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refactor: Fredebold-Inhalte von Berichten zu Unterlagen/Dorfgeschichte umstrukturiert

Die Inhalte des Fredebold-Blogs sind keine zeitgebundenen Berichte,
sondern eine zusammenhängende historische Studienreihe über Rössing.
Daher Umzug von berichte/ nach unterlagen/dorfgeschichte/ als Docs
mit echter Kapitelstruktur statt 31 Datums-Einträgen.

Neue Struktur:
- unterlagen/dorfgeschichte/index.md (Übersicht zur Reihe)
- unterlagen/dorfgeschichte/einleitung.md
  ("Aus der Geschichte eines alten Dorfes")
- unterlagen/dorfgeschichte/herren-von-roessing/ (3 Teile + Übersicht)
- unterlagen/dorfgeschichte/meierding/ (5 Teile + Übersicht)
- unterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/ (21 Teile + Übersicht)

Anpassungen:
- Frontmatter von Blog (date, authors, tags, source) auf Docs-Format
  (id, slug, title, sidebar_label, sidebar_position) umgestellt
- _category_.json je Reihe mit generated-index für Übersichtsseiten
- Quellen- und Datumshinweis als Footer in jeder Datei
- Truncate-Marker entfernt (Blog-spezifisch)
- berichte/authors.yml und berichte/tags.yml zurück auf Originalstand

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Deletedberichte/2012-01-13/roessing-geschichte-eines-alten-dorfes.md+0 -27
@@ -1,27 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Rössing"
3deleted: date: 2012-01-13
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [historie, ortsgeschichte]
7deleted: description: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder ga"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/rossing-aus-der-geschichte-eines-alten.html
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10deleted:
11deleted: **Aus der Geschichte eines alten Dorfes**
12deleted:
13deleted: Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder gar 1111jähriges Bestehen. Auch die Rössinger haben das ganze Jahr 2000 hindurch mit vielen Veranstaltungen den 1150sten 'Geburtstag' ihres Dorfes gebührend gefeiert.
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16deleted:
17deleted: Das Alter einer Ortschaft rechnet man vom Zeitpunkt ihrer ersten urkundlichen Erwähnung an. Natürlich war der Ort Rössing, bevor die Ansiedling aktenkundig wurde, bereits bewohnt. Die älteste schriftliche Überlieferung finden wir in der älteren Reihe der *Corveyer Traditionen*, die zwischen 822, dem Gründungsjahr der Benediktinerabtei in Corvey an der Weser, und 877 entstanden sind. Diese Schriften enthalten einfache, undatierte Verzeichnisse der dem Kloster übereigneten Grundstücke und Ländereien in lateinischer Schrift. Der Geber und seine Gaben werden genannt, Personen, in deren Interesse die Schenkung erfolgte, und eine Reihe Zeugen. Die Schenkung selber fand als symbolischer Akt statt - durch die Übergabe eines Zweiges oder eines Rasenstücks.
18deleted:
19deleted: Doch diese *Corveyer Traditionen* sind im Original nicht mehr erhalten. Sie zerfielen und vermoderten im Laufe von über tausend Jahren. So ist die älteste Überlieferung des Namens Rössing 'nur' in einer Abschrift enthalten, die der Priester und Kreuzherr Johannes von Falkenhagen im Jahre 1479 angefertigt hat. Dieses mit großer Sorgfalt ausgeführte Dokument stellt die wertvollste Unterlage der derzeitigen historischen Untersuchungen dar.
20deleted:
21deleted: Rössing ist darin in unterschiedlicher Schreibweise zweimal verzeichnet. Denn der Schreiber hat die abgeschriebenen alten Ortsnamen zusätzlich in der Schreibweise des 15. Jahrhunderts am Rande des Dokuments ausgeworfen. So steht für das alte rotthingun am Rande rotthingen. Und bei der zweiten Eintragung heißt es im Text hrottingun und am Rande rottingen - was sich exakt mit der Schreibweise für Rössing in damaliger Zeit deckt.
22deleted:
23deleted: Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen kann man das Jahr 850 – also die Mitte zwischen 822 und 877 - als den Zeitpunkt annehmen, an dem Rössing urkundlich gegründet sein muss. Die Feiern zum 1150 jährigen Bestehen von Rössing im Jahr 2000 fanden also auf quellensicherem geschichtlichem Boden statt.
24deleted:
25deleted: Quelle: Staatsarchiv Münster, Corvey-Akten Nr. 1419
26deleted:
27deleted: ![](./roessing-geschichte-eines-alten-dorfes-bild-1.jpg)
Deletedberichte/2012-01-23/herren-von-roessing-01.md+0 -43
@@ -1,43 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Die Herren von Rössing ( 1)"
3deleted: date: 2012-01-23
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [herren-von-roessing, historie]
7deleted: description: "Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansäss"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-von-helga.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansässig, nach dem sie sich nennt.
12deleted:
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14deleted:
15deleted: Hier hatte die Familie ihren Rittersitz mit Ländereien und gutspflichtigen Leuten. Die Männer standen als Ministeriale in Diensten der Hildesheimer Bischöfe und erhielten von diesen umfangreichen Lehnsbesitz mit zahlreichen zehnt- und dienstpflichtigen Bauern in Rössing und anderen Teilen des Bistums. Die Lehnsgüter wurden im Mittelalter adeligen „Lehnsmannen“ verliehen gegen persönliche, nicht bäuerliche Leistungen, z.B. ritterliche Gefolgschaftsdienste. Sie sollten der Familie ein standesgemäßes Auskommen sichern. Die Herren von Rössing besaßen die Patrimonialgerichtsbarkeit, also die niedere Gerichtsbarkeit „über Haut und Haar", sie hatten das Mühlen-, das licentfreie Braurecht und das Kirchenpatronat, denn nach Überlieferung hatten sie die Kirche St. Peter und Paul auf eigenem Grund und Boden um 1290 gestiftet.
16deleted:
17deleted: **Ein Dorf** **zwischen zwei Rivalen**
18deleted:
19deleted: Die Geschichte Rössings ist geprägt von seiner Lage an der westlichen Grenze des Fürstbistums Hildesheim. An der Leine saßen die welfischen Herzöge, die noch nie zimperlich waren, wenn es darum ging, ihre Machtposition auszubauen, auf ihrer 1290 dort provokativ errichteten Feste Calenberg. Bei ihren ständigen Versuchen, ihren Machtbereich gegen die Hildesheimer Bischöfe nach Osten hin zu erweitern und ihre Grenznachbarn, die Herren von Rössing, aus ihren Besitzungen auszukaufen und zu verdrängen, setzt ihnen das selbstbewußte Rittergeschlecht erheblichen Widerstand entgegen, nach dem Wahlspruch:
20deleted:
21deleted: *Wer Gott vertraut, brav um sich haut,*
22deleted:
23deleted: *der hat auf keinen Sand gebaut.*
24deleted:
25deleted: **Ritter Lippold III Longus von Rössing**
26deleted:
27deleted: Eine besonders hervorstechende Persönlichkeit in der Geschichte dieser adeligen Familie war Ritter Lippold III Longus von Rössing. Er war ein Mann seiner Zeit, der Zeit der mittelalterlichen Fehden. Die Fehde galt als legitimes Mittel, sein Recht, oder auch nur sein vermeintliches Recht, nach schriftlichem Fehdebrief durchzusetzen.
28deleted:
29deleted: 1331 verpflichtet sich Lippold III schriftlich für fünf Jahre dem Rat der Stadt Hildesheim zum Kriegsdienst mit Knechten und Pferden, mit Rüstungen und Waffen. Dafür muß ihm die Stadt jährlich 100 lötige Mark zahlen. Sollte er gefangen werden, muß die Stadt für ihn das Lösegeld aufbringen.
30deleted:
31deleted: Am 11. November 1333 fordert Lippold III Longus in einem Beschwerdebrief seinen Anteil an der im Krieg gemachten Beute. Dazu gehört, was Bürger und Ritter bei dem Überfall auf die Dammstadt in der Weihnachtsnacht 1332 erbeutet haben, dem schwärzesten Blatt der Hildesheimer Stadtgeschichte: Erwachsene wie Kinder, und auch der Priester waren in der Kirche niedergemetzelt worden.
32deleted:
33deleted: Lippold  und sein Sohn Geverd errichten 1342 eine Burg, ein festes Haus (Kemenate und Wohnung) in Rössing, wie sie schriftlich versichern müssen: „zum Schutz der Herzöge“. Dem welfischen Herzog Heinrich wird die Burg aber lästig, er zerstört sie 1431 und verbietet den Wiederaufbau. Gestattet werden nur Gebäude für Wohn- und Wirtschaftszwecke.
34deleted:
35deleted: Lippold III war dreimal verheiratet und gelangte durch eine seiner Heiraten an die „Herrschaft Hohenbüchen“ bei Alfeld, die später veräußert wird. Er war zweifellos ein mächtiger Mann, und um ihn rankt sich die Sage vom Räuber Lippold.
36deleted:
37deleted: **Ehrenvolle Ämter**
38deleted:
39deleted: Die Herren von Rössing sind aber nicht nur Ritter, die Kriegsdienste leisten, sondern. mehrere Familienmitglieder erwerben das hoch angesehene Amt des Domscholasters und werden Leiter der berühmten Hildesheimer Domschule. Andere sind Domherren, und im Jahre 1398 erhalten Siverd und Dietrich von Rössing das erbliche Marschallamt im Bistum Halberstadt, zugleich mit Gütern in Berssel und Suderode. Der Titel Erbmarschall für den Senior der Familie war bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.
40deleted:
41deleted: Siverd steigt 1415 zum Kaiserlichen Reichsvoigt der Silberstadt Goslar auf, was sein Ansehen noch erheblich stärkt.
42deleted:
43deleted: Wenn Herzog Erich d.Ä. den Herren von Rössing 1506 auch das ehrenvolle, erbliche Hofamt des Erbkokenmeisters (Erbküchenmeisters) mit all seinen Einkünften verleiht, so sind die von Rössing doch selten in hannoverschen Diensten zu finden, sondern engagieren sich lieber in Kurbrandenburg und Preußen, wo sie Offiziere werden oder in hohe Staatsstellungen aufsteigen.
Deletedberichte/2012-01-30/herren-von-roessing-02.md+0 -85
@@ -1,85 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Die Herren von Rössing (2)"
3deleted: date: 2012-01-30
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [herren-von-roessing, historie]
7deleted: description: "Machtausdehnung der Welfen 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adli"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/machtausdehnung-der-welfen.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Machtausdehnung der Welfen**
12deleted:
13deleted: 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adlige Ritter um die von Saldern, zu denen auch die Herren von Rössing gehören, verbünden sich und verweigern die Rückgabe der vom Bischof an Adel und Ritterschaft verpfändeten Güter und Ländereien, die dieser wegen seiner schlechten finanziellen Lage einlösen will. Die anfangs lokale Auseinandersetzung entwickelt sich zu einem offenen Krieg der niedersächsischen Territorialfürsten. In der großen Schlacht bei Soltau am 28. Juli1519 bleibt das Hochstift militärischer Sieger.
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16deleted:
17deleted: Aber der neugewählte Kaiser Karl V. in Wien fällt eine völlig andere Entscheidung.
18deleted:
19deleted: Über Bischof Johann wird 1522 die Reichsacht verhängt und 1523, beim Friedensschluß im Quedlinburger Rezeß, wird das Fürstbistum Hildesheim bis auf die drei Ämter Peine, Steuerwald, Marienburg und die Domprobstei völllig zerschlagen und auf die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt.
20deleted:
21deleted:
22deleted:
23deleted: Rössing wird dem Fürstentum Calenberg zugeordnet. Es wird auch bei der Restitution des Stiftes 1643 nicht wieder zurückgegeben.
24deleted:
25deleted: Herzog Erich der Ältere läßt  nicht nach, seinen persönlichen Machtbereich, sein „Hausgut“ durch Grunderwerb am Calenberg zu erweitern. 1527 und 1532 kauft er den Herren von Rössing große Teile ihres erblichen Eigenbesitzes ab. Er übt ziemlichen Druck auf seine Nachbarn aus, obwohl er die erforderlichen  Summen nicht aufbringen kann. Immer wieder werden Zinszahlungen angemahnt, bis ein Teil der gekauften und nicht bezahlten Ländereien wieder zurückgegeben werden muß.(1)
26deleted:
27deleted:
28deleted:
29deleted: **Die Herzogliche Vogtei und das Patrimonialgericht der Herren von Rössing**
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31deleted:
32deleted:
33deleted: Herzog Erich d. Ältere erwirbt 1537 die Pfandschaft über das bisher vom Kloster Helmarshausen an das Godehardikloster verpfändete Meierding in Rössing mit Vogtei und Gericht. So wird ihm die Hälfte der Rössinger Bauern zehnt- und dienstpflichtig und untersteht seiner Gerichtsbarkeit.
34deleted:
35deleted:
36deleted:
37deleted: Schon als das Godehardikloster das Meierding im Pfandbesitz hatte, gab es ständig Streit mit den Herren von Rössing um die Gerichtsbarkeit, die diese sich im Dorf nicht nehmen lassen wollten. Das ging so weit, daß Siegfried und Friedrich von Rössing im Jahr 1516 wegen Nichterscheinen zu Gerichtsterminen mit dem Godehardikloster vom Gericht der Benediktinerklöster in Erfurt exkommuniziert wurden.
38deleted:
39deleted:
40deleted:
41deleted: Das Amt Calenberg setzt für seinen Gerichtsbezirk in Rössing einen Untervogt, später einen Amtmann ein. Dieser ist auch Steuereinnehmer und versieht Verwaltungsaufgaben und Registratur.
42deleted:
43deleted:
44deleted:
45deleted: **Konflikte vorprogrammiert.**
46deleted:
47deleted:
48deleted:
49deleted: Die Herren von Rössing verbleibt die andere Hälfte des Dorfgerichts als „geschlossenes Adeliges Untergericht“ mit patrimonialem Charakter. Aber daß adelige Gerichtssassen und herzogliche Amtsuntertanen neben- und durcheinander wohnen, gibt es einzig in Rössing und da sind Konflikte natürlich vorprogrammiert. Prozesse sind an der Tagesordnung und die Akten darüber füllen Bände. (2)
50deleted:
51deleted: Denn die Gerichtshoheit ist nicht nur ein wichtiges Herrschaftsindiz der Territorialstaaten, sondern sie hat auch handfeste materielle Hintergründe, weil die Strafgelder dem Gerichtsherrn zufallen.
52deleted:
53deleted: Die Dorfsassen des geschlossenen Untergerichts werden im Gegensatz zu denen eines ungeschlossenen in keinen Amtslagerbüchern, Registern und Katastern des Amtes geführt, sondern nur beim Adeligen Gut. Die Herren von Rössing empfangen ihre Anweisungen wie zum Beispiel über Kriegssteuern oder sonstige Anordnungen direkt von der Regierungskanzlei, ohne die Zwischenschaltung subalterner Beamter.
54deleted:
55deleted:
56deleted:
57deleted: **Zwei Gerichtshoheiten in Rössing**
58deleted:
59deleted:
60deleted:
61deleted: Differenzen durch die doppelte Gerichtsbarkeit im Dorf bleiben nicht aus. So beschwert sich Ludolph von Rössing 1654 in einem Schreiben an den Amtmann von Calenberg, weil zwei seiner Leute wegen etlicher Feldbrüche auf dem Calenberger Landgericht erscheinen sollen. Da von jeher: die gesamten Rössingschen Herrenleute niemals zum Calenbergischen Landgericht gezogen, sondern alles, was an dieser Seite der Zollbrücke (an einem alten Leinearm bei Calenberg) verwirket, auf das Rössingsche Gericht gehöre, und weil den Herren von Rössing die Hälfte des Strafgeldes zustehe, wahre er seine Rechte, um aller Neuerung vorzubauen und in seinem Rechte unbetrübt zu bleiben.
62deleted:
63deleted:
64deleted:
65deleted: Die Jurisdiktion auf den Straßen von Rössing ist ein weiterer Streitpunkt. Höchstens auf des Herzogs Hildesheimer Heerstraße erkennen die Herren von Rössing sie an. Die Gäßchen in Rössing verdienten den Namen Straße nicht, sie führten nur zu einigen Bauernhäusern und so jagt man sich dort gegenseitig die Verbrecher ab.
66deleted:
67deleted:
68deleted:
69deleted: Wie dem von Rössingschen Schäfer Steinwehe einmal ein Hammel gestohlen wird, ertappt man den Täter und verfolgt ihn. Die Gutsleute greifen ihn samt dem corpus delicti im Dorf und setzen ihn im Haus des Schäfers auf gutseigenem Hofe fest. Bevor der Täter, wie es der Rechtsbrauch ist, für drei Tage auf dem adeligen Hof ins Gefängnis gesetzt werden kann, holt ihn der Vogt mit Gewalt auf den Calenberg. Eigentlich müßte er nach drei Tagen Gutskarzer und Meldung beim Amt auf Verlangen desselben ordnungsgemäß zwischen den beiden Brücken (der Rössingbachbrücke und der Schloßgrabenbrücke) übergeben werden. Wieder ist ein Protestschreiben fällig.
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71deleted:
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73deleted: Oft trifft es auch die kleinen Leute. Wie der Gutsuntertan Wintel 1768 heiraten will, wird beim Gut der Manntaler fällig. Auch der Ehedispens wird dort kostenlos ausgestelt. Trotzdem verlangt der Amtsvogt Rothard noch 2 Taler und 31 Mariengroschen, weil sich die Braut bei der Verlobung im Hause eines Amtsuntertanen aufgehaltenhat. Der Ehedispens sei ganz mit Fett oder Tran vollgeschmiert und er erkenne ihn nicht an. Von Rössing beschwert sich bei der Königlichen Justizkanzlei, daß die Landesgesetze ausdrücklich verordnet haben, die Armut nicht über Billigkeit zu beschweren und daß für eine Ehestiftung nicht mehr als 1 Reichstaler genommen werden soll. Außerdem versuche der Vogt Rothard „überall Geld zu erhaschen.“
74deleted:
75deleted: Aber er wird abgewiesen.
76deleted:
77deleted: Diese Zweiteilung der Dorfschaft dauert bis zum Jahr 1821, als die hannoversche Regierung die Auflösung des Adeligen Gerichts verfügt und beide Gemeindeteile 1829 unter calenbergischer Verwaltung vereinigt werden. Die Herren von Rössing werden wiederholt aufgefordert, die Akten und Registratur des Adeligen Gutes, bzw. seiner Untertanen an das Amt Calenberg abzuliefern; diese wurden dort und nicht beim Amt geführt. Aber allem Anschein nach ist das nicht geschehen, denn wiederholt werden die Deposita angefordert. Die Aktenlage über die gutspflichtigen Bauern ist, wohl auch deshalb, sehr schlecht.
78deleted:
79deleted:
80deleted:
81deleted: Quellen:
82deleted:
83deleted: (1) NHSA Sign. Cal Or Des 24 neu Nr 45 ff.
84deleted:
85deleted: (2) NHSA Hann. 74 Cal Nr 293 - 298
Deletedberichte/2012-01-30/herren-von-roessing-03.md+0 -37
@@ -1,37 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Die Herren von Rössing (3)"
3deleted: date: 2012-01-30
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [herren-von-roessing, historie]
7deleted: description: "Der Bau des Schlosses 1579-89 Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenp"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-3.html
9deleted: ---
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11deleted: **Der Bau des Schlosses 1579-89**
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14deleted:
15deleted: Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenpatronat, Gericht und sonstigen Zubehörungen und die Hälfte der auswärtigen, zu Rössing gehörenden Einkünfte. Er heiratet 1579 Anna von Stöckheim und beginnt mit dem Bau des Wasserschlosses. Daran erinnert noch das Allianzwappen am steinernen Portal des östlichen Flügels. Er hatte namhafte Geldmittel in Kriegsdiensten für den spanischen sowie für den französischen König erworben, die ihm die Errichtung des Schlosses in Rössing ermöglichen.
16deleted: Gleichzeitig mit Rössing baut Ludolph nach fast demselben Plan, nur aufwendiger mit einem großen Rittersaal, den dreigeschossigen Bunten Hof in Osterwieck, eine der von Rössingschen Besitzungen.
17deleted: Die beiden rechtwinklig zueinander stehenden Gebäude der zweiflügeligen Rössinger Anlage sind erbaut im Stil der Weserrenaissance, allerdings wesentlich einfacher als die bekannteren Bauten dieser Epoche. Sie sind verbunden durch einen Fachwerkturm mit einer glockenförmigen, welschen Haube. Der westliche Flügel ist mehrfach umgebaut und vergrößert worden und erhält ca. 1910 eine sandsteinerne, historistische Westfassade. Der besondere Reiz der Anlage liegt in den umlaufenden Gräften, von denen die eine vollständig und die andere noch als Teich vorhanden ist. Die Zugbrücke über den recht breiten Schloßgraben wird 1821 durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt.
18deleted:
19deleted:
20deleted: **Die weitere Entwicklung des Adeligen Gutes**
21deleted:
22deleted: Im 18. Jahrhundert verfügt die Familie von Rössing noch über einen sehr umfangreichen Lehnsbesitz. Aber sämtliche Lehnsvettern geraten wegen Verschuldung in Prozesse, die 1713 sogar eine kaiserliche Kommission beizulegen versucht. Als Folge dieser Erbstreitigkeiten gehen die Halberstädtischen Besitzungen Berssel, Suderode und Osterwieck der Familie verloren. Als sich die Anzahl der Lehnsvettern 1724 verringert hat, werden die Nutzungsrechte des Rittersitzes in Elftel aufgeteilt.
23deleted:
24deleted: Louis von Rössing (1790 – 1856) war der Ur-Ur-Großvater des jetzigen Seniors der Familie, Gerhard Freiherr von Rössing und von Hugo. Er war Offizier in der Königlich-Deutschen-Legion, in der Georg III die Reste der durch die Franzosen 1806 aufgelösten hannoverschen Armee gesammelt hatte. Er war bei der Schlacht von Waterloo 1815 dabei und verläßt 1833 als Oberstleutnant den aktiven Dienst, um die Bewirtschaftung des Gutes in Rössing selbst zu übernehmen. Er bringt es fertig, diesen zersplitterten, verschuldeten Rittersitz in eins der ansehnlichsten Güter der Region umzuwandeln. Zu Hilfe kommt ihm, daß er durch die Agrarreform die Ablösungsgelder der Bauern erhält.
25deleted: Er wirtschaftet sehr erfolgreich, unterstützt von seiner Frau, der legendären Ahnfrau Levine, geb. Freiin von Dincklage. Sie steigt im Sommer und Winter morgens in den Schloßgraben, um sich abzuhärten, auch wenn ihr der Kutscher das Eis vorher aufhacken muß, offenbar mit Erfolg, denn sie bringt 13 gesunde Kinder zur Welt. Reste ihres Badehäuschens hat man 1993 bei der Entschlammung des Schloßgrabens noch gefunden. Sie kümmert sich um die Alten und Kranken im Dorf und unterstützt die Einrichtung einer Spinnschule für Mädchen und verschafft ihnen Aufträge.
26deleted: Der älteste Sohn des Ehepaares Alexander war Jurist und erlangte vom König von Preußen 1872 den Freiherrentitel für die Familie, nachdem 1866 das Königreich Hannover zu einer preußischen Provinz geworden war.
27deleted:
28deleted: Als der Vater des jetzigen Betriebsinhabers Gerhard von Rössing und von Hugo 1954 den Betrieb übernahm, arbeiteten noch 18 Männer und 25 Frauen ständig auf dem Hof.
29deleted: Seit 1995 führt der Sohn, Kurt-Alexander, die Tradition fort und bewirtschaftet den Hof weiter. Die ökonomischen Verhältnisse und Betriebsformen haben sich entscheidend geändert und die weitaus größte Arbeitslast liegt auf den Schultern des Betriebsinhabers. Die enge Zusammenarbeit mit den Bauern im Ort und die gemeinsame Nutzung und Auslastung der teuren Maschinen soll das Überleben der wenigen Landwirte gewährleisten.
30deleted:
31deleted: Das Schloß wird derzeit von drei Generationen der Familie von Rössing bewohnt.
32deleted: Es steht unter Denkmalsschutz und seine Erhaltung erfordert viel Einsatz von der traditionsbewußten Familie. Aber sie fühlt sich nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart verpflichtet. Die Mutter des jetzigen Gutsherrn, Madeleine Frfr. von Rössing arbeitet schon viele Jahrzehnte ehrenamtlich für das Deutsche Rote Kreuz. Ihr Sohn, Alexander Frh. von Rössing, ist im Rat der Samtgemeinde Nordstemmen vertreten und seine Ehefrau Tita ist schon mehr als fünf Jahre sehr engagierte Ortsbürgermeisterin in Rössing.
33deleted:
34deleted: Quellen:
35deleted: August Freiherr von Rössing: “Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing“, . Gerstenberg, Hildesheim 1900
36deleted:
37deleted: Armgard von Reden Dohna: „Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim“ Barton`sche Verlagsbuchhandlung Göttingen 1995
Deletedberichte/2012-02-11/roessing-historische-aufnahme.md+0 -13
@@ -1,13 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Rössing - historische Aufnahme"
3deleted: date: 2012-02-11
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [historie, ortsgeschichte]
7deleted: description: "Historische Aufnahme von Rössing"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/02/blog-post.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: ![Historische Aufnahme von Rössing](./roessing-historische-aufnahme-bild-1.jpg)
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
Deletedberichte/2012-03-01/meierding-01.md+0 -45
@@ -1,45 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Das Meierding in Rössing (1)"
3deleted: date: 2012-03-01
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [meierding, historie]
7deleted: description: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössin"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-1.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge**
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt.
16deleted:
17deleted: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten.
18deleted:
19deleted: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“
20deleted:
21deleted: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen  nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1)
22deleted:
23deleted: **Liefertermine und Höhe der Abgaben**
24deleted:
25deleted: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen  Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde.
26deleted:
27deleted: Zum Fest Apostelorum Petri und Paul sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die  Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2)
28deleted:
29deleted: **Schwierige Lebensumstände der Bauern**
30deleted:
31deleted: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht.
32deleted:
33deleted: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren.
34deleted:
35deleted: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen.
36deleted:
37deleted: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden Rös -sing und Giesen.
38deleted:
39deleted: Quellen
40deleted:
41deleted: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts
42deleted:
43deleted: Verlag August Lax Hildesheim 1991
44deleted:
45deleted: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters  Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein)
Deletedberichte/2012-03-02/meierding-02.md+0 -55
@@ -1,55 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Das Meierding in Rössing (2)"
3deleted: date: 2012-03-02
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [meierding, historie]
7deleted: description: "Wechsel der Besitzer 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war d"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-2.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Wechsel der Besitzer**
12deleted:
13deleted: 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war die Bewirtschaftung wegen der Entfernung zu Helmarshausen zu aufwendig geworden. Nach dem Tod Salderns, als das Meierding wieder an das Kloster Helmarshausen zurückfällt, wird es offenbar an die Familie von Rössing verpfändet. (1)
14deleted:
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16deleted:
17deleted: Über diese Verpfändung selbst sind keine sicheren Unterlagen aufzufinden. Aus einer Urkunde vom Jahre 1417 geht aber zweifelsfrei hervor, daß die Brüder Siverd und Diederich von Rössing Pfandinhaber des Meierdings gewesen sein müssen. Denn das Kloster Helmarshausen kauft es ihnen im Jahr 1417 für 1000 Gulden wieder ab. Das ist das einzige Mal, daß das Meierding in den „Stammtafeln“ der Herren von Rössing genannt wird.(2) Gleichzeitig verpfändet Diderik, der Abt von Helmarshausen, das halbe Meierding für 10 Jahre an Hilmar von Otze, den Probst im Kloster am Moritzberg. Das Godehardikloster Hildesheim zahlt dessen Erben dann nach 10 Jahren die Pfandsumme zurück, und so gelangt eine Hälfte des Amtes oder Meierdings in den Besitz des Godehardiklosters. (3)
18deleted:
19deleted: In diesem Kaufvertrag wird das Meierding sehr genau beschrieben. Verkauft werden immer noch 22 Hufe, aber nur noch 21 Höfe - 1375 war ein Höriger von seiner Hofstelle entflohen und nicht wieder eingefangen worden; die Hofstelle blieb unbesetzt. Dazu kommt der Amtshof mit 6 Hufen, eine „Kammerhufe“ genannte Hufe und 15 Morgen, das sogenannte Berner Gut. Pauschal aufgeführt werden Wiesen, Weiden und Holzung, die Vogtei und die Gerichtsbarkeit, außerdem 2 Hufe in Bevelte und 5 Hufe in Werbeke, Acker- und Weideland also, das zu zwei, heute untergegangenen Ortschaften in der Nähe von Rössing gehörte und immer schon vom Kloster Helmarshausen zusammen mit dem Rössinger Meierding verpfändet worden war. Durch geschickte Geldgeschäfte erlangt das Hildesheimische Godehardikloster in der folgenden Zeit den Pfandbesitz über das gesamte Meierding. (4)
20deleted:
21deleted: **Das Meierding, ein begehrter Besitz**
22deleted:
23deleted: Nach der Hildesheimer Stiftsfehde, 1519 bis 1523, wird das Stift zerschlagen und unter die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt. Es bleibt nur das sogenannte „kleine Stift“ übrig, das aus den drei Ämtern Steuerwald, Marienburg, Peine und der Domprobstei besteht. Das Dorf Rössing, an der Westgrenze des Bistums gelegen, wird dem welfischen Amt Calenberg zugeordnet. Herzog Erich d.Ä. nutzt 1526 die Gunst der Stunde und behauptet, seine Vorfahren hätten das Kloster Helmarshausen gestiftet und der Reichsabtei das Rössinger Meierding geschenkt.
24deleted:
25deleted: Jetzt, wo die Abtei durch die Reformation in Auflösung begriffen ist, macht er durch tätliches Vorgehen Ansprüche an St. Godehard geltend. Der Abt des Godehardiklosters beschwert sich darüber bei Bischof Balthasar - vergebens. Aber er gibt nicht auf und klagt nun beim Kammergericht gegen Herzog Erich d.Ä. wegen gewaltsamer „Absetzung von jenem Amte und Abziehung der zugehörigen Leute vom Godehardikloster in calenbergischen Dienst“. Jetzt kommt sogar Karl V., der Kaiser in Wien, ins Spiel. Am 7. Oktober 1530 erläßt er ein Restitutionsmandat an Herzog Erich d.Ä., der damit gezwungen ist sich zurückziehen bzw. wieder herauszugeben, was er ohne rechtliche Grundlage gewaltsam vereinnahmt hat. (5)
26deleted:
27deleted: Die Behauptung, daß die Welfen Kloster Helmarshausen gestiftet hätten, ist nachweislich nicht richtig - es war im Jahre 998 von dem Helmarshäuser Grafen Eckhard und seiner Frau Mathilde gegründet worden. Allerdings hatte Heinrich der Löwe eine besondere Beziehung zu diesem Benediktinerkloster, das durch seine Buchmalerei und Goldschmiedekunst berühmt war. Das kostbare Evangeliar Heinrichs des Löwen, das 1983 in der Öffentlichkeit soviel Aufmerksamkeit erregte, weil es wie eine x-beliebige Antiquität von einem Auktionshaus zum Kauf angeboten worden war, es war von dem Mönch Herimann in Helmarshausen hergestellt worden. Heinrich der Löwe war zwar bis zu seiner Verbannung im Jahre 1180 Schutzvogt des Klosters Helmarshausen und seiner Besitzungen gewesen, aber eben nicht sein Stifter. (6)
28deleted:
29deleted: **Herzog Erich d. Ä. erwirbt 1537/38 das Meierding Rössing**
30deleted:
31deleted: 1537/38 macht Herzog Erich d.Ä. einen erneuten Vorstoß, um sich das Meierding in Rössing einzuverleiben. Er schaltet sich geschickt ein in einen Streit zwischen dem Godehardikloster und dem durch die Reformation in Auflösung begriffenen Kloster Helmarshausen um das verpfändete Meierding Rössing und erwirbt es für sich selbst. Der Pfandvertrag ist auf 60 Jahre angelegt und enthält eine bezeichnende Einschränkung: nur wenn das Kloster die Bewirtschaftung wieder selbst übernähme, sollte es die Möglichkeit haben, die Pfandschaft nach sechs Jahrzehnten wieder einzulösen. Das aber war aussichtslos, der Pfandvertrag bedeutet also eine Abtretung auf Dauer. (7)
32deleted:
33deleted: Das Meierding wird nun als Vogtei Rössing dem Amt Calenberg unterstellt und Landesherren sind nicht mehr die Bischöfe von Hildesheim, sondern die Welfenherzöge; auch die Herren von Rössing müssen sie als Lehnsherren anerkennen. Zwar gehörte Rössing zum Amt Steuerwald, das Bestandteil des „Kleinen Stiftes“ gewesen war, aber es wird nach der Wiederherstellung des „Großen Stiftes“, 1643, nicht wieder zurückgegeben. Von nun an gelten die Calenberger Gesetze.
34deleted:
35deleted: Quellen
36deleted:
37deleted: 1. Overham VIII, 134.
38deleted:
39deleted: (2) August Frh. von Rössing: Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing
40deleted:
41deleted: Gebr. Gerstenberg in Hildesheim 1900
42deleted:
43deleted: (3) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr. 14 vom Jahr 1417
44deleted:
45deleted: (4) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr.17 von 1427
46deleted:
47deleted: (5) Lit. Bistumsgeschichte Bertram II von 1916, S. 56, Cod. Bev. 313, 50, 51. Cod
48deleted:
49deleted: Bev.221, 427, Wien Judicialia miscell. H. fasc. 2, und Hildesheim 191.
50deleted:
51deleted: (6) Hermann Schmidt: Beiträge zur Geschichte der Stadt, der Reichsabtei
52deleted:
53deleted: und der Kunstwerkstätten Helmarshausen, Lippoldsberg 1981
54deleted:
55deleted: (7) NHSA Hannover: Sign. Cal Or Des 24 neu Nr.54
Deletedberichte/2012-03-02/meierding-03.md+0 -72
@@ -1,72 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Das Meierding in Rössing (3)"
3deleted: date: 2012-03-02
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [meierding, historie]
7deleted: description: "Foto: Erhard Wolpert Am Pastorenthie In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Geric"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-3.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: ![](./meierding-03-bild-1.jpg)
12deleted:
13deleted: Foto: Erhard Wolpert
14deleted:
15deleted:
16deleted: **Am Pastorenthie**
17deleted:
18deleted: In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Gerichtsstätten und Versammlungsplätze aus früheren Jahrhunderten.
19deleted:
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21deleted:
22deleted: Auch in Rössing gab und gibt es einen solchen Platz. In der Ortsmitte am Fuße des kleinen Hügels mit dem Pfarrhaus stehen zwei Linden und davor ein geschnitztes Straßenschild: „Am Pastorenthie“, das die Erinnerung an einen Gerichtsplatz wachhält.
23deleted:
24deleted: Durch vor einiger Zeit aufgefundene alte Prozeßakten erhält dieser Platz eine ganz besondere Bedeutung. Die teilweise über 400 Jahre alten Gerichtsprotokolle befassen sich mit den hier regelmäßig abgehaltenen Meierdingsgerichten. Der Ort, an dem diese stattfanden, war mit Sicherheit der durch Linden gekennzeichnete Platz vor dem Pfarrhaus, der „Pastorenthie.“ Denn Rössing war der Sitz eines Meierdings und auch Bauern, die in Giesen Land beackerten, das zu diesem Meierding gehörte, mußten zum Meierdingsgericht nach Rössing.
25deleted:
26deleted: An anderen Ortschaften gab es auch andere Gerichte oder Thingstätten, wie z.B.das „Freiding“ in Giesen für die freien Bauern des „Güldenen Winkels“, zu dem die Ortschaften Himmelsthür, Emmerke, Sorsum, Escherde, Barnten, Rössing, Beelte und Giesen zählten. Die Besitzer von Freidingsland durften nur dieses beackern, um als freie Bauern zu gelten. Sie hatten ihren Gerichtsplatz mit dem Thiestein in Giesen. Dort wurde ihre Grundstücksangelegenheiten – und nur diese – behandelt.
27deleted:
28deleted: Das „Goding“ befaßte sich mit Kriminalfällen und Landesjustiz, dessen Aufgaben Ende des 16. Jahrhunderts teilweise die Landgerichte der Ämterverwaltungen übernahmen und das „Holtding“ war zuständig für Holz- und Waldangelegenheiten.
29deleted:
30deleted: Aber Rössing hatte ein Meierding und ein Meierdingsgericht. (1)
31deleted:
32deleted: **Das Meierdingsland und das Meierdingsgericht**
33deleted:
34deleted: Das Meierdingsgericht verhandelt und entscheidet Angelegenheiten, die das Meierdingsland betreffen. Alle Bauern, die Meierdingsland besitzen, auch wenn es nur ein ganz kleines Stück ist – gehören zu den Erben. Das Land, das von dem altfeudalen Meierding herstammt, hat bis ins 19. Jahrhundert immer einen besonderen rechtlichen Status behalten. Es ist Erbland und daher besonders begehrt und wertvoll.
35deleted:
36deleted: Die rechtliche Stellung der Hörigen, der Laten, hat sich gegenüber der frühmittelalterlichen Situation verändert. Eine neue gesellschaftliche Ordnung hat sich zum Ende des 16. Jahrhunderts durchgesetzt. Die Bauern werden persönlich frei. Die Strukturen des alten Meierdings verändern sich und es zerfällt in Einzelhöfe.
37deleted:
38deleted: Die Besitzer von Meierdingsland können frei über dies Land verfügen, sie können es vererben, verpfänden oder auch verschenken, denn es gehört ihnen. Verpfändungen und Veräußerungen von Meierdingsland, Verschreibungen als Altenteil usw. werden sorgfältig hier verhandelt und genau im „Meierdingsbuche“ festgehalten, wie heute in den Grundbüchern.
39deleted:
40deleted: Für die Zeit ab 1589 sind sehr ausführliche Aktenprotokolle über die in Rössing abgehaltenen Meierdingsgerichte erhalten: 1589, vier Protokolle in 1604, 1608, 1615, 1616, 1618, 1620, 1621, 1630, 1650, 1659, 1662. Sie enthalten Kauf- und Pfandbriefe sowie Prozeßakten. Das Papier ist vergilbt, die Tinte, mit dem Federkiel zu Papier gebracht, ist nach 400 Jahren verblaßt, die Schrift kaum zu entziffern. Und der Sand, der damals die Tintenschrift löschte – trocknete, rieselt z.T. noch heute aus den Seiten des Dokuments. (2)
41deleted:
42deleted: Später wird die Aktenlage über das Meierding dünn.
43deleted:
44deleted: Die alten Meierdingsgerichte folgen festen Verfahrensregeln und Ritualen, die heute schwer verständlich sind. Zuerst fragt der Meierdingsvogt die alten Rechtsgrundsätze ab, die immer auf die gleiche Weise von zwei gewählten *Vorsprechern* beantwortet werden müssen. Niemand darf im Verfahren seine Streitfragen selbst vortragen oder ungefragt sprechen, auch dies ist Aufgabe der *Vorsprecher.*
45deleted:
46deleted: Als 1538 das Meierding Rössing in den Besitz der Calenberger Herzöge übergeht,
47deleted:
48deleted: treten die Calenbergischen Beamten, also Amtmann und Amtsschreiber als Gerichts- und Meierdingsherr in Vertretung ihres Landesherrn auf, der hier als *lllustrissimo* bezeichnet wird. Von jedem Landverkauf, der hier getätigt wird, stehen ihm 2,5% des Erlöses zu. Alle Umsatzgebühren werden genau registriert.
49deleted:
50deleted: Die typischen Abgaben der Meierdingsleute an den Grundherrn, der hier auch der Landesherrn ist, sind bei Heirat *Bedemund* (Betterlaubnis) und im Erbfall *Baulebung* Und jedes Jahr ist ein Hals- oder Rauchhuhn abzuliefern – eine Überlieferung aus der Zeit, als die Hörigen noch als *Halseigene* bezeichnet wurden. Rauchhühner sind keine geräucherten Hühner, sondern der Zins für einen Hof, bzw. für ein Haus, aus dem Rauch aufsteigt, das also eine Feuerstätte hat.
51deleted:
52deleted: **Das Meierrecht**
53deleted:
54deleted: Als die Fronhofsverbände zerfallen, bilden sich Vorformen des Meierrechtes.
55deleted:
56deleted: Durch Hofzusammenlegungen entstehen aus den ehemaligen Ein-Hufe-Höfen sogenannte Vollmeierhöfe mit 3 - 4 Hufen Land oder Halbmeierhöfe durch die Teilung von Vollmeierhöfen. Die kleinsten sind die Köthnerstellen mit 30 und weniger Morgen. Die Bauern können nun Land auf Zeit von anderen Grundherren pachten. Dafür müssen sie Meierzins zahlen. Schon das Wort *Meier* kennzeichnet nicht die genaue Art des Besitzrechtes. Ursprünglich war der *Meier* der Verwalter eines Meierdings oder eines Amtes, später geht der Name auf diejenigen Meierdingsleute über, die wenigstens 2 Hufen beackern.
57deleted:
58deleted: Die wichtigsten Gesetzessammlungen, die das Meierrecht für den hiesigen Raum regeln, sind der Gandersheimer Landtagsabschied von 1601, eine Verordnung über die Besetzung der Bauernhöfe von 1691 und die Calenberger Meierordnung von 1772.
59deleted:
60deleted: In Meierbriefen werden die Bedingungen über den Meierzins, den Fleisch- und Getreidezehnten und die Hand- und Spanndienste gegenüber dem Grundherren festgelegt. Bei Mißwirtschaft oder unpünktlicher Zahlung konnte der Hof entzogen werden. (Abmeierung).
61deleted:
62deleted: In hiesiger Gegend betrieb die welfische Landesherrschaft allerdings schon früh eine bewußte Bauernschutzpolitik, denn ein gesunder Bauernstand bildete eine sichere Steuerquelle. Um den Bauern gegen die Willkür der Grundherren mehr Sicherheit zu geben, wurden die Höfe um 1600 erblich und das Abmeiern erschwert.
63deleted:
64deleted: Die Hofgröße – Vollmeier – Halbmeier – Köthner - definiert nicht nur den sozialen Rang, sondern auch bestimmte Wirtschaftsmöglichkeiten des Hofbesitzers. Eingereiht in die Gruppe der *Reiheleute* hat er eine bestimmte *Allmendeberechtigung*, d.h. ein anteilmäßiges Nutzungsrecht an der nicht aufgeteilten kommunalen Gemarkung Rössing. Er kann auf der *Allmende* – wann und wie lange ist genau geregelt – sein Vieh grasen lassen oder Holz schlagen. Sogenannte Anbauer und Brinksitzer, die kein kein eigenes Land, höchstens einen Garten haben, sind entsprechend nicht allmendeberechtigt.
65deleted:
66deleted: Quellen:
67deleted:
68deleted: (1) Katharina Schrader. Die Bauern von Giesen
69deleted:
70deleted: Druck: kcs & ddh GmbH, Hildesheim 1997
71deleted:
72deleted: 2. NHSA Hann 74 Cal. Nr. 347, 350, 351, 352, 353, 354, 944,
Deletedberichte/2012-03-02/meierding-04.md+0 -59
@@ -1,59 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Das Meierding in Rössing (4)"
3deleted: date: 2012-03-02
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [meierding, historie]
7deleted: description: "Der Niedergang des Meierdings Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buc"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-4.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Der Niedergang des Meierdings**
12deleted:
13deleted: Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buch: Giesen und seine Beelter Männer, daß Archivmaterial für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts deutlich macht, daß Meierdingsgüter in Besitz von Beamten gekommen waren und Meierdingsunterlagen (Meierdingsbücher):
14deleted:
15deleted: <!--truncate-->
16deleted:
17deleted: „in gantz ohnverantwortlicher weise supprimiert (unterdrückt) seyn, solches  aber aus keiner anderen uhrsache geschehen, denn daß wegen derer gar vielen von dem sehl. Oberambtmann Osterwaldt an sich gebrachter Erbländereyn niemand die eigentliche Beschaffenheit wißen soll“. (1)
18deleted:
19deleted: Christoph Heinrich Osterwaldt ist mindestens seit 1673 Amtsschreiber, dann Amtmann und von 1702 bis 1717 Oberamtmann der großen Vogtei Calenberg. Seitdem wohnt er in Rössing, denn auf der alten Feste Calenberg gibt es keine standesgemäße Bleibe für ihn. Er baut in der Langen Straße Nr.17/19 Wohn- und Wirtschaftsgebäude und den schönen Brunnen mit der Jahreszahl 1685,der heute noch Wasser führt. Überall zieht er die Ländereien an sich und bewirtschaftet u.a. den Klunzhof, den ehemaligen Haupt- und Meierhof, als Herrschaftlichen Amtshof sowie die drei Vollmeierhöfe, deren Besitzer in den Türkenkriegen sind. Diese müssen klagen, daß er sie hinterher wieder herausgibt. Außerdem ist er Pächter des herzoglichen Domanialgutes, des heutigen Hausgutes Calenberg und steht dem Landgericht Calenberg vor. Es heißt, daß er von den 32.114 Talern, welche die 12.000 Einwohner des Amtes Calenberg im Jahr 1711 aufbringen müssen, allein 6.010 Taler zahlt. (2)
20deleted:
21deleted: Es liegt nahe, daß das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
22deleted:
23deleted: **Verfall des alten Brauchtums**
24deleted:
25deleted: Nach einem Bericht von 1719 war schon über 40 Jahre kein Meierding mehr abgehalten worden. So tritt ein Verfall des alten Brauchtums ein. In einer recht ausführlichen Beschreibung der Meierdingsgerichte im Amte Calenberg von 1752 gibt es nur noch zwei, eins in Alferde und eins in Sorsum zu Wittenburg. Das Rössinger Meierding wird gar nicht mehr erwähnt.
26deleted:
27deleted: Im Jahre 1832, also kurz vor der Agrarreform, wird in Rössing eine Tabelle über die Verteilung des Grundeigentums erstellt. Darin werden die durch das Meierrecht gebundenen Ländereien aufgelistet, über die die Besitzer nicht frei verfügen konnten, und der frei veräußerliche Grundbesitz. Das an die Höfe gebundene Meierland beträgt 1050 Morgen und das freie Erbland 644 Morgen, davon sind noch 435 Morgen Meierdingsland. In diesen Angaben ist das Adelige Gut mit seinem Grundbesitz nicht enthalten. Dieses freie, erbliche, mittelalterliche Meierdingsland hat sich also bis ins 19. Jahrhundert erhalten. (3)
28deleted:
29deleted: **Die Agrarreform**
30deleted:
31deleted: 1833 setzt in Hannover die Agrarreform ein, die sogenannte Bauernbefreiung, obwohl die Bauern als Person schon lange frei waren. Sie war ein gewaltiges verwaltungstechnisches Werk. Die Reform wurde nur durchsetzbar, weil sie auf eine entschädigungslose Enteignung des Adels und der anderen Grundbesitzer verzichtete. Die Bauern sollten endlich Eigentum an dem Land erhalten, das sie bewirtschafteten.
32deleted:
33deleted: Zuerst erfolgt die Befreiung der Bauern von den Feudalabgaben wie Grundzinsen, Zehnte, Hand- und Spanndienste durch Zahlung des 25-fachen Jahresbetrages, der als abtragbare Hypothek eingetragen und im Laufe von Jahrzehnten getilgt wird. Dafür wird extra eine Bank gegründet, die Hannoversche Landeskreditanstalt.
34deleted:
35deleted: Der hannoversche Minister Carl Bertram Stüve, der die Gesetze für die Landwirtschaftsreform in Hannover schuf, wiederholte aber nicht die Fehler, die in  Preußen 20 Jahre vorher gemacht wurden. Dort konnte ein großer Teil der Ablösegelder 1/3  - ½ , in Land bezahlt werden, die Güter der Grundbesitzer wuchsen, die Bauern verarmten und das Land entvölkerte sich. In Hannover kann nur 1/6 der Ablösungssumme des Zehnten in Land abgegolten werden, alles andere wird langfristig durch Kredite finanziert. Aber nicht alle verkraften die Kosten und müssen aufgeben und verkaufen.
36deleted:
37deleted: Dann erfolgt die Gemeinheitsteilung, d.h. die von der Allgemeinheit genossenschaftlich genutzten Flächen werden unter die bisherigen Nutznießer aufgeteilt. Dann wird ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt, Zusammenlegung der verstreut liegenden Ländereien zu größeren Stücken. Das war dringend notwendig.
38deleted:
39deleted: Zum Beispiel ergab eine Aufnahme der Flurstücke des Meierhofes Nr. 1 Windel/später Kroos aus dem Jahr 1778: 123,75 Morgen in 84 Stücken!  (4)
40deleted:
41deleted: Außerdem muß ein neues Wege- und Grabennetz angelegt werden.
42deleted:
43deleted: Im Zuge des großen Flurbereinigungsverfahrens wird auch der neue Friedhof am Rande des Dorfes eingerichtet. Jeder Landbesitzer erhält einige Quadratmeter Grund und Boden für ein ewiges Erbbegräbnis auf dem Friedhof und dafür entsprechend weniger Ackerland.
44deleted:
45deleted: „Im Holze“, das ist das Gebiet zwischen der Eisenbahnlinie nach Göttingen und der Leine, das im 19. Jahrhundert noch teilweise bewaldet war, wird  die Flurbereinigung erst nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommen.
46deleted:
47deleted: Zwischen 1980 und1990 mußte erneut ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt werden, als die neue ICE -Eisenbahnstrecke angelegt wurde, die die Rössinger Feldmark durchschnitt und neue Straßen- und Brückenbauten erforderte.
48deleted:
49deleted: Quellen
50deleted:
51deleted: (1).Franz Schwerdtfeger: Giesen und seine Beelter Männer
52deleted:
53deleted: 1991 Verlag Lax Hildesheim , S. 60/61
54deleted:
55deleted: (2).Archiv Rittergut II
56deleted:
57deleted: (3).NHSA Hann 74 Cal Nr. 1054, 1056
58deleted:
59deleted: (4).NHSA Hann 74 Cal Nr. 474
Deletedberichte/2012-03-02/unfreie-bauern-kirchlicher-grundbesitz.md+0 -45
@@ -1,45 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge"
3deleted: date: 2012-03-02
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [historie, kirchengeschichte]
7deleted: description: "Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt K"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/unfreie-bauern-auf-kirchlichem.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt.
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten.
16deleted:
17deleted: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“
18deleted:
19deleted: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1)
20deleted:
21deleted: **Liefertermine und Höhe der Abgaben**
22deleted:
23deleted: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde.
24deleted:
25deleted: Zum Fest *Apostelorum Petri und Paul* sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2)
26deleted:
27deleted: **Schwierige Lebensumstände der Bauern**
28deleted:
29deleted: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht.
30deleted:
31deleted: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren.
32deleted:
33deleted: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - *Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen.*
34deleted:
35deleted: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: *In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden*
36deleted:
37deleted: *Rössing und Giesen.*
38deleted:
39deleted: Quellen
40deleted:
41deleted: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts
42deleted:
43deleted: Verlag August Lax Hildesheim 1991
44deleted:
45deleted: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein)
Deletedberichte/2012-03-08/juedische-geschichte-roessing-01.md+0 -39
@@ -1,39 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (1)"
3deleted: date: 2012-03-08
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwoh"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwohner gegeben hat. Zwar steht auf den sechs Grabsteinen, die dort noch vorhanden sind, nur der Name Blumenthal, aber aus alten Akten geht hervor, daß hier vor etwa 2OO Jahren noch andere jüdische Familien im Ort gelebt haben. Es war nur eine kleine Gruppe, aber es ist sehr interessant, einmal dem Schicksal dieser Menschen nachzugehen.
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: # Allgemeiner historischer Rückblick
16deleted:
17deleted: Die Juden in Deutschland lebten von jeher in einer verminderten rechtlichen Stellung. Im Mittelalter unterstanden sie dem kaiserlichen Judenregal (dem Recht, Juden aufzunehmen). Das bedeutete, daß sie dem Kaiser und König einen *goldenen Opferpfennig* für ihren Aufenthalt im Reich zahlen mußten. Dieses Judenregal ging in vielen Fällen als kaiserliches Privileg an die Kurfürsten und sonstigen Territorialfürsten über. Aber diese Tatsache besserte keineswegs den rechtlichen Status der Juden. Bald fiel es dem einen kleinen Landesherren ein die Juden zuzulassen, bald ließ er sie wieder vertreiben, der Willkür waren Tür und Tor geöffnet.
18deleted:
19deleted: Auch der Bischof von Hildesheim besaß das Judenregal, das er **1428** an den Rat der Altstadt verpfändete. Durch hohe Sondersteuern verschlechterte sich die Lage der Juden derart drastisch, daß diese nach Braunschweig flüchteten, wo die Judengesetze zu dieser Zeit liberaler waren. Seit **1457** gab es für ca. 5O Jahre praktisch keine jüdische Gemeinde mehr in Hildesheim.
20deleted:
21deleted: # Die rechtliche Stellung der Juden in den welfischen Fürstentümern
22deleted:
23deleted: **1345**  Herzog Magnus hatte die Juden in seinen Schutz genommen. Einige Jahre später,   als die Pest hier wütete, verfolgte man sie hart und verwies sie des Landes, weil man sie für den *Schwarzen Tod*“ verantwortlich machte
24deleted:
25deleted: **1375**   sie wurden von den Herzögen Wenzeslaus und Albrecht wieder in Hannover zugelassen, wo ihnen der Aufenthalt vorher verboten war
26deleted:
27deleted: **1553** Herzog Erich II vertrieb sie, weil sie „Gott, Jesus und alle gläubigen Christen in ihren Synagogen verflucht und geschmäht hätten". Ein paar Jahre später wurden sie wieder zugelassen
28deleted:
29deleted: **1614**   als die Landstände von Herzog Friedrich Ulrich erneut die Vertreibung der Juden verlangten, entdeckte dieser die Juden als geschätzte Einnahmequelle. Gegen hohe Geldzahlungen gewährte er einer ganzen Anzahl von ihnen Schutz- und Aufenthaltsrecht in Hannover. Da sie keine vollen bürgerlichen Rechte hatten, waren sie praktisch unbegrenzt besteuerbar und auch sonst einer ganzen Reihe von Beschränkungen unterworfen. Beim Überschreiten von Stadt- und Landesgrenzen mußten sie im Gegensatz zu den christlichen Einwohnern Leibzoll bezahlen
30deleted:
31deleted: Es wurden auch Versuche unternommen, die in Sitte und Art so fremdartig erscheinenden Juden zu Christen zu machen. Aber dem setzten die Juden nach wie vor die Unabänderlichkeit ihres Religionsgesetzes und ihrer religiösen Formen entgegen
32deleted:
33deleted: **1622**   im Calenbergischen wurde ihnen der Besuch von Synagogen untersagt und sie wurden zeitweilig gezwungen, christliche Kirchen zu besuchen, weil sie andernfalls mit hohen Strafen belegt wurden
34deleted:
35deleted: **1673**   in Hannover ereignete sich zum wiederholten Male eine Freveltat, bei der von dem jüdischen Friedhof auf dem Sandberge vor dem Steintore widerrechtlich Sand abgefahren und Gräber und Grabsteine beschädigt wurden. Der hochgeachtete und später zum Hof- und Kammeragenten ernannte Hofjude Leffmann Behrens beklagte sich bitter bei den Herzögen. Den Missetätern wurden strenge Strafen angedroht und den Juden erneut das Recht auf die Unversehrtheit ihres Friedhofes bestätigt
36deleted:
37deleted: 1)     Dr. jur. Abraham Löb, Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover
38deleted:
39deleted: 2)   M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland
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@@ -1,61 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (2)"
3deleted: date: 2012-03-08
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Der Schutzbrief Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder au"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in_08.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: ![](./juedische-geschichte-roessing-02-bild-1.jpg)
12deleted:
13deleted: **Der Schutzbrief**
14deleted:
15deleted: Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder auch von den Gerichtsherren der Adeligen Patrimonialgerichte.
