814 an die Provisorische | |
| 52 | added: Regierungskommission das Gesuch, ihn in seinem Besitz zu bestätigen. | |
| 53 | added: Diese forderte das Amt Calenberg auf, Nathan Schay (auch die | |
| 54 | added: bleibenden Familiennamen hatte man vorübergehend wieder abgeschafft) | |
| 55 | added: zur Verantwortung zu ziehen, weil er die besagte Köthnerstelle | |
| 56 | added: angekauft habe, obwohl ihm die Erlaubnis dazu (im Jahre 18O8) | |
| 57 | added: verweigert worden war. Der in Rössing schon während der | |
| 58 | added: Franzosenzeit amtierende Bürgermeister Georg Opitz befürwortete | |
| 59 | added: aber das Gesuch des Nathan Schay-Neuberg sehr eindringlich. | |
| 60 | added: | |
| 61 | added: *"Da | |
| 62 | added: es keine weiteren Gründe gibt, dem Schay-Neuberg die Erteilung der | |
| 63 | added: Erlaubnis für den Erwerb zu verweigern, als den, weil eigentlich die | |
| 64 | added: Schutzjuden nicht mit liegenden Gründen angesetzt sein sollten, so | |
| 65 | added: ist dies in neueren Zeiten aber doch möglich. Die Familie ist | |
| 66 | added: inzwischen wohlhabend und in der Lage, die Blumesche Konkurs-Sache | |
| 67 | added: endlich zu beendigen und den ausstehenden Teil der Kaufsumme und die | |
| 68 | added: restlichen Zinsen bar zu bezahlen. Darum weiß ich dem Wunsche des | |
| 69 | added: Schay-Neuberg, in seinem Eigentum von der jetzigen Landesregierung | |
| 70 | added: geschützt zu werden, gar nichts entgegen zu setzen."* | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: Aber | |
| 73 | added: das Amt Calenberg fordert Rechtfertigung. Zweimal wird Schay | |
| 74 | added: vergeblich vorgeladen. Ein seitenlanges, sehr interessantes Protokoll | |
| 75 | added: gibt Kunde von der Verhandlung am 19. September 1814 auf dem Amt | |
| 76 | added: Calenberg. | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: Für sein zweimaliges Fernbleiben entschuldigt er | |
| 79 | added: sich einmal wegen der Feier des jüdischen Neujahrsfestes und das | |
| 80 | added: andere Mal sei er verreist gewesen. Ferner gibt er an: | |
| 81 | added: | |
| 82 | added: „*Solange | |
| 83 | added: die Hannnöversche Verwaltung gedauert habe, hätte er es nicht | |
| 84 | added: gewagt, gegen das von Königlicher Regierung ergangene Verbot, die | |
| 85 | added: Stelle des Köthners Blume, die der Schlächter Schreyer aus Jeinsen | |
| 86 | added: gekauft habe, zu erwerben.* ***Aber | |
| 87 | added: während der Westfälischen Verfassung (König Jerôme) habe kein | |
| 88 | added: Verbot bestanden, daß jüdische Untertanen Grundbesitz erwerben | |
| 89 | added: dürften****, | |
| 90 | added: und so habe er keine Bedenken gehabt, in den Kontrakt Schreyers | |
| 91 | added: einzutreten. Diese Verhandlung sei indes nur mündlich abgemacht und | |
| 92 | added: damit beschlossen, daß Schreyer ihm sämtliche sich auf den Ankauf | |
| 93 | added: beziehenden Aktenstücke ausgehändigt habe. Da er nicht der einzige | |
| 94 | added: Jude gewesen sei, der in dieser Periode Grundbesitz erworben habe, | |
| 95 | added: hoffe er, daß man dieses nicht übel aufnehmen werde. Nur durch den | |
| 96 | added: Tod des Schlächters Schreyer sei die Sache noch nicht abgewickelt | |
| 97 | added: gewesen.* | |
| 98 | added: | |
| 99 | added: *Zu | |
| 100 | added: der Köthnerei gehöre auch kein Ackerland, und das dem | |
| 101 | added: Herrschaftlichen Amt zustehende Dienstgeld für Haus und Garten von | |
| 102 | added: nur 5 Reichsthalern und 24 Mariengroschen könne er leicht aufbringen | |
| 103 | added: (anstatt der auf den Köthnerstellen lastenden Hand- und | |
| 104 | added: Spanndienste). Die 27O Reichsthaler in Gold, die Schlächter Schreyer | |
| 105 | added: von der Kaufsumme schuldig geblieben sei, habe er auch übernommen | |
| 106 | added: und hätte sie schon längst beim damaligen Mahlerter Friedensrichter | |
| 107 | added: Liekefett bezahlt, wenn die angesagten Termine zustande gekommen | |
| 108 | added: wären.* | |
| 109 | added: | |
| 110 | added: *Die | |
| 111 | added: Schulden, die vom ersten Ehemann seiner Ehefrau , Amsel Calman | |
| 112 | added: herrührten, seien längst vor dem Friedensrichter Liekefett in der | |
| 113 | added: Westfälischen Zeit durch einen Vergleich bereinigt.* | |
| 114 | added: | |
| 115 | added: *Sehr | |
| 116 | added: hart wäre es auch für ihn, wenn das Gesuch abgeschlagen würde, | |
| 117 | added: weil er schon 3OO bis 4OO Reichsthaler an Reparaturen in das Haus | |
| 118 | added: gesteckt habe."* | |
| 119 | added: | |
| 120 | added: Im Mai 1815 wird Nathan Schay-Neuberg folgender | |
| 121 | added: Beschluß verkündet und schriftlich ausgehändigt: | |
| 122 | added: | |
| 123 | added: „**Nathan | |
| 124 | added: Schay-Neuberg wird der Besitz des Kothofes zugesprochen.** | |
| 125 | added: | |
| 126 | added: **Sollte | |
| 127 | added: allerdings ihm oder seinen Leibes- oder sonstigen Erben der | |
| 128 | added: Landesherrliche Schutz (Schutzbrief) entzogen werden, so muß der | |
| 129 | added: Kothof einem christlichen Einwohner verkauft oder überlassen werden. | |
| 130 | added: Sollten er oder seine Frau zu ihren Lebzeiten den Kothof verkaufen | |
| 131 | added: wollen, so gilt dieselbe Bedingung, daß der neue Besitzer ein Christ | |
| 132 | added: sein muß und kein Jude sein darf."** | |
| 133 | added: | |
| 134 | added: Quelle: | |
| 135 | added: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Calenberg, Nr. 430 und Nr. 439 | |
| 136 | added: | |
| 137 | added: --- | |
| 138 | added: | |
| 139 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_9854.html).* | |
| @@ -0,0 +1,203 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "1828" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 11 – 1828" | |
| 4 | added: sidebar_position: 11 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen Familie, die üb" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: ## Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Rahel | |
| 11 | added: Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen | |
| 12 | added: Familie, die über vier Generationen bis ca. 1930 in Rössing | |
| 13 | added: ansässig ist. | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: Nathan | |
| 16 | added: Schay-Neuberg bezahlt jährlich 4 Reichstaler für den Schutzbrief | |
| 17 | added: für sich und seine Familie und gehört somit zu den „reputierlichen“ | |
| 18 | added: Juden. Er ist recht wohlhabend und handelt mit Tuch- und Ellenwaren, | |
| 19 | added: außerdem betreibt er einen Hoken- oder Kleinhandel. | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: Eine | |
| 22 | added: amtliche Beurteilung über ihn lautet im Jahre 1816: | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: *---ist | |
| 25 | added: ein rechtlicher Mann, führt sich recht gut und besitzt hier eine | |
| 26 | added: kleine Köthnerey.* | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Zwischen | |
| 29 | added: 1807 und 1815 bekommt das Ehepaar fünf Kinder: | |
| 30 | added: | |
| 31 | added: Nathan 1807 | |
| 32 | added: | |
| 33 | added: Ester 1809 | |
| 34 | added: | |
| 35 | added: Simon 1811 | |
| 36 | added: | |
| 37 | added: Lina 1813 | |
| 38 | added: | |
| 39 | added: Sara 1815 | |
| 40 | added: | |
| 41 | added: Conrad | |
| 42 | added: Geburtsjahr unbekannt | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: Außerdem | |
| 45 | added: gehören zum Haushalt der Schullehrer Daniel Rufen, der Handelsknecht | |
| 46 | added: Wolf Walbaum und die Magd Eva Moses. | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: **1828** | |
| 49 | added: verfügt die Regierung**,** | |
| 50 | added: daß die Judenwieder | |
| 51 | added: unveränderliche Nachnamen annehmen müssen. Nathan Schay nimmt | |
| 52 | added: wieder seinen alten Namen aus der Franzosenzeit an: *Neuberg.* | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: # Bildung von Synagogengemeinden | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: Mit | |
| 57 | added: Schreiben vom 18. Juli 1843 fordert die Landdrostei die Juden in | |
| 58 | added: Rössing auf, Synagogengemeinden zu bilden. Der Vorsteher dieser | |
| 59 | added: Synagogengemeinde wird verpflichtet, Trauungs-, Geburts- und | |
| 60 | added: Sterbelisten zu führen. Dies sind die einzigen Quellen für die | |
| 61 | added: Lebensdaten der hiesigen jüdischen Einwohner. Von diesen Listen sind | |
| 62 | added: aber nur sehr wenige, dazu lückenhaft geführte Exemplare erhalten. | |
| 63 | added: Standesämter gab es noch nicht und jüdische Geburten oder | |
| 64 | added: Eheschließungen wurden in die christlichen Kirchenbücher nicht | |
| 65 | added: eingetragen. | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: Der | |
| 68 | added: erste Synagogenvorsteher wirdNathan Neuberg. | |
| 69 | added: | |
| 70 | added: **Eine | |
| 71 | added: schöne Mitgift** | |
| 72 | added: | |
| 73 | added: Im | |
| 74 | added: Jahr 1854 taucht noch eine Julie Neuberg auf, die wir nicht ohne | |
| 75 | added: weiteres einordnen können. Es kann sich um eine spät geborene | |
| 76 | added: Tochter von Rachel und Nathan Neuberg oder um eine schon | |
| 77 | added: heiratsfähige Tochter des noch recht jungen Simon Neuberg handeln. | |
| 78 | added: | |
| 79 | added: Von | |
| 80 | added: ihr erfahren wir erst im Jahre 1854 etwas, als der 30jährige | |
| 81 | added: Handelsmann Levi Wolff aus Hildesheim sie heiraten will. | |
| 82 | added: | |
| 83 | added: Der | |
| 84 | added: Hildesheimer Magistrat hat Bedenken wegen der wirtschaftlichen Lage | |
| 85 | added: des Bräutigams. Aus diesem Grunde richtet er am 11. März 1854 eine | |
| 86 | added: Anfrage an die Gemeinde Rössing, ob die Angaben des Wolff zutreffen, | |
| 87 | added: dass der „Fabrikant“ Neuberg seine Tochter mit einem Brautschatz | |
| 88 | added: von 400 Reichsthalern ausstatten kann, | |
| 89 | added: | |
| 90 | added: und | |
| 91 | added: außerdem erkundigt er sich nach dem guten Ruf der Braut. | |
| 92 | added: | |
| 93 | added: Beide | |
| 94 | added: Fragen werden wohlwollend beantwortet. | |
| 95 | added: | |
| 96 | added: „*Der | |
| 97 | added: Fabrikant Neuberg ist sehr wohl des Vermögens, seiner Tochter eine | |
| 98 | added: Aussteuer von 400 Reichsthalern zu geben.* | |
| 99 | added: | |
| 100 | added: *Seine | |
| 101 | added: Tochter Julie Neuberg hat bis jetzt ein sittlich unbescholtenes Leben | |
| 102 | added: geführt*.“ | |
| 103 | added: | |
| 104 | added: # Und so steht einer Heirat wohl nichts mehr im Wege. Allerdings erfahren wir in dem Schreiben auch nicht, ob es sich bei dem Brautvater, dem „Fabrikanten Neuberg, um den Vater Nathan oder seinen Sohn Simon Neuberg handelt. | |
| 105 | added: | |
| 106 | added: Kurze | |
| 107 | added: Zeit später, noch in demselben Jahre 1854 stirbt Nathan Neuberg. | |
| 108 | added: | |
| 109 | added: # | |
| 110 | added: | |
| 111 | added: # Das Erbe wird geteilt | |
| 112 | added: | |
| 113 | added: Nach | |
| 114 | added: dem Tode des Vaters wird der zweitälteste Sohn von Nathan, der 1811 | |
| 115 | added: geborene Simon Neuberg im Jahr 1855 Synagogenvorsteher. | |
| 116 | added: | |
| 117 | added: Das | |
| 118 | added: Grundstück der Köthnerstelle Nr. 15 wird mit dem Garten der Länge | |
| 119 | added: nach geteilt. Zu jedem Teil gehört ein Wohnhaus und ein | |
| 120 | added: langgestreckter Garten. Das linke Haus erbt Simon, es behält die | |
| 121 | added: Nummer 15 (heute Lange Straße Nr. 7), das rechte Haus erhält der | |
| 122 | added: jüngste Sohn Conrad. Dies steht mit dem Giebel direkt an der Straße | |
| 123 | added: und bekommt die neue Hausnummer 71 (heute Lange Straße Nr. 9). | |
| 124 | added: | |
| 125 | added: Über | |
| 126 | added: Nathan, den ältesten Sohn des Ehepaares und die drei Töchter | |
| 127 | added: erfahren wir nichts. Ob sie verheiratet und fortgezogen oder | |
| 128 | added: verstorben sind, geht aus den Unterlagen nicht hervor. | |
| 129 | added: | |
| 130 | added: **Die | |
| 131 | added: nächste Generation** | |
| 132 | added: | |
| 133 | added: Simon | |
| 134 | added: Neuberg ist verheiratet mit Friederike Oppenheimer und hat zwei | |
| 135 | added: Kinder. | |
| 136 | added: | |
| 137 | added: Die | |
| 138 | added: Tochter Regine heiratet 1866 den 30jährigen Hermann Leidensdorf aus | |
| 139 | added: Neuhaus an der Elbe und verläßt Rössing. | |
| 140 | added: | |
| 141 | added: Der | |
| 142 | added: Sohn David ist Kaufmann und heiratet am 13. Februar 1872 Johanne | |
| 143 | added: Kaiser aus Eschwege, wo auch die Hochzeit stattfindet, und am 29. | |
| 144 | added: November desselben Jahres wird er Vater eines Sohnes Paul. | |
| 145 | added: | |
| 146 | added: Dieser | |
| 147 | added: Paul Neuberg taucht später als Inhaber eines Schuhgeschäftes in | |
| 148 | added: Walsrode auf. Seine Familie fällt später dem Holocaust zum Opfer. | |
| 149 | added: | |
| 150 | added: Wahrscheinlich | |
| 151 | added: ist Simon Neuberg 1873 schon verstorben, denn der Schlachter Israel | |
| 152 | added: Levi Blumenthal hat zu diesem Zeitpunkt das Amt des | |
| 153 | added: Synagogenvorstehers inne. | |
| 154 | added: | |
| 155 | added: Simon | |
| 156 | added: Neubergs Wohnhaus wird um die Jahrhundertwende 1899/1900 an | |
| 157 | added: Schneidermeister Wilhelm Haase verkauft, der es seiner Tochter | |
| 158 | added: vererbt und seit 1982 ist es im Besitz von Klaus Peinemann. | |
| 159 | added: | |
| 160 | added: Die | |
| 161 | added: Witwe von David Neuberg, Johanne Kaiser, lebt nachdem Wegzug ihres | |
| 162 | added: Sohnes und dem Verkauf des Hauses noch bis ca. 1930 allein in Rössing | |
| 163 | added: im Eikenhof Nr. 4 (etwa 2004 abgerissen). In der Nachbarschaft war | |
| 164 | added: sie als „Tante Nit“ bekannt. Sie hütete oft die Kinder der | |
| 165 | added: Bauern und ging mit ihnen spazieren, wenn diese keine Zeit hatten. | |
| 166 | added: Eine stereotype Redewendung von ihr war: „Nit woahr?“, und so kam | |
| 167 | added: sie zu ihrem Spitznamen. Sie starb etwa 1930 und hat die Zeit der | |
| 168 | added: Nationalsozialisten nicht mehr erlebt. | |
| 169 | added: | |
| 170 | added: Über | |
| 171 | added: die Familie von Conrad Neuberg oder seine Nachfahren ist nichts | |
| 172 | added: bekannt. Das Haus Nr 71 wird schon vor der Jahrhundertwende verkauft. | |
| 173 | added: Es wechselt mehrfach den Besitzer; Kregel, Sindram und bis in die | |
| 174 | added: 50er Jahre Familie Siede. Der letzte Siede war ein besonderes | |
| 175 | added: Original, er war der letzte Rössinger Bader, gleichzeitig Friseur, | |
| 176 | added: Apotheker, Arzt, Zahnarzt und Kohlenhändler. | |
| 177 | added: | |
| 178 | added: Heute | |
| 179 | added: hat das Haus einen Sarstedter Besitzer. | |
| 180 | added: | |
| 181 | added: Damit | |
| 182 | added: war die Familie Neuberg in Rössing ausgestorben. Auf dem jüdischen | |
| 183 | added: Friedhof finden sich auch keine Grabsteine der Familie Neuberg mehr. | |
| 184 | added: Als 1940 der jüdische Friedhof zwangsweise verkauft wurde, entfernte | |
| 185 | added: man die umgefallenen und zerbrochenen Grabmale. Es blieben nur Steine | |
| 186 | added: der Familie Blumenthal erhalten, die bis 1942 in Rössing lebte. | |
| 187 | added: | |
| 188 | added: # Weitere Familiennachrichten | |
| 189 | added: | |
| 190 | added: Der | |
| 191 | added: Rössinger Stammvater der Neubergs, Nathan Schay, stammte aus | |
| 192 | added: Sarstedt. Die Sarstedter Neubergs waren eine angesehene und | |
| 193 | added: wohlhabende Familie und betrieben Textil- und Schuhhandel auf der | |
| 194 | added: Hauptstraße. Unter anderem gehörte ihnen das Haus Steinstraße 13, | |
| 195 | added: die heutige Begegnungsstätte der Gemeinde, bis sie in der NS-Zeit | |
| 196 | added: dem Holocaust zum Opfer fielen | |
| 197 | added: | |
| 198 | added: Quellen: | |
| 199 | added: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 423, 424, 425, 427, 428, 431 | |
| 200 | added: | |
| 201 | added: --- | |
| 202 | added: | |
| 203 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7943.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "1687" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 12 – 1687" | |
| 4 | added: sidebar_position: 12 | |
| 5 | added: description: "Synagogen- und Schulwesen 1687 wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen Oberhaupt" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: Synagogen- und Schulwesen | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: **1687** | |
| 11 | added: wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, | |
| 12 | added: Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen | |
| 13 | added: Oberhauptes, eines Landesrabbiners und damit endlich ihre freie | |
| 14 | added: Religionsausübung gestattet. Die Synagogen, soweit vorhanden, | |
| 15 | added: standen bisher schmucklos und in versteckten Winkeln. Die jüdische | |
| 16 | added: Religionsausübung sollte unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich | |
| 17 | added: gehen. | |
| 18 | added: | |
| 19 | added: Der | |
| 20 | added: Landesrabbiner hatte richterliche Funktionen und war für | |
| 21 | added: Streitigkeiten der Juden untereinander verantwortlich. Außerdem | |
| 22 | added: unterstand ihm das jüdische Schulwesen, wobei es sich fast | |
| 23 | added: ausschließlich um Talmudschulen handelte. Der **Talmud** | |
| 24 | added: ist die Sammlung der Gesetze der religiösen Überlieferungen des | |
| 25 | added: nachbiblischen Judentums. Die Kinder lernten hauptsächlich | |
| 26 | added: Hebräisch, die jüdischen Gesetze und Gebetsriten. Weitere | |
| 27 | added: Lerninhalte waren vor allem für Mädchen kaum vorgegeben. | |
| 28 | added: | |
| 29 | added: Von | |
| 30 | added: 1802 bis ca. 1830war der | |
| 31 | added: Posten des Landesrabbiners nicht besetzt. | |
| 32 | added: | |
| 33 | added: 1816 | |
| 34 | added: erfolgte von Seiten des Amtes Calenberg eine Anfrage an die Gemeinde | |
