Skip to content

admin/dorfarchiv

PublicMirror

Mirror of https://forge.levinkeller.de/levin/dorfarchiv.git

93 lines · 4.6 KB
1---
2title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (19)"
3date: 2012-06-24
4authors:
5 - helga_fredebold
6tags: [juedische-geschichte, historie]
7description: "Die Schicksale der vier anderen Brüder Robert Blumenthal Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit i"
8source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_5058.html
9---
10
11**Die Schicksale der vier anderen Brüder**
12
13**Robert Blumenthal**
14
15Robert Blumenthal, der vierte der fünf Brüder, hatte einen
16kaufmännischen Beruf und lebte einige Zeit in Wiesbaden. Mit seiner Frau Edith
17hat er zwei Kinder. Ab Juli 1934 wohnt er wieder in Rössing, am 8.6.1936 zieht
18die Familie nach Hannover, wohnt in der  
19Nordmannstrasse 11. Später lebt die Familie in der Josephstraße 2., in
20einem Haus, in dem  jüdischen Familien
21zusammengezogen werden. Am 15. Dezember 1941 wird die Familie mit dem ersten
22Transport, der in einem Vernichtungslager endete, nach Riga verbracht und kommt
23dort um.
24
25<!--truncate-->
26
27Quelle: Erinnerungsblatt der Mahn- und Gedenkstätte Ahlem
28
29**Willi Blumenthal**
30
31Roberts ein Jahr jüngerer Bruder Willi hatte 1933   in eine Schlachterei in Horn (Lippe)
32eingeheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Die Kinder und die Mutter sind vom
33Terrorregime des NS  ermordet worden.
34Willi Blumenthal hatte ein besonderes Schicksal.
35
36Er war als KZ-Häftling in Frankreich zum Bau von Befestigungsanlagen
37eingesetzt worden und sollte, als er nicht mehr arbeitsfähig war, zusammen mit
38seinen Leidensgenossen in Güterwaggons nach dem Osten zur Vernichtung
39abtransportiert werden. Irgendwie schaffte er es, sich eine Zange zu
40organisieren. Auf dem Weg durch Belgien gelang es ihm, damit den Waggon
41aufzubrechen und aus dem fahrenden Zug zu springen. Belgische Bauern fanden und
42versorgten ihn, bis die Amerikaner im Frühjahr 1945 einrückten und er befreit
43wurde.
44
45Als er sich nach Kriegsende mit seinen Brüdern in den USA in
46Verbindung setzt, ermöglichen sie ihm die Ausreise nach Amerika. Er arbeitet
47dort wieder als Metzger und heiratet noch einmal. Willi Blumenthal besucht noch
48einmal seine Heimat in Rössing, 1983 
49stirbt er in New York.
50
51**Hermann Blumenthal**
52
53Er war der zweitälteste der fünf Brüder und nicht
54verheiratet. Er wohnt zeitlebens bei der Familie seines ältesten Bruders
55Gustav, mit dem ihn eine enge geschäftliche und menschliche Beziehung
56verbindet. In Bochum sind sie Inhaber oder Teilhaber eines größeren
57Textilgeschäftes oder -kaufhauses und sehr wohlhabend. Nachdem die Nazis sie
58enteignet und ihr Geschäft „arisiert“ haben, 
59eröffnen sie ein kleines Etagengeschäft für Stoffe und Kurzwaren. Als
60ihnen am 9. November 1938 auch diese Existenz zerstört wird und sie ins
61Konzentrationslager nach Sachsenhausen gebracht werden, schmieden sie, als sie
62nach sechs Wochen entlassen werden, notgedrungen Auswanderungspläne.
63
64Hermann erlernt in weiser Voraussicht das Schweißen, um sich
65eventuell mit einem handwerklichen Beruf durchzuschlagen - was sich als sehr
66nützlich erwies, als ihm im Frühjahr 1940 die Ausreise in die USA nach
67Überwindung großer Schwierigkeiten gelingt. Dort findet er wirklich Arbeit als
68Schweißer und arbeitet an zwei Stellen, um die Bürgschaften für seinen Bruder
69und dessen Familie zusammen zu bringen, damit auch sie in die USA ausreisen
70können.
71
72**Gustav Blumenthal**
73
74Gustav Blumenthal lebte mit seiner Familie in sehr guten
75Verhältnissen, bevor der Terror gegen die Juden das glückliche Familienleben
76zerstört. Sein Sohn Werner muß als Fünfzehnjähriger Schüler, ebenso wie seine
77drei Jahre jüngere Schwester Lore, das Gymnasium verlassen. Er besucht dann
78eine „ORT-Schule“ bei Berlin, um eine Schlosserlehre zu machen. Mit Hilfe eines
79internationalen Schutzprogramms für gefährdete Jugendliche gelangt er noch  vor Beginn des Krieges nach England. Seine
80Eltern sieht er erst 1946 wieder. Seine Schwester Lore kommt, ebenfalls mit
81einem Kinderschutzprogramm, 
82vorübergehend nach Holland.
83
84Als sich Gustav Blumenthal, dem Vater, die Chance bietet,
85eine Stellung in einem Reisebüro bei Hapag-Lloyd zu bekommen, schafft er es mit
86Glück und einem nicht legalen Trick , eine Schiffs-Passage für sich und die
87Familie zu erhalten. Im Sommer 1941 reist die Familie in die USA aus und
88schwört, niemals im Leben wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen – sie
89haben diesen Schwur gehalten und können es absolut nicht verstehen, als ihr
90Sohn Werner wieder nach  Deutschland
91zurück will. Sie leben bis zu ihrem Tode in New York. Gustav stirbt 1966 mit 73
92Jahren,  Hermann 1978 mit 81 Jahren und
93Gustavs Frau Erna 1982 mit 87 Jahren.