16deleted:
17deleted: <!--truncate-->
18deleted:
19deleted: 1687 regelte  Herzog Ernst August für seine welfischen Lande, das spätere Kurfürstentum Hannover, die Schutzverleihung, die er für sich allein in Anspruch nahm. Den Städten und  adligen Gerichten sprach er alles Recht der Ausstellung von Schutzbriefen ab. Die nicht unbeträchtlichen Geldsummen, die die Juden für die Schutzbriefe bezahlen mußten, sollten allein in die landesherrliche  Schatulle fließen. Sein Sohn, der Kurfürst Georg Ludwig, der 1714 als König Georg I den englischen Thron bestieg, bestätigte während seiner Regierungszeit dieses Schutzgeld-Edikt und erließ außerdem noch eine ganze Reihe anderer Judenordnungen.
20deleted:
21deleted: Der Schutz erstreckte sich auf die Person des Juden, seine Ehefrau, seine unverheirateten Kinder, so lange sie in seinem Haus wohnten, und auf diejenige Anzahl von Dienstboten, die den Juden erlaubt war. Wollten sich die Kinder von Schutzjuden verheiraten, oder von ihren Eltern separieren, so bedurften sie eines besonderen Schutzbriefes. (Heiratserlaubnis erhielt von den Söhnen meistens nur der älteste). Der Schutzbrief gewährte das Recht ungestörten Aufenthaltes im Lande auf begrenzte Zeit, zunächst 6 Jahre, Schutz für Leben , Freiheit und Eigentum, ungestörte Ausübung der jüdischen Religion und sicherte den Inhaber davor, nach Willkür der Behörden außer Landes verwiesen zu werden. Er gestattete, nach Maßgabe der Beschränkungen durch die Landesgesetze, Handel- und Wechselgeschäfte zu treiben. Dagegen gewährte der Schutzbrief weder Bürger- noch Heimatrecht.
22deleted:
23deleted: Ganz andere Vorschriften galten dagegen für die unvergleiteten Juden: Sie waren häufig vor Pogromen geflüchtete Osteuropäer. Sie zählten zu den „Armen" und man versuchte, sie sich durch Kontingentierung vom Halse zu halten.
24deleted:
25deleted: So hieß es:
26deleted:
27deleted: Sie werden als Fremde behandelt. Sie dürfen sich an einem Ort nur 3 Tage, in Hannover 8 Tage, bei andern Juden aufhalten und müssen einen Leibzoll erlegen. Wer länger verweilt, wird „allsofort weggeschafft" und muß nach Maßgabe seines Vermögens  1O - 15 Reichstaler Strafe an die Ortsarmenkasse zahlen. An den Denunzianten müssen außerdem noch 5 - 1O Reichstaler gezahlt werden.
28deleted:
29deleted: Dies alles gilt aber nur für die sog. „reputierlichen Juden" (Verordnung vom 9. Juni 1733).
30deleted:
31deleted: „Betteljuden" sollen dagegen gar nicht zugelassen werden.
32deleted:
33deleted: *Werden sie ertappt, so werden sie zum erstenmal mit 14täiger harter Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot belegt und über die Grenze gebracht, beim zweitenmal erhalten sie ein Brandmal, und beim dritten Male werden sie einfach aufgehängt.*
34deleted:
35deleted: (Edikt vom 14. Aug. 1714). Diese Gesetzgebung zwang sie natürlich erst recht zum Vagabundieren.
36deleted:
37deleted: Die Judenordnungen waren aber in den verschiedenen deutschen Fürstentümern durchaus nicht überall gleich. Was den Juden in dem einen Land verboten war, war ihnen im Nachbarland vielleicht erlaubt. Es gab so gut wie nichts, was überall einheitlich geregelt war.
38deleted:
39deleted: Etwa 9O % der im Kurfürstentum Hannover lebenden Juden wohnten in den Städten oder in größeren Orten. Auf dem platten Lande gab es wenige, was mit dem Verbot von Grunderwerb und anderen Berufsbeschränkungen zusammenhing. Ackerbau war ihnen nach der Feudalverfassung verboten.
40deleted:
41deleted: Wenn ein Jude bei der Landdrostei einen Antrag auf einen Schutzbrief stellte oder ein Schutzbrief von einer Gemeinde wegen Umzugs auf eine andere Gemeinde transferiert werden sollte, so wurden genaue Erkundigungen über den betreffenden eingeholt. Der Schutzbrieferteilung wurde nur stattgegeben, wenn die Auskünfte ohne jegliche Beanstandung waren. Die Landdrosteien vertraten den Standpunkt, daß die Juden freiwillig ins Land gekommen seien zu den bekannten Konditionen, daß sie jederzeit des Landes verwiesen werden konnten. Die Anzahl der Juden sollte eine statische Größe bleiben. Es sei immer von dem Grundsatz auszugehen: „Das Kurfürstentum sei ein christliches Land und solle es bleiben.“
42deleted:
43deleted: ![](./juedische-geschichte-roessing-02-bild-2.jpg)
44deleted:
45deleted: 1) Dr. jur. Abraham Löb,  Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover
46deleted:
47deleted: 2) M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland
48deleted:
49deleted: #
50deleted:
51deleted: # 3) Niedersächsisches Jahrbuch 1992 Bd. 64, vom Historischen Verein f. Niedersachsen, Verlag Hahnsche Buchhndlg. Hannover 1992, Uwe Eissing S. 287 ff.
52deleted:
53deleted: #
54deleted:
55deleted: # 4) Chur-Braunschweig-Lüneburgische Landesordnungen und Gesetze IV Teil,
56deleted:
57deleted: # von Policey - Sachen
58deleted:
59deleted: # zum Gebrauch der Fürstenthümer Graf- und Herrschafften Calenbergischen Theils
60deleted:
61deleted: Göttingen 1740, in Verlag der Königl. privilegirten Universitäts Buchhandlung
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-03.md+0 -128
@@ -1,128 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (3)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Berufsbeschränkungen der Juden Ein reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergil"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Berufsbeschränkungen der Juden
12deleted:
13deleted: Ein
14deleted: reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben,
15deleted: denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergilden, die
16deleted: Zünfte und Innungen basierten auf den christlichen Bruderschaften
17deleted: des Mittelalters, und ihr Brauchtum war stark christlich geprägt.
18deleted: Mit der Zunftverfassung konnte eine "*durch
19deleted: Religion und Sitte ganz verschiedene Sekte*"
20deleted: kaum in Übereinstimmung gebracht werden.
21deleted:
22deleted: <!--truncate-->
23deleted:
24deleted: **Schlachten**
25deleted:
26deleted: Das
27deleted: Schlachten war ihnen zum eigenen Verbrauch erlaubt, aber z.T. auch
28deleted: zum Verkauf an Christen. Ihr jüdischerGlaube gestattete ihnen, nur
29deleted: Fleisch von geschächteten Tieren zu essen.
30deleted:
31deleted: Dieses
32deleted: Schächten ist eine rituelle Schlachtung makelfreier (koscherer)
33deleted: Tiere. Nach den jüdischen Speisegesetzen sind dies wiederkäuende
34deleted: Paarhufer wie Rind, Schaf, Ziege oder Hirsch. Es wird von einem
35deleted: Schächter, einem Kultbeamten durchgeführt. Dieser führt mit einem
36deleted: langen, scharfen Messer einen raschen Querschnitt durch
37deleted: Halsschlagader, Speise- und Luftröhre des Tieres, wodurch eine volle
38deleted: Ausblutung erreicht werden soll. Eine vorherige Betäubung des
39deleted: Schlachttieres war religionsgesetzlich unzulässig.
40deleted:
41deleted: In
42deleted: Deutschland wurde das Schächten durch das Gesetz vom 21.4.1933
43deleted: verboten, weil es dem deutschen Tierschutzgesetz widerspricht. Durch
44deleted: Verordnung wurde es 1946 und 1947 von den Alliierten
45deleted: Militärregierungen wieder zugelassen. Eine einheitliche
46deleted: bundesgesetzliche Regelung steht auch heute noch aus und es wird in
47deleted: den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
48deleted:
49deleted: **Handel
50deleted: und Geldgeschäfte**
51deleted:
52deleted: Die
53deleted: organisierten Kaufmannschaften waren ihnen verschlossen.
54deleted:
55deleted: Die
56deleted: Juden durften mit alten und einigen neuen Waren handeln, so weit
57deleted: nicht die Privilegien der Zünfte oder der Bürgerschaft dagegen
58deleted: standen. Als „*Trödeljuden*"
59deleted: hielten sich viele über Wasser. Der Hokenhandel, der Kleinhandel,
60deleted: war ihnen erlaubt. Gewohnheitsmäßig kamen auf dem Lande der Vieh-,
61deleted: Getreide- und Pferdehandel dazu, sowie Geld- und Wechselgeschäfte.
62deleted:
63deleted: Vor
64deleted: allem der Geldverleih lag in den Händen der Juden, den das
65deleted: kirchliche Zinsverbot den Christen untersagte. Sie hatten das
66deleted: Privileg, von Darlehen Zinsen zu nehmen und das Recht, verpfändete
67deleted: oder verkaufte Sachen bis zur Zahlung zurückzubehalten. Einige Juden
68deleted: kamen dadurch zu erheblichen Vermögen und wurden wegen ihrer
69deleted: Geschicklichkeit in Gelddingen von den stets finanzschwachen Fürsten
70deleted: an ihre Höfe gezogen.
71deleted:
72deleted: Einer
73deleted: von diesen war der bekannte Joseph Süß-Oppenheimer (1692-1738), der
74deleted: von Herzog Karl Alexander von Württemberg zum Geh. Finanz-und
75deleted: Staatsrat ernannt wurde. Durch Münzmanipulationen und Verkauf von
76deleted: Ämtern, Titeln und Privilegien erschloß er dem geldbedürftigen
77deleted: Herzog immer neue Geldquellen. Die Beamtenschaft und die Landstände
78deleted: zwangen dem Herzog kurz vor seinem Tode den Haftbefehl gegen
79deleted: Süß-Oppenheimer ab, der in einem anfechtbaren Verfahren zum Tode
80deleted: verurteilt wurde. Seine Lebensgeschichte diente als Vorlage für den
81deleted: im Dritten Reich gedrehten Film „*Jud
82deleted: Süß.“*
83deleted:
84deleted: # Geisteswissenschaften
85deleted:
86deleted: Öffentliche
87deleted: Ämter und Würden im Militär- und Zivilstand waren ihnen bis zur
88deleted: Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert nicht zugänglich, obwohl
89deleted: das in den verschiedenen deutschen Fürstentümern auch
90deleted: unterschiedlich gehandhabt. wurde. Die Universitäten standen ihnen
91deleted: offen und es gab jüdische Ärzte und Advokaten. Diese Gegebenheiten
92deleted: führten dann im 19. und 2O. Jahrhundert beinahe zwangsläufig in
93deleted: verschiedenen Berufsgruppen, vor allem geistigen und künstlerischen,
94deleted: zu einer Überrepräsentation der Juden im Verhältnis zur übrigen
95deleted: Bevölkerung.
96deleted:
97deleted: Ein
98deleted: klassisches Beispiel dafür ist die Nachkommenschaft des jüdischen
99deleted: Bankiers und Kammeragenten Leffmann Behrens im 17. Jahrhundert am
100deleted: Hannoverschen Hofe
101deleted:
102deleted: Er
103deleted: war verheiratet mit Jente Hameln. Diese hatte aus erster Ehe schon
104deleted: sechs Kinder. Aus ihrer zweiten Ehe mit Leffmann Behrens gingen noch
105deleted: einmal drei Kinder hervor.
106deleted:
107deleted: Diese
108deleted: Kinder hatten sehr berühmte Nachfahren, u.a. Siegmund Freud, die
109deleted: Dichter Heinrich Heine und Carl Sternheim und der Komponist Felix
110deleted: Mendelssohn Bartholdy
111deleted:
112deleted: Quellen:
113deleted:
114deleted: Dr.
115deleted: jur.Löb, Abraham:
116deleted:
117deleted: „Rechtsverhältnisse
118deleted: derJuden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz
119deleted: Hannover“, Frankfurt 1908
120deleted:
121deleted: M:
122deleted: Zuckermann.
123deleted:
124deleted: „Kollekteana
125deleted: zur Geschichte der Juden im Hannoverland“, Hannover 1912
126deleted:
127deleted: Jahrbuch
128deleted: des Historischen Vereins 1992, Uwe Eissing S.320 ff
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-04.md+0 -159
@@ -1,159 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (4)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Erwerb von Grund und Boden Der Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern se"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_26.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Erwerb von Grund und Boden
12deleted:
13deleted: Der
14deleted: Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und
15deleted: sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern seit eh
16deleted: und je verboten. Aber da sie Geldverleih betrieben und dafür häufig
17deleted: Sicherheiten in Form von Grundbesitz nahmen, waren die
18deleted: diesbezüglichen landesherrlichen Anordnungen oft unterlaufen worden.
19deleted:
20deleted: <!--truncate-->
21deleted:
22deleted: Um den bestehenden Gesetzen erneut Nachdruck zu
23deleted: verleihen und einer weiteren Verbreitung dieses Brauchs Einhalt zu
24deleted: gebieten, wurde 1718 auf Befehl des hannoverschen Kurfürsten Georg
25deleted: Ludwig, der 1714 als Georg I den englischen Königsthron bestiegen
26deleted: hatte, ein Dekret mit folgendem Inhalt veröffentlicht:
27deleted:
28deleted: *"Es
29deleted: wird angeordnet, daß von nun an kein Jude in unseren Landen, den
30deleted: Fürstentümern Lüneburg, Calenberg, Göttingen und Grubenhagen
31deleted: u.s.w., die Stadt Harburg ausgenommen, weder in den Städten noch auf
32deleted: dem Land ein Wohnhaus oder andere Immobilien als Eigentum erwerben
33deleted: soll.*
34deleted:
35deleted: *Nachdem
36deleted: die Juden in der vergangenen Zeit durch Kauf viele Häuser und
37deleted: Immobilien an sich gebracht, wurde die Zahl der Juden vermehrt, die
38deleted: bürgerliche Nahrung dagegen vermindert und die Häuser im Preis
39deleted: unnötig gesteigert. Außerdem werden die Bürger durch
40deleted: Einquartierung von Soldaten über Gebühr belastet, da die
41deleted: Juden-Häuser wegen der Verfassung bisher nie mit Einquartierung
42deleted: belegt worden sind. Damit diese Anordnung nicht unterlaufen wird,
43deleted: wird der Abschluß solcher Contrakte verboten, die am Ende eine
44deleted: rechtmäßige Güterübertragung nach sich ziehen. Wo eine
45deleted: Veräußerung verboten ist, ist auch eine Verpfändung verboten. Im
46deleted: ersteren Fall fallen die Immobilien der Königlichen Kammer anheim,
47deleted: im zweiten Fall, also bei Verpfändung, soll der Schuldner nicht zur
48deleted: Zahlung verpflichtet sein und der Contrakt null und nichtig.*
49deleted:
50deleted: *Damit jedoch den Untertanen nicht jede
51deleted: Gelegenheit genommen wird, im Fall der Not auf ihre Immobilie Geld
52deleted: herzuleihen, so wird gestattet, daß ein Jude 6 Jahre lang Geld
53deleted: darauf leiht, dies darf aber nur vor dem Magistrate geschehen. Nach 6
54deleted: Jahren erlischt der Vertrag. Sollte nach diesen 6 Jahren der
55deleted: Schuldner zahlungsunfähig sein, und eine Verlängerung der Hypothek
56deleted: wünschen, so ist dies beim Rat anzumelden, der eine diesbezügliche
57deleted: Anordnung trifft. Damit sich aber kein Jude mit Unwissenheit
58deleted: entschuldigt, wird diese Anordnung öffentlich angeschlagen und jedem
59deleted: Juden mit dem Schutzbrief zusammen ausgehändigt."*
60deleted:
61deleted: 5.
62deleted: Januar 1718
63deleted:
64deleted: Ad
65deleted: Mandatum Regis
66deleted:
67deleted: F.W.Fr.
68deleted: von Goertz
69deleted:
70deleted: ## Quelle: NHSA Sign: Hann 74, Cal Nr. 43O
71deleted:
72deleted: Am
73deleted: **18.
74deleted: August 1731**
75deleted: wurde von der hannoverschen Regierung eine weitere Verordnung
76deleted: erlassen, die folgendes zum Inhalt hatte:
77deleted:
78deleted: *"Wir
79deleted: vernehmen mißfällig, daß unsere unterm 5. Januar 1718 erlassene
80deleted: Verordnung, kraft welcher wir verboten, daß die in unseren Landen
81deleted: vergeleiteten Juden einige unbewegliche Güter an sich bringen oder
82deleted: darauf anders als die vorgeschriebene Art Gelder herleihen, von
83deleted: vielen Magistratspersonen dahin gedeutet wird, daß den Juden erlaubt
84deleted: sei, bei Konkursen oder Zwangsversteigerungen Immobilien durch das
85deleted: höchste Gebot zu erstehen, oder auf Ländereien Geld zu leihen und
86deleted: in Besitz zu nehmen, den Pflug darauf zu schicken, oder Gärten und
87deleted: Wiesen selbst zu bestellen oder das Nutzungspfand an Liegenschaften
88deleted: zu genießen. Dies läuft unserer Absicht völlig zuwider. So
89deleted: bekräftigen wir unsere Willensmeinung dahingehend, daß es den Juden
90deleted: auf keine Art und Weise erlaubt sein soll, Immobilien an sich zu
91deleted: bringen. Auch bei Zwangsversteigerungen ist es nicht gestattet, daß
92deleted: sie selbst oder durch Bevollmächtigte vertreten, die Pfandnutzung an
93deleted: Ländereien, Gärten oder Wiesen*
94deleted: *erwerben."*
95deleted:
96deleted: Es
97deleted: folgt der Passus wie vorhergehend.
98deleted:
99deleted: *"Damit kein Jude sich mit
100deleted: Unwissenheit entschuldigen kann, wird dies sofort öffentlich bekannt
101deleted: gemacht und einem jeden Juden ein Exemplar zugestellt."*
102deleted:
103deleted: 18.
104deleted: Aug. 1731
105deleted:
106deleted: Ad
107deleted: Mandatum Regis
108deleted:
109deleted: L.
110deleted: U. v. Hardenberg
111deleted:
112deleted: ## Quelle: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O
113deleted:
114deleted: Aber
115deleted: schon längst hatte die handelsübliche Praxis die fürstlichen
116deleted: Anordnungen überholt. Es war den Juden nicht mehr länger zu
117deleted: verbieten, für ihre Darlehen auch offiziell Sicherheiten zu nehmen
118deleted: und auf Immobilien Hypotheken eintragen zu lassen. Daher folgte dem
119deleted: Dekret vom 18. Aug. 1731 einige Monate später, **am
120deleted: 17. Dez**.
121deleted: desselben Jahres ein neues. Im Namen des Königs Georg verfügte die
122deleted: hannoversche Regierung nun folgendes:
123deleted:
124deleted: *"Es sind bei der
125deleted: in unsern Landen angesessenen Judenschaft Zweifel über die unterm
126deleted: 18. August 1731 ergangene Verordnung entstanden: Kann einer der
127deleted: vergeleiteten Schutzjuden, wenn er Gelder ausleiht, gültige Hypothek
128deleted: auf Immobilien eintragen lassen? Hat eine solche Hypothek nach dem
129deleted: Edikt Gültigkeit und wird sie nach vorfallenden Konkursen anerkannt?*
130deleted:
131deleted: *Unsere
132deleted: Willensmeinung wird hiermit kund getan: Weil den in unseren Landen
133deleted: vergeleiteten und mit richtigen Schutzbriefen versehenen Juden die
134deleted: Handelschaft nach Maßgabe der ergangenen Edikte gestattet ist, ist
135deleted: ihnen auch nicht verwehrt, bei allen ihnen erlaubten Verträgen die
136deleted: erlaubten Sicherheiten zu nehmen. Dazu gehört allerdings auch die
137deleted: Belastung von Immobilien und "liegenden Grund=Stücken" mit
138deleted: Hypotheken. Im übrigen behält das Edikt seine Gültigkeit. Wir
139deleted: erklären noch einmal ausdrücklich, daß alle vergeleiteten und mit
140deleted: gehörigen Schutzbriefen versehenen Juden bei allen und jeden ihnen
141deleted: erlaubten Handlungen, wo sie es zu ihrer Sicherheit nötig finden,
142deleted: sich von den Schuldnern auf Immobilien Hypotheken verschreiben lassen
143deleted: dürfen und bei entstehenden Konkursen und anderen ´Prozessen in
144deleted: Judicando´ den Rechten gemäß darauf zu reflektieren. Es soll nach
145deleted: rechtlicher Ordnung bei all unseren Gerichten danach verfahren werden
146deleted: ohne Ansehung der Tatsache, daß bei dieser Art Schulden Juden in den
147deleted: Besitz von Immobilien kommen.*
148deleted:
149deleted: 17.
150deleted: Dezember 1731
151deleted:
152deleted: Ad
153deleted: Mandatum Regis
154deleted:
155deleted: L.
156deleted: U. v. Hardenberg
157deleted:
158deleted: Quelle:
159deleted: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O
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@@ -1,85 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (5)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Lockerung der Judengesetze in der Franzosenzeit und bleibende Familiennamen Während der französischen Revolution, schon 1789 auf der Nationalversammlung, wurde"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8268.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Lockerung der Judengesetze in der
12deleted: Franzosenzeit und bleibende Familiennamen**
13deleted:
14deleted: <!--truncate-->
15deleted:
16deleted: Während
17deleted: der französischen Revolution, schon 1789 auf der
18deleted: Nationalversammlung, wurde für die Juden als Staatsbürger die
19deleted: rechtliche Gleichstellung gefordert und durch die Emanzipationsakte
20deleted: in Frankreich auch gesetzlich verankert. Als während der
21deleted: französischen Okkupation große Teile des Kurfürstentums Hannover
22deleted: dem kurzlebigen Königreich Westfalen (18O7-1812) angegliedert
23deleted: wurden, erhielten auch die hannoverschen Juden die bürgerliche
24deleted: Gleichstellung. Die alten hannoverschen Judengesetze wurden
25deleted: aufgehoben, der Grunderwerb gestattet und die Schutzbriefe sowie der
26deleted: diskriminierende Leibzoll wurden abgeschafft.
27deleted:
28deleted: Obwohl
29deleted: durch das Dekret vom 27. Januar 1808 allen Juden dieselben Rechte wie
30deleted: den andern Bürgern eingeräumt wurden, mußten die Juden in Hannover
31deleted: das ihnen von der alten Landesregierung auferlegte Schutzgeld weiter
32deleted: zahlen. Ein diesbezügliches Protestschreiben wurde von der
33deleted: französischen königlich-westfälischen Präfektur in Kassel
34deleted: abgeschmettert.
35deleted:
36deleted: „Das Schutzgeld
37deleted: gehört zu den Dotationen, die dem Kaiser der Franzosen nach der
38deleted: Okkupation des Kurfürstentums Hannover zustehen und die dieser an
39deleted: König Jerôme von Westfalen abgetreten hat.“
40deleted:
41deleted: Am
42deleted: 31.März 1808 wurde außerdem verfügt, daß die Juden binnen 3
43deleted: Monaten *bleibende
44deleted: Familiennamen* annehmen
45deleted: sollten. Bis dahin führten sie in der Regel nur ihre
46deleted: *alttestamentarischen*Vornamen.
47deleted: Das *westfälische
48deleted: Namensedikt*
49deleted: wurde im Benehmen mit den Juden des Landes entwickelt, die sich
50deleted: einmütig für bleibende Familiennamen ausgesprochen hatten. Die
51deleted: Namenwahl war grundsätzlich freigestellt, anders als in Frankreich
52deleted: waren auch jüdische Namen und Vornamen erlaubt. (3)
53deleted:
54deleted: Aber
55deleted: als nach dem Ende der Fremdherrschaft Hannover 1814 Königreich
56deleted: wurde, setzte es sofort, noch vor dem Ende des Wiener Kongresses,
57deleted: seine aus dem 18. Jahrhundert stammenden kurfürstlichen Judengesetze
58deleted: - mit Ausnahme des Leibzolls - wieder in Kraft, erneuerte damit die
59deleted: Institution des Schutzjudentums und setzte seine restriktive
60deleted: Judenpolitik fort.
61deleted:
62deleted: Von
63deleted: 1828 bis 1833 sammelten die Landdrosteien statistisches Material über
64deleted: die Lage der jüdischen Bevölkerung. Ihr Anteil betrug 0,6% im
65deleted: Königreich. Außer ländlichen Handelsleuten, Schlachtern und
66deleted: kleinen Gewerbetreibenden gab es nur einen jüdischen Juristen, einen
67deleted: Arzt und einen Tierarzt, und die Altstadt von Hannover verfügte
68deleted: noch, wie die Stadt Osnabrück, über das Privileg des *non
69deleted: tolerandi Judaeos.*
70deleted: (4)
71deleted:
72deleted: Quellen
73deleted:
74deleted: 1. Dr.
75deleted: jur. Abraham Löb, Frankfurt 1908: Rechtsverhältnisse der Juden im
76deleted: ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover
77deleted: 2. M.
78deleted: Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im
79deleted: Hannoverland
80deleted:
81deleted: 3) Niedersächsisches
82deleted: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld, S. 275 ff
83deleted:
84deleted: 4) Niedersächsisches
85deleted: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 289
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-06.md+0 -110
@@ -1,110 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (6)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Die Emancipation der Juden im Königreich Hannover Während In der Deutschen Bundesakte von 1815 die Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten di"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_5293.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Die *Emancipation*
12deleted: der Juden im Königreich Hannover
13deleted:
14deleted: Während
15deleted: In der *Deutschen
16deleted: Bundesakte von* ***1815***die
17deleted: Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten die
18deleted: einzelnen Deutschen Bundesländer, bis auf Preußen, sie wieder außer
19deleted: Kraft.
20deleted:
21deleted: <!--truncate-->
22deleted:
23deleted: Mit Fragebögen wurde die jüdische Bevölkerung
24deleted: wieder genau erfaßt. Es wurde nachgeforscht, wo jemand inzwischen
25deleted: Grundeigentum erworben hatte und die Institution des Schutzjudentums
26deleted: wurde erneuert. Die unveränderlichen Nachnamen blieben teilweise im
27deleted: Gebrauch, manchmal fielen sie weg.
28deleted:
29deleted: In
30deleted: Frankreich erfolgte die Gleichstellung der Juden **1790**durch
31deleted: eine einzige Akte, im Königreich Hannover dagegen war es ein
32deleted: langwieriger Prozeß, der sich schrittweise über Jahrzehnte
33deleted: erstreckte. 1828 wurden wieder bleibende Familiennamen eingeführt.
34deleted:
35deleted: Die
36deleted: drei Rössinger Judenfamilien mußten sich am **14.
37deleted: Mai 1828**
38deleted: auf dem Amt Calenberg einfinden und ihren Wahlnamen angeben. Sie
39deleted: entschieden sich für die Namen, die sie auch schon während der
40deleted: Franzosenzeit führten:
41deleted:
42deleted: Neuhaus,
43deleted: Neuberg und Blumenthal
44deleted:
45deleted: **1832**Der
46deleted: Gesetzentwurf zur Reform der bürgerlichen Verhältnisse der Juden,
47deleted: an den „nur noch letzte Hand anzulegen war," gelangte **1836**zur
48deleted: Beratung an die Stände und ging **1837**im
49deleted: Verfassungskonflikt unter.
50deleted:
51deleted: **30.
52deleted: September 1842: „*****Emancipationsgesetz“***
53deleted:
54deleted: Gesetz
55deleted: über die Rechtsverhältnisse der Juden
56deleted:
57deleted: Artikel
58deleted: 1, Abschnitt 1 stellte als Regel den *Grundsatz
59deleted: der Gleichheit*
60deleted: in Rechten und Pflichten mit den Christen auf.
61deleted:
62deleted: § 5
63deleted: enthielt die Bestimmung:
64deleted:
65deleted: "*Das
66deleted: Schutzverhältnis der Juden, so weit es noch*
67deleted: *besteht,
68deleted: wird aufgehoben. Die daraus folgenden Leistungen bleiben jedoch
69deleted: einstweilen und bis auf ein zu erlassendes Gesetz bestehen.*"
70deleted:
71deleted: Die
72deleted: Juden wurden zwar der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen, aber der
73deleted: Regierung stand das Recht zu, die Juden bis auf weiteres nicht zum
74deleted: Militärdienst heranzuziehen.
75deleted:
76deleted: Viele Bestimmungen des neuen Gesetzes wurden durch
77deleted: Ausnahmeregelungen durchlöchert.
78deleted:
79deleted: **1847**
80deleted: folgten Ergänzungen zu dem Gesetz von 1842, unter anderem:
81deleted:
82deleted: **das
83deleted: Recht der**
84deleted: **Juden,
85deleted: ein Haus und 1 1/4 Morgen Acker zu erwerben.**
86deleted:
87deleted: **Am
88deleted: 5. September 1848**
89deleted: brachte das Gesetz die *völlige
90deleted: Gleichstellung der Juden im*
91deleted: Königreich Hannover durch den Passus, daß die Ausübung der
92deleted: bürgerlichen und politischen Rechte vom Religionsbekenntnis
93deleted: unabhängig sein sollte. Die Juden konnten damit auch öffentliche
94deleted: Ämter übernehmen und waren berechtigt zur Teilnahme an der
95deleted: Gemeinde- und Landesvertretung.
96deleted:
97deleted: **1869**sorgte
98deleted: der *Norddeutsche
99deleted: Bund* für
100deleted: die Aufhebung der letzten persönlichen Beschränkungen.
101deleted:
102deleted: Quelle:
103deleted:
104deleted: Niedersächsisches
105deleted: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 287 ff. (Rechtsverhältnisse der
106deleted: Juden)
107deleted:
108deleted: Niedersächsisches
109deleted: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld S. 263 ff. (Familiennamen der
110deleted: Juden)
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-07.md+0 -78
@@ -1,78 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (7)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Ein Diebstahl auf dem Schloß Die ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem Eigentumsdelikt. 1757 wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Die"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7127.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: # Ein Diebstahl auf dem Schloß
12deleted:
13deleted: Die
14deleted: ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem
15deleted: Eigentumsdelikt.
16deleted:
17deleted: <!--truncate-->
18deleted:
19deleted: **1757**
20deleted: wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Diebstahl von
21deleted: silbernen Tressen auf dem adeligen Gute ertappt. Er war geständig
22deleted: und gab die gestohlenen Tressen auch sogleich zurück. Es war die
23deleted: Zeit des Siebenjährigen Krieges, das Kurfürstentum Hannover war von
24deleted: den Franzosen besetzt und auch in Rössing lag Einquartierung.
25deleted:
26deleted: Bei
27deleted: dem Übeltäter handelte sich um einen hier angesessenen Juden und
28deleted: Herr F.L. von Rössing als Guts- und gleichzeitig Gerichtsherr
29deleted: sperrte den Übeltäter für drei Tage im Hundestall ein, der als
30deleted: Karzer diente. Danach ließ er ihn laufen und betrachtete die
31deleted: Angelegenheit damit als erledigt.
32deleted:
33deleted: Aber
34deleted: der Gerichtsvogt der Gemeinde, G.W. Rothard, erstattete über die
35deleted: Angelegenheit postwendend schriftlichen Bericht auf dem Calenberg.
36deleted: Offenbar stand er in persönlicher Feindschaft zu dem
37deleted: Patrimonialgerichtsherrn. Das zeigt die sehr aggressive Form, die in
38deleted: all seinen diesbezüglichen Schriftstücken hervorsticht. Er war der
39deleted: Meinung, Herr von Rössing hätte kein Recht gehabt, den Delinquenten
40deleted: eigenmächtig zu entlassen. Vielmehr hätte er ihn nach drei Tagen
41deleted: „zwischen den beiden Brücken" (Schloßgraben und
42deleted: Rössingbachbrücke) dem Calenberger Gericht übergeben müssen,
43deleted: damit dieser vom Amtsgericht ordentlich abgestraft würde.
44deleted:
45deleted: „*Allein
46deleted: die arglistigen Inhabers des Rössingschen*
47deleted: *Niedergerichts
48deleted:
49deleted: versuchen öfters bei ein und den anderen Veränderungen, ob sie
50deleted: durch
51deleted: dergleichen Einschleichung sich verbreiten können."*
52deleted:
53deleted: F.L
54deleted: von Rössing wurde vom Amt um Stellungnahme gebeten.
55deleted:
56deleted: Seine
57deleted: Antwort:
58deleted:
59deleted: „*Da
60deleted: der hier eingesessene Jude, als man ihn ertappte, die Silbertressen,
61deleted: die er in den Händen hielt*,
62deleted: *sogleich
63deleted: zurückgegeben hat*,
64deleted: *ist er
65deleted: nicht wegen Diebstahls, sondern nur wegen ungebührlicher Aufführung
66deleted: mit drei Tagen Hundezwinger bestraft. So habe ich mich auch nicht
67deleted: eines Eingriffs in die Königliche*
68deleted: *Jurisdiktion
69deleted: schuldig gemacht.“*
70deleted:
71deleted: Vereinzelt
72deleted: in den Dörfern lebende Juden hielten sich mit Vorliebe unter den
73deleted: „Adeligen Gerichtsherrn“ auf, weil sie dort meistens nicht die
74deleted: volle Härte der offiziellen restriktiven hannoverschen Judenpolitik
75deleted: traf.
76deleted:
77deleted: Quelle:
78deleted: NHSA, Sign. Hann 74, Cal Nr. 295
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-08.md+0 -131
@@ -1,131 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (8)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau Jette Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die Erlangung der für die Juden überlebenswichtige Schutz"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_1630.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau
12deleted: Jette
13deleted:
14deleted: Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die
15deleted: Erlangung der für die Juden überlebenswichtige
16deleted: Schutzbrieferteilung.
17deleted:
18deleted: <!--truncate-->
19deleted:
20deleted: Im
21deleted: Jahre 1806 stellt der „Judenknecht“ Samuel Hirsch aus Barnten
22deleted: wiederholt einen Antrag auf einen Schutzbrief auf Rössing. Als
23deleted: „Judenknechte“ wurden alle nicht selbstständig arbeitenden
24deleted: männlichen Juden im „Amtsdeutsch“ bezeichnet. Dieser Schutzbrief
25deleted: wird ihm mehrmals abgeschlagen.
26deleted:
27deleted: Der
28deleted: gutachterliche Bericht des Rössinger Gemeindevogts war sehr
29deleted: ungünstig ausgefallen. Samuel Hirsch stammte aus Barnten, das zum
30deleted: Hildesheimer Amt Steuerwald gehörte.
31deleted:
32deleted: „*Nachdem
33deleted: sein in Armut geratener Vater sich zu seinem in Copenhagen
34deleted: etablierten Sohne begeben, hat er sich bald im Hildesheimischen, bald
35deleted: im Hannöverschen umhergetrieben. Mehr denn ein Schutzjude darf nach
36deleted: unserm unterthänigst pflichtmäßigen Dafürhalten im Dorfe Rössing
37deleted: nie vergleitet werden, wenn er sich auf ehrliche Art nähren und
38deleted: seinen Glaubensgenossen nicht als Bettler zur Last fallen soll. Es
39deleted: erscheint der hiesigen Amts- und Gerichtsgemeinde von keinem großen
40deleted: Gewicht, ob es gleich bei dem geführten umherschweifenden
41deleted: Lebenswandel des Supplikanten uns unthunlich gewesen, von dessen
42deleted: bisherigem Wandel zuverlässige Erkundigung einzuziehen.“*
43deleted:
44deleted: In diesem Schreiben vom 18. Dezember 1805 an das
45deleted: Regierungs-Collegium des Amtes Calenberg legt der Amtsvogt aus
46deleted: Rössing seiner vorgesetzten Behörde nahe, die Schutzbriefanträge
47deleted: des Samuel Hirsch ein für allemal abzulehnen.
48deleted:
49deleted: Samuel
50deleted: Hirsch hält sich die nächsten Jahre trotzdem vorwiegend in Rössing
51deleted: unter dem Adeligen Gericht als unvergleiteter Jude auf. Er lebt vom
52deleted: Trödelhandel mehr schlecht als recht. Als während der Franzosenzeit
53deleted: das westfälische Namensedikt 1808 verlangte, daß die hannöverschen
54deleted: Juden unveränderliche Familiennamen annehmen sollten, nennt er sich
55deleted:
56deleted: *Samuel
57deleted: Hirsch-Neuhaus*
58deleted:
59deleted: Er
60deleted: heiratet während dieser Zeit eine *Jette
61deleted: Behrens*
62deleted: aus Bernburg, mit welcher er jedoch eine „unzufriedene Ehe“
63deleted: führt.
64deleted:
65deleted: Bürgermeister
66deleted: (maire) Georg Opitz beschreibt die Verhältnisse des Ehepaares
67deleted: Hirsch-Neuhaus:
68deleted:
69deleted: „*Samuel Hirsch-Neuhaus, 39 Jahre,
70deleted: lebt vom Trödelhandel, seine Vermögensumstände sind schlecht. Er
71deleted: lebt unter dem Adeligen Gericht und hat eine Frau.“*
72deleted:
73deleted: Bei
74deleted: der Frage nach der Schutzwürdigkeit heißt es einmal:
75deleted:
76deleted: „*Er
77deleted: führt nicht die beste Lebensart, mißhandelt seine Frau und überläßt
78deleted: sie der*
79deleted:
80deleted: *Wohltätigkeit
81deleted: anderer Leute. Er verdient den Schutz nicht.“*
82deleted:
83deleted: Ein
84deleted: anderes Mal lautet seine Beurteilung ähnlich:
85deleted:
86deleted: „*Er
87deleted: stehet nicht in bestem Rufe, soll jedem schuldig sein und behandelt
88deleted: seine Frau äußerst schlecht, hat sich von ihr separiert, gibt ihr
89deleted: nichts zu leben und muß Leute um Almosen anbetteln. Meines
90deleted: Dafürhaltens soll ihnen der Schutz nicht gewährt werden. Ein Haus
91deleted: oder Grundstück besitzt das Paar nicht in Rössing*.“
92deleted:
93deleted: Nachdem das Paar schon einige Zeit getrennt gelebt
94deleted: hatte, ließ es sich im Jahre 1817 förmlich scheiden, und die Ehe
95deleted: wurde den jüdischen Gesetzen gemäß aufgehoben. Für ihr
96deleted: eingebrachtes Heiratsgut erhielt Jette Behrens von ihrem geschiedenen
97deleted: Ehemann 50 Reichstaler zurück.
98deleted:
99deleted: 1818 hat Samuel Hirsch-Neuhaus dann doch seinen
100deleted: Schutzbrief erhalten und der Rössinger Gemeindevogt Opitz steckt
101deleted: sich hinter die Verwaltung auf dem Calenberg, um Jette Behrens, die
102deleted: sich „*hier immer noch herumtreibt* *und mit allerlei
103deleted: Trödeleien abgibt,“* nach Bernburg, in ihre Heimat und zu ihren
104deleted: wohlhabenden Verwandten abzuschieben.
105deleted:
106deleted: „*Obwohl sie hier
107deleted: doch gar keine Veranlassung zu längerem Aufenthalt mehr hat, hält
108deleted: sie sich doch noch am Ort und in der Umgebung auf und hat auch immer
109deleted: noch ein Unterkommen gefunden. Da inzwischen zu befürchten ist, daß
110deleted: besagte Person, wenn sie einst alt und hilfsbedürftig ist, dem
111deleted: Publico zur Last fällt und um Unterstützung bittet, halte ich es
112deleted: für meine Pflicht, die Verhältnisse dem königlichen Amte
113deleted: anzuzeigen. Der Jette Behrens sei bitte zu bedeuten, daß sie sich
114deleted: binnen einiger Monate von hier wegzubegeben habe.“*
115deleted:
116deleted: Auf dies Schreiben vom Gemeindevogt Opitz vom
117deleted: Dezember 1819 erhält Jette Behrens vom Königlichen Amt Calenberg
118deleted: die Aufforderung, sich bis Ostern 1820 aus Rössing und dem hiesigen
119deleted: Amte zu entfernen. Offenbar hat sie dieser Aufforderung Folge
120deleted: geleistet, denn sie taucht in den Rössinger Akten nicht wieder auf.
121deleted:
122deleted: Das fiscalische Schutzgeld für Samuel
123deleted: Hirsch-Neuhaus war 1818 bei Erteilung des Schutzbriefes zunächst auf
124deleted: 4 Reichstaler festgesetzt worden. Aber da das Geld nicht beizutreiben
125deleted: war, wird es 1822 auf 2 Reichstaler ermäßigt und danach *„wegen
126deleted: seiner Dürftigkeit“* ganz erlassen. Bis 1840 wird Samuel
127deleted: Hirsch-Neuhaus in den Listen der jüdische Einwohner noch geführt.
128deleted: Wahrscheinlich ist er dann gestorben und auf dem jüdischen Friedhof
129deleted: in Rössing beigesetzt.
130deleted:
131deleted: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal. Nr. 425
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-09.md+0 -141
@@ -1,141 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (9)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale - Rahel Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg Im 18. Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen noch keine verg"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_3389.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale
12deleted: -** **Rahel
13deleted: Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg**
14deleted:
15deleted: <!--truncate-->
16deleted:
17deleted: Im 18.
18deleted: Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen
19deleted: noch keine vergleiteten Juden. Erst als in der Franzosenzeit die
20deleted: Bestimmungen liberaler wurden und die Verwaltungen durch die
21deleted: Fremdherrschaft sowieso verunsichert waren, faßten sie auch in
22deleted: Rössing Fuß.
23deleted:
24deleted: Im Jahre 18O6 in Rössing wurde hier eine Jüdin
25deleted: mit Namen Rahel Simson aktenkundig. Sie stammte aus dem Hessischen
26deleted: und war zugewandert, aber bei wem sie in Rössing lebte oder
27deleted: arbeitete, geht nicht aus den Akten hervor. Doch dieser Aktenvermerk
28deleted: hatte schon eine längere Vorgeschichte.
29deleted:
30deleted: Am
31deleted: 24.März des Jahres 18O4 hatte der aus dem Bambergischen zugewanderte
32deleted: und in Pattensen lebende „*Judenknecht*“
33deleted: Amsel Calman einen Antrag auf Erteilung eines Schutzbriefes auf die
34deleted: Dorfschaft Wülfingen gestellt. Das wurde ihm aber mit Schreiben vom
35deleted: 6. August 18O4 von Seiten des "*Calenberg-Grubenhagenschen
36deleted: Polizey- und Städte-Departements"* verweigert.
37deleted:
38deleted: Die
39deleted: Begründung lautete:
40deleted:
41deleted: „*--daß*
42deleted: *bei der
43deleted: bereits vorhandenen großen Anzahl inländischer Schutzjuden Bedenken
44deleted: getragen werde, ausländischen Juden den Schutz in hiesigen Landen zu
45deleted: verleihen, mithin dem eingebrachten Gesuch nicht stattgegeben werde.“*
46deleted:
47deleted: Offenbar hat Amsel Calman doch noch den
48deleted: Schutzbrief auf Wülfingen erhalten, der bis "Meytag" 18O6
49deleted: Gültigkeit hatte. Inzwischen hatte er sich mit der in Rössing
50deleted: lebenden Rahel Simson verlobt und beantragte im März 18O5 die
51deleted: Transferierung seines Schutzbriefes von Wülfingen auf das „ganze
52deleted: Dorf Rössing." Dazu mußte erst ein Gutachten von der
53deleted: Gemeindeverwaltung eingeholt werden.
54deleted:
55deleted: Rössing bestand damals noch aus 2 Gemeindeteilen,
56deleted: dem Amt Rössing und dem Adeligen Gericht Rössing, die erst 1829
57deleted: zusammengelegt wurden. Da man der Meinung war, daß mehr als ein
58deleted: einziger vergleiteter Jude für Rössing zuviel wäre, befürwortete
59deleted: man den Schutzbrief nur für das „ganze" Dorf, nicht etwa
60deleted: einen für jeden Gemeindeteil. Amsel Calman lebte vom Pferdehandel
61deleted: und erhielt seinen Schutzbrief. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt,
62deleted: daß er dafür weiterhin jährlich 4 Reichstaler an das Amt Calenberg
63deleted: zu bezahlen habe, was eine ansehnliche Summe darstellte.
64deleted:
65deleted: Ob
66deleted: es noch zu der beabsichtigten Heirat mit Rahel Simson kam oder ob
67deleted: Amsel Calman vorher starb, läßt sich nicht genau feststellen. Kurze
68deleted: Zeit nach der Transferierung des Schutzbriefes im Juli 18O5 war er
69deleted: jedenfalls tot und Rahel Simson wird manchmal als seine Braut und
70deleted: manchmal als seine Witwe bezeichnet.
71deleted:
72deleted: Quelle:
73deleted: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Cal 425
74deleted:
75deleted: # Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg
76deleted:
77deleted: Aber
78deleted: im März des folgenden Jahres 18O6 hat Rahel Simson einen neuen
79deleted: Verlobten, Jesaia Nathan Schay aus Sarstedt, manchmal auch Schey oder
80deleted: Schaie geschrieben. Dieser nahm später den Namen Neuberg an, der
81deleted: noch manchem alten Rössinger bekannt ist. Rahel Simson beantragte
82deleted: den Schutzbrief für ihren Verlobten, damit er nach Rössing ziehen
83deleted: könnte und die Hochzeit stattfinden dürfte. Aber der Antrag wurde
84deleted: am 14. April 18O6 von „Seiner Königlichen Majestät von Preußen
85deleted: provisorisch bestätigter hiesigen Provinzial-Regierung"
86deleted: abgelehnt, denn im Jahre 1806 gehörte das Kurfürstentum Hannover im
87deleted: Zuge der Napoleonischen Wirren für einige Monate zu Preußen.
88deleted:
89deleted: Daraufhin
90deleted: schrieb Nathan Schay ein weiteres dringendes Gesuch auf Erteilung des
91deleted: Schutzbriefes, weil seine Braut jetzt hoch schwanger sei, und er
92deleted: zeigte die unglücklichen Folgen, wenn sie nicht mit dem
93deleted: Landesherrlichen Schutz begnadigt würden.
94deleted:
95deleted: *"Es
96deleted: steht daher in Eurer Wohlgeborenen Gewalt, meine Braut und mich
97deleted: glücklich zu machen oder in namenloses Elend zu stürzen, denn auf
98deleted: den Bericht eures hochlöblichen Amtes wird es ankommen, ob ich mit
99deleted: dem Landesherrlichen Schutz begnadet werde oder nicht. Ich wage daher
100deleted: auf hochderoselben Menschenfreundlichkeit vertrauend, die gehorsamst
101deleted: demütigste Bitte: Hochderoselben wollen geruhen, auf das von meiner
102deleted: Braut unterm 19.d.M. bei einem hohen Polizey und Städte-Departement
103deleted: untertänigst überreichte Gesuch einen wohlmöglich guten Bericht
104deleted: huldvollst abzustatten.*
105deleted:
106deleted: *Ich
107deleted: ersterbe in tiefstem Respekt*
108deleted:
109deleted: *Euer
110deleted: Wohlgeboren untertänigster Diener*
111deleted:
112deleted: ## Nathan Schay“
113deleted:
114deleted: Daraufhin
115deleted: ordnet die Provinzialregierung mit Schreiben vom 10. Juli 1806 an,
116deleted: daß das Gesuch erneut zu überprüfen sei. Es soll genau dargestellt
117deleted: werden, was gegen die Gewährung des Schutzes vorzubringen sei. Der
118deleted: Rössinger Amtsvogt beantwortet das Schreiben am 1. August 1806
119deleted: wohlwollend. Aber offensichtlich hat sich der ganze Vorgang
120deleted: verzögert, vielleicht durch die politischen Veränderungen. Denn am
121deleted: 16. Oktober 1806 hatten die Preußen in der Schlacht bei Jena und
122deleted: Auerstedt eine vernichtende Niederlage erlitten und die Franzosen
123deleted: waren wieder die Herren im Lande. Mit Schreiben vom 18. Dezember
124deleted: desselben Jahres befürwortet der Vogt erneut, Nathan Schay mit dem
125deleted: Schutz zu begnadigen, nachdem er umfassende Erkundigungen über das
126deleted: Vermögen, die Lebensumstände und die Familie des Bewerbers aus
127deleted: Sarstedt eingezogen hat.
128deleted:
129deleted: „*Da ich wegen des bisherigen
130deleted: Lebenswandels und guter Aufführung die vorzüglichsten Zeugnisse
131deleted: erhalten habe, ist gegen eine Schutzbrieferteilung nichts
132deleted: einzuwenden.“*
133deleted:
134deleted: Diese
135deleted: erfolgte, wenn auch mit einiger Verzögerung, so daß die Heirat mit
136deleted: mit Rachel Simson stattfinden und das Paar sich in Rössing
137deleted: niederlassen konnte.
138deleted:
139deleted: Quelle:
140deleted: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal
141deleted: Nr. 425
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-10.md+0 -140
@@ -1,140 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (10)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle 18O8 nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das Ehepaar Simson/Schay als un"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_9854.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: # Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: 18O8
16deleted: nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das
17deleted: Ehepaar Simson/Schay als unveränderlichen Nachnamen den Namen
18deleted: Neuberg an.
19deleted:
20deleted: Die
21deleted: von den Franzosen zugesicherte Gleichberechtigung schloß den bis
22deleted: dahin im Kurfürstentum Hannover verbotenen Grunderwerb der Juden
23deleted: ein. Nathan Schay nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem er am 21.
24deleted: Dezember 18O6 seinen Schutzbrief erhalten hatte, kaufte er die
25deleted: Köthnerstelle Nr. 15 ( Lange Str. Nr.7**).**
26deleted:
27deleted: Diese
28deleted: Köthnerstelle hatte Hans Heinrich Blume gehört, der über 40 Jahre
29deleted: dort den Dorfkrug und einen einträglichen Garn- und Hokenhandel
30deleted: betrieben hatte. Nach seinem Tode 1802 geriet sein Sohn Heinrich
31deleted: Julius Blume in finanzielle Schwierigkeiten. Er ging in Konkurs. und
32deleted: der Schlachter Schreyer aus Jeinsen kaufte Haus und Grundstück. Von
33deleted: diesem erwarb Nathan Neuberg die Köthnerstelle. Aber die behördliche
34deleted: Zustimmung zum Erwerb der „Köthnerey" wurde ihm von Seiten
35deleted: der Regierung mit Schreiben vom 16. Juni 18O8 verweigert**.**
36deleted:
37deleted: Als
38deleted: Begründung wurde angegeben, daß das Ehepaar nicht wohlhabend genug
39deleted: sei, um solche finanziellen Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Denn
40deleted: es sei nicht einmal im Stande gewesen, die Schulden von Amsel Calman
41deleted: abzutragen, dem ersten Ehemann der Rahel Simson.
42deleted:
43deleted: Solange
44deleted: die Franzosen im Lande waren, ließ man die Familie Schay-Neuberg
45deleted: unbehelligt. Sie wohnte in ihrem Hause, brachte es zu einer
46deleted: ansehnlichen Kinderschar, hatte einen Hauslehrer, eine Dienstmagd,
47deleted: einen Handelsknecht und brachte es durch den Handel mit „Tuch- und
48deleted: Ellenwaren" zu einigem Wohlstand.
49deleted:
50deleted: Aber
51deleted: als die Franzosen abgezogen waren, wurden die meisten alten
52deleted: Judengesetze wieder in Kraft gesetzt und Familie Neuberg mußte um
53deleted: ihren Besitz fürchten.
54deleted:
55deleted: Daher
56deleted: richtete Neuberg im Sommer des Jahres 1814 an die Provisorische
57deleted: Regierungskommission das Gesuch, ihn in seinem Besitz zu bestätigen.
58deleted: Diese forderte das Amt Calenberg auf, Nathan Schay (auch die
59deleted: bleibenden Familiennamen hatte man vorübergehend wieder abgeschafft)
60deleted: zur Verantwortung zu ziehen, weil er die besagte Köthnerstelle
61deleted: angekauft habe, obwohl ihm die Erlaubnis dazu (im Jahre 18O8)
62deleted: verweigert worden war. Der in Rössing schon während der
63deleted: Franzosenzeit amtierende Bürgermeister Georg Opitz befürwortete
64deleted: aber das Gesuch des Nathan Schay-Neuberg sehr eindringlich.
65deleted:
66deleted: *"Da
67deleted: es keine weiteren Gründe gibt, dem Schay-Neuberg die Erteilung der
68deleted: Erlaubnis für den Erwerb zu verweigern, als den, weil eigentlich die
69deleted: Schutzjuden nicht mit liegenden Gründen angesetzt sein sollten, so
70deleted: ist dies in neueren Zeiten aber doch möglich. Die Familie ist
71deleted: inzwischen wohlhabend und in der Lage, die Blumesche Konkurs-Sache
72deleted: endlich zu beendigen und den ausstehenden Teil der Kaufsumme und die
73deleted: restlichen Zinsen bar zu bezahlen. Darum weiß ich dem Wunsche des
74deleted: Schay-Neuberg, in seinem Eigentum von der jetzigen Landesregierung
75deleted: geschützt zu werden, gar nichts entgegen zu setzen."*
76deleted:
77deleted: Aber
78deleted: das Amt Calenberg fordert Rechtfertigung. Zweimal wird Schay
79deleted: vergeblich vorgeladen. Ein seitenlanges, sehr interessantes Protokoll
80deleted: gibt Kunde von der Verhandlung am 19. September 1814 auf dem Amt
81deleted: Calenberg.
82deleted:
83deleted: Für sein zweimaliges Fernbleiben entschuldigt er
84deleted: sich einmal wegen der Feier des jüdischen Neujahrsfestes und das
85deleted: andere Mal sei er verreist gewesen. Ferner gibt er an:
86deleted:
87deleted: „*Solange
88deleted: die Hannnöversche Verwaltung gedauert habe, hätte er es nicht
89deleted: gewagt, gegen das von Königlicher Regierung ergangene Verbot, die
90deleted: Stelle des Köthners Blume, die der Schlächter Schreyer aus Jeinsen
91deleted: gekauft habe, zu erwerben.* ***Aber
92deleted: während der Westfälischen Verfassung (König Jerôme) habe kein
93deleted: Verbot bestanden, daß jüdische Untertanen Grundbesitz erwerben
94deleted: dürften****,
95deleted: und so habe er keine Bedenken gehabt, in den Kontrakt Schreyers
96deleted: einzutreten. Diese Verhandlung sei indes nur mündlich abgemacht und
97deleted: damit beschlossen, daß Schreyer ihm sämtliche sich auf den Ankauf
98deleted: beziehenden Aktenstücke ausgehändigt habe. Da er nicht der einzige
99deleted: Jude gewesen sei, der in dieser Periode Grundbesitz erworben habe,
100deleted: hoffe er, daß man dieses nicht übel aufnehmen werde. Nur durch den
101deleted: Tod des Schlächters Schreyer sei die Sache noch nicht abgewickelt
102deleted: gewesen.*
103deleted:
104deleted: *Zu
105deleted: der Köthnerei gehöre auch kein Ackerland, und das dem
106deleted: Herrschaftlichen Amt zustehende Dienstgeld für Haus und Garten von
107deleted: nur 5 Reichsthalern und 24 Mariengroschen könne er leicht aufbringen
108deleted: (anstatt der auf den Köthnerstellen lastenden Hand- und
109deleted: Spanndienste). Die 27O Reichsthaler in Gold, die Schlächter Schreyer
110deleted: von der Kaufsumme schuldig geblieben sei, habe er auch übernommen
111deleted: und hätte sie schon längst beim damaligen Mahlerter Friedensrichter
112deleted: Liekefett bezahlt, wenn die angesagten Termine zustande gekommen
113deleted: wären.*
114deleted:
115deleted: *Die
116deleted: Schulden, die vom ersten Ehemann seiner Ehefrau , Amsel Calman
117deleted: herrührten, seien längst vor dem Friedensrichter Liekefett in der
118deleted: Westfälischen Zeit durch einen Vergleich bereinigt.*
119deleted:
120deleted: *Sehr
121deleted: hart wäre es auch für ihn, wenn das Gesuch abgeschlagen würde,
122deleted: weil er schon 3OO bis 4OO Reichsthaler an Reparaturen in das Haus
123deleted: gesteckt habe."*
124deleted:
125deleted: Im Mai 1815 wird Nathan Schay-Neuberg folgender
126deleted: Beschluß verkündet und schriftlich ausgehändigt:
127deleted:
128deleted: „**Nathan
129deleted: Schay-Neuberg wird der Besitz des Kothofes zugesprochen.**
130deleted:
131deleted: **Sollte
132deleted: allerdings ihm oder seinen Leibes- oder sonstigen Erben der
133deleted: Landesherrliche Schutz (Schutzbrief) entzogen werden, so muß der
134deleted: Kothof einem christlichen Einwohner verkauft oder überlassen werden.