| 35 | added: Rös- sing, ob eine Synagoge oder eine jüdische Schule am Ort sei. | |
| 36 | added: Die Antwort war „Nein". | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: In | |
| 39 | added: demselben Jahrwurde | |
| 40 | added: in einer Liste der zum Haushalt des Nathan Schay-Neuberg gehörenden | |
| 41 | added: Personen der 39jährige*Daniel | |
| 42 | added: Rufen*als | |
| 43 | added: Schullehrer angeführt. Solche jüdischen Hauslehrer waren damals vor | |
| 44 | added: allem Religionslehrer. Vom 3. Lebensjahr an wurden die Kinder im | |
| 45 | added: jüdischen Glauben und seinem Ritualkodex unterrichtet. Diese Lehrer | |
| 46 | added: waren auch besonders im Schächten ausgebildet, damit die jüdischen | |
| 47 | added: Speisegesetze eingehalten werden konnten. Sie fungierten als Sänger | |
| 48 | added: und Vorbeter bei den Gebetsstunden, bei denen die geschriebene | |
| 49 | added: Thorarolle der 5 Bücher Moses, der Gebetschal, der den Kopf bedeckte | |
| 50 | added: und der Gebetsriemen, ein Lederriemen, der in einer besonderen Art | |
| 51 | added: und Weise um den Arm gewickelt wurde, eine wichtige Rolle spielten. | |
| 52 | added: | |
| 53 | added: Wie | |
| 54 | added: im einzelnen hier auf dem Lande die jüdischen Gottesdienste | |
| 55 | added: abgehalten wurden, ist nicht überliefert. Zu einem | |
| 56 | added: vorschriftsmäßigen jüdischen Gottesdienst gehörten nämlich | |
| 57 | added: mindestens 10 männliche Juden über 14 Jahre. | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: 1824waren | |
| 60 | added: aber lt. Statistik insgesamt nur 20 Juden in Rössing vorhanden, | |
| 61 | added: wovon mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Wahrscheinlich | |
| 62 | added: mußte hier das ganze Ritual in einer vereinfachten Form stattfinden. | |
| 63 | added: | |
| 64 | added: 1842 | |
| 65 | added: wurden die Juden aufgefordert, Synagogengemeinden zu bilden. | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: M. | |
| 68 | added: Zuckermann gibt in seinem Buch: „Kollektanea zur Geschichte der | |
| 69 | added: Juden im Hannoverland" (Hannover 1912) an, daß es 1842 in | |
| 70 | added: Rössing eine Synagoge gab. | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: Dies war aber mit Sicherheit kein eigenständiger | |
| 73 | added: Kirchenbau, sondern der jüdische Gottesdienst wurde in einem | |
| 74 | added: Wohnraum der Familie Neuberg abgehalten. | |
| 75 | added: | |
| 76 | added: 1860/61wurde | |
| 77 | added: das Wohnhaus von Simon Neuberg umgebaut, man sieht es aus der | |
| 78 | added: Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkataster. Es wurde mit einem | |
| 79 | added: Anbau versehen und dieser Anbau wurde lt. mündlicher Überlieferung | |
| 80 | added: als Synagoge genutzt, zumindest, so lange wie das Haus im Besitz der | |
| 81 | added: Familie Neuberg war (bis ca. 1900). | |
| 82 | added: | |
| 83 | added: # Synagogenvorsteher waren | |
| 84 | added: | |
| 85 | added: 1843 | |
| 86 | added: Nathan Neuberg bis 1854 | |
| 87 | added: | |
| 88 | added: 1855 Simon Neuberg bis 1873 | |
| 89 | added: | |
| 90 | added: # 1873 Israel Levi Blumenthal | |
| 91 | added: | |
| 92 | added: Moritz Blumenthal | |
| 93 | added: | |
| 94 | added: Karl Blumenthal bis 1942 | |
| 95 | added: | |
| 96 | added: Die | |
| 97 | added: Synagogenvorsteher waren verpflichtet, Heirats-, Geburts- und | |
| 98 | added: Sterbelisten zu führen. Leider enthalten sie sehr wenig Angaben, und | |
| 99 | added: es sind auch nur noch sehr wenige erhalten. | |
| 100 | added: | |
| 101 | added: Die | |
| 102 | added: nächste Synagoge mit einem richtigen Synagogengebäude befand sich | |
| 103 | added: bis 1942 in Eldagsen. | |
| 104 | added: | |
| 105 | added: ## Jüdisches Schulwesen | |
| 106 | added: | |
| 107 | added: 1854erfolgte | |
| 108 | added: die Neuordnung eines eigenständigen jüdischen Elementarschulwesens | |
| 109 | added: und der jüdischen Lehrerbildung, die beide dem Landrabbinat | |
| 110 | added: unterstanden. Nach der Schulordnung von 1854 waren mit 17 | |
| 111 | added: Wochenstunden mehr als die Hälfte der Unterrichtsgegenstände auf | |
| 112 | added: jüdische Religion und Kultur ausgerichtet, davon waren allein 4 | |
| 113 | added: Stunden hebräische Sprache und 3 Stunden für biblische und jüdische | |
| 114 | added: Geschichte vorgesehen. | |
| 115 | added: | |
| 116 | added: In | |
| 117 | added: Rössing hat es jedenfalls keine jüdische Elementarschule gegeben, | |
| 118 | added: dazu war der Ort viel zu klein. Vielleicht lag auch darin der Grund, | |
| 119 | added: daß so viele Kinder der hiesigen jüdischen Familien in den Akten | |
| 120 | added: nicht wieder auftauchten. | |
| 121 | added: | |
| 122 | added: Bei | |
| 123 | added: den Juden ist ein hervorstechendes Merkmal der Sippenzusammenhalt. | |
| 124 | added: Ältere oder auch jüngere Verwandte fanden ohne weiteres | |
| 125 | added: Unterschlupf in den Familien, und so ist auch möglich, daß die | |
| 126 | added: Kinder in größeren Orten bei Verwandten wohnten und dort die | |
| 127 | added: jüdische Schule besuchten. | |
| 128 | added: | |
| 129 | added: Die | |
| 130 | added: Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu | |
| 131 | added: schicken, wenn keine jüdischen Schulen am Ort waren. Vom | |
| 132 | added: Religionsunterricht waren sie allerdings befreit Für den jüdischen | |
| 133 | added: Religionsunterricht sorgte dann der Rabbiner. | |
| 134 | added: | |
| 135 | added: In | |
| 136 | added: der Schulstatistik der Rössinger Grundschule fanden sich nur | |
| 137 | added: Angaben.über den Zeitraum von 1898 bis 1911. Frühere Angaben über | |
| 138 | added: jüdische Schulkinder waren nicht aufzufinden. | |
| 139 | added: | |
| 140 | added: 1898-1900 kein | |
| 141 | added: jüdisches Kind | |
| 142 | added: | |
| 143 | added: 1901 2 | |
| 144 | added: jüdische Kinder | |
| 145 | added: | |
| 146 | added: 1904.24.Juli je | |
| 147 | added: 1 jüd. Kind in Kl. III und Kl. IV | |
| 148 | added: | |
| 149 | added: 1906.20.Juni 3 | |
| 150 | added: jüdische Kinder | |
| 151 | added: | |
| 152 | added: 1911.24.Mai 1 | |
| 153 | added: jüdisches Kind | |
| 154 | added: | |
| 155 | added: Quellen: | |
| 156 | added: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 431 und 432 | |
| 157 | added: | |
| 158 | added: Niedersächsisches Jahrbuch 1989 | |
| 159 | added: | |
| 160 | added: Rössinger Schulchronik Band 2 | |
| 161 | added: | |
| 162 | added: --- | |
| 163 | added: | |
| 164 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8903.html).* | |
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| 2 | added: id: 13-familienschicksale | |
| 3 | added: slug: 13-familienschicksale | |
| 4 | added: title: "Familienschicksale" | |
| 5 | added: sidebar_label: "Teil 13 – Familienschicksale" | |
| 6 | added: sidebar_position: 13 | |
| 7 | added: description: "Familienschicksale; Die ersten Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle Israel Levin Blumenthal I Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat" | |
| 8 | added: --- | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: **Familienschicksale;** | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: **Die ersten | |
| 13 | added: Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle** | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: **Israel Levin | |
| 16 | added: Blumenthal I** | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat sich während | |
| 19 | added: der gelockerten Bestimmungen in der Franzosenzeit , also zu Beginn des 19. | |
| 20 | added: Jahrhunderts, in Rössing angesiedelt. | |
| 21 | added: Israel Levin war ein Schlachter aus Barnten, Amt Steuerwald, der den Namen | |
| 22 | added: Blumenthal angenommen hatte und vom Schlachten und Kleinhandel lebte. | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **Der Schutzbrief** | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Am 16. Februar 1814 wird er in einer Liste als | |
| 27 | added: unvergeleiteter jüdischer Einwohner in der Vogtei Rössing aktenkundig, weil er | |
| 28 | added: einen Schutzbrief beantragt hat. Die Behörde fragt an, ob der Antragsteller | |
| 29 | added: Blumenthal „*schutzwürdig*“ sei. Der | |
| 30 | added: Bürgermeister bzw. Vogt Opitz stellt ihm ein gutes Führungszeugnis aus und | |
| 31 | added: befürwortet Blumenthals Antrag. | |
| 32 | added: | |
| 33 | added: Am 31.Mai 1814 wird Israel Levin Blumenthal I ohne weitere Beanstandungen mit dem | |
| 34 | added: Schutzbrief versehen. Er soll vier Reichsthaler jährlich bezahlen, aber | |
| 35 | added: Bürgermeister Opitz teilt dem Amt gleich mit, dass Blumenthal nur in der Lage | |
| 36 | added: sei, höchstens zwei Reichsthaler aufzubringen. | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: Im nächsten Jahr erhält Blumenthal eine Zahlungsaufforderung | |
| 39 | added: über zwei Reichs-thaler, doch wegen Armut wird ihm die Zahlung erlassen. 1817 | |
| 40 | added: wird wegen des Schutzgeldes erneut eine Anfrage von Amts wegen gestellt und vom | |
| 41 | added: Bürgermeister beantwortet: | |
| 42 | added: | |
| 43 | added: *"Gegen | |
| 44 | added: seinen Lebenswandel ist nichts zu sagen, aber er hat wegen* | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: *Armut | |
| 47 | added: bisher kein Schutzgeld bezahlt."* | |
| 48 | added: | |
| 49 | added: Und so geht es weiter, bis die Behörde im Jahre 1824 | |
| 50 | added: feststellt, dass Blumenthal seit der Erteilung des Schutzbriefes 1814 überhaupt | |
| 51 | added: noch keine Zahlung geleistet hat. 1825 | |
| 52 | added: muss er zum ersten Mal zwei Reichsthaler bezahlen und das nun Jahr für Jahr | |
| 53 | added: - bis 1842 das Schutzgeld im Königreich | |
| 54 | added: Hannover aufgehoben wird. | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: **Familiengründung** | |
| 57 | added: | |
| 58 | added: 1824 leben im ganzen Amte Calenberg 176 Juden, davon etwa 15 | |
| 59 | added: in Rössing. Die jüdische Bevölkerung wird von Zeit zu Zeit behördlich in | |
| 60 | added: statistischen Erhebungen gesondert | |
| 61 | added: erfaßt. | |
| 62 | added: | |
| 63 | added: Im Jahr 1816 war Israel Levin Blumenthal I 36 Jahre alt, seine Frau Hanne Meyer 30 und | |
| 64 | added: ihr erster Sohn Israel Levin Blumenthal II drei Jahre. 1819 wird dem Ehepaar ein zweiter Sohn geboren, | |
| 65 | added: Meyer Blumenthal. | |
| 66 | added: | |
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| 68 | added: | |
| 69 | added: Quelle: NHSA Sign. | |
| 70 | added: Hann 74 Cal Nr.423 Nr.425 | |
| 71 | added: Nr.431 | |
| 72 | added: | |
| 73 | added: **Israel Levin Blumenthal II** | |
| 74 | added: | |
| 75 | added: Über | |
| 76 | added: Israel Levin Blumenthal II, den ältesten Sohn des ersten Blumenthal in Rössing, | |
| 77 | added: ist nicht viel bekannt. Er ist 1813 geboren und von Beruf Schlachter, wie schon | |
| 78 | added: sein Vater. Er ist verheiratet mit Jette Blumenthal, geb. Abraham Heinemann. | |
| 79 | added: Doch wo genau die Blumenthals in Rössing wohnten und ihr Gewerbe betrieben, ist | |
| 80 | added: aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Über Hauseigentum verfügten sie zu diesem | |
| 81 | added: Zeitpunkt noch nicht. | |
| 82 | added: | |
| 83 | added: Nachdem Simon Neuberg verstorben ist, folgt ihm Levin | |
| 84 | added: Blumenthal II 1855 als Synagogenvorsteher der hiesigen kleinen jüdischen | |
| 85 | added: Gemeinde nach. Am 3. Januar 1873 stirbt Jette Blumenthal und ihr Mann muss als | |
| 86 | added: Synagogenvorsteher ihren Tod in den Sterbelisten selbst beurkunden. Israel | |
| 87 | added: Levin Blumenthal II stirbt 1881. Sein | |
| 88 | added: Grabstein ist einer der wenigen, die auf dem jüdischen Friedhof in Rössing | |
| 89 | added: heute noch erhalten sind. Ob das Ehepaar Kinder hatte, ist nicht bekannt. In | |
| 90 | added: den Akten werden sie nicht erwähnt und Hinweise auf Grabsteine lassen sich | |
| 91 | added: nicht mehr finden. | |
| 92 | added: | |
| 93 | added: Quelle: | |
| 94 | added: NHSA Sign. Hann 74 Nr. 431 | |
| 95 | added: | |
| 96 | added: **Meyer Blumenthal** | |
| 97 | added: | |
| 98 | added: 1819 wird Meyer Blumenthal als zweiter Sohn von Israel Levi | |
| 99 | added: Blumenthal I und seiner Frau Hanne Meyer geboren. Dieser Meyer Blumenthal ist | |
| 100 | added: der Stammvater aller weiteren in Rössing ansässigen Blumenthals, bis die | |
| 101 | added: Familie 1942 dem Holocaust zum Opfer fällt. | |
| 102 | added: | |
| 103 | added: Er wird Schlachter - wie schon sein Vater und sein sechs | |
| 104 | added: Jahre älterer Bruder Israel Levi Blumenthal II. | |
| 105 | added: | |
| 106 | added: Im Jahre 1852 kauft Meyer Blumenthal ein Haus, die | |
| 107 | added: Anbauerstelle Nr. 116, heute | |
| 108 | added: | |
| 109 | added: Maschstr. Nr. 22, und richtet dort eine Schlachterei ein. Im | |
| 110 | added: selben Jahr heiratet er, 33 Jahre alt, Line Holländer aus Bergen, ebenfalls 33 | |
| 111 | added: Jahre alt. Eindeutig werden als seine Eltern in der Trauungsliste Israel Levin | |
| 112 | added: Blumenthal l und Hanne Meyer angegeben. Am 16. März 1853 stirbt ein kleiner | |
| 113 | added: Junge mit Namen Israel Blumenthal im Alter von 21 Wochen am | |
| 114 | added: „Nervenfieber".Als dessen Eltern werden Meyer Blumenthal und Helene Bach | |
| 115 | added: genannt. | |
| 116 | added: | |
| 117 | added: Diese beiden Vorgänge lassen sich auf den ersten Blick nicht | |
| 118 | added: ohne weiteres zusammenbringen. Aber da helfen die heute noch auf dem jüdischen | |
| 119 | added: Friedhof vorhandenen Grabsteine weiter. Offensichtlich war das Verhältnis von | |
| 120 | added: Meyer Blumenthal mit Helene Bach nur eine folgenreiche, voreheliche Episode. | |
| 121 | added: Denn die 1819 geborene Line Blumenthal, die er 1852 geheiratet hatte, war und | |
| 122 | added: blieb die Ehefrau von Meyer Blumenthal und wurde die Mutter seiner beiden | |
| 123 | added: ehelichen Kinder, während Helene Bach nicht wieder in den Akten auftaucht. | |
| 124 | added: | |
| 125 | added: Die Tochter Johanne Blumenthal wird 1855 geboren und der | |
| 126 | added: Sohn Moritz drei Jahre später, 1858. Ihre Mutter Line stirbt 1884 und wird an | |
| 127 | added: der Seite ihres zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Mannes Meyer Blumenthal | |
| 128 | added: beigesetzt. In welchem Jahr Meyer Blumenthal gestorben ist, läßt sich leider | |
| 129 | added: auf dem sehr verwitterten Grabstein nicht mehr entziffern. | |
| 130 | added: | |
| 131 | added: 1852 umfaßt die jüdische Gemeinde 18 Personen in Rössing. | |
| 132 | added: Diese werden aber nur summarisch aufgezählt, nicht namentlich. Die meisten | |
| 133 | added: davon gehören zweifellos zu den beiden jüdischen Familien Neuberg und | |
| 134 | added: Blumenthal, bei den anderen handelt es sich höchstwahrscheinlich um | |
| 135 | added: Hauspersonal und sonstige Angestellte der beiden Familien. | |
| 136 | added: | |
| 137 | added: Quelle: NHSA Sign.Hann 74 Nr. 431 | |
| 138 | added: | |
| 139 | added: **Das Haus Nr. | |
| 140 | added: 116, heute Maschstraße Nr.22** | |
| 141 | added: | |
| 142 | added: Bei dem Haus Nr. 116, das Meyer Blumenthal 1852 gekauft hat, | |
| 143 | added: handelt es sich um eine typische Anbauerstelle, zu der weder Ackerland noch ein | |
| 144 | added: größerer Garten gehören. Es ist ein kleines Haus am Rande des Dorfes. Aber | |
| 145 | added: schon der Erwerb eines Hauses ist erst seit 1847 offiziell durch eine Ergänzung | |
| 146 | added: der „Emanzipationsakte“ von 1842 gestattet und ein Riesenschritt in der | |
| 147 | added: Gleichberechtigung der Juden im Königreich Hannover. | |
| 148 | added: | |
| 149 | added: An der Entwicklung des Brandkatasters können wir die | |
| 150 | added: Wertsteigerungen des Hauses und den | |
| 151 | added: wachsenden bürgerlichen Wohlstand der Familie erkennen. Der Vorbesitzer | |
| 152 | added: des Hauses war Carl Brandes; das Baujahr ist nicht ersichtlich. In den ersten | |
| 153 | added: 10 Jahren nach dem Erwerb des Hauses durch Meyer Blumenthal im Jahre 1852 | |
| 154 | added: werden größere bauliche Maßnahmen durchgeführt, zweifellos ein Hinweis auf den | |
| 155 | added: Umbau zur Schlachterei, denn der Versicherungswert wird 1861 von 750 auf 1.200 | |
| 156 | added: Reichsthaler hochgestuft. Es fällt auf, daß an dem Haus ständig Erhaltungs- und | |
| 157 | added: Wertverbesserungsarbeiten durchgeführt werden. | |
| 158 | added: | |
| 159 | added: 1877 erfolgt wieder eine bedeutende Erhöhung des Taxwertes. | |
| 160 | added: Nach der Umrechnung von Reichsthalern in Mark (1 Taler = 3 Mark) steigt er von | |
| 161 | added: 3.600 Mark auf 6.314 Mark. | |
| 162 | added: | |
| 163 | added: Außerdem werden ein Stall, Waschhaus und Wagenschuppen neu | |
| 164 | added: gebaut, Versicherungswert 344 Mark. Es werden also grössere Geldbeträge | |
| 165 | added: investiert. | |
| 166 | added: | |
| 167 | added: Auch unter Moritz Blumenthal, dem Sohn und Nachfolger von | |
| 168 | added: Meyer Blumenthal, geht die positive Entwicklung weiter. | |
| 169 | added: | |
| 170 | added: Quelle: NHSA Sign. Hann 330 Nr.51, 109, 879, 880 | |
| 171 | added: | |
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| 173 | added: | |
| 174 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Familienschicksale: Moritz Blumenthal und seine Söhne" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 14 – Moritz Blumenthal und seine Söhne" | |
| 4 | added: sidebar_position: 14 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er | |
| 11 | added: wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater, sein Grossvater und sein | |
| 12 | added: Onkel vor ihm. Am 26. Oktober 1892 heiratet er im Alter von 34 Jahren ein | |
