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1---
2title: "1687"
3sidebar_label: "Teil 12 – 1687"
4sidebar_position: 12
5description: "Synagogen- und Schulwesen 1687 wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen Oberhaupt"
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7
8Synagogen- und Schulwesen
9
10**1687**
11wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg,
12Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen
13Oberhauptes, eines Landesrabbiners und damit endlich ihre freie
14Religionsausübung gestattet. Die Synagogen, soweit vorhanden,
15standen bisher schmucklos und in versteckten Winkeln. Die jüdische
16Religionsausübung sollte unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich
17gehen.
18
19Der
20Landesrabbiner hatte richterliche Funktionen und war für
21Streitigkeiten der Juden untereinander verantwortlich. Außerdem
22unterstand ihm das jüdische Schulwesen, wobei es sich fast
23ausschließlich um Talmudschulen handelte. Der **Talmud**
24ist die Sammlung der Gesetze der religiösen Überlieferungen des
25nachbiblischen Judentums. Die Kinder lernten hauptsächlich
26Hebräisch, die jüdischen Gesetze und Gebetsriten. Weitere
27Lerninhalte waren vor allem für Mädchen kaum vorgegeben.
28
29Von
301802 bis ca. 1830war der
31Posten des Landesrabbiners nicht besetzt.
32
331816
34erfolgte von Seiten des Amtes Calenberg eine Anfrage an die Gemeinde
35Rös- sing, ob eine Synagoge oder eine jüdische Schule am Ort sei.
36Die Antwort war „Nein".
37
38In
39demselben Jahrwurde
40in einer Liste der zum Haushalt des Nathan Schay-Neuberg gehörenden
41Personen der 39jährige*Daniel
42Rufen*als
43Schullehrer angeführt. Solche jüdischen Hauslehrer waren damals vor
44allem Religionslehrer. Vom 3. Lebensjahr an wurden die Kinder im
45jüdischen Glauben und seinem Ritualkodex unterrichtet. Diese Lehrer
46waren auch besonders im Schächten ausgebildet, damit die jüdischen
47Speisegesetze eingehalten werden konnten. Sie fungierten als Sänger
48und Vorbeter bei den Gebetsstunden, bei denen die geschriebene
49Thorarolle der 5 Bücher Moses, der Gebetschal, der den Kopf bedeckte
50und der Gebetsriemen, ein Lederriemen, der in einer besonderen Art
51und Weise um den Arm gewickelt wurde, eine wichtige Rolle spielten.
52
53Wie
54im einzelnen hier auf dem Lande die jüdischen Gottesdienste
55abgehalten wurden, ist nicht überliefert. Zu einem
56vorschriftsmäßigen jüdischen Gottesdienst gehörten nämlich
57mindestens 10 männliche Juden über 14 Jahre.
58
591824waren
60aber lt. Statistik insgesamt nur 20 Juden in Rössing vorhanden,
61wovon mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Wahrscheinlich
62mußte hier das ganze Ritual in einer vereinfachten Form stattfinden.
63
641842
65wurden die Juden aufgefordert, Synagogengemeinden zu bilden.
66
67M.
68Zuckermann gibt in seinem Buch: „Kollektanea zur Geschichte der
69Juden im Hannoverland" (Hannover 1912) an, daß es 1842 in
70Rössing eine Synagoge gab.
71
72Dies war aber mit Sicherheit kein eigenständiger
73Kirchenbau, sondern der jüdische Gottesdienst wurde in einem
74Wohnraum der Familie Neuberg abgehalten.
75
761860/61wurde
77das Wohnhaus von Simon Neuberg umgebaut, man sieht es aus der
78Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkataster. Es wurde mit einem
79Anbau versehen und dieser Anbau wurde lt. mündlicher Überlieferung
80als Synagoge genutzt, zumindest, so lange wie das Haus im Besitz der
81Familie Neuberg war (bis ca. 1900).
82
83# Synagogenvorsteher waren
84
851843
86Nathan Neuberg bis 1854
87
881855 Simon Neuberg bis 1873
89
90# 1873 Israel Levi Blumenthal
91
92Moritz Blumenthal
93
94Karl Blumenthal bis 1942
95
96Die
97Synagogenvorsteher waren verpflichtet, Heirats-, Geburts- und
98Sterbelisten zu führen. Leider enthalten sie sehr wenig Angaben, und
99es sind auch nur noch sehr wenige erhalten.
100
101Die
102nächste Synagoge mit einem richtigen Synagogengebäude befand sich
103bis 1942 in Eldagsen.
104
105## Jüdisches Schulwesen
106
1071854erfolgte
108die Neuordnung eines eigenständigen jüdischen Elementarschulwesens
109und der jüdischen Lehrerbildung, die beide dem Landrabbinat
110unterstanden. Nach der Schulordnung von 1854 waren mit 17
111Wochenstunden mehr als die Hälfte der Unterrichtsgegenstände auf
112jüdische Religion und Kultur ausgerichtet, davon waren allein 4
113Stunden hebräische Sprache und 3 Stunden für biblische und jüdische
114Geschichte vorgesehen.
115
116In
117Rössing hat es jedenfalls keine jüdische Elementarschule gegeben,
118dazu war der Ort viel zu klein. Vielleicht lag auch darin der Grund,
119daß so viele Kinder der hiesigen jüdischen Familien in den Akten
120nicht wieder auftauchten.
121
122Bei
123den Juden ist ein hervorstechendes Merkmal der Sippenzusammenhalt.
124Ältere oder auch jüngere Verwandte fanden ohne weiteres
125Unterschlupf in den Familien, und so ist auch möglich, daß die
126Kinder in größeren Orten bei Verwandten wohnten und dort die
127jüdische Schule besuchten.
128
129Die
130Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu
131schicken, wenn keine jüdischen Schulen am Ort waren. Vom
132Religionsunterricht waren sie allerdings befreit Für den jüdischen
133Religionsunterricht sorgte dann der Rabbiner.
134
135In
136der Schulstatistik der Rössinger Grundschule fanden sich nur
137Angaben.über den Zeitraum von 1898 bis 1911. Frühere Angaben über
138jüdische Schulkinder waren nicht aufzufinden.
139
1401898-1900 kein
141jüdisches Kind
142
1431901 2
144jüdische Kinder
145
1461904.24.Juli je
1471 jüd. Kind in Kl. III und Kl. IV
148
1491906.20.Juni 3
150jüdische Kinder
151
1521911.24.Mai 1
153jüdisches Kind
154
155Quellen:
156NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 431 und 432
157
158Niedersächsisches Jahrbuch 1989
159
160Rössinger Schulchronik Band 2
161
162---
163
164*Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8903.html).*