135deleted: Sollten er oder seine Frau zu ihren Lebzeiten den Kothof verkaufen
136deleted: wollen, so gilt dieselbe Bedingung, daß der neue Besitzer ein Christ
137deleted: sein muß und kein Jude sein darf."**
138deleted:
139deleted: Quelle:
140deleted: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Calenberg, Nr. 430 und Nr. 439
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-11.md+0 -204
@@ -1,204 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (11)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen Familie, die üb"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7943.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: ## Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: Rahel
16deleted: Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen
17deleted: Familie, die über vier Generationen bis ca. 1930 in Rössing
18deleted: ansässig ist.
19deleted:
20deleted: Nathan
21deleted: Schay-Neuberg bezahlt jährlich 4 Reichstaler für den Schutzbrief
22deleted: für sich und seine Familie und gehört somit zu den „reputierlichen“
23deleted: Juden. Er ist recht wohlhabend und handelt mit Tuch- und Ellenwaren,
24deleted: außerdem betreibt er einen Hoken- oder Kleinhandel.
25deleted:
26deleted: Eine
27deleted: amtliche Beurteilung über ihn lautet im Jahre 1816:
28deleted:
29deleted: *---ist
30deleted: ein rechtlicher Mann, führt sich recht gut und besitzt hier eine
31deleted: kleine Köthnerey.*
32deleted:
33deleted: Zwischen
34deleted: 1807 und 1815 bekommt das Ehepaar fünf Kinder:
35deleted:
36deleted: Nathan 1807
37deleted:
38deleted: Ester 1809
39deleted:
40deleted: Simon 1811
41deleted:
42deleted: Lina 1813
43deleted:
44deleted: Sara 1815
45deleted:
46deleted: Conrad
47deleted: Geburtsjahr unbekannt
48deleted:
49deleted: Außerdem
50deleted: gehören zum Haushalt der Schullehrer Daniel Rufen, der Handelsknecht
51deleted: Wolf Walbaum und die Magd Eva Moses.
52deleted:
53deleted: **1828**
54deleted: verfügt die Regierung**,**
55deleted: daß die Judenwieder
56deleted: unveränderliche Nachnamen annehmen müssen. Nathan Schay nimmt
57deleted: wieder seinen alten Namen aus der Franzosenzeit an: *Neuberg.*
58deleted:
59deleted: # Bildung von Synagogengemeinden
60deleted:
61deleted: Mit
62deleted: Schreiben vom 18. Juli 1843 fordert die Landdrostei die Juden in
63deleted: Rössing auf, Synagogengemeinden zu bilden. Der Vorsteher dieser
64deleted: Synagogengemeinde wird verpflichtet, Trauungs-, Geburts- und
65deleted: Sterbelisten zu führen. Dies sind die einzigen Quellen für die
66deleted: Lebensdaten der hiesigen jüdischen Einwohner. Von diesen Listen sind
67deleted: aber nur sehr wenige, dazu lückenhaft geführte Exemplare erhalten.
68deleted: Standesämter gab es noch nicht und jüdische Geburten oder
69deleted: Eheschließungen wurden in die christlichen Kirchenbücher nicht
70deleted: eingetragen.
71deleted:
72deleted: Der
73deleted: erste Synagogenvorsteher wirdNathan Neuberg.
74deleted:
75deleted: **Eine
76deleted: schöne Mitgift**
77deleted:
78deleted: Im
79deleted: Jahr 1854 taucht noch eine Julie Neuberg auf, die wir nicht ohne
80deleted: weiteres einordnen können. Es kann sich um eine spät geborene
81deleted: Tochter von Rachel und Nathan Neuberg oder um eine schon
82deleted: heiratsfähige Tochter des noch recht jungen Simon Neuberg handeln.
83deleted:
84deleted: Von
85deleted: ihr erfahren wir erst im Jahre 1854 etwas, als der 30jährige
86deleted: Handelsmann Levi Wolff aus Hildesheim sie heiraten will.
87deleted:
88deleted: Der
89deleted: Hildesheimer Magistrat hat Bedenken wegen der wirtschaftlichen Lage
90deleted: des Bräutigams. Aus diesem Grunde richtet er am 11. März 1854 eine
91deleted: Anfrage an die Gemeinde Rössing, ob die Angaben des Wolff zutreffen,
92deleted: dass der „Fabrikant“ Neuberg seine Tochter mit einem Brautschatz
93deleted: von 400 Reichsthalern ausstatten kann,
94deleted:
95deleted: und
96deleted: außerdem erkundigt er sich nach dem guten Ruf der Braut.
97deleted:
98deleted: Beide
99deleted: Fragen werden wohlwollend beantwortet.
100deleted:
101deleted: „*Der
102deleted: Fabrikant Neuberg ist sehr wohl des Vermögens, seiner Tochter eine
103deleted: Aussteuer von 400 Reichsthalern zu geben.*
104deleted:
105deleted: *Seine
106deleted: Tochter Julie Neuberg hat bis jetzt ein sittlich unbescholtenes Leben
107deleted: geführt*.“
108deleted:
109deleted: # Und so steht einer Heirat wohl nichts mehr im Wege. Allerdings erfahren wir in dem Schreiben auch nicht, ob es sich bei dem Brautvater, dem „Fabrikanten Neuberg, um den Vater Nathan oder seinen Sohn Simon Neuberg handelt.
110deleted:
111deleted: Kurze
112deleted: Zeit später, noch in demselben Jahre 1854 stirbt Nathan Neuberg.
113deleted:
114deleted: #
115deleted:
116deleted: # Das Erbe wird geteilt
117deleted:
118deleted: Nach
119deleted: dem Tode des Vaters wird der zweitälteste Sohn von Nathan, der 1811
120deleted: geborene Simon Neuberg im Jahr 1855 Synagogenvorsteher.
121deleted:
122deleted: Das
123deleted: Grundstück der Köthnerstelle Nr. 15 wird mit dem Garten der Länge
124deleted: nach geteilt. Zu jedem Teil gehört ein Wohnhaus und ein
125deleted: langgestreckter Garten. Das linke Haus erbt Simon, es behält die
126deleted: Nummer 15 (heute Lange Straße Nr. 7), das rechte Haus erhält der
127deleted: jüngste Sohn Conrad. Dies steht mit dem Giebel direkt an der Straße
128deleted: und bekommt die neue Hausnummer 71 (heute Lange Straße Nr. 9).
129deleted:
130deleted: Über
131deleted: Nathan, den ältesten Sohn des Ehepaares und die drei Töchter
132deleted: erfahren wir nichts. Ob sie verheiratet und fortgezogen oder
133deleted: verstorben sind, geht aus den Unterlagen nicht hervor.
134deleted:
135deleted: **Die
136deleted: nächste Generation**
137deleted:
138deleted: Simon
139deleted: Neuberg ist verheiratet mit Friederike Oppenheimer und hat zwei
140deleted: Kinder.
141deleted:
142deleted: Die
143deleted: Tochter Regine heiratet 1866 den 30jährigen Hermann Leidensdorf aus
144deleted: Neuhaus an der Elbe und verläßt Rössing.
145deleted:
146deleted: Der
147deleted: Sohn David ist Kaufmann und heiratet am 13. Februar 1872 Johanne
148deleted: Kaiser aus Eschwege, wo auch die Hochzeit stattfindet, und am 29.
149deleted: November desselben Jahres wird er Vater eines Sohnes Paul.
150deleted:
151deleted: Dieser
152deleted: Paul Neuberg taucht später als Inhaber eines Schuhgeschäftes in
153deleted: Walsrode auf. Seine Familie fällt später dem Holocaust zum Opfer.
154deleted:
155deleted: Wahrscheinlich
156deleted: ist Simon Neuberg 1873 schon verstorben, denn der Schlachter Israel
157deleted: Levi Blumenthal hat zu diesem Zeitpunkt das Amt des
158deleted: Synagogenvorstehers inne.
159deleted:
160deleted: Simon
161deleted: Neubergs Wohnhaus wird um die Jahrhundertwende 1899/1900 an
162deleted: Schneidermeister Wilhelm Haase verkauft, der es seiner Tochter
163deleted: vererbt und seit 1982 ist es im Besitz von Klaus Peinemann.
164deleted:
165deleted: Die
166deleted: Witwe von David Neuberg, Johanne Kaiser, lebt nachdem Wegzug ihres
167deleted: Sohnes und dem Verkauf des Hauses noch bis ca. 1930 allein in Rössing
168deleted: im Eikenhof Nr. 4 (etwa 2004 abgerissen). In der Nachbarschaft war
169deleted: sie als „Tante Nit“ bekannt. Sie hütete oft die Kinder der
170deleted: Bauern und ging mit ihnen spazieren, wenn diese keine Zeit hatten.
171deleted: Eine stereotype Redewendung von ihr war: „Nit woahr?“, und so kam
172deleted: sie zu ihrem Spitznamen. Sie starb etwa 1930 und hat die Zeit der
173deleted: Nationalsozialisten nicht mehr erlebt.
174deleted:
175deleted: Über
176deleted: die Familie von Conrad Neuberg oder seine Nachfahren ist nichts
177deleted: bekannt. Das Haus Nr 71 wird schon vor der Jahrhundertwende verkauft.
178deleted: Es wechselt mehrfach den Besitzer; Kregel, Sindram und bis in die
179deleted: 50er Jahre Familie Siede. Der letzte Siede war ein besonderes
180deleted: Original, er war der letzte Rössinger Bader, gleichzeitig Friseur,
181deleted: Apotheker, Arzt, Zahnarzt und Kohlenhändler.
182deleted:
183deleted: Heute
184deleted: hat das Haus einen Sarstedter Besitzer.
185deleted:
186deleted: Damit
187deleted: war die Familie Neuberg in Rössing ausgestorben. Auf dem jüdischen
188deleted: Friedhof finden sich auch keine Grabsteine der Familie Neuberg mehr.
189deleted: Als 1940 der jüdische Friedhof zwangsweise verkauft wurde, entfernte
190deleted: man die umgefallenen und zerbrochenen Grabmale. Es blieben nur Steine
191deleted: der Familie Blumenthal erhalten, die bis 1942 in Rössing lebte.
192deleted:
193deleted: # Weitere Familiennachrichten
194deleted:
195deleted: Der
196deleted: Rössinger Stammvater der Neubergs, Nathan Schay, stammte aus
197deleted: Sarstedt. Die Sarstedter Neubergs waren eine angesehene und
198deleted: wohlhabende Familie und betrieben Textil- und Schuhhandel auf der
199deleted: Hauptstraße. Unter anderem gehörte ihnen das Haus Steinstraße 13,
200deleted: die heutige Begegnungsstätte der Gemeinde, bis sie in der NS-Zeit
201deleted: dem Holocaust zum Opfer fielen
202deleted:
203deleted: Quellen:
204deleted: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 423, 424, 425, 427, 428, 431
Deletedberichte/2012-04-26/juedische-geschichte-roessing-12.md+0 -165
@@ -1,165 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (12)"
3deleted: date: 2012-04-26
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Synagogen- und Schulwesen 1687 wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen Oberhaupt"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8903.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: Synagogen- und Schulwesen
12deleted:
13deleted: **1687**
14deleted: wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg,
15deleted: Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen
16deleted: Oberhauptes, eines Landesrabbiners und damit endlich ihre freie
17deleted: Religionsausübung gestattet. Die Synagogen, soweit vorhanden,
18deleted: standen bisher schmucklos und in versteckten Winkeln. Die jüdische
19deleted: Religionsausübung sollte unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich
20deleted: gehen.
21deleted:
22deleted: <!--truncate-->
23deleted:
24deleted: Der
25deleted: Landesrabbiner hatte richterliche Funktionen und war für
26deleted: Streitigkeiten der Juden untereinander verantwortlich. Außerdem
27deleted: unterstand ihm das jüdische Schulwesen, wobei es sich fast
28deleted: ausschließlich um Talmudschulen handelte. Der **Talmud**
29deleted: ist die Sammlung der Gesetze der religiösen Überlieferungen des
30deleted: nachbiblischen Judentums. Die Kinder lernten hauptsächlich
31deleted: Hebräisch, die jüdischen Gesetze und Gebetsriten. Weitere
32deleted: Lerninhalte waren vor allem für Mädchen kaum vorgegeben.
33deleted:
34deleted: Von
35deleted: 1802 bis ca. 1830war der
36deleted: Posten des Landesrabbiners nicht besetzt.
37deleted:
38deleted: 1816
39deleted: erfolgte von Seiten des Amtes Calenberg eine Anfrage an die Gemeinde
40deleted: Rös- sing, ob eine Synagoge oder eine jüdische Schule am Ort sei.
41deleted: Die Antwort war „Nein".
42deleted:
43deleted: In
44deleted: demselben Jahrwurde
45deleted: in einer Liste der zum Haushalt des Nathan Schay-Neuberg gehörenden
46deleted: Personen der 39jährige*Daniel
47deleted: Rufen*als
48deleted: Schullehrer angeführt. Solche jüdischen Hauslehrer waren damals vor
49deleted: allem Religionslehrer. Vom 3. Lebensjahr an wurden die Kinder im
50deleted: jüdischen Glauben und seinem Ritualkodex unterrichtet. Diese Lehrer
51deleted: waren auch besonders im Schächten ausgebildet, damit die jüdischen
52deleted: Speisegesetze eingehalten werden konnten. Sie fungierten als Sänger
53deleted: und Vorbeter bei den Gebetsstunden, bei denen die geschriebene
54deleted: Thorarolle der 5 Bücher Moses, der Gebetschal, der den Kopf bedeckte
55deleted: und der Gebetsriemen, ein Lederriemen, der in einer besonderen Art
56deleted: und Weise um den Arm gewickelt wurde, eine wichtige Rolle spielten.
57deleted:
58deleted: Wie
59deleted: im einzelnen hier auf dem Lande die jüdischen Gottesdienste
60deleted: abgehalten wurden, ist nicht überliefert. Zu einem
61deleted: vorschriftsmäßigen jüdischen Gottesdienst gehörten nämlich
62deleted: mindestens 10 männliche Juden über 14 Jahre.
63deleted:
64deleted: 1824waren
65deleted: aber lt. Statistik insgesamt nur 20 Juden in Rössing vorhanden,
66deleted: wovon mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Wahrscheinlich
67deleted: mußte hier das ganze Ritual in einer vereinfachten Form stattfinden.
68deleted:
69deleted: 1842
70deleted: wurden die Juden aufgefordert, Synagogengemeinden zu bilden.
71deleted:
72deleted: M.
73deleted: Zuckermann gibt in seinem Buch: „Kollektanea zur Geschichte der
74deleted: Juden im Hannoverland" (Hannover 1912) an, daß es 1842 in
75deleted: Rössing eine Synagoge gab.
76deleted:
77deleted: Dies war aber mit Sicherheit kein eigenständiger
78deleted: Kirchenbau, sondern der jüdische Gottesdienst wurde in einem
79deleted: Wohnraum der Familie Neuberg abgehalten.
80deleted:
81deleted: 1860/61wurde
82deleted: das Wohnhaus von Simon Neuberg umgebaut, man sieht es aus der
83deleted: Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkataster. Es wurde mit einem
84deleted: Anbau versehen und dieser Anbau wurde lt. mündlicher Überlieferung
85deleted: als Synagoge genutzt, zumindest, so lange wie das Haus im Besitz der
86deleted: Familie Neuberg war (bis ca. 1900).
87deleted:
88deleted: # Synagogenvorsteher waren
89deleted:
90deleted: 1843
91deleted: Nathan Neuberg bis 1854
92deleted:
93deleted: 1855 Simon Neuberg bis 1873
94deleted:
95deleted: # 1873 Israel Levi Blumenthal
96deleted:
97deleted: Moritz Blumenthal
98deleted:
99deleted: Karl Blumenthal bis 1942
100deleted:
101deleted: Die
102deleted: Synagogenvorsteher waren verpflichtet, Heirats-, Geburts- und
103deleted: Sterbelisten zu führen. Leider enthalten sie sehr wenig Angaben, und
104deleted: es sind auch nur noch sehr wenige erhalten.
105deleted:
106deleted: Die
107deleted: nächste Synagoge mit einem richtigen Synagogengebäude befand sich
108deleted: bis 1942 in Eldagsen.
109deleted:
110deleted: ## Jüdisches Schulwesen
111deleted:
112deleted: 1854erfolgte
113deleted: die Neuordnung eines eigenständigen jüdischen Elementarschulwesens
114deleted: und der jüdischen Lehrerbildung, die beide dem Landrabbinat
115deleted: unterstanden. Nach der Schulordnung von 1854 waren mit 17
116deleted: Wochenstunden mehr als die Hälfte der Unterrichtsgegenstände auf
117deleted: jüdische Religion und Kultur ausgerichtet, davon waren allein 4
118deleted: Stunden hebräische Sprache und 3 Stunden für biblische und jüdische
119deleted: Geschichte vorgesehen.
120deleted:
121deleted: In
122deleted: Rössing hat es jedenfalls keine jüdische Elementarschule gegeben,
123deleted: dazu war der Ort viel zu klein. Vielleicht lag auch darin der Grund,
124deleted: daß so viele Kinder der hiesigen jüdischen Familien in den Akten
125deleted: nicht wieder auftauchten.
126deleted:
127deleted: Bei
128deleted: den Juden ist ein hervorstechendes Merkmal der Sippenzusammenhalt.
129deleted: Ältere oder auch jüngere Verwandte fanden ohne weiteres
130deleted: Unterschlupf in den Familien, und so ist auch möglich, daß die
131deleted: Kinder in größeren Orten bei Verwandten wohnten und dort die
132deleted: jüdische Schule besuchten.
133deleted:
134deleted: Die
135deleted: Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu
136deleted: schicken, wenn keine jüdischen Schulen am Ort waren. Vom
137deleted: Religionsunterricht waren sie allerdings befreit Für den jüdischen
138deleted: Religionsunterricht sorgte dann der Rabbiner.
139deleted:
140deleted: In
141deleted: der Schulstatistik der Rössinger Grundschule fanden sich nur
142deleted: Angaben.über den Zeitraum von 1898 bis 1911. Frühere Angaben über
143deleted: jüdische Schulkinder waren nicht aufzufinden.
144deleted:
145deleted: 1898-1900 kein
146deleted: jüdisches Kind
147deleted:
148deleted: 1901 2
149deleted: jüdische Kinder
150deleted:
151deleted: 1904.24.Juli je
152deleted: 1 jüd. Kind in Kl. III und Kl. IV
153deleted:
154deleted: 1906.20.Juni 3
155deleted: jüdische Kinder
156deleted:
157deleted: 1911.24.Mai 1
158deleted: jüdisches Kind
159deleted:
160deleted: Quellen:
161deleted: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 431 und 432
162deleted:
163deleted: Niedersächsisches Jahrbuch 1989
164deleted:
165deleted: Rössinger Schulchronik Band 2
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-13.md+0 -173
@@ -1,173 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (13)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale; Die ersten Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle Israel Levin Blumenthal I Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale;**
12deleted:
13deleted: **Die ersten
14deleted: Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle**
15deleted:
16deleted: <!--truncate-->
17deleted:
18deleted: **Israel Levin
19deleted: Blumenthal  I**
20deleted:
21deleted: Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat sich während
22deleted: der gelockerten Bestimmungen in der Franzosenzeit , also zu Beginn des 19.
23deleted: Jahrhunderts,  in Rössing angesiedelt.
24deleted: Israel Levin war ein Schlachter aus Barnten, Amt Steuerwald, der den Namen
25deleted: Blumenthal angenommen hatte und vom Schlachten und Kleinhandel lebte.
26deleted:
27deleted: **Der Schutzbrief**
28deleted:
29deleted: Am 16. Februar 1814 wird er in einer Liste als
30deleted: unvergeleiteter jüdischer Einwohner in der Vogtei Rössing aktenkundig, weil er
31deleted: einen Schutzbrief beantragt hat. Die Behörde fragt an, ob der Antragsteller
32deleted: Blumenthal „*schutzwürdig*“ sei. Der
33deleted: Bürgermeister bzw. Vogt Opitz stellt ihm ein gutes Führungszeugnis aus und
34deleted: befürwortet Blumenthals Antrag.
35deleted:
36deleted: Am 31.Mai 1814 wird Israel Levin Blumenthal I  ohne weitere Beanstandungen mit dem
37deleted: Schutzbrief versehen. Er soll vier Reichsthaler jährlich bezahlen, aber
38deleted: Bürgermeister Opitz teilt dem Amt gleich mit, dass Blumenthal nur in der Lage
39deleted: sei, höchstens zwei Reichsthaler aufzubringen.
40deleted:
41deleted: Im nächsten Jahr erhält Blumenthal eine Zahlungsaufforderung
42deleted: über zwei Reichs-thaler, doch wegen Armut wird ihm die Zahlung erlassen. 1817
43deleted: wird wegen des Schutzgeldes erneut eine Anfrage von Amts wegen gestellt und vom
44deleted: Bürgermeister beantwortet:
45deleted:
46deleted: *"Gegen
47deleted: seinen Lebenswandel ist nichts zu sagen, aber er hat wegen*
48deleted:
49deleted: *Armut
50deleted: bisher kein Schutzgeld bezahlt."*
51deleted:
52deleted: Und so geht es weiter, bis die Behörde im Jahre 1824
53deleted: feststellt, dass Blumenthal seit der Erteilung des Schutzbriefes 1814 überhaupt
54deleted: noch keine Zahlung geleistet hat.  1825
55deleted: muss er zum ersten Mal zwei Reichsthaler bezahlen und das nun Jahr für Jahr
56deleted: -  bis 1842 das Schutzgeld im Königreich
57deleted: Hannover aufgehoben wird.
58deleted:
59deleted: **Familiengründung**
60deleted:
61deleted: 1824 leben im ganzen Amte Calenberg 176 Juden, davon etwa 15
62deleted: in Rössing. Die jüdische Bevölkerung wird von Zeit zu Zeit behördlich in
63deleted: statistischen Erhebungen  gesondert
64deleted: erfaßt.
65deleted:
66deleted: Im Jahr 1816 war Israel Levin Blumenthal I  36 Jahre alt, seine Frau Hanne Meyer 30 und
67deleted: ihr erster Sohn Israel Levin Blumenthal II drei Jahre.  1819 wird dem Ehepaar ein zweiter Sohn geboren,
68deleted: Meyer Blumenthal.
69deleted:
70deleted: 1
71deleted:
72deleted: Quelle: NHSA   Sign.
73deleted: Hann 74 Cal  Nr.423   Nr.425 
74deleted: Nr.431
75deleted:
76deleted: **Israel Levin Blumenthal II**
77deleted:
78deleted: Über
79deleted: Israel Levin Blumenthal II, den ältesten Sohn des ersten Blumenthal in Rössing,
80deleted: ist nicht viel bekannt. Er ist 1813 geboren und von Beruf Schlachter, wie schon
81deleted: sein Vater. Er ist verheiratet mit Jette Blumenthal, geb. Abraham Heinemann.
82deleted: Doch wo genau die Blumenthals in Rössing wohnten und ihr Gewerbe betrieben, ist
83deleted: aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Über Hauseigentum verfügten sie zu diesem
84deleted: Zeitpunkt noch nicht.
85deleted:
86deleted: Nachdem Simon Neuberg verstorben ist, folgt ihm Levin
87deleted: Blumenthal II 1855 als Synagogenvorsteher der hiesigen kleinen jüdischen
88deleted: Gemeinde nach. Am 3. Januar 1873 stirbt Jette Blumenthal und ihr Mann muss als
89deleted: Synagogenvorsteher ihren Tod in den Sterbelisten selbst beurkunden. Israel
90deleted: Levin Blumenthal II  stirbt 1881. Sein
91deleted: Grabstein ist einer der wenigen, die auf dem jüdischen Friedhof in Rössing
92deleted: heute noch erhalten sind. Ob das Ehepaar Kinder hatte, ist nicht bekannt. In
93deleted: den Akten werden sie nicht erwähnt und Hinweise auf Grabsteine lassen sich
94deleted: nicht mehr finden.
95deleted:
96deleted: Quelle:
97deleted: NHSA  Sign. Hann 74 Nr. 431
98deleted:
99deleted: **Meyer Blumenthal**
100deleted:
101deleted: 1819 wird Meyer Blumenthal als zweiter Sohn von Israel Levi
102deleted: Blumenthal I und seiner Frau Hanne Meyer geboren. Dieser Meyer Blumenthal ist
103deleted: der Stammvater aller weiteren in Rössing ansässigen Blumenthals, bis die
104deleted: Familie 1942 dem Holocaust zum Opfer fällt.
105deleted:
106deleted: Er wird Schlachter - wie schon sein Vater und sein sechs
107deleted: Jahre älterer Bruder Israel Levi Blumenthal II.
108deleted:
109deleted: Im Jahre 1852 kauft Meyer Blumenthal ein Haus, die
110deleted: Anbauerstelle Nr. 116, heute
111deleted:
112deleted: Maschstr. Nr. 22, und richtet dort eine Schlachterei ein. Im
113deleted: selben Jahr heiratet er, 33 Jahre alt, Line Holländer aus Bergen, ebenfalls 33
114deleted: Jahre alt. Eindeutig werden als seine Eltern in der Trauungsliste Israel Levin
115deleted: Blumenthal l und Hanne Meyer angegeben. Am 16. März 1853 stirbt ein kleiner
116deleted: Junge mit Namen Israel Blumenthal im Alter von 21 Wochen am
117deleted: „Nervenfieber".Als dessen Eltern werden Meyer Blumenthal und Helene Bach
118deleted: genannt.
119deleted:
120deleted: Diese beiden Vorgänge lassen sich auf den ersten Blick nicht
121deleted: ohne weiteres zusammenbringen. Aber da helfen die heute noch auf dem jüdischen
122deleted: Friedhof vorhandenen Grabsteine weiter. Offensichtlich war das Verhältnis von
123deleted: Meyer Blumenthal mit Helene Bach nur eine folgenreiche, voreheliche Episode.
124deleted: Denn die 1819 geborene Line Blumenthal, die er 1852 geheiratet hatte, war und
125deleted: blieb die Ehefrau von Meyer Blumenthal und wurde die Mutter seiner beiden
126deleted: ehelichen Kinder, während Helene Bach nicht wieder in den Akten auftaucht.
127deleted:
128deleted: Die Tochter Johanne Blumenthal wird 1855 geboren und der
129deleted: Sohn Moritz drei Jahre später, 1858. Ihre Mutter Line stirbt 1884 und wird an
130deleted: der Seite ihres zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Mannes Meyer Blumenthal
131deleted: beigesetzt. In welchem Jahr Meyer Blumenthal gestorben ist, läßt sich leider
132deleted: auf dem sehr verwitterten Grabstein nicht mehr entziffern.
133deleted:
134deleted: 1852 umfaßt die jüdische Gemeinde 18 Personen in Rössing.
135deleted: Diese werden aber nur summarisch aufgezählt, nicht namentlich. Die meisten
136deleted: davon gehören zweifellos zu den beiden jüdischen Familien Neuberg und
137deleted: Blumenthal, bei den anderen handelt es sich höchstwahrscheinlich um
138deleted: Hauspersonal und sonstige Angestellte der beiden Familien.
139deleted:
140deleted: Quelle: NHSA Sign.Hann 74 Nr. 431
141deleted:
142deleted: **Das Haus Nr.
143deleted: 116,  heute Maschstraße Nr.22**
144deleted:
145deleted: Bei dem Haus Nr. 116, das Meyer Blumenthal 1852 gekauft hat,
146deleted: handelt es sich um eine typische Anbauerstelle, zu der weder Ackerland noch ein
147deleted: größerer Garten gehören. Es ist ein kleines Haus am Rande des Dorfes. Aber
148deleted: schon der Erwerb eines Hauses ist erst seit 1847 offiziell durch eine Ergänzung
149deleted: der „Emanzipationsakte“ von 1842 gestattet und ein Riesenschritt in der
150deleted: Gleichberechtigung der Juden im Königreich Hannover.
151deleted:
152deleted: An der Entwicklung des Brandkatasters können wir die
153deleted: Wertsteigerungen des Hauses und den 
154deleted: wachsenden bürgerlichen Wohlstand der Familie erkennen. Der Vorbesitzer
155deleted: des Hauses war Carl Brandes; das Baujahr ist nicht ersichtlich. In den ersten
156deleted: 10 Jahren nach dem Erwerb des Hauses durch Meyer Blumenthal im Jahre 1852
157deleted: werden größere bauliche Maßnahmen durchgeführt, zweifellos ein Hinweis auf den
158deleted: Umbau zur Schlachterei, denn der Versicherungswert wird 1861 von 750 auf 1.200
159deleted: Reichsthaler hochgestuft. Es fällt auf, daß an dem Haus ständig Erhaltungs- und
160deleted: Wertverbesserungsarbeiten durchgeführt werden.
161deleted:
162deleted: 1877 erfolgt wieder eine bedeutende Erhöhung des Taxwertes.
163deleted: Nach der Umrechnung von Reichsthalern in Mark (1 Taler = 3 Mark) steigt er von
164deleted: 3.600 Mark auf 6.314 Mark.
165deleted:
166deleted: Außerdem werden ein Stall, Waschhaus und Wagenschuppen neu
167deleted: gebaut, Versicherungswert 344 Mark. Es werden also grössere Geldbeträge
168deleted: investiert.
169deleted:
170deleted: Auch unter Moritz Blumenthal, dem Sohn und Nachfolger von
171deleted: Meyer Blumenthal, geht die positive Entwicklung weiter.
172deleted:
173deleted: Quelle: NHSA Sign. Hann 330 Nr.51, 109, 879, 880
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-14.md+0 -184
@@ -1,184 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (14)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_24.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne**
12deleted:
13deleted: 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er
14deleted: wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater, sein Grossvater und sein
15deleted: Onkel vor ihm. Am 26. Oktober 1892 heiratet er im Alter von 34 Jahren ein
16deleted: Fräulein Sophie Wallhausen aus Lüthorst, und es wird eine großartige Hochzeit
17deleted: gefeiert. Die mit riesigem Aufwand gedruckte 
18deleted: Hochzeits- zeitung ist noch erhalten.
19deleted:
20deleted: <!--truncate-->
21deleted:
22deleted: Dem
23deleted: Paar werden fünf Söhne geboren:
24deleted:
25deleted: 1893,
26deleted: 16.Oktober      Gustav Blumenthal
27deleted:
28deleted: 1895,
29deleted: 02. März          Karl Blumenthal
30deleted:
31deleted: 1897,
32deleted: 11. Oktober     Hermann Blumenthal
33deleted:
34deleted: 1900,
35deleted: 23. Juni           Robert Blumenthal
36deleted:
37deleted: 1901,
38deleted: 30. Dezember Willi Blumenthal.
39deleted:
40deleted: 1897 werden wieder erhebliche Geldmittel für Haus und Nebengebäude
41deleted: aufgewendet. Die Wagenremise und der Stall werden erneuert, und der Taxwert des
42deleted: Wohnhauses erhöht sich wieder um gut 1000 Mark auf 8387 Mark.
43deleted:
44deleted: 1907 erfolgt eine bedeutende Modernisierung der Schlachterei
45deleted: und auch das Wohnhaus wird noch einmal verbessert.
46deleted:
47deleted: Quelle: NHSA  Sign:
48deleted: Hann 174, Springe 162
49deleted:
50deleted: **Ein moderner Betrieb**
51deleted:
52deleted: Im Jahr 1907 bringt Moritz Blumenthal seine Schlachterei auf
53deleted: den modernsten Stand. Da der  Bau eines
54deleted: Kühlkellers wegen der Lage des Hauses in der Masch mit ihrem hohen Grundwasserstand nicht möglich ist,
55deleted: baut er oberirdisch einen Eisturm, der heute noch vorhanden ist. Ein
56deleted: doppelwandiger, ca. 5 m hoher Turm, dessen 8o cm breite Zwischenwände zur
57deleted: Isolierung mit Torf gefüllt sind, wird von der Seite durch eine oben
58deleted: befindliche Luke im Winter mit Eis gefüllt und hält ihn über den ganzen Sommer
59deleted: kühl. Das Dach und der daneben liegende Kühlraum werden ebenso ausgestattet.
60deleted:
61deleted: Wenn das Eis im Winter auf dem Schloßteich dick genug war,
62deleted: wurde es geschnitten und eingelagert. Im Winter galt Blumenthal als begehrter
63deleted: Arbeitgeber, beschäftigte er doch zeitweilig bis zu 15 Personen in der
64deleted: arbeitsarmen Zeit mit Eisschneiden. An der Sohle des Eisturms ist eine türgroße
65deleted: Öffnung zum Kühlraum, in dem das Fleisch auch im heißesten Sommer hervorragend
66deleted: gekühlt wurde. Es gab ja noch kein künstlich hergestelltes Stangeneis. Die  Schlachterei Moritz Blumenthal war weit und
67deleted: breit bekannt für ihr hervorragendes Fleisch. Wenn man ein besonders gutes
68deleted: Stück Fleisch haben wollte, kaufte man es bei Blumenthal. Natürlich gab es dort
69deleted: vorwiegend Rindfleisch und manchmal Hammelfleisch. Schweine wurden nicht
70deleted: geschlachtet oder verkauft. Die Rinder suchte sich Blumenthal bei den Bauern
71deleted: aus und war als hartnäckiger und harter Verhandlungspartner bekannt. Mit Pferd
72deleted: und Wagen fuhr er  über Land, sogar bis
73deleted: Hannover. Sein Fleisch verkaufte er in den umliegenden Dörfern, wo man an
74deleted: bestimmten Tagen schon auf ihn wartete.
75deleted:
76deleted: **Rituelles
77deleted: Schlachten**
78deleted:
79deleted: Die linke Hälfte des Erdgeschosses wurde als Schlachterei
80deleted: genutzt. Das heutige große Schaufenster gab es noch nicht. Fensterläden zur
81deleted: Straßenseite schützten vor Sonneneinstrahlung.
82deleted:
83deleted: Das Schlachten der Rinder erfolgte nach dem jüdischen
84deleted: Ritualkodex. Dazu kam extra ein Schächter als Kultbeamter aus Pattensen oder
85deleted: auch aus Hannover. Mit Pferd und Wagen wurde er vom Bahnhof Barnten abgeholt.
86deleted: In einem besonderen Kasten, ähnlich  wie
87deleted: ein Geigenkasten, brachte er das Messer zum Schächten mit, das nicht die
88deleted: geringste Scharte aufweisen durfte. Geschlachtet wurde in dem Raum, der einen
89deleted: Eingang von der linken Hofseite aus hat. Von der Hofmauer aus schauten die
90deleted: Dorfjungen manchmal bei der Zeremonie zu, die sie als sehr grausam empfanden.
91deleted: Mit Ketten wurden die Tiere an den Füßen gefesselt, durch eine Winde zu Fall
92deleted: gebracht und ohne Betäubung Halsschlagader, Speise- und Luftröhre durchtrennt,
93deleted: um eine völlige Ausblutung zu erreichen.
94deleted:
95deleted: Das Schächten wurde im NS-Deutschland, am 21.4.1933,
96deleted: verboten. Durch Verord-nungen der Militärregierungen von 1946 und 1947 wurde es
97deleted: wieder zugelassen.
98deleted:
99deleted: Auch die jüdischen Beerdigungen erweckten das Interesse der
100deleted: Dorfjugend, weil sie  anders waren als
101deleted: die hier üblichen. Besonders die Särge fielen ihnen auf. Sie hatten keinen
102deleted: hochgewölbten Deckel und waren aus unbearbeitetem Holz.
103deleted:
104deleted: **Karl Blumenthal
105deleted: und seine Brüder**
106deleted:
107deleted: In Rössing wußte man bisher nur von drei Brüdern, Karl,
108deleted: Robert und Willi, die in den 1920er und 1930er Jahren voll in der
109deleted: Dorfgemeinschaft integriert waren. Daß es noch zwei weitere Brüder Blumenthal
110deleted: gab, Gustav (geb. 1893), und Hermann (geb. 1897) war bisher in Rössing unbekannt.
111deleted: Von der Existenz dieser beiden Brüder erfuhr man erst fast 100 Jahre später
112deleted: durch Kurt Blumenthal, den Enkel von Gustav, als er Im Jahre 2008 auf den
113deleted: Spuren seiner Ahnen ihre Gräber in Rössing besuchen wollte. Er überließ mir ein
114deleted: Exemplar der 2003 von seinem Vater Werner verfaßten Familienchronik, durch die
115deleted: wir umfassende Informationen über die Schicksale der einzelnen
116deleted: Familienmitglieder erhielten.
117deleted:
118deleted: Gustav und Hermann Blumenthal haben Rössing schon jung
119deleted: verlassen und wurden sehr erfolgreiche und wohlhabende Geschäftsleute in
120deleted: Bochum. Das Startkapital stammte wohl vom Vater Moritz, denn sie wurden
121deleted: Besitzer oder Teilhaber der Firma Gebr. Koppel 
122deleted: später Heymann & Co, eines großen Geschäfts-oder Kaufhauses der Textilbranche,
123deleted: was ihnen einen recht luxuriösen Lebensstil ermöglichte mit Tennisspiel,
124deleted: Reitstunden im Tattersall, Urlaubsreisen und einem Auto mit Chauffeur.
125deleted:
126deleted: Dadurch, daß sie Rössing frühzeitig verließen und sehr
127deleted: wohlhabend wurden, entgingen sie wahrscheinlich dem Schicksal ihrer drei
128deleted: Brüder, denn ihnen gelang noch rechtzeitig die Ausreise in die USA.
129deleted:
130deleted: Nach „Arisierung“ ihres Geschäftes und KZ-Aufenthalt gelang
131deleted: Hermann Blumenthal 1940 die kostspielige „Auswanderung“ in die USA, von wo aus
132deleted: er durch Stellung einer Bürgschaft ein Visum für seinen Bruder Gustav mit
133deleted: Familie besorgen konnte und ihnen so die Flucht aus Nazi-Deutschland im August
134deleted: 1942 in letzter Minute ermöglichte.
135deleted:
136deleted: .
137deleted:
138deleted: Die andern drei Brüder wuchsen in Rössing heran und teilten
139deleted: das Dorfleben bis ins Erwachsenenalter. Karl und Willi wurden Schlachter wie
140deleted: ihre Vorfahren und arbeiteten im väterlichen Betrieb, während Robert, der an
141deleted: einer Bechterewschen Wirbelsäulenverkrümmung litt , einen kaufmännischen Beruf
142deleted: ergriff.
143deleted:
144deleted: **Der Erste
145deleted: Weltkrieg**
146deleted:
147deleted: Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, rief nicht nur der „*Centralverein deutscher Staatsbürger
148deleted: jüdischen Glaubens*", sondern auch die „*Zionistische Vereinigung für Deutschland"* zur
149deleted: Vaterlandsverteidigung auf, letztere mit den Worten:
150deleted:
151deleted: ***"****Wir rufen Euch auf, im Sinne des alten jüdischen
152deleted: Pflichtgebots mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen, Euch dem
153deleted: Dienste des Vaterlandes hinzugeben."*
154deleted:
155deleted: Die ganze Familie war deutsch-national eingestellt, und die
156deleted: drei ältesten Blumenthal-Brüder Gustav, Hermann und Karl folgten dem Aufruf und
157deleted: meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Hermann wurde Unteroffizier und am 17.
158deleted: Oktober 1917 wurde ihm
159deleted:
160deleted: *„von* Sr. *Majestät vom Kaiser und König das Eiserne
161deleted: Kreuz II. Klasse* verliehen“.
162deleted:
163deleted: Alle drei Brüder hatte das Erlebte geprägt, aber sie hüteten
164deleted: ihr deutsches Nationalbewusstsein. Hermann war stolz auf seine
165deleted: Kriegs-Auszeichnung und bewahrte die Verleihungsurkunde sein Leben lang auf.
166deleted:
167deleted: Die Blumenthals lebten in Rössing als alteingesessene
168deleted: Bürger, nahmen am Dorfleben teil und traten nach außen hin recht bescheiden
169deleted: auf. Auf dem Erinnerungsfoto an das Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr
170deleted: von 1928  sind Karl und Willi Blumenthal
171deleted: mit verewigt und bei den geselligen Zusammenkünften des im Jahre 1900
172deleted: gegründeten  „Klub Frohsinn" war
173deleted: Willi Blumenthal ebenfalls mit von der Partie, wie ein Foto von 1932 zeigt
174deleted: (siehe Bildband „Rössing, unser Dorf im Wandel"). Karl, Mitte der 20er
175deleted: Jahre mit Henny Hartogsohn (geb. 1899) aus Emden verheiratet,  hatte mit ihr zwei Kinder – Hanna, geb. am 6.
176deleted: März 1928,  und Hans-Jürgen, der am 7.
177deleted: November 1931 geboren wurde.
178deleted:
179deleted: Karl Blumenthal, einer der besten Sänger im Gesangverein
180deleted: „Concordia“, wurde 1935 aus rassistischen Gründen ausgeschlossen. Karl Pahl,
181deleted: der 1. Vorsitzende des Vereins, hatte mehrfach erfolglos zugunsten von Karl
182deleted: Blumenthal interveniert. Man setzte ihn höheren Ortes so unter Druck, daß er
183deleted: schließlich nachgeben mußte, weil er sonst selbst in größte Schwierigkeiten
184deleted: gekommen wäre.
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-15.md+0 -105
@@ -1,105 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (15)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern: Werner Blumenthal erzählt Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.192"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5173.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern:**  **Werner Blumenthal erzählt**
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr  2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.1923)
16deleted: in der Rückschau, wie er die Schulferien in den 1920er und 1930er Jahren
17deleted: zusammen mit seiner Schwester Lore bei seinen Großeltern Sophie und Moritz
18deleted: Blumenthal und den Brüdern seines Vaters in Rössing erlebt hat.
19deleted:
20deleted: *---
21deleted: Das einfache und arbeitsreiche Leben auf dem Lande – etwa einen Kilometer vom
22deleted: Haus entfernt bewirtschafteten sie zugleich einen Acker (11/4 Morgen)– hatte
23deleted: sie geprägt und zu geachteten Mitgliedern der dörflichen Gemeinde gemacht.*
24deleted:
25deleted: *Sie
26deleted: hatten fünf Söhne, mein Vater Gustav war der älteste von ihnen. Danach kamen
27deleted: Karl, Hermann, Robert und Willi. Schon die Wahl der Namen ihrer Kinder verweist
28deleted: darauf, dass sie trotz ihres bewusst und strikt gelebten Judentums
29deleted: uneingeschränkt und selbstverständlich Deutsche waren.*
30deleted:
31deleted: *Die
32deleted: Kneipe gegenüber ihrem Haus war für die männlichen Familienmitglieder ebenso
33deleted: sozialer Treffpunkt wie für den Rest der Einwohner des Dorfes. –*
34deleted:
35deleted: *---
36deleted: Oma Sophie hatte gewiss kein leichtes Leben. Familie, fünf Kinder, Haus und
37deleted: Laden zu  bewirtschaften, dazu noch
38deleted: Garten und „Land“. Der koschere Haushalt verlangte zusätzliche Mühe durch die
39deleted: gebotene strenge Trennung zwischen „fleischigen“ und „milchigen“ sowie
40deleted: sonstigen Lebensmitteln und dem dazugehörigen Geschirr, Besteck usw.*
41deleted:
42deleted: *---Freitagsabends
43deleted: wurde auf feierliche Weise mit dem Abendessen in der guten Stube der Sabbat
44deleted: eingeläutet. Oma zündete die beiden Kerzen an und segnete die „Challe“, den
45deleted: selbstgebackenen geflochteten Mohnstuten, der zunächst unter einer geklöppelten
46deleted: Zierdecke lag. Jeder bekam ein Stück und aß es mit Salz zur Feier des Tages.---*
47deleted:
48deleted: *---Des
49deleted: öfteren begleitete ich Onkel Karl zur Arbeit auf dem Stück Land, auf dem
50deleted: vornehmlich Kartoffeln und diverse Gemüse für den Hausbedarf angebaut wurden.
51deleted: Mit Freude und viel Anstrengung zog ich den kleinen Bollerwagen dorthin, ein
52deleted: gutes Stück auf der Landstraße entlang. Damals bestand noch kaum die Gefahr,
53deleted: von einem Auto angefahren zu werden. Für mich als Stadtkind war es fast eine
54deleted: Offenbarung, eine frische Möhre aus dem Beet ziehen und sie essen zu können,
55deleted: Salat zu schneiden, Kartoffeln auszubuddeln.---*
56deleted:
57deleted: Werner Blumenthal erinnert sich lebhaft an die ungeheizten
58deleted: Schlafkammern im Winter, das dicke Federbett, auf dem sich bis zum Morgen durch
59deleted: die Atemluft eine richtige dünne Eisschicht bildete - und an das eisig kalte
60deleted: Plumpsklo. Aber besonders beeindruckt hat ihn offensichtlich der Besitz eines
61deleted: eigenen Stück Landes, durfte doch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kein Jude nach
62deleted: dem Gesetz Acker- oder Gartenland besitzen.
63deleted:
64deleted: Willi Blumenthal, der jüngere Bruder von Karl, war auch
65deleted: Schlachter, arbeitete bei seinem Vater in der Metzgerei und belieferte mit
66deleted: Pferd und Wagen Kunden in der näheren und weiteren Umgebung, wobei Werner ihn
67deleted: begleiten durfte. Außerdem besaß er ein Motorrad und brauste gern mit ihm auf
68deleted: dem Soziussitz durch die Gegend.
69deleted:
70deleted: Moritz Blumenthal starb 193O, und Karl übernahm die Schlachterei,
71deleted: während  Moritz‘ Frau Sophie noch bis
72deleted: 1938 lebte. Diese beiden sind die letzten, die auf dem jüdischen Friedhof
73deleted: beerdigt wurden.
74deleted:
75deleted: Nach einer Liste der jüdischen Einwohner vom 1.10.1935  umfaßte der Haushalt noch folgende Personen:
76deleted:
77deleted: Name                
78deleted:  Vorname             Beruf              Geburtstag    Geb.Ort          Bemerkungen
79deleted:
80deleted: 1. Blumenthal  Karl                        Schlachter     
81deleted: 2.  3. 1895   Rössing
82deleted:
83deleted: 2.          "           Henny                     Ehefrau         22.11. 1899   Emden
84deleted:
85deleted: 3.         "           
86deleted: Hanna                     Tochter           
87deleted: 6   3. 1928   Rössing
88deleted:
89deleted: 4.            "         Hans-Jürgen          Sohn               
90deleted: 7.11. 1931   Rössing
91deleted:
92deleted: 5.            "         Sophie                    Witwe             18. 
93deleted: 4. 1866   Lüthorst
94deleted:
95deleted: 6.             "        Willi                          Sohn
96deleted: zu 5     30.12. 1901   Rössing         verzogen
97deleted: n..
98deleted:
99deleted: 7.Gaup            Auguste                  Hausangest.   2.  3. 1910   Roßlau
100deleted: a,d,Elbe
101deleted:
102deleted: 8 Blumenthal             Robert Sohn zu 5  Kaufmann    23.  6. 1900   Rössing            
103deleted: "
104deleted:
105deleted: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 174 Springe Nr. 162
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-16.md+0 -141
@@ -1,141 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (16)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1866.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale:
12deleted: Terror gegen Familie Blumenthal**
13deleted:
14deleted: Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem
15deleted: Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „Machtergreifung“ wuchs die
16deleted: Angst in der Familie. Sofort nach dem 30. Januar 1933 setzten die
17deleted: staatspolitischen Maßnahmen ein. Am 1. April 1933 verkündete Julius Streicher
18deleted: den organisierten Judenboykott. Der Titel auf der ersten Seite des „Stürmers“,
19deleted: dem wüsten Hetzblatt der SA, lautete:
20deleted:
21deleted: <!--truncate-->
22deleted:
23deleted: *Wer
24deleted: beim Juden kauft, ist ein Volksverräter*
25deleted:
26deleted: Und so prangte es an allen Litfasssäulen.Das blieb , auch in
27deleted: Rössing, nicht ohne Wirkung. Blumenthals Schlachterei ging zurück. Am 9.
28deleted: November 1938, als die Synagogen brannten und in einer organisierten Aktion die
29deleted: jüdischen Geschäfte und Wohnungen demoliert und geplündert wurden, wurden auch
30deleted: Blumenthals ein Opfer der Hetze. Augenzeugen berichteten, dass ein ortsfremder
31deleted: Autofahrer aus Richtung Nordstemmen kam, vor ihrem Haus anhielt und mit der
32deleted: Anlasserkurbel die geschlossenen hölzernen Fensterläden und die Scheiben
33deleted: zerschlug. Ein paar Jungen, die das mit angesehen hatten, fanden das aufregend
34deleted: und schmissen noch ein paar Steine hinterher, während die Familie Blumenthal
35deleted: total verängstigt auf ihren Betten im Schlafzimmer saß.
36deleted:
37deleted: Schon seit 1936 durften jüdische Kinder nicht mehr am
38deleted: Schulsportfest teilnehmen, und ab 1937 wurde ihnen der Besuch der allgemeinen
39deleted: Lehranstalten ganz verboten. Von den beiden Kindern Hanna, Jahrgang 1928, und
40deleted: Hans-Jürgen Blumenthal, Jahrgang 1931, konnte Hanna noch drei Jahre die
41deleted: Rössinger Schule besuchen. Die jüdische Kultusgemeinde in Hannover versuchte
42deleted: durch kulturelle Maßnahmen die weitere Schulbildung der Kinder zu übernehmen
43deleted: und Hanna wurde am 12. April 1937 nach Hannover abgemeldet.
44deleted:
45deleted: Als sich nach dem 9. November 1938 niemand mehr getraute bei
46deleted: Blumenthals zu kaufen, mußten sie die Schlachterei schließen. Damit löste sich
47deleted: auch der geschlossene Familienverband der Blumenthals auf. Die Oma war
48deleted: gestorben, Hanna war in Hannover, Karl Blumenthal fand eine Stelle als Arbeiter
49deleted: beim Betonwerk R. Grasdorf in Hannover Wülfel, und die Familie lebte still und
50deleted: zurückgezogen und so unauffällig wie möglich im Dorf.
51deleted:
52deleted: **Druck und
53deleted: Diskriminierung**
54deleted:
55deleted: 1935 waren den Juden ihre Staatsbürgerrechte aberkannt
56deleted: worden. Punkt 4 in Hitlers Parteiprogramm lautete:
57deleted:
58deleted: *Volksgenosse
59deleted: kann nur sein, wer arischen Blutes ist,*
60deleted:
61deleted: *also
62deleted: kann kein Jude Volksgenosse sein.*
63deleted:
64deleted: Damit waren die Juden rechtlos wie im Mittelalter und
65deleted: unbegrenzt besteuerbar. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurden
66deleted: sie mit einer Sondersteuer belegt als Strafe dafür, wie es hieß, daß der Jude
67deleted: Herschel Grynspan den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris
68deleted: erschossen hatte. Außerdem wurde die Kennzeichnung von jüdischen Pässen
69deleted: angeordnet. Sie wurden auf der Aussenseite mit einem 3 cm großen J versehen und
70deleted: die Passinhaber damit für alle sichtbar als Juden gekennzeichnet.
71deleted:
72deleted: Viele Juden bemühten sich um Auswanderung, dabei wurden
73deleted: Teile ihres Vermögens als Sonderabgabe einbehalten.
74deleted:
75deleted: Diese betrug bei Vermögen
76deleted:
77deleted: bis       1.000 RM      nichts
78deleted:
79deleted: 1.000  5.000 RM      0,5
80deleted: %
81deleted:
82deleted: 5.000  10.000.RM    1,0
83deleted: %
84deleted:
85deleted: Bei einem Vermögen von 800 000 RM bis 1 Mio RM wurde sie als
86deleted: Reichsfluchtsteuer bis auf 10 % gesteigert.
87deleted:
88deleted: Eine Reihe von Schriftstücken der Gestapo (Geheimen
89deleted: Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit befassten, wie mit den
90deleted: Juden verfahren werden sollte, waren so brisant, daß sie mit dem Stempel
91deleted: „streng vertraulich“ versehen wurden.
92deleted:
93deleted: Manchmal wurde die Ausreise der Juden von den Behörden
94deleted: gefördert, manchmal erschwert. Einmal weist der Reichsführer der SS die Gestapo
95deleted: an, daß die Landräte ab 1.Januar 1939 keine Dringlichkeitsbescheinigungen für
96deleted: Auslandsreisen jüdischer Mitbürger mehr ausstellen dürfen ; das hätte die
97deleted: Ausreise beschleunigt. So hat man mehr Zeit, sich die jüdischen Vermögen
98deleted: anzueignen.
99deleted:
100deleted: Am 28.Februar 1939 wird die Förderung der Auswanderung
101deleted: minderbemittelter Juden angeordnet. Ohne Vermögen waren sie uninteressant und
102deleted: man wollte sie loswerden.
103deleted:
104deleted: Aber auch das Ausland sperrte sich gegen die Aufnahme vor
105deleted: allem armer Juden. Verwandte mußten Bürgschaften übernehmen, andere hatten kaum
106deleted: eine Chance auszureisen.
107deleted:
108deleted: Am 1.September 1941 erging der Befehl zum sichtbaren Tragen
109deleted: des etwa 10 cm großen gelben Judensterns und zur Führung israelitischer
110deleted: Vornamen für die Juden.
111deleted:
112deleted: **Zwangsverkauf des
113deleted: Hauses**
114deleted:
115deleted: Am 24. Juni 1939 ergingen vom Landrat in Springe an alle
116deleted: jüdischen Familien Verkaufsaufforderungen betreffend ihrer Immobilien. Karl
117deleted: Blumenthal hatte schon am 6. Juni 1939 sein Haus an Otto Altendorf verkauft ,
118deleted: nicht freiwilllig, versteht sich. Bei diesen Zwangsverkäufen mußten die
119deleted: arischen Käufer die Verkaufssumme an den Staat bezahlen. Von der Verkaufssumme
120deleted: erhielten die Verkäufer nur einen Bruchteil, das meiste behielt der Staat ein.
121deleted: Daher kamen nach dem Krieg die Differenzen zwischen den Alteigentümern und den
122deleted: Käufern, die in der Regel alles noch einmal bezahlen mussten.
123deleted:
124deleted: Blumenthals durften in ihrem Hause nur noch eine kleine
125deleted: Küche und zwei Zimmer bewohnen. Trotz ihres früheren guten Leumunds mied man
126deleted: die Familie.