| 13 | added: Fräulein Sophie Wallhausen aus Lüthorst, und es wird eine großartige Hochzeit | |
| 14 | added: gefeiert. Die mit riesigem Aufwand gedruckte | |
| 15 | added: Hochzeits- zeitung ist noch erhalten. | |
| 16 | added: | |
| 17 | added: Dem | |
| 18 | added: Paar werden fünf Söhne geboren: | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: 1893, | |
| 21 | added: 16.Oktober Gustav Blumenthal | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: 1895, | |
| 24 | added: 02. März Karl Blumenthal | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: 1897, | |
| 27 | added: 11. Oktober Hermann Blumenthal | |
| 28 | added: | |
| 29 | added: 1900, | |
| 30 | added: 23. Juni Robert Blumenthal | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: 1901, | |
| 33 | added: 30. Dezember Willi Blumenthal. | |
| 34 | added: | |
| 35 | added: 1897 werden wieder erhebliche Geldmittel für Haus und Nebengebäude | |
| 36 | added: aufgewendet. Die Wagenremise und der Stall werden erneuert, und der Taxwert des | |
| 37 | added: Wohnhauses erhöht sich wieder um gut 1000 Mark auf 8387 Mark. | |
| 38 | added: | |
| 39 | added: 1907 erfolgt eine bedeutende Modernisierung der Schlachterei | |
| 40 | added: und auch das Wohnhaus wird noch einmal verbessert. | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: Quelle: NHSA Sign: | |
| 43 | added: Hann 174, Springe 162 | |
| 44 | added: | |
| 45 | added: **Ein moderner Betrieb** | |
| 46 | added: | |
| 47 | added: Im Jahr 1907 bringt Moritz Blumenthal seine Schlachterei auf | |
| 48 | added: den modernsten Stand. Da der Bau eines | |
| 49 | added: Kühlkellers wegen der Lage des Hauses in der Masch mit ihrem hohen Grundwasserstand nicht möglich ist, | |
| 50 | added: baut er oberirdisch einen Eisturm, der heute noch vorhanden ist. Ein | |
| 51 | added: doppelwandiger, ca. 5 m hoher Turm, dessen 8o cm breite Zwischenwände zur | |
| 52 | added: Isolierung mit Torf gefüllt sind, wird von der Seite durch eine oben | |
| 53 | added: befindliche Luke im Winter mit Eis gefüllt und hält ihn über den ganzen Sommer | |
| 54 | added: kühl. Das Dach und der daneben liegende Kühlraum werden ebenso ausgestattet. | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: Wenn das Eis im Winter auf dem Schloßteich dick genug war, | |
| 57 | added: wurde es geschnitten und eingelagert. Im Winter galt Blumenthal als begehrter | |
| 58 | added: Arbeitgeber, beschäftigte er doch zeitweilig bis zu 15 Personen in der | |
| 59 | added: arbeitsarmen Zeit mit Eisschneiden. An der Sohle des Eisturms ist eine türgroße | |
| 60 | added: Öffnung zum Kühlraum, in dem das Fleisch auch im heißesten Sommer hervorragend | |
| 61 | added: gekühlt wurde. Es gab ja noch kein künstlich hergestelltes Stangeneis. Die Schlachterei Moritz Blumenthal war weit und | |
| 62 | added: breit bekannt für ihr hervorragendes Fleisch. Wenn man ein besonders gutes | |
| 63 | added: Stück Fleisch haben wollte, kaufte man es bei Blumenthal. Natürlich gab es dort | |
| 64 | added: vorwiegend Rindfleisch und manchmal Hammelfleisch. Schweine wurden nicht | |
| 65 | added: geschlachtet oder verkauft. Die Rinder suchte sich Blumenthal bei den Bauern | |
| 66 | added: aus und war als hartnäckiger und harter Verhandlungspartner bekannt. Mit Pferd | |
| 67 | added: und Wagen fuhr er über Land, sogar bis | |
| 68 | added: Hannover. Sein Fleisch verkaufte er in den umliegenden Dörfern, wo man an | |
| 69 | added: bestimmten Tagen schon auf ihn wartete. | |
| 70 | added: | |
| 71 | added: **Rituelles | |
| 72 | added: Schlachten** | |
| 73 | added: | |
| 74 | added: Die linke Hälfte des Erdgeschosses wurde als Schlachterei | |
| 75 | added: genutzt. Das heutige große Schaufenster gab es noch nicht. Fensterläden zur | |
| 76 | added: Straßenseite schützten vor Sonneneinstrahlung. | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: Das Schlachten der Rinder erfolgte nach dem jüdischen | |
| 79 | added: Ritualkodex. Dazu kam extra ein Schächter als Kultbeamter aus Pattensen oder | |
| 80 | added: auch aus Hannover. Mit Pferd und Wagen wurde er vom Bahnhof Barnten abgeholt. | |
| 81 | added: In einem besonderen Kasten, ähnlich wie | |
| 82 | added: ein Geigenkasten, brachte er das Messer zum Schächten mit, das nicht die | |
| 83 | added: geringste Scharte aufweisen durfte. Geschlachtet wurde in dem Raum, der einen | |
| 84 | added: Eingang von der linken Hofseite aus hat. Von der Hofmauer aus schauten die | |
| 85 | added: Dorfjungen manchmal bei der Zeremonie zu, die sie als sehr grausam empfanden. | |
| 86 | added: Mit Ketten wurden die Tiere an den Füßen gefesselt, durch eine Winde zu Fall | |
| 87 | added: gebracht und ohne Betäubung Halsschlagader, Speise- und Luftröhre durchtrennt, | |
| 88 | added: um eine völlige Ausblutung zu erreichen. | |
| 89 | added: | |
| 90 | added: Das Schächten wurde im NS-Deutschland, am 21.4.1933, | |
| 91 | added: verboten. Durch Verord-nungen der Militärregierungen von 1946 und 1947 wurde es | |
| 92 | added: wieder zugelassen. | |
| 93 | added: | |
| 94 | added: Auch die jüdischen Beerdigungen erweckten das Interesse der | |
| 95 | added: Dorfjugend, weil sie anders waren als | |
| 96 | added: die hier üblichen. Besonders die Särge fielen ihnen auf. Sie hatten keinen | |
| 97 | added: hochgewölbten Deckel und waren aus unbearbeitetem Holz. | |
| 98 | added: | |
| 99 | added: **Karl Blumenthal | |
| 100 | added: und seine Brüder** | |
| 101 | added: | |
| 102 | added: In Rössing wußte man bisher nur von drei Brüdern, Karl, | |
| 103 | added: Robert und Willi, die in den 1920er und 1930er Jahren voll in der | |
| 104 | added: Dorfgemeinschaft integriert waren. Daß es noch zwei weitere Brüder Blumenthal | |
| 105 | added: gab, Gustav (geb. 1893), und Hermann (geb. 1897) war bisher in Rössing unbekannt. | |
| 106 | added: Von der Existenz dieser beiden Brüder erfuhr man erst fast 100 Jahre später | |
| 107 | added: durch Kurt Blumenthal, den Enkel von Gustav, als er Im Jahre 2008 auf den | |
| 108 | added: Spuren seiner Ahnen ihre Gräber in Rössing besuchen wollte. Er überließ mir ein | |
| 109 | added: Exemplar der 2003 von seinem Vater Werner verfaßten Familienchronik, durch die | |
| 110 | added: wir umfassende Informationen über die Schicksale der einzelnen | |
| 111 | added: Familienmitglieder erhielten. | |
| 112 | added: | |
| 113 | added: Gustav und Hermann Blumenthal haben Rössing schon jung | |
| 114 | added: verlassen und wurden sehr erfolgreiche und wohlhabende Geschäftsleute in | |
| 115 | added: Bochum. Das Startkapital stammte wohl vom Vater Moritz, denn sie wurden | |
| 116 | added: Besitzer oder Teilhaber der Firma Gebr. Koppel | |
| 117 | added: später Heymann & Co, eines großen Geschäfts-oder Kaufhauses der Textilbranche, | |
| 118 | added: was ihnen einen recht luxuriösen Lebensstil ermöglichte mit Tennisspiel, | |
| 119 | added: Reitstunden im Tattersall, Urlaubsreisen und einem Auto mit Chauffeur. | |
| 120 | added: | |
| 121 | added: Dadurch, daß sie Rössing frühzeitig verließen und sehr | |
| 122 | added: wohlhabend wurden, entgingen sie wahrscheinlich dem Schicksal ihrer drei | |
| 123 | added: Brüder, denn ihnen gelang noch rechtzeitig die Ausreise in die USA. | |
| 124 | added: | |
| 125 | added: Nach „Arisierung“ ihres Geschäftes und KZ-Aufenthalt gelang | |
| 126 | added: Hermann Blumenthal 1940 die kostspielige „Auswanderung“ in die USA, von wo aus | |
| 127 | added: er durch Stellung einer Bürgschaft ein Visum für seinen Bruder Gustav mit | |
| 128 | added: Familie besorgen konnte und ihnen so die Flucht aus Nazi-Deutschland im August | |
| 129 | added: 1942 in letzter Minute ermöglichte. | |
| 130 | added: | |
| 131 | added: . | |
| 132 | added: | |
| 133 | added: Die andern drei Brüder wuchsen in Rössing heran und teilten | |
| 134 | added: das Dorfleben bis ins Erwachsenenalter. Karl und Willi wurden Schlachter wie | |
| 135 | added: ihre Vorfahren und arbeiteten im väterlichen Betrieb, während Robert, der an | |
| 136 | added: einer Bechterewschen Wirbelsäulenverkrümmung litt , einen kaufmännischen Beruf | |
| 137 | added: ergriff. | |
| 138 | added: | |
| 139 | added: **Der Erste | |
| 140 | added: Weltkrieg** | |
| 141 | added: | |
| 142 | added: Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, rief nicht nur der „*Centralverein deutscher Staatsbürger | |
| 143 | added: jüdischen Glaubens*", sondern auch die „*Zionistische Vereinigung für Deutschland"* zur | |
| 144 | added: Vaterlandsverteidigung auf, letztere mit den Worten: | |
| 145 | added: | |
| 146 | added: ***"****Wir rufen Euch auf, im Sinne des alten jüdischen | |
| 147 | added: Pflichtgebots mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen, Euch dem | |
| 148 | added: Dienste des Vaterlandes hinzugeben."* | |
| 149 | added: | |
| 150 | added: Die ganze Familie war deutsch-national eingestellt, und die | |
| 151 | added: drei ältesten Blumenthal-Brüder Gustav, Hermann und Karl folgten dem Aufruf und | |
| 152 | added: meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Hermann wurde Unteroffizier und am 17. | |
| 153 | added: Oktober 1917 wurde ihm | |
| 154 | added: | |
| 155 | added: *„von* Sr. *Majestät vom Kaiser und König das Eiserne | |
| 156 | added: Kreuz II. Klasse* verliehen“. | |
| 157 | added: | |
| 158 | added: Alle drei Brüder hatte das Erlebte geprägt, aber sie hüteten | |
| 159 | added: ihr deutsches Nationalbewusstsein. Hermann war stolz auf seine | |
| 160 | added: Kriegs-Auszeichnung und bewahrte die Verleihungsurkunde sein Leben lang auf. | |
| 161 | added: | |
| 162 | added: Die Blumenthals lebten in Rössing als alteingesessene | |
| 163 | added: Bürger, nahmen am Dorfleben teil und traten nach außen hin recht bescheiden | |
| 164 | added: auf. Auf dem Erinnerungsfoto an das Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr | |
| 165 | added: von 1928 sind Karl und Willi Blumenthal | |
| 166 | added: mit verewigt und bei den geselligen Zusammenkünften des im Jahre 1900 | |
| 167 | added: gegründeten „Klub Frohsinn" war | |
| 168 | added: Willi Blumenthal ebenfalls mit von der Partie, wie ein Foto von 1932 zeigt | |
| 169 | added: (siehe Bildband „Rössing, unser Dorf im Wandel"). Karl, Mitte der 20er | |
| 170 | added: Jahre mit Henny Hartogsohn (geb. 1899) aus Emden verheiratet, hatte mit ihr zwei Kinder – Hanna, geb. am 6. | |
| 171 | added: März 1928, und Hans-Jürgen, der am 7. | |
| 172 | added: November 1931 geboren wurde. | |
| 173 | added: | |
| 174 | added: Karl Blumenthal, einer der besten Sänger im Gesangverein | |
| 175 | added: „Concordia“, wurde 1935 aus rassistischen Gründen ausgeschlossen. Karl Pahl, | |
| 176 | added: der 1. Vorsitzende des Vereins, hatte mehrfach erfolglos zugunsten von Karl | |
| 177 | added: Blumenthal interveniert. Man setzte ihn höheren Ortes so unter Druck, daß er | |
| 178 | added: schließlich nachgeben mußte, weil er sonst selbst in größte Schwierigkeiten | |
| 179 | added: gekommen wäre. | |
| 180 | added: | |
| 181 | added: --- | |
| 182 | added: | |
| 183 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_24.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 15 – Ferien bei den Großeltern" | |
| 4 | added: sidebar_position: 15 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern: Werner Blumenthal erzählt Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.192" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern:** **Werner Blumenthal erzählt** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.1923) | |
| 11 | added: in der Rückschau, wie er die Schulferien in den 1920er und 1930er Jahren | |
| 12 | added: zusammen mit seiner Schwester Lore bei seinen Großeltern Sophie und Moritz | |
| 13 | added: Blumenthal und den Brüdern seines Vaters in Rössing erlebt hat. | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: *--- | |
| 16 | added: Das einfache und arbeitsreiche Leben auf dem Lande – etwa einen Kilometer vom | |
| 17 | added: Haus entfernt bewirtschafteten sie zugleich einen Acker (11/4 Morgen)– hatte | |
| 18 | added: sie geprägt und zu geachteten Mitgliedern der dörflichen Gemeinde gemacht.* | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: *Sie | |
| 21 | added: hatten fünf Söhne, mein Vater Gustav war der älteste von ihnen. Danach kamen | |
| 22 | added: Karl, Hermann, Robert und Willi. Schon die Wahl der Namen ihrer Kinder verweist | |
| 23 | added: darauf, dass sie trotz ihres bewusst und strikt gelebten Judentums | |
| 24 | added: uneingeschränkt und selbstverständlich Deutsche waren.* | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: *Die | |
| 27 | added: Kneipe gegenüber ihrem Haus war für die männlichen Familienmitglieder ebenso | |
| 28 | added: sozialer Treffpunkt wie für den Rest der Einwohner des Dorfes. –* | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: *--- | |
| 31 | added: Oma Sophie hatte gewiss kein leichtes Leben. Familie, fünf Kinder, Haus und | |
| 32 | added: Laden zu bewirtschaften, dazu noch | |
| 33 | added: Garten und „Land“. Der koschere Haushalt verlangte zusätzliche Mühe durch die | |
| 34 | added: gebotene strenge Trennung zwischen „fleischigen“ und „milchigen“ sowie | |
| 35 | added: sonstigen Lebensmitteln und dem dazugehörigen Geschirr, Besteck usw.* | |
| 36 | added: | |
| 37 | added: *---Freitagsabends | |
| 38 | added: wurde auf feierliche Weise mit dem Abendessen in der guten Stube der Sabbat | |
| 39 | added: eingeläutet. Oma zündete die beiden Kerzen an und segnete die „Challe“, den | |
| 40 | added: selbstgebackenen geflochteten Mohnstuten, der zunächst unter einer geklöppelten | |
| 41 | added: Zierdecke lag. Jeder bekam ein Stück und aß es mit Salz zur Feier des Tages.---* | |
| 42 | added: | |
| 43 | added: *---Des | |
| 44 | added: öfteren begleitete ich Onkel Karl zur Arbeit auf dem Stück Land, auf dem | |
| 45 | added: vornehmlich Kartoffeln und diverse Gemüse für den Hausbedarf angebaut wurden. | |
| 46 | added: Mit Freude und viel Anstrengung zog ich den kleinen Bollerwagen dorthin, ein | |
| 47 | added: gutes Stück auf der Landstraße entlang. Damals bestand noch kaum die Gefahr, | |
| 48 | added: von einem Auto angefahren zu werden. Für mich als Stadtkind war es fast eine | |
| 49 | added: Offenbarung, eine frische Möhre aus dem Beet ziehen und sie essen zu können, | |
| 50 | added: Salat zu schneiden, Kartoffeln auszubuddeln.---* | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: Werner Blumenthal erinnert sich lebhaft an die ungeheizten | |
| 53 | added: Schlafkammern im Winter, das dicke Federbett, auf dem sich bis zum Morgen durch | |
| 54 | added: die Atemluft eine richtige dünne Eisschicht bildete - und an das eisig kalte | |
| 55 | added: Plumpsklo. Aber besonders beeindruckt hat ihn offensichtlich der Besitz eines | |
| 56 | added: eigenen Stück Landes, durfte doch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kein Jude nach | |
| 57 | added: dem Gesetz Acker- oder Gartenland besitzen. | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: Willi Blumenthal, der jüngere Bruder von Karl, war auch | |
| 60 | added: Schlachter, arbeitete bei seinem Vater in der Metzgerei und belieferte mit | |
| 61 | added: Pferd und Wagen Kunden in der näheren und weiteren Umgebung, wobei Werner ihn | |
| 62 | added: begleiten durfte. Außerdem besaß er ein Motorrad und brauste gern mit ihm auf | |
| 63 | added: dem Soziussitz durch die Gegend. | |
| 64 | added: | |
| 65 | added: Moritz Blumenthal starb 193O, und Karl übernahm die Schlachterei, | |
| 66 | added: während Moritz‘ Frau Sophie noch bis | |
| 67 | added: 1938 lebte. Diese beiden sind die letzten, die auf dem jüdischen Friedhof | |
| 68 | added: beerdigt wurden. | |
| 69 | added: | |
| 70 | added: Nach einer Liste der jüdischen Einwohner vom 1.10.1935 umfaßte der Haushalt noch folgende Personen: | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: Name | |
| 73 | added: Vorname Beruf Geburtstag Geb.Ort Bemerkungen | |
| 74 | added: | |
| 75 | added: 1. Blumenthal Karl Schlachter | |
| 76 | added: 2. 3. 1895 Rössing | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: 2. " Henny Ehefrau 22.11. 1899 Emden | |
| 79 | added: | |
| 80 | added: 3. " | |
| 81 | added: Hanna Tochter | |
| 82 | added: 6 3. 1928 Rössing | |
| 83 | added: | |
| 84 | added: 4. " Hans-Jürgen Sohn | |
| 85 | added: 7.11. 1931 Rössing | |
| 86 | added: | |
| 87 | added: 5. " Sophie Witwe 18. | |
| 88 | added: 4. 1866 Lüthorst | |
| 89 | added: | |
| 90 | added: 6. " Willi Sohn | |
| 91 | added: zu 5 30.12. 1901 Rössing verzogen | |
| 92 | added: n.. | |
| 93 | added: | |
| 94 | added: 7.Gaup Auguste Hausangest. 2. 3. 1910 Roßlau | |
| 95 | added: a,d,Elbe | |
| 96 | added: | |
| 97 | added: 8 Blumenthal Robert Sohn zu 5 Kaufmann 23. 6. 1900 Rössing | |
| 98 | added: " | |
| 99 | added: | |
| 100 | added: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 174 Springe Nr. 162 | |
| 101 | added: | |
| 102 | added: --- | |
| 103 | added: | |
| 104 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5173.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 16 – Terror gegen Familie Blumenthal" | |
| 4 | added: sidebar_position: 16 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Familienschicksale: | |
| 9 | added: Terror gegen Familie Blumenthal** | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem | |
| 12 | added: Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „Machtergreifung“ wuchs die | |
| 13 | added: Angst in der Familie. Sofort nach dem 30. Januar 1933 setzten die | |
| 14 | added: staatspolitischen Maßnahmen ein. Am 1. April 1933 verkündete Julius Streicher | |
| 15 | added: den organisierten Judenboykott. Der Titel auf der ersten Seite des „Stürmers“, | |
| 16 | added: dem wüsten Hetzblatt der SA, lautete: | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: *Wer | |
