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2id: 13-familienschicksale
3slug: 13-familienschicksale
4title: "Familienschicksale"
5sidebar_label: "Teil 13 – Familienschicksale"
6sidebar_position: 13
7description: "Familienschicksale; Die ersten Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle Israel Levin Blumenthal I Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat"
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10**Familienschicksale;**
11
12**Die ersten
13Blumenthals in Rössing und der Erwerb einer Anbauerstelle**
14
15**Israel Levin
16Blumenthal  I**
17
18Das erste Mitglied der Familie Blumenthal hat sich während
19der gelockerten Bestimmungen in der Franzosenzeit , also zu Beginn des 19.
20Jahrhunderts,  in Rössing angesiedelt.
21Israel Levin war ein Schlachter aus Barnten, Amt Steuerwald, der den Namen
22Blumenthal angenommen hatte und vom Schlachten und Kleinhandel lebte.
23
24**Der Schutzbrief**
25
26Am 16. Februar 1814 wird er in einer Liste als
27unvergeleiteter jüdischer Einwohner in der Vogtei Rössing aktenkundig, weil er
28einen Schutzbrief beantragt hat. Die Behörde fragt an, ob der Antragsteller
29Blumenthal „*schutzwürdig*“ sei. Der
30Bürgermeister bzw. Vogt Opitz stellt ihm ein gutes Führungszeugnis aus und
31befürwortet Blumenthals Antrag.
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33Am 31.Mai 1814 wird Israel Levin Blumenthal I  ohne weitere Beanstandungen mit dem
34Schutzbrief versehen. Er soll vier Reichsthaler jährlich bezahlen, aber
35Bürgermeister Opitz teilt dem Amt gleich mit, dass Blumenthal nur in der Lage
36sei, höchstens zwei Reichsthaler aufzubringen.
37
38Im nächsten Jahr erhält Blumenthal eine Zahlungsaufforderung
39über zwei Reichs-thaler, doch wegen Armut wird ihm die Zahlung erlassen. 1817
40wird wegen des Schutzgeldes erneut eine Anfrage von Amts wegen gestellt und vom
41Bürgermeister beantwortet:
42
43*"Gegen
44seinen Lebenswandel ist nichts zu sagen, aber er hat wegen*
45
46*Armut
47bisher kein Schutzgeld bezahlt."*
48
49Und so geht es weiter, bis die Behörde im Jahre 1824
50feststellt, dass Blumenthal seit der Erteilung des Schutzbriefes 1814 überhaupt
51noch keine Zahlung geleistet hat.  1825
52muss er zum ersten Mal zwei Reichsthaler bezahlen und das nun Jahr für Jahr
53-  bis 1842 das Schutzgeld im Königreich
54Hannover aufgehoben wird.
55
56**Familiengründung**
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581824 leben im ganzen Amte Calenberg 176 Juden, davon etwa 15
59in Rössing. Die jüdische Bevölkerung wird von Zeit zu Zeit behördlich in
60statistischen Erhebungen  gesondert
61erfaßt.
62
63Im Jahr 1816 war Israel Levin Blumenthal I  36 Jahre alt, seine Frau Hanne Meyer 30 und
64ihr erster Sohn Israel Levin Blumenthal II drei Jahre.  1819 wird dem Ehepaar ein zweiter Sohn geboren,
65Meyer Blumenthal.
66
671
68
69Quelle: NHSA   Sign.
70Hann 74 Cal  Nr.423   Nr.425 
71Nr.431
72
73**Israel Levin Blumenthal II**
74
75Über
76Israel Levin Blumenthal II, den ältesten Sohn des ersten Blumenthal in Rössing,
77ist nicht viel bekannt. Er ist 1813 geboren und von Beruf Schlachter, wie schon
78sein Vater. Er ist verheiratet mit Jette Blumenthal, geb. Abraham Heinemann.
79Doch wo genau die Blumenthals in Rössing wohnten und ihr Gewerbe betrieben, ist
80aus den Unterlagen nicht ersichtlich. Über Hauseigentum verfügten sie zu diesem
81Zeitpunkt noch nicht.
82
83Nachdem Simon Neuberg verstorben ist, folgt ihm Levin
84Blumenthal II 1855 als Synagogenvorsteher der hiesigen kleinen jüdischen
85Gemeinde nach. Am 3. Januar 1873 stirbt Jette Blumenthal und ihr Mann muss als
86Synagogenvorsteher ihren Tod in den Sterbelisten selbst beurkunden. Israel
87Levin Blumenthal II  stirbt 1881. Sein
88Grabstein ist einer der wenigen, die auf dem jüdischen Friedhof in Rössing
89heute noch erhalten sind. Ob das Ehepaar Kinder hatte, ist nicht bekannt. In
90den Akten werden sie nicht erwähnt und Hinweise auf Grabsteine lassen sich
91nicht mehr finden.