127deleted:
128deleted: Inzwischen war Krieg, die Lebensmittel wurden rationiert und
129deleted: die Juden bekamen erheblich kleinere Rationen auf ihre Lebensmittelkarten. Zwar
130deleted: gab es auch Beweise von nachbarschaftlicher Hilfe, etwa, wenn ihnen heimlich an
131deleted: der Hintertür beim Melken ihre Kanne mit Milch gefüllt wurde oder die andern
132deleted: Hausbewohner einen Topf mit Mittagessen hinstellten. Aber es durfte keiner
133deleted: sehen, alle hatten Angst, als „Volksverräter" zu gelten. Die Familie des
134deleted: Schäfers Schmieding stand Todesängste aus, weil dieser für die Blumenthals ein Schaf
135deleted: geschlachtet hatte.
136deleted:
137deleted: Alle Tiere waren registriert und es wurde kontrolliert, ob
138deleted: die Anzahl der registrierten Tiere stimmte. Bei Opa Harke am Leinkamp ging es
139deleted: um Ziegen, als Karl Blumenthal eines Abends verstohlen an sein Fenster klopfte:
140deleted: „Kannst Du mir nicht noch einmal eine Ziege verkaufen?“ Aber diesmal ging es
141deleted: nicht. Der Enkel, der das damals mit ansah, berichtete es unter Tränen.
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-17.md+0 -65
@@ -1,65 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (17)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland . Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausl"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_3785.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale:
12deleted: Jugendtransporte ins Ausland**
13deleted:
14deleted: .
15deleted:
16deleted: Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im
17deleted: NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausland. Es gab ausländische
18deleted: Organisationen, die Hilfsprogramme für gefährdete Jugendliche in Deutschland
19deleted: organisierten. Wenn den Eltern die Ausreise noch nicht gelang, sahen sie darin
20deleted: eine Chance, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Das geschah mit
21deleted: Billigung der NS-Behörden.
22deleted:
23deleted: <!--truncate-->
24deleted:
25deleted: Auch die beiden Kinder von Gustav Blumenthal in Bochum,
26deleted: Werner und Lore, kamen in den Genuß solcher Maßnahmen, die Kinder ins
27deleted: europäische Ausland zu evakuieren, um sie dem Zugriff der Nazis zu entziehen.
28deleted:
29deleted: Nachdem der Besuch der öffentlichen Schulen für jüdische
30deleted: Kinder verboten war, wurde Werner Blumenthal von seinem Vater nach Berlin
31deleted: gebracht, wo er in einer jüdischen Bildungsanstalt einen praktischen Beruf
32deleted: erlernen sollte. Nach der sog. Kristallnacht am 9. November 1938 wurde er von
33deleted: Berlin aus nach England geschickt. Mit Beginn des Krieges wurde er dort aber
34deleted: als feindlicher Ausländer interniert und nach Kanada verbracht, wo er fünf
35deleted: Jahre hinter Stacheldraht saß, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehren
36deleted: konnte.
37deleted:
38deleted: Seine Schwester Lore kam in ein holländisches Kloster, bevor
39deleted: die Deutschen in die Niederlande einfielen, während sich ihre Eltern krampfhaft
40deleted: um eine Ausreisemöglichkeit bemühten. Sie litt furchtbar unter Heimweh und
41deleted: fühlte sich todunglücklich. Als die Eltern glaubten, eine Ausreisechance nach
42deleted: Kuba zu haben, durfte sie zurückkommen. Aber diese Chance zerschlug sich wie so
43deleted: viele, und erst zum 27. Mai 1941 erhielten sie ihr Visum zur Einreise in die
44deleted: USA, die sie nach dramatischen Zwischenfällen am 25. August 1941 erreichten.
45deleted:
46deleted: Die Kinder von Karl Blumenthal,  Hanna und Hans-Jürgen,  hatten nicht so viel Glück. Sie hielten sich
47deleted: wiederholt längere Zeit in Hannover auf. Einmal war Hanna „Auf dem Emmerberg
48deleted: 31“ gemeldet und seit dem 7.4.1939 in Ahlem in der Israelitischen Gartenbauschule,  wo sie noch Schulunterricht erhielt,
49deleted: zeitweilig zusammen mit ihrem Bruder Hans-Jürgen. Das Mädchenheim der Schule
50deleted: war im März 1941 von der Feuerschutzpolizei belegt worden, dann richtete die
51deleted: Stadt Hannover dort ein Ausweichkrankenhaus ein. Seit Ende 1941 dienten das
52deleted: Direktorenhaus und andere Gebäude der Schule als Sammellager für die Juden der
53deleted: Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, die in osteuropäische
54deleted: Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert werden sollten. Am 23. Juli
55deleted: 1942 wurde sie ganz geschlossen und von der Gestapo übernommen.
56deleted:
57deleted: Der Landrat forderte am 23. Dezember 1941 und am 30. Januar
58deleted: 1942 noch einmal genaue Angaben über die Familie Blumenthal und den Aufenthalt
59deleted: der Kinder an, die zu diesem Zeitpunkt wieder in Rössing waren. Sie wurden
60deleted: einige Wochen später zusammen mit ihren Eltern nach Polen deportiert.
61deleted:
62deleted: Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß nach dem 2. Weltkrieg
63deleted: wurde festgestellt, daß am 31.Juli.1941 der Befehl zur sog. „Endlösung"
64deleted: der Judenfrage durch Vernichtung erteilt worden sei. Dieses Datum wird aber
65deleted: heute in Frage gestellt. Die NS- Gesetzgebung war schon viel früher auf  den Holocaust perspektiviert.
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-18.md+0 -169
@@ -1,169 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (18)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale: Der letzte Teil der Tragödie beginnt Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landra"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1400.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Familienschicksale:
12deleted: Der letzte Teil der Tragödie beginnt**
13deleted:
14deleted: Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der
15deleted: Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit
16deleted: befassten, wie  mit den Juden verfahren
17deleted: werden sollte, wurden nur den obersten Spitzen der Behörden zugestellt. Die
18deleted: untergeordneten Instanzen bekamen immer nur Teilaufträge, so daß die Wenigsten
19deleted: den  schaurigen Weg, den die Juden gehen
20deleted: mußten, vollständig übersehen konnten.
21deleted:
22deleted: <!--truncate-->
23deleted:
24deleted: Am 25. März 1942 
25deleted: werden der Familie Blumenthal vier Verfügungen zugestellt, für jedes
26deleted: Familienmitglied eine. Sie hätten sich drei Tage später, am 28. März 1942, zum
27deleted: Abtransport mit einem LKW bereitzuhalten. Es handelt sich um Karl (47), seine
28deleted: Frau (43), Tochter Hanna (14) und Sohn Hans-Jürgen (11).
29deleted:
30deleted: *Jeder
31deleted: zu evakuierende Jude muß mitbringen*
32deleted:
33deleted: *1.)
34deleted: 1 Koffer oder Rucksack mit Ausrüstungsstücken*
35deleted:
36deleted: *(kein
37deleted: sperrendes Gut) bis 50 kg*
38deleted:
39deleted: *2.)
40deleted: Vollständige Bekleidung (ordentliches Schuhwerk)*
41deleted:
42deleted: *Bettzeug
43deleted: mit Decken (keine Matratzen)*
44deleted:
45deleted: *3.)
46deleted: Transportverpflegung für etwa 3 Tage,*
47deleted:
48deleted: *Essgeschirr
49deleted: (Teller oder Topf mit Löffel)*
50deleted:
51deleted: Offiziell hieß es, es ginge zum Arbeitseinsatz nach Polen.
52deleted: Ein LKW mit Anhänger sammelte die Juden aus dem Landkreis Springe auf
53deleted: vorgeschriebener Route am 28. März 1942 im Laufe des Vormittags ein. Die
54deleted: zweiköpfige Begleitmannschaft musste von der Gendarmerie gestellt werden, nicht
55deleted: von einer uniformierten NS-Organisation. Der Abtransport wäre sonst wohl
56deleted: weniger problemlos verlaufen. Der Transport ging zunächst zur Israelitischen
57deleted: Gartenbauschule nach Hannover-Ahlem. Dort war ein Sammellager
58deleted: eingerichtet,  und am 31.März 1942, also
59deleted: drei Tage später, ging ein Transportzug vom Bahnhof Fischerhof nach Trawniki
60deleted: bei Lublin ab.
61deleted:
62deleted: Die nüchterne Sprache der aufgefundenen Aktenstücke ist
63deleted: erschreckend, wenn man weiß, daß es sich um eine Reise ohne Wiederkehr
64deleted: handelte.
65deleted:
66deleted: Das vierseitige „vertrauliche“ Schreiben der Gestapo vom 19.
67deleted: März 1942 an den Landrat betr. der „Abwanderung" der Juden nach Trawniki
68deleted: bei Lublin in Polen, der die Einzelheiten der Abschiebung regelt, ist im
69deleted: Original erhalten. Da die Originalschriftstücke auf sehr schlechtem, vergilbtem
70deleted: Kriegspapier geschrieben  sind, werden
71deleted: hier nur einige Auszüge zitiert:
72deleted:
73deleted: Seite 1
74deleted:
75deleted: *Der
76deleted: Transportzug D a 6 (sogenannter Koppelzug) wird fahrplanmäßig*
77deleted:
78deleted: *am
79deleted: 31.März 1942 um 12,12 Uhr in Gelsenkirchen eingesetzt und trifft mit 400 Juden
80deleted: der Staatspolizeileitstelle Münster um 18,15 Uhr in Hannover, Bahnhof
81deleted: Fischerhof, ein. Hier erfolgt die Zuladung der für Hannover (bzw. Hildesheim) abzuschiebenden
82deleted: 500 Juden und die Einrangierung der benötigten Güterwagen und des B-Wagens für
83deleted: das Begleitkommando der Schutzpolizei. Um 18,36 Uhr fährt der Transportzug nach
84deleted: Braunschweig weiter und trifft dort um 20,05 Uhr ein. Die
85deleted: Staatspolizeileitstelle Braunschweig ladet die von ihr vorgesehen Juden (116)
86deleted: und das zugehörige Gepäck zu, so daß die endgültige Weiterfahrt des D a
87deleted: 6-Transportzuges nach Trawniki bei Lublin um 20.16 Uhr erfolgen kann.*
88deleted:
89deleted: *Die
90deleted: Auswahl der von der Maßnahme betroffenen Juden für die Regierungsbezirke
91deleted: Hannover und Hildesheim trifft die Staatspolizeileitstelle Hannover.*
92deleted:
93deleted: ***Nicht abgeschoben werden******zunächst:***
94deleted:
95deleted: 1.    In deutsch-jüdischer Mischehe lebende
96deleted: Juden
97deleted:
98deleted: 2.    Juden ausländischer einschließlich
99deleted: sowjetrussischer Staatsangehörigkeit-----
100deleted:
101deleted: 3.    In geschlossenen kriegswichtigen
102deleted: Arbeitseinsatz befindliche Juden------
103deleted:
104deleted: Seite 2 / 3
105deleted:
106deleted: *Ehetrennung,
107deleted: sowie Trennung von Kindern bis zu 14 Jahren von den Eltern ist zu vermeiden.*
108deleted:
109deleted: ***Jeder abzuschiebende Jude hat sein
110deleted: Bargeld, seine Wertpapiere, Sparkassenbücher, sonstige Wertgegenstände, wie
111deleted: Schmucksachen, Ringe, Halsketten, Armbänder usw. bei seiner Festnahme bei sich
112deleted: zu führen. Alle diese Gegenstände werden ihm bei der Durchsuchung der Koffer
113deleted: und der Leibesvisitation im Sammellager Ahlem abgenommen. Keinesfalls dürfen Juden
114deleted: Bargeld oder Wertgegenstände auf dem Transport mitnehmen. Nur Eheringe dürfen
115deleted: den Juden belassen werden.***
116deleted:
117deleted: *Für
118deleted: die aus dem Regierungsbezirk Hildesheim abzuschiebenden Juden werden vorstehend
119deleted: bezeichnete Sachen von der Außenstelle Hildesheim bereits in eigener
120deleted: Zuständigkeit abgenommen.*
121deleted:
122deleted: *Alles
123deleted: bewegliche und unbewegliche Vermögen der abzuschiebenden Juden wird mit
124deleted: Rückwirkung vom 1.3.1942 staatspolizeilich beschlagnahmt und eingezogen. Die
125deleted: Verwertung des eingezogenen Judenvermögens wird der Oberfinanz-präsident
126deleted: durchführen.*
127deleted:
128deleted: *Über
129deleted: die Kosten des LKW-Transportes wird der Gestapo vom Landkreis eine Rechnung
130deleted: zugestellt.*
131deleted:
132deleted: Der Befehl für diesen LKW-Transport wurde nicht schriftlich
133deleted: erteilt, sondern bezog sich auf eine mündliche Anweisung vom 10. Januar 1942,
134deleted: die die Gestapo dem Landrat übermittelt hatte.
135deleted:
136deleted: Quelle: NHSA Hann 174 Springe 162
137deleted:
138deleted: In der Einwohnerliste der Juden in Rössing wurden die Namen
139deleted: dann einfach durchgestrichen. Unter “Bemerkungen“ steht bei jedem Einzelnen:     „*evakuiert
140deleted: am 28. März.1942“*
141deleted:
142deleted: Der Gendarmerieeinzelposten Rössing vermeldet ganz lapidar
143deleted: dem Landrat am 29. März.1942 Vollzug mit dem Bericht, daß die Familie
144deleted: Blumenthal in Rössing am 28. März.1942 nach dem Osten abtransportiert worden
145deleted: ist.
146deleted:
147deleted: Quelle: NHSA  Hann 174
148deleted: Nr. 162
149deleted:
150deleted: **Nachtrag**
151deleted:
152deleted: Bei ihrem Abtransport ahnte Familie Blumenthal noch nicht,
153deleted: was ihr bevorstand. Sie glaubten an einen Arbeitseinsatz in Polen und daß man
154deleted: sie dort in Polen zusammen ansiedeln würde. Frau Blumenthal hatte ihre
155deleted: Nähmaschine in die Gepäckaufbewahrung zum Bahnhof Barnten gebracht, eine
156deleted: Nachbarin sollte sie ihr nachschicken, wenn sie ihre neue Adresse hätte, damit
157deleted: sie sich durch Nähen etwas dazuverdienen könnte. Was wirklich geschah, hätte
158deleted: sich niemand vorstellen können.
159deleted:
160deleted: Karl Algermissen aus Rössing hat als Soldat in Polen Karl
161deleted: Blumenthal noch einmal in der Nähe von Warschau bei Gleisarbeiten in einem
162deleted: erbärmlichen Zustand getroffen: „Karl, was machst Du denn hier?“ fragte er ihn
163deleted: ganz entsetzt. „Geh weiter, geh weiter“ sagte dieser nur. Am nächsten Tag
164deleted: wollte Algermissen ihm etwas zu Essen bringen, aber er hat Karl Blumenthal
165deleted: nicht wieder getroffen. Das war das letzte Lebenszeichen von der Familie
166deleted: Blumenthal. Wie sie alle gestorben sind, wissen wir nicht.
167deleted:
168deleted: Der Hausrat der Familie Blumenthal wurde auf dem Hof ihres
169deleted: Hauses versteigert und der Erlös dem Finanzamt zugeführt.
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-19.md+0 -93
@@ -1,93 +0,0 @@
1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (19)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Die Schicksale der vier anderen Brüder Robert Blumenthal Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit i"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5058.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Die Schicksale der vier anderen Brüder**
12deleted:
13deleted: **Robert Blumenthal**
14deleted:
15deleted: Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen
16deleted: kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit in Wiesbaden. Mit seiner Frau Edith
17deleted: hat er zwei Kinder. Ab Juli 1934 wohnt er wieder in Rössing, am 8.6.1936 zieht
18deleted: die Familie nach Hannover, wohnt in der  
19deleted: Nordmannstrasse 11. Später lebt die Familie in der Josephstraße 2., in
20deleted: einem Haus, in dem  jüdischen Familien
21deleted: zusammengezogen werden. Am 15. Dezember 1941 wird die Familie mit dem ersten
22deleted: Transport, der in einem Vernichtungslager endete, nach Riga verbracht und kommt
23deleted: dort um.
24deleted:
25deleted: <!--truncate-->
26deleted:
27deleted: Quelle: Erinnerungsblatt der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem
28deleted:
29deleted: **Willi Blumenthal**
30deleted:
31deleted: Roberts ein Jahr jüngerer Bruder Willi hatte 1933   in eine Schlachterei in Horn (Lippe)
32deleted: eingeheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Die Kinder und die Mutter sind vom
33deleted: Terrorregime des NS  ermordet worden.
34deleted: Willi Blumenthal hatte ein besonderes Schicksal.
35deleted:
36deleted: Er war als KZ-Häftling in Frankreich zum Bau von Befestigungsanlagen
37deleted: eingesetzt worden und sollte, als er nicht mehr arbeitsfähig war, zusammen mit
38deleted: seinen Leidensgenossen in Güterwaggons nach dem Osten zur Vernichtung
39deleted: abtransportiert werden. Irgendwie schaffte er es, sich eine Zange zu
40deleted: organisieren. Auf dem Weg durch Belgien gelang es ihm, damit den Waggon
41deleted: aufzubrechen und aus dem fahrenden Zug zu springen. Belgische Bauern fanden und
42deleted: versorgten ihn, bis die Amerikaner im Frühjahr 1945 einrückten und er befreit
43deleted: wurde.
44deleted:
45deleted: Als er sich nach Kriegsende mit seinen Brüdern in den USA in
46deleted: Verbindung setzt, ermöglichen sie ihm die Ausreise nach Amerika. Er arbeitet
47deleted: dort wieder als Metzger und heiratet noch einmal. Willi Blumenthal besucht noch
48deleted: einmal seine Heimat in Rössing, 1983 
49deleted: stirbt er in New York.
50deleted:
51deleted: **Hermann Blumenthal**
52deleted:
53deleted: Er war der zweitälteste der fünf Brüder und nicht
54deleted: verheiratet. Er wohnt zeitlebens bei der Familie seines ältesten Bruders
55deleted: Gustav, mit dem ihn eine enge geschäftliche und menschliche Beziehung
56deleted: verbindet. In Bochum sind sie Inhaber oder Teilhaber eines größeren
57deleted: Textilgeschäftes oder -kaufhauses und sehr wohlhabend. Nachdem die Nazis sie
58deleted: enteignet und ihr Geschäft „arisiert“ haben, 
59deleted: eröffnen sie ein kleines Etagengeschäft für Stoffe und Kurzwaren. Als
60deleted: ihnen am 9. November 1938 auch diese Existenz zerstört wird und sie ins
61deleted: Konzentrationslager nach Sachsenhausen gebracht werden, schmieden sie, als sie
62deleted: nach sechs Wochen entlassen werden, notgedrungen Auswanderungspläne.
63deleted:
64deleted: Hermann erlernt in weiser Voraussicht das Schweißen, um sich
65deleted: eventuell mit einem handwerklichen Beruf durchzuschlagen - was sich als sehr
66deleted: nützlich erwies, als ihm im Frühjahr 1940 die Ausreise in die USA nach
67deleted: Überwindung großer Schwierigkeiten gelingt. Dort findet er wirklich Arbeit als
68deleted: Schweißer und arbeitet an zwei Stellen, um die Bürgschaften für seinen Bruder
69deleted: und dessen Familie zusammen zu bringen, damit auch sie in die USA ausreisen
70deleted: können.
71deleted:
72deleted: **Gustav Blumenthal**
73deleted:
74deleted: Gustav Blumenthal lebte mit seiner Familie in sehr guten
75deleted: Verhältnissen, bevor der Terror gegen die Juden das glückliche Familienleben
76deleted: zerstört. Sein Sohn Werner muß als Fünfzehnjähriger Schüler, ebenso wie seine
77deleted: drei Jahre jüngere Schwester Lore, das Gymnasium verlassen. Er besucht dann
78deleted: eine „ORT-Schule“ bei Berlin, um eine Schlosserlehre zu machen. Mit Hilfe eines
79deleted: internationalen Schutzprogramms für gefährdete Jugendliche gelangt er noch  vor Beginn des Krieges nach England. Seine
80deleted: Eltern sieht er erst 1946 wieder. Seine Schwester Lore kommt, ebenfalls mit
81deleted: einem Kinderschutzprogramm, 
82deleted: vorübergehend nach Holland.
83deleted:
84deleted: Als sich Gustav Blumenthal, dem Vater, die Chance bietet,
85deleted: eine Stellung in einem Reisebüro bei Hapag-Lloyd zu bekommen, schafft er es mit
86deleted: Glück und einem nicht legalen Trick , eine Schiffs-Passage für sich und die
87deleted: Familie zu erhalten. Im Sommer 1941 reist die Familie in die USA aus und
88deleted: schwört, niemals im Leben wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen – sie
89deleted: haben diesen Schwur gehalten und können es absolut nicht verstehen, als ihr
90deleted: Sohn Werner wieder nach  Deutschland
91deleted: zurück will. Sie leben bis zu ihrem Tode in New York. Gustav stirbt 1966 mit 73
92deleted: Jahren,  Hermann 1978 mit 81 Jahren und
93deleted: Gustavs Frau Erna 1982 mit 87 Jahren.
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-20.md+0 -299
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2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (20)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland. Lore Blumenthal berichtet 1995: Ich schreibe diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner."
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-judische-geschichte-in-rossing-20.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: # Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland.
12deleted:
13deleted: <!--truncate-->
14deleted:
15deleted: #
16deleted:
17deleted: # Lore Blumenthal berichtet 1995:
18deleted:
19deleted: *Ich schreibe
20deleted: diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner. So oft ich auch
21deleted: versuchte ihm davon zu erzählen, was damals geschah, konnte ich mein Vorhaben
22deleted: nicht zu Ende bringen. Zugleich hoffe ich, mir hiermit das Geschehen von der
23deleted: Seele schreiben zu können.*
24deleted:
25deleted: *\*          \*          \**
26deleted:
27deleted: *In der Nacht des 8. November 1938, vielmehr
28deleted: in den frühen Morgenstunden des 9. November – es war etwa 2 Uhr – schellte es
29deleted: ohne Unterbrechung. Man hatte ein Streichholz neben den Klingelknopf geklemmt.
30deleted: Man versetzte uns zunächst in Schrecken, während man dabei war, eine andere
31deleted: Wohnung in der Nähe zu demolieren.*
32deleted:
33deleted: *Papa brachte
34deleted: Mutti, Opa und mich ganz leise auf den Dachboden und schloß uns dort in einen
35deleted: kleinen Raum ein. Er selbst und Hermann blieben unten in der Wohnung.*
36deleted:
37deleted: *Endlich hatten die
38deleted: Nazis ihr Werk weiter unten auf der Straße beendet und nun waren wir an der
39deleted: Reihe: Etwa 20 bis 25 SA-Leute jagten Papa und Hermann aus unserer Wohnung ins
40deleted: Treppenhaus. Dort mußten sie mit dem Gesicht zur Wand und hoch erhobenen Händen
41deleted: stehen bleiben. Die SA-Leute trugen alle hölzerne oder stählerne Knüppel bei
42deleted: sich (wahrscheinlich waren es die üblichen Gummiknüppel, Anm. d. Verfassers).
43deleted: Ob sie Papa oder Hermann geschlagen haben, weiß ich nicht. Keiner von beiden
44deleted: hätte uns davon erzählt.*
45deleted:
46deleted: *Oben auf dem Boden
47deleted: hörten Mutti und ich lautes Krachen und wir zitterten am ganzen Leibe. Opa war
48deleted: doch taub und so war es nicht leicht, ihn zu beruhigen, zumal wir uns ihm in
49deleted: der Dunkelheit nicht verständlich machen konnten. Nach den längsten zwei
50deleted: Stunden in unserm Leben wurde es wieder ruhig und Papa kam, um uns zu holen.*
51deleted:
52deleted: *Als wir in unsere
53deleted: Wohnung kamen, sahen wir, dass alles kaputtgeschlagen war. Überall lag
54deleted: zerbrochenes Glas. Papa sagte zu Mutti: Alles ist ruiniert. Muttis Antwort:
55deleted: Hauptsache, dass dir nichts passiert ist.!*
56deleted:
57deleted: *Jedes Bild war
58deleted: zerschnitten, jedes Einrichtungsteil zerschlagen. Silber, sowie Bettwäsche
59deleted: waren aus dem Fenster geworfen, Muttis Schmuck war gestohlen worden. Man konnte
60deleted: sich nirgends hinsetzen, da alles voller Glasscherben war. Wir versuchten ein
61deleted: wenig wegzuräumen, damit Mutti sich etwas hinlegen konnte. Inzwischen dämmerte
62deleted: es schon.*
63deleted:
64deleted: *Ich schaute aus dem bleiverglasten, bunten Fenster in Opas
65deleted: Zimmer, wo ich selbst nicht gesehen werden konnte. Von dort aus sah ich, wie
66deleted: die Synagoge brannte.*
67deleted:
68deleted: *Gegen 8 oder 9 Uhr
69deleted: vormittags kam wieder eine Horde SA-Leute und verhafteten Papa und Hermann.
70deleted: Sie, wie alle andern männliche Juden in Bochum, brachte man auf die
71deleted: Polizeiwache.*
72deleted:
73deleted: *An diesem Tag
74deleted: hatten die Kinder schulfrei. Etliche folgten einem SA-Mann, der mal bei uns
75deleted: angestellt gewesen war, und der sie aufforderte, Steine in unsere Wohnung zu
76deleted: werfen und so noch das letzte heile Glas zu zertrümmern. Wir schlossen alle
77deleted: Türen und verbrachten die meiste Zeit des Tages im Flur, damit wir nicht selbst
78deleted: von Steinen getroffen wurden. Da wir die Nacht nicht in der Wohnung verbringen
79deleted: konnten, gingen wir eine Etage höher zu Lyons, die uns erlaubten, in ihrer
80deleted: Küche zu schlafen. Am nächsten Tag halfen Karl-Heinz und Frau Müller uns bei
81deleted: dem Versuch aufzuräumen.*
82deleted:
83deleted: *Wenige Tage nach
84deleted: ihrer Verhaftung wurden Papa und Hermann in Viehwagen in das KZ Sachsenhausen
85deleted: bei Berlin transportiert. Erstmals musste Mutti allein die Verantwortung für
86deleted: uns tragen.*
87deleted:
88deleted: *Zu dieser Zeit war
89deleted: Werner in Berlin, ging dort zur ORT-Schule, um eine Schlosserlehre zu machen.
90deleted: Er war gerade 15 Jahre alt – aber die Gestapo in Bochum suchte ihn. Kurz darauf
91deleted: ergab sich für 10 Jungen der ORT – Schule die Möglichkeit, mit einem
92deleted: Kindertransport nach England auszureisen. Werner sollte dabei sein. Mutti war
93deleted: bemüht, ihn sicher auf den Transport zu bringen. Als dann der Krieg ausbrach,
94deleted: wurden Werner und die andern Jugendlichen zu „feindlichen Ausländern“, später
95deleted: interniert und für einige Jahre in Kanada hinter Stacheldraht verbannt.*
96deleted:
97deleted: *In Bochum war
98deleted: Mutti immer wieder zur Gestapo gegangen 
99deleted: -   das fiel ihr
100deleted: verständlicherweise sehr schwer  -, um sich
101deleted: nach Papa und Hermann zu erkundigen. 
102deleted: Nach etwa sechs Wochen sagte man ihr, dass Papa entlassen würde, was
103deleted: dann auch passierte.*
104deleted:
105deleted: *Als Papa das KZ
106deleted: Sachsenhausen verlassen konnte, war sein erster Weg zu der Adresse, wo Werner
107deleted: in Berlin gewohnt hatte. Dort erfuhr er, dass dieser nach England emigriert
108deleted: war. Das traf ihn zunächst schwer, doch zugleich war er glücklich, seinen Sohn
109deleted: in Sicherheit zu wissen. Endlich kam Papa nach Hause. Seine Haare waren
110deleted: abrasiert, sein Anzug kaum wieder zu erkennen, so zerknittert war er. In
111deleted: Sachsenhausen hatte man alle Kleider in irgendeiner Desinfektionsmaschine so
112deleted: behandelt, dass sie nie wieder glatt werden konnten. Etwa zwei Wochen später
113deleted: kam auch Hermann.*
114deleted:
115deleted: *-   Es begannen
116deleted: verstärkt die Mühen, eine Ausreisemöglichkeit aus Deutschland zu finden. Papa
117deleted: versuchte es mit jedem erdenkbaren Land: Argentinien, Chile, Brasilien  usw. Aber alle Staaten hatten ihre Grenzen
118deleted: geschlossen. In ihrer Verzweiflung beschloß die Familie, einen illegalen Ausweg
119deleted: zu finden. Man wollte nachts durch den Wald über die Grenze nach Belgien
120deleted: marschieren. Menschen, die uns „über die grüne Grenze“ brngen wollten, waren
121deleted: gefunden, bezahlt und alles war vorbereitet. In letzter Minute gab Papa einer
122deleted: bösen Ahnung nach und es wurde entschieden, die Sache abzublasen. Alle Leute,
123deleted: die in dieser Nacht den gleichen Weg wählten, wurden erfasst und erschossen.*
124deleted:
125deleted: *Juden durften nur noch zwischen vier und fünf Uhr
126deleted: nachmittags einkaufen. Da alle Lebensmittel schon rationiert waren, gab es um
127deleted: diese Zeit kaum noch etwas zu kaufen. Einige Läden weigerten sich auch, uns zu
128deleted: bedienen. Nichtjüdische Freunde sorgten dafür, dass wir dennoch bekamen, was
129deleted: wir brauchten.*
130deleted:
131deleted: *1939 wurde ich mit
132deleted: einem Kindertransport nach Holland geschickt. Es war für mich eine schreckliche
133deleted: Zeit. Ich hatte furchtbares Heimweh.*
134deleted:
135deleted: *Kurz nach meiner
136deleted: Abreise nach Holland beschlagnahmte die Gestapo unsere Wohnung. Die SS brauchte
137deleted: sie. Zu unserm Glück hatten wir so gute Freunde wie Lewkonjas, die Mutti, Papa
138deleted: und Hermann bei sich aufnahmen. Opa hatte die Familie bereits in ein Altersheim
139deleted: eingekauft, in der Hoffnung, dass er dort seinen Lebensabend unter
140deleted: seinesgleichen verbringen könnte. Er kam dennoch nach Theresienstadt und kam
141deleted: dort um.*
142deleted:
143deleted: *Papa war damit beschäftigt, vielen jüdischen Familien in
144deleted: Bochum bei dem vielen Papierkram zu helfen, der zur Emigration anfiel. Die
145deleted: Hapag, ein Reisebüro in Essen, hatte ihn angestellt; so konnte er den
146deleted: Auswanderern bei der Beschaffung ihrer Passagen behilflich zu sein.*
147deleted:
148deleted: *Endlich konnte Papa Visa für Kuba bekommen. Die Gestapo
149deleted: liess mich grosszügig aus Holland zurückkommen -  für drei Tage! - ,um dann mit der Familie
150deleted: nach Kuba auszureisen. Hermann holte mich an der Grenze ab. Als wir zu Hause
151deleted: ankamen, machte uns Mutti die Türe auf. Sie war weiss wie ein Gespenst. Gerade
152deleted: hatten sie die Nachricht erhalten, dass auch Kuba seine Grenzen geschlossen
153deleted: hatte.*
154deleted:
155deleted: *Was mich betraf:
156deleted: Ich war glücklich, wieder bei der Familie sein zu können. Da die Gestapo wußte,
157deleted: dass wir verzweifelt versuchten auszuwandern, machte man uns keine zusätzlichen
158deleted: Schwierigkeiten. Zu dieser Zeit mußte jeder jüdische Mann den Namen Israel,
159deleted: jede Frau den Namen Sara annehmen.*
160deleted:
161deleted: *Eines Tages wurde
162deleted: allen polnischen Juden befohlen, binnen zwei Stunden zur Deportation auf dem
163deleted: Bahnhof zu erscheinen. Sie durften jeweils nur einen Koffer mitnehmen. Mutti,
164deleted: Papa und Hermann sowie auch Lewkonjas stellten Tische auf dem Bahnsteig auf;
165deleted: Mutti, und Grete Lewkonja schmierten Brote für die Betroffenen, Papa und die
166deleted: andern halfen ihnen bei ihrem Gepäck. In ihrer Aufregung und der Eile hatten
167deleted: sie die unwichtigsten Dinge eingepackt. Papa sorgte dafür, dass möglichst jeder
168deleted: eine Decke und warme Kleidung dabei hatte anstelle unnützer Dinge.*
169deleted:
170deleted: *An diesem Abend
171deleted: ließ Papa jeden von uns einen Koffer packen – nur warme und feste Kleidung.
172deleted: Diese Koffer sollten unter den Betten und immer bereit bleiben.*
173deleted:
174deleted: *Damals gab es fast
175deleted: nächtlich Bombenangriffe und wir verbrachten die meiste Zeit im
176deleted: Luftschutzkeller. Wir gingen angezogen ins Bett, da wir sonst zum Anziehen
177deleted: keine Zeit haben würden. Manchmal stand ich im Dunkeln mit Papa am Fenster und
178deleted: wir beobachteten Luftkämpfe zwischen deutschen und britischen Fliegern.*
179deleted:
180deleted: *Nun suchte Papa
181deleted: nach Wegen, in die USA zu kommen. Da wir dort keine Verwandten hatten,
182deleted: brauchten wir dazu erhebliche Bürgschaften. Unser guter Freund Felix Röttgen,
183deleted: der bereits in Amerika war, schlug vor, dass Hermann erst allein kommen solle.
184deleted: Es wäre leichter, eine Bürgschaft für eine Person zu bekommen und würde für uns
185deleted: einfacher, da wir dann ja einen Verwandten dort hätten.*
186deleted:
187deleted: *Hermann fuhr
188deleted: schließlich allein, mit schwerem Herzen. Seit vielen Jahren trennte er sich
189deleted: erstmals von uns, seiner Familie. Als er erst einmal dort war, gelang es ihm
190deleted: mit Felix, ausreichende Bürgschaften für uns zu bekommen.*
191deleted:
192deleted: *Als schliesslich unsere Quotennummer beim amerikanischen
193deleted: Konsulat an die Reihe kam forderte man uns auf, zu einem bestimmten Zeitpunkt
194deleted: dort zu erscheinen. Wir sollten einen Beweis vorlegen, daß wir im Besitz einer
195deleted: Überfahrtsbuchung waren. Was Papa uns erst viel später erzählte: Er hatte eine
196deleted: Scheinbuchung gemacht, die aber die Unterschrift des Hapag-Managers trug. In
197deleted: seinem Vertrauen zu Papa  hatte er die
198deleted: Papiere unterschrieben ohne zu wissen, dass sie falsch waren. Während der
199deleted: ganzen Zeit hatte Papa auch Geld an die Hapag in Madrid für uns überwiesen, um
200deleted: damit eines Tages eine echte Passage nach Amerika buchen zu können.*
201deleted:
202deleted: *Schließlich fuhren
203deleted: wir nach Stuttgart zum amerikanischen Konsulat. Unsere Fingerabdrücke wurden
204deleted: registriert und wir mussten zu einer ärztlichen Untersuchung. Vor lauter Angst
205deleted: war ich leichenblass, worauf Mutti mich ständig in die Wangen kniff, damit ich
206deleted: gesunder aussehe. Sie selbst half sich mit etwas mehr Rouge.*
207deleted:
208deleted: *Wir erhielten
209deleted: unsere Visa zur Einreise in die USA am 27. Mai 1941. Onkel Pitz brachte uns zum
210deleted: Flughafen. Es war schwer, Abschied zu nehmen. Wir wussten aber, dass Pitzens
211deleted: Nummer bald an die Reihe kommen und er uns nachfolgen würde. Als es sich von
212deleted: Papa verabschiede flüsterte er ihm zu: Gestern Abend hat das amerikanische
213deleted: Konsulat seine Pforten geschlossen. Das hiess, : Es gab keine Visa mehr für die
214deleted: USA. Da Papa ja wusste, wie sehr Mutti an ihrem Bruder hing, hat er ihr diese
215deleted: Nachricht erst einmal verschwiegen.*
216deleted:
217deleted: *Wir durften jeder
218deleted: 10 US-$ und nur einen Koffer mitnehmen. Mutti und ich hatten darum so viele
219deleted: Sachen angezogen, dass ich kaum gehen, geschweige denn atmen konnte.*
220deleted:
221deleted: *Nun waren wir
222deleted: endlich in der Maschine. Erste Landung: Münschen. Alle Passagiere mußten
223deleted: aussteigen und plötzlich waren wir drei ausgesondert, um von Kopf bis Fuss
224deleted: durchsucht zu werden. Mit all den Kleidungsstücken am Leib brauchte ich
225deleted: verständlicherweise sehr lange, um mich auszuziehen. Endlich durften wir wieder
226deleted: an Bord. Beim Abflug sagte Papa:“ Atmet tief durch, wir sind raus. Die nächste
227deleted: Landung ist in Lyon.“ Als wir dort landeten, kam uns als erstes ein SS-Mann vor
228deleted: die Augen. Zum Glück wurden wir nicht belästigt.*
229deleted:
230deleted: *Es ging weiter
231deleted: nach Madrid. Mir war die ganze Zeit über schlecht – kein Wunder, da ich vor
232deleted: lauter Kleidung kaum atmen konnte. In Madrid waren es fast 40° C, es war Juni.
233deleted: Ich entledigte mich darum erst einmal aller Anziehsachen bis auf ein Kleid.*
234deleted:
235deleted: *Papa hatte in
236deleted: Madrid für ein Hotelzimmer vorgesorgt, wiederum durch die Hapag, wir wussten
237deleted: also, wohin. In diesem Hotel wohnten auch zahlreiche andere Flüchtlinge. Am
238deleted: nächsten Tag bemühte sich Papa bei der Hapag um eine Passage in die USA.*
239deleted:
240deleted: *Nach einigen
241deleted: Wochen war endlich ein Schiff gefunden, das Platz für uns hatte. Es würde aber
242deleted: ab Lissabon fahren. Ich glaube, sein Name war „Balboa“. Nun ging es wieder Tag
243deleted: für Tag zur Jagd auf ein Visum ins portugiesische Konsulat. Und von Woche zu
244deleted: Woche verschob sich der Abfahrtstermin des Schiffes. Schliesslich sollte es
245deleted: übermorgen um 5.30 Uhr nachmittags ab Lissabon losgehen.*
246deleted:
247deleted: *Am nächsten Tag
248deleted: erhielten wir endlich unsere Visa für Portugal sowie einen Flug, der mittags um
249deleted: eins aus Madrid nach Lissabon starten sollte. Damit konnten wir gerade noch
250deleted: rechtzeitig das Schiff erreichen. Nun – wir kamen in ein kräftiges Gewitter.
251deleted: Der Pilot bemühte sich, dem Unwetter auszuweichen, hatte dann aber nicht mehr
252deleted: genug Treibstoff!. Kannst du dir Mutti vorstellen im Flugzeug bei einem
253deleted: Gewitter?!*
254deleted:
255deleted: *Wir mussten
256deleted: Notlandung in Casanez machen.  Dort gab
257deleted: es nur eine kleine Landebahn, nur einen Krug voll Wasser, aber kein Benzin. Das
258deleted: musste erst aus Madrid besorgt werden. Man brachte uns auf Kosten der
259deleted: Fluggesellschaft in einem Hotel unter. Die Räume waren aber voller Ungeziefer
260deleted: und wir blieben die ganze Nacht auf. Natürlich hatte inzwischen unser Schiff
261deleted: den Hafen ohne uns verlassen. Am nächsten Tag kam das Benzin und wie konnten
262deleted: weiterfliegen.*
263deleted:
264deleted: *In Lissabon brachte Papa Mutti und mich wieder in ein Hotel
265deleted: und ging sofort zur „Hias“, um Hilfe zu bekommen. Als erstes holte man uns aus
266deleted: dem offenbar teuren Hotel heraus und brachte uns bei einer jüdischen Familie in
267deleted: Lissabon unter.*
268deleted:
269deleted: *Die „Hias“ ist
270deleted: eine jüdische Hilfsorganisation, die nicht nur jüdischen Menschen zur Verfügung
271deleted: steht sondern allen, die Hilfe brauchen. Jeden Tag ging Papa dort hin, um eine
272deleted: andere Passage aufzutreiben. Schliesslich sagte man ihm, dass schon morgen ein
273deleted: amerikanisches Schiff führe, dass aber nur eine Kabine zur Verfügung stehe. Wir
274deleted: hätten uns inzwischen schon mit einer halben Kabine begnügt. An Geld fehlten
275deleted: uns allerdings 35 US $. Die „Hias“ half uns aus und so konnten wir am 15.
276deleted: August 1941 An Bord der „Excalibur“ gehen. Der nächste Tag war mein Geburtstag
277deleted: und den durfte ich nun auf amerikanischem (Schiffs-)Boden feiern.*
278deleted:
279deleted: *Zehn Tage lang war
280deleted: ich seekrank, bis wir schliesslich am 25. August 1941 unser Ziel erreichten. Am
281deleted: frühen Morgen, bei der Einfahrt in den Hafen von New York, standen wir alle an
282deleted: Deck, um mit ungläubigen Augen die Dame des Hafens zu begrüssen, die
283deleted: Freiheitsstatue. Damals habe ich zum ersten Mal im Leben Papa weinen sehen. Der
284deleted: Mann, der nicht nur für uns, sondern auch für so viele Menschen ein Fels in der
285deleted: Brandung gewesen war, konnte endlich wieder tief durchatmen. Es war ein
286deleted: glücklicher Tag.*
287deleted:
288deleted: *Hermann, Felix und
289deleted: Lisa Röttgen empfingen uns am Pier. Sie brachten uns zum Haus des Rabbiners
290deleted: Steven Weiss. Dort wurden wir Neuankömmlinge untergebracht. Sie konnten dort
291deleted: kostenlos wohnen, bis sie Arbeit gefunden hatten und in der Lage waren, eine
292deleted: Wohnung zu mieten. Papa fand schon nach fünf Tagen Arbeit und Mutti wenige Tage
293deleted: danach. Ich übernahm die Haushaltspflichten. Als erstes schickte Papa die
294deleted: geborgten 35 $ an die „Hias“.. Über die Jahre haben wir ihnen noch manche
295deleted: Spende gesandt, damit sie weiter vielen Menschen helfen sollten.*
296deleted:
297deleted: *Ein weiterer
298deleted: glücklicher Tag wurde der 17. März 1947. An diesem Tag wurden wir als Bürger
299deleted: der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.*
Deletedberichte/2012-06-24/juedische-geschichte-roessing-21.md+0 -209
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1deleted: ---
2deleted: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (21)"
3deleted: date: 2012-06-24
4deleted: authors:
5deleted: - helga_fredebold
6deleted: tags: [juedische-geschichte, historie]
7deleted: description: "Der jüdische Friedhof Über den Ursprung des jüdischen Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts bekannt. Aber er ist mit Sicherhe"
8deleted: source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5009.html
9deleted: ---
10deleted:
11deleted: **Der jüdische
12deleted: Friedhof**
13deleted:
14deleted: Über den Ursprung des jüdischen
15deleted: Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts
16deleted: bekannt. Aber er ist mit Sicherheit schon über 200 Jahre alt. Die jüdischen
17deleted: Friedhöfe auf den Dörfern wurden immer weitab vom Dorfmittelpunkt angelegt,
18deleted: häufig mitten in der Feldmark. Der hiesige Friedhof lag damals auch weitab.
19deleted: Durch die Ausdehnung des Dorfes liegt er heute schon am Rande des bebauten
20deleted: Gebietes. Aktenkundig wurde der Friedhof am 10. Februar 1813.
21deleted:
22deleted: <!--truncate-->
23deleted:
24deleted: Damals war der 56-jährige *Adam Oppenheimer* aus Gronau infolge eines Unglücksfalles beim
25deleted: Überschreiten der zugefrorenen und mit Schnee bedeckten Leine ertrunken. Bei
26deleted: Rössing war er gefunden und zu einem Hause im Eikenhof gebracht worden. Dort
27deleted: wurde er von zwei Gronauer Glaubensgenossen, dem Kaufmann Heine Dannenberg, 23
28deleted: Jahre alt, und Isaac Meier, 20 Jahre alt, im Beisein des Rössinger
29deleted: Bürgermeisters Georg Opitz, (Rössing Nr. 22) identifiziert und dann auf dem
30deleted: Rössinger Judenfriedhof beigesetzt.
31deleted:
32deleted: 1992 forschte ein Dr. *Arnold
33deleted: Oppenheimer* aus London nach den Gräbern seiner Vorfahren auf dem Rössinger
34deleted: Judenfriedhof, zu denen auch der ertrunkene Adam Oppenheimer gehörte. Er teilte
35deleted: mit, dass viele seiner Gronauer Vorfahren auf dem Rössinger Friedhof beerdigt
36deleted: seien, weil Rössing ein *Sammelfriedhof* gewesen
37deleted: sei*.* Darüber waren aber hier bisher
38deleted: noch keine Unterlagen aufgefunden worden. Doch es wäre einleuchtend, weil der
39deleted: Rössinger Friedhof für die kleine Rössinger Synagogengemeinde allein sehr groß
40deleted: gewesen wäre. Dr. Oppenheimer konnte es gar nicht fassen, dass die alten
41deleted: Grabsteine seiner Familie nicht mehr erhalten sind, denn die Gräber der Juden
42deleted: hatten eine ewige Liegezeit und wurden normalerweise nicht eingeebnet.
43deleted:
44deleted: Die Zeitspanne zwischen der Feststellung des Todes und der
45deleted: Bestattung war bei den Juden immer sehr kurz. Innerhalb von 24 Stunden mussten
46deleted: sie beerdigt werden, zumindest durften sie nicht mehr im Hause sein. Erst ca.
47deleted: 25 Jahre später nach diesem Todesfall, etwa 1840, wurde diese Frist auf 48
48deleted: Stunden verlängert, um zu verhindern, dass Scheintote oder im Koma Liegende bei
49deleted: lebendigem Leibe begraben wurden.
50deleted:
51deleted: Quelle:  NHSA  Hannover, Sign. Hann 74, Gronau 1660/1665
52deleted:
53deleted: # Schliessung der jüdischen Friedhöfe
54deleted:
55deleted: Am 31. Juli 1938 beantwortete die Gemeinde Rössing
56deleted: eine Anfrage der NS-Behörden, den jüdischen Friedhof betreffend:
57deleted:
58deleted: *„Der
59deleted: jüdische Friedhof ist 4,37 ar groß, Eigentümer ist die jüdische Gemeinde in
60deleted: Rössing. Die letzte Beerdigung war hier am 5. Juni 1938. Es sind noch etwa 25
61deleted: freie Begräbnisplätze vorhanden. Zur Zeit wohnt noch eine jüdische Familie
62deleted: Blumenthal mit vier Personen in Rössing.“*
63deleted:
64deleted: Karl Blumenthal hatte sich schon mit Wilhelm
65deleted: Freimann, dem Grenznachbarn des jüdischen Friedhofes, in Anbetracht der sich
66deleted: zuspitzenden Judenverfolgungen in Verbindung gesetzt. Wilhelm Freimann grenzte
67deleted: mit seinem Hausgrundstück Nr 132, heute als Nr. 45 der Kirchstraße zugeordnet,
68deleted: an den Judenfriedhof. Am 2. Juli 1940 wurde in Hannover zwischen dem
69deleted: Rechtsanwalt Dr. Hans Israel Ries als alleinigem Vorstand der jüdischen
70deleted: Kultusgemeinde, welche die Nachfolgerin der jüdischen Gemeinde in Rössing war,
71deleted: und Wilhelm Freimann ein Kaufvertrag mit folgendem Inhalt geschlossen:
72deleted:
73deleted: *Die Schlosser Wilhelm Freimann kauft den ganzen jüdischen Friedhof von*
74deleted:
75deleted: *4 ar 37m² für 218,50 RM. Der Käufer verpflichtet sich, während einer
76deleted: Liegefrist*
77deleted:
78deleted: *von 30 Jahren den mit Gräbern belegten Teil des Friedhofs unangetastet
79deleted: zu*
80deleted:
81deleted: *lassen und während der Liegefrist eine Grabpflege in angemessener Weise*
82deleted:
83deleted: *vorzunehmen, den Angehörigen während der Liegefrist Zutritt zum
84deleted: Friedhof zu*
85deleted:
86deleted: *geben, auch wenn sie nicht mehr in Rössing ansässig sind, ggf.die
87deleted: Beerdigung der z. Zt. in Rössing ansässigen Juden auf dem Friedhof zu gestatten
88deleted: und unter allen Umständen die Pietät in erforderlicher Weise zu wahren.*
89deleted:
90deleted: *Der Käufer hinterlegt den Kaufpreis beim Notar. Dieser übermittelt es
91deleted: an die Reichsvereinigung der Juden in Berlin, die zugunsten des (jüdischen)
92deleted: Gemeindevermögensfonds Rössing überweist.*
93deleted:
94deleted: *Wilhelm Freimann ist Arier im Sinne des Gesetzes.*
95deleted:
96deleted: *Unterschrift                           Unterschrift*
97deleted:
98deleted: Offenbar hatte man die Liegefristen für die
99deleted: jüdischen Gräber schon auf 30 Jahre beschränkt.
100deleted:
101deleted: Bei dieser Art Verträge war folgendes üblich:
102deleted:
103deleted: Als am 6. September 1940 das Synagogengrundstück in
104deleted: Eldagsen verkauft wurde, wurde der Vertrag ebenfalls vor Dr. Ries in Hannover
105deleted: abgeschlossen. Als sich die Synagogengmeinde über den geringen Verkaufspreis
106deleted: von 2.000 RM beschwerte, wurde ihr mitgeteilt, daß die Synagogengemeinde als
107deleted: Verkäuferin sowieso nur 500 RM davon bekäme, 1.500 RM gingen an das Reich als
108deleted: Ausgleichszahlung. Außerdem muß der Käufer noch 200 RM an den Makler bezahlen.
109deleted: So ähnlich wird es auch beim Verkauf des Rössinger Friedhofs zugegangen sein.
110deleted:
111deleted: Familie Freimann räumte den Friedhof auf und
112deleted: entfernte die umgefallenen und zerbrochenen Grabsteine. Im übrigen hielt sie
113deleted: ihn die ganzen Jahre in Ordnung, bis sie ihn nach dem Krieg entschädigungslos
114deleted: wieder an die jüdische Gemeinde in Hannover (Haeckelstraße 13) übereignen
115deleted: mußte, so war das Gesetz. Bis 1979 pflegte Familie Hachmeister-Freimann, nun
116deleted: gegen ein geringes Entgelt, den Friedhof weiter.
117deleted:
118deleted: Danach wurde eine Gärtnerei mit der Pflege
119deleted: beauftragt, die mehrmals im Jahr den Rasen mäht. Die Gräber sind mit Efeu
120deleted: bepflanzt, der auch geschnitten wird, und die Grabsteine wurden gereinigt.
121deleted:
122deleted: Der Friedhof wurde neu eingezäunt, er erhielt
123deleted: verschließbare Pforten, und ein holzgeschnitztes Schild „Judenfriedhof“ macht
124deleted: auf den etwas versteckten Standort. aufmerksam.
125deleted:
126deleted: .
127deleted:
128deleted: Quellen: NHSA Hannover, Sign: Hann 174, Springe Nr.
129deleted: 163 und Nr. 167
130deleted:
131deleted: Sechs alte Gräber und Grabsteine stehen noch auf dem
132deleted: Friedhof. Vier davon sind aus schon sehr verwittertem Sandstein. Neben den
133deleted: Namen und Daten auf der Vorderseite tragen sie auf der Rückseite umfangreiche
134deleted: hebräische Inschriften.
135deleted:
136deleted: **Lewi Blumenthal**                       **Meier Blumenthal**
137deleted:
138deleted: geb. 1813, gest. 1881                geb. 1819, gest. ---
139deleted:
140deleted: Sie waren die beiden Söhne des ersten Blumenthal
141deleted: Israel Lewi I in Rössing
142deleted:
143deleted: **Line Blumenthal**                                        **Johanne Blumenthal**
144deleted:
145deleted: geb. 1819, gest 1884                                 geb. 1855,
146deleted: gest. 1926
147deleted:
148deleted: die Frau von Meier Blumenthal
149deleted:               die Schwester von Moritz
150deleted: Blumenthal
151deleted:
152deleted: Der Grabstein von Moritz Blumenthal ist aus
153deleted: schwarzem Marmor, der von seiner Frau dagegen schon recht klein und bescheiden.
154deleted:
155deleted: Hier
156deleted: ruht in Gott                                          Hier
157deleted: ruht
158deleted:
159deleted: mein
160deleted: unvergesslicher Gatte                     unsere
161deleted: liebe Mutter
162deleted:
163deleted: und
164deleted: meiner Kinder                                     **Sophie Blumenthal**
165deleted:
166deleted: treusorgender Vater                                   geb.
167deleted: 18.4.1866
168deleted:
169deleted: **Moritz Blumenthal** gest. 4.5.1938
170deleted:
171deleted: geb. 7.12.1858
172deleted:
173deleted: gest. 17.11.1930
174deleted:
175deleted: Von den fünf Söhnen von Moritz und Sophie Blumenthal
176deleted: fand keiner mit seiner Familie die letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof
177deleted: seines Heimatdorfes. Hermann und Gustav mit seiner Frau sind in den USA
178deleted: geblieben und dort beerdigt, ebenso Willi.
179deleted:
180deleted: Robert wurde als erster am 15. Dezember 1941 mit
181deleted: Frau und Kindern nach Riga ins Ghetto transportiert, als Todesdatum wurde
182deleted: angegeben 26.März 1942. Karl und Familie wurden am 28. März nach Trawniki in
183deleted: Polen deportiert. Niemand weiß, wo sie geblieben sind und wie sie den Tod
184deleted: fanden.Und von Willis Frau und Kindern haben wir gar keine Daten. Nur der Name
185deleted: Blumenthal auf den sechs Grabsteinen erinnert noch an diese jüdische Familie,
186deleted: die fast 140 Jahre in Rössing gelebt hat.
187deleted:
188deleted: **Vier
189deleted: Stolpersteine**
190deleted:
191deleted: Die Gemeinde hat vor dem Hause der Blumenthals in
192deleted: der Maschstraße Nr. 22 zum Gedenken an ihre jüdischen Mitbürger am 19. November
193deleted: 2009 vier „*Stolpersteine“* durch
194deleted: Gunter Demnig verlegen lassen: In einer sehr würdevollen Feier in Anwesenheit
195deleted: von mehreren Mitgliedern der Familie Blumenthal wurden vier Messingplatten mit
196deleted: den Namen der einzelnen Familienmitglieder ins Pflaster vor dem Hause eingelassen.
197deleted: Es sind keine wirklichen Stolpersteine, sie sollen nur auffordern einen
198deleted: Augenblick des  Gedenkens innezuhalten.
199deleted:
200deleted: Trotz ihrer schrecklichen Schicksale sind die beiden
201deleted: Kinder von Gustav Blumenthal, Werner und Lore, wieder nach Deutschland
202deleted: zurückgekommen, um hier zu leben. Werner ist nach der Internierung in Kanada
203deleted: nach Herne gegangen, hat 1947 dort geheiratet und seine fünf Kinder leben alle
204deleted: in Deutschland – in Berlin, Hamburg und Herne. Von dort sind sie gekommen, um
205deleted: an der Feier teilzunehmen.
206deleted:
207deleted: Lore ist nach dem Tode der Mutter - mit ihrem
208deleted: amerikanischen Mann und dessen Mutter - ihrem Bruder nach Herne gefolgt. 1999 ,
209deleted: mit 73 Jahren, ist sie in Herne gestorben.