| 19 | added: beim Juden kauft, ist ein Volksverräter* | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: Und so prangte es an allen Litfasssäulen.Das blieb , auch in | |
| 22 | added: Rössing, nicht ohne Wirkung. Blumenthals Schlachterei ging zurück. Am 9. | |
| 23 | added: November 1938, als die Synagogen brannten und in einer organisierten Aktion die | |
| 24 | added: jüdischen Geschäfte und Wohnungen demoliert und geplündert wurden, wurden auch | |
| 25 | added: Blumenthals ein Opfer der Hetze. Augenzeugen berichteten, dass ein ortsfremder | |
| 26 | added: Autofahrer aus Richtung Nordstemmen kam, vor ihrem Haus anhielt und mit der | |
| 27 | added: Anlasserkurbel die geschlossenen hölzernen Fensterläden und die Scheiben | |
| 28 | added: zerschlug. Ein paar Jungen, die das mit angesehen hatten, fanden das aufregend | |
| 29 | added: und schmissen noch ein paar Steine hinterher, während die Familie Blumenthal | |
| 30 | added: total verängstigt auf ihren Betten im Schlafzimmer saß. | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Schon seit 1936 durften jüdische Kinder nicht mehr am | |
| 33 | added: Schulsportfest teilnehmen, und ab 1937 wurde ihnen der Besuch der allgemeinen | |
| 34 | added: Lehranstalten ganz verboten. Von den beiden Kindern Hanna, Jahrgang 1928, und | |
| 35 | added: Hans-Jürgen Blumenthal, Jahrgang 1931, konnte Hanna noch drei Jahre die | |
| 36 | added: Rössinger Schule besuchen. Die jüdische Kultusgemeinde in Hannover versuchte | |
| 37 | added: durch kulturelle Maßnahmen die weitere Schulbildung der Kinder zu übernehmen | |
| 38 | added: und Hanna wurde am 12. April 1937 nach Hannover abgemeldet. | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: Als sich nach dem 9. November 1938 niemand mehr getraute bei | |
| 41 | added: Blumenthals zu kaufen, mußten sie die Schlachterei schließen. Damit löste sich | |
| 42 | added: auch der geschlossene Familienverband der Blumenthals auf. Die Oma war | |
| 43 | added: gestorben, Hanna war in Hannover, Karl Blumenthal fand eine Stelle als Arbeiter | |
| 44 | added: beim Betonwerk R. Grasdorf in Hannover Wülfel, und die Familie lebte still und | |
| 45 | added: zurückgezogen und so unauffällig wie möglich im Dorf. | |
| 46 | added: | |
| 47 | added: **Druck und | |
| 48 | added: Diskriminierung** | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: 1935 waren den Juden ihre Staatsbürgerrechte aberkannt | |
| 51 | added: worden. Punkt 4 in Hitlers Parteiprogramm lautete: | |
| 52 | added: | |
| 53 | added: *Volksgenosse | |
| 54 | added: kann nur sein, wer arischen Blutes ist,* | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: *also | |
| 57 | added: kann kein Jude Volksgenosse sein.* | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: Damit waren die Juden rechtlos wie im Mittelalter und | |
| 60 | added: unbegrenzt besteuerbar. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurden | |
| 61 | added: sie mit einer Sondersteuer belegt als Strafe dafür, wie es hieß, daß der Jude | |
| 62 | added: Herschel Grynspan den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris | |
| 63 | added: erschossen hatte. Außerdem wurde die Kennzeichnung von jüdischen Pässen | |
| 64 | added: angeordnet. Sie wurden auf der Aussenseite mit einem 3 cm großen J versehen und | |
| 65 | added: die Passinhaber damit für alle sichtbar als Juden gekennzeichnet. | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: Viele Juden bemühten sich um Auswanderung, dabei wurden | |
| 68 | added: Teile ihres Vermögens als Sonderabgabe einbehalten. | |
| 69 | added: | |
| 70 | added: Diese betrug bei Vermögen | |
| 71 | added: | |
| 72 | added: bis 1.000 RM nichts | |
| 73 | added: | |
| 74 | added: 1.000 5.000 RM 0,5 | |
| 75 | added: % | |
| 76 | added: | |
| 77 | added: 5.000 10.000.RM 1,0 | |
| 78 | added: % | |
| 79 | added: | |
| 80 | added: Bei einem Vermögen von 800 000 RM bis 1 Mio RM wurde sie als | |
| 81 | added: Reichsfluchtsteuer bis auf 10 % gesteigert. | |
| 82 | added: | |
| 83 | added: Eine Reihe von Schriftstücken der Gestapo (Geheimen | |
| 84 | added: Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit befassten, wie mit den | |
| 85 | added: Juden verfahren werden sollte, waren so brisant, daß sie mit dem Stempel | |
| 86 | added: „streng vertraulich“ versehen wurden. | |
| 87 | added: | |
| 88 | added: Manchmal wurde die Ausreise der Juden von den Behörden | |
| 89 | added: gefördert, manchmal erschwert. Einmal weist der Reichsführer der SS die Gestapo | |
| 90 | added: an, daß die Landräte ab 1.Januar 1939 keine Dringlichkeitsbescheinigungen für | |
| 91 | added: Auslandsreisen jüdischer Mitbürger mehr ausstellen dürfen ; das hätte die | |
| 92 | added: Ausreise beschleunigt. So hat man mehr Zeit, sich die jüdischen Vermögen | |
| 93 | added: anzueignen. | |
| 94 | added: | |
| 95 | added: Am 28.Februar 1939 wird die Förderung der Auswanderung | |
| 96 | added: minderbemittelter Juden angeordnet. Ohne Vermögen waren sie uninteressant und | |
| 97 | added: man wollte sie loswerden. | |
| 98 | added: | |
| 99 | added: Aber auch das Ausland sperrte sich gegen die Aufnahme vor | |
| 100 | added: allem armer Juden. Verwandte mußten Bürgschaften übernehmen, andere hatten kaum | |
| 101 | added: eine Chance auszureisen. | |
| 102 | added: | |
| 103 | added: Am 1.September 1941 erging der Befehl zum sichtbaren Tragen | |
| 104 | added: des etwa 10 cm großen gelben Judensterns und zur Führung israelitischer | |
| 105 | added: Vornamen für die Juden. | |
| 106 | added: | |
| 107 | added: **Zwangsverkauf des | |
| 108 | added: Hauses** | |
| 109 | added: | |
| 110 | added: Am 24. Juni 1939 ergingen vom Landrat in Springe an alle | |
| 111 | added: jüdischen Familien Verkaufsaufforderungen betreffend ihrer Immobilien. Karl | |
| 112 | added: Blumenthal hatte schon am 6. Juni 1939 sein Haus an Otto Altendorf verkauft , | |
| 113 | added: nicht freiwilllig, versteht sich. Bei diesen Zwangsverkäufen mußten die | |
| 114 | added: arischen Käufer die Verkaufssumme an den Staat bezahlen. Von der Verkaufssumme | |
| 115 | added: erhielten die Verkäufer nur einen Bruchteil, das meiste behielt der Staat ein. | |
| 116 | added: Daher kamen nach dem Krieg die Differenzen zwischen den Alteigentümern und den | |
| 117 | added: Käufern, die in der Regel alles noch einmal bezahlen mussten. | |
| 118 | added: | |
| 119 | added: Blumenthals durften in ihrem Hause nur noch eine kleine | |
| 120 | added: Küche und zwei Zimmer bewohnen. Trotz ihres früheren guten Leumunds mied man | |
| 121 | added: die Familie. | |
| 122 | added: | |
| 123 | added: Inzwischen war Krieg, die Lebensmittel wurden rationiert und | |
| 124 | added: die Juden bekamen erheblich kleinere Rationen auf ihre Lebensmittelkarten. Zwar | |
| 125 | added: gab es auch Beweise von nachbarschaftlicher Hilfe, etwa, wenn ihnen heimlich an | |
| 126 | added: der Hintertür beim Melken ihre Kanne mit Milch gefüllt wurde oder die andern | |
| 127 | added: Hausbewohner einen Topf mit Mittagessen hinstellten. Aber es durfte keiner | |
| 128 | added: sehen, alle hatten Angst, als „Volksverräter" zu gelten. Die Familie des | |
| 129 | added: Schäfers Schmieding stand Todesängste aus, weil dieser für die Blumenthals ein Schaf | |
| 130 | added: geschlachtet hatte. | |
| 131 | added: | |
| 132 | added: Alle Tiere waren registriert und es wurde kontrolliert, ob | |
| 133 | added: die Anzahl der registrierten Tiere stimmte. Bei Opa Harke am Leinkamp ging es | |
| 134 | added: um Ziegen, als Karl Blumenthal eines Abends verstohlen an sein Fenster klopfte: | |
| 135 | added: „Kannst Du mir nicht noch einmal eine Ziege verkaufen?“ Aber diesmal ging es | |
| 136 | added: nicht. Der Enkel, der das damals mit ansah, berichtete es unter Tränen. | |
| 137 | added: | |
| 138 | added: --- | |
| 139 | added: | |
| 140 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1866.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 17 – Jugendtransporte ins Ausland" | |
| 4 | added: sidebar_position: 17 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland . Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausl" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Familienschicksale: | |
| 9 | added: Jugendtransporte ins Ausland** | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: . | |
| 12 | added: | |
| 13 | added: Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im | |
| 14 | added: NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausland. Es gab ausländische | |
| 15 | added: Organisationen, die Hilfsprogramme für gefährdete Jugendliche in Deutschland | |
| 16 | added: organisierten. Wenn den Eltern die Ausreise noch nicht gelang, sahen sie darin | |
| 17 | added: eine Chance, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Das geschah mit | |
| 18 | added: Billigung der NS-Behörden. | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: Auch die beiden Kinder von Gustav Blumenthal in Bochum, | |
| 21 | added: Werner und Lore, kamen in den Genuß solcher Maßnahmen, die Kinder ins | |
| 22 | added: europäische Ausland zu evakuieren, um sie dem Zugriff der Nazis zu entziehen. | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: Nachdem der Besuch der öffentlichen Schulen für jüdische | |
| 25 | added: Kinder verboten war, wurde Werner Blumenthal von seinem Vater nach Berlin | |
| 26 | added: gebracht, wo er in einer jüdischen Bildungsanstalt einen praktischen Beruf | |
| 27 | added: erlernen sollte. Nach der sog. Kristallnacht am 9. November 1938 wurde er von | |
| 28 | added: Berlin aus nach England geschickt. Mit Beginn des Krieges wurde er dort aber | |
| 29 | added: als feindlicher Ausländer interniert und nach Kanada verbracht, wo er fünf | |
| 30 | added: Jahre hinter Stacheldraht saß, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehren | |
| 31 | added: konnte. | |
| 32 | added: | |
| 33 | added: Seine Schwester Lore kam in ein holländisches Kloster, bevor | |
| 34 | added: die Deutschen in die Niederlande einfielen, während sich ihre Eltern krampfhaft | |
| 35 | added: um eine Ausreisemöglichkeit bemühten. Sie litt furchtbar unter Heimweh und | |
| 36 | added: fühlte sich todunglücklich. Als die Eltern glaubten, eine Ausreisechance nach | |
| 37 | added: Kuba zu haben, durfte sie zurückkommen. Aber diese Chance zerschlug sich wie so | |
| 38 | added: viele, und erst zum 27. Mai 1941 erhielten sie ihr Visum zur Einreise in die | |
| 39 | added: USA, die sie nach dramatischen Zwischenfällen am 25. August 1941 erreichten. | |
| 40 | added: | |
| 41 | added: Die Kinder von Karl Blumenthal, Hanna und Hans-Jürgen, hatten nicht so viel Glück. Sie hielten sich | |
| 42 | added: wiederholt längere Zeit in Hannover auf. Einmal war Hanna „Auf dem Emmerberg | |
| 43 | added: 31“ gemeldet und seit dem 7.4.1939 in Ahlem in der Israelitischen Gartenbauschule, wo sie noch Schulunterricht erhielt, | |
| 44 | added: zeitweilig zusammen mit ihrem Bruder Hans-Jürgen. Das Mädchenheim der Schule | |
| 45 | added: war im März 1941 von der Feuerschutzpolizei belegt worden, dann richtete die | |
| 46 | added: Stadt Hannover dort ein Ausweichkrankenhaus ein. Seit Ende 1941 dienten das | |
| 47 | added: Direktorenhaus und andere Gebäude der Schule als Sammellager für die Juden der | |
| 48 | added: Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, die in osteuropäische | |
| 49 | added: Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert werden sollten. Am 23. Juli | |
| 50 | added: 1942 wurde sie ganz geschlossen und von der Gestapo übernommen. | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: Der Landrat forderte am 23. Dezember 1941 und am 30. Januar | |
| 53 | added: 1942 noch einmal genaue Angaben über die Familie Blumenthal und den Aufenthalt | |
| 54 | added: der Kinder an, die zu diesem Zeitpunkt wieder in Rössing waren. Sie wurden | |
| 55 | added: einige Wochen später zusammen mit ihren Eltern nach Polen deportiert. | |
| 56 | added: | |
| 57 | added: Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß nach dem 2. Weltkrieg | |
| 58 | added: wurde festgestellt, daß am 31.Juli.1941 der Befehl zur sog. „Endlösung" | |
| 59 | added: der Judenfrage durch Vernichtung erteilt worden sei. Dieses Datum wird aber | |
| 60 | added: heute in Frage gestellt. Die NS- Gesetzgebung war schon viel früher auf den Holocaust perspektiviert. | |
| 61 | added: | |
| 62 | added: --- | |
| 63 | added: | |
| 64 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_3785.html).* | |
| @@ -0,0 +1,168 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Familienschicksale: Der letzte Teil der Tragödie beginnt" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 18 – Der letzte Teil der Tragödie" | |
| 4 | added: sidebar_position: 18 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale: Der letzte Teil der Tragödie beginnt Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landra" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Familienschicksale: | |
| 9 | added: Der letzte Teil der Tragödie beginnt** | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der | |
| 12 | added: Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit | |
| 13 | added: befassten, wie mit den Juden verfahren | |
| 14 | added: werden sollte, wurden nur den obersten Spitzen der Behörden zugestellt. Die | |
| 15 | added: untergeordneten Instanzen bekamen immer nur Teilaufträge, so daß die Wenigsten | |
| 16 | added: den schaurigen Weg, den die Juden gehen | |
| 17 | added: mußten, vollständig übersehen konnten. | |
| 18 | added: | |
| 19 | added: Am 25. März 1942 | |
| 20 | added: werden der Familie Blumenthal vier Verfügungen zugestellt, für jedes | |
| 21 | added: Familienmitglied eine. Sie hätten sich drei Tage später, am 28. März 1942, zum | |
| 22 | added: Abtransport mit einem LKW bereitzuhalten. Es handelt sich um Karl (47), seine | |
| 23 | added: Frau (43), Tochter Hanna (14) und Sohn Hans-Jürgen (11). | |
| 24 | added: | |
| 25 | added: *Jeder | |
| 26 | added: zu evakuierende Jude muß mitbringen* | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: *1.) | |
| 29 | added: 1 Koffer oder Rucksack mit Ausrüstungsstücken* | |
| 30 | added: | |
| 31 | added: *(kein | |
| 32 | added: sperrendes Gut) bis 50 kg* | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: *2.) | |
| 35 | added: Vollständige Bekleidung (ordentliches Schuhwerk)* | |
| 36 | added: | |
| 37 | added: *Bettzeug | |
| 38 | added: mit Decken (keine Matratzen)* | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: *3.) | |
| 41 | added: Transportverpflegung für etwa 3 Tage,* | |
| 42 | added: | |
| 43 | added: *Essgeschirr | |
| 44 | added: (Teller oder Topf mit Löffel)* | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: Offiziell hieß es, es ginge zum Arbeitseinsatz nach Polen. | |
| 47 | added: Ein LKW mit Anhänger sammelte die Juden aus dem Landkreis Springe auf | |
| 48 | added: vorgeschriebener Route am 28. März 1942 im Laufe des Vormittags ein. Die | |
| 49 | added: zweiköpfige Begleitmannschaft musste von der Gendarmerie gestellt werden, nicht | |
| 50 | added: von einer uniformierten NS-Organisation. Der Abtransport wäre sonst wohl | |
| 51 | added: weniger problemlos verlaufen. Der Transport ging zunächst zur Israelitischen | |
| 52 | added: Gartenbauschule nach Hannover-Ahlem. Dort war ein Sammellager | |
| 53 | added: eingerichtet, und am 31.März 1942, also | |
| 54 | added: drei Tage später, ging ein Transportzug vom Bahnhof Fischerhof nach Trawniki | |
| 55 | added: bei Lublin ab. | |
| 56 | added: | |
| 57 | added: Die nüchterne Sprache der aufgefundenen Aktenstücke ist | |
| 58 | added: erschreckend, wenn man weiß, daß es sich um eine Reise ohne Wiederkehr | |
| 59 | added: handelte. | |
| 60 | added: | |
| 61 | added: Das vierseitige „vertrauliche“ Schreiben der Gestapo vom 19. | |
| 62 | added: März 1942 an den Landrat betr. der „Abwanderung" der Juden nach Trawniki | |
| 63 | added: bei Lublin in Polen, der die Einzelheiten der Abschiebung regelt, ist im | |
| 64 | added: Original erhalten. Da die Originalschriftstücke auf sehr schlechtem, vergilbtem | |
| 65 | added: Kriegspapier geschrieben sind, werden | |
| 66 | added: hier nur einige Auszüge zitiert: | |
| 67 | added: | |
| 68 | added: Seite 1 | |
| 69 | added: | |
| 70 | added: *Der | |
| 71 | added: Transportzug D a 6 (sogenannter Koppelzug) wird fahrplanmäßig* | |
| 72 | added: | |
| 73 | added: *am | |
| 74 | added: 31.März 1942 um 12,12 Uhr in Gelsenkirchen eingesetzt und trifft mit 400 Juden | |
| 75 | added: der Staatspolizeileitstelle Münster um 18,15 Uhr in Hannover, Bahnhof | |
| 76 | added: Fischerhof, ein. Hier erfolgt die Zuladung der für Hannover (bzw. Hildesheim) abzuschiebenden | |
| 77 | added: 500 Juden und die Einrangierung der benötigten Güterwagen und des B-Wagens für | |
| 78 | added: das Begleitkommando der Schutzpolizei. Um 18,36 Uhr fährt der Transportzug nach | |
| 79 | added: Braunschweig weiter und trifft dort um 20,05 Uhr ein. Die | |
| 80 | added: Staatspolizeileitstelle Braunschweig ladet die von ihr vorgesehen Juden (116) | |
| 81 | added: und das zugehörige Gepäck zu, so daß die endgültige Weiterfahrt des D a | |
| 82 | added: 6-Transportzuges nach Trawniki bei Lublin um 20.16 Uhr erfolgen kann.* | |
| 83 | added: | |
| 84 | added: *Die | |
| 85 | added: Auswahl der von der Maßnahme betroffenen Juden für die Regierungsbezirke | |
| 86 | added: Hannover und Hildesheim trifft die Staatspolizeileitstelle Hannover.* | |
| 87 | added: | |
| 88 | added: ***Nicht abgeschoben werden******zunächst:*** | |
| 89 | added: | |
| 90 | added: 1. In deutsch-jüdischer Mischehe lebende | |
| 91 | added: Juden | |
| 92 | added: | |
| 93 | added: 2. Juden ausländischer einschließlich | |
| 94 | added: sowjetrussischer Staatsangehörigkeit----- | |
| 95 | added: | |
| 96 | added: 3. In geschlossenen kriegswichtigen | |
| 97 | added: Arbeitseinsatz befindliche Juden------ | |
