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2title: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern"
3sidebar_label: "Teil 15 – Ferien bei den Großeltern"
4sidebar_position: 15
5description: "Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern: Werner Blumenthal erzählt Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr 2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.192"
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8**Familienschicksale: Ferien bei den Großeltern:**  **Werner Blumenthal erzählt**
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10Beim Verfassen seiner Familienchronik im Jahr  2003 berichtet Werner Blumenthal (geb.1923)
11in der Rückschau, wie er die Schulferien in den 1920er und 1930er Jahren
12zusammen mit seiner Schwester Lore bei seinen Großeltern Sophie und Moritz
13Blumenthal und den Brüdern seines Vaters in Rössing erlebt hat.
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15*---
16Das einfache und arbeitsreiche Leben auf dem Lande – etwa einen Kilometer vom
17Haus entfernt bewirtschafteten sie zugleich einen Acker (11/4 Morgen)– hatte
18sie geprägt und zu geachteten Mitgliedern der dörflichen Gemeinde gemacht.*
19
20*Sie
21hatten fünf Söhne, mein Vater Gustav war der älteste von ihnen. Danach kamen
22Karl, Hermann, Robert und Willi. Schon die Wahl der Namen ihrer Kinder verweist
23darauf, dass sie trotz ihres bewusst und strikt gelebten Judentums
24uneingeschränkt und selbstverständlich Deutsche waren.*
25
26*Die
27Kneipe gegenüber ihrem Haus war für die männlichen Familienmitglieder ebenso
28sozialer Treffpunkt wie für den Rest der Einwohner des Dorfes. –*
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30*---
31Oma Sophie hatte gewiss kein leichtes Leben. Familie, fünf Kinder, Haus und
32Laden zu  bewirtschaften, dazu noch
33Garten und „Land“. Der koschere Haushalt verlangte zusätzliche Mühe durch die
34gebotene strenge Trennung zwischen „fleischigen“ und „milchigen“ sowie
35sonstigen Lebensmitteln und dem dazugehörigen Geschirr, Besteck usw.*
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37*---Freitagsabends
38wurde auf feierliche Weise mit dem Abendessen in der guten Stube der Sabbat
39eingeläutet. Oma zündete die beiden Kerzen an und segnete die „Challe“, den
40selbstgebackenen geflochteten Mohnstuten, der zunächst unter einer geklöppelten
41Zierdecke lag. Jeder bekam ein Stück und aß es mit Salz zur Feier des Tages.---*
42
43*---Des
44öfteren begleitete ich Onkel Karl zur Arbeit auf dem Stück Land, auf dem
45vornehmlich Kartoffeln und diverse Gemüse für den Hausbedarf angebaut wurden.
46Mit Freude und viel Anstrengung zog ich den kleinen Bollerwagen dorthin, ein
47gutes Stück auf der Landstraße entlang. Damals bestand noch kaum die Gefahr,
48von einem Auto angefahren zu werden. Für mich als Stadtkind war es fast eine
49Offenbarung, eine frische Möhre aus dem Beet ziehen und sie essen zu können,
50Salat zu schneiden, Kartoffeln auszubuddeln.---*
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52Werner Blumenthal erinnert sich lebhaft an die ungeheizten
53Schlafkammern im Winter, das dicke Federbett, auf dem sich bis zum Morgen durch
54die Atemluft eine richtige dünne Eisschicht bildete - und an das eisig kalte
55Plumpsklo. Aber besonders beeindruckt hat ihn offensichtlich der Besitz eines
56eigenen Stück Landes, durfte doch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kein Jude nach
57dem Gesetz Acker- oder Gartenland besitzen.
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59Willi Blumenthal, der jüngere Bruder von Karl, war auch
60Schlachter, arbeitete bei seinem Vater in der Metzgerei und belieferte mit
61Pferd und Wagen Kunden in der näheren und weiteren Umgebung, wobei Werner ihn
62begleiten durfte. Außerdem besaß er ein Motorrad und brauste gern mit ihm auf
63dem Soziussitz durch die Gegend.
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65Moritz Blumenthal starb 193O, und Karl übernahm die Schlachterei,
66während  Moritz‘ Frau Sophie noch bis
671938 lebte. Diese beiden sind die letzten, die auf dem jüdischen Friedhof
68beerdigt wurden.
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70Nach einer Liste der jüdischen Einwohner vom 1.10.1935  umfaßte der Haushalt noch folgende Personen:
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72Name                
73 Vorname             Beruf              Geburtstag    Geb.Ort          Bemerkungen
74
751. Blumenthal  Karl                        Schlachter     
762.  3. 1895   Rössing
77
782.          "           Henny                     Ehefrau         22.11. 1899   Emden
79
803.         "           
81Hanna                     Tochter           
826   3. 1928   Rössing
83
844.            "         Hans-Jürgen          Sohn               
857.11. 1931   Rössing
86
875.            "         Sophie                    Witwe             18. 
884. 1866   Lüthorst
89
906.             "        Willi                          Sohn
91zu 5     30.12. 1901   Rössing         verzogen
92n..
93
947.Gaup            Auguste                  Hausangest.   2.  3. 1910   Roßlau
95a,d,Elbe
96
978 Blumenthal             Robert Sohn zu 5  Kaufmann    23.  6. 1900   Rössing            
98"
99
100Quelle: NHSA Hannover, Sign. Hann 174 Springe Nr. 162
101
102---
103
104*Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5173.html).*