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@@ -1,8 +1,3 @@
11udo_noack:
22 name: Dr. Udo Noack
33 title: Vorsitzender der Bürgerstiftung Rössing
4deleted:
5deleted: helga_fredebold:
6deleted: name: Helga Fredebold
7deleted: title: Heimatforscherin und Chronistin Rössings
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1313architektur:
1414 label: Architektur
1515 description: Architektonische Projekte und Planungen
16deleted:
17deleted: historie:
18deleted: label: Historie
19deleted: description: Geschichtliche Beiträge und historische Studien zu Rössing
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22deleted: label: Ortsgeschichte
23deleted: description: Beiträge zur Ortsgeschichte Rössings
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27deleted: description: 200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing – Reihe von Helga Fredebold
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31deleted: description: Beiträge zum Meierding und Meierdingsgericht in Rössing
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35deleted: description: Beiträge zur Adelsfamilie der Herren von Rössing
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Addedunterlagen/dorfgeschichte/einleitung.md+28 -0
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2added: title: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes"
3added: sidebar_label: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes"
4added: sidebar_position: 2
5added: description: "Aus der Geschichte eines alten Dorfes Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder ga"
6added: ---
7added:
8added: **Aus der Geschichte eines alten Dorfes**
9added:
10added: Viele Dörfer in den Altsiedellandschaften des Calenberger Landes feierten um die Jahrtausendwende ihr 900- , 1000- oder gar 1111jähriges Bestehen. Auch die Rössinger haben das ganze Jahr 2000 hindurch mit vielen Veranstaltungen den 1150sten 'Geburtstag' ihres Dorfes gebührend gefeiert.
11added:
12added: Das Alter einer Ortschaft rechnet man vom Zeitpunkt ihrer ersten urkundlichen Erwähnung an. Natürlich war der Ort Rössing, bevor die Ansiedling aktenkundig wurde, bereits bewohnt. Die älteste schriftliche Überlieferung finden wir in der älteren Reihe der *Corveyer Traditionen*, die zwischen 822, dem Gründungsjahr der Benediktinerabtei in Corvey an der Weser, und 877 entstanden sind. Diese Schriften enthalten einfache, undatierte Verzeichnisse der dem Kloster übereigneten Grundstücke und Ländereien in lateinischer Schrift. Der Geber und seine Gaben werden genannt, Personen, in deren Interesse die Schenkung erfolgte, und eine Reihe Zeugen. Die Schenkung selber fand als symbolischer Akt statt - durch die Übergabe eines Zweiges oder eines Rasenstücks.
13added:
14added: Doch diese *Corveyer Traditionen* sind im Original nicht mehr erhalten. Sie zerfielen und vermoderten im Laufe von über tausend Jahren. So ist die älteste Überlieferung des Namens Rössing 'nur' in einer Abschrift enthalten, die der Priester und Kreuzherr Johannes von Falkenhagen im Jahre 1479 angefertigt hat. Dieses mit großer Sorgfalt ausgeführte Dokument stellt die wertvollste Unterlage der derzeitigen historischen Untersuchungen dar.
15added:
16added: Rössing ist darin in unterschiedlicher Schreibweise zweimal verzeichnet. Denn der Schreiber hat die abgeschriebenen alten Ortsnamen zusätzlich in der Schreibweise des 15. Jahrhunderts am Rande des Dokuments ausgeworfen. So steht für das alte rotthingun am Rande rotthingen. Und bei der zweiten Eintragung heißt es im Text hrottingun und am Rande rottingen - was sich exakt mit der Schreibweise für Rössing in damaliger Zeit deckt.
17added:
18added: Unter Berücksichtigung dieser Tatsachen kann man das Jahr 850 – also die Mitte zwischen 822 und 877 - als den Zeitpunkt annehmen, an dem Rössing urkundlich gegründet sein muss. Die Feiern zum 1150 jährigen Bestehen von Rössing im Jahr 2000 fanden also auf quellensicherem geschichtlichem Boden statt.
19added:
20added: Quelle: Staatsarchiv Münster, Corvey-Akten Nr. 1419
21added:
22added: ![Historische Ansicht von Rössing](./einleitung-bild-1.jpg)
23added:
24added: ![Historische Aufnahme von Rössing](./einleitung-bild-2.jpg)
25added:
26added: ---
27added:
28added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-13 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/rossing-aus-der-geschichte-eines-alten.html).*
Addedunterlagen/dorfgeschichte/herren-von-roessing/01-ein-dorf.md+42 -0
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1added: ---
2added: title: "Ein Dorf"
3added: sidebar_label: "Teil 1 – Ein Dorf"
4added: sidebar_position: 1
5added: description: "Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansäss"
6added: ---
7added:
8added: Nach Familienüberlieferung leben sie seit 1039 in Rössing, urkundlich bezeugt seit 1132 und heute noch, nach bald 1000 Jahren, ist die Familie an dem Ort ansässig, nach dem sie sich nennt.
9added:
10added: Hier hatte die Familie ihren Rittersitz mit Ländereien und gutspflichtigen Leuten. Die Männer standen als Ministeriale in Diensten der Hildesheimer Bischöfe und erhielten von diesen umfangreichen Lehnsbesitz mit zahlreichen zehnt- und dienstpflichtigen Bauern in Rössing und anderen Teilen des Bistums. Die Lehnsgüter wurden im Mittelalter adeligen „Lehnsmannen“ verliehen gegen persönliche, nicht bäuerliche Leistungen, z.B. ritterliche Gefolgschaftsdienste. Sie sollten der Familie ein standesgemäßes Auskommen sichern. Die Herren von Rössing besaßen die Patrimonialgerichtsbarkeit, also die niedere Gerichtsbarkeit „über Haut und Haar", sie hatten das Mühlen-, das licentfreie Braurecht und das Kirchenpatronat, denn nach Überlieferung hatten sie die Kirche St. Peter und Paul auf eigenem Grund und Boden um 1290 gestiftet.
11added:
12added: **Ein Dorf** **zwischen zwei Rivalen**
13added:
14added: Die Geschichte Rössings ist geprägt von seiner Lage an der westlichen Grenze des Fürstbistums Hildesheim. An der Leine saßen die welfischen Herzöge, die noch nie zimperlich waren, wenn es darum ging, ihre Machtposition auszubauen, auf ihrer 1290 dort provokativ errichteten Feste Calenberg. Bei ihren ständigen Versuchen, ihren Machtbereich gegen die Hildesheimer Bischöfe nach Osten hin zu erweitern und ihre Grenznachbarn, die Herren von Rössing, aus ihren Besitzungen auszukaufen und zu verdrängen, setzt ihnen das selbstbewußte Rittergeschlecht erheblichen Widerstand entgegen, nach dem Wahlspruch:
15added:
16added: *Wer Gott vertraut, brav um sich haut,*
17added:
18added: *der hat auf keinen Sand gebaut.*
19added:
20added: **Ritter Lippold III Longus von Rössing**
21added:
22added: Eine besonders hervorstechende Persönlichkeit in der Geschichte dieser adeligen Familie war Ritter Lippold III Longus von Rössing. Er war ein Mann seiner Zeit, der Zeit der mittelalterlichen Fehden. Die Fehde galt als legitimes Mittel, sein Recht, oder auch nur sein vermeintliches Recht, nach schriftlichem Fehdebrief durchzusetzen.
23added:
24added: 1331 verpflichtet sich Lippold III schriftlich für fünf Jahre dem Rat der Stadt Hildesheim zum Kriegsdienst mit Knechten und Pferden, mit Rüstungen und Waffen. Dafür muß ihm die Stadt jährlich 100 lötige Mark zahlen. Sollte er gefangen werden, muß die Stadt für ihn das Lösegeld aufbringen.
25added:
26added: Am 11. November 1333 fordert Lippold III Longus in einem Beschwerdebrief seinen Anteil an der im Krieg gemachten Beute. Dazu gehört, was Bürger und Ritter bei dem Überfall auf die Dammstadt in der Weihnachtsnacht 1332 erbeutet haben, dem schwärzesten Blatt der Hildesheimer Stadtgeschichte: Erwachsene wie Kinder, und auch der Priester waren in der Kirche niedergemetzelt worden.
27added:
28added: Lippold  und sein Sohn Geverd errichten 1342 eine Burg, ein festes Haus (Kemenate und Wohnung) in Rössing, wie sie schriftlich versichern müssen: „zum Schutz der Herzöge“. Dem welfischen Herzog Heinrich wird die Burg aber lästig, er zerstört sie 1431 und verbietet den Wiederaufbau. Gestattet werden nur Gebäude für Wohn- und Wirtschaftszwecke.
29added:
30added: Lippold III war dreimal verheiratet und gelangte durch eine seiner Heiraten an die „Herrschaft Hohenbüchen“ bei Alfeld, die später veräußert wird. Er war zweifellos ein mächtiger Mann, und um ihn rankt sich die Sage vom Räuber Lippold.
31added:
32added: **Ehrenvolle Ämter**
33added:
34added: Die Herren von Rössing sind aber nicht nur Ritter, die Kriegsdienste leisten, sondern. mehrere Familienmitglieder erwerben das hoch angesehene Amt des Domscholasters und werden Leiter der berühmten Hildesheimer Domschule. Andere sind Domherren, und im Jahre 1398 erhalten Siverd und Dietrich von Rössing das erbliche Marschallamt im Bistum Halberstadt, zugleich mit Gütern in Berssel und Suderode. Der Titel Erbmarschall für den Senior der Familie war bis ins 19. Jahrhundert gebräuchlich.
35added:
36added: Siverd steigt 1415 zum Kaiserlichen Reichsvoigt der Silberstadt Goslar auf, was sein Ansehen noch erheblich stärkt.
37added:
38added: Wenn Herzog Erich d.Ä. den Herren von Rössing 1506 auch das ehrenvolle, erbliche Hofamt des Erbkokenmeisters (Erbküchenmeisters) mit all seinen Einkünften verleiht, so sind die von Rössing doch selten in hannoverschen Diensten zu finden, sondern engagieren sich lieber in Kurbrandenburg und Preußen, wo sie Offiziere werden oder in hohe Staatsstellungen aufsteigen.
39added:
40added: ---
41added:
42added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-23 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-von-helga.html).*
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1added: ---
2added: title: "Machtausdehnung der Welfen"
3added: sidebar_label: "Teil 2 – Machtausdehnung der Welfen"
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5added: description: "Machtausdehnung der Welfen 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adli"
6added: ---
7added:
8added: **Machtausdehnung der Welfen**
9added:
10added: 1519 bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus, zunächst ein Konflikt zwischen Fürstbischof Johann IV. und dem Stiftsadel. Etwa 20 adlige Ritter um die von Saldern, zu denen auch die Herren von Rössing gehören, verbünden sich und verweigern die Rückgabe der vom Bischof an Adel und Ritterschaft verpfändeten Güter und Ländereien, die dieser wegen seiner schlechten finanziellen Lage einlösen will. Die anfangs lokale Auseinandersetzung entwickelt sich zu einem offenen Krieg der niedersächsischen Territorialfürsten. In der großen Schlacht bei Soltau am 28. Juli1519 bleibt das Hochstift militärischer Sieger.
11added:
12added: Aber der neugewählte Kaiser Karl V. in Wien fällt eine völlig andere Entscheidung.
13added:
14added: Über Bischof Johann wird 1522 die Reichsacht verhängt und 1523, beim Friedensschluß im Quedlinburger Rezeß, wird das Fürstbistum Hildesheim bis auf die drei Ämter Peine, Steuerwald, Marienburg und die Domprobstei völllig zerschlagen und auf die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt.
15added:
16added:
17added:
18added: Rössing wird dem Fürstentum Calenberg zugeordnet. Es wird auch bei der Restitution des Stiftes 1643 nicht wieder zurückgegeben.
19added:
20added: Herzog Erich der Ältere läßt  nicht nach, seinen persönlichen Machtbereich, sein „Hausgut“ durch Grunderwerb am Calenberg zu erweitern. 1527 und 1532 kauft er den Herren von Rössing große Teile ihres erblichen Eigenbesitzes ab. Er übt ziemlichen Druck auf seine Nachbarn aus, obwohl er die erforderlichen  Summen nicht aufbringen kann. Immer wieder werden Zinszahlungen angemahnt, bis ein Teil der gekauften und nicht bezahlten Ländereien wieder zurückgegeben werden muß.(1)
21added:
22added:
23added:
24added: **Die Herzogliche Vogtei und das Patrimonialgericht der Herren von Rössing**
25added:
26added:
27added:
28added: Herzog Erich d. Ältere erwirbt 1537 die Pfandschaft über das bisher vom Kloster Helmarshausen an das Godehardikloster verpfändete Meierding in Rössing mit Vogtei und Gericht. So wird ihm die Hälfte der Rössinger Bauern zehnt- und dienstpflichtig und untersteht seiner Gerichtsbarkeit.
29added:
30added:
31added:
32added: Schon als das Godehardikloster das Meierding im Pfandbesitz hatte, gab es ständig Streit mit den Herren von Rössing um die Gerichtsbarkeit, die diese sich im Dorf nicht nehmen lassen wollten. Das ging so weit, daß Siegfried und Friedrich von Rössing im Jahr 1516 wegen Nichterscheinen zu Gerichtsterminen mit dem Godehardikloster vom Gericht der Benediktinerklöster in Erfurt exkommuniziert wurden.
33added:
34added:
35added:
36added: Das Amt Calenberg setzt für seinen Gerichtsbezirk in Rössing einen Untervogt, später einen Amtmann ein. Dieser ist auch Steuereinnehmer und versieht Verwaltungsaufgaben und Registratur.
37added:
38added:
39added:
40added: **Konflikte vorprogrammiert.**
41added:
42added:
43added:
44added: Die Herren von Rössing verbleibt die andere Hälfte des Dorfgerichts als „geschlossenes Adeliges Untergericht“ mit patrimonialem Charakter. Aber daß adelige Gerichtssassen und herzogliche Amtsuntertanen neben- und durcheinander wohnen, gibt es einzig in Rössing und da sind Konflikte natürlich vorprogrammiert. Prozesse sind an der Tagesordnung und die Akten darüber füllen Bände. (2)
45added:
46added: Denn die Gerichtshoheit ist nicht nur ein wichtiges Herrschaftsindiz der Territorialstaaten, sondern sie hat auch handfeste materielle Hintergründe, weil die Strafgelder dem Gerichtsherrn zufallen.
47added:
48added: Die Dorfsassen des geschlossenen Untergerichts werden im Gegensatz zu denen eines ungeschlossenen in keinen Amtslagerbüchern, Registern und Katastern des Amtes geführt, sondern nur beim Adeligen Gut. Die Herren von Rössing empfangen ihre Anweisungen wie zum Beispiel über Kriegssteuern oder sonstige Anordnungen direkt von der Regierungskanzlei, ohne die Zwischenschaltung subalterner Beamter.
49added:
50added:
51added:
52added: **Zwei Gerichtshoheiten in Rössing**
53added:
54added:
55added:
56added: Differenzen durch die doppelte Gerichtsbarkeit im Dorf bleiben nicht aus. So beschwert sich Ludolph von Rössing 1654 in einem Schreiben an den Amtmann von Calenberg, weil zwei seiner Leute wegen etlicher Feldbrüche auf dem Calenberger Landgericht erscheinen sollen. Da von jeher: die gesamten Rössingschen Herrenleute niemals zum Calenbergischen Landgericht gezogen, sondern alles, was an dieser Seite der Zollbrücke (an einem alten Leinearm bei Calenberg) verwirket, auf das Rössingsche Gericht gehöre, und weil den Herren von Rössing die Hälfte des Strafgeldes zustehe, wahre er seine Rechte, um aller Neuerung vorzubauen und in seinem Rechte unbetrübt zu bleiben.
57added:
58added:
59added:
60added: Die Jurisdiktion auf den Straßen von Rössing ist ein weiterer Streitpunkt. Höchstens auf des Herzogs Hildesheimer Heerstraße erkennen die Herren von Rössing sie an. Die Gäßchen in Rössing verdienten den Namen Straße nicht, sie führten nur zu einigen Bauernhäusern und so jagt man sich dort gegenseitig die Verbrecher ab.
61added:
62added:
63added:
64added: Wie dem von Rössingschen Schäfer Steinwehe einmal ein Hammel gestohlen wird, ertappt man den Täter und verfolgt ihn. Die Gutsleute greifen ihn samt dem corpus delicti im Dorf und setzen ihn im Haus des Schäfers auf gutseigenem Hofe fest. Bevor der Täter, wie es der Rechtsbrauch ist, für drei Tage auf dem adeligen Hof ins Gefängnis gesetzt werden kann, holt ihn der Vogt mit Gewalt auf den Calenberg. Eigentlich müßte er nach drei Tagen Gutskarzer und Meldung beim Amt auf Verlangen desselben ordnungsgemäß zwischen den beiden Brücken (der Rössingbachbrücke und der Schloßgrabenbrücke) übergeben werden. Wieder ist ein Protestschreiben fällig.
65added:
66added:
67added:
68added: Oft trifft es auch die kleinen Leute. Wie der Gutsuntertan Wintel 1768 heiraten will, wird beim Gut der Manntaler fällig. Auch der Ehedispens wird dort kostenlos ausgestelt. Trotzdem verlangt der Amtsvogt Rothard noch 2 Taler und 31 Mariengroschen, weil sich die Braut bei der Verlobung im Hause eines Amtsuntertanen aufgehaltenhat. Der Ehedispens sei ganz mit Fett oder Tran vollgeschmiert und er erkenne ihn nicht an. Von Rössing beschwert sich bei der Königlichen Justizkanzlei, daß die Landesgesetze ausdrücklich verordnet haben, die Armut nicht über Billigkeit zu beschweren und daß für eine Ehestiftung nicht mehr als 1 Reichstaler genommen werden soll. Außerdem versuche der Vogt Rothard „überall Geld zu erhaschen.“
69added:
70added: Aber er wird abgewiesen.
71added:
72added: Diese Zweiteilung der Dorfschaft dauert bis zum Jahr 1821, als die hannoversche Regierung die Auflösung des Adeligen Gerichts verfügt und beide Gemeindeteile 1829 unter calenbergischer Verwaltung vereinigt werden. Die Herren von Rössing werden wiederholt aufgefordert, die Akten und Registratur des Adeligen Gutes, bzw. seiner Untertanen an das Amt Calenberg abzuliefern; diese wurden dort und nicht beim Amt geführt. Aber allem Anschein nach ist das nicht geschehen, denn wiederholt werden die Deposita angefordert. Die Aktenlage über die gutspflichtigen Bauern ist, wohl auch deshalb, sehr schlecht.
73added:
74added:
75added:
76added: Quellen:
77added:
78added: (1) NHSA Sign. Cal Or Des 24 neu Nr 45 ff.
79added:
80added: (2) NHSA Hann. 74 Cal Nr 293 - 298
81added:
82added: ---
83added:
84added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-30 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/machtausdehnung-der-welfen.html).*
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1added: ---
2added: title: "Der Bau des Schlosses 1579–89"
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5added: description: "Der Bau des Schlosses 1579-89 Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenp"
6added: ---
7added:
8added: **Der Bau des Schlosses 1579-89**
9added:
10added: Bei einer Erbteilung im Jahre 1577 erhält Ludolph von Rössing als der jüngere von zwei Brüdern den Rittersitz Rössing mit Kirchenpatronat, Gericht und sonstigen Zubehörungen und die Hälfte der auswärtigen, zu Rössing gehörenden Einkünfte. Er heiratet 1579 Anna von Stöckheim und beginnt mit dem Bau des Wasserschlosses. Daran erinnert noch das Allianzwappen am steinernen Portal des östlichen Flügels. Er hatte namhafte Geldmittel in Kriegsdiensten für den spanischen sowie für den französischen König erworben, die ihm die Errichtung des Schlosses in Rössing ermöglichen.
11added: Gleichzeitig mit Rössing baut Ludolph nach fast demselben Plan, nur aufwendiger mit einem großen Rittersaal, den dreigeschossigen Bunten Hof in Osterwieck, eine der von Rössingschen Besitzungen.
12added: Die beiden rechtwinklig zueinander stehenden Gebäude der zweiflügeligen Rössinger Anlage sind erbaut im Stil der Weserrenaissance, allerdings wesentlich einfacher als die bekannteren Bauten dieser Epoche. Sie sind verbunden durch einen Fachwerkturm mit einer glockenförmigen, welschen Haube. Der westliche Flügel ist mehrfach umgebaut und vergrößert worden und erhält ca. 1910 eine sandsteinerne, historistische Westfassade. Der besondere Reiz der Anlage liegt in den umlaufenden Gräften, von denen die eine vollständig und die andere noch als Teich vorhanden ist. Die Zugbrücke über den recht breiten Schloßgraben wird 1821 durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt.
13added:
14added:
15added: **Die weitere Entwicklung des Adeligen Gutes**
16added:
17added: Im 18. Jahrhundert verfügt die Familie von Rössing noch über einen sehr umfangreichen Lehnsbesitz. Aber sämtliche Lehnsvettern geraten wegen Verschuldung in Prozesse, die 1713 sogar eine kaiserliche Kommission beizulegen versucht. Als Folge dieser Erbstreitigkeiten gehen die Halberstädtischen Besitzungen Berssel, Suderode und Osterwieck der Familie verloren. Als sich die Anzahl der Lehnsvettern 1724 verringert hat, werden die Nutzungsrechte des Rittersitzes in Elftel aufgeteilt.
18added:
19added: Louis von Rössing (1790 – 1856) war der Ur-Ur-Großvater des jetzigen Seniors der Familie, Gerhard Freiherr von Rössing und von Hugo. Er war Offizier in der Königlich-Deutschen-Legion, in der Georg III die Reste der durch die Franzosen 1806 aufgelösten hannoverschen Armee gesammelt hatte. Er war bei der Schlacht von Waterloo 1815 dabei und verläßt 1833 als Oberstleutnant den aktiven Dienst, um die Bewirtschaftung des Gutes in Rössing selbst zu übernehmen. Er bringt es fertig, diesen zersplitterten, verschuldeten Rittersitz in eins der ansehnlichsten Güter der Region umzuwandeln. Zu Hilfe kommt ihm, daß er durch die Agrarreform die Ablösungsgelder der Bauern erhält.
20added: Er wirtschaftet sehr erfolgreich, unterstützt von seiner Frau, der legendären Ahnfrau Levine, geb. Freiin von Dincklage. Sie steigt im Sommer und Winter morgens in den Schloßgraben, um sich abzuhärten, auch wenn ihr der Kutscher das Eis vorher aufhacken muß, offenbar mit Erfolg, denn sie bringt 13 gesunde Kinder zur Welt. Reste ihres Badehäuschens hat man 1993 bei der Entschlammung des Schloßgrabens noch gefunden. Sie kümmert sich um die Alten und Kranken im Dorf und unterstützt die Einrichtung einer Spinnschule für Mädchen und verschafft ihnen Aufträge.
21added: Der älteste Sohn des Ehepaares Alexander war Jurist und erlangte vom König von Preußen 1872 den Freiherrentitel für die Familie, nachdem 1866 das Königreich Hannover zu einer preußischen Provinz geworden war.
22added:
23added: Als der Vater des jetzigen Betriebsinhabers Gerhard von Rössing und von Hugo 1954 den Betrieb übernahm, arbeiteten noch 18 Männer und 25 Frauen ständig auf dem Hof.
24added: Seit 1995 führt der Sohn, Kurt-Alexander, die Tradition fort und bewirtschaftet den Hof weiter. Die ökonomischen Verhältnisse und Betriebsformen haben sich entscheidend geändert und die weitaus größte Arbeitslast liegt auf den Schultern des Betriebsinhabers. Die enge Zusammenarbeit mit den Bauern im Ort und die gemeinsame Nutzung und Auslastung der teuren Maschinen soll das Überleben der wenigen Landwirte gewährleisten.
25added:
26added: Das Schloß wird derzeit von drei Generationen der Familie von Rössing bewohnt.
27added: Es steht unter Denkmalsschutz und seine Erhaltung erfordert viel Einsatz von der traditionsbewußten Familie. Aber sie fühlt sich nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart verpflichtet. Die Mutter des jetzigen Gutsherrn, Madeleine Frfr. von Rössing arbeitet schon viele Jahrzehnte ehrenamtlich für das Deutsche Rote Kreuz. Ihr Sohn, Alexander Frh. von Rössing, ist im Rat der Samtgemeinde Nordstemmen vertreten und seine Ehefrau Tita ist schon mehr als fünf Jahre sehr engagierte Ortsbürgermeisterin in Rössing.
28added:
29added: Quellen:
30added: August Freiherr von Rössing: “Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing“, . Gerstenberg, Hildesheim 1900
31added:
32added: Armgard von Reden Dohna: „Die Rittersitze des vormaligen Fürstentums Hildesheim“ Barton`sche Verlagsbuchhandlung Göttingen 1995
33added:
34added: ---
35added:
36added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-01-30 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/01/die-herren-von-rossing-3.html).*
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5added: description: "Historische Studien zu Rössing von Helga Fredebold"
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7added:
8added: # Dorfgeschichte Rössing
9added:
10added: Diese Sammlung historischer Studien zu Rössing stammt aus der Feder der Heimatforscherin und Chronistin **Helga Fredebold**. Sie hat ihre Untersuchungen 2012 in einem Blog ([fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com)) veröffentlicht und damit einen wertvollen Fundus zur Geschichte des Dorfes zugänglich gemacht.
11added:
12added: Die Inhalte sind hier in thematische Reihen gegliedert.
13added:
14added: ## Themenreihen
15added:
16added: - **[Aus der Geschichte eines alten Dorfes](./einleitung.md)** – die Einleitung mit der frühesten urkundlichen Erwähnung Rössings
17added: - **[Die Herren von Rössing](./herren-von-roessing/01-ein-dorf.md)** – die Adelsfamilie und der Bau des Wasserschlosses (3 Teile)
18added: - **[Das Meierding in Rössing](./meierding/01-unfreie-bauern-und-abt.md)** – Gerichtswesen, unfreie Bauern und kirchlicher Grundbesitz (5 Teile)
19added: - **[200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing](./juedische-geschichte/01-1428.md)** – von 1428 bis zur Schoa, mit den Familienschicksalen der Familie Blumenthal (21 Teile)
20added:
21added: ## Über die Autorin
22added:
23added: **Helga Fredebold** beschäftigt sich seit den 1980er Jahren mit der Sozial- und Ortsgeschichte Rössings und hat mehrere Monographien zur Dorfgeschichte (1995, 2002, 2008) veröffentlicht.
24added:
25added: ## Lizenz
26added:
27added: Die Inhalte wurden mit Genehmigung übernommen. Quellen sind in den jeweiligen Beiträgen aufgeführt.
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1added: ---
2added: title: "1428"
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5added: description: "Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwoh"
6added: ---
7added:
8added: Der kleine jüdische Friedhof am Rande des Dorfes, am Kirschenbrink, der alten Hildesheimer Straße, erinnert daran, daß es auch in Rössing früher jüdische Einwohner gegeben hat. Zwar steht auf den sechs Grabsteinen, die dort noch vorhanden sind, nur der Name Blumenthal, aber aus alten Akten geht hervor, daß hier vor etwa 2OO Jahren noch andere jüdische Familien im Ort gelebt haben. Es war nur eine kleine Gruppe, aber es ist sehr interessant, einmal dem Schicksal dieser Menschen nachzugehen.
9added:
10added: # Allgemeiner historischer Rückblick
11added:
12added: Die Juden in Deutschland lebten von jeher in einer verminderten rechtlichen Stellung. Im Mittelalter unterstanden sie dem kaiserlichen Judenregal (dem Recht, Juden aufzunehmen). Das bedeutete, daß sie dem Kaiser und König einen *goldenen Opferpfennig* für ihren Aufenthalt im Reich zahlen mußten. Dieses Judenregal ging in vielen Fällen als kaiserliches Privileg an die Kurfürsten und sonstigen Territorialfürsten über. Aber diese Tatsache besserte keineswegs den rechtlichen Status der Juden. Bald fiel es dem einen kleinen Landesherren ein die Juden zuzulassen, bald ließ er sie wieder vertreiben, der Willkür waren Tür und Tor geöffnet.
13added:
14added: Auch der Bischof von Hildesheim besaß das Judenregal, das er **1428** an den Rat der Altstadt verpfändete. Durch hohe Sondersteuern verschlechterte sich die Lage der Juden derart drastisch, daß diese nach Braunschweig flüchteten, wo die Judengesetze zu dieser Zeit liberaler waren. Seit **1457** gab es für ca. 5O Jahre praktisch keine jüdische Gemeinde mehr in Hildesheim.
15added:
16added: # Die rechtliche Stellung der Juden in den welfischen Fürstentümern
17added:
18added: **1345**  Herzog Magnus hatte die Juden in seinen Schutz genommen. Einige Jahre später,   als die Pest hier wütete, verfolgte man sie hart und verwies sie des Landes, weil man sie für den *Schwarzen Tod*“ verantwortlich machte
19added:
20added: **1375**   sie wurden von den Herzögen Wenzeslaus und Albrecht wieder in Hannover zugelassen, wo ihnen der Aufenthalt vorher verboten war
21added:
22added: **1553** Herzog Erich II vertrieb sie, weil sie „Gott, Jesus und alle gläubigen Christen in ihren Synagogen verflucht und geschmäht hätten". Ein paar Jahre später wurden sie wieder zugelassen
23added:
24added: **1614**   als die Landstände von Herzog Friedrich Ulrich erneut die Vertreibung der Juden verlangten, entdeckte dieser die Juden als geschätzte Einnahmequelle. Gegen hohe Geldzahlungen gewährte er einer ganzen Anzahl von ihnen Schutz- und Aufenthaltsrecht in Hannover. Da sie keine vollen bürgerlichen Rechte hatten, waren sie praktisch unbegrenzt besteuerbar und auch sonst einer ganzen Reihe von Beschränkungen unterworfen. Beim Überschreiten von Stadt- und Landesgrenzen mußten sie im Gegensatz zu den christlichen Einwohnern Leibzoll bezahlen
25added:
26added: Es wurden auch Versuche unternommen, die in Sitte und Art so fremdartig erscheinenden Juden zu Christen zu machen. Aber dem setzten die Juden nach wie vor die Unabänderlichkeit ihres Religionsgesetzes und ihrer religiösen Formen entgegen
27added:
28added: **1622**   im Calenbergischen wurde ihnen der Besuch von Synagogen untersagt und sie wurden zeitweilig gezwungen, christliche Kirchen zu besuchen, weil sie andernfalls mit hohen Strafen belegt wurden
29added:
30added: **1673**   in Hannover ereignete sich zum wiederholten Male eine Freveltat, bei der von dem jüdischen Friedhof auf dem Sandberge vor dem Steintore widerrechtlich Sand abgefahren und Gräber und Grabsteine beschädigt wurden. Der hochgeachtete und später zum Hof- und Kammeragenten ernannte Hofjude Leffmann Behrens beklagte sich bitter bei den Herzögen. Den Missetätern wurden strenge Strafen angedroht und den Juden erneut das Recht auf die Unversehrtheit ihres Friedhofes bestätigt
31added:
32added: 1)     Dr. jur. Abraham Löb, Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover
33added:
34added: 2)   M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland
35added:
36added: ---
37added:
38added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-08 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in.html).*
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2added: title: "Der Schutzbrief"
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5added: description: "Der Schutzbrief Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder au"
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8added: ![](./02-der-schutzbrief-bild-1.jpg)
9added:
10added: **Der Schutzbrief**
11added:
12added: Schon Jahrhunderte lang waren den Juden Schutz- oder Geleitbriefe ausgestellt worden, manchmal vom Landesherrn, manchmal von den Städten oder auch von den Gerichtsherren der Adeligen Patrimonialgerichte.
13added:
14added: 1687 regelte  Herzog Ernst August für seine welfischen Lande, das spätere Kurfürstentum Hannover, die Schutzverleihung, die er für sich allein in Anspruch nahm. Den Städten und  adligen Gerichten sprach er alles Recht der Ausstellung von Schutzbriefen ab. Die nicht unbeträchtlichen Geldsummen, die die Juden für die Schutzbriefe bezahlen mußten, sollten allein in die landesherrliche  Schatulle fließen. Sein Sohn, der Kurfürst Georg Ludwig, der 1714 als König Georg I den englischen Thron bestieg, bestätigte während seiner Regierungszeit dieses Schutzgeld-Edikt und erließ außerdem noch eine ganze Reihe anderer Judenordnungen.
15added:
16added: Der Schutz erstreckte sich auf die Person des Juden, seine Ehefrau, seine unverheirateten Kinder, so lange sie in seinem Haus wohnten, und auf diejenige Anzahl von Dienstboten, die den Juden erlaubt war. Wollten sich die Kinder von Schutzjuden verheiraten, oder von ihren Eltern separieren, so bedurften sie eines besonderen Schutzbriefes. (Heiratserlaubnis erhielt von den Söhnen meistens nur der älteste). Der Schutzbrief gewährte das Recht ungestörten Aufenthaltes im Lande auf begrenzte Zeit, zunächst 6 Jahre, Schutz für Leben , Freiheit und Eigentum, ungestörte Ausübung der jüdischen Religion und sicherte den Inhaber davor, nach Willkür der Behörden außer Landes verwiesen zu werden. Er gestattete, nach Maßgabe der Beschränkungen durch die Landesgesetze, Handel- und Wechselgeschäfte zu treiben. Dagegen gewährte der Schutzbrief weder Bürger- noch Heimatrecht.
17added:
18added: Ganz andere Vorschriften galten dagegen für die unvergleiteten Juden: Sie waren häufig vor Pogromen geflüchtete Osteuropäer. Sie zählten zu den „Armen" und man versuchte, sie sich durch Kontingentierung vom Halse zu halten.
19added:
20added: So hieß es:
21added:
22added: Sie werden als Fremde behandelt. Sie dürfen sich an einem Ort nur 3 Tage, in Hannover 8 Tage, bei andern Juden aufhalten und müssen einen Leibzoll erlegen. Wer länger verweilt, wird „allsofort weggeschafft" und muß nach Maßgabe seines Vermögens  1O - 15 Reichstaler Strafe an die Ortsarmenkasse zahlen. An den Denunzianten müssen außerdem noch 5 - 1O Reichstaler gezahlt werden.
23added:
24added: Dies alles gilt aber nur für die sog. „reputierlichen Juden" (Verordnung vom 9. Juni 1733).
25added:
26added: „Betteljuden" sollen dagegen gar nicht zugelassen werden.
27added:
28added: *Werden sie ertappt, so werden sie zum erstenmal mit 14täiger harter Gefängnisstrafe bei Wasser und Brot belegt und über die Grenze gebracht, beim zweitenmal erhalten sie ein Brandmal, und beim dritten Male werden sie einfach aufgehängt.*
29added:
30added: (Edikt vom 14. Aug. 1714). Diese Gesetzgebung zwang sie natürlich erst recht zum Vagabundieren.
31added:
32added: Die Judenordnungen waren aber in den verschiedenen deutschen Fürstentümern durchaus nicht überall gleich. Was den Juden in dem einen Land verboten war, war ihnen im Nachbarland vielleicht erlaubt. Es gab so gut wie nichts, was überall einheitlich geregelt war.
33added:
34added: Etwa 9O % der im Kurfürstentum Hannover lebenden Juden wohnten in den Städten oder in größeren Orten. Auf dem platten Lande gab es wenige, was mit dem Verbot von Grunderwerb und anderen Berufsbeschränkungen zusammenhing. Ackerbau war ihnen nach der Feudalverfassung verboten.
35added:
36added: Wenn ein Jude bei der Landdrostei einen Antrag auf einen Schutzbrief stellte oder ein Schutzbrief von einer Gemeinde wegen Umzugs auf eine andere Gemeinde transferiert werden sollte, so wurden genaue Erkundigungen über den betreffenden eingeholt. Der Schutzbrieferteilung wurde nur stattgegeben, wenn die Auskünfte ohne jegliche Beanstandung waren. Die Landdrosteien vertraten den Standpunkt, daß die Juden freiwillig ins Land gekommen seien zu den bekannten Konditionen, daß sie jederzeit des Landes verwiesen werden konnten. Die Anzahl der Juden sollte eine statische Größe bleiben. Es sei immer von dem Grundsatz auszugehen: „Das Kurfürstentum sei ein christliches Land und solle es bleiben.“
37added:
38added: ![](./02-der-schutzbrief-bild-2.jpg)
39added:
40added: 1) Dr. jur. Abraham Löb,  Frankfurt 19O8: Rechtsverhältnisse der Juden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover
41added:
42added: 2) M. Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im Hannoverland
43added:
44added: #
45added:
46added: # 3) Niedersächsisches Jahrbuch 1992 Bd. 64, vom Historischen Verein f. Niedersachsen, Verlag Hahnsche Buchhndlg. Hannover 1992, Uwe Eissing S. 287 ff.
47added:
48added: #
49added:
50added: # 4) Chur-Braunschweig-Lüneburgische Landesordnungen und Gesetze IV Teil,
51added:
52added: # von Policey - Sachen
53added:
54added: # zum Gebrauch der Fürstenthümer Graf- und Herrschafften Calenbergischen Theils
55added:
56added: Göttingen 1740, in Verlag der Königl. privilegirten Universitäts Buchhandlung
57added:
58added: ---
59added:
60added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-08 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/200-jahre-judische-geschichte-in_08.html).*
Addedunterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/03-schlachten.md+127 -0
@@ -0,0 +1,127 @@
1added: ---
2added: title: "Schlachten"
3added: sidebar_label: "Teil 3 – Schlachten"
4added: sidebar_position: 3
5added: description: "Berufsbeschränkungen der Juden Ein reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergil"
6added: ---
7added:
8added: Berufsbeschränkungen der Juden
9added:
10added: Ein
11added: reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben,
12added: denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergilden, die
13added: Zünfte und Innungen basierten auf den christlichen Bruderschaften
14added: des Mittelalters, und ihr Brauchtum war stark christlich geprägt.
15added: Mit der Zunftverfassung konnte eine "*durch
16added: Religion und Sitte ganz verschiedene Sekte*"
17added: kaum in Übereinstimmung gebracht werden.
18added:
19added: **Schlachten**
20added:
21added: Das
22added: Schlachten war ihnen zum eigenen Verbrauch erlaubt, aber z.T. auch
23added: zum Verkauf an Christen. Ihr jüdischerGlaube gestattete ihnen, nur
24added: Fleisch von geschächteten Tieren zu essen.
25added:
26added: Dieses
27added: Schächten ist eine rituelle Schlachtung makelfreier (koscherer)
28added: Tiere. Nach den jüdischen Speisegesetzen sind dies wiederkäuende
29added: Paarhufer wie Rind, Schaf, Ziege oder Hirsch. Es wird von einem
30added: Schächter, einem Kultbeamten durchgeführt. Dieser führt mit einem
31added: langen, scharfen Messer einen raschen Querschnitt durch
32added: Halsschlagader, Speise- und Luftröhre des Tieres, wodurch eine volle
33added: Ausblutung erreicht werden soll. Eine vorherige Betäubung des
34added: Schlachttieres war religionsgesetzlich unzulässig.
35added:
36added: In
37added: Deutschland wurde das Schächten durch das Gesetz vom 21.4.1933
38added: verboten, weil es dem deutschen Tierschutzgesetz widerspricht. Durch
39added: Verordnung wurde es 1946 und 1947 von den Alliierten
40added: Militärregierungen wieder zugelassen. Eine einheitliche
41added: bundesgesetzliche Regelung steht auch heute noch aus und es wird in
42added: den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
43added:
44added: **Handel
45added: und Geldgeschäfte**
46added:
47added: Die
48added: organisierten Kaufmannschaften waren ihnen verschlossen.
49added:
50added: Die
51added: Juden durften mit alten und einigen neuen Waren handeln, so weit
52added: nicht die Privilegien der Zünfte oder der Bürgerschaft dagegen
53added: standen. Als „*Trödeljuden*"
54added: hielten sich viele über Wasser. Der Hokenhandel, der Kleinhandel,
55added: war ihnen erlaubt. Gewohnheitsmäßig kamen auf dem Lande der Vieh-,
56added: Getreide- und Pferdehandel dazu, sowie Geld- und Wechselgeschäfte.
57added:
58added: Vor
59added: allem der Geldverleih lag in den Händen der Juden, den das
60added: kirchliche Zinsverbot den Christen untersagte. Sie hatten das
61added: Privileg, von Darlehen Zinsen zu nehmen und das Recht, verpfändete
62added: oder verkaufte Sachen bis zur Zahlung zurückzubehalten. Einige Juden
63added: kamen dadurch zu erheblichen Vermögen und wurden wegen ihrer
64added: Geschicklichkeit in Gelddingen von den stets finanzschwachen Fürsten
65added: an ihre Höfe gezogen.
66added:
67added: Einer
68added: von diesen war der bekannte Joseph Süß-Oppenheimer (1692-1738), der
69added: von Herzog Karl Alexander von Württemberg zum Geh. Finanz-und
70added: Staatsrat ernannt wurde. Durch Münzmanipulationen und Verkauf von
71added: Ämtern, Titeln und Privilegien erschloß er dem geldbedürftigen
72added: Herzog immer neue Geldquellen. Die Beamtenschaft und die Landstände
73added: zwangen dem Herzog kurz vor seinem Tode den Haftbefehl gegen
74added: Süß-Oppenheimer ab, der in einem anfechtbaren Verfahren zum Tode
75added: verurteilt wurde. Seine Lebensgeschichte diente als Vorlage für den
76added: im Dritten Reich gedrehten Film „*Jud
77added: Süß.“*
78added:
79added: # Geisteswissenschaften
80added:
81added: Öffentliche
82added: Ämter und Würden im Militär- und Zivilstand waren ihnen bis zur
83added: Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert nicht zugänglich, obwohl
84added: das in den verschiedenen deutschen Fürstentümern auch
85added: unterschiedlich gehandhabt. wurde. Die Universitäten standen ihnen
86added: offen und es gab jüdische Ärzte und Advokaten. Diese Gegebenheiten
87added: führten dann im 19. und 2O. Jahrhundert beinahe zwangsläufig in
88added: verschiedenen Berufsgruppen, vor allem geistigen und künstlerischen,
89added: zu einer Überrepräsentation der Juden im Verhältnis zur übrigen
90added: Bevölkerung.
91added:
92added: Ein
93added: klassisches Beispiel dafür ist die Nachkommenschaft des jüdischen
94added: Bankiers und Kammeragenten Leffmann Behrens im 17. Jahrhundert am
95added: Hannoverschen Hofe
96added:
97added: Er
98added: war verheiratet mit Jente Hameln. Diese hatte aus erster Ehe schon
99added: sechs Kinder. Aus ihrer zweiten Ehe mit Leffmann Behrens gingen noch
100added: einmal drei Kinder hervor.
101added:
102added: Diese
103added: Kinder hatten sehr berühmte Nachfahren, u.a. Siegmund Freud, die
104added: Dichter Heinrich Heine und Carl Sternheim und der Komponist Felix
105added: Mendelssohn Bartholdy
106added:
107added: Quellen:
108added:
109added: Dr.
110added: jur.Löb, Abraham:
111added:
112added: „Rechtsverhältnisse
113added: derJuden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz
114added: Hannover“, Frankfurt 1908
115added:
116added: M:
117added: Zuckermann.
118added:
119added: „Kollekteana
120added: zur Geschichte der Juden im Hannoverland“, Hannover 1912
121added:
122added: Jahrbuch
123added: des Historischen Vereins 1992, Uwe Eissing S.320 ff
124added:
125added: ---
126added:
127added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in.html).*
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@@ -0,0 +1,158 @@
1added: ---
2added: title: "18. August 1731"
3added: sidebar_label: "Teil 4 – 18. August 1731"
4added: sidebar_position: 4
5added: description: "Erwerb von Grund und Boden Der Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern se"
6added: ---
7added:
8added: Erwerb von Grund und Boden
9added:
10added: Der
11added: Besitz von Grund und Boden, Ackerland und Gärten, Wohnhäusern und
12added: sonstigen Immobilien war den Juden in den welfischen Ländern seit eh
13added: und je verboten. Aber da sie Geldverleih betrieben und dafür häufig
14added: Sicherheiten in Form von Grundbesitz nahmen, waren die
15added: diesbezüglichen landesherrlichen Anordnungen oft unterlaufen worden.
16added:
17added: Um den bestehenden Gesetzen erneut Nachdruck zu
18added: verleihen und einer weiteren Verbreitung dieses Brauchs Einhalt zu
19added: gebieten, wurde 1718 auf Befehl des hannoverschen Kurfürsten Georg
20added: Ludwig, der 1714 als Georg I den englischen Königsthron bestiegen
21added: hatte, ein Dekret mit folgendem Inhalt veröffentlicht:
22added:
23added: *"Es
24added: wird angeordnet, daß von nun an kein Jude in unseren Landen, den
25added: Fürstentümern Lüneburg, Calenberg, Göttingen und Grubenhagen
26added: u.s.w., die Stadt Harburg ausgenommen, weder in den Städten noch auf
27added: dem Land ein Wohnhaus oder andere Immobilien als Eigentum erwerben
28added: soll.*
29added:
30added: *Nachdem
31added: die Juden in der vergangenen Zeit durch Kauf viele Häuser und
32added: Immobilien an sich gebracht, wurde die Zahl der Juden vermehrt, die
33added: bürgerliche Nahrung dagegen vermindert und die Häuser im Preis
34added: unnötig gesteigert. Außerdem werden die Bürger durch
35added: Einquartierung von Soldaten über Gebühr belastet, da die
36added: Juden-Häuser wegen der Verfassung bisher nie mit Einquartierung
37added: belegt worden sind. Damit diese Anordnung nicht unterlaufen wird,
38added: wird der Abschluß solcher Contrakte verboten, die am Ende eine
39added: rechtmäßige Güterübertragung nach sich ziehen. Wo eine
40added: Veräußerung verboten ist, ist auch eine Verpfändung verboten. Im
41added: ersteren Fall fallen die Immobilien der Königlichen Kammer anheim,
42added: im zweiten Fall, also bei Verpfändung, soll der Schuldner nicht zur
43added: Zahlung verpflichtet sein und der Contrakt null und nichtig.*
44added:
45added: *Damit jedoch den Untertanen nicht jede
46added: Gelegenheit genommen wird, im Fall der Not auf ihre Immobilie Geld
47added: herzuleihen, so wird gestattet, daß ein Jude 6 Jahre lang Geld
48added: darauf leiht, dies darf aber nur vor dem Magistrate geschehen. Nach 6
49added: Jahren erlischt der Vertrag. Sollte nach diesen 6 Jahren der
50added: Schuldner zahlungsunfähig sein, und eine Verlängerung der Hypothek
51added: wünschen, so ist dies beim Rat anzumelden, der eine diesbezügliche
52added: Anordnung trifft. Damit sich aber kein Jude mit Unwissenheit
53added: entschuldigt, wird diese Anordnung öffentlich angeschlagen und jedem
54added: Juden mit dem Schutzbrief zusammen ausgehändigt."*
55added:
56added: 5.
57added: Januar 1718
58added:
59added: Ad
60added: Mandatum Regis
61added:
62added: F.W.Fr.
63added: von Goertz
64added:
65added: ## Quelle: NHSA Sign: Hann 74, Cal Nr. 43O
66added:
67added: Am
68added: **18.
69added: August 1731**
70added: wurde von der hannoverschen Regierung eine weitere Verordnung
71added: erlassen, die folgendes zum Inhalt hatte:
72added:
73added: *"Wir
74added: vernehmen mißfällig, daß unsere unterm 5. Januar 1718 erlassene
75added: Verordnung, kraft welcher wir verboten, daß die in unseren Landen
76added: vergeleiteten Juden einige unbewegliche Güter an sich bringen oder
77added: darauf anders als die vorgeschriebene Art Gelder herleihen, von
78added: vielen Magistratspersonen dahin gedeutet wird, daß den Juden erlaubt
79added: sei, bei Konkursen oder Zwangsversteigerungen Immobilien durch das
80added: höchste Gebot zu erstehen, oder auf Ländereien Geld zu leihen und
81added: in Besitz zu nehmen, den Pflug darauf zu schicken, oder Gärten und
82added: Wiesen selbst zu bestellen oder das Nutzungspfand an Liegenschaften
83added: zu genießen. Dies läuft unserer Absicht völlig zuwider. So
84added: bekräftigen wir unsere Willensmeinung dahingehend, daß es den Juden
85added: auf keine Art und Weise erlaubt sein soll, Immobilien an sich zu
86added: bringen. Auch bei Zwangsversteigerungen ist es nicht gestattet, daß
87added: sie selbst oder durch Bevollmächtigte vertreten, die Pfandnutzung an
88added: Ländereien, Gärten oder Wiesen*
89added: *erwerben."*
90added:
91added: Es
92added: folgt der Passus wie vorhergehend.
93added:
94added: *"Damit kein Jude sich mit
95added: Unwissenheit entschuldigen kann, wird dies sofort öffentlich bekannt
96added: gemacht und einem jeden Juden ein Exemplar zugestellt."*
97added:
98added: 18.
99added: Aug. 1731
100added:
101added: Ad
102added: Mandatum Regis
103added:
104added: L.
105added: U. v. Hardenberg
106added:
107added: ## Quelle: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O
108added:
109added: Aber
110added: schon längst hatte die handelsübliche Praxis die fürstlichen
111added: Anordnungen überholt. Es war den Juden nicht mehr länger zu
112added: verbieten, für ihre Darlehen auch offiziell Sicherheiten zu nehmen
113added: und auf Immobilien Hypotheken eintragen zu lassen. Daher folgte dem
114added: Dekret vom 18. Aug. 1731 einige Monate später, **am
115added: 17. Dez**.
116added: desselben Jahres ein neues. Im Namen des Königs Georg verfügte die
117added: hannoversche Regierung nun folgendes:
118added:
119added: *"Es sind bei der
120added: in unsern Landen angesessenen Judenschaft Zweifel über die unterm
121added: 18. August 1731 ergangene Verordnung entstanden: Kann einer der
122added: vergeleiteten Schutzjuden, wenn er Gelder ausleiht, gültige Hypothek
123added: auf Immobilien eintragen lassen? Hat eine solche Hypothek nach dem
124added: Edikt Gültigkeit und wird sie nach vorfallenden Konkursen anerkannt?*
125added:
126added: *Unsere
127added: Willensmeinung wird hiermit kund getan: Weil den in unseren Landen
128added: vergeleiteten und mit richtigen Schutzbriefen versehenen Juden die
129added: Handelschaft nach Maßgabe der ergangenen Edikte gestattet ist, ist
130added: ihnen auch nicht verwehrt, bei allen ihnen erlaubten Verträgen die
131added: erlaubten Sicherheiten zu nehmen. Dazu gehört allerdings auch die
132added: Belastung von Immobilien und "liegenden Grund=Stücken" mit
133added: Hypotheken. Im übrigen behält das Edikt seine Gültigkeit. Wir
134added: erklären noch einmal ausdrücklich, daß alle vergeleiteten und mit
135added: gehörigen Schutzbriefen versehenen Juden bei allen und jeden ihnen
136added: erlaubten Handlungen, wo sie es zu ihrer Sicherheit nötig finden,
137added: sich von den Schuldnern auf Immobilien Hypotheken verschreiben lassen
138added: dürfen und bei entstehenden Konkursen und anderen ´Prozessen in
139added: Judicando´ den Rechten gemäß darauf zu reflektieren. Es soll nach
140added: rechtlicher Ordnung bei all unseren Gerichten danach verfahren werden
141added: ohne Ansehung der Tatsache, daß bei dieser Art Schulden Juden in den
142added: Besitz von Immobilien kommen.*
143added:
144added: 17.
145added: Dezember 1731
146added:
147added: Ad
148added: Mandatum Regis
149added:
150added: L.
151added: U. v. Hardenberg
152added:
153added: Quelle:
154added: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 43O
155added:
156added: ---
157added:
158added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_26.html).*
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@@ -0,0 +1,84 @@
1added: ---
2added: title: "Lockerung der Judengesetze in der Franzosenzeit und bleibende Familiennamen"
3added: sidebar_label: "Teil 5 – Lockerung der Judengesetze"
4added: sidebar_position: 5
5added: description: "Lockerung der Judengesetze in der Franzosenzeit und bleibende Familiennamen Während der französischen Revolution, schon 1789 auf der Nationalversammlung, wurde"
6added: ---
7added:
8added: **Lockerung der Judengesetze in der
9added: Franzosenzeit und bleibende Familiennamen**
10added:
11added: Während
12added: der französischen Revolution, schon 1789 auf der
13added: Nationalversammlung, wurde für die Juden als Staatsbürger die
14added: rechtliche Gleichstellung gefordert und durch die Emanzipationsakte
15added: in Frankreich auch gesetzlich verankert. Als während der
16added: französischen Okkupation große Teile des Kurfürstentums Hannover
17added: dem kurzlebigen Königreich Westfalen (18O7-1812) angegliedert
18added: wurden, erhielten auch die hannoverschen Juden die bürgerliche
19added: Gleichstellung. Die alten hannoverschen Judengesetze wurden
20added: aufgehoben, der Grunderwerb gestattet und die Schutzbriefe sowie der
21added: diskriminierende Leibzoll wurden abgeschafft.
22added:
23added: Obwohl
24added: durch das Dekret vom 27. Januar 1808 allen Juden dieselben Rechte wie
25added: den andern Bürgern eingeräumt wurden, mußten die Juden in Hannover
26added: das ihnen von der alten Landesregierung auferlegte Schutzgeld weiter
27added: zahlen. Ein diesbezügliches Protestschreiben wurde von der
28added: französischen königlich-westfälischen Präfektur in Kassel
29added: abgeschmettert.
30added:
31added: „Das Schutzgeld
32added: gehört zu den Dotationen, die dem Kaiser der Franzosen nach der
33added: Okkupation des Kurfürstentums Hannover zustehen und die dieser an
34added: König Jerôme von Westfalen abgetreten hat.“
35added:
36added: Am
37added: 31.März 1808 wurde außerdem verfügt, daß die Juden binnen 3
38added: Monaten *bleibende
39added: Familiennamen* annehmen
40added: sollten. Bis dahin führten sie in der Regel nur ihre
41added: *alttestamentarischen*Vornamen.
42added: Das *westfälische
43added: Namensedikt*
44added: wurde im Benehmen mit den Juden des Landes entwickelt, die sich
45added: einmütig für bleibende Familiennamen ausgesprochen hatten. Die
46added: Namenwahl war grundsätzlich freigestellt, anders als in Frankreich
47added: waren auch jüdische Namen und Vornamen erlaubt. (3)
48added:
49added: Aber
50added: als nach dem Ende der Fremdherrschaft Hannover 1814 Königreich
51added: wurde, setzte es sofort, noch vor dem Ende des Wiener Kongresses,
52added: seine aus dem 18. Jahrhundert stammenden kurfürstlichen Judengesetze
53added: - mit Ausnahme des Leibzolls - wieder in Kraft, erneuerte damit die
54added: Institution des Schutzjudentums und setzte seine restriktive
55added: Judenpolitik fort.
56added:
57added: Von
58added: 1828 bis 1833 sammelten die Landdrosteien statistisches Material über
59added: die Lage der jüdischen Bevölkerung. Ihr Anteil betrug 0,6% im
60added: Königreich. Außer ländlichen Handelsleuten, Schlachtern und
61added: kleinen Gewerbetreibenden gab es nur einen jüdischen Juristen, einen
62added: Arzt und einen Tierarzt, und die Altstadt von Hannover verfügte
63added: noch, wie die Stadt Osnabrück, über das Privileg des *non
64added: tolerandi Judaeos.*
65added: (4)
66added:
67added: Quellen
68added:
69added: 1. Dr.
70added: jur. Abraham Löb, Frankfurt 1908: Rechtsverhältnisse der Juden im
71added: ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz Hannover
72added: 2. M.