| 98 | added: | |
| 99 | added: Seite 2 / 3 | |
| 100 | added: | |
| 101 | added: *Ehetrennung, | |
| 102 | added: sowie Trennung von Kindern bis zu 14 Jahren von den Eltern ist zu vermeiden.* | |
| 103 | added: | |
| 104 | added: ***Jeder abzuschiebende Jude hat sein | |
| 105 | added: Bargeld, seine Wertpapiere, Sparkassenbücher, sonstige Wertgegenstände, wie | |
| 106 | added: Schmucksachen, Ringe, Halsketten, Armbänder usw. bei seiner Festnahme bei sich | |
| 107 | added: zu führen. Alle diese Gegenstände werden ihm bei der Durchsuchung der Koffer | |
| 108 | added: und der Leibesvisitation im Sammellager Ahlem abgenommen. Keinesfalls dürfen Juden | |
| 109 | added: Bargeld oder Wertgegenstände auf dem Transport mitnehmen. Nur Eheringe dürfen | |
| 110 | added: den Juden belassen werden.*** | |
| 111 | added: | |
| 112 | added: *Für | |
| 113 | added: die aus dem Regierungsbezirk Hildesheim abzuschiebenden Juden werden vorstehend | |
| 114 | added: bezeichnete Sachen von der Außenstelle Hildesheim bereits in eigener | |
| 115 | added: Zuständigkeit abgenommen.* | |
| 116 | added: | |
| 117 | added: *Alles | |
| 118 | added: bewegliche und unbewegliche Vermögen der abzuschiebenden Juden wird mit | |
| 119 | added: Rückwirkung vom 1.3.1942 staatspolizeilich beschlagnahmt und eingezogen. Die | |
| 120 | added: Verwertung des eingezogenen Judenvermögens wird der Oberfinanz-präsident | |
| 121 | added: durchführen.* | |
| 122 | added: | |
| 123 | added: *Über | |
| 124 | added: die Kosten des LKW-Transportes wird der Gestapo vom Landkreis eine Rechnung | |
| 125 | added: zugestellt.* | |
| 126 | added: | |
| 127 | added: Der Befehl für diesen LKW-Transport wurde nicht schriftlich | |
| 128 | added: erteilt, sondern bezog sich auf eine mündliche Anweisung vom 10. Januar 1942, | |
| 129 | added: die die Gestapo dem Landrat übermittelt hatte. | |
| 130 | added: | |
| 131 | added: Quelle: NHSA Hann 174 Springe 162 | |
| 132 | added: | |
| 133 | added: In der Einwohnerliste der Juden in Rössing wurden die Namen | |
| 134 | added: dann einfach durchgestrichen. Unter “Bemerkungen“ steht bei jedem Einzelnen: „*evakuiert | |
| 135 | added: am 28. März.1942“* | |
| 136 | added: | |
| 137 | added: Der Gendarmerieeinzelposten Rössing vermeldet ganz lapidar | |
| 138 | added: dem Landrat am 29. März.1942 Vollzug mit dem Bericht, daß die Familie | |
| 139 | added: Blumenthal in Rössing am 28. März.1942 nach dem Osten abtransportiert worden | |
| 140 | added: ist. | |
| 141 | added: | |
| 142 | added: Quelle: NHSA Hann 174 | |
| 143 | added: Nr. 162 | |
| 144 | added: | |
| 145 | added: **Nachtrag** | |
| 146 | added: | |
| 147 | added: Bei ihrem Abtransport ahnte Familie Blumenthal noch nicht, | |
| 148 | added: was ihr bevorstand. Sie glaubten an einen Arbeitseinsatz in Polen und daß man | |
| 149 | added: sie dort in Polen zusammen ansiedeln würde. Frau Blumenthal hatte ihre | |
| 150 | added: Nähmaschine in die Gepäckaufbewahrung zum Bahnhof Barnten gebracht, eine | |
| 151 | added: Nachbarin sollte sie ihr nachschicken, wenn sie ihre neue Adresse hätte, damit | |
| 152 | added: sie sich durch Nähen etwas dazuverdienen könnte. Was wirklich geschah, hätte | |
| 153 | added: sich niemand vorstellen können. | |
| 154 | added: | |
| 155 | added: Karl Algermissen aus Rössing hat als Soldat in Polen Karl | |
| 156 | added: Blumenthal noch einmal in der Nähe von Warschau bei Gleisarbeiten in einem | |
| 157 | added: erbärmlichen Zustand getroffen: „Karl, was machst Du denn hier?“ fragte er ihn | |
| 158 | added: ganz entsetzt. „Geh weiter, geh weiter“ sagte dieser nur. Am nächsten Tag | |
| 159 | added: wollte Algermissen ihm etwas zu Essen bringen, aber er hat Karl Blumenthal | |
| 160 | added: nicht wieder getroffen. Das war das letzte Lebenszeichen von der Familie | |
| 161 | added: Blumenthal. Wie sie alle gestorben sind, wissen wir nicht. | |
| 162 | added: | |
| 163 | added: Der Hausrat der Familie Blumenthal wurde auf dem Hof ihres | |
| 164 | added: Hauses versteigert und der Erlös dem Finanzamt zugeführt. | |
| 165 | added: | |
| 166 | added: --- | |
| 167 | added: | |
| 168 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1400.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Die Schicksale der vier anderen Brüder" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 19 – Die vier anderen Brüder" | |
| 4 | added: sidebar_position: 19 | |
| 5 | added: description: "Die Schicksale der vier anderen Brüder Robert Blumenthal Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit i" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Die Schicksale der vier anderen Brüder** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: **Robert Blumenthal** | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen | |
| 13 | added: kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit in Wiesbaden. Mit seiner Frau Edith | |
| 14 | added: hat er zwei Kinder. Ab Juli 1934 wohnt er wieder in Rössing, am 8.6.1936 zieht | |
| 15 | added: die Familie nach Hannover, wohnt in der | |
| 16 | added: Nordmannstrasse 11. Später lebt die Familie in der Josephstraße 2., in | |
| 17 | added: einem Haus, in dem jüdischen Familien | |
| 18 | added: zusammengezogen werden. Am 15. Dezember 1941 wird die Familie mit dem ersten | |
| 19 | added: Transport, der in einem Vernichtungslager endete, nach Riga verbracht und kommt | |
| 20 | added: dort um. | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Quelle: Erinnerungsblatt der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **Willi Blumenthal** | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Roberts ein Jahr jüngerer Bruder Willi hatte 1933 in eine Schlachterei in Horn (Lippe) | |
| 27 | added: eingeheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Die Kinder und die Mutter sind vom | |
| 28 | added: Terrorregime des NS ermordet worden. | |
| 29 | added: Willi Blumenthal hatte ein besonderes Schicksal. | |
| 30 | added: | |
| 31 | added: Er war als KZ-Häftling in Frankreich zum Bau von Befestigungsanlagen | |
| 32 | added: eingesetzt worden und sollte, als er nicht mehr arbeitsfähig war, zusammen mit | |
| 33 | added: seinen Leidensgenossen in Güterwaggons nach dem Osten zur Vernichtung | |
| 34 | added: abtransportiert werden. Irgendwie schaffte er es, sich eine Zange zu | |
| 35 | added: organisieren. Auf dem Weg durch Belgien gelang es ihm, damit den Waggon | |
| 36 | added: aufzubrechen und aus dem fahrenden Zug zu springen. Belgische Bauern fanden und | |
| 37 | added: versorgten ihn, bis die Amerikaner im Frühjahr 1945 einrückten und er befreit | |
| 38 | added: wurde. | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: Als er sich nach Kriegsende mit seinen Brüdern in den USA in | |
| 41 | added: Verbindung setzt, ermöglichen sie ihm die Ausreise nach Amerika. Er arbeitet | |
| 42 | added: dort wieder als Metzger und heiratet noch einmal. Willi Blumenthal besucht noch | |
| 43 | added: einmal seine Heimat in Rössing, 1983 | |
| 44 | added: stirbt er in New York. | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: **Hermann Blumenthal** | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: Er war der zweitälteste der fünf Brüder und nicht | |
| 49 | added: verheiratet. Er wohnt zeitlebens bei der Familie seines ältesten Bruders | |
| 50 | added: Gustav, mit dem ihn eine enge geschäftliche und menschliche Beziehung | |
| 51 | added: verbindet. In Bochum sind sie Inhaber oder Teilhaber eines größeren | |
| 52 | added: Textilgeschäftes oder -kaufhauses und sehr wohlhabend. Nachdem die Nazis sie | |
| 53 | added: enteignet und ihr Geschäft „arisiert“ haben, | |
| 54 | added: eröffnen sie ein kleines Etagengeschäft für Stoffe und Kurzwaren. Als | |
| 55 | added: ihnen am 9. November 1938 auch diese Existenz zerstört wird und sie ins | |
| 56 | added: Konzentrationslager nach Sachsenhausen gebracht werden, schmieden sie, als sie | |
| 57 | added: nach sechs Wochen entlassen werden, notgedrungen Auswanderungspläne. | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: Hermann erlernt in weiser Voraussicht das Schweißen, um sich | |
| 60 | added: eventuell mit einem handwerklichen Beruf durchzuschlagen - was sich als sehr | |
| 61 | added: nützlich erwies, als ihm im Frühjahr 1940 die Ausreise in die USA nach | |
| 62 | added: Überwindung großer Schwierigkeiten gelingt. Dort findet er wirklich Arbeit als | |
| 63 | added: Schweißer und arbeitet an zwei Stellen, um die Bürgschaften für seinen Bruder | |
| 64 | added: und dessen Familie zusammen zu bringen, damit auch sie in die USA ausreisen | |
| 65 | added: können. | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: **Gustav Blumenthal** | |
| 68 | added: | |
| 69 | added: Gustav Blumenthal lebte mit seiner Familie in sehr guten | |
| 70 | added: Verhältnissen, bevor der Terror gegen die Juden das glückliche Familienleben | |
| 71 | added: zerstört. Sein Sohn Werner muß als Fünfzehnjähriger Schüler, ebenso wie seine | |
| 72 | added: drei Jahre jüngere Schwester Lore, das Gymnasium verlassen. Er besucht dann | |
| 73 | added: eine „ORT-Schule“ bei Berlin, um eine Schlosserlehre zu machen. Mit Hilfe eines | |
| 74 | added: internationalen Schutzprogramms für gefährdete Jugendliche gelangt er noch vor Beginn des Krieges nach England. Seine | |
| 75 | added: Eltern sieht er erst 1946 wieder. Seine Schwester Lore kommt, ebenfalls mit | |
| 76 | added: einem Kinderschutzprogramm, | |
| 77 | added: vorübergehend nach Holland. | |
| 78 | added: | |
| 79 | added: Als sich Gustav Blumenthal, dem Vater, die Chance bietet, | |
| 80 | added: eine Stellung in einem Reisebüro bei Hapag-Lloyd zu bekommen, schafft er es mit | |
| 81 | added: Glück und einem nicht legalen Trick , eine Schiffs-Passage für sich und die | |
| 82 | added: Familie zu erhalten. Im Sommer 1941 reist die Familie in die USA aus und | |
| 83 | added: schwört, niemals im Leben wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen – sie | |
| 84 | added: haben diesen Schwur gehalten und können es absolut nicht verstehen, als ihr | |
| 85 | added: Sohn Werner wieder nach Deutschland | |
| 86 | added: zurück will. Sie leben bis zu ihrem Tode in New York. Gustav stirbt 1966 mit 73 | |
| 87 | added: Jahren, Hermann 1978 mit 81 Jahren und | |
| 88 | added: Gustavs Frau Erna 1982 mit 87 Jahren. | |
| 89 | added: | |
| 90 | added: --- | |
| 91 | added: | |
| 92 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5058.html).* | |
| @@ -0,0 +1,298 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Schicksale weiterer jüdischer Mitbürger" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 20 – Weitere Schicksale" | |
| 4 | added: sidebar_position: 20 | |
| 5 | added: description: "Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland. Lore Blumenthal berichtet 1995: Ich schreibe diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner." | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: # Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland. | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: # | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: # Lore Blumenthal berichtet 1995: | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: *Ich schreibe | |
| 15 | added: diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner. So oft ich auch | |
| 16 | added: versuchte ihm davon zu erzählen, was damals geschah, konnte ich mein Vorhaben | |
| 17 | added: nicht zu Ende bringen. Zugleich hoffe ich, mir hiermit das Geschehen von der | |
| 18 | added: Seele schreiben zu können.* | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: *\* \* \** | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: *In der Nacht des 8. November 1938, vielmehr | |
| 23 | added: in den frühen Morgenstunden des 9. November – es war etwa 2 Uhr – schellte es | |
| 24 | added: ohne Unterbrechung. Man hatte ein Streichholz neben den Klingelknopf geklemmt. | |
| 25 | added: Man versetzte uns zunächst in Schrecken, während man dabei war, eine andere | |
| 26 | added: Wohnung in der Nähe zu demolieren.* | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: *Papa brachte | |
| 29 | added: Mutti, Opa und mich ganz leise auf den Dachboden und schloß uns dort in einen | |
| 30 | added: kleinen Raum ein. Er selbst und Hermann blieben unten in der Wohnung.* | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: *Endlich hatten die | |
| 33 | added: Nazis ihr Werk weiter unten auf der Straße beendet und nun waren wir an der | |
| 34 | added: Reihe: Etwa 20 bis 25 SA-Leute jagten Papa und Hermann aus unserer Wohnung ins | |
| 35 | added: Treppenhaus. Dort mußten sie mit dem Gesicht zur Wand und hoch erhobenen Händen | |
| 36 | added: stehen bleiben. Die SA-Leute trugen alle hölzerne oder stählerne Knüppel bei | |
| 37 | added: sich (wahrscheinlich waren es die üblichen Gummiknüppel, Anm. d. Verfassers). | |
| 38 | added: Ob sie Papa oder Hermann geschlagen haben, weiß ich nicht. Keiner von beiden | |
| 39 | added: hätte uns davon erzählt.* | |
| 40 | added: | |
| 41 | added: *Oben auf dem Boden | |
| 42 | added: hörten Mutti und ich lautes Krachen und wir zitterten am ganzen Leibe. Opa war | |
| 43 | added: doch taub und so war es nicht leicht, ihn zu beruhigen, zumal wir uns ihm in | |
| 44 | added: der Dunkelheit nicht verständlich machen konnten. Nach den längsten zwei | |
| 45 | added: Stunden in unserm Leben wurde es wieder ruhig und Papa kam, um uns zu holen.* | |
| 46 | added: | |
| 47 | added: *Als wir in unsere | |
| 48 | added: Wohnung kamen, sahen wir, dass alles kaputtgeschlagen war. Überall lag | |
| 49 | added: zerbrochenes Glas. Papa sagte zu Mutti: Alles ist ruiniert. Muttis Antwort: | |
| 50 | added: Hauptsache, dass dir nichts passiert ist.!* | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: *Jedes Bild war | |
| 53 | added: zerschnitten, jedes Einrichtungsteil zerschlagen. Silber, sowie Bettwäsche | |
| 54 | added: waren aus dem Fenster geworfen, Muttis Schmuck war gestohlen worden. Man konnte | |
| 55 | added: sich nirgends hinsetzen, da alles voller Glasscherben war. Wir versuchten ein | |
| 56 | added: wenig wegzuräumen, damit Mutti sich etwas hinlegen konnte. Inzwischen dämmerte | |
| 57 | added: es schon.* | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: *Ich schaute aus dem bleiverglasten, bunten Fenster in Opas | |
| 60 | added: Zimmer, wo ich selbst nicht gesehen werden konnte. Von dort aus sah ich, wie | |
| 61 | added: die Synagoge brannte.* | |
| 62 | added: | |
| 63 | added: *Gegen 8 oder 9 Uhr | |
| 64 | added: vormittags kam wieder eine Horde SA-Leute und verhafteten Papa und Hermann. | |
| 65 | added: Sie, wie alle andern männliche Juden in Bochum, brachte man auf die | |
| 66 | added: Polizeiwache.* | |
| 67 | added: | |
| 68 | added: *An diesem Tag | |
| 69 | added: hatten die Kinder schulfrei. Etliche folgten einem SA-Mann, der mal bei uns | |
| 70 | added: angestellt gewesen war, und der sie aufforderte, Steine in unsere Wohnung zu | |
| 71 | added: werfen und so noch das letzte heile Glas zu zertrümmern. Wir schlossen alle | |
| 72 | added: Türen und verbrachten die meiste Zeit des Tages im Flur, damit wir nicht selbst | |
| 73 | added: von Steinen getroffen wurden. Da wir die Nacht nicht in der Wohnung verbringen | |
| 74 | added: konnten, gingen wir eine Etage höher zu Lyons, die uns erlaubten, in ihrer | |
| 75 | added: Küche zu schlafen. Am nächsten Tag halfen Karl-Heinz und Frau Müller uns bei | |
| 76 | added: dem Versuch aufzuräumen.* | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: *Wenige Tage nach | |
| 79 | added: ihrer Verhaftung wurden Papa und Hermann in Viehwagen in das KZ Sachsenhausen | |
| 80 | added: bei Berlin transportiert. Erstmals musste Mutti allein die Verantwortung für | |
| 81 | added: uns tragen.* | |
| 82 | added: | |
| 83 | added: *Zu dieser Zeit war | |
| 84 | added: Werner in Berlin, ging dort zur ORT-Schule, um eine Schlosserlehre zu machen. | |
| 85 | added: Er war gerade 15 Jahre alt – aber die Gestapo in Bochum suchte ihn. Kurz darauf | |
| 86 | added: ergab sich für 10 Jungen der ORT – Schule die Möglichkeit, mit einem | |
| 87 | added: Kindertransport nach England auszureisen. Werner sollte dabei sein. Mutti war | |
| 88 | added: bemüht, ihn sicher auf den Transport zu bringen. Als dann der Krieg ausbrach, | |
| 89 | added: wurden Werner und die andern Jugendlichen zu „feindlichen Ausländern“, später | |
| 90 | added: interniert und für einige Jahre in Kanada hinter Stacheldraht verbannt.* | |
| 91 | added: | |
| 92 | added: *In Bochum war | |
| 93 | added: Mutti immer wieder zur Gestapo gegangen | |
| 94 | added: - das fiel ihr | |
| 95 | added: verständlicherweise sehr schwer -, um sich | |
| 96 | added: nach Papa und Hermann zu erkundigen. | |
| 97 | added: Nach etwa sechs Wochen sagte man ihr, dass Papa entlassen würde, was | |
| 98 | added: dann auch passierte.* | |
| 99 | added: | |
| 100 | added: *Als Papa das KZ | |
| 101 | added: Sachsenhausen verlassen konnte, war sein erster Weg zu der Adresse, wo Werner | |
| 102 | added: in Berlin gewohnt hatte. Dort erfuhr er, dass dieser nach England emigriert | |
| 103 | added: war. Das traf ihn zunächst schwer, doch zugleich war er glücklich, seinen Sohn | |
| 104 | added: in Sicherheit zu wissen. Endlich kam Papa nach Hause. Seine Haare waren | |
| 105 | added: abrasiert, sein Anzug kaum wieder zu erkennen, so zerknittert war er. In | |
| 106 | added: Sachsenhausen hatte man alle Kleider in irgendeiner Desinfektionsmaschine so | |
| 107 | added: behandelt, dass sie nie wieder glatt werden konnten. Etwa zwei Wochen später | |
| 108 | added: kam auch Hermann.* | |
| 109 | added: | |
| 110 | added: *- Es begannen | |
| 111 | added: verstärkt die Mühen, eine Ausreisemöglichkeit aus Deutschland zu finden. Papa | |