92
93Quelle:
94NHSA  Sign. Hann 74 Nr. 431
95
96**Meyer Blumenthal**
97
981819 wird Meyer Blumenthal als zweiter Sohn von Israel Levi
99Blumenthal I und seiner Frau Hanne Meyer geboren. Dieser Meyer Blumenthal ist
100der Stammvater aller weiteren in Rössing ansässigen Blumenthals, bis die
101Familie 1942 dem Holocaust zum Opfer fällt.
102
103Er wird Schlachter - wie schon sein Vater und sein sechs
104Jahre älterer Bruder Israel Levi Blumenthal II.
105
106Im Jahre 1852 kauft Meyer Blumenthal ein Haus, die
107Anbauerstelle Nr. 116, heute
108
109Maschstr. Nr. 22, und richtet dort eine Schlachterei ein. Im
110selben Jahr heiratet er, 33 Jahre alt, Line Holländer aus Bergen, ebenfalls 33
111Jahre alt. Eindeutig werden als seine Eltern in der Trauungsliste Israel Levin
112Blumenthal l und Hanne Meyer angegeben. Am 16. März 1853 stirbt ein kleiner
113Junge mit Namen Israel Blumenthal im Alter von 21 Wochen am
114„Nervenfieber".Als dessen Eltern werden Meyer Blumenthal und Helene Bach
115genannt.
116
117Diese beiden Vorgänge lassen sich auf den ersten Blick nicht
118ohne weiteres zusammenbringen. Aber da helfen die heute noch auf dem jüdischen
119Friedhof vorhandenen Grabsteine weiter. Offensichtlich war das Verhältnis von
120Meyer Blumenthal mit Helene Bach nur eine folgenreiche, voreheliche Episode.
121Denn die 1819 geborene Line Blumenthal, die er 1852 geheiratet hatte, war und
122blieb die Ehefrau von Meyer Blumenthal und wurde die Mutter seiner beiden
123ehelichen Kinder, während Helene Bach nicht wieder in den Akten auftaucht.
124
125Die Tochter Johanne Blumenthal wird 1855 geboren und der
126Sohn Moritz drei Jahre später, 1858. Ihre Mutter Line stirbt 1884 und wird an
127der Seite ihres zu diesem Zeitpunkt schon verstorbenen Mannes Meyer Blumenthal
128beigesetzt. In welchem Jahr Meyer Blumenthal gestorben ist, läßt sich leider
129auf dem sehr verwitterten Grabstein nicht mehr entziffern.
130
1311852 umfaßt die jüdische Gemeinde 18 Personen in Rössing.
132Diese werden aber nur summarisch aufgezählt, nicht namentlich. Die meisten
133davon gehören zweifellos zu den beiden jüdischen Familien Neuberg und
134Blumenthal, bei den anderen handelt es sich höchstwahrscheinlich um
135Hauspersonal und sonstige Angestellte der beiden Familien.
136
137Quelle: NHSA Sign.Hann 74 Nr. 431
138
139**Das Haus Nr.
140116,  heute Maschstraße Nr.22**
141
142Bei dem Haus Nr. 116, das Meyer Blumenthal 1852 gekauft hat,
143handelt es sich um eine typische Anbauerstelle, zu der weder Ackerland noch ein
144größerer Garten gehören. Es ist ein kleines Haus am Rande des Dorfes. Aber
145schon der Erwerb eines Hauses ist erst seit 1847 offiziell durch eine Ergänzung
146der „Emanzipationsakte“ von 1842 gestattet und ein Riesenschritt in der
147Gleichberechtigung der Juden im Königreich Hannover.
148
149An der Entwicklung des Brandkatasters können wir die
150Wertsteigerungen des Hauses und den 
151wachsenden bürgerlichen Wohlstand der Familie erkennen. Der Vorbesitzer
152des Hauses war Carl Brandes; das Baujahr ist nicht ersichtlich. In den ersten
15310 Jahren nach dem Erwerb des Hauses durch Meyer Blumenthal im Jahre 1852
154werden größere bauliche Maßnahmen durchgeführt, zweifellos ein Hinweis auf den
155Umbau zur Schlachterei, denn der Versicherungswert wird 1861 von 750 auf 1.200
156Reichsthaler hochgestuft. Es fällt auf, daß an dem Haus ständig Erhaltungs- und
157Wertverbesserungsarbeiten durchgeführt werden.
158
1591877 erfolgt wieder eine bedeutende Erhöhung des Taxwertes.
160Nach der Umrechnung von Reichsthalern in Mark (1 Taler = 3 Mark) steigt er von
1613.600 Mark auf 6.314 Mark.
162
163Außerdem werden ein Stall, Waschhaus und Wagenschuppen neu
164gebaut, Versicherungswert 344 Mark. Es werden also grössere Geldbeträge
165investiert.
166
167Auch unter Moritz Blumenthal, dem Sohn und Nachfolger von
168Meyer Blumenthal, geht die positive Entwicklung weiter.
169
170Quelle: NHSA Sign. Hann 330 Nr.51, 109, 879, 880
171
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173
174*Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-06-24 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in.html).*