73added: Zuckermann, Hannover 1912 Kollektanea zur Geschichte der Juden im
74added: Hannoverland
75added:
76added: 3) Niedersächsisches
77added: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld, S. 275 ff
78added:
79added: 4) Niedersächsisches
80added: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 289
81added:
82added: ---
83added:
84added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8268.html).*
Addedunterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/06-1815.md+109 -0
@@ -0,0 +1,109 @@
1added: ---
2added: title: "1815"
3added: sidebar_label: "Teil 6 – 1815"
4added: sidebar_position: 6
5added: description: "Die Emancipation der Juden im Königreich Hannover Während In der Deutschen Bundesakte von 1815 die Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten di"
6added: ---
7added:
8added: Die *Emancipation*
9added: der Juden im Königreich Hannover
10added:
11added: Während
12added: In der *Deutschen
13added: Bundesakte von* ***1815***die
14added: Gleichstellung der Juden formal beibehalten wurde, setzten die
15added: einzelnen Deutschen Bundesländer, bis auf Preußen, sie wieder außer
16added: Kraft.
17added:
18added: Mit Fragebögen wurde die jüdische Bevölkerung
19added: wieder genau erfaßt. Es wurde nachgeforscht, wo jemand inzwischen
20added: Grundeigentum erworben hatte und die Institution des Schutzjudentums
21added: wurde erneuert. Die unveränderlichen Nachnamen blieben teilweise im
22added: Gebrauch, manchmal fielen sie weg.
23added:
24added: In
25added: Frankreich erfolgte die Gleichstellung der Juden **1790**durch
26added: eine einzige Akte, im Königreich Hannover dagegen war es ein
27added: langwieriger Prozeß, der sich schrittweise über Jahrzehnte
28added: erstreckte. 1828 wurden wieder bleibende Familiennamen eingeführt.
29added:
30added: Die
31added: drei Rössinger Judenfamilien mußten sich am **14.
32added: Mai 1828**
33added: auf dem Amt Calenberg einfinden und ihren Wahlnamen angeben. Sie
34added: entschieden sich für die Namen, die sie auch schon während der
35added: Franzosenzeit führten:
36added:
37added: Neuhaus,
38added: Neuberg und Blumenthal
39added:
40added: **1832**Der
41added: Gesetzentwurf zur Reform der bürgerlichen Verhältnisse der Juden,
42added: an den „nur noch letzte Hand anzulegen war," gelangte **1836**zur
43added: Beratung an die Stände und ging **1837**im
44added: Verfassungskonflikt unter.
45added:
46added: **30.
47added: September 1842: „*****Emancipationsgesetz“***
48added:
49added: Gesetz
50added: über die Rechtsverhältnisse der Juden
51added:
52added: Artikel
53added: 1, Abschnitt 1 stellte als Regel den *Grundsatz
54added: der Gleichheit*
55added: in Rechten und Pflichten mit den Christen auf.
56added:
57added: § 5
58added: enthielt die Bestimmung:
59added:
60added: "*Das
61added: Schutzverhältnis der Juden, so weit es noch*
62added: *besteht,
63added: wird aufgehoben. Die daraus folgenden Leistungen bleiben jedoch
64added: einstweilen und bis auf ein zu erlassendes Gesetz bestehen.*"
65added:
66added: Die
67added: Juden wurden zwar der allgemeinen Wehrpflicht unterworfen, aber der
68added: Regierung stand das Recht zu, die Juden bis auf weiteres nicht zum
69added: Militärdienst heranzuziehen.
70added:
71added: Viele Bestimmungen des neuen Gesetzes wurden durch
72added: Ausnahmeregelungen durchlöchert.
73added:
74added: **1847**
75added: folgten Ergänzungen zu dem Gesetz von 1842, unter anderem:
76added:
77added: **das
78added: Recht der**
79added: **Juden,
80added: ein Haus und 1 1/4 Morgen Acker zu erwerben.**
81added:
82added: **Am
83added: 5. September 1848**
84added: brachte das Gesetz die *völlige
85added: Gleichstellung der Juden im*
86added: Königreich Hannover durch den Passus, daß die Ausübung der
87added: bürgerlichen und politischen Rechte vom Religionsbekenntnis
88added: unabhängig sein sollte. Die Juden konnten damit auch öffentliche
89added: Ämter übernehmen und waren berechtigt zur Teilnahme an der
90added: Gemeinde- und Landesvertretung.
91added:
92added: **1869**sorgte
93added: der *Norddeutsche
94added: Bund* für
95added: die Aufhebung der letzten persönlichen Beschränkungen.
96added:
97added: Quelle:
98added:
99added: Niedersächsisches
100added: Jahrbuch 1992, Uwe Eissing S. 287 ff. (Rechtsverhältnisse der
101added: Juden)
102added:
103added: Niedersächsisches
104added: Jahrbuch 1993, Wolfgang Marienfeld S. 263 ff. (Familiennamen der
105added: Juden)
106added:
107added: ---
108added:
109added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_5293.html).*
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@@ -0,0 +1,77 @@
1added: ---
2added: title: "1757"
3added: sidebar_label: "Teil 7 – 1757"
4added: sidebar_position: 7
5added: description: "Ein Diebstahl auf dem Schloß Die ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem Eigentumsdelikt. 1757 wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Die"
6added: ---
7added:
8added: # Ein Diebstahl auf dem Schloß
9added:
10added: Die
11added: ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem
12added: Eigentumsdelikt.
13added:
14added: **1757**
15added: wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Diebstahl von
16added: silbernen Tressen auf dem adeligen Gute ertappt. Er war geständig
17added: und gab die gestohlenen Tressen auch sogleich zurück. Es war die
18added: Zeit des Siebenjährigen Krieges, das Kurfürstentum Hannover war von
19added: den Franzosen besetzt und auch in Rössing lag Einquartierung.
20added:
21added: Bei
22added: dem Übeltäter handelte sich um einen hier angesessenen Juden und
23added: Herr F.L. von Rössing als Guts- und gleichzeitig Gerichtsherr
24added: sperrte den Übeltäter für drei Tage im Hundestall ein, der als
25added: Karzer diente. Danach ließ er ihn laufen und betrachtete die
26added: Angelegenheit damit als erledigt.
27added:
28added: Aber
29added: der Gerichtsvogt der Gemeinde, G.W. Rothard, erstattete über die
30added: Angelegenheit postwendend schriftlichen Bericht auf dem Calenberg.
31added: Offenbar stand er in persönlicher Feindschaft zu dem
32added: Patrimonialgerichtsherrn. Das zeigt die sehr aggressive Form, die in
33added: all seinen diesbezüglichen Schriftstücken hervorsticht. Er war der
34added: Meinung, Herr von Rössing hätte kein Recht gehabt, den Delinquenten
35added: eigenmächtig zu entlassen. Vielmehr hätte er ihn nach drei Tagen
36added: „zwischen den beiden Brücken" (Schloßgraben und
37added: Rössingbachbrücke) dem Calenberger Gericht übergeben müssen,
38added: damit dieser vom Amtsgericht ordentlich abgestraft würde.
39added:
40added: „*Allein
41added: die arglistigen Inhabers des Rössingschen*
42added: *Niedergerichts
43added:
44added: versuchen öfters bei ein und den anderen Veränderungen, ob sie
45added: durch
46added: dergleichen Einschleichung sich verbreiten können."*
47added:
48added: F.L
49added: von Rössing wurde vom Amt um Stellungnahme gebeten.
50added:
51added: Seine
52added: Antwort:
53added:
54added: „*Da
55added: der hier eingesessene Jude, als man ihn ertappte, die Silbertressen,
56added: die er in den Händen hielt*,
57added: *sogleich
58added: zurückgegeben hat*,
59added: *ist er
60added: nicht wegen Diebstahls, sondern nur wegen ungebührlicher Aufführung
61added: mit drei Tagen Hundezwinger bestraft. So habe ich mich auch nicht
62added: eines Eingriffs in die Königliche*
63added: *Jurisdiktion
64added: schuldig gemacht.“*
65added:
66added: Vereinzelt
67added: in den Dörfern lebende Juden hielten sich mit Vorliebe unter den
68added: „Adeligen Gerichtsherrn“ auf, weil sie dort meistens nicht die
69added: volle Härte der offiziellen restriktiven hannoverschen Judenpolitik
70added: traf.
71added:
72added: Quelle:
73added: NHSA, Sign. Hann 74, Cal Nr. 295
74added:
75added: ---
76added:
77added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7127.html).*
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1added: ---
2added: title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (8)"
3added: sidebar_label: "Teil 8"
4added: sidebar_position: 8
5added: description: "Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau Jette Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die Erlangung der für die Juden überlebenswichtige Schutz"
6added: ---
7added:
8added: Familienschicksale - Samuel Hirsch und seine Frau
9added: Jette
10added:
11added: Die folgenden Kapitel drehen sich vor allem um die
12added: Erlangung der für die Juden überlebenswichtige
13added: Schutzbrieferteilung.
14added:
15added: Im
16added: Jahre 1806 stellt der „Judenknecht“ Samuel Hirsch aus Barnten
17added: wiederholt einen Antrag auf einen Schutzbrief auf Rössing. Als
18added: „Judenknechte“ wurden alle nicht selbstständig arbeitenden
19added: männlichen Juden im „Amtsdeutsch“ bezeichnet. Dieser Schutzbrief
20added: wird ihm mehrmals abgeschlagen.
21added:
22added: Der
23added: gutachterliche Bericht des Rössinger Gemeindevogts war sehr
24added: ungünstig ausgefallen. Samuel Hirsch stammte aus Barnten, das zum
25added: Hildesheimer Amt Steuerwald gehörte.
26added:
27added: „*Nachdem
28added: sein in Armut geratener Vater sich zu seinem in Copenhagen
29added: etablierten Sohne begeben, hat er sich bald im Hildesheimischen, bald
30added: im Hannöverschen umhergetrieben. Mehr denn ein Schutzjude darf nach
31added: unserm unterthänigst pflichtmäßigen Dafürhalten im Dorfe Rössing
32added: nie vergleitet werden, wenn er sich auf ehrliche Art nähren und
33added: seinen Glaubensgenossen nicht als Bettler zur Last fallen soll. Es
34added: erscheint der hiesigen Amts- und Gerichtsgemeinde von keinem großen
35added: Gewicht, ob es gleich bei dem geführten umherschweifenden
36added: Lebenswandel des Supplikanten uns unthunlich gewesen, von dessen
37added: bisherigem Wandel zuverlässige Erkundigung einzuziehen.“*
38added:
39added: In diesem Schreiben vom 18. Dezember 1805 an das
40added: Regierungs-Collegium des Amtes Calenberg legt der Amtsvogt aus
41added: Rössing seiner vorgesetzten Behörde nahe, die Schutzbriefanträge
42added: des Samuel Hirsch ein für allemal abzulehnen.
43added:
44added: Samuel
45added: Hirsch hält sich die nächsten Jahre trotzdem vorwiegend in Rössing
46added: unter dem Adeligen Gericht als unvergleiteter Jude auf. Er lebt vom
47added: Trödelhandel mehr schlecht als recht. Als während der Franzosenzeit
48added: das westfälische Namensedikt 1808 verlangte, daß die hannöverschen
49added: Juden unveränderliche Familiennamen annehmen sollten, nennt er sich
50added:
51added: *Samuel
52added: Hirsch-Neuhaus*
53added:
54added: Er
55added: heiratet während dieser Zeit eine *Jette
56added: Behrens*
57added: aus Bernburg, mit welcher er jedoch eine „unzufriedene Ehe“
58added: führt.
59added:
60added: Bürgermeister
61added: (maire) Georg Opitz beschreibt die Verhältnisse des Ehepaares
62added: Hirsch-Neuhaus:
63added:
64added: „*Samuel Hirsch-Neuhaus, 39 Jahre,
65added: lebt vom Trödelhandel, seine Vermögensumstände sind schlecht. Er
66added: lebt unter dem Adeligen Gericht und hat eine Frau.“*
67added:
68added: Bei
69added: der Frage nach der Schutzwürdigkeit heißt es einmal:
70added:
71added: „*Er
72added: führt nicht die beste Lebensart, mißhandelt seine Frau und überläßt
73added: sie der*
74added:
75added: *Wohltätigkeit
76added: anderer Leute. Er verdient den Schutz nicht.“*
77added:
78added: Ein
79added: anderes Mal lautet seine Beurteilung ähnlich:
80added:
81added: „*Er
82added: stehet nicht in bestem Rufe, soll jedem schuldig sein und behandelt
83added: seine Frau äußerst schlecht, hat sich von ihr separiert, gibt ihr
84added: nichts zu leben und muß Leute um Almosen anbetteln. Meines
85added: Dafürhaltens soll ihnen der Schutz nicht gewährt werden. Ein Haus
86added: oder Grundstück besitzt das Paar nicht in Rössing*.“
87added:
88added: Nachdem das Paar schon einige Zeit getrennt gelebt
89added: hatte, ließ es sich im Jahre 1817 förmlich scheiden, und die Ehe
90added: wurde den jüdischen Gesetzen gemäß aufgehoben. Für ihr
91added: eingebrachtes Heiratsgut erhielt Jette Behrens von ihrem geschiedenen
92added: Ehemann 50 Reichstaler zurück.
93added:
94added: 1818 hat Samuel Hirsch-Neuhaus dann doch seinen
95added: Schutzbrief erhalten und der Rössinger Gemeindevogt Opitz steckt
96added: sich hinter die Verwaltung auf dem Calenberg, um Jette Behrens, die
97added: sich „*hier immer noch herumtreibt* *und mit allerlei
98added: Trödeleien abgibt,“* nach Bernburg, in ihre Heimat und zu ihren
99added: wohlhabenden Verwandten abzuschieben.
100added:
101added: „*Obwohl sie hier
102added: doch gar keine Veranlassung zu längerem Aufenthalt mehr hat, hält
103added: sie sich doch noch am Ort und in der Umgebung auf und hat auch immer
104added: noch ein Unterkommen gefunden. Da inzwischen zu befürchten ist, daß
105added: besagte Person, wenn sie einst alt und hilfsbedürftig ist, dem
106added: Publico zur Last fällt und um Unterstützung bittet, halte ich es
107added: für meine Pflicht, die Verhältnisse dem königlichen Amte
108added: anzuzeigen. Der Jette Behrens sei bitte zu bedeuten, daß sie sich
109added: binnen einiger Monate von hier wegzubegeben habe.“*
110added:
111added: Auf dies Schreiben vom Gemeindevogt Opitz vom
112added: Dezember 1819 erhält Jette Behrens vom Königlichen Amt Calenberg
113added: die Aufforderung, sich bis Ostern 1820 aus Rössing und dem hiesigen
114added: Amte zu entfernen. Offenbar hat sie dieser Aufforderung Folge
115added: geleistet, denn sie taucht in den Rössinger Akten nicht wieder auf.
116added:
117added: Das fiscalische Schutzgeld für Samuel
118added: Hirsch-Neuhaus war 1818 bei Erteilung des Schutzbriefes zunächst auf
119added: 4 Reichstaler festgesetzt worden. Aber da das Geld nicht beizutreiben
120added: war, wird es 1822 auf 2 Reichstaler ermäßigt und danach *„wegen
121added: seiner Dürftigkeit“* ganz erlassen. Bis 1840 wird Samuel
122added: Hirsch-Neuhaus in den Listen der jüdische Einwohner noch geführt.
123added: Wahrscheinlich ist er dann gestorben und auf dem jüdischen Friedhof
124added: in Rössing beigesetzt.
125added:
126added: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal. Nr. 425
127added:
128added: ---
129added:
130added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_1630.html).*
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@@ -0,0 +1,142 @@
1added: ---
2added: id: 09-familienschicksale
3added: slug: 09-familienschicksale
4added: title: "Familienschicksale"
5added: sidebar_label: "Teil 9 – Familienschicksale"
6added: sidebar_position: 9
7added: description: "Familienschicksale - Rahel Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg Im 18. Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen noch keine verg"
8added: ---
9added:
10added: **Familienschicksale
11added: -** **Rahel
12added: Simson, Amsel Calman und Nathan Schay- Neuberg**
13added:
14added: Im 18.
15added: Jahrhundert gab es in Rössing nach den registerförmigen Quellen
16added: noch keine vergleiteten Juden. Erst als in der Franzosenzeit die
17added: Bestimmungen liberaler wurden und die Verwaltungen durch die
18added: Fremdherrschaft sowieso verunsichert waren, faßten sie auch in
19added: Rössing Fuß.
20added:
21added: Im Jahre 18O6 in Rössing wurde hier eine Jüdin
22added: mit Namen Rahel Simson aktenkundig. Sie stammte aus dem Hessischen
23added: und war zugewandert, aber bei wem sie in Rössing lebte oder
24added: arbeitete, geht nicht aus den Akten hervor. Doch dieser Aktenvermerk
25added: hatte schon eine längere Vorgeschichte.
26added:
27added: Am
28added: 24.März des Jahres 18O4 hatte der aus dem Bambergischen zugewanderte
29added: und in Pattensen lebende „*Judenknecht*“
30added: Amsel Calman einen Antrag auf Erteilung eines Schutzbriefes auf die
31added: Dorfschaft Wülfingen gestellt. Das wurde ihm aber mit Schreiben vom
32added: 6. August 18O4 von Seiten des "*Calenberg-Grubenhagenschen
33added: Polizey- und Städte-Departements"* verweigert.
34added:
35added: Die
36added: Begründung lautete:
37added:
38added: „*--daß*
39added: *bei der
40added: bereits vorhandenen großen Anzahl inländischer Schutzjuden Bedenken
41added: getragen werde, ausländischen Juden den Schutz in hiesigen Landen zu
42added: verleihen, mithin dem eingebrachten Gesuch nicht stattgegeben werde.“*
43added:
44added: Offenbar hat Amsel Calman doch noch den
45added: Schutzbrief auf Wülfingen erhalten, der bis "Meytag" 18O6
46added: Gültigkeit hatte. Inzwischen hatte er sich mit der in Rössing
47added: lebenden Rahel Simson verlobt und beantragte im März 18O5 die
48added: Transferierung seines Schutzbriefes von Wülfingen auf das „ganze
49added: Dorf Rössing." Dazu mußte erst ein Gutachten von der
50added: Gemeindeverwaltung eingeholt werden.
51added:
52added: Rössing bestand damals noch aus 2 Gemeindeteilen,
53added: dem Amt Rössing und dem Adeligen Gericht Rössing, die erst 1829
54added: zusammengelegt wurden. Da man der Meinung war, daß mehr als ein
55added: einziger vergleiteter Jude für Rössing zuviel wäre, befürwortete
56added: man den Schutzbrief nur für das „ganze" Dorf, nicht etwa
57added: einen für jeden Gemeindeteil. Amsel Calman lebte vom Pferdehandel
58added: und erhielt seinen Schutzbrief. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt,
59added: daß er dafür weiterhin jährlich 4 Reichstaler an das Amt Calenberg
60added: zu bezahlen habe, was eine ansehnliche Summe darstellte.
61added:
62added: Ob
63added: es noch zu der beabsichtigten Heirat mit Rahel Simson kam oder ob
64added: Amsel Calman vorher starb, läßt sich nicht genau feststellen. Kurze
65added: Zeit nach der Transferierung des Schutzbriefes im Juli 18O5 war er
66added: jedenfalls tot und Rahel Simson wird manchmal als seine Braut und
67added: manchmal als seine Witwe bezeichnet.
68added:
69added: Quelle:
70added: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Cal 425
71added:
72added: # Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg
73added:
74added: Aber
75added: im März des folgenden Jahres 18O6 hat Rahel Simson einen neuen
76added: Verlobten, Jesaia Nathan Schay aus Sarstedt, manchmal auch Schey oder
77added: Schaie geschrieben. Dieser nahm später den Namen Neuberg an, der
78added: noch manchem alten Rössinger bekannt ist. Rahel Simson beantragte
79added: den Schutzbrief für ihren Verlobten, damit er nach Rössing ziehen
80added: könnte und die Hochzeit stattfinden dürfte. Aber der Antrag wurde
81added: am 14. April 18O6 von „Seiner Königlichen Majestät von Preußen
82added: provisorisch bestätigter hiesigen Provinzial-Regierung"
83added: abgelehnt, denn im Jahre 1806 gehörte das Kurfürstentum Hannover im
84added: Zuge der Napoleonischen Wirren für einige Monate zu Preußen.
85added:
86added: Daraufhin
87added: schrieb Nathan Schay ein weiteres dringendes Gesuch auf Erteilung des
88added: Schutzbriefes, weil seine Braut jetzt hoch schwanger sei, und er
89added: zeigte die unglücklichen Folgen, wenn sie nicht mit dem
90added: Landesherrlichen Schutz begnadigt würden.
91added:
92added: *"Es
93added: steht daher in Eurer Wohlgeborenen Gewalt, meine Braut und mich
94added: glücklich zu machen oder in namenloses Elend zu stürzen, denn auf
95added: den Bericht eures hochlöblichen Amtes wird es ankommen, ob ich mit
96added: dem Landesherrlichen Schutz begnadet werde oder nicht. Ich wage daher
97added: auf hochderoselben Menschenfreundlichkeit vertrauend, die gehorsamst
98added: demütigste Bitte: Hochderoselben wollen geruhen, auf das von meiner
99added: Braut unterm 19.d.M. bei einem hohen Polizey und Städte-Departement
100added: untertänigst überreichte Gesuch einen wohlmöglich guten Bericht
101added: huldvollst abzustatten.*
102added:
103added: *Ich
104added: ersterbe in tiefstem Respekt*
105added:
106added: *Euer
107added: Wohlgeboren untertänigster Diener*
108added:
109added: ## Nathan Schay“
110added:
111added: Daraufhin
112added: ordnet die Provinzialregierung mit Schreiben vom 10. Juli 1806 an,
113added: daß das Gesuch erneut zu überprüfen sei. Es soll genau dargestellt
114added: werden, was gegen die Gewährung des Schutzes vorzubringen sei. Der
115added: Rössinger Amtsvogt beantwortet das Schreiben am 1. August 1806
116added: wohlwollend. Aber offensichtlich hat sich der ganze Vorgang
117added: verzögert, vielleicht durch die politischen Veränderungen. Denn am
118added: 16. Oktober 1806 hatten die Preußen in der Schlacht bei Jena und
119added: Auerstedt eine vernichtende Niederlage erlitten und die Franzosen
120added: waren wieder die Herren im Lande. Mit Schreiben vom 18. Dezember
121added: desselben Jahres befürwortet der Vogt erneut, Nathan Schay mit dem
122added: Schutz zu begnadigen, nachdem er umfassende Erkundigungen über das
123added: Vermögen, die Lebensumstände und die Familie des Bewerbers aus
124added: Sarstedt eingezogen hat.
125added:
126added: „*Da ich wegen des bisherigen
127added: Lebenswandels und guter Aufführung die vorzüglichsten Zeugnisse
128added: erhalten habe, ist gegen eine Schutzbrieferteilung nichts
129added: einzuwenden.“*
130added:
131added: Diese
132added: erfolgte, wenn auch mit einiger Verzögerung, so daß die Heirat mit
133added: mit Rachel Simson stattfinden und das Paar sich in Rössing
134added: niederlassen konnte.
135added:
136added: Quelle:
137added: NHSA Hannover, Sign. Hann 74, Cal
138added: Nr. 425
139added:
140added: ---
141added:
142added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_3389.html).*
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@@ -0,0 +1,139 @@
1added: ---
2added: title: "Familienschicksale (Fortsetzung)"
3added: sidebar_label: "Teil 10 – Familienschicksale (Forts.)"
4added: sidebar_position: 10
5added: description: "Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle 18O8 nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das Ehepaar Simson/Schay als un"
6added: ---
7added:
8added: # Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle
9added:
10added: 18O8
11added: nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das
12added: Ehepaar Simson/Schay als unveränderlichen Nachnamen den Namen
13added: Neuberg an.
14added:
15added: Die
16added: von den Franzosen zugesicherte Gleichberechtigung schloß den bis
17added: dahin im Kurfürstentum Hannover verbotenen Grunderwerb der Juden
18added: ein. Nathan Schay nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem er am 21.
19added: Dezember 18O6 seinen Schutzbrief erhalten hatte, kaufte er die
20added: Köthnerstelle Nr. 15 ( Lange Str. Nr.7**).**
21added:
22added: Diese
23added: Köthnerstelle hatte Hans Heinrich Blume gehört, der über 40 Jahre
24added: dort den Dorfkrug und einen einträglichen Garn- und Hokenhandel
25added: betrieben hatte. Nach seinem Tode 1802 geriet sein Sohn Heinrich
26added: Julius Blume in finanzielle Schwierigkeiten. Er ging in Konkurs. und
27added: der Schlachter Schreyer aus Jeinsen kaufte Haus und Grundstück. Von
28added: diesem erwarb Nathan Neuberg die Köthnerstelle. Aber die behördliche
29added: Zustimmung zum Erwerb der „Köthnerey" wurde ihm von Seiten
30added: der Regierung mit Schreiben vom 16. Juni 18O8 verweigert**.**
31added:
32added: Als
33added: Begründung wurde angegeben, daß das Ehepaar nicht wohlhabend genug
34added: sei, um solche finanziellen Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Denn
35added: es sei nicht einmal im Stande gewesen, die Schulden von Amsel Calman
36added: abzutragen, dem ersten Ehemann der Rahel Simson.
37added:
38added: Solange
39added: die Franzosen im Lande waren, ließ man die Familie Schay-Neuberg
40added: unbehelligt. Sie wohnte in ihrem Hause, brachte es zu einer
41added: ansehnlichen Kinderschar, hatte einen Hauslehrer, eine Dienstmagd,
42added: einen Handelsknecht und brachte es durch den Handel mit „Tuch- und
43added: Ellenwaren" zu einigem Wohlstand.
44added:
45added: Aber
46added: als die Franzosen abgezogen waren, wurden die meisten alten
47added: Judengesetze wieder in Kraft gesetzt und Familie Neuberg mußte um
48added: ihren Besitz fürchten.
49added:
50added: Daher
51added: richtete Neuberg im Sommer des Jahres 1814 an die Provisorische
52added: Regierungskommission das Gesuch, ihn in seinem Besitz zu bestätigen.
53added: Diese forderte das Amt Calenberg auf, Nathan Schay (auch die
54added: bleibenden Familiennamen hatte man vorübergehend wieder abgeschafft)
55added: zur Verantwortung zu ziehen, weil er die besagte Köthnerstelle
56added: angekauft habe, obwohl ihm die Erlaubnis dazu (im Jahre 18O8)
57added: verweigert worden war. Der in Rössing schon während der
58added: Franzosenzeit amtierende Bürgermeister Georg Opitz befürwortete
59added: aber das Gesuch des Nathan Schay-Neuberg sehr eindringlich.
60added:
61added: *"Da
62added: es keine weiteren Gründe gibt, dem Schay-Neuberg die Erteilung der
63added: Erlaubnis für den Erwerb zu verweigern, als den, weil eigentlich die
64added: Schutzjuden nicht mit liegenden Gründen angesetzt sein sollten, so
65added: ist dies in neueren Zeiten aber doch möglich. Die Familie ist
66added: inzwischen wohlhabend und in der Lage, die Blumesche Konkurs-Sache
67added: endlich zu beendigen und den ausstehenden Teil der Kaufsumme und die
68added: restlichen Zinsen bar zu bezahlen. Darum weiß ich dem Wunsche des
69added: Schay-Neuberg, in seinem Eigentum von der jetzigen Landesregierung
70added: geschützt zu werden, gar nichts entgegen zu setzen."*
71added:
72added: Aber
73added: das Amt Calenberg fordert Rechtfertigung. Zweimal wird Schay
74added: vergeblich vorgeladen. Ein seitenlanges, sehr interessantes Protokoll
75added: gibt Kunde von der Verhandlung am 19. September 1814 auf dem Amt
76added: Calenberg.
77added:
78added: Für sein zweimaliges Fernbleiben entschuldigt er
79added: sich einmal wegen der Feier des jüdischen Neujahrsfestes und das
80added: andere Mal sei er verreist gewesen. Ferner gibt er an:
81added:
82added: „*Solange
83added: die Hannnöversche Verwaltung gedauert habe, hätte er es nicht
84added: gewagt, gegen das von Königlicher Regierung ergangene Verbot, die
85added: Stelle des Köthners Blume, die der Schlächter Schreyer aus Jeinsen
86added: gekauft habe, zu erwerben.* ***Aber
87added: während der Westfälischen Verfassung (König Jerôme) habe kein
88added: Verbot bestanden, daß jüdische Untertanen Grundbesitz erwerben
89added: dürften****,
90added: und so habe er keine Bedenken gehabt, in den Kontrakt Schreyers
91added: einzutreten. Diese Verhandlung sei indes nur mündlich abgemacht und
92added: damit beschlossen, daß Schreyer ihm sämtliche sich auf den Ankauf
93added: beziehenden Aktenstücke ausgehändigt habe. Da er nicht der einzige
94added: Jude gewesen sei, der in dieser Periode Grundbesitz erworben habe,
95added: hoffe er, daß man dieses nicht übel aufnehmen werde. Nur durch den
96added: Tod des Schlächters Schreyer sei die Sache noch nicht abgewickelt
97added: gewesen.*
98added:
99added: *Zu
100added: der Köthnerei gehöre auch kein Ackerland, und das dem
101added: Herrschaftlichen Amt zustehende Dienstgeld für Haus und Garten von
102added: nur 5 Reichsthalern und 24 Mariengroschen könne er leicht aufbringen
103added: (anstatt der auf den Köthnerstellen lastenden Hand- und
104added: Spanndienste). Die 27O Reichsthaler in Gold, die Schlächter Schreyer
105added: von der Kaufsumme schuldig geblieben sei, habe er auch übernommen
106added: und hätte sie schon längst beim damaligen Mahlerter Friedensrichter
107added: Liekefett bezahlt, wenn die angesagten Termine zustande gekommen
108added: wären.*
109added:
110added: *Die
111added: Schulden, die vom ersten Ehemann seiner Ehefrau , Amsel Calman
112added: herrührten, seien längst vor dem Friedensrichter Liekefett in der
113added: Westfälischen Zeit durch einen Vergleich bereinigt.*
114added:
115added: *Sehr
116added: hart wäre es auch für ihn, wenn das Gesuch abgeschlagen würde,
117added: weil er schon 3OO bis 4OO Reichsthaler an Reparaturen in das Haus
118added: gesteckt habe."*
119added:
120added: Im Mai 1815 wird Nathan Schay-Neuberg folgender
121added: Beschluß verkündet und schriftlich ausgehändigt:
122added:
123added: „**Nathan
124added: Schay-Neuberg wird der Besitz des Kothofes zugesprochen.**
125added:
126added: **Sollte
127added: allerdings ihm oder seinen Leibes- oder sonstigen Erben der
128added: Landesherrliche Schutz (Schutzbrief) entzogen werden, so muß der
129added: Kothof einem christlichen Einwohner verkauft oder überlassen werden.
130added: Sollten er oder seine Frau zu ihren Lebzeiten den Kothof verkaufen
131added: wollen, so gilt dieselbe Bedingung, daß der neue Besitzer ein Christ
132added: sein muß und kein Jude sein darf."**
133added:
134added: Quelle:
135added: NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Calenberg, Nr. 430 und Nr. 439
136added:
137added: ---
138added:
139added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_9854.html).*
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@@ -0,0 +1,203 @@
1added: ---
2added: title: "1828"
3added: sidebar_label: "Teil 11 – 1828"
4added: sidebar_position: 11
5added: description: "Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder Rahel Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen Familie, die üb"
6added: ---
7added:
8added: ## Familienschicksale – Rahel Simson, Nathan Schay-Neuberg und ihre Kinder
9added:
10added: Rahel
11added: Simson und Nathan Schay-Neuberg werden Stammeltern einer jüdischen
12added: Familie, die über vier Generationen bis ca. 1930 in Rössing
13added: ansässig ist.
14added:
15added: Nathan
16added: Schay-Neuberg bezahlt jährlich 4 Reichstaler für den Schutzbrief
17added: für sich und seine Familie und gehört somit zu den „reputierlichen“
18added: Juden. Er ist recht wohlhabend und handelt mit Tuch- und Ellenwaren,
19added: außerdem betreibt er einen Hoken- oder Kleinhandel.
20added:
21added: Eine
22added: amtliche Beurteilung über ihn lautet im Jahre 1816:
23added:
24added: *---ist
25added: ein rechtlicher Mann, führt sich recht gut und besitzt hier eine
26added: kleine Köthnerey.*
27added:
28added: Zwischen
29added: 1807 und 1815 bekommt das Ehepaar fünf Kinder:
30added:
31added: Nathan 1807
32added:
33added: Ester 1809
34added:
35added: Simon 1811
36added:
37added: Lina 1813
38added:
39added: Sara 1815
40added:
41added: Conrad
42added: Geburtsjahr unbekannt
43added:
44added: Außerdem
45added: gehören zum Haushalt der Schullehrer Daniel Rufen, der Handelsknecht
46added: Wolf Walbaum und die Magd Eva Moses.
47added:
48added: **1828**
49added: verfügt die Regierung**,**
50added: daß die Judenwieder
51added: unveränderliche Nachnamen annehmen müssen. Nathan Schay nimmt
52added: wieder seinen alten Namen aus der Franzosenzeit an: *Neuberg.*
53added:
54added: # Bildung von Synagogengemeinden
55added:
56added: Mit
57added: Schreiben vom 18. Juli 1843 fordert die Landdrostei die Juden in
58added: Rössing auf, Synagogengemeinden zu bilden. Der Vorsteher dieser
59added: Synagogengemeinde wird verpflichtet, Trauungs-, Geburts- und
60added: Sterbelisten zu führen. Dies sind die einzigen Quellen für die
61added: Lebensdaten der hiesigen jüdischen Einwohner. Von diesen Listen sind
62added: aber nur sehr wenige, dazu lückenhaft geführte Exemplare erhalten.
63added: Standesämter gab es noch nicht und jüdische Geburten oder
64added: Eheschließungen wurden in die christlichen Kirchenbücher nicht
65added: eingetragen.
66added:
67added: Der
68added: erste Synagogenvorsteher wirdNathan Neuberg.
69added:
70added: **Eine
71added: schöne Mitgift**
72added:
73added: Im
74added: Jahr 1854 taucht noch eine Julie Neuberg auf, die wir nicht ohne
75added: weiteres einordnen können. Es kann sich um eine spät geborene
76added: Tochter von Rachel und Nathan Neuberg oder um eine schon
77added: heiratsfähige Tochter des noch recht jungen Simon Neuberg handeln.
78added:
79added: Von
80added: ihr erfahren wir erst im Jahre 1854 etwas, als der 30jährige
81added: Handelsmann Levi Wolff aus Hildesheim sie heiraten will.
82added:
83added: Der
84added: Hildesheimer Magistrat hat Bedenken wegen der wirtschaftlichen Lage
85added: des Bräutigams. Aus diesem Grunde richtet er am 11. März 1854 eine
86added: Anfrage an die Gemeinde Rössing, ob die Angaben des Wolff zutreffen,
87added: dass der „Fabrikant“ Neuberg seine Tochter mit einem Brautschatz
88added: von 400 Reichsthalern ausstatten kann,
89added:
90added: und
91added: außerdem erkundigt er sich nach dem guten Ruf der Braut.
92added:
93added: Beide
94added: Fragen werden wohlwollend beantwortet.
95added:
96added: „*Der
97added: Fabrikant Neuberg ist sehr wohl des Vermögens, seiner Tochter eine
98added: Aussteuer von 400 Reichsthalern zu geben.*
99added:
100added: *Seine
101added: Tochter Julie Neuberg hat bis jetzt ein sittlich unbescholtenes Leben
102added: geführt*.“
103added:
104added: # Und so steht einer Heirat wohl nichts mehr im Wege. Allerdings erfahren wir in dem Schreiben auch nicht, ob es sich bei dem Brautvater, dem „Fabrikanten Neuberg, um den Vater Nathan oder seinen Sohn Simon Neuberg handelt.
105added:
106added: Kurze
107added: Zeit später, noch in demselben Jahre 1854 stirbt Nathan Neuberg.
108added:
109added: #
110added:
111added: # Das Erbe wird geteilt
112added:
113added: Nach
114added: dem Tode des Vaters wird der zweitälteste Sohn von Nathan, der 1811
115added: geborene Simon Neuberg im Jahr 1855 Synagogenvorsteher.
116added:
117added: Das
118added: Grundstück der Köthnerstelle Nr. 15 wird mit dem Garten der Länge
119added: nach geteilt. Zu jedem Teil gehört ein Wohnhaus und ein
120added: langgestreckter Garten. Das linke Haus erbt Simon, es behält die
121added: Nummer 15 (heute Lange Straße Nr. 7), das rechte Haus erhält der
122added: jüngste Sohn Conrad. Dies steht mit dem Giebel direkt an der Straße
123added: und bekommt die neue Hausnummer 71 (heute Lange Straße Nr. 9).
124added:
125added: Über
126added: Nathan, den ältesten Sohn des Ehepaares und die drei Töchter
127added: erfahren wir nichts. Ob sie verheiratet und fortgezogen oder
128added: verstorben sind, geht aus den Unterlagen nicht hervor.
129added:
130added: **Die
131added: nächste Generation**
132added:
133added: Simon
134added: Neuberg ist verheiratet mit Friederike Oppenheimer und hat zwei
135added: Kinder.
136added:
137added: Die
138added: Tochter Regine heiratet 1866 den 30jährigen Hermann Leidensdorf aus
139added: Neuhaus an der Elbe und verläßt Rössing.
140added:
141added: Der
142added: Sohn David ist Kaufmann und heiratet am 13. Februar 1872 Johanne
143added: Kaiser aus Eschwege, wo auch die Hochzeit stattfindet, und am 29.
144added: November desselben Jahres wird er Vater eines Sohnes Paul.
145added:
146added: Dieser
147added: Paul Neuberg taucht später als Inhaber eines Schuhgeschäftes in
148added: Walsrode auf. Seine Familie fällt später dem Holocaust zum Opfer.
149added:
150added: Wahrscheinlich
151added: ist Simon Neuberg 1873 schon verstorben, denn der Schlachter Israel
152added: Levi Blumenthal hat zu diesem Zeitpunkt das Amt des
153added: Synagogenvorstehers inne.
154added:
155added: Simon
156added: Neubergs Wohnhaus wird um die Jahrhundertwende 1899/1900 an
157added: Schneidermeister Wilhelm Haase verkauft, der es seiner Tochter
158added: vererbt und seit 1982 ist es im Besitz von Klaus Peinemann.
159added:
160added: Die
161added: Witwe von David Neuberg, Johanne Kaiser, lebt nachdem Wegzug ihres
162added: Sohnes und dem Verkauf des Hauses noch bis ca. 1930 allein in Rössing
163added: im Eikenhof Nr. 4 (etwa 2004 abgerissen). In der Nachbarschaft war
164added: sie als „Tante Nit“ bekannt. Sie hütete oft die Kinder der
165added: Bauern und ging mit ihnen spazieren, wenn diese keine Zeit hatten.
166added: Eine stereotype Redewendung von ihr war: „Nit woahr?“, und so kam
167added: sie zu ihrem Spitznamen. Sie starb etwa 1930 und hat die Zeit der
168added: Nationalsozialisten nicht mehr erlebt.
169added:
170added: Über
171added: die Familie von Conrad Neuberg oder seine Nachfahren ist nichts
172added: bekannt. Das Haus Nr 71 wird schon vor der Jahrhundertwende verkauft.
173added: Es wechselt mehrfach den Besitzer; Kregel, Sindram und bis in die
174added: 50er Jahre Familie Siede. Der letzte Siede war ein besonderes
175added: Original, er war der letzte Rössinger Bader, gleichzeitig Friseur,
176added: Apotheker, Arzt, Zahnarzt und Kohlenhändler.
177added:
178added: Heute
179added: hat das Haus einen Sarstedter Besitzer.
180added:
181added: Damit
182added: war die Familie Neuberg in Rössing ausgestorben. Auf dem jüdischen
183added: Friedhof finden sich auch keine Grabsteine der Familie Neuberg mehr.
184added: Als 1940 der jüdische Friedhof zwangsweise verkauft wurde, entfernte
185added: man die umgefallenen und zerbrochenen Grabmale. Es blieben nur Steine
186added: der Familie Blumenthal erhalten, die bis 1942 in Rössing lebte.
187added:
188added: # Weitere Familiennachrichten
189added:
190added: Der
191added: Rössinger Stammvater der Neubergs, Nathan Schay, stammte aus
192added: Sarstedt. Die Sarstedter Neubergs waren eine angesehene und
193added: wohlhabende Familie und betrieben Textil- und Schuhhandel auf der
194added: Hauptstraße. Unter anderem gehörte ihnen das Haus Steinstraße 13,
195added: die heutige Begegnungsstätte der Gemeinde, bis sie in der NS-Zeit
196added: dem Holocaust zum Opfer fielen
197added:
198added: Quellen:
199added: NHSA Sign: Hann 74 Cal Nr. 423, 424, 425, 427, 428, 431
200added:
201added: ---
202added:
203added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7943.html).*
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1added: ---
2added: title: "1687"
3added: sidebar_label: "Teil 12 – 1687"
4added: sidebar_position: 12
5added: description: "Synagogen- und Schulwesen 1687 wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen Oberhaupt"
6added: ---
7added:
8added: Synagogen- und Schulwesen
9added:
10added: **1687**
11added: wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg,
12added: Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen
13added: Oberhauptes, eines Landesrabbiners und damit endlich ihre freie
14added: Religionsausübung gestattet. Die Synagogen, soweit vorhanden,
15added: standen bisher schmucklos und in versteckten Winkeln. Die jüdische
16added: Religionsausübung sollte unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich
17added: gehen.
18added:
19added: Der
20added: Landesrabbiner hatte richterliche Funktionen und war für
21added: Streitigkeiten der Juden untereinander verantwortlich. Außerdem
22added: unterstand ihm das jüdische Schulwesen, wobei es sich fast
23added: ausschließlich um Talmudschulen handelte. Der **Talmud**
24added: ist die Sammlung der Gesetze der religiösen Überlieferungen des
25added: nachbiblischen Judentums. Die Kinder lernten hauptsächlich
26added: Hebräisch, die jüdischen Gesetze und Gebetsriten. Weitere
27added: Lerninhalte waren vor allem für Mädchen kaum vorgegeben.
28added:
29added: Von
30added: 1802 bis ca. 1830war der
31added: Posten des Landesrabbiners nicht besetzt.
32added:
33added: 1816
34added: erfolgte von Seiten des Amtes Calenberg eine Anfrage an die Gemeinde
35added: Rös- sing, ob eine Synagoge oder eine jüdische Schule am Ort sei.
36added: Die Antwort war „Nein".
37added:
38added: In
39added: demselben Jahrwurde
40added: in einer Liste der zum Haushalt des Nathan Schay-Neuberg gehörenden
41added: Personen der 39jährige*Daniel
42added: Rufen*als
43added: Schullehrer angeführt. Solche jüdischen Hauslehrer waren damals vor
44added: allem Religionslehrer. Vom 3. Lebensjahr an wurden die Kinder im
45added: jüdischen Glauben und seinem Ritualkodex unterrichtet. Diese Lehrer
46added: waren auch besonders im Schächten ausgebildet, damit die jüdischen
47added: Speisegesetze eingehalten werden konnten. Sie fungierten als Sänger
48added: und Vorbeter bei den Gebetsstunden, bei denen die geschriebene
49added: Thorarolle der 5 Bücher Moses, der Gebetschal, der den Kopf bedeckte
50added: und der Gebetsriemen, ein Lederriemen, der in einer besonderen Art
51added: und Weise um den Arm gewickelt wurde, eine wichtige Rolle spielten.
52added:
53added: Wie
54added: im einzelnen hier auf dem Lande die jüdischen Gottesdienste
55added: abgehalten wurden, ist nicht überliefert. Zu einem
56added: vorschriftsmäßigen jüdischen Gottesdienst gehörten nämlich
57added: mindestens 10 männliche Juden über 14 Jahre.
58added:
59added: 1824waren
60added: aber lt. Statistik insgesamt nur 20 Juden in Rössing vorhanden,
61added: wovon mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Wahrscheinlich
62added: mußte hier das ganze Ritual in einer vereinfachten Form stattfinden.
63added:
64added: 1842
65added: wurden die Juden aufgefordert, Synagogengemeinden zu bilden.
66added:
67added: M.
68added: Zuckermann gibt in seinem Buch: „Kollektanea zur Geschichte der
69added: Juden im Hannoverland" (Hannover 1912) an, daß es 1842 in
70added: Rössing eine Synagoge gab.
71added:
72added: Dies war aber mit Sicherheit kein eigenständiger
73added: Kirchenbau, sondern der jüdische Gottesdienst wurde in einem
74added: Wohnraum der Familie Neuberg abgehalten.
75added:
76added: 1860/61wurde
77added: das Wohnhaus von Simon Neuberg umgebaut, man sieht es aus der
78added: Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkataster. Es wurde mit einem
79added: Anbau versehen und dieser Anbau wurde lt. mündlicher Überlieferung
80added: als Synagoge genutzt, zumindest, so lange wie das Haus im Besitz der
81added: Familie Neuberg war (bis ca. 1900).
82added:
83added: # Synagogenvorsteher waren
84added:
85added: 1843
86added: Nathan Neuberg bis 1854
87added:
88added: 1855 Simon Neuberg bis 1873
89added:
90added: # 1873 Israel Levi Blumenthal
91added:
92added: Moritz Blumenthal
93added:
94added: Karl Blumenthal bis 1942
95added:
96added: Die
97added: Synagogenvorsteher waren verpflichtet, Heirats-, Geburts- und
98added: Sterbelisten zu führen. Leider enthalten sie sehr wenig Angaben, und
99added: es sind auch nur noch sehr wenige erhalten.
100added:
101added: Die
102added: nächste Synagoge mit einem richtigen Synagogengebäude befand sich
103added: bis 1942 in Eldagsen.
104added:
105added: ## Jüdisches Schulwesen
106added:
107added: 1854erfolgte
108added: die Neuordnung eines eigenständigen jüdischen Elementarschulwesens
109added: und der jüdischen Lehrerbildung, die beide dem Landrabbinat
110added: unterstanden. Nach der Schulordnung von 1854 waren mit 17
111added: Wochenstunden mehr als die Hälfte der Unterrichtsgegenstände auf
112added: jüdische Religion und Kultur ausgerichtet, davon waren allein 4
113added: Stunden hebräische Sprache und 3 Stunden für biblische und jüdische
114added: Geschichte vorgesehen.
115added:
116added: In
117added: Rössing hat es jedenfalls keine jüdische Elementarschule gegeben,
118added: dazu war der Ort viel zu klein. Vielleicht lag auch darin der Grund,
119added: daß so viele Kinder der hiesigen jüdischen Familien in den Akten
120added: nicht wieder auftauchten.
121added:
122added: Bei
123added: den Juden ist ein hervorstechendes Merkmal der Sippenzusammenhalt.
124added: Ältere oder auch jüngere Verwandte fanden ohne weiteres
125added: Unterschlupf in den Familien, und so ist auch möglich, daß die
126added: Kinder in größeren Orten bei Verwandten wohnten und dort die
127added: jüdische Schule besuchten.
128added:
129added: Die
130added: Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu
131added: schicken, wenn keine jüdischen Schulen am Ort waren. Vom
132added: Religionsunterricht waren sie allerdings befreit Für den jüdischen
133added: Religionsunterricht sorgte dann der Rabbiner.
134added:
135added: In
136added: der Schulstatistik der Rössinger Grundschule fanden sich nur
137added: Angaben.über den Zeitraum von 1898 bis 1911. Frühere Angaben über
138added: jüdische Schulkinder waren nicht aufzufinden.
139added:
140added: 1898-1900 kein
141added: jüdisches Kind
142added:
143added: 1901 2
144added: jüdische Kinder
145added:
146added: 1904.24.Juli je
147added: 1 jüd. Kind in Kl. III und Kl. IV
148added:
149added: 1906.20.Juni 3
150added: jüdische Kinder
151added:
152added: 1911.24.Mai 1
153added: jüdisches Kind
154added:
155added: Quellen:
156added: NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 431 und 432
157added:
158added: Niedersächsisches Jahrbuch 1989
159added:
160added: Rössinger Schulchronik Band 2
161added:
162added: ---
163added:
164added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8903.html).*
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1added: ---
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4added: title: "Familienschicksale"
5added: sidebar_label: "Teil 13 – Familienschicksale"
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7added: description: "Familienschicksale; Die ersten Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle Israel Levin Blumenthal I Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat"
8added: ---
9added:
10added: **Familienschicksale;**
11added:
12added: **Die ersten
13added: Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle**
14added:
15added: **Israel Levin
16added: Blumenthal  I**
17added:
18added: Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat sich während
19added: der gelockerten Bestimmungen in der Franzosenzeit , also zu Beginn des 19.
20added: Jahrhunderts,  in Rössing angesiedelt.
21added: Israel Levin war ein Schlachter aus Barnten, Amt Steuerwald, der den Namen
22added: Blumenthal angenommen hatte und vom Schlachten und Kleinhandel lebte.
23added:
24added: **Der Schutzbrief**
25added:
26added: Am 16. Februar 1814 wird er in einer Liste als
27added: unvergeleiteter jüdischer Einwohner in der Vogtei Rössing aktenkundig, weil er
28added: einen Schutzbrief beantragt hat. Die Behörde fragt an, ob der Antragsteller
29added: Blumenthal „*schutzwürdig*“ sei. Der
30added: Bürgermeister bzw. Vogt Opitz stellt ihm ein gutes Führungszeugnis aus und
31added: befürwortet Blumenthals Antrag.
32added:
33added: Am 31.Mai 1814 wird Israel Levin Blumenthal I  ohne weitere Beanstandungen mit dem
34added: Schutzbrief versehen. Er soll vier Reichsthaler jährlich bezahlen, aber
35added: Bürgermeister Opitz teilt dem Amt gleich mit, dass Blumenthal nur in der Lage
36added: sei, höchstens zwei Reichsthaler aufzubringen.
37added:
38added: Im nächsten Jahr erhält Blumenthal eine Zahlungsaufforderung
39added: über zwei Reichs-thaler, doch wegen Armut wird ihm die Zahlung erlassen. 1817
40added: wird wegen des Schutzgeldes erneut eine Anfrage von Amts wegen gestellt und vom
41added: Bürgermeister beantwortet:
42added:
43added: *"Gegen
44added: seinen Lebenswandel ist nichts zu sagen, aber er hat wegen*
45added:
46added: *Armut
47added: bisher kein Schutzgeld bezahlt."*
48added:
49added: Und so geht es weiter, bis die Behörde im Jahre 1824
50added: feststellt, dass Blumenthal seit der Erteilung des Schutzbriefes 1814 überhaupt
51added: noch keine Zahlung geleistet hat.  1825
52added: muss er zum ersten Mal zwei Reichsthaler bezahlen und das nun Jahr für Jahr
53added: -  bis 1842 das Schutzgeld im Königreich
54added: Hannover aufgehoben wird.
55added:
56added: **Familiengründung**
57added:
58added: 1824 leben im ganzen Amte Calenberg 176 Juden, davon etwa 15
59added: in Rössing. Die jüdische Bevölkerung wird von Zeit zu Zeit behördlich in
60added: statistischen Erhebungen  gesondert
61added: erfaßt.
62added:
63added: Im Jahr 1816 war Israel Levin Blumenthal I  36 Jahre alt, seine Frau Hanne Meyer 30 und
64added: ihr erster Sohn Israel Levin Blumenthal II drei Jahre.  1819 wird dem Ehepaar ein zweiter Sohn geboren,
65added: Meyer Blumenthal.
66added:
67added: 1
68added:
69added: Quelle: NHSA   Sign.
70added: Hann 74 Cal  Nr.423   Nr.425 
71added: Nr.431
72added:
73added: **Israel Levin Blumenthal II**
74added:
75added: Über
76added: Israel Levin Blumenthal II, den ältesten Sohn des ersten Blumenthal in Rössing,
77added: ist nicht viel bekannt. Er ist 1813 geboren und von Beruf Schlachter, wie schon
78added: sein Vater. Er ist verheiratet mit Jette Blumenthal, geb. Abraham Heinemann.
79added: Doch wo genau die Blumenthals in Rössing wohnten und ihr Gewerbe betrieben, ist
80added: aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Über Hauseigentum verfügten sie zu diesem
81added: Zeitpunkt noch nicht.
82added:
83added: Nachdem Simon Neuberg verstorben ist, folgt ihm Levin
84added: Blumenthal II 1855 als Synagogenvorsteher der hiesigen kleinen jüdischen
85added: Gemeinde nach. Am 3. Januar 1873 stirbt Jette Blumenthal und ihr Mann muss als
86added: Synagogenvorsteher ihren Tod in den Sterbelisten selbst beurkunden. Israel
87added: Levin Blumenthal II  stirbt 1881. Sein
88added: Grabstein ist einer der wenigen, die auf dem jüdischen Friedhof in Rössing
89added: heute noch erhalten sind. Ob das Ehepaar Kinder hatte, ist nicht bekannt. In
90added: den Akten werden sie nicht erwähnt und Hinweise auf Grabsteine lassen sich
91added: nicht mehr finden.
92added:
93added: Quelle:
94added: NHSA  Sign. Hann 74 Nr. 431
95added:
96added: **Meyer Blumenthal**
97added:
98added: 1819 wird Meyer Blumenthal als zweiter Sohn von Israel Levi
99added: Blumenthal I und seiner Frau Hanne Meyer geboren. Dieser Meyer Blumenthal ist
100added: der Stammvater aller weiteren in Rössing ansässigen Blumenthals, bis die
101added: Familie 1942 dem Holocaust zum Opfer fällt.
102added:
103added: Er wird Schlachter - wie schon sein Vater und sein sechs
104added: Jahre älterer Bruder Israel Levi Blumenthal II.
105added:
106added: Im Jahre 1852 kauft Meyer Blumenthal ein Haus, die
107added: Anbauerstelle Nr. 116, heute
108added:
109added: Maschstr. Nr. 22, und richtet dort eine Schlachterei ein. Im
110added: selben Jahr heiratet er, 33 Jahre alt, Line Holländer aus Bergen, ebenfalls 33
111added: Jahre alt. Eindeutig werden als seine Eltern in der Trauungsliste Israel Levin
112added: Blumenthal l und Hanne Meyer angegeben. Am 16. März 1853 stirbt ein kleiner
113added: Junge mit Namen Israel Blumenthal im Alter von 21 Wochen am
114added: „Nervenfieber".Als dessen Eltern werden Meyer Blumenthal und Helene Bach
115added: genannt.
116added:
117added: Diese beiden Vorgänge lassen sich auf den ersten Blick nicht
118added: ohne weiteres zusammenbringen. Aber da helfen die heute noch auf dem jüdischen
119added: Friedhof vorhandenen Grabsteine weiter. Offensichtlich war das Verhältnis von
120added: Meyer Blumenthal mit Helene Bach nur eine folgenreiche, voreheliche Episode.
121added: Denn die 1819 geborene Line Blumenthal, die er 1852 geheiratet hatte, war und
122added: blieb die Ehefrau von Meyer Blumenthal und wurde die Mutter seiner beiden
123added: ehelichen Kinder, während Helene Bach nicht wieder in den Akten auftaucht.
124added:
125added: Die Tochter Johanne Blumenthal wird 1855 geboren und der
126added: Sohn Moritz drei Jahre später, 1858. Ihre Mutter Line stirbt 1884 und wird an
127added: der Seite ihres zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Mannes Meyer Blumenthal
128added: beigesetzt. In welchem Jahr Meyer Blumenthal gestorben ist, läßt sich leider
129added: auf dem sehr verwitterten Grabstein nicht mehr entziffern.
130added:
131added: 1852 umfaßt die jüdische Gemeinde 18 Personen in Rössing.