| 112 | added: versuchte es mit jedem erdenkbaren Land: Argentinien, Chile, Brasilien usw. Aber alle Staaten hatten ihre Grenzen | |
| 113 | added: geschlossen. In ihrer Verzweiflung beschloß die Familie, einen illegalen Ausweg | |
| 114 | added: zu finden. Man wollte nachts durch den Wald über die Grenze nach Belgien | |
| 115 | added: marschieren. Menschen, die uns „über die grüne Grenze“ brngen wollten, waren | |
| 116 | added: gefunden, bezahlt und alles war vorbereitet. In letzter Minute gab Papa einer | |
| 117 | added: bösen Ahnung nach und es wurde entschieden, die Sache abzublasen. Alle Leute, | |
| 118 | added: die in dieser Nacht den gleichen Weg wählten, wurden erfasst und erschossen.* | |
| 119 | added: | |
| 120 | added: *Juden durften nur noch zwischen vier und fünf Uhr | |
| 121 | added: nachmittags einkaufen. Da alle Lebensmittel schon rationiert waren, gab es um | |
| 122 | added: diese Zeit kaum noch etwas zu kaufen. Einige Läden weigerten sich auch, uns zu | |
| 123 | added: bedienen. Nichtjüdische Freunde sorgten dafür, dass wir dennoch bekamen, was | |
| 124 | added: wir brauchten.* | |
| 125 | added: | |
| 126 | added: *1939 wurde ich mit | |
| 127 | added: einem Kindertransport nach Holland geschickt. Es war für mich eine schreckliche | |
| 128 | added: Zeit. Ich hatte furchtbares Heimweh.* | |
| 129 | added: | |
| 130 | added: *Kurz nach meiner | |
| 131 | added: Abreise nach Holland beschlagnahmte die Gestapo unsere Wohnung. Die SS brauchte | |
| 132 | added: sie. Zu unserm Glück hatten wir so gute Freunde wie Lewkonjas, die Mutti, Papa | |
| 133 | added: und Hermann bei sich aufnahmen. Opa hatte die Familie bereits in ein Altersheim | |
| 134 | added: eingekauft, in der Hoffnung, dass er dort seinen Lebensabend unter | |
| 135 | added: seinesgleichen verbringen könnte. Er kam dennoch nach Theresienstadt und kam | |
| 136 | added: dort um.* | |
| 137 | added: | |
| 138 | added: *Papa war damit beschäftigt, vielen jüdischen Familien in | |
| 139 | added: Bochum bei dem vielen Papierkram zu helfen, der zur Emigration anfiel. Die | |
| 140 | added: Hapag, ein Reisebüro in Essen, hatte ihn angestellt; so konnte er den | |
| 141 | added: Auswanderern bei der Beschaffung ihrer Passagen behilflich zu sein.* | |
| 142 | added: | |
| 143 | added: *Endlich konnte Papa Visa für Kuba bekommen. Die Gestapo | |
| 144 | added: liess mich grosszügig aus Holland zurückkommen - für drei Tage! - ,um dann mit der Familie | |
| 145 | added: nach Kuba auszureisen. Hermann holte mich an der Grenze ab. Als wir zu Hause | |
| 146 | added: ankamen, machte uns Mutti die Türe auf. Sie war weiss wie ein Gespenst. Gerade | |
| 147 | added: hatten sie die Nachricht erhalten, dass auch Kuba seine Grenzen geschlossen | |
| 148 | added: hatte.* | |
| 149 | added: | |
| 150 | added: *Was mich betraf: | |
| 151 | added: Ich war glücklich, wieder bei der Familie sein zu können. Da die Gestapo wußte, | |
| 152 | added: dass wir verzweifelt versuchten auszuwandern, machte man uns keine zusätzlichen | |
| 153 | added: Schwierigkeiten. Zu dieser Zeit mußte jeder jüdische Mann den Namen Israel, | |
| 154 | added: jede Frau den Namen Sara annehmen.* | |
| 155 | added: | |
| 156 | added: *Eines Tages wurde | |
| 157 | added: allen polnischen Juden befohlen, binnen zwei Stunden zur Deportation auf dem | |
| 158 | added: Bahnhof zu erscheinen. Sie durften jeweils nur einen Koffer mitnehmen. Mutti, | |
| 159 | added: Papa und Hermann sowie auch Lewkonjas stellten Tische auf dem Bahnsteig auf; | |
| 160 | added: Mutti, und Grete Lewkonja schmierten Brote für die Betroffenen, Papa und die | |
| 161 | added: andern halfen ihnen bei ihrem Gepäck. In ihrer Aufregung und der Eile hatten | |
| 162 | added: sie die unwichtigsten Dinge eingepackt. Papa sorgte dafür, dass möglichst jeder | |
| 163 | added: eine Decke und warme Kleidung dabei hatte anstelle unnützer Dinge.* | |
| 164 | added: | |
| 165 | added: *An diesem Abend | |
| 166 | added: ließ Papa jeden von uns einen Koffer packen – nur warme und feste Kleidung. | |
| 167 | added: Diese Koffer sollten unter den Betten und immer bereit bleiben.* | |
| 168 | added: | |
| 169 | added: *Damals gab es fast | |
| 170 | added: nächtlich Bombenangriffe und wir verbrachten die meiste Zeit im | |
| 171 | added: Luftschutzkeller. Wir gingen angezogen ins Bett, da wir sonst zum Anziehen | |
| 172 | added: keine Zeit haben würden. Manchmal stand ich im Dunkeln mit Papa am Fenster und | |
| 173 | added: wir beobachteten Luftkämpfe zwischen deutschen und britischen Fliegern.* | |
| 174 | added: | |
| 175 | added: *Nun suchte Papa | |
| 176 | added: nach Wegen, in die USA zu kommen. Da wir dort keine Verwandten hatten, | |
| 177 | added: brauchten wir dazu erhebliche Bürgschaften. Unser guter Freund Felix Röttgen, | |
| 178 | added: der bereits in Amerika war, schlug vor, dass Hermann erst allein kommen solle. | |
| 179 | added: Es wäre leichter, eine Bürgschaft für eine Person zu bekommen und würde für uns | |
| 180 | added: einfacher, da wir dann ja einen Verwandten dort hätten.* | |
| 181 | added: | |
| 182 | added: *Hermann fuhr | |
| 183 | added: schließlich allein, mit schwerem Herzen. Seit vielen Jahren trennte er sich | |
| 184 | added: erstmals von uns, seiner Familie. Als er erst einmal dort war, gelang es ihm | |
| 185 | added: mit Felix, ausreichende Bürgschaften für uns zu bekommen.* | |
| 186 | added: | |
| 187 | added: *Als schliesslich unsere Quotennummer beim amerikanischen | |
| 188 | added: Konsulat an die Reihe kam forderte man uns auf, zu einem bestimmten Zeitpunkt | |
| 189 | added: dort zu erscheinen. Wir sollten einen Beweis vorlegen, daß wir im Besitz einer | |
| 190 | added: Überfahrtsbuchung waren. Was Papa uns erst viel später erzählte: Er hatte eine | |
| 191 | added: Scheinbuchung gemacht, die aber die Unterschrift des Hapag-Managers trug. In | |
| 192 | added: seinem Vertrauen zu Papa hatte er die | |
| 193 | added: Papiere unterschrieben ohne zu wissen, dass sie falsch waren. Während der | |
| 194 | added: ganzen Zeit hatte Papa auch Geld an die Hapag in Madrid für uns überwiesen, um | |
| 195 | added: damit eines Tages eine echte Passage nach Amerika buchen zu können.* | |
| 196 | added: | |
| 197 | added: *Schließlich fuhren | |
| 198 | added: wir nach Stuttgart zum amerikanischen Konsulat. Unsere Fingerabdrücke wurden | |
| 199 | added: registriert und wir mussten zu einer ärztlichen Untersuchung. Vor lauter Angst | |
| 200 | added: war ich leichenblass, worauf Mutti mich ständig in die Wangen kniff, damit ich | |
| 201 | added: gesunder aussehe. Sie selbst half sich mit etwas mehr Rouge.* | |
| 202 | added: | |
| 203 | added: *Wir erhielten | |
| 204 | added: unsere Visa zur Einreise in die USA am 27. Mai 1941. Onkel Pitz brachte uns zum | |
| 205 | added: Flughafen. Es war schwer, Abschied zu nehmen. Wir wussten aber, dass Pitzens | |
| 206 | added: Nummer bald an die Reihe kommen und er uns nachfolgen würde. Als es sich von | |
| 207 | added: Papa verabschiede flüsterte er ihm zu: Gestern Abend hat das amerikanische | |
| 208 | added: Konsulat seine Pforten geschlossen. Das hiess, : Es gab keine Visa mehr für die | |
| 209 | added: USA. Da Papa ja wusste, wie sehr Mutti an ihrem Bruder hing, hat er ihr diese | |
| 210 | added: Nachricht erst einmal verschwiegen.* | |
| 211 | added: | |
| 212 | added: *Wir durften jeder | |
| 213 | added: 10 US-$ und nur einen Koffer mitnehmen. Mutti und ich hatten darum so viele | |
| 214 | added: Sachen angezogen, dass ich kaum gehen, geschweige denn atmen konnte.* | |
| 215 | added: | |
| 216 | added: *Nun waren wir | |
| 217 | added: endlich in der Maschine. Erste Landung: Münschen. Alle Passagiere mußten | |
| 218 | added: aussteigen und plötzlich waren wir drei ausgesondert, um von Kopf bis Fuss | |
| 219 | added: durchsucht zu werden. Mit all den Kleidungsstücken am Leib brauchte ich | |
| 220 | added: verständlicherweise sehr lange, um mich auszuziehen. Endlich durften wir wieder | |
| 221 | added: an Bord. Beim Abflug sagte Papa:“ Atmet tief durch, wir sind raus. Die nächste | |
| 222 | added: Landung ist in Lyon.“ Als wir dort landeten, kam uns als erstes ein SS-Mann vor | |
| 223 | added: die Augen. Zum Glück wurden wir nicht belästigt.* | |
| 224 | added: | |
| 225 | added: *Es ging weiter | |
| 226 | added: nach Madrid. Mir war die ganze Zeit über schlecht – kein Wunder, da ich vor | |
| 227 | added: lauter Kleidung kaum atmen konnte. In Madrid waren es fast 40° C, es war Juni. | |
| 228 | added: Ich entledigte mich darum erst einmal aller Anziehsachen bis auf ein Kleid.* | |
| 229 | added: | |
| 230 | added: *Papa hatte in | |
| 231 | added: Madrid für ein Hotelzimmer vorgesorgt, wiederum durch die Hapag, wir wussten | |
| 232 | added: also, wohin. In diesem Hotel wohnten auch zahlreiche andere Flüchtlinge. Am | |
| 233 | added: nächsten Tag bemühte sich Papa bei der Hapag um eine Passage in die USA.* | |
| 234 | added: | |
| 235 | added: *Nach einigen | |
| 236 | added: Wochen war endlich ein Schiff gefunden, das Platz für uns hatte. Es würde aber | |
| 237 | added: ab Lissabon fahren. Ich glaube, sein Name war „Balboa“. Nun ging es wieder Tag | |
| 238 | added: für Tag zur Jagd auf ein Visum ins portugiesische Konsulat. Und von Woche zu | |
| 239 | added: Woche verschob sich der Abfahrtstermin des Schiffes. Schliesslich sollte es | |
| 240 | added: übermorgen um 5.30 Uhr nachmittags ab Lissabon losgehen.* | |
| 241 | added: | |
| 242 | added: *Am nächsten Tag | |
| 243 | added: erhielten wir endlich unsere Visa für Portugal sowie einen Flug, der mittags um | |
| 244 | added: eins aus Madrid nach Lissabon starten sollte. Damit konnten wir gerade noch | |
| 245 | added: rechtzeitig das Schiff erreichen. Nun – wir kamen in ein kräftiges Gewitter. | |
| 246 | added: Der Pilot bemühte sich, dem Unwetter auszuweichen, hatte dann aber nicht mehr | |
| 247 | added: genug Treibstoff!. Kannst du dir Mutti vorstellen im Flugzeug bei einem | |
| 248 | added: Gewitter?!* | |
| 249 | added: | |
| 250 | added: *Wir mussten | |
| 251 | added: Notlandung in Casanez machen. Dort gab | |
| 252 | added: es nur eine kleine Landebahn, nur einen Krug voll Wasser, aber kein Benzin. Das | |
| 253 | added: musste erst aus Madrid besorgt werden. Man brachte uns auf Kosten der | |
| 254 | added: Fluggesellschaft in einem Hotel unter. Die Räume waren aber voller Ungeziefer | |
| 255 | added: und wir blieben die ganze Nacht auf. Natürlich hatte inzwischen unser Schiff | |
| 256 | added: den Hafen ohne uns verlassen. Am nächsten Tag kam das Benzin und wie konnten | |
| 257 | added: weiterfliegen.* | |
| 258 | added: | |
| 259 | added: *In Lissabon brachte Papa Mutti und mich wieder in ein Hotel | |
| 260 | added: und ging sofort zur „Hias“, um Hilfe zu bekommen. Als erstes holte man uns aus | |
| 261 | added: dem offenbar teuren Hotel heraus und brachte uns bei einer jüdischen Familie in | |
| 262 | added: Lissabon unter.* | |
| 263 | added: | |
| 264 | added: *Die „Hias“ ist | |
| 265 | added: eine jüdische Hilfsorganisation, die nicht nur jüdischen Menschen zur Verfügung | |
| 266 | added: steht sondern allen, die Hilfe brauchen. Jeden Tag ging Papa dort hin, um eine | |
| 267 | added: andere Passage aufzutreiben. Schliesslich sagte man ihm, dass schon morgen ein | |
| 268 | added: amerikanisches Schiff führe, dass aber nur eine Kabine zur Verfügung stehe. Wir | |
| 269 | added: hätten uns inzwischen schon mit einer halben Kabine begnügt. An Geld fehlten | |
| 270 | added: uns allerdings 35 US $. Die „Hias“ half uns aus und so konnten wir am 15. | |
| 271 | added: August 1941 An Bord der „Excalibur“ gehen. Der nächste Tag war mein Geburtstag | |
| 272 | added: und den durfte ich nun auf amerikanischem (Schiffs-)Boden feiern.* | |
| 273 | added: | |
| 274 | added: *Zehn Tage lang war | |
| 275 | added: ich seekrank, bis wir schliesslich am 25. August 1941 unser Ziel erreichten. Am | |
| 276 | added: frühen Morgen, bei der Einfahrt in den Hafen von New York, standen wir alle an | |
| 277 | added: Deck, um mit ungläubigen Augen die Dame des Hafens zu begrüssen, die | |
| 278 | added: Freiheitsstatue. Damals habe ich zum ersten Mal im Leben Papa weinen sehen. Der | |
| 279 | added: Mann, der nicht nur für uns, sondern auch für so viele Menschen ein Fels in der | |
| 280 | added: Brandung gewesen war, konnte endlich wieder tief durchatmen. Es war ein | |
| 281 | added: glücklicher Tag.* | |
| 282 | added: | |
| 283 | added: *Hermann, Felix und | |
| 284 | added: Lisa Röttgen empfingen uns am Pier. Sie brachten uns zum Haus des Rabbiners | |
| 285 | added: Steven Weiss. Dort wurden wir Neuankömmlinge untergebracht. Sie konnten dort | |
| 286 | added: kostenlos wohnen, bis sie Arbeit gefunden hatten und in der Lage waren, eine | |
| 287 | added: Wohnung zu mieten. Papa fand schon nach fünf Tagen Arbeit und Mutti wenige Tage | |
| 288 | added: danach. Ich übernahm die Haushaltspflichten. Als erstes schickte Papa die | |
| 289 | added: geborgten 35 $ an die „Hias“.. Über die Jahre haben wir ihnen noch manche | |
| 290 | added: Spende gesandt, damit sie weiter vielen Menschen helfen sollten.* | |
| 291 | added: | |
| 292 | added: *Ein weiterer | |
| 293 | added: glücklicher Tag wurde der 17. März 1947. An diesem Tag wurden wir als Bürger | |
| 294 | added: der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.* | |
| 295 | added: | |
| 296 | added: --- | |
| 297 | added: | |
| 298 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-judische-geschichte-in-rossing-20.html).* | |
| @@ -0,0 +1,208 @@ | ||
| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Der jüdische Friedhof" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 21 – Der jüdische Friedhof" | |
| 4 | added: sidebar_position: 21 | |
| 5 | added: description: "Der jüdische Friedhof Über den Ursprung des jüdischen Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts bekannt. Aber er ist mit Sicherhe" | |
| 6 | added: --- | |
| 7 | added: | |
| 8 | added: **Der jüdische | |
| 9 | added: Friedhof** | |
| 10 | added: | |
| 11 | added: Über den Ursprung des jüdischen | |
| 12 | added: Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts | |
| 13 | added: bekannt. Aber er ist mit Sicherheit schon über 200 Jahre alt. Die jüdischen | |
| 14 | added: Friedhöfe auf den Dörfern wurden immer weitab vom Dorfmittelpunkt angelegt, | |
| 15 | added: häufig mitten in der Feldmark. Der hiesige Friedhof lag damals auch weitab. | |
| 16 | added: Durch die Ausdehnung des Dorfes liegt er heute schon am Rande des bebauten | |
| 17 | added: Gebietes. Aktenkundig wurde der Friedhof am 10. Februar 1813. | |
| 18 | added: | |
| 19 | added: Damals war der 56-jährige *Adam Oppenheimer* aus Gronau infolge eines Unglücksfalles beim | |
| 20 | added: Überschreiten der zugefrorenen und mit Schnee bedeckten Leine ertrunken. Bei | |
| 21 | added: Rössing war er gefunden und zu einem Hause im Eikenhof gebracht worden. Dort | |
| 22 | added: wurde er von zwei Gronauer Glaubensgenossen, dem Kaufmann Heine Dannenberg, 23 | |
| 23 | added: Jahre alt, und Isaac Meier, 20 Jahre alt, im Beisein des Rössinger | |
| 24 | added: Bürgermeisters Georg Opitz, (Rössing Nr. 22) identifiziert und dann auf dem | |
| 25 | added: Rössinger Judenfriedhof beigesetzt. | |
| 26 | added: | |
| 27 | added: 1992 forschte ein Dr. *Arnold | |
| 28 | added: Oppenheimer* aus London nach den Gräbern seiner Vorfahren auf dem Rössinger | |
| 29 | added: Judenfriedhof, zu denen auch der ertrunkene Adam Oppenheimer gehörte. Er teilte | |
| 30 | added: mit, dass viele seiner Gronauer Vorfahren auf dem Rössinger Friedhof beerdigt | |
| 31 | added: seien, weil Rössing ein *Sammelfriedhof* gewesen | |
| 32 | added: sei*.* Darüber waren aber hier bisher | |
| 33 | added: noch keine Unterlagen aufgefunden worden. Doch es wäre einleuchtend, weil der | |
| 34 | added: Rössinger Friedhof für die kleine Rössinger Synagogengemeinde allein sehr groß | |
| 35 | added: gewesen wäre. Dr. Oppenheimer konnte es gar nicht fassen, dass die alten | |
| 36 | added: Grabsteine seiner Familie nicht mehr erhalten sind, denn die Gräber der Juden | |
| 37 | added: hatten eine ewige Liegezeit und wurden normalerweise nicht eingeebnet. | |
| 38 | added: | |
| 39 | added: Die Zeitspanne zwischen der Feststellung des Todes und der | |
| 40 | added: Bestattung war bei den Juden immer sehr kurz. Innerhalb von 24 Stunden mussten | |
| 41 | added: sie beerdigt werden, zumindest durften sie nicht mehr im Hause sein. Erst ca. | |
| 42 | added: 25 Jahre später nach diesem Todesfall, etwa 1840, wurde diese Frist auf 48 | |
| 43 | added: Stunden verlängert, um zu verhindern, dass Scheintote oder im Koma Liegende bei | |
| 44 | added: lebendigem Leibe begraben wurden. | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Gronau 1660/1665 | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: # Schliessung der jüdischen Friedhöfe | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: Am 31. Juli 1938 beantwortete die Gemeinde Rössing | |
| 51 | added: eine Anfrage der NS-Behörden, den jüdischen Friedhof betreffend: | |
| 52 | added: | |
| 53 | added: *„Der | |
| 54 | added: jüdische Friedhof ist 4,37 ar groß, Eigentümer ist die jüdische Gemeinde in | |
| 55 | added: Rössing. Die letzte Beerdigung war hier am 5. Juni 1938. Es sind noch etwa 25 | |
| 56 | added: freie Begräbnisplätze vorhanden. Zur Zeit wohnt noch eine jüdische Familie | |
| 57 | added: Blumenthal mit vier Personen in Rössing.“* | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: Karl Blumenthal hatte sich schon mit Wilhelm | |
| 60 | added: Freimann, dem Grenznachbarn des jüdischen Friedhofes, in Anbetracht der sich | |
| 61 | added: zuspitzenden Judenverfolgungen in Verbindung gesetzt. Wilhelm Freimann grenzte | |
| 62 | added: mit seinem Hausgrundstück Nr 132, heute als Nr. 45 der Kirchstraße zugeordnet, | |
| 63 | added: an den Judenfriedhof. Am 2. Juli 1940 wurde in Hannover zwischen dem | |
| 64 | added: Rechtsanwalt Dr. Hans Israel Ries als alleinigem Vorstand der jüdischen | |
| 65 | added: Kultusgemeinde, welche die Nachfolgerin der jüdischen Gemeinde in Rössing war, | |
| 66 | added: und Wilhelm Freimann ein Kaufvertrag mit folgendem Inhalt geschlossen: | |
| 67 | added: | |
| 68 | added: *Die Schlosser Wilhelm Freimann kauft den ganzen jüdischen Friedhof von* | |
| 69 | added: | |
| 70 | added: *4 ar 37m² für 218,50 RM. Der Käufer verpflichtet sich, während einer | |
| 71 | added: Liegefrist* | |
| 72 | added: | |
| 73 | added: *von 30 Jahren den mit Gräbern belegten Teil des Friedhofs unangetastet | |
| 74 | added: zu* | |
| 75 | added: | |
| 76 | added: *lassen und während der Liegefrist eine Grabpflege in angemessener Weise* | |
| 77 | added: | |
| 78 | added: *vorzunehmen, den Angehörigen während der Liegefrist Zutritt zum | |
| 79 | added: Friedhof zu* | |
| 80 | added: | |
| 81 | added: *geben, auch wenn sie nicht mehr in Rössing ansässig sind, ggf.die | |
| 82 | added: Beerdigung der z. Zt. in Rössing ansässigen Juden auf dem Friedhof zu gestatten | |
| 83 | added: und unter allen Umständen die Pietät in erforderlicher Weise zu wahren.* | |
| 84 | added: | |
| 85 | added: *Der Käufer hinterlegt den Kaufpreis beim Notar. Dieser übermittelt es | |
| 86 | added: an die Reichsvereinigung der Juden in Berlin, die zugunsten des (jüdischen) | |
| 87 | added: Gemeindevermögensfonds Rössing überweist.* | |
| 88 | added: | |
| 89 | added: *Wilhelm Freimann ist Arier im Sinne des Gesetzes.* | |
| 90 | added: | |
| 91 | added: *Unterschrift Unterschrift* | |
| 92 | added: | |
| 93 | added: Offenbar hatte man die Liegefristen für die | |
| 94 | added: jüdischen Gräber schon auf 30 Jahre beschränkt. | |
| 95 | added: | |
| 96 | added: Bei dieser Art Verträge war folgendes üblich: | |
| 97 | added: | |
| 98 | added: Als am 6. September 1940 das Synagogengrundstück in | |
| 99 | added: Eldagsen verkauft wurde, wurde der Vertrag ebenfalls vor Dr. Ries in Hannover | |
| 100 | added: abgeschlossen. Als sich die Synagogengmeinde über den geringen Verkaufspreis | |
| 101 | added: von 2.000 RM beschwerte, wurde ihr mitgeteilt, daß die Synagogengemeinde als | |
| 102 | added: Verkäuferin sowieso nur 500 RM davon bekäme, 1.500 RM gingen an das Reich als | |
| 103 | added: Ausgleichszahlung. Außerdem muß der Käufer noch 200 RM an den Makler bezahlen. | |
| 104 | added: So ähnlich wird es auch beim Verkauf des Rössinger Friedhofs zugegangen sein. | |
| 105 | added: | |
| 106 | added: Familie Freimann räumte den Friedhof auf und | |
| 107 | added: entfernte die umgefallenen und zerbrochenen Grabsteine. Im übrigen hielt sie | |
| 108 | added: ihn die ganzen Jahre in Ordnung, bis sie ihn nach dem Krieg entschädigungslos | |
| 109 | added: wieder an die jüdische Gemeinde in Hannover (Haeckelstraße 13) übereignen | |
| 110 | added: mußte, so war das Gesetz. Bis 1979 pflegte Familie Hachmeister-Freimann, nun | |
| 111 | added: gegen ein geringes Entgelt, den Friedhof weiter. | |
| 112 | added: | |
| 113 | added: Danach wurde eine Gärtnerei mit der Pflege | |
| 114 | added: beauftragt, die mehrmals im Jahr den Rasen mäht. Die Gräber sind mit Efeu | |
| 115 | added: bepflanzt, der auch geschnitten wird, und die Grabsteine wurden gereinigt. | |
| 116 | added: | |
| 117 | added: Der Friedhof wurde neu eingezäunt, er erhielt | |
| 118 | added: verschließbare Pforten, und ein holzgeschnitztes Schild „Judenfriedhof“ macht | |
| 119 | added: auf den etwas versteckten Standort. aufmerksam. | |
| 120 | added: | |
| 121 | added: . | |
| 122 | added: | |
| 123 | added: Quellen: NHSA Hannover, Sign: Hann 174, Springe Nr. | |
| 124 | added: 163 und Nr. 167 | |
| 125 | added: | |
| 126 | added: Sechs alte Gräber und Grabsteine stehen noch auf dem | |
| 127 | added: Friedhof. Vier davon sind aus schon sehr verwittertem Sandstein. Neben den | |
| 128 | added: Namen und Daten auf der Vorderseite tragen sie auf der Rückseite umfangreiche | |
| 129 | added: hebräische Inschriften. | |
| 130 | added: | |
| 131 | added: **Lewi Blumenthal** **Meier Blumenthal** | |
| 132 | added: | |
| 133 | added: geb. 1813, gest. 1881 geb. 1819, gest. --- | |
| 134 | added: | |
| 135 | added: Sie waren die beiden Söhne des ersten Blumenthal | |
| 136 | added: Israel Lewi I in Rössing | |
| 137 | added: | |
| 138 | added: **Line Blumenthal** **Johanne Blumenthal** | |
| 139 | added: | |
| 140 | added: geb. 1819, gest 1884 geb. 1855, | |
| 141 | added: gest. 1926 | |
| 142 | added: | |
| 143 | added: die Frau von Meier Blumenthal | |
| 144 | added: die Schwester von Moritz | |
| 145 | added: Blumenthal | |
| 146 | added: | |
| 147 | added: Der Grabstein von Moritz Blumenthal ist aus | |
| 148 | added: schwarzem Marmor, der von seiner Frau dagegen schon recht klein und bescheiden. | |
| 149 | added: | |
| 150 | added: Hier | |
| 151 | added: ruht in Gott Hier | |
| 152 | added: ruht | |
| 153 | added: | |
| 154 | added: mein | |
| 155 | added: unvergesslicher Gatte unsere | |
| 156 | added: liebe Mutter | |
| 157 | added: | |
| 158 | added: und | |
| 159 | added: meiner Kinder **Sophie Blumenthal** | |
| 160 | added: | |
| 161 | added: treusorgender Vater geb. | |
| 162 | added: 18.4.1866 | |
| 163 | added: | |
| 164 | added: **Moritz Blumenthal** gest. 4.5.1938 | |
| 165 | added: | |
| 166 | added: geb. 7.12.1858 | |
| 167 | added: | |
| 168 | added: gest. 17.11.1930 | |
| 169 | added: | |
| 170 | added: Von den fünf Söhnen von Moritz und Sophie Blumenthal | |
| 171 | added: fand keiner mit seiner Familie die letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof | |
| 172 | added: seines Heimatdorfes. Hermann und Gustav mit seiner Frau sind in den USA | |
| 173 | added: geblieben und dort beerdigt, ebenso Willi. | |
| 174 | added: | |
| 175 | added: Robert wurde als erster am 15. Dezember 1941 mit | |
| 176 | added: Frau und Kindern nach Riga ins Ghetto transportiert, als Todesdatum wurde | |
| 177 | added: angegeben 26.März 1942. Karl und Familie wurden am 28. März nach Trawniki in | |
| 178 | added: Polen deportiert. Niemand weiß, wo sie geblieben sind und wie sie den Tod | |
| 179 | added: fanden.Und von Willis Frau und Kindern haben wir gar keine Daten. Nur der Name | |
| 180 | added: Blumenthal auf den sechs Grabsteinen erinnert noch an diese jüdische Familie, | |
| 181 | added: die fast 140 Jahre in Rössing gelebt hat. | |
| 182 | added: | |
| 183 | added: **Vier | |
| 184 | added: Stolpersteine** | |
| 185 | added: | |
| 186 | added: Die Gemeinde hat vor dem Hause der Blumenthals in | |
| 187 | added: der Maschstraße Nr. 22 zum Gedenken an ihre jüdischen Mitbürger am 19. November | |
| 188 | added: 2009 vier „*Stolpersteine“* durch | |
| 189 | added: Gunter Demnig verlegen lassen: In einer sehr würdevollen Feier in Anwesenheit | |
| 190 | added: von mehreren Mitgliedern der Familie Blumenthal wurden vier Messingplatten mit | |
| 191 | added: den Namen der einzelnen Familienmitglieder ins Pflaster vor dem Hause eingelassen. | |
| 192 | added: Es sind keine wirklichen Stolpersteine, sie sollen nur auffordern einen | |
| 193 | added: Augenblick des Gedenkens innezuhalten. | |
| 194 | added: | |
| 195 | added: Trotz ihrer schrecklichen Schicksale sind die beiden | |
| 196 | added: Kinder von Gustav Blumenthal, Werner und Lore, wieder nach Deutschland | |
| 197 | added: zurückgekommen, um hier zu leben. Werner ist nach der Internierung in Kanada | |
| 198 | added: nach Herne gegangen, hat 1947 dort geheiratet und seine fünf Kinder leben alle | |
| 199 | added: in Deutschland – in Berlin, Hamburg und Herne. Von dort sind sie gekommen, um | |
| 200 | added: an der Feier teilzunehmen. | |
| 201 | added: | |
| 202 | added: Lore ist nach dem Tode der Mutter - mit ihrem | |
| 203 | added: amerikanischen Mann und dessen Mutter - ihrem Bruder nach Herne gefolgt. 1999 , | |
| 204 | added: mit 73 Jahren, ist sie in Herne gestorben. | |
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| 207 | added: | |
| 208 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5009.html).* | |
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| 2 | added: "label": "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing", | |
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| 6 | added: "title": "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing", | |
| 7 | added: "description": "Eine 21-teilige Reihe von Helga Fredebold über die jüdische Geschichte Rössings von 1428 bis zur Schoa, mit den Familienschicksalen der Familie Blumenthal." | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 1 – Unfreie Bauern und ein Abt" | |
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| 5 | added: description: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössin" | |
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| 8 | added: **Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge** | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt. | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten. | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“ | |
| 15 | added: | |
| 16 | added: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1) | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: **Liefertermine und Höhe der Abgaben** | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde. | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Zum Fest Apostelorum Petri und Paul sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2) | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **Schwierige Lebensumstände der Bauern** | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht. | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren. | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen. | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden Rös -sing und Giesen. | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: Quellen | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: Verlag August Lax Hildesheim 1991 | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein) | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: --- | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-01 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-1.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Liefertermine und Höhe der Abgaben" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 2 – Liefertermine und Abgaben" | |
| 4 | added: sidebar_position: 2 | |
| 5 | added: description: "Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt K" | |
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| 8 | added: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt. | |
| 9 | added: | |
| 10 | added: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten. | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“ | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1) | |
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| 16 | added: **Liefertermine und Höhe der Abgaben** | |
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| 18 | added: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde. | |
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| 20 | added: Zum Fest *Apostelorum Petri und Paul* sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2) | |
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| 22 | added: **Schwierige Lebensumstände der Bauern** | |
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| 24 | added: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht. | |
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| 26 | added: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren. | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - *Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen.* | |
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| 30 | added: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: *In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden* | |
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| 32 | added: *Rössing und Giesen.* | |
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| 34 | added: Quellen | |
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| 36 | added: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts | |
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| 38 | added: Verlag August Lax Hildesheim 1991 | |
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| 40 | added: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein) | |
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| 44 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/unfreie-bauern-auf-kirchlichem.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Wechsel der Besitzer" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 3 – Wechsel der Besitzer" | |
| 4 | added: sidebar_position: 3 | |
| 5 | added: description: "Wechsel der Besitzer 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war d" | |
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| 8 | added: **Wechsel der Besitzer** | |
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| 10 | added: 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war die Bewirtschaftung wegen der Entfernung zu Helmarshausen zu aufwendig geworden. Nach dem Tod Salderns, als das Meierding wieder an das Kloster Helmarshausen zurückfällt, wird es offenbar an die Familie von Rössing verpfändet. (1) | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: Über diese Verpfändung selbst sind keine sicheren Unterlagen aufzufinden. Aus einer Urkunde vom Jahre 1417 geht aber zweifelsfrei hervor, daß die Brüder Siverd und Diederich von Rössing Pfandinhaber des Meierdings gewesen sein müssen. Denn das Kloster Helmarshausen kauft es ihnen im Jahr 1417 für 1000 Gulden wieder ab. Das ist das einzige Mal, daß das Meierding in den „Stammtafeln“ der Herren von Rössing genannt wird.(2) Gleichzeitig verpfändet Diderik, der Abt von Helmarshausen, das halbe Meierding für 10 Jahre an Hilmar von Otze, den Probst im Kloster am Moritzberg. Das Godehardikloster Hildesheim zahlt dessen Erben dann nach 10 Jahren die Pfandsumme zurück, und so gelangt eine Hälfte des Amtes oder Meierdings in den Besitz des Godehardiklosters. (3) | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: In diesem Kaufvertrag wird das Meierding sehr genau beschrieben. Verkauft werden immer noch 22 Hufe, aber nur noch 21 Höfe - 1375 war ein Höriger von seiner Hofstelle entflohen und nicht wieder eingefangen worden; die Hofstelle blieb unbesetzt. Dazu kommt der Amtshof mit 6 Hufen, eine „Kammerhufe“ genannte Hufe und 15 Morgen, das sogenannte Berner Gut. Pauschal aufgeführt werden Wiesen, Weiden und Holzung, die Vogtei und die Gerichtsbarkeit, außerdem 2 Hufe in Bevelte und 5 Hufe in Werbeke, Acker- und Weideland also, das zu zwei, heute untergegangenen Ortschaften in der Nähe von Rössing gehörte und immer schon vom Kloster Helmarshausen zusammen mit dem Rössinger Meierding verpfändet worden war. Durch geschickte Geldgeschäfte erlangt das Hildesheimische Godehardikloster in der folgenden Zeit den Pfandbesitz über das gesamte Meierding. (4) | |
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| 16 | added: **Das Meierding, ein begehrter Besitz** | |
| 17 | added: | |
| 18 | added: Nach der Hildesheimer Stiftsfehde, 1519 bis 1523, wird das Stift zerschlagen und unter die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt. Es bleibt nur das sogenannte „kleine Stift“ übrig, das aus den drei Ämtern Steuerwald, Marienburg, Peine und der Domprobstei besteht. Das Dorf Rössing, an der Westgrenze des Bistums gelegen, wird dem welfischen Amt Calenberg zugeordnet. Herzog Erich d.Ä. nutzt 1526 die Gunst der Stunde und behauptet, seine Vorfahren hätten das Kloster Helmarshausen gestiftet und der Reichsabtei das Rössinger Meierding geschenkt. | |
| 19 | added: | |