132added: Diese werden aber nur summarisch aufgezählt, nicht namentlich. Die meisten
133added: davon gehören zweifellos zu den beiden jüdischen Familien Neuberg und
134added: Blumenthal, bei den anderen handelt es sich höchstwahrscheinlich um
135added: Hauspersonal und sonstige Angestellte der beiden Familien.
136added:
137added: Quelle: NHSA Sign.Hann 74 Nr. 431
138added:
139added: **Das Haus Nr.
140added: 116,  heute Maschstraße Nr.22**
141added:
142added: Bei dem Haus Nr. 116, das Meyer Blumenthal 1852 gekauft hat,
143added: handelt es sich um eine typische Anbauerstelle, zu der weder Ackerland noch ein
144added: größerer Garten gehören. Es ist ein kleines Haus am Rande des Dorfes. Aber
145added: schon der Erwerb eines Hauses ist erst seit 1847 offiziell durch eine Ergänzung
146added: der „Emanzipationsakte“ von 1842 gestattet und ein Riesenschritt in der
147added: Gleichberechtigung der Juden im Königreich Hannover.
148added:
149added: An der Entwicklung des Brandkatasters können wir die
150added: Wertsteigerungen des Hauses und den 
151added: wachsenden bürgerlichen Wohlstand der Familie erkennen. Der Vorbesitzer
152added: des Hauses war Carl Brandes; das Baujahr ist nicht ersichtlich. In den ersten
153added: 10 Jahren nach dem Erwerb des Hauses durch Meyer Blumenthal im Jahre 1852
154added: werden größere bauliche Maßnahmen durchgeführt, zweifellos ein Hinweis auf den
155added: Umbau zur Schlachterei, denn der Versicherungswert wird 1861 von 750 auf 1.200
156added: Reichsthaler hochgestuft. Es fällt auf, daß an dem Haus ständig Erhaltungs- und
157added: Wertverbesserungsarbeiten durchgeführt werden.
158added:
159added: 1877 erfolgt wieder eine bedeutende Erhöhung des Taxwertes.
160added: Nach der Umrechnung von Reichsthalern in Mark (1 Taler = 3 Mark) steigt er von
161added: 3.600 Mark auf 6.314 Mark.
162added:
163added: Außerdem werden ein Stall, Waschhaus und Wagenschuppen neu
164added: gebaut, Versicherungswert 344 Mark. Es werden also grössere Geldbeträge
165added: investiert.
166added:
167added: Auch unter Moritz Blumenthal, dem Sohn und Nachfolger von
168added: Meyer Blumenthal, geht die positive Entwicklung weiter.
169added:
170added: Quelle: NHSA Sign. Hann 330 Nr.51, 109, 879, 880
171added:
172added: ---
173added:
174added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in.html).*
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@@ -0,0 +1,183 @@
1added: ---
2added: title: "Familienschicksale: Moritz Blumenthal und seine Söhne"
3added: sidebar_label: "Teil 14 – Moritz Blumenthal und seine Söhne"
4added: sidebar_position: 14
5added: description: "Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater"
6added: ---
7added:
8added: **Familienschicksale : Moritz Blumenthal und seine Söhne**
9added:
10added: 1858, am 7. Dezember, wird Moritz Blumenthal geboren. Er
11added: wird Schlachter in Rössing, wie schon sein Vater, sein Grossvater und sein
12added: Onkel vor ihm. Am 26. Oktober 1892 heiratet er im Alter von 34 Jahren ein
13added: Fräulein Sophie Wallhausen aus Lüthorst, und es wird eine großartige Hochzeit
14added: gefeiert. Die mit riesigem Aufwand gedruckte 
15added: Hochzeits- zeitung ist noch erhalten.
16added:
17added: Dem
18added: Paar werden fünf Söhne geboren:
19added:
20added: 1893,
21added: 16.Oktober      Gustav Blumenthal
22added:
23added: 1895,
24added: 02. März          Karl Blumenthal
25added:
26added: 1897,
27added: 11. Oktober     Hermann Blumenthal
28added:
29added: 1900,
30added: 23. Juni           Robert Blumenthal
31added:
32added: 1901,
33added: 30. Dezember Willi Blumenthal.
34added:
35added: 1897 werden wieder erhebliche Geldmittel für Haus und Nebengebäude
36added: aufgewendet. Die Wagenremise und der Stall werden erneuert, und der Taxwert des
37added: Wohnhauses erhöht sich wieder um gut 1000 Mark auf 8387 Mark.
38added:
39added: 1907 erfolgt eine bedeutende Modernisierung der Schlachterei
40added: und auch das Wohnhaus wird noch einmal verbessert.
41added:
42added: Quelle: NHSA  Sign:
43added: Hann 174, Springe 162
44added:
45added: **Ein moderner Betrieb**
46added:
47added: Im Jahr 1907 bringt Moritz Blumenthal seine Schlachterei auf
48added: den modernsten Stand. Da der  Bau eines
49added: Kühlkellers wegen der Lage des Hauses in der Masch mit ihrem hohen Grundwasserstand nicht möglich ist,
50added: baut er oberirdisch einen Eisturm, der heute noch vorhanden ist. Ein
51added: doppelwandiger, ca. 5 m hoher Turm, dessen 8o cm breite Zwischenwände zur
52added: Isolierung mit Torf gefüllt sind, wird von der Seite durch eine oben
53added: befindliche Luke im Winter mit Eis gefüllt und hält ihn über den ganzen Sommer
54added: kühl. Das Dach und der daneben liegende Kühlraum werden ebenso ausgestattet.
55added:
56added: Wenn das Eis im Winter auf dem Schloßteich dick genug war,
57added: wurde es geschnitten und eingelagert. Im Winter galt Blumenthal als begehrter
58added: Arbeitgeber, beschäftigte er doch zeitweilig bis zu 15 Personen in der
59added: arbeitsarmen Zeit mit Eisschneiden. An der Sohle des Eisturms ist eine türgroße
60added: Öffnung zum Kühlraum, in dem das Fleisch auch im heißesten Sommer hervorragend
61added: gekühlt wurde. Es gab ja noch kein künstlich hergestelltes Stangeneis. Die  Schlachterei Moritz Blumenthal war weit und
62added: breit bekannt für ihr hervorragendes Fleisch. Wenn man ein besonders gutes
63added: Stück Fleisch haben wollte, kaufte man es bei Blumenthal. Natürlich gab es dort
64added: vorwiegend Rindfleisch und manchmal Hammelfleisch. Schweine wurden nicht
65added: geschlachtet oder verkauft. Die Rinder suchte sich Blumenthal bei den Bauern
66added: aus und war als hartnäckiger und harter Verhandlungspartner bekannt. Mit Pferd
67added: und Wagen fuhr er  über Land, sogar bis
68added: Hannover. Sein Fleisch verkaufte er in den umliegenden Dörfern, wo man an
69added: bestimmten Tagen schon auf ihn wartete.
70added:
71added: **Rituelles
72added: Schlachten**
73added:
74added: Die linke Hälfte des Erdgeschosses wurde als Schlachterei
75added: genutzt. Das heutige große Schaufenster gab es noch nicht. Fensterläden zur
76added: Straßenseite schützten vor Sonneneinstrahlung.
77added:
78added: Das Schlachten der Rinder erfolgte nach dem jüdischen
79added: Ritualkodex. Dazu kam extra ein Schächter als Kultbeamter aus Pattensen oder
80added: auch aus Hannover. Mit Pferd und Wagen wurde er vom Bahnhof Barnten abgeholt.
81added: In einem besonderen Kasten, ähnlich  wie
82added: ein Geigenkasten, brachte er das Messer zum Schächten mit, das nicht die
83added: geringste Scharte aufweisen durfte. Geschlachtet wurde in dem Raum, der einen
84added: Eingang von der linken Hofseite aus hat. Von der Hofmauer aus schauten die
85added: Dorfjungen manchmal bei der Zeremonie zu, die sie als sehr grausam empfanden.
86added: Mit Ketten wurden die Tiere an den Füßen gefesselt, durch eine Winde zu Fall
87added: gebracht und ohne Betäubung Halsschlagader, Speise- und Luftröhre durchtrennt,
88added: um eine völlige Ausblutung zu erreichen.
89added:
90added: Das Schächten wurde im NS-Deutschland, am 21.4.1933,
91added: verboten. Durch Verord-nungen der Militärregierungen von 1946 und 1947 wurde es
92added: wieder zugelassen.
93added:
94added: Auch die jüdischen Beerdigungen erweckten das Interesse der
95added: Dorfjugend, weil sie  anders waren als
96added: die hier üblichen. Besonders die Särge fielen ihnen auf. Sie hatten keinen
97added: hochgewölbten Deckel und waren aus unbearbeitetem Holz.
98added:
99added: **Karl Blumenthal
100added: und seine Brüder**
101added:
102added: In Rössing wußte man bisher nur von drei Brüdern, Karl,
103added: Robert und Willi, die in den 1920er und 1930er Jahren voll in der
104added: Dorfgemeinschaft integriert waren. Daß es noch zwei weitere Brüder Blumenthal
105added: gab, Gustav (geb. 1893), und Hermann (geb. 1897) war bisher in Rössing unbekannt.
106added: Von der Existenz dieser beiden Brüder erfuhr man erst fast 100 Jahre später
107added: durch Kurt Blumenthal, den Enkel von Gustav, als er Im Jahre 2008 auf den
108added: Spuren seiner Ahnen ihre Gräber in Rössing besuchen wollte. Er überließ mir ein
109added: Exemplar der 2003 von seinem Vater Werner verfaßten Familienchronik, durch die
110added: wir umfassende Informationen über die Schicksale der einzelnen
111added: Familienmitglieder erhielten.
112added:
113added: Gustav und Hermann Blumenthal haben Rössing schon jung
114added: verlassen und wurden sehr erfolgreiche und wohlhabende Geschäftsleute in
115added: Bochum. Das Startkapital stammte wohl vom Vater Moritz, denn sie wurden
116added: Besitzer oder Teilhaber der Firma Gebr. Koppel 
117added: später Heymann & Co, eines großen Geschäfts-oder Kaufhauses der Textilbranche,
118added: was ihnen einen recht luxuriösen Lebensstil ermöglichte mit Tennisspiel,
119added: Reitstunden im Tattersall, Urlaubsreisen und einem Auto mit Chauffeur.
120added:
121added: Dadurch, daß sie Rössing frühzeitig verließen und sehr
122added: wohlhabend wurden, entgingen sie wahrscheinlich dem Schicksal ihrer drei
123added: Brüder, denn ihnen gelang noch rechtzeitig die Ausreise in die USA.
124added:
125added: Nach „Arisierung“ ihres Geschäftes und KZ-Aufenthalt gelang
126added: Hermann Blumenthal 1940 die kostspielige „Auswanderung“ in die USA, von wo aus
127added: er durch Stellung einer Bürgschaft ein Visum für seinen Bruder Gustav mit
128added: Familie besorgen konnte und ihnen so die Flucht aus Nazi-Deutschland im August
129added: 1942 in letzter Minute ermöglichte.
130added:
131added: .
132added:
133added: Die andern drei Brüder wuchsen in Rössing heran und teilten
134added: das Dorfleben bis ins Erwachsenenalter. Karl und Willi wurden Schlachter wie
135added: ihre Vorfahren und arbeiteten im väterlichen Betrieb, während Robert, der an
136added: einer Bechterewschen Wirbelsäulenverkrümmung litt , einen kaufmännischen Beruf
137added: ergriff.
138added:
139added: **Der Erste
140added: Weltkrieg**
141added:
142added: Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, rief nicht nur der „*Centralverein deutscher Staatsbürger
143added: jüdischen Glaubens*", sondern auch die „*Zionistische Vereinigung für Deutschland"* zur
144added: Vaterlandsverteidigung auf, letztere mit den Worten:
145added:
146added: ***"****Wir rufen Euch auf, im Sinne des alten jüdischen
147added: Pflichtgebots mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Vermögen, Euch dem
148added: Dienste des Vaterlandes hinzugeben."*
149added:
150added: Die ganze Familie war deutsch-national eingestellt, und die
151added: drei ältesten Blumenthal-Brüder Gustav, Hermann und Karl folgten dem Aufruf und
152added: meldeten sich als Kriegsfreiwillige. Hermann wurde Unteroffizier und am 17.
153added: Oktober 1917 wurde ihm
154added:
155added: *„von* Sr. *Majestät vom Kaiser und König das Eiserne
156added: Kreuz II. Klasse* verliehen“.
157added:
158added: Alle drei Brüder hatte das Erlebte geprägt, aber sie hüteten
159added: ihr deutsches Nationalbewusstsein. Hermann war stolz auf seine
160added: Kriegs-Auszeichnung und bewahrte die Verleihungsurkunde sein Leben lang auf.
161added:
162added: Die Blumenthals lebten in Rössing als alteingesessene
163added: Bürger, nahmen am Dorfleben teil und traten nach außen hin recht bescheiden
164added: auf. Auf dem Erinnerungsfoto an das Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr
165added: von 1928  sind Karl und Willi Blumenthal
166added: mit verewigt und bei den geselligen Zusammenkünften des im Jahre 1900
167added: gegründeten  „Klub Frohsinn" war
168added: Willi Blumenthal ebenfalls mit von der Partie, wie ein Foto von 1932 zeigt
169added: (siehe Bildband „Rössing, unser Dorf im Wandel"). Karl, Mitte der 20er
170added: Jahre mit Henny Hartogsohn (geb. 1899) aus Emden verheiratet,  hatte mit ihr zwei Kinder – Hanna, geb. am 6.
171added: März 1928,  und Hans-Jürgen, der am 7.
172added: November 1931 geboren wurde.
173added:
174added: Karl Blumenthal, einer der besten Sänger im Gesangverein
175added: „Concordia“, wurde 1935 aus rassistischen Gründen ausgeschlossen. Karl Pahl,
176added: der 1. Vorsitzende des Vereins, hatte mehrfach erfolglos zugunsten von Karl
177added: Blumenthal interveniert. Man setzte ihn höheren Ortes so unter Druck, daß er
178added: schließlich nachgeben mußte, weil er sonst selbst in größte Schwierigkeiten
179added: gekommen wäre.
180added:
181added: ---
182added:
183added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_24.html).*
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@@ -0,0 +1,104 @@
1added: ---
2added: title: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern"
3added: sidebar_label: "Teil 15 – Ferien bei den Großeltern"
4added: sidebar_position: 15
5added: description: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern: Werner Blumenthal erzählt Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.192"
6added: ---
7added:
8added: **Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern:**  **Werner Blumenthal erzählt**
9added:
10added: Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr  2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.1923)
11added: in der Rückschau, wie er die Schulferien in den 1920er und 1930er Jahren
12added: zusammen mit seiner Schwester Lore bei seinen Großeltern Sophie und Moritz
13added: Blumenthal und den Brüdern seines Vaters in Rössing erlebt hat.
14added:
15added: *---
16added: Das einfache und arbeitsreiche Leben auf dem Lande – etwa einen Kilometer vom
17added: Haus entfernt bewirtschafteten sie zugleich einen Acker (11/4 Morgen)– hatte
18added: sie geprägt und zu geachteten Mitgliedern der dörflichen Gemeinde gemacht.*
19added:
20added: *Sie
21added: hatten fünf Söhne, mein Vater Gustav war der älteste von ihnen. Danach kamen
22added: Karl, Hermann, Robert und Willi. Schon die Wahl der Namen ihrer Kinder verweist
23added: darauf, dass sie trotz ihres bewusst und strikt gelebten Judentums
24added: uneingeschränkt und selbstverständlich Deutsche waren.*
25added:
26added: *Die
27added: Kneipe gegenüber ihrem Haus war für die männlichen Familienmitglieder ebenso
28added: sozialer Treffpunkt wie für den Rest der Einwohner des Dorfes. –*
29added:
30added: *---
31added: Oma Sophie hatte gewiss kein leichtes Leben. Familie, fünf Kinder, Haus und
32added: Laden zu  bewirtschaften, dazu noch
33added: Garten und „Land“. Der koschere Haushalt verlangte zusätzliche Mühe durch die
34added: gebotene strenge Trennung zwischen „fleischigen“ und „milchigen“ sowie
35added: sonstigen Lebensmitteln und dem dazugehörigen Geschirr, Besteck usw.*
36added:
37added: *---Freitagsabends
38added: wurde auf feierliche Weise mit dem Abendessen in der guten Stube der Sabbat
39added: eingeläutet. Oma zündete die beiden Kerzen an und segnete die „Challe“, den
40added: selbstgebackenen geflochteten Mohnstuten, der zunächst unter einer geklöppelten
41added: Zierdecke lag. Jeder bekam ein Stück und aß es mit Salz zur Feier des Tages.---*
42added:
43added: *---Des
44added: öfteren begleitete ich Onkel Karl zur Arbeit auf dem Stück Land, auf dem
45added: vornehmlich Kartoffeln und diverse Gemüse für den Hausbedarf angebaut wurden.
46added: Mit Freude und viel Anstrengung zog ich den kleinen Bollerwagen dorthin, ein
47added: gutes Stück auf der Landstraße entlang. Damals bestand noch kaum die Gefahr,
48added: von einem Auto angefahren zu werden. Für mich als Stadtkind war es fast eine
49added: Offenbarung, eine frische Möhre aus dem Beet ziehen und sie essen zu können,
50added: Salat zu schneiden, Kartoffeln auszubuddeln.---*
51added:
52added: Werner Blumenthal erinnert sich lebhaft an die ungeheizten
53added: Schlafkammern im Winter, das dicke Federbett, auf dem sich bis zum Morgen durch
54added: die Atemluft eine richtige dünne Eisschicht bildete - und an das eisig kalte
55added: Plumpsklo. Aber besonders beeindruckt hat ihn offensichtlich der Besitz eines
56added: eigenen Stück Landes, durfte doch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kein Jude nach
57added: dem Gesetz Acker- oder Gartenland besitzen.
58added:
59added: Willi Blumenthal, der jüngere Bruder von Karl, war auch
60added: Schlachter, arbeitete bei seinem Vater in der Metzgerei und belieferte mit
61added: Pferd und Wagen Kunden in der näheren und weiteren Umgebung, wobei Werner ihn
62added: begleiten durfte. Außerdem besaß er ein Motorrad und brauste gern mit ihm auf
63added: dem Soziussitz durch die Gegend.
64added:
65added: Moritz Blumenthal starb 193O, und Karl übernahm die Schlachterei,
66added: während  Moritz‘ Frau Sophie noch bis
67added: 1938 lebte. Diese beiden sind die letzten, die auf dem jüdischen Friedhof
68added: beerdigt wurden.
69added:
70added: Nach einer Liste der jüdischen Einwohner vom 1.10.1935  umfaßte der Haushalt noch folgende Personen:
71added:
72added: Name                
73added:  Vorname             Beruf              Geburtstag    Geb.Ort          Bemerkungen
74added:
75added: 1. Blumenthal  Karl                        Schlachter     
76added: 2.  3. 1895   Rössing
77added:
78added: 2.          "           Henny                     Ehefrau         22.11. 1899   Emden
79added:
80added: 3.         "           
81added: Hanna                     Tochter           
82added: 6   3. 1928   Rössing
83added:
84added: 4.            "         Hans-Jürgen          Sohn               
85added: 7.11. 1931   Rössing
86added:
87added: 5.            "         Sophie                    Witwe             18. 
88added: 4. 1866   Lüthorst
89added:
90added: 6.             "        Willi                          Sohn
91added: zu 5     30.12. 1901   Rössing         verzogen
92added: n..
93added:
94added: 7.Gaup            Auguste                  Hausangest.   2.  3. 1910   Roßlau
95added: a,d,Elbe
96added:
97added: 8 Blumenthal             Robert Sohn zu 5  Kaufmann    23.  6. 1900   Rössing            
98added: "
99added:
100added: Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 174 Springe Nr. 162
101added:
102added: ---
103added:
104added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5173.html).*
Addedunterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/16-familienschicksale-terror-gegen-familie-blumenthal.md+140 -0
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1added: ---
2added: title: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal"
3added: sidebar_label: "Teil 16 – Terror gegen Familie Blumenthal"
4added: sidebar_position: 16
5added: description: "Familienschicksale: Terror gegen Familie Blumenthal Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „"
6added: ---
7added:
8added: **Familienschicksale:
9added: Terror gegen Familie Blumenthal**
10added:
11added: Die Veränderung des Denkens gegen Juden machte auch vor dem
12added: Dorf Rössing nicht halt, und schon vor Hitlers „Machtergreifung“ wuchs die
13added: Angst in der Familie. Sofort nach dem 30. Januar 1933 setzten die
14added: staatspolitischen Maßnahmen ein. Am 1. April 1933 verkündete Julius Streicher
15added: den organisierten Judenboykott. Der Titel auf der ersten Seite des „Stürmers“,
16added: dem wüsten Hetzblatt der SA, lautete:
17added:
18added: *Wer
19added: beim Juden kauft, ist ein Volksverräter*
20added:
21added: Und so prangte es an allen Litfasssäulen.Das blieb , auch in
22added: Rössing, nicht ohne Wirkung. Blumenthals Schlachterei ging zurück. Am 9.
23added: November 1938, als die Synagogen brannten und in einer organisierten Aktion die
24added: jüdischen Geschäfte und Wohnungen demoliert und geplündert wurden, wurden auch
25added: Blumenthals ein Opfer der Hetze. Augenzeugen berichteten, dass ein ortsfremder
26added: Autofahrer aus Richtung Nordstemmen kam, vor ihrem Haus anhielt und mit der
27added: Anlasserkurbel die geschlossenen hölzernen Fensterläden und die Scheiben
28added: zerschlug. Ein paar Jungen, die das mit angesehen hatten, fanden das aufregend
29added: und schmissen noch ein paar Steine hinterher, während die Familie Blumenthal
30added: total verängstigt auf ihren Betten im Schlafzimmer saß.
31added:
32added: Schon seit 1936 durften jüdische Kinder nicht mehr am
33added: Schulsportfest teilnehmen, und ab 1937 wurde ihnen der Besuch der allgemeinen
34added: Lehranstalten ganz verboten. Von den beiden Kindern Hanna, Jahrgang 1928, und
35added: Hans-Jürgen Blumenthal, Jahrgang 1931, konnte Hanna noch drei Jahre die
36added: Rössinger Schule besuchen. Die jüdische Kultusgemeinde in Hannover versuchte
37added: durch kulturelle Maßnahmen die weitere Schulbildung der Kinder zu übernehmen
38added: und Hanna wurde am 12. April 1937 nach Hannover abgemeldet.
39added:
40added: Als sich nach dem 9. November 1938 niemand mehr getraute bei
41added: Blumenthals zu kaufen, mußten sie die Schlachterei schließen. Damit löste sich
42added: auch der geschlossene Familienverband der Blumenthals auf. Die Oma war
43added: gestorben, Hanna war in Hannover, Karl Blumenthal fand eine Stelle als Arbeiter
44added: beim Betonwerk R. Grasdorf in Hannover Wülfel, und die Familie lebte still und
45added: zurückgezogen und so unauffällig wie möglich im Dorf.
46added:
47added: **Druck und
48added: Diskriminierung**
49added:
50added: 1935 waren den Juden ihre Staatsbürgerrechte aberkannt
51added: worden. Punkt 4 in Hitlers Parteiprogramm lautete:
52added:
53added: *Volksgenosse
54added: kann nur sein, wer arischen Blutes ist,*
55added:
56added: *also
57added: kann kein Jude Volksgenosse sein.*
58added:
59added: Damit waren die Juden rechtlos wie im Mittelalter und
60added: unbegrenzt besteuerbar. Nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 wurden
61added: sie mit einer Sondersteuer belegt als Strafe dafür, wie es hieß, daß der Jude
62added: Herschel Grynspan den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris
63added: erschossen hatte. Außerdem wurde die Kennzeichnung von jüdischen Pässen
64added: angeordnet. Sie wurden auf der Aussenseite mit einem 3 cm großen J versehen und
65added: die Passinhaber damit für alle sichtbar als Juden gekennzeichnet.
66added:
67added: Viele Juden bemühten sich um Auswanderung, dabei wurden
68added: Teile ihres Vermögens als Sonderabgabe einbehalten.
69added:
70added: Diese betrug bei Vermögen
71added:
72added: bis       1.000 RM      nichts
73added:
74added: 1.000  5.000 RM      0,5
75added: %
76added:
77added: 5.000  10.000.RM    1,0
78added: %
79added:
80added: Bei einem Vermögen von 800 000 RM bis 1 Mio RM wurde sie als
81added: Reichsfluchtsteuer bis auf 10 % gesteigert.
82added:
83added: Eine Reihe von Schriftstücken der Gestapo (Geheimen
84added: Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit befassten, wie mit den
85added: Juden verfahren werden sollte, waren so brisant, daß sie mit dem Stempel
86added: „streng vertraulich“ versehen wurden.
87added:
88added: Manchmal wurde die Ausreise der Juden von den Behörden
89added: gefördert, manchmal erschwert. Einmal weist der Reichsführer der SS die Gestapo
90added: an, daß die Landräte ab 1.Januar 1939 keine Dringlichkeitsbescheinigungen für
91added: Auslandsreisen jüdischer Mitbürger mehr ausstellen dürfen ; das hätte die
92added: Ausreise beschleunigt. So hat man mehr Zeit, sich die jüdischen Vermögen
93added: anzueignen.
94added:
95added: Am 28.Februar 1939 wird die Förderung der Auswanderung
96added: minderbemittelter Juden angeordnet. Ohne Vermögen waren sie uninteressant und
97added: man wollte sie loswerden.
98added:
99added: Aber auch das Ausland sperrte sich gegen die Aufnahme vor
100added: allem armer Juden. Verwandte mußten Bürgschaften übernehmen, andere hatten kaum
101added: eine Chance auszureisen.
102added:
103added: Am 1.September 1941 erging der Befehl zum sichtbaren Tragen
104added: des etwa 10 cm großen gelben Judensterns und zur Führung israelitischer
105added: Vornamen für die Juden.
106added:
107added: **Zwangsverkauf des
108added: Hauses**
109added:
110added: Am 24. Juni 1939 ergingen vom Landrat in Springe an alle
111added: jüdischen Familien Verkaufsaufforderungen betreffend ihrer Immobilien. Karl
112added: Blumenthal hatte schon am 6. Juni 1939 sein Haus an Otto Altendorf verkauft ,
113added: nicht freiwilllig, versteht sich. Bei diesen Zwangsverkäufen mußten die
114added: arischen Käufer die Verkaufssumme an den Staat bezahlen. Von der Verkaufssumme
115added: erhielten die Verkäufer nur einen Bruchteil, das meiste behielt der Staat ein.
116added: Daher kamen nach dem Krieg die Differenzen zwischen den Alteigentümern und den
117added: Käufern, die in der Regel alles noch einmal bezahlen mussten.
118added:
119added: Blumenthals durften in ihrem Hause nur noch eine kleine
120added: Küche und zwei Zimmer bewohnen. Trotz ihres früheren guten Leumunds mied man
121added: die Familie.
122added:
123added: Inzwischen war Krieg, die Lebensmittel wurden rationiert und
124added: die Juden bekamen erheblich kleinere Rationen auf ihre Lebensmittelkarten. Zwar
125added: gab es auch Beweise von nachbarschaftlicher Hilfe, etwa, wenn ihnen heimlich an
126added: der Hintertür beim Melken ihre Kanne mit Milch gefüllt wurde oder die andern
127added: Hausbewohner einen Topf mit Mittagessen hinstellten. Aber es durfte keiner
128added: sehen, alle hatten Angst, als „Volksverräter" zu gelten. Die Familie des
129added: Schäfers Schmieding stand Todesängste aus, weil dieser für die Blumenthals ein Schaf
130added: geschlachtet hatte.
131added:
132added: Alle Tiere waren registriert und es wurde kontrolliert, ob
133added: die Anzahl der registrierten Tiere stimmte. Bei Opa Harke am Leinkamp ging es
134added: um Ziegen, als Karl Blumenthal eines Abends verstohlen an sein Fenster klopfte:
135added: „Kannst Du mir nicht noch einmal eine Ziege verkaufen?“ Aber diesmal ging es
136added: nicht. Der Enkel, der das damals mit ansah, berichtete es unter Tränen.
137added:
138added: ---
139added:
140added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1866.html).*
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1added: ---
2added: title: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland"
3added: sidebar_label: "Teil 17 – Jugendtransporte ins Ausland"
4added: sidebar_position: 17
5added: description: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland . Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausl"
6added: ---
7added:
8added: **Familienschicksale:
9added: Jugendtransporte ins Ausland**
10added:
11added: .
12added:
13added: Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im
14added: NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausland. Es gab ausländische
15added: Organisationen, die Hilfsprogramme für gefährdete Jugendliche in Deutschland
16added: organisierten. Wenn den Eltern die Ausreise noch nicht gelang, sahen sie darin
17added: eine Chance, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Das geschah mit
18added: Billigung der NS-Behörden.
19added:
20added: Auch die beiden Kinder von Gustav Blumenthal in Bochum,
21added: Werner und Lore, kamen in den Genuß solcher Maßnahmen, die Kinder ins
22added: europäische Ausland zu evakuieren, um sie dem Zugriff der Nazis zu entziehen.
23added:
24added: Nachdem der Besuch der öffentlichen Schulen für jüdische
25added: Kinder verboten war, wurde Werner Blumenthal von seinem Vater nach Berlin
26added: gebracht, wo er in einer jüdischen Bildungsanstalt einen praktischen Beruf
27added: erlernen sollte. Nach der sog. Kristallnacht am 9. November 1938 wurde er von
28added: Berlin aus nach England geschickt. Mit Beginn des Krieges wurde er dort aber
29added: als feindlicher Ausländer interniert und nach Kanada verbracht, wo er fünf
30added: Jahre hinter Stacheldraht saß, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehren
31added: konnte.
32added:
33added: Seine Schwester Lore kam in ein holländisches Kloster, bevor
34added: die Deutschen in die Niederlande einfielen, während sich ihre Eltern krampfhaft
35added: um eine Ausreisemöglichkeit bemühten. Sie litt furchtbar unter Heimweh und
36added: fühlte sich todunglücklich. Als die Eltern glaubten, eine Ausreisechance nach
37added: Kuba zu haben, durfte sie zurückkommen. Aber diese Chance zerschlug sich wie so
38added: viele, und erst zum 27. Mai 1941 erhielten sie ihr Visum zur Einreise in die
39added: USA, die sie nach dramatischen Zwischenfällen am 25. August 1941 erreichten.
40added:
41added: Die Kinder von Karl Blumenthal,  Hanna und Hans-Jürgen,  hatten nicht so viel Glück. Sie hielten sich
42added: wiederholt längere Zeit in Hannover auf. Einmal war Hanna „Auf dem Emmerberg
43added: 31“ gemeldet und seit dem 7.4.1939 in Ahlem in der Israelitischen Gartenbauschule,  wo sie noch Schulunterricht erhielt,
44added: zeitweilig zusammen mit ihrem Bruder Hans-Jürgen. Das Mädchenheim der Schule
45added: war im März 1941 von der Feuerschutzpolizei belegt worden, dann richtete die
46added: Stadt Hannover dort ein Ausweichkrankenhaus ein. Seit Ende 1941 dienten das
47added: Direktorenhaus und andere Gebäude der Schule als Sammellager für die Juden der
48added: Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, die in osteuropäische
49added: Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert werden sollten. Am 23. Juli
50added: 1942 wurde sie ganz geschlossen und von der Gestapo übernommen.
51added:
52added: Der Landrat forderte am 23. Dezember 1941 und am 30. Januar
53added: 1942 noch einmal genaue Angaben über die Familie Blumenthal und den Aufenthalt
54added: der Kinder an, die zu diesem Zeitpunkt wieder in Rössing waren. Sie wurden
55added: einige Wochen später zusammen mit ihren Eltern nach Polen deportiert.
56added:
57added: Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß nach dem 2. Weltkrieg
58added: wurde festgestellt, daß am 31.Juli.1941 der Befehl zur sog. „Endlösung"
59added: der Judenfrage durch Vernichtung erteilt worden sei. Dieses Datum wird aber
60added: heute in Frage gestellt. Die NS- Gesetzgebung war schon viel früher auf  den Holocaust perspektiviert.
61added:
62added: ---
63added:
64added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_3785.html).*
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1added: ---
2added: title: "Familienschicksale: Der letzte Teil der Tragödie beginnt"
3added: sidebar_label: "Teil 18 – Der letzte Teil der Tragödie"
4added: sidebar_position: 18
5added: description: "Familienschicksale: Der letzte Teil der Tragödie beginnt Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landra"
6added: ---
7added:
8added: **Familienschicksale:
9added: Der letzte Teil der Tragödie beginnt**
10added:
11added: Eine Reihe von „streng vertraulichen“ Schriftstücken der
12added: Gestapo (Geheimen Staatspolizei) an den Landrat in Springe, die sich damit
13added: befassten, wie  mit den Juden verfahren
14added: werden sollte, wurden nur den obersten Spitzen der Behörden zugestellt. Die
15added: untergeordneten Instanzen bekamen immer nur Teilaufträge, so daß die Wenigsten
16added: den  schaurigen Weg, den die Juden gehen
17added: mußten, vollständig übersehen konnten.
18added:
19added: Am 25. März 1942 
20added: werden der Familie Blumenthal vier Verfügungen zugestellt, für jedes
21added: Familienmitglied eine. Sie hätten sich drei Tage später, am 28. März 1942, zum
22added: Abtransport mit einem LKW bereitzuhalten. Es handelt sich um Karl (47), seine
23added: Frau (43), Tochter Hanna (14) und Sohn Hans-Jürgen (11).
24added:
25added: *Jeder
26added: zu evakuierende Jude muß mitbringen*
27added:
28added: *1.)
29added: 1 Koffer oder Rucksack mit Ausrüstungsstücken*
30added:
31added: *(kein
32added: sperrendes Gut) bis 50 kg*
33added:
34added: *2.)
35added: Vollständige Bekleidung (ordentliches Schuhwerk)*
36added:
37added: *Bettzeug
38added: mit Decken (keine Matratzen)*
39added:
40added: *3.)
41added: Transportverpflegung für etwa 3 Tage,*
42added:
43added: *Essgeschirr
44added: (Teller oder Topf mit Löffel)*
45added:
46added: Offiziell hieß es, es ginge zum Arbeitseinsatz nach Polen.
47added: Ein LKW mit Anhänger sammelte die Juden aus dem Landkreis Springe auf
48added: vorgeschriebener Route am 28. März 1942 im Laufe des Vormittags ein. Die
49added: zweiköpfige Begleitmannschaft musste von der Gendarmerie gestellt werden, nicht
50added: von einer uniformierten NS-Organisation. Der Abtransport wäre sonst wohl
51added: weniger problemlos verlaufen. Der Transport ging zunächst zur Israelitischen
52added: Gartenbauschule nach Hannover-Ahlem. Dort war ein Sammellager
53added: eingerichtet,  und am 31.März 1942, also
54added: drei Tage später, ging ein Transportzug vom Bahnhof Fischerhof nach Trawniki
55added: bei Lublin ab.
56added:
57added: Die nüchterne Sprache der aufgefundenen Aktenstücke ist
58added: erschreckend, wenn man weiß, daß es sich um eine Reise ohne Wiederkehr
59added: handelte.
60added:
61added: Das vierseitige „vertrauliche“ Schreiben der Gestapo vom 19.
62added: März 1942 an den Landrat betr. der „Abwanderung" der Juden nach Trawniki
63added: bei Lublin in Polen, der die Einzelheiten der Abschiebung regelt, ist im
64added: Original erhalten. Da die Originalschriftstücke auf sehr schlechtem, vergilbtem
65added: Kriegspapier geschrieben  sind, werden
66added: hier nur einige Auszüge zitiert:
67added:
68added: Seite 1
69added:
70added: *Der
71added: Transportzug D a 6 (sogenannter Koppelzug) wird fahrplanmäßig*
72added:
73added: *am
74added: 31.März 1942 um 12,12 Uhr in Gelsenkirchen eingesetzt und trifft mit 400 Juden
75added: der Staatspolizeileitstelle Münster um 18,15 Uhr in Hannover, Bahnhof
76added: Fischerhof, ein. Hier erfolgt die Zuladung der für Hannover (bzw. Hildesheim) abzuschiebenden
77added: 500 Juden und die Einrangierung der benötigten Güterwagen und des B-Wagens für
78added: das Begleitkommando der Schutzpolizei. Um 18,36 Uhr fährt der Transportzug nach
79added: Braunschweig weiter und trifft dort um 20,05 Uhr ein. Die
80added: Staatspolizeileitstelle Braunschweig ladet die von ihr vorgesehen Juden (116)
81added: und das zugehörige Gepäck zu, so daß die endgültige Weiterfahrt des D a
82added: 6-Transportzuges nach Trawniki bei Lublin um 20.16 Uhr erfolgen kann.*
83added:
84added: *Die
85added: Auswahl der von der Maßnahme betroffenen Juden für die Regierungsbezirke
86added: Hannover und Hildesheim trifft die Staatspolizeileitstelle Hannover.*
87added:
88added: ***Nicht abgeschoben werden******zunächst:***
89added:
90added: 1.    In deutsch-jüdischer Mischehe lebende
91added: Juden
92added:
93added: 2.    Juden ausländischer einschließlich
94added: sowjetrussischer Staatsangehörigkeit-----
95added:
96added: 3.    In geschlossenen kriegswichtigen
97added: Arbeitseinsatz befindliche Juden------
98added:
99added: Seite 2 / 3
100added:
101added: *Ehetrennung,
102added: sowie Trennung von Kindern bis zu 14 Jahren von den Eltern ist zu vermeiden.*
103added:
104added: ***Jeder abzuschiebende Jude hat sein
105added: Bargeld, seine Wertpapiere, Sparkassenbücher, sonstige Wertgegenstände, wie
106added: Schmucksachen, Ringe, Halsketten, Armbänder usw. bei seiner Festnahme bei sich
107added: zu führen. Alle diese Gegenstände werden ihm bei der Durchsuchung der Koffer
108added: und der Leibesvisitation im Sammellager Ahlem abgenommen. Keinesfalls dürfen Juden
109added: Bargeld oder Wertgegenstände auf dem Transport mitnehmen. Nur Eheringe dürfen
110added: den Juden belassen werden.***
111added:
112added: *Für
113added: die aus dem Regierungsbezirk Hildesheim abzuschiebenden Juden werden vorstehend
114added: bezeichnete Sachen von der Außenstelle Hildesheim bereits in eigener
115added: Zuständigkeit abgenommen.*
116added:
117added: *Alles
118added: bewegliche und unbewegliche Vermögen der abzuschiebenden Juden wird mit
119added: Rückwirkung vom 1.3.1942 staatspolizeilich beschlagnahmt und eingezogen. Die
120added: Verwertung des eingezogenen Judenvermögens wird der Oberfinanz-präsident
121added: durchführen.*
122added:
123added: *Über
124added: die Kosten des LKW-Transportes wird der Gestapo vom Landkreis eine Rechnung
125added: zugestellt.*
126added:
127added: Der Befehl für diesen LKW-Transport wurde nicht schriftlich
128added: erteilt, sondern bezog sich auf eine mündliche Anweisung vom 10. Januar 1942,
129added: die die Gestapo dem Landrat übermittelt hatte.
130added:
131added: Quelle: NHSA Hann 174 Springe 162
132added:
133added: In der Einwohnerliste der Juden in Rössing wurden die Namen
134added: dann einfach durchgestrichen. Unter “Bemerkungen“ steht bei jedem Einzelnen:     „*evakuiert
135added: am 28. März.1942“*
136added:
137added: Der Gendarmerieeinzelposten Rössing vermeldet ganz lapidar
138added: dem Landrat am 29. März.1942 Vollzug mit dem Bericht, daß die Familie
139added: Blumenthal in Rössing am 28. März.1942 nach dem Osten abtransportiert worden
140added: ist.
141added:
142added: Quelle: NHSA  Hann 174
143added: Nr. 162
144added:
145added: **Nachtrag**
146added:
147added: Bei ihrem Abtransport ahnte Familie Blumenthal noch nicht,
148added: was ihr bevorstand. Sie glaubten an einen Arbeitseinsatz in Polen und daß man
149added: sie dort in Polen zusammen ansiedeln würde. Frau Blumenthal hatte ihre
150added: Nähmaschine in die Gepäckaufbewahrung zum Bahnhof Barnten gebracht, eine
151added: Nachbarin sollte sie ihr nachschicken, wenn sie ihre neue Adresse hätte, damit
152added: sie sich durch Nähen etwas dazuverdienen könnte. Was wirklich geschah, hätte
153added: sich niemand vorstellen können.
154added:
155added: Karl Algermissen aus Rössing hat als Soldat in Polen Karl
156added: Blumenthal noch einmal in der Nähe von Warschau bei Gleisarbeiten in einem
157added: erbärmlichen Zustand getroffen: „Karl, was machst Du denn hier?“ fragte er ihn
158added: ganz entsetzt. „Geh weiter, geh weiter“ sagte dieser nur. Am nächsten Tag
159added: wollte Algermissen ihm etwas zu Essen bringen, aber er hat Karl Blumenthal
160added: nicht wieder getroffen. Das war das letzte Lebenszeichen von der Familie
161added: Blumenthal. Wie sie alle gestorben sind, wissen wir nicht.
162added:
163added: Der Hausrat der Familie Blumenthal wurde auf dem Hof ihres
164added: Hauses versteigert und der Erlös dem Finanzamt zugeführt.
165added:
166added: ---
167added:
168added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_1400.html).*
Addedunterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/19-die-schicksale-der-vier-anderen-brueder.md+92 -0
@@ -0,0 +1,92 @@
1added: ---
2added: title: "Die Schicksale der vier anderen Brüder"
3added: sidebar_label: "Teil 19 – Die vier anderen Brüder"
4added: sidebar_position: 19
5added: description: "Die Schicksale der vier anderen Brüder Robert Blumenthal Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit i"
6added: ---
7added:
8added: **Die Schicksale der vier anderen Brüder**
9added:
10added: **Robert Blumenthal**
11added:
12added: Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen
13added: kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit in Wiesbaden. Mit seiner Frau Edith
14added: hat er zwei Kinder. Ab Juli 1934 wohnt er wieder in Rössing, am 8.6.1936 zieht
15added: die Familie nach Hannover, wohnt in der  
16added: Nordmannstrasse 11. Später lebt die Familie in der Josephstraße 2., in
17added: einem Haus, in dem  jüdischen Familien
18added: zusammengezogen werden. Am 15. Dezember 1941 wird die Familie mit dem ersten
19added: Transport, der in einem Vernichtungslager endete, nach Riga verbracht und kommt
20added: dort um.
21added:
22added: Quelle: Erinnerungsblatt der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem
23added:
24added: **Willi Blumenthal**
25added:
26added: Roberts ein Jahr jüngerer Bruder Willi hatte 1933   in eine Schlachterei in Horn (Lippe)
27added: eingeheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Die Kinder und die Mutter sind vom
28added: Terrorregime des NS  ermordet worden.
29added: Willi Blumenthal hatte ein besonderes Schicksal.
30added:
31added: Er war als KZ-Häftling in Frankreich zum Bau von Befestigungsanlagen
32added: eingesetzt worden und sollte, als er nicht mehr arbeitsfähig war, zusammen mit
33added: seinen Leidensgenossen in Güterwaggons nach dem Osten zur Vernichtung
34added: abtransportiert werden. Irgendwie schaffte er es, sich eine Zange zu
35added: organisieren. Auf dem Weg durch Belgien gelang es ihm, damit den Waggon
36added: aufzubrechen und aus dem fahrenden Zug zu springen. Belgische Bauern fanden und
37added: versorgten ihn, bis die Amerikaner im Frühjahr 1945 einrückten und er befreit
38added: wurde.
39added:
40added: Als er sich nach Kriegsende mit seinen Brüdern in den USA in
41added: Verbindung setzt, ermöglichen sie ihm die Ausreise nach Amerika. Er arbeitet
42added: dort wieder als Metzger und heiratet noch einmal. Willi Blumenthal besucht noch
43added: einmal seine Heimat in Rössing, 1983 
44added: stirbt er in New York.
45added:
46added: **Hermann Blumenthal**
47added:
48added: Er war der zweitälteste der fünf Brüder und nicht
49added: verheiratet. Er wohnt zeitlebens bei der Familie seines ältesten Bruders
50added: Gustav, mit dem ihn eine enge geschäftliche und menschliche Beziehung
51added: verbindet. In Bochum sind sie Inhaber oder Teilhaber eines größeren
52added: Textilgeschäftes oder -kaufhauses und sehr wohlhabend. Nachdem die Nazis sie
53added: enteignet und ihr Geschäft „arisiert“ haben, 
54added: eröffnen sie ein kleines Etagengeschäft für Stoffe und Kurzwaren. Als
55added: ihnen am 9. November 1938 auch diese Existenz zerstört wird und sie ins
56added: Konzentrationslager nach Sachsenhausen gebracht werden, schmieden sie, als sie
57added: nach sechs Wochen entlassen werden, notgedrungen Auswanderungspläne.
58added:
59added: Hermann erlernt in weiser Voraussicht das Schweißen, um sich
60added: eventuell mit einem handwerklichen Beruf durchzuschlagen - was sich als sehr
61added: nützlich erwies, als ihm im Frühjahr 1940 die Ausreise in die USA nach
62added: Überwindung großer Schwierigkeiten gelingt. Dort findet er wirklich Arbeit als
63added: Schweißer und arbeitet an zwei Stellen, um die Bürgschaften für seinen Bruder
64added: und dessen Familie zusammen zu bringen, damit auch sie in die USA ausreisen
65added: können.
66added:
67added: **Gustav Blumenthal**
68added:
69added: Gustav Blumenthal lebte mit seiner Familie in sehr guten
70added: Verhältnissen, bevor der Terror gegen die Juden das glückliche Familienleben
71added: zerstört. Sein Sohn Werner muß als Fünfzehnjähriger Schüler, ebenso wie seine
72added: drei Jahre jüngere Schwester Lore, das Gymnasium verlassen. Er besucht dann
73added: eine „ORT-Schule“ bei Berlin, um eine Schlosserlehre zu machen. Mit Hilfe eines
74added: internationalen Schutzprogramms für gefährdete Jugendliche gelangt er noch  vor Beginn des Krieges nach England. Seine
75added: Eltern sieht er erst 1946 wieder. Seine Schwester Lore kommt, ebenfalls mit
76added: einem Kinderschutzprogramm, 
77added: vorübergehend nach Holland.
78added:
79added: Als sich Gustav Blumenthal, dem Vater, die Chance bietet,
80added: eine Stellung in einem Reisebüro bei Hapag-Lloyd zu bekommen, schafft er es mit
81added: Glück und einem nicht legalen Trick , eine Schiffs-Passage für sich und die
82added: Familie zu erhalten. Im Sommer 1941 reist die Familie in die USA aus und
83added: schwört, niemals im Leben wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen – sie
84added: haben diesen Schwur gehalten und können es absolut nicht verstehen, als ihr
85added: Sohn Werner wieder nach  Deutschland
86added: zurück will. Sie leben bis zu ihrem Tode in New York. Gustav stirbt 1966 mit 73
87added: Jahren,  Hermann 1978 mit 81 Jahren und
88added: Gustavs Frau Erna 1982 mit 87 Jahren.
89added:
90added: ---
91added:
92added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5058.html).*
Addedunterlagen/dorfgeschichte/juedische-geschichte/20-schicksale-weiterer-juedischer-mitbuerger.md+298 -0
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1added: ---
2added: title: "Schicksale weiterer jüdischer Mitbürger"
3added: sidebar_label: "Teil 20 – Weitere Schicksale"
4added: sidebar_position: 20
5added: description: "Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland. Lore Blumenthal berichtet 1995: Ich schreibe diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner."
6added: ---
7added:
8added: # Familienschicksale: Dramatische Flucht aus Nazi-Deutschland.
9added:
10added: #
11added:
12added: # Lore Blumenthal berichtet 1995:
13added:
14added: *Ich schreibe
15added: diesen Bericht hauptsächlich für meinen Bruder Werner. So oft ich auch
16added: versuchte ihm davon zu erzählen, was damals geschah, konnte ich mein Vorhaben
17added: nicht zu Ende bringen. Zugleich hoffe ich, mir hiermit das Geschehen von der
18added: Seele schreiben zu können.*
19added:
20added: *\*          \*          \**
21added:
22added: *In der Nacht des 8. November 1938, vielmehr
23added: in den frühen Morgenstunden des 9. November – es war etwa 2 Uhr – schellte es
24added: ohne Unterbrechung. Man hatte ein Streichholz neben den Klingelknopf geklemmt.
25added: Man versetzte uns zunächst in Schrecken, während man dabei war, eine andere
26added: Wohnung in der Nähe zu demolieren.*
27added:
28added: *Papa brachte
29added: Mutti, Opa und mich ganz leise auf den Dachboden und schloß uns dort in einen
30added: kleinen Raum ein. Er selbst und Hermann blieben unten in der Wohnung.*
31added:
32added: *Endlich hatten die
33added: Nazis ihr Werk weiter unten auf der Straße beendet und nun waren wir an der
34added: Reihe: Etwa 20 bis 25 SA-Leute jagten Papa und Hermann aus unserer Wohnung ins
35added: Treppenhaus. Dort mußten sie mit dem Gesicht zur Wand und hoch erhobenen Händen
36added: stehen bleiben. Die SA-Leute trugen alle hölzerne oder stählerne Knüppel bei
37added: sich (wahrscheinlich waren es die üblichen Gummiknüppel, Anm. d. Verfassers).
38added: Ob sie Papa oder Hermann geschlagen haben, weiß ich nicht. Keiner von beiden
39added: hätte uns davon erzählt.*
40added:
41added: *Oben auf dem Boden
42added: hörten Mutti und ich lautes Krachen und wir zitterten am ganzen Leibe. Opa war
43added: doch taub und so war es nicht leicht, ihn zu beruhigen, zumal wir uns ihm in
44added: der Dunkelheit nicht verständlich machen konnten. Nach den längsten zwei
45added: Stunden in unserm Leben wurde es wieder ruhig und Papa kam, um uns zu holen.*
46added:
47added: *Als wir in unsere
48added: Wohnung kamen, sahen wir, dass alles kaputtgeschlagen war. Überall lag
49added: zerbrochenes Glas. Papa sagte zu Mutti: Alles ist ruiniert. Muttis Antwort:
50added: Hauptsache, dass dir nichts passiert ist.!*
51added:
52added: *Jedes Bild war
53added: zerschnitten, jedes Einrichtungsteil zerschlagen. Silber, sowie Bettwäsche
54added: waren aus dem Fenster geworfen, Muttis Schmuck war gestohlen worden. Man konnte
55added: sich nirgends hinsetzen, da alles voller Glasscherben war. Wir versuchten ein
56added: wenig wegzuräumen, damit Mutti sich etwas hinlegen konnte. Inzwischen dämmerte
57added: es schon.*
58added:
59added: *Ich schaute aus dem bleiverglasten, bunten Fenster in Opas
60added: Zimmer, wo ich selbst nicht gesehen werden konnte. Von dort aus sah ich, wie
61added: die Synagoge brannte.*
62added:
63added: *Gegen 8 oder 9 Uhr
64added: vormittags kam wieder eine Horde SA-Leute und verhafteten Papa und Hermann.
65added: Sie, wie alle andern männliche Juden in Bochum, brachte man auf die
66added: Polizeiwache.*
67added:
68added: *An diesem Tag
69added: hatten die Kinder schulfrei. Etliche folgten einem SA-Mann, der mal bei uns
70added: angestellt gewesen war, und der sie aufforderte, Steine in unsere Wohnung zu
71added: werfen und so noch das letzte heile Glas zu zertrümmern. Wir schlossen alle
72added: Türen und verbrachten die meiste Zeit des Tages im Flur, damit wir nicht selbst
73added: von Steinen getroffen wurden. Da wir die Nacht nicht in der Wohnung verbringen
74added: konnten, gingen wir eine Etage höher zu Lyons, die uns erlaubten, in ihrer
75added: Küche zu schlafen. Am nächsten Tag halfen Karl-Heinz und Frau Müller uns bei
76added: dem Versuch aufzuräumen.*
77added:
78added: *Wenige Tage nach
79added: ihrer Verhaftung wurden Papa und Hermann in Viehwagen in das KZ Sachsenhausen
80added: bei Berlin transportiert. Erstmals musste Mutti allein die Verantwortung für
81added: uns tragen.*
82added:
83added: *Zu dieser Zeit war
84added: Werner in Berlin, ging dort zur ORT-Schule, um eine Schlosserlehre zu machen.
85added: Er war gerade 15 Jahre alt – aber die Gestapo in Bochum suchte ihn. Kurz darauf
86added: ergab sich für 10 Jungen der ORT – Schule die Möglichkeit, mit einem
87added: Kindertransport nach England auszureisen. Werner sollte dabei sein. Mutti war
88added: bemüht, ihn sicher auf den Transport zu bringen. Als dann der Krieg ausbrach,
89added: wurden Werner und die andern Jugendlichen zu „feindlichen Ausländern“, später
90added: interniert und für einige Jahre in Kanada hinter Stacheldraht verbannt.*
91added:
92added: *In Bochum war
93added: Mutti immer wieder zur Gestapo gegangen 
94added: -   das fiel ihr
95added: verständlicherweise sehr schwer  -, um sich
96added: nach Papa und Hermann zu erkundigen. 