| 20 | added: Jetzt, wo die Abtei durch die Reformation in Auflösung begriffen ist, macht er durch tätliches Vorgehen Ansprüche an St. Godehard geltend. Der Abt des Godehardiklosters beschwert sich darüber bei Bischof Balthasar - vergebens. Aber er gibt nicht auf und klagt nun beim Kammergericht gegen Herzog Erich d.Ä. wegen gewaltsamer „Absetzung von jenem Amte und Abziehung der zugehörigen Leute vom Godehardikloster in calenbergischen Dienst“. Jetzt kommt sogar Karl V., der Kaiser in Wien, ins Spiel. Am 7. Oktober 1530 erläßt er ein Restitutionsmandat an Herzog Erich d.Ä., der damit gezwungen ist sich zurückziehen bzw. wieder herauszugeben, was er ohne rechtliche Grundlage gewaltsam vereinnahmt hat. (5) | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Die Behauptung, daß die Welfen Kloster Helmarshausen gestiftet hätten, ist nachweislich nicht richtig - es war im Jahre 998 von dem Helmarshäuser Grafen Eckhard und seiner Frau Mathilde gegründet worden. Allerdings hatte Heinrich der Löwe eine besondere Beziehung zu diesem Benediktinerkloster, das durch seine Buchmalerei und Goldschmiedekunst berühmt war. Das kostbare Evangeliar Heinrichs des Löwen, das 1983 in der Öffentlichkeit soviel Aufmerksamkeit erregte, weil es wie eine x-beliebige Antiquität von einem Auktionshaus zum Kauf angeboten worden war, es war von dem Mönch Herimann in Helmarshausen hergestellt worden. Heinrich der Löwe war zwar bis zu seiner Verbannung im Jahre 1180 Schutzvogt des Klosters Helmarshausen und seiner Besitzungen gewesen, aber eben nicht sein Stifter. (6) | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **Herzog Erich d. Ä. erwirbt 1537/38 das Meierding Rössing** | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: 1537/38 macht Herzog Erich d.Ä. einen erneuten Vorstoß, um sich das Meierding in Rössing einzuverleiben. Er schaltet sich geschickt ein in einen Streit zwischen dem Godehardikloster und dem durch die Reformation in Auflösung begriffenen Kloster Helmarshausen um das verpfändete Meierding Rössing und erwirbt es für sich selbst. Der Pfandvertrag ist auf 60 Jahre angelegt und enthält eine bezeichnende Einschränkung: nur wenn das Kloster die Bewirtschaftung wieder selbst übernähme, sollte es die Möglichkeit haben, die Pfandschaft nach sechs Jahrzehnten wieder einzulösen. Das aber war aussichtslos, der Pfandvertrag bedeutet also eine Abtretung auf Dauer. (7) | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Das Meierding wird nun als Vogtei Rössing dem Amt Calenberg unterstellt und Landesherren sind nicht mehr die Bischöfe von Hildesheim, sondern die Welfenherzöge; auch die Herren von Rössing müssen sie als Lehnsherren anerkennen. Zwar gehörte Rössing zum Amt Steuerwald, das Bestandteil des „Kleinen Stiftes“ gewesen war, aber es wird nach der Wiederherstellung des „Großen Stiftes“, 1643, nicht wieder zurückgegeben. Von nun an gelten die Calenberger Gesetze. | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: Quellen | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: 1. Overham VIII, 134. | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: (2) August Frh. von Rössing: Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: Gebr. Gerstenberg in Hildesheim 1900 | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: (3) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr. 14 vom Jahr 1417 | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: (4) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr.17 von 1427 | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: (5) Lit. Bistumsgeschichte Bertram II von 1916, S. 56, Cod. Bev. 313, 50, 51. Cod | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: Bev.221, 427, Wien Judicialia miscell. H. fasc. 2, und Hildesheim 191. | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: (6) Hermann Schmidt: Beiträge zur Geschichte der Stadt, der Reichsabtei | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: und der Kunstwerkstätten Helmarshausen, Lippoldsberg 1981 | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: (7) NHSA Hannover: Sign. Cal Or Des 24 neu Nr.54 | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: --- | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-2.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Am Pastorenthie" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 4 – Am Pastorenthie" | |
| 4 | added: sidebar_position: 4 | |
| 5 | added: description: "Foto: Erhard Wolpert Am Pastorenthie In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Geric" | |
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| 9 | added: | |
| 10 | added: Foto: Erhard Wolpert | |
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| 13 | added: **Am Pastorenthie** | |
| 14 | added: | |
| 15 | added: In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Gerichtsstätten und Versammlungsplätze aus früheren Jahrhunderten. | |
| 16 | added: | |
| 17 | added: Auch in Rössing gab und gibt es einen solchen Platz. In der Ortsmitte am Fuße des kleinen Hügels mit dem Pfarrhaus stehen zwei Linden und davor ein geschnitztes Straßenschild: „Am Pastorenthie“, das die Erinnerung an einen Gerichtsplatz wachhält. | |
| 18 | added: | |
| 19 | added: Durch vor einiger Zeit aufgefundene alte Prozeßakten erhält dieser Platz eine ganz besondere Bedeutung. Die teilweise über 400 Jahre alten Gerichtsprotokolle befassen sich mit den hier regelmäßig abgehaltenen Meierdingsgerichten. Der Ort, an dem diese stattfanden, war mit Sicherheit der durch Linden gekennzeichnete Platz vor dem Pfarrhaus, der „Pastorenthie.“ Denn Rössing war der Sitz eines Meierdings und auch Bauern, die in Giesen Land beackerten, das zu diesem Meierding gehörte, mußten zum Meierdingsgericht nach Rössing. | |
| 20 | added: | |
| 21 | added: An anderen Ortschaften gab es auch andere Gerichte oder Thingstätten, wie z.B.das „Freiding“ in Giesen für die freien Bauern des „Güldenen Winkels“, zu dem die Ortschaften Himmelsthür, Emmerke, Sorsum, Escherde, Barnten, Rössing, Beelte und Giesen zählten. Die Besitzer von Freidingsland durften nur dieses beackern, um als freie Bauern zu gelten. Sie hatten ihren Gerichtsplatz mit dem Thiestein in Giesen. Dort wurde ihre Grundstücksangelegenheiten – und nur diese – behandelt. | |
| 22 | added: | |
| 23 | added: Das „Goding“ befaßte sich mit Kriminalfällen und Landesjustiz, dessen Aufgaben Ende des 16. Jahrhunderts teilweise die Landgerichte der Ämterverwaltungen übernahmen und das „Holtding“ war zuständig für Holz- und Waldangelegenheiten. | |
| 24 | added: | |
| 25 | added: Aber Rössing hatte ein Meierding und ein Meierdingsgericht. (1) | |
| 26 | added: | |
| 27 | added: **Das Meierdingsland und das Meierdingsgericht** | |
| 28 | added: | |
| 29 | added: Das Meierdingsgericht verhandelt und entscheidet Angelegenheiten, die das Meierdingsland betreffen. Alle Bauern, die Meierdingsland besitzen, auch wenn es nur ein ganz kleines Stück ist – gehören zu den Erben. Das Land, das von dem altfeudalen Meierding herstammt, hat bis ins 19. Jahrhundert immer einen besonderen rechtlichen Status behalten. Es ist Erbland und daher besonders begehrt und wertvoll. | |
| 30 | added: | |
| 31 | added: Die rechtliche Stellung der Hörigen, der Laten, hat sich gegenüber der frühmittelalterlichen Situation verändert. Eine neue gesellschaftliche Ordnung hat sich zum Ende des 16. Jahrhunderts durchgesetzt. Die Bauern werden persönlich frei. Die Strukturen des alten Meierdings verändern sich und es zerfällt in Einzelhöfe. | |
| 32 | added: | |
| 33 | added: Die Besitzer von Meierdingsland können frei über dies Land verfügen, sie können es vererben, verpfänden oder auch verschenken, denn es gehört ihnen. Verpfändungen und Veräußerungen von Meierdingsland, Verschreibungen als Altenteil usw. werden sorgfältig hier verhandelt und genau im „Meierdingsbuche“ festgehalten, wie heute in den Grundbüchern. | |
| 34 | added: | |
| 35 | added: Für die Zeit ab 1589 sind sehr ausführliche Aktenprotokolle über die in Rössing abgehaltenen Meierdingsgerichte erhalten: 1589, vier Protokolle in 1604, 1608, 1615, 1616, 1618, 1620, 1621, 1630, 1650, 1659, 1662. Sie enthalten Kauf- und Pfandbriefe sowie Prozeßakten. Das Papier ist vergilbt, die Tinte, mit dem Federkiel zu Papier gebracht, ist nach 400 Jahren verblaßt, die Schrift kaum zu entziffern. Und der Sand, der damals die Tintenschrift löschte – trocknete, rieselt z.T. noch heute aus den Seiten des Dokuments. (2) | |
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| 37 | added: Später wird die Aktenlage über das Meierding dünn. | |
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| 39 | added: Die alten Meierdingsgerichte folgen festen Verfahrensregeln und Ritualen, die heute schwer verständlich sind. Zuerst fragt der Meierdingsvogt die alten Rechtsgrundsätze ab, die immer auf die gleiche Weise von zwei gewählten *Vorsprechern* beantwortet werden müssen. Niemand darf im Verfahren seine Streitfragen selbst vortragen oder ungefragt sprechen, auch dies ist Aufgabe der *Vorsprecher.* | |
| 40 | added: | |
| 41 | added: Als 1538 das Meierding Rössing in den Besitz der Calenberger Herzöge übergeht, | |
| 42 | added: | |
| 43 | added: treten die Calenbergischen Beamten, also Amtmann und Amtsschreiber als Gerichts- und Meierdingsherr in Vertretung ihres Landesherrn auf, der hier als *lllustrissimo* bezeichnet wird. Von jedem Landverkauf, der hier getätigt wird, stehen ihm 2,5% des Erlöses zu. Alle Umsatzgebühren werden genau registriert. | |
| 44 | added: | |
| 45 | added: Die typischen Abgaben der Meierdingsleute an den Grundherrn, der hier auch der Landesherrn ist, sind bei Heirat *Bedemund* (Betterlaubnis) und im Erbfall *Baulebung* Und jedes Jahr ist ein Hals- oder Rauchhuhn abzuliefern – eine Überlieferung aus der Zeit, als die Hörigen noch als *Halseigene* bezeichnet wurden. Rauchhühner sind keine geräucherten Hühner, sondern der Zins für einen Hof, bzw. für ein Haus, aus dem Rauch aufsteigt, das also eine Feuerstätte hat. | |
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| 47 | added: **Das Meierrecht** | |
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| 49 | added: Als die Fronhofsverbände zerfallen, bilden sich Vorformen des Meierrechtes. | |
| 50 | added: | |
| 51 | added: Durch Hofzusammenlegungen entstehen aus den ehemaligen Ein-Hufe-Höfen sogenannte Vollmeierhöfe mit 3 - 4 Hufen Land oder Halbmeierhöfe durch die Teilung von Vollmeierhöfen. Die kleinsten sind die Köthnerstellen mit 30 und weniger Morgen. Die Bauern können nun Land auf Zeit von anderen Grundherren pachten. Dafür müssen sie Meierzins zahlen. Schon das Wort *Meier* kennzeichnet nicht die genaue Art des Besitzrechtes. Ursprünglich war der *Meier* der Verwalter eines Meierdings oder eines Amtes, später geht der Name auf diejenigen Meierdingsleute über, die wenigstens 2 Hufen beackern. | |
| 52 | added: | |
| 53 | added: Die wichtigsten Gesetzessammlungen, die das Meierrecht für den hiesigen Raum regeln, sind der Gandersheimer Landtagsabschied von 1601, eine Verordnung über die Besetzung der Bauernhöfe von 1691 und die Calenberger Meierordnung von 1772. | |
| 54 | added: | |
| 55 | added: In Meierbriefen werden die Bedingungen über den Meierzins, den Fleisch- und Getreidezehnten und die Hand- und Spanndienste gegenüber dem Grundherren festgelegt. Bei Mißwirtschaft oder unpünktlicher Zahlung konnte der Hof entzogen werden. (Abmeierung). | |
| 56 | added: | |
| 57 | added: In hiesiger Gegend betrieb die welfische Landesherrschaft allerdings schon früh eine bewußte Bauernschutzpolitik, denn ein gesunder Bauernstand bildete eine sichere Steuerquelle. Um den Bauern gegen die Willkür der Grundherren mehr Sicherheit zu geben, wurden die Höfe um 1600 erblich und das Abmeiern erschwert. | |
| 58 | added: | |
| 59 | added: Die Hofgröße – Vollmeier – Halbmeier – Köthner - definiert nicht nur den sozialen Rang, sondern auch bestimmte Wirtschaftsmöglichkeiten des Hofbesitzers. Eingereiht in die Gruppe der *Reiheleute* hat er eine bestimmte *Allmendeberechtigung*, d.h. ein anteilmäßiges Nutzungsrecht an der nicht aufgeteilten kommunalen Gemarkung Rössing. Er kann auf der *Allmende* – wann und wie lange ist genau geregelt – sein Vieh grasen lassen oder Holz schlagen. Sogenannte Anbauer und Brinksitzer, die kein kein eigenes Land, höchstens einen Garten haben, sind entsprechend nicht allmendeberechtigt. | |
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| 61 | added: Quellen: | |
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| 63 | added: (1) Katharina Schrader. Die Bauern von Giesen | |
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| 65 | added: Druck: kcs & ddh GmbH, Hildesheim 1997 | |
| 66 | added: | |
| 67 | added: 2. NHSA Hann 74 Cal. Nr. 347, 350, 351, 352, 353, 354, 944, | |
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| 71 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-3.html).* | |
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| 1 | added: --- | |
| 2 | added: title: "Der Niedergang des Meierdings" | |
| 3 | added: sidebar_label: "Teil 5 – Niedergang des Meierdings" | |
| 4 | added: sidebar_position: 5 | |
| 5 | added: description: "Der Niedergang des Meierdings Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buc" | |
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| 8 | added: **Der Niedergang des Meierdings** | |
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| 10 | added: Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buch: Giesen und seine Beelter Männer, daß Archivmaterial für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts deutlich macht, daß Meierdingsgüter in Besitz von Beamten gekommen waren und Meierdingsunterlagen (Meierdingsbücher): | |
| 11 | added: | |
| 12 | added: „in gantz ohnverantwortlicher weise supprimiert (unterdrückt) seyn, solches aber aus keiner anderen uhrsache geschehen, denn daß wegen derer gar vielen von dem sehl. Oberambtmann Osterwaldt an sich gebrachter Erbländereyn niemand die eigentliche Beschaffenheit wißen soll“. (1) | |
| 13 | added: | |
| 14 | added: Christoph Heinrich Osterwaldt ist mindestens seit 1673 Amtsschreiber, dann Amtmann und von 1702 bis 1717 Oberamtmann der großen Vogtei Calenberg. Seitdem wohnt er in Rössing, denn auf der alten Feste Calenberg gibt es keine standesgemäße Bleibe für ihn. Er baut in der Langen Straße Nr.17/19 Wohn- und Wirtschaftsgebäude und den schönen Brunnen mit der Jahreszahl 1685,der heute noch Wasser führt. Überall zieht er die Ländereien an sich und bewirtschaftet u.a. den Klunzhof, den ehemaligen Haupt- und Meierhof, als Herrschaftlichen Amtshof sowie die drei Vollmeierhöfe, deren Besitzer in den Türkenkriegen sind. Diese müssen klagen, daß er sie hinterher wieder herausgibt. Außerdem ist er Pächter des herzoglichen Domanialgutes, des heutigen Hausgutes Calenberg und steht dem Landgericht Calenberg vor. Es heißt, daß er von den 32.114 Talern, welche die 12.000 Einwohner des Amtes Calenberg im Jahr 1711 aufbringen müssen, allein 6.010 Taler zahlt. (2) | |
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| 16 | added: Es liegt nahe, daß das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. | |
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| 18 | added: **Verfall des alten Brauchtums** | |
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| 20 | added: Nach einem Bericht von 1719 war schon über 40 Jahre kein Meierding mehr abgehalten worden. So tritt ein Verfall des alten Brauchtums ein. In einer recht ausführlichen Beschreibung der Meierdingsgerichte im Amte Calenberg von 1752 gibt es nur noch zwei, eins in Alferde und eins in Sorsum zu Wittenburg. Das Rössinger Meierding wird gar nicht mehr erwähnt. | |
| 21 | added: | |
| 22 | added: Im Jahre 1832, also kurz vor der Agrarreform, wird in Rössing eine Tabelle über die Verteilung des Grundeigentums erstellt. Darin werden die durch das Meierrecht gebundenen Ländereien aufgelistet, über die die Besitzer nicht frei verfügen konnten, und der frei veräußerliche Grundbesitz. Das an die Höfe gebundene Meierland beträgt 1050 Morgen und das freie Erbland 644 Morgen, davon sind noch 435 Morgen Meierdingsland. In diesen Angaben ist das Adelige Gut mit seinem Grundbesitz nicht enthalten. Dieses freie, erbliche, mittelalterliche Meierdingsland hat sich also bis ins 19. Jahrhundert erhalten. (3) | |
| 23 | added: | |
| 24 | added: **Die Agrarreform** | |
| 25 | added: | |
| 26 | added: 1833 setzt in Hannover die Agrarreform ein, die sogenannte Bauernbefreiung, obwohl die Bauern als Person schon lange frei waren. Sie war ein gewaltiges verwaltungstechnisches Werk. Die Reform wurde nur durchsetzbar, weil sie auf eine entschädigungslose Enteignung des Adels und der anderen Grundbesitzer verzichtete. Die Bauern sollten endlich Eigentum an dem Land erhalten, das sie bewirtschafteten. | |
| 27 | added: | |
| 28 | added: Zuerst erfolgt die Befreiung der Bauern von den Feudalabgaben wie Grundzinsen, Zehnte, Hand- und Spanndienste durch Zahlung des 25-fachen Jahresbetrages, der als abtragbare Hypothek eingetragen und im Laufe von Jahrzehnten getilgt wird. Dafür wird extra eine Bank gegründet, die Hannoversche Landeskreditanstalt. | |
| 29 | added: | |
| 30 | added: Der hannoversche Minister Carl Bertram Stüve, der die Gesetze für die Landwirtschaftsreform in Hannover schuf, wiederholte aber nicht die Fehler, die in Preußen 20 Jahre vorher gemacht wurden. Dort konnte ein großer Teil der Ablösegelder 1/3 - ½ , in Land bezahlt werden, die Güter der Grundbesitzer wuchsen, die Bauern verarmten und das Land entvölkerte sich. In Hannover kann nur 1/6 der Ablösungssumme des Zehnten in Land abgegolten werden, alles andere wird langfristig durch Kredite finanziert. Aber nicht alle verkraften die Kosten und müssen aufgeben und verkaufen. | |
| 31 | added: | |
| 32 | added: Dann erfolgt die Gemeinheitsteilung, d.h. die von der Allgemeinheit genossenschaftlich genutzten Flächen werden unter die bisherigen Nutznießer aufgeteilt. Dann wird ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt, Zusammenlegung der verstreut liegenden Ländereien zu größeren Stücken. Das war dringend notwendig. | |
| 33 | added: | |
| 34 | added: Zum Beispiel ergab eine Aufnahme der Flurstücke des Meierhofes Nr. 1 Windel/später Kroos aus dem Jahr 1778: 123,75 Morgen in 84 Stücken! (4) | |
| 35 | added: | |
| 36 | added: Außerdem muß ein neues Wege- und Grabennetz angelegt werden. | |
| 37 | added: | |
| 38 | added: Im Zuge des großen Flurbereinigungsverfahrens wird auch der neue Friedhof am Rande des Dorfes eingerichtet. Jeder Landbesitzer erhält einige Quadratmeter Grund und Boden für ein ewiges Erbbegräbnis auf dem Friedhof und dafür entsprechend weniger Ackerland. | |
| 39 | added: | |
| 40 | added: „Im Holze“, das ist das Gebiet zwischen der Eisenbahnlinie nach Göttingen und der Leine, das im 19. Jahrhundert noch teilweise bewaldet war, wird die Flurbereinigung erst nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommen. | |
| 41 | added: | |
| 42 | added: Zwischen 1980 und1990 mußte erneut ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt werden, als die neue ICE -Eisenbahnstrecke angelegt wurde, die die Rössinger Feldmark durchschnitt und neue Straßen- und Brückenbauten erforderte. | |
| 43 | added: | |
| 44 | added: Quellen | |
| 45 | added: | |
| 46 | added: (1).Franz Schwerdtfeger: Giesen und seine Beelter Männer | |
| 47 | added: | |
| 48 | added: 1991 Verlag Lax Hildesheim , S. 60/61 | |
| 49 | added: | |
| 50 | added: (2).Archiv Rittergut II | |
| 51 | added: | |
| 52 | added: (3).NHSA Hann 74 Cal Nr. 1054, 1056 | |
| 53 | added: | |
| 54 | added: (4).NHSA Hann 74 Cal Nr. 474 | |
| 55 | added: | |
| 56 | added: --- | |
| 57 | added: | |
| 58 | added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-4.html).* | |
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