97added: Nach etwa sechs Wochen sagte man ihr, dass Papa entlassen würde, was
98added: dann auch passierte.*
99added:
100added: *Als Papa das KZ
101added: Sachsenhausen verlassen konnte, war sein erster Weg zu der Adresse, wo Werner
102added: in Berlin gewohnt hatte. Dort erfuhr er, dass dieser nach England emigriert
103added: war. Das traf ihn zunächst schwer, doch zugleich war er glücklich, seinen Sohn
104added: in Sicherheit zu wissen. Endlich kam Papa nach Hause. Seine Haare waren
105added: abrasiert, sein Anzug kaum wieder zu erkennen, so zerknittert war er. In
106added: Sachsenhausen hatte man alle Kleider in irgendeiner Desinfektionsmaschine so
107added: behandelt, dass sie nie wieder glatt werden konnten. Etwa zwei Wochen später
108added: kam auch Hermann.*
109added:
110added: *-   Es begannen
111added: verstärkt die Mühen, eine Ausreisemöglichkeit aus Deutschland zu finden. Papa
112added: versuchte es mit jedem erdenkbaren Land: Argentinien, Chile, Brasilien  usw. Aber alle Staaten hatten ihre Grenzen
113added: geschlossen. In ihrer Verzweiflung beschloß die Familie, einen illegalen Ausweg
114added: zu finden. Man wollte nachts durch den Wald über die Grenze nach Belgien
115added: marschieren. Menschen, die uns „über die grüne Grenze“ brngen wollten, waren
116added: gefunden, bezahlt und alles war vorbereitet. In letzter Minute gab Papa einer
117added: bösen Ahnung nach und es wurde entschieden, die Sache abzublasen. Alle Leute,
118added: die in dieser Nacht den gleichen Weg wählten, wurden erfasst und erschossen.*
119added:
120added: *Juden durften nur noch zwischen vier und fünf Uhr
121added: nachmittags einkaufen. Da alle Lebensmittel schon rationiert waren, gab es um
122added: diese Zeit kaum noch etwas zu kaufen. Einige Läden weigerten sich auch, uns zu
123added: bedienen. Nichtjüdische Freunde sorgten dafür, dass wir dennoch bekamen, was
124added: wir brauchten.*
125added:
126added: *1939 wurde ich mit
127added: einem Kindertransport nach Holland geschickt. Es war für mich eine schreckliche
128added: Zeit. Ich hatte furchtbares Heimweh.*
129added:
130added: *Kurz nach meiner
131added: Abreise nach Holland beschlagnahmte die Gestapo unsere Wohnung. Die SS brauchte
132added: sie. Zu unserm Glück hatten wir so gute Freunde wie Lewkonjas, die Mutti, Papa
133added: und Hermann bei sich aufnahmen. Opa hatte die Familie bereits in ein Altersheim
134added: eingekauft, in der Hoffnung, dass er dort seinen Lebensabend unter
135added: seinesgleichen verbringen könnte. Er kam dennoch nach Theresienstadt und kam
136added: dort um.*
137added:
138added: *Papa war damit beschäftigt, vielen jüdischen Familien in
139added: Bochum bei dem vielen Papierkram zu helfen, der zur Emigration anfiel. Die
140added: Hapag, ein Reisebüro in Essen, hatte ihn angestellt; so konnte er den
141added: Auswanderern bei der Beschaffung ihrer Passagen behilflich zu sein.*
142added:
143added: *Endlich konnte Papa Visa für Kuba bekommen. Die Gestapo
144added: liess mich grosszügig aus Holland zurückkommen -  für drei Tage! - ,um dann mit der Familie
145added: nach Kuba auszureisen. Hermann holte mich an der Grenze ab. Als wir zu Hause
146added: ankamen, machte uns Mutti die Türe auf. Sie war weiss wie ein Gespenst. Gerade
147added: hatten sie die Nachricht erhalten, dass auch Kuba seine Grenzen geschlossen
148added: hatte.*
149added:
150added: *Was mich betraf:
151added: Ich war glücklich, wieder bei der Familie sein zu können. Da die Gestapo wußte,
152added: dass wir verzweifelt versuchten auszuwandern, machte man uns keine zusätzlichen
153added: Schwierigkeiten. Zu dieser Zeit mußte jeder jüdische Mann den Namen Israel,
154added: jede Frau den Namen Sara annehmen.*
155added:
156added: *Eines Tages wurde
157added: allen polnischen Juden befohlen, binnen zwei Stunden zur Deportation auf dem
158added: Bahnhof zu erscheinen. Sie durften jeweils nur einen Koffer mitnehmen. Mutti,
159added: Papa und Hermann sowie auch Lewkonjas stellten Tische auf dem Bahnsteig auf;
160added: Mutti, und Grete Lewkonja schmierten Brote für die Betroffenen, Papa und die
161added: andern halfen ihnen bei ihrem Gepäck. In ihrer Aufregung und der Eile hatten
162added: sie die unwichtigsten Dinge eingepackt. Papa sorgte dafür, dass möglichst jeder
163added: eine Decke und warme Kleidung dabei hatte anstelle unnützer Dinge.*
164added:
165added: *An diesem Abend
166added: ließ Papa jeden von uns einen Koffer packen – nur warme und feste Kleidung.
167added: Diese Koffer sollten unter den Betten und immer bereit bleiben.*
168added:
169added: *Damals gab es fast
170added: nächtlich Bombenangriffe und wir verbrachten die meiste Zeit im
171added: Luftschutzkeller. Wir gingen angezogen ins Bett, da wir sonst zum Anziehen
172added: keine Zeit haben würden. Manchmal stand ich im Dunkeln mit Papa am Fenster und
173added: wir beobachteten Luftkämpfe zwischen deutschen und britischen Fliegern.*
174added:
175added: *Nun suchte Papa
176added: nach Wegen, in die USA zu kommen. Da wir dort keine Verwandten hatten,
177added: brauchten wir dazu erhebliche Bürgschaften. Unser guter Freund Felix Röttgen,
178added: der bereits in Amerika war, schlug vor, dass Hermann erst allein kommen solle.
179added: Es wäre leichter, eine Bürgschaft für eine Person zu bekommen und würde für uns
180added: einfacher, da wir dann ja einen Verwandten dort hätten.*
181added:
182added: *Hermann fuhr
183added: schließlich allein, mit schwerem Herzen. Seit vielen Jahren trennte er sich
184added: erstmals von uns, seiner Familie. Als er erst einmal dort war, gelang es ihm
185added: mit Felix, ausreichende Bürgschaften für uns zu bekommen.*
186added:
187added: *Als schliesslich unsere Quotennummer beim amerikanischen
188added: Konsulat an die Reihe kam forderte man uns auf, zu einem bestimmten Zeitpunkt
189added: dort zu erscheinen. Wir sollten einen Beweis vorlegen, daß wir im Besitz einer
190added: Überfahrtsbuchung waren. Was Papa uns erst viel später erzählte: Er hatte eine
191added: Scheinbuchung gemacht, die aber die Unterschrift des Hapag-Managers trug. In
192added: seinem Vertrauen zu Papa  hatte er die
193added: Papiere unterschrieben ohne zu wissen, dass sie falsch waren. Während der
194added: ganzen Zeit hatte Papa auch Geld an die Hapag in Madrid für uns überwiesen, um
195added: damit eines Tages eine echte Passage nach Amerika buchen zu können.*
196added:
197added: *Schließlich fuhren
198added: wir nach Stuttgart zum amerikanischen Konsulat. Unsere Fingerabdrücke wurden
199added: registriert und wir mussten zu einer ärztlichen Untersuchung. Vor lauter Angst
200added: war ich leichenblass, worauf Mutti mich ständig in die Wangen kniff, damit ich
201added: gesunder aussehe. Sie selbst half sich mit etwas mehr Rouge.*
202added:
203added: *Wir erhielten
204added: unsere Visa zur Einreise in die USA am 27. Mai 1941. Onkel Pitz brachte uns zum
205added: Flughafen. Es war schwer, Abschied zu nehmen. Wir wussten aber, dass Pitzens
206added: Nummer bald an die Reihe kommen und er uns nachfolgen würde. Als es sich von
207added: Papa verabschiede flüsterte er ihm zu: Gestern Abend hat das amerikanische
208added: Konsulat seine Pforten geschlossen. Das hiess, : Es gab keine Visa mehr für die
209added: USA. Da Papa ja wusste, wie sehr Mutti an ihrem Bruder hing, hat er ihr diese
210added: Nachricht erst einmal verschwiegen.*
211added:
212added: *Wir durften jeder
213added: 10 US-$ und nur einen Koffer mitnehmen. Mutti und ich hatten darum so viele
214added: Sachen angezogen, dass ich kaum gehen, geschweige denn atmen konnte.*
215added:
216added: *Nun waren wir
217added: endlich in der Maschine. Erste Landung: Münschen. Alle Passagiere mußten
218added: aussteigen und plötzlich waren wir drei ausgesondert, um von Kopf bis Fuss
219added: durchsucht zu werden. Mit all den Kleidungsstücken am Leib brauchte ich
220added: verständlicherweise sehr lange, um mich auszuziehen. Endlich durften wir wieder
221added: an Bord. Beim Abflug sagte Papa:“ Atmet tief durch, wir sind raus. Die nächste
222added: Landung ist in Lyon.“ Als wir dort landeten, kam uns als erstes ein SS-Mann vor
223added: die Augen. Zum Glück wurden wir nicht belästigt.*
224added:
225added: *Es ging weiter
226added: nach Madrid. Mir war die ganze Zeit über schlecht – kein Wunder, da ich vor
227added: lauter Kleidung kaum atmen konnte. In Madrid waren es fast 40° C, es war Juni.
228added: Ich entledigte mich darum erst einmal aller Anziehsachen bis auf ein Kleid.*
229added:
230added: *Papa hatte in
231added: Madrid für ein Hotelzimmer vorgesorgt, wiederum durch die Hapag, wir wussten
232added: also, wohin. In diesem Hotel wohnten auch zahlreiche andere Flüchtlinge. Am
233added: nächsten Tag bemühte sich Papa bei der Hapag um eine Passage in die USA.*
234added:
235added: *Nach einigen
236added: Wochen war endlich ein Schiff gefunden, das Platz für uns hatte. Es würde aber
237added: ab Lissabon fahren. Ich glaube, sein Name war „Balboa“. Nun ging es wieder Tag
238added: für Tag zur Jagd auf ein Visum ins portugiesische Konsulat. Und von Woche zu
239added: Woche verschob sich der Abfahrtstermin des Schiffes. Schliesslich sollte es
240added: übermorgen um 5.30 Uhr nachmittags ab Lissabon losgehen.*
241added:
242added: *Am nächsten Tag
243added: erhielten wir endlich unsere Visa für Portugal sowie einen Flug, der mittags um
244added: eins aus Madrid nach Lissabon starten sollte. Damit konnten wir gerade noch
245added: rechtzeitig das Schiff erreichen. Nun – wir kamen in ein kräftiges Gewitter.
246added: Der Pilot bemühte sich, dem Unwetter auszuweichen, hatte dann aber nicht mehr
247added: genug Treibstoff!. Kannst du dir Mutti vorstellen im Flugzeug bei einem
248added: Gewitter?!*
249added:
250added: *Wir mussten
251added: Notlandung in Casanez machen.  Dort gab
252added: es nur eine kleine Landebahn, nur einen Krug voll Wasser, aber kein Benzin. Das
253added: musste erst aus Madrid besorgt werden. Man brachte uns auf Kosten der
254added: Fluggesellschaft in einem Hotel unter. Die Räume waren aber voller Ungeziefer
255added: und wir blieben die ganze Nacht auf. Natürlich hatte inzwischen unser Schiff
256added: den Hafen ohne uns verlassen. Am nächsten Tag kam das Benzin und wie konnten
257added: weiterfliegen.*
258added:
259added: *In Lissabon brachte Papa Mutti und mich wieder in ein Hotel
260added: und ging sofort zur „Hias“, um Hilfe zu bekommen. Als erstes holte man uns aus
261added: dem offenbar teuren Hotel heraus und brachte uns bei einer jüdischen Familie in
262added: Lissabon unter.*
263added:
264added: *Die „Hias“ ist
265added: eine jüdische Hilfsorganisation, die nicht nur jüdischen Menschen zur Verfügung
266added: steht sondern allen, die Hilfe brauchen. Jeden Tag ging Papa dort hin, um eine
267added: andere Passage aufzutreiben. Schliesslich sagte man ihm, dass schon morgen ein
268added: amerikanisches Schiff führe, dass aber nur eine Kabine zur Verfügung stehe. Wir
269added: hätten uns inzwischen schon mit einer halben Kabine begnügt. An Geld fehlten
270added: uns allerdings 35 US $. Die „Hias“ half uns aus und so konnten wir am 15.
271added: August 1941 An Bord der „Excalibur“ gehen. Der nächste Tag war mein Geburtstag
272added: und den durfte ich nun auf amerikanischem (Schiffs-)Boden feiern.*
273added:
274added: *Zehn Tage lang war
275added: ich seekrank, bis wir schliesslich am 25. August 1941 unser Ziel erreichten. Am
276added: frühen Morgen, bei der Einfahrt in den Hafen von New York, standen wir alle an
277added: Deck, um mit ungläubigen Augen die Dame des Hafens zu begrüssen, die
278added: Freiheitsstatue. Damals habe ich zum ersten Mal im Leben Papa weinen sehen. Der
279added: Mann, der nicht nur für uns, sondern auch für so viele Menschen ein Fels in der
280added: Brandung gewesen war, konnte endlich wieder tief durchatmen. Es war ein
281added: glücklicher Tag.*
282added:
283added: *Hermann, Felix und
284added: Lisa Röttgen empfingen uns am Pier. Sie brachten uns zum Haus des Rabbiners
285added: Steven Weiss. Dort wurden wir Neuankömmlinge untergebracht. Sie konnten dort
286added: kostenlos wohnen, bis sie Arbeit gefunden hatten und in der Lage waren, eine
287added: Wohnung zu mieten. Papa fand schon nach fünf Tagen Arbeit und Mutti wenige Tage
288added: danach. Ich übernahm die Haushaltspflichten. Als erstes schickte Papa die
289added: geborgten 35 $ an die „Hias“.. Über die Jahre haben wir ihnen noch manche
290added: Spende gesandt, damit sie weiter vielen Menschen helfen sollten.*
291added:
292added: *Ein weiterer
293added: glücklicher Tag wurde der 17. März 1947. An diesem Tag wurden wir als Bürger
294added: der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt.*
295added:
296added: ---
297added:
298added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-judische-geschichte-in-rossing-20.html).*
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1added: ---
2added: title: "Der jüdische Friedhof"
3added: sidebar_label: "Teil 21 – Der jüdische Friedhof"
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5added: description: "Der jüdische Friedhof Über den Ursprung des jüdischen Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts bekannt. Aber er ist mit Sicherhe"
6added: ---
7added:
8added: **Der jüdische
9added: Friedhof**
10added:
11added: Über den Ursprung des jüdischen
12added: Friedhofs an der alten Hildesheimer Straße, am Kirschenbrink, ist nichts
13added: bekannt. Aber er ist mit Sicherheit schon über 200 Jahre alt. Die jüdischen
14added: Friedhöfe auf den Dörfern wurden immer weitab vom Dorfmittelpunkt angelegt,
15added: häufig mitten in der Feldmark. Der hiesige Friedhof lag damals auch weitab.
16added: Durch die Ausdehnung des Dorfes liegt er heute schon am Rande des bebauten
17added: Gebietes. Aktenkundig wurde der Friedhof am 10. Februar 1813.
18added:
19added: Damals war der 56-jährige *Adam Oppenheimer* aus Gronau infolge eines Unglücksfalles beim
20added: Überschreiten der zugefrorenen und mit Schnee bedeckten Leine ertrunken. Bei
21added: Rössing war er gefunden und zu einem Hause im Eikenhof gebracht worden. Dort
22added: wurde er von zwei Gronauer Glaubensgenossen, dem Kaufmann Heine Dannenberg, 23
23added: Jahre alt, und Isaac Meier, 20 Jahre alt, im Beisein des Rössinger
24added: Bürgermeisters Georg Opitz, (Rössing Nr. 22) identifiziert und dann auf dem
25added: Rössinger Judenfriedhof beigesetzt.
26added:
27added: 1992 forschte ein Dr. *Arnold
28added: Oppenheimer* aus London nach den Gräbern seiner Vorfahren auf dem Rössinger
29added: Judenfriedhof, zu denen auch der ertrunkene Adam Oppenheimer gehörte. Er teilte
30added: mit, dass viele seiner Gronauer Vorfahren auf dem Rössinger Friedhof beerdigt
31added: seien, weil Rössing ein *Sammelfriedhof* gewesen
32added: sei*.* Darüber waren aber hier bisher
33added: noch keine Unterlagen aufgefunden worden. Doch es wäre einleuchtend, weil der
34added: Rössinger Friedhof für die kleine Rössinger Synagogengemeinde allein sehr groß
35added: gewesen wäre. Dr. Oppenheimer konnte es gar nicht fassen, dass die alten
36added: Grabsteine seiner Familie nicht mehr erhalten sind, denn die Gräber der Juden
37added: hatten eine ewige Liegezeit und wurden normalerweise nicht eingeebnet.
38added:
39added: Die Zeitspanne zwischen der Feststellung des Todes und der
40added: Bestattung war bei den Juden immer sehr kurz. Innerhalb von 24 Stunden mussten
41added: sie beerdigt werden, zumindest durften sie nicht mehr im Hause sein. Erst ca.
42added: 25 Jahre später nach diesem Todesfall, etwa 1840, wurde diese Frist auf 48
43added: Stunden verlängert, um zu verhindern, dass Scheintote oder im Koma Liegende bei
44added: lebendigem Leibe begraben wurden.
45added:
46added: Quelle:  NHSA  Hannover, Sign. Hann 74, Gronau 1660/1665
47added:
48added: # Schliessung der jüdischen Friedhöfe
49added:
50added: Am 31. Juli 1938 beantwortete die Gemeinde Rössing
51added: eine Anfrage der NS-Behörden, den jüdischen Friedhof betreffend:
52added:
53added: *„Der
54added: jüdische Friedhof ist 4,37 ar groß, Eigentümer ist die jüdische Gemeinde in
55added: Rössing. Die letzte Beerdigung war hier am 5. Juni 1938. Es sind noch etwa 25
56added: freie Begräbnisplätze vorhanden. Zur Zeit wohnt noch eine jüdische Familie
57added: Blumenthal mit vier Personen in Rössing.“*
58added:
59added: Karl Blumenthal hatte sich schon mit Wilhelm
60added: Freimann, dem Grenznachbarn des jüdischen Friedhofes, in Anbetracht der sich
61added: zuspitzenden Judenverfolgungen in Verbindung gesetzt. Wilhelm Freimann grenzte
62added: mit seinem Hausgrundstück Nr 132, heute als Nr. 45 der Kirchstraße zugeordnet,
63added: an den Judenfriedhof. Am 2. Juli 1940 wurde in Hannover zwischen dem
64added: Rechtsanwalt Dr. Hans Israel Ries als alleinigem Vorstand der jüdischen
65added: Kultusgemeinde, welche die Nachfolgerin der jüdischen Gemeinde in Rössing war,
66added: und Wilhelm Freimann ein Kaufvertrag mit folgendem Inhalt geschlossen:
67added:
68added: *Die Schlosser Wilhelm Freimann kauft den ganzen jüdischen Friedhof von*
69added:
70added: *4 ar 37m² für 218,50 RM. Der Käufer verpflichtet sich, während einer
71added: Liegefrist*
72added:
73added: *von 30 Jahren den mit Gräbern belegten Teil des Friedhofs unangetastet
74added: zu*
75added:
76added: *lassen und während der Liegefrist eine Grabpflege in angemessener Weise*
77added:
78added: *vorzunehmen, den Angehörigen während der Liegefrist Zutritt zum
79added: Friedhof zu*
80added:
81added: *geben, auch wenn sie nicht mehr in Rössing ansässig sind, ggf.die
82added: Beerdigung der z. Zt. in Rössing ansässigen Juden auf dem Friedhof zu gestatten
83added: und unter allen Umständen die Pietät in erforderlicher Weise zu wahren.*
84added:
85added: *Der Käufer hinterlegt den Kaufpreis beim Notar. Dieser übermittelt es
86added: an die Reichsvereinigung der Juden in Berlin, die zugunsten des (jüdischen)
87added: Gemeindevermögensfonds Rössing überweist.*
88added:
89added: *Wilhelm Freimann ist Arier im Sinne des Gesetzes.*
90added:
91added: *Unterschrift                           Unterschrift*
92added:
93added: Offenbar hatte man die Liegefristen für die
94added: jüdischen Gräber schon auf 30 Jahre beschränkt.
95added:
96added: Bei dieser Art Verträge war folgendes üblich:
97added:
98added: Als am 6. September 1940 das Synagogengrundstück in
99added: Eldagsen verkauft wurde, wurde der Vertrag ebenfalls vor Dr. Ries in Hannover
100added: abgeschlossen. Als sich die Synagogengmeinde über den geringen Verkaufspreis
101added: von 2.000 RM beschwerte, wurde ihr mitgeteilt, daß die Synagogengemeinde als
102added: Verkäuferin sowieso nur 500 RM davon bekäme, 1.500 RM gingen an das Reich als
103added: Ausgleichszahlung. Außerdem muß der Käufer noch 200 RM an den Makler bezahlen.
104added: So ähnlich wird es auch beim Verkauf des Rössinger Friedhofs zugegangen sein.
105added:
106added: Familie Freimann räumte den Friedhof auf und
107added: entfernte die umgefallenen und zerbrochenen Grabsteine. Im übrigen hielt sie
108added: ihn die ganzen Jahre in Ordnung, bis sie ihn nach dem Krieg entschädigungslos
109added: wieder an die jüdische Gemeinde in Hannover (Haeckelstraße 13) übereignen
110added: mußte, so war das Gesetz. Bis 1979 pflegte Familie Hachmeister-Freimann, nun
111added: gegen ein geringes Entgelt, den Friedhof weiter.
112added:
113added: Danach wurde eine Gärtnerei mit der Pflege
114added: beauftragt, die mehrmals im Jahr den Rasen mäht. Die Gräber sind mit Efeu
115added: bepflanzt, der auch geschnitten wird, und die Grabsteine wurden gereinigt.
116added:
117added: Der Friedhof wurde neu eingezäunt, er erhielt
118added: verschließbare Pforten, und ein holzgeschnitztes Schild „Judenfriedhof“ macht
119added: auf den etwas versteckten Standort. aufmerksam.
120added:
121added: .
122added:
123added: Quellen: NHSA Hannover, Sign: Hann 174, Springe Nr.
124added: 163 und Nr. 167
125added:
126added: Sechs alte Gräber und Grabsteine stehen noch auf dem
127added: Friedhof. Vier davon sind aus schon sehr verwittertem Sandstein. Neben den
128added: Namen und Daten auf der Vorderseite tragen sie auf der Rückseite umfangreiche
129added: hebräische Inschriften.
130added:
131added: **Lewi Blumenthal**                       **Meier Blumenthal**
132added:
133added: geb. 1813, gest. 1881                geb. 1819, gest. ---
134added:
135added: Sie waren die beiden Söhne des ersten Blumenthal
136added: Israel Lewi I in Rössing
137added:
138added: **Line Blumenthal**                                        **Johanne Blumenthal**
139added:
140added: geb. 1819, gest 1884                                 geb. 1855,
141added: gest. 1926
142added:
143added: die Frau von Meier Blumenthal
144added:               die Schwester von Moritz
145added: Blumenthal
146added:
147added: Der Grabstein von Moritz Blumenthal ist aus
148added: schwarzem Marmor, der von seiner Frau dagegen schon recht klein und bescheiden.
149added:
150added: Hier
151added: ruht in Gott                                          Hier
152added: ruht
153added:
154added: mein
155added: unvergesslicher Gatte                     unsere
156added: liebe Mutter
157added:
158added: und
159added: meiner Kinder                                     **Sophie Blumenthal**
160added:
161added: treusorgender Vater                                   geb.
162added: 18.4.1866
163added:
164added: **Moritz Blumenthal** gest. 4.5.1938
165added:
166added: geb. 7.12.1858
167added:
168added: gest. 17.11.1930
169added:
170added: Von den fünf Söhnen von Moritz und Sophie Blumenthal
171added: fand keiner mit seiner Familie die letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof
172added: seines Heimatdorfes. Hermann und Gustav mit seiner Frau sind in den USA
173added: geblieben und dort beerdigt, ebenso Willi.
174added:
175added: Robert wurde als erster am 15. Dezember 1941 mit
176added: Frau und Kindern nach Riga ins Ghetto transportiert, als Todesdatum wurde
177added: angegeben 26.März 1942. Karl und Familie wurden am 28. März nach Trawniki in
178added: Polen deportiert. Niemand weiß, wo sie geblieben sind und wie sie den Tod
179added: fanden.Und von Willis Frau und Kindern haben wir gar keine Daten. Nur der Name
180added: Blumenthal auf den sechs Grabsteinen erinnert noch an diese jüdische Familie,
181added: die fast 140 Jahre in Rössing gelebt hat.
182added:
183added: **Vier
184added: Stolpersteine**
185added:
186added: Die Gemeinde hat vor dem Hause der Blumenthals in
187added: der Maschstraße Nr. 22 zum Gedenken an ihre jüdischen Mitbürger am 19. November
188added: 2009 vier „*Stolpersteine“* durch
189added: Gunter Demnig verlegen lassen: In einer sehr würdevollen Feier in Anwesenheit
190added: von mehreren Mitgliedern der Familie Blumenthal wurden vier Messingplatten mit
191added: den Namen der einzelnen Familienmitglieder ins Pflaster vor dem Hause eingelassen.
192added: Es sind keine wirklichen Stolpersteine, sie sollen nur auffordern einen
193added: Augenblick des  Gedenkens innezuhalten.
194added:
195added: Trotz ihrer schrecklichen Schicksale sind die beiden
196added: Kinder von Gustav Blumenthal, Werner und Lore, wieder nach Deutschland
197added: zurückgekommen, um hier zu leben. Werner ist nach der Internierung in Kanada
198added: nach Herne gegangen, hat 1947 dort geheiratet und seine fünf Kinder leben alle
199added: in Deutschland – in Berlin, Hamburg und Herne. Von dort sind sie gekommen, um
200added: an der Feier teilzunehmen.
201added:
202added: Lore ist nach dem Tode der Mutter - mit ihrem
203added: amerikanischen Mann und dessen Mutter - ihrem Bruder nach Herne gefolgt. 1999 ,
204added: mit 73 Jahren, ist sie in Herne gestorben.
205added:
206added: ---
207added:
208added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5009.html).*
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7added: "description": "Eine 21-teilige Reihe von Helga Fredebold über die jüdische Geschichte Rössings von 1428 bis zur Schoa, mit den Familienschicksalen der Familie Blumenthal."
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2added: title: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge"
3added: sidebar_label: "Teil 1 – Unfreie Bauern und ein Abt"
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5added: description: "Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössin"
6added: ---
7added:
8added: **Unfreie Bauern auf kirchlichem Grundbesitz und ein Abt mit Gefolge**
9added:
10added: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt.
11added:
12added: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten.
13added:
14added: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“
15added:
16added: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen  nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1)
17added:
18added: **Liefertermine und Höhe der Abgaben**
19added:
20added: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen  Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde.
21added:
22added: Zum Fest Apostelorum Petri und Paul sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die  Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2)
23added:
24added: **Schwierige Lebensumstände der Bauern**
25added:
26added: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht.
27added:
28added: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren.
29added:
30added: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen.
31added:
32added: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden Rös -sing und Giesen.
33added:
34added: Quellen
35added:
36added: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts
37added:
38added: Verlag August Lax Hildesheim 1991
39added:
40added: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters  Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein)
41added:
42added: ---
43added:
44added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-01 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-1.html).*
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2added: title: "Liefertermine und Höhe der Abgaben"
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6added: ---
7added:
8added: Neben den Herren von Rössing gab es im Mittelalter einen zweiten großen Grundherren in Rössing, das war das Kloster Helmarshausen an der Diemel, – heute Stadt Karlshafen, Landkreis Kassel, das hier eine bedeutende Villikation besaß, auch Fronhofswirtschaft oder Meierding genannt.
9added:
10added: Ein Meierding ist, wie die Fronhofwirtschaft insgesamt, eine Betriebsform, durch die der feudale Grundherr - in diesem Fall das Kloster Helmarshausen – bestimmte, vertraglich festgeschriebene Einkünfte und Dienstleistungen erzielt, wenn unfreie Bauern, die sogenannten Hörigen, die man auch Liten oder Laten nennt, sein Land bearbeiten.
11added:
12added: Ein frühes, wahrscheinlich das früheste schriftliche Zeugnis, das Auskunft gibt über die materiellen Lebensbedingungen dieser Bauern im mittelalterlichen Rössing findet sich in einer in Latein verfaßten Heberolle des Klosters Helmarshausen. In dieser zwischen 1118 und 1125 verfertigten Heberolle, in der die Steuerlasten und Abgaben verzeichnet sind, die das Kloster als Großgrundbesitzer denen abverlangt, die das Land bestellen, erfahren wir zum ersten Mal von dem Meierding in Rössing und damit indirekt von den Bauern „in dem Dorfe und uppe dem Velde bei Rotsingen.“
13added:
14added: Zu Beginn des 12. Jahrhunderts sind es 22 Hörige, die mit dem Land, das ihnen nicht gehört, den Hufen, und mit 22 Höfen das Rössinger Meierding bilden. Die Bauern sind in jeder Hinsicht unfrei, sie müssen nicht nur einen Teil ihrer Ernte abgeben, sie dürfen nicht einmal das Land, das sie bearbeiten, 'ihre' Hufe, ohne Einwilligung des Grundherrn verlassen. Eine Hufe Ackerland bildet zu dieser Zeit die Lebensgrundlage für eine Hörigenfamilie, wobei wir nicht genau wissen, wie groß diese Hufe war, wahrscheinlich 30 Morgen. Davon waren 1/3 Sommergetreide, 1/3 Wintergetreide, 1/3 Brache (Dreifelderwirtschaft). Der Morgen war eine Ackerfläche, die mit einem Gespann an einem Morgen, d.h. im Laufe eines Vormittags gepflügt werden konnte. Aber die Größe der Hufe war gebietsweise unterschiedlich. Erst um 1650 wurde die Hufe hier einheitlich zu einem Flächenmaß von 30 Morgen – 7,5 ha festgelegt. (1)
15added:
16added: **Liefertermine und Höhe der Abgaben**
17added:
18added: Kloster Helmarshausen bewirtschaftet das Meierding in Rössing selbst. Ein von ihm eingesetzter Beamter oder „Meier“ verwaltet den dazugehörigen Amtshof, auf dem die hörigen Bauern Dienste leisten. Hier müssen die dem Kloster zustehenden Naturalabgaben vertragsgemäß abgeliefert werden. Der Abt des Klosters erscheint dreimal jährlich mit 12 Knechten und Pferden in Rössing, um die Abgaben abzuholen. Das sind Eier, Hühner, Käse, viele Malter Getreide, Öl- und Hülsenfrüchte. Zu Weihnachten sind fette Schweine und Gänse ins 80 Kilometer entfernte Kloster zu liefern, dazu Lämmer und Magerschweine für die Tafel des Abtes und zur Fastenzeit gesalzene Fische. Das erklärt auch, warum bei den meisten klostereigenen Villikationen Teiche angelegt und Fischwirtschaft betrieben wurde.
19added:
20added: Zum Fest *Apostelorum Petri und Paul* sind ebenfalls Käse, Hühner, Eier und andere Abgaben zu erbringen und es ist sicher kein Zufall, daß die um 1290 erbaute Kirche in Rössing den Namen St. Peter und Paul trägt. Weitere Zwangsabgaben bzw. Dienstleistungen: viermal pro Jahr Hufbeschlag, die Häute vom Rinderstall und sechs Wochen Weidegang für das Pferd des Abtes. Die Beamten und Bediensteten des Klosters, die die Früchte der kleinbäuerlichen Arbeit abtransportieren, müssen in Rössing drei Tage beherbergt, beköstigt und mit Met und Bier versorgt werden. Auf kleineren Betriebseinheiten, Ämtern, lastet nur eine Herbergspflicht von ein bis zwei Tagen, was die Bedeutung Rössings für das Kloster indirekt unterstreicht. (2)
21added:
22added: **Schwierige Lebensumstände der Bauern**
23added:
24added: Über die näheren Lebensumstände der Menschen, der Bauern und Bäuerinnen und ihrer Kinder, die in „Rotsingen“ leben und die kirchlichen Feudalherren mit einem Teil ihrer Arbeit ernähren, erfahren wir nichts. Entsprechend ihrer ökonomischen Rechtlosigkeit gibt es von ihnen so gut wie keine Zeugnisse. Die Bauern werden wie Besitz-Gegenstände behandelt, buchstäblich gehandelt. Bei Grundstücksgeschäften werden sie von ihrer Herrschaft mitverkauft, verpfändet oder vertauscht.
25added:
26added: In den zahlreichen mittelalterlichen Fehden sind sie die Opfer, wenn die Menschen erschlagen, - ihre Häuser und Höfe geplündert und verbrannt, die reifen Felder zerstampft und angezündet werden und das Vieh als Beute fortgetrieben wird. Es gilt die Devise: schlägst du den Bauern, triffst du den Herren.
27added:
28added: Seit 1481 streitet sich der Bischof mit dem Rat der Stadt Hildesheim im sogenannten Bierkrieg. Um seine zerrütteten Finanzen zu sanieren, verlangt der Bischof eine neue Steuer, die Bierzyse. Diese soll der Rat durch eine Erhöhung des Bierpreises für das in Hildesheim gebraute Bier aufbringen, für das die Stadt das Monopol besitzt. Der Rat weigert sich, und um die Wirtschaftskraft des Fürstbischofs noch mehr zu schädigen, überfallen die Söldner des Rates 1486 die stifftschen Dörfer. Im Diarium des Bürgermeisters Henning Brandis heißt es inhaltlich: - *Am Abend des heiligen Laurentius (9.August) verbrannten die Unsern Mahlerten, Rössing, Giften, Barnten und Giesen.*
29added:
30added: Eine ähnliche Katastrophe ereignet sich zu Beginn der Stiftsfehde 1519. Da heißt es: *In der Zeit von Ostern bis Pfingsten sind von den Feinden angezündet worden*
31added:
32added: *Rössing und Giesen.*
33added:
34added: Quellen
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36added: (1) Heinz Georg Röhrbein, Quellenbegriffe des 16. bis 19 Jahrhunderts
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38added: Verlag August Lax Hildesheim 1991
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40added: (2) Wenck, Helfrich Bernhard: Hess. Landesgesch. Bd. 2, Urkundenbuch: Heberolle u. Gefälle des Klosters Helmarshausen, Frankfurt, Leipzig 1789 (in Latein)
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2added: title: "Wechsel der Besitzer"
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5added: description: "Wechsel der Besitzer 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war d"
6added: ---
7added:
8added: **Wechsel der Besitzer**
9added:
10added: 1348 gibt das Kloster die Eigenbewirtschaftung des Meierdings auf und verkauft es auf Lebenszeit an Bodo von Saldern - wahrscheinlich war die Bewirtschaftung wegen der Entfernung zu Helmarshausen zu aufwendig geworden. Nach dem Tod Salderns, als das Meierding wieder an das Kloster Helmarshausen zurückfällt, wird es offenbar an die Familie von Rössing verpfändet. (1)
11added:
12added: Über diese Verpfändung selbst sind keine sicheren Unterlagen aufzufinden. Aus einer Urkunde vom Jahre 1417 geht aber zweifelsfrei hervor, daß die Brüder Siverd und Diederich von Rössing Pfandinhaber des Meierdings gewesen sein müssen. Denn das Kloster Helmarshausen kauft es ihnen im Jahr 1417 für 1000 Gulden wieder ab. Das ist das einzige Mal, daß das Meierding in den „Stammtafeln“ der Herren von Rössing genannt wird.(2) Gleichzeitig verpfändet Diderik, der Abt von Helmarshausen, das halbe Meierding für 10 Jahre an Hilmar von Otze, den Probst im Kloster am Moritzberg. Das Godehardikloster Hildesheim zahlt dessen Erben dann nach 10 Jahren die Pfandsumme zurück, und so gelangt eine Hälfte des Amtes oder Meierdings in den Besitz des Godehardiklosters. (3)
13added:
14added: In diesem Kaufvertrag wird das Meierding sehr genau beschrieben. Verkauft werden immer noch 22 Hufe, aber nur noch 21 Höfe - 1375 war ein Höriger von seiner Hofstelle entflohen und nicht wieder eingefangen worden; die Hofstelle blieb unbesetzt. Dazu kommt der Amtshof mit 6 Hufen, eine „Kammerhufe“ genannte Hufe und 15 Morgen, das sogenannte Berner Gut. Pauschal aufgeführt werden Wiesen, Weiden und Holzung, die Vogtei und die Gerichtsbarkeit, außerdem 2 Hufe in Bevelte und 5 Hufe in Werbeke, Acker- und Weideland also, das zu zwei, heute untergegangenen Ortschaften in der Nähe von Rössing gehörte und immer schon vom Kloster Helmarshausen zusammen mit dem Rössinger Meierding verpfändet worden war. Durch geschickte Geldgeschäfte erlangt das Hildesheimische Godehardikloster in der folgenden Zeit den Pfandbesitz über das gesamte Meierding. (4)
15added:
16added: **Das Meierding, ein begehrter Besitz**
17added:
18added: Nach der Hildesheimer Stiftsfehde, 1519 bis 1523, wird das Stift zerschlagen und unter die angrenzenden welfischen Fürstentümer aufgeteilt. Es bleibt nur das sogenannte „kleine Stift“ übrig, das aus den drei Ämtern Steuerwald, Marienburg, Peine und der Domprobstei besteht. Das Dorf Rössing, an der Westgrenze des Bistums gelegen, wird dem welfischen Amt Calenberg zugeordnet. Herzog Erich d.Ä. nutzt 1526 die Gunst der Stunde und behauptet, seine Vorfahren hätten das Kloster Helmarshausen gestiftet und der Reichsabtei das Rössinger Meierding geschenkt.
19added:
20added: Jetzt, wo die Abtei durch die Reformation in Auflösung begriffen ist, macht er durch tätliches Vorgehen Ansprüche an St. Godehard geltend. Der Abt des Godehardiklosters beschwert sich darüber bei Bischof Balthasar - vergebens. Aber er gibt nicht auf und klagt nun beim Kammergericht gegen Herzog Erich d.Ä. wegen gewaltsamer „Absetzung von jenem Amte und Abziehung der zugehörigen Leute vom Godehardikloster in calenbergischen Dienst“. Jetzt kommt sogar Karl V., der Kaiser in Wien, ins Spiel. Am 7. Oktober 1530 erläßt er ein Restitutionsmandat an Herzog Erich d.Ä., der damit gezwungen ist sich zurückziehen bzw. wieder herauszugeben, was er ohne rechtliche Grundlage gewaltsam vereinnahmt hat. (5)
21added:
22added: Die Behauptung, daß die Welfen Kloster Helmarshausen gestiftet hätten, ist nachweislich nicht richtig - es war im Jahre 998 von dem Helmarshäuser Grafen Eckhard und seiner Frau Mathilde gegründet worden. Allerdings hatte Heinrich der Löwe eine besondere Beziehung zu diesem Benediktinerkloster, das durch seine Buchmalerei und Goldschmiedekunst berühmt war. Das kostbare Evangeliar Heinrichs des Löwen, das 1983 in der Öffentlichkeit soviel Aufmerksamkeit erregte, weil es wie eine x-beliebige Antiquität von einem Auktionshaus zum Kauf angeboten worden war, es war von dem Mönch Herimann in Helmarshausen hergestellt worden. Heinrich der Löwe war zwar bis zu seiner Verbannung im Jahre 1180 Schutzvogt des Klosters Helmarshausen und seiner Besitzungen gewesen, aber eben nicht sein Stifter. (6)
23added:
24added: **Herzog Erich d. Ä. erwirbt 1537/38 das Meierding Rössing**
25added:
26added: 1537/38 macht Herzog Erich d.Ä. einen erneuten Vorstoß, um sich das Meierding in Rössing einzuverleiben. Er schaltet sich geschickt ein in einen Streit zwischen dem Godehardikloster und dem durch die Reformation in Auflösung begriffenen Kloster Helmarshausen um das verpfändete Meierding Rössing und erwirbt es für sich selbst. Der Pfandvertrag ist auf 60 Jahre angelegt und enthält eine bezeichnende Einschränkung: nur wenn das Kloster die Bewirtschaftung wieder selbst übernähme, sollte es die Möglichkeit haben, die Pfandschaft nach sechs Jahrzehnten wieder einzulösen. Das aber war aussichtslos, der Pfandvertrag bedeutet also eine Abtretung auf Dauer. (7)
27added:
28added: Das Meierding wird nun als Vogtei Rössing dem Amt Calenberg unterstellt und Landesherren sind nicht mehr die Bischöfe von Hildesheim, sondern die Welfenherzöge; auch die Herren von Rössing müssen sie als Lehnsherren anerkennen. Zwar gehörte Rössing zum Amt Steuerwald, das Bestandteil des „Kleinen Stiftes“ gewesen war, aber es wird nach der Wiederherstellung des „Großen Stiftes“, 1643, nicht wieder zurückgegeben. Von nun an gelten die Calenberger Gesetze.
29added:
30added: Quellen
31added:
32added: 1. Overham VIII, 134.
33added:
34added: (2) August Frh. von Rössing: Die Stammtafeln des Geschlechts derer von Rössing
35added:
36added: Gebr. Gerstenberg in Hildesheim 1900
37added:
38added: (3) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr. 14 vom Jahr 1417
39added:
40added: (4) NHSA Hannover Sign:Cal Or Des 24 neu Nr.17 von 1427
41added:
42added: (5) Lit. Bistumsgeschichte Bertram II von 1916, S. 56, Cod. Bev. 313, 50, 51. Cod
43added:
44added: Bev.221, 427, Wien Judicialia miscell. H. fasc. 2, und Hildesheim 191.
45added:
46added: (6) Hermann Schmidt: Beiträge zur Geschichte der Stadt, der Reichsabtei
47added:
48added: und der Kunstwerkstätten Helmarshausen, Lippoldsberg 1981
49added:
50added: (7) NHSA Hannover: Sign. Cal Or Des 24 neu Nr.54
51added:
52added: ---
53added:
54added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-2.html).*
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2added: title: "Am Pastorenthie"
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5added: description: "Foto: Erhard Wolpert Am Pastorenthie In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Geric"
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14added:
15added: In vielen niedersächsischen Dörfern erinnern noch heute Ortsbezeichnungen mit der Silbe Thie, Thing oder auch Ding an Gerichtsstätten und Versammlungsplätze aus früheren Jahrhunderten.
16added:
17added: Auch in Rössing gab und gibt es einen solchen Platz. In der Ortsmitte am Fuße des kleinen Hügels mit dem Pfarrhaus stehen zwei Linden und davor ein geschnitztes Straßenschild: „Am Pastorenthie“, das die Erinnerung an einen Gerichtsplatz wachhält.
18added:
19added: Durch vor einiger Zeit aufgefundene alte Prozeßakten erhält dieser Platz eine ganz besondere Bedeutung. Die teilweise über 400 Jahre alten Gerichtsprotokolle befassen sich mit den hier regelmäßig abgehaltenen Meierdingsgerichten. Der Ort, an dem diese stattfanden, war mit Sicherheit der durch Linden gekennzeichnete Platz vor dem Pfarrhaus, der „Pastorenthie.“ Denn Rössing war der Sitz eines Meierdings und auch Bauern, die in Giesen Land beackerten, das zu diesem Meierding gehörte, mußten zum Meierdingsgericht nach Rössing.
20added:
21added: An anderen Ortschaften gab es auch andere Gerichte oder Thingstätten, wie z.B.das „Freiding“ in Giesen für die freien Bauern des „Güldenen Winkels“, zu dem die Ortschaften Himmelsthür, Emmerke, Sorsum, Escherde, Barnten, Rössing, Beelte und Giesen zählten. Die Besitzer von Freidingsland durften nur dieses beackern, um als freie Bauern zu gelten. Sie hatten ihren Gerichtsplatz mit dem Thiestein in Giesen. Dort wurde ihre Grundstücksangelegenheiten – und nur diese – behandelt.
22added:
23added: Das „Goding“ befaßte sich mit Kriminalfällen und Landesjustiz, dessen Aufgaben Ende des 16. Jahrhunderts teilweise die Landgerichte der Ämterverwaltungen übernahmen und das „Holtding“ war zuständig für Holz- und Waldangelegenheiten.
24added:
25added: Aber Rössing hatte ein Meierding und ein Meierdingsgericht. (1)
26added:
27added: **Das Meierdingsland und das Meierdingsgericht**
28added:
29added: Das Meierdingsgericht verhandelt und entscheidet Angelegenheiten, die das Meierdingsland betreffen. Alle Bauern, die Meierdingsland besitzen, auch wenn es nur ein ganz kleines Stück ist – gehören zu den Erben. Das Land, das von dem altfeudalen Meierding herstammt, hat bis ins 19. Jahrhundert immer einen besonderen rechtlichen Status behalten. Es ist Erbland und daher besonders begehrt und wertvoll.
30added:
31added: Die rechtliche Stellung der Hörigen, der Laten, hat sich gegenüber der frühmittelalterlichen Situation verändert. Eine neue gesellschaftliche Ordnung hat sich zum Ende des 16. Jahrhunderts durchgesetzt. Die Bauern werden persönlich frei. Die Strukturen des alten Meierdings verändern sich und es zerfällt in Einzelhöfe.
32added:
33added: Die Besitzer von Meierdingsland können frei über dies Land verfügen, sie können es vererben, verpfänden oder auch verschenken, denn es gehört ihnen. Verpfändungen und Veräußerungen von Meierdingsland, Verschreibungen als Altenteil usw. werden sorgfältig hier verhandelt und genau im „Meierdingsbuche“ festgehalten, wie heute in den Grundbüchern.
34added:
35added: Für die Zeit ab 1589 sind sehr ausführliche Aktenprotokolle über die in Rössing abgehaltenen Meierdingsgerichte erhalten: 1589, vier Protokolle in 1604, 1608, 1615, 1616, 1618, 1620, 1621, 1630, 1650, 1659, 1662. Sie enthalten Kauf- und Pfandbriefe sowie Prozeßakten. Das Papier ist vergilbt, die Tinte, mit dem Federkiel zu Papier gebracht, ist nach 400 Jahren verblaßt, die Schrift kaum zu entziffern. Und der Sand, der damals die Tintenschrift löschte – trocknete, rieselt z.T. noch heute aus den Seiten des Dokuments. (2)
36added:
37added: Später wird die Aktenlage über das Meierding dünn.
38added:
39added: Die alten Meierdingsgerichte folgen festen Verfahrensregeln und Ritualen, die heute schwer verständlich sind. Zuerst fragt der Meierdingsvogt die alten Rechtsgrundsätze ab, die immer auf die gleiche Weise von zwei gewählten *Vorsprechern* beantwortet werden müssen. Niemand darf im Verfahren seine Streitfragen selbst vortragen oder ungefragt sprechen, auch dies ist Aufgabe der *Vorsprecher.*
40added:
41added: Als 1538 das Meierding Rössing in den Besitz der Calenberger Herzöge übergeht,
42added:
43added: treten die Calenbergischen Beamten, also Amtmann und Amtsschreiber als Gerichts- und Meierdingsherr in Vertretung ihres Landesherrn auf, der hier als *lllustrissimo* bezeichnet wird. Von jedem Landverkauf, der hier getätigt wird, stehen ihm 2,5% des Erlöses zu. Alle Umsatzgebühren werden genau registriert.
44added:
45added: Die typischen Abgaben der Meierdingsleute an den Grundherrn, der hier auch der Landesherrn ist, sind bei Heirat *Bedemund* (Betterlaubnis) und im Erbfall *Baulebung* Und jedes Jahr ist ein Hals- oder Rauchhuhn abzuliefern – eine Überlieferung aus der Zeit, als die Hörigen noch als *Halseigene* bezeichnet wurden. Rauchhühner sind keine geräucherten Hühner, sondern der Zins für einen Hof, bzw. für ein Haus, aus dem Rauch aufsteigt, das also eine Feuerstätte hat.
46added:
47added: **Das Meierrecht**
48added:
49added: Als die Fronhofsverbände zerfallen, bilden sich Vorformen des Meierrechtes.
50added:
51added: Durch Hofzusammenlegungen entstehen aus den ehemaligen Ein-Hufe-Höfen sogenannte Vollmeierhöfe mit 3 - 4 Hufen Land oder Halbmeierhöfe durch die Teilung von Vollmeierhöfen. Die kleinsten sind die Köthnerstellen mit 30 und weniger Morgen. Die Bauern können nun Land auf Zeit von anderen Grundherren pachten. Dafür müssen sie Meierzins zahlen. Schon das Wort *Meier* kennzeichnet nicht die genaue Art des Besitzrechtes. Ursprünglich war der *Meier* der Verwalter eines Meierdings oder eines Amtes, später geht der Name auf diejenigen Meierdingsleute über, die wenigstens 2 Hufen beackern.
52added:
53added: Die wichtigsten Gesetzessammlungen, die das Meierrecht für den hiesigen Raum regeln, sind der Gandersheimer Landtagsabschied von 1601, eine Verordnung über die Besetzung der Bauernhöfe von 1691 und die Calenberger Meierordnung von 1772.
54added:
55added: In Meierbriefen werden die Bedingungen über den Meierzins, den Fleisch- und Getreidezehnten und die Hand- und Spanndienste gegenüber dem Grundherren festgelegt. Bei Mißwirtschaft oder unpünktlicher Zahlung konnte der Hof entzogen werden. (Abmeierung).
56added:
57added: In hiesiger Gegend betrieb die welfische Landesherrschaft allerdings schon früh eine bewußte Bauernschutzpolitik, denn ein gesunder Bauernstand bildete eine sichere Steuerquelle. Um den Bauern gegen die Willkür der Grundherren mehr Sicherheit zu geben, wurden die Höfe um 1600 erblich und das Abmeiern erschwert.
58added:
59added: Die Hofgröße – Vollmeier – Halbmeier – Köthner - definiert nicht nur den sozialen Rang, sondern auch bestimmte Wirtschaftsmöglichkeiten des Hofbesitzers. Eingereiht in die Gruppe der *Reiheleute* hat er eine bestimmte *Allmendeberechtigung*, d.h. ein anteilmäßiges Nutzungsrecht an der nicht aufgeteilten kommunalen Gemarkung Rössing. Er kann auf der *Allmende* – wann und wie lange ist genau geregelt – sein Vieh grasen lassen oder Holz schlagen. Sogenannte Anbauer und Brinksitzer, die kein kein eigenes Land, höchstens einen Garten haben, sind entsprechend nicht allmendeberechtigt.
60added:
61added: Quellen:
62added:
63added: (1) Katharina Schrader. Die Bauern von Giesen
64added:
65added: Druck: kcs & ddh GmbH, Hildesheim 1997
66added:
67added: 2. NHSA Hann 74 Cal. Nr. 347, 350, 351, 352, 353, 354, 944,
68added:
69added: ---
70added:
71added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-3.html).*
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1added: ---
2added: title: "Der Niedergang des Meierdings"
3added: sidebar_label: "Teil 5 – Niedergang des Meierdings"
4added: sidebar_position: 5
5added: description: "Der Niedergang des Meierdings Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buc"
6added: ---
7added:
8added: **Der Niedergang des Meierdings**
9added:
10added: Franz Schwerdtfeger aus Giesen hat sich sehr intensiv mit der Auflösung des Meierdings Rössing beschäftigt. Er schreibt in dem Buch: Giesen und seine Beelter Männer, daß Archivmaterial für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts deutlich macht, daß Meierdingsgüter in Besitz von Beamten gekommen waren und Meierdingsunterlagen (Meierdingsbücher):
11added:
12added: „in gantz ohnverantwortlicher weise supprimiert (unterdrückt) seyn, solches  aber aus keiner anderen uhrsache geschehen, denn daß wegen derer gar vielen von dem sehl. Oberambtmann Osterwaldt an sich gebrachter Erbländereyn niemand die eigentliche Beschaffenheit wißen soll“. (1)
13added:
14added: Christoph Heinrich Osterwaldt ist mindestens seit 1673 Amtsschreiber, dann Amtmann und von 1702 bis 1717 Oberamtmann der großen Vogtei Calenberg. Seitdem wohnt er in Rössing, denn auf der alten Feste Calenberg gibt es keine standesgemäße Bleibe für ihn. Er baut in der Langen Straße Nr.17/19 Wohn- und Wirtschaftsgebäude und den schönen Brunnen mit der Jahreszahl 1685,der heute noch Wasser führt. Überall zieht er die Ländereien an sich und bewirtschaftet u.a. den Klunzhof, den ehemaligen Haupt- und Meierhof, als Herrschaftlichen Amtshof sowie die drei Vollmeierhöfe, deren Besitzer in den Türkenkriegen sind. Diese müssen klagen, daß er sie hinterher wieder herausgibt. Außerdem ist er Pächter des herzoglichen Domanialgutes, des heutigen Hausgutes Calenberg und steht dem Landgericht Calenberg vor. Es heißt, daß er von den 32.114 Talern, welche die 12.000 Einwohner des Amtes Calenberg im Jahr 1711 aufbringen müssen, allein 6.010 Taler zahlt. (2)
15added:
16added: Es liegt nahe, daß das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
17added:
18added: **Verfall des alten Brauchtums**
19added:
20added: Nach einem Bericht von 1719 war schon über 40 Jahre kein Meierding mehr abgehalten worden. So tritt ein Verfall des alten Brauchtums ein. In einer recht ausführlichen Beschreibung der Meierdingsgerichte im Amte Calenberg von 1752 gibt es nur noch zwei, eins in Alferde und eins in Sorsum zu Wittenburg. Das Rössinger Meierding wird gar nicht mehr erwähnt.
21added:
22added: Im Jahre 1832, also kurz vor der Agrarreform, wird in Rössing eine Tabelle über die Verteilung des Grundeigentums erstellt. Darin werden die durch das Meierrecht gebundenen Ländereien aufgelistet, über die die Besitzer nicht frei verfügen konnten, und der frei veräußerliche Grundbesitz. Das an die Höfe gebundene Meierland beträgt 1050 Morgen und das freie Erbland 644 Morgen, davon sind noch 435 Morgen Meierdingsland. In diesen Angaben ist das Adelige Gut mit seinem Grundbesitz nicht enthalten. Dieses freie, erbliche, mittelalterliche Meierdingsland hat sich also bis ins 19. Jahrhundert erhalten. (3)
23added:
24added: **Die Agrarreform**
25added:
26added: 1833 setzt in Hannover die Agrarreform ein, die sogenannte Bauernbefreiung, obwohl die Bauern als Person schon lange frei waren. Sie war ein gewaltiges verwaltungstechnisches Werk. Die Reform wurde nur durchsetzbar, weil sie auf eine entschädigungslose Enteignung des Adels und der anderen Grundbesitzer verzichtete. Die Bauern sollten endlich Eigentum an dem Land erhalten, das sie bewirtschafteten.
27added:
28added: Zuerst erfolgt die Befreiung der Bauern von den Feudalabgaben wie Grundzinsen, Zehnte, Hand- und Spanndienste durch Zahlung des 25-fachen Jahresbetrages, der als abtragbare Hypothek eingetragen und im Laufe von Jahrzehnten getilgt wird. Dafür wird extra eine Bank gegründet, die Hannoversche Landeskreditanstalt.
29added:
30added: Der hannoversche Minister Carl Bertram Stüve, der die Gesetze für die Landwirtschaftsreform in Hannover schuf, wiederholte aber nicht die Fehler, die in  Preußen 20 Jahre vorher gemacht wurden. Dort konnte ein großer Teil der Ablösegelder 1/3  - ½ , in Land bezahlt werden, die Güter der Grundbesitzer wuchsen, die Bauern verarmten und das Land entvölkerte sich. In Hannover kann nur 1/6 der Ablösungssumme des Zehnten in Land abgegolten werden, alles andere wird langfristig durch Kredite finanziert. Aber nicht alle verkraften die Kosten und müssen aufgeben und verkaufen.
31added:
32added: Dann erfolgt die Gemeinheitsteilung, d.h. die von der Allgemeinheit genossenschaftlich genutzten Flächen werden unter die bisherigen Nutznießer aufgeteilt. Dann wird ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt, Zusammenlegung der verstreut liegenden Ländereien zu größeren Stücken. Das war dringend notwendig.
33added:
34added: Zum Beispiel ergab eine Aufnahme der Flurstücke des Meierhofes Nr. 1 Windel/später Kroos aus dem Jahr 1778: 123,75 Morgen in 84 Stücken!  (4)
35added:
36added: Außerdem muß ein neues Wege- und Grabennetz angelegt werden.
37added:
38added: Im Zuge des großen Flurbereinigungsverfahrens wird auch der neue Friedhof am Rande des Dorfes eingerichtet. Jeder Landbesitzer erhält einige Quadratmeter Grund und Boden für ein ewiges Erbbegräbnis auf dem Friedhof und dafür entsprechend weniger Ackerland.
39added:
40added: „Im Holze“, das ist das Gebiet zwischen der Eisenbahnlinie nach Göttingen und der Leine, das im 19. Jahrhundert noch teilweise bewaldet war, wird  die Flurbereinigung erst nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommen.
41added:
42added: Zwischen 1980 und1990 mußte erneut ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt werden, als die neue ICE -Eisenbahnstrecke angelegt wurde, die die Rössinger Feldmark durchschnitt und neue Straßen- und Brückenbauten erforderte.
43added:
44added: Quellen
45added:
46added: (1).Franz Schwerdtfeger: Giesen und seine Beelter Männer
47added:
48added: 1991 Verlag Lax Hildesheim , S. 60/61
49added:
50added: (2).Archiv Rittergut II
51added:
52added: (3).NHSA Hann 74 Cal Nr. 1054, 1056
53added:
54added: (4).NHSA Hann 74 Cal Nr. 474
55added:
56added: ---
57added:
58added: *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-03-02 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/03/das-meierding-in-rossing-4.html).*
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