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65 lines · 3.5 KB
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2title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (17)"
3date: 2012-06-24
4authors:
5 - helga_fredebold
6tags: [juedische-geschichte, historie]
7description: "Familienschicksale: Jugendtransporte ins Ausland . Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausl"
8source: https://fredebold.blogspot.com/2012/06/200-jahre-judische-geschichte-in_3785.html
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11**Familienschicksale:
12Jugendtransporte ins Ausland**
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14.
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16Ein besonderes Kapitel der rassistischen Judenverfolgung im
17NS waren die Transporte jüdischer Kinder ins Ausland. Es gab ausländische
18Organisationen, die Hilfsprogramme für gefährdete Jugendliche in Deutschland
19organisierten. Wenn den Eltern die Ausreise noch nicht gelang, sahen sie darin
20eine Chance, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Das geschah mit
21Billigung der NS-Behörden.
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25Auch die beiden Kinder von Gustav Blumenthal in Bochum,
26Werner und Lore, kamen in den Genuß solcher Maßnahmen, die Kinder ins
27europäische Ausland zu evakuieren, um sie dem Zugriff der Nazis zu entziehen.
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29Nachdem der Besuch der öffentlichen Schulen für jüdische
30Kinder verboten war, wurde Werner Blumenthal von seinem Vater nach Berlin
31gebracht, wo er in einer jüdischen Bildungsanstalt einen praktischen Beruf
32erlernen sollte. Nach der sog. Kristallnacht am 9. November 1938 wurde er von
33Berlin aus nach England geschickt. Mit Beginn des Krieges wurde er dort aber
34als feindlicher Ausländer interniert und nach Kanada verbracht, wo er fünf
35Jahre hinter Stacheldraht saß, bevor er wieder nach Deutschland zurückkehren
36konnte.
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38Seine Schwester Lore kam in ein holländisches Kloster, bevor
39die Deutschen in die Niederlande einfielen, während sich ihre Eltern krampfhaft
40um eine Ausreisemöglichkeit bemühten. Sie litt furchtbar unter Heimweh und
41fühlte sich todunglücklich. Als die Eltern glaubten, eine Ausreisechance nach
42Kuba zu haben, durfte sie zurückkommen. Aber diese Chance zerschlug sich wie so
43viele, und erst zum 27. Mai 1941 erhielten sie ihr Visum zur Einreise in die
44USA, die sie nach dramatischen Zwischenfällen am 25. August 1941 erreichten.
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46Die Kinder von Karl Blumenthal,  Hanna und Hans-Jürgen,  hatten nicht so viel Glück. Sie hielten sich
47wiederholt längere Zeit in Hannover auf. Einmal war Hanna „Auf dem Emmerberg
4831“ gemeldet und seit dem 7.4.1939 in Ahlem in der Israelitischen Gartenbauschule,  wo sie noch Schulunterricht erhielt,
49zeitweilig zusammen mit ihrem Bruder Hans-Jürgen. Das Mädchenheim der Schule
50war im März 1941 von der Feuerschutzpolizei belegt worden, dann richtete die
51Stadt Hannover dort ein Ausweichkrankenhaus ein. Seit Ende 1941 dienten das
52Direktorenhaus und andere Gebäude der Schule als Sammellager für die Juden der
53Regierungsbezirke Hannover und Hildesheim, die in osteuropäische
54Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert werden sollten. Am 23. Juli
551942 wurde sie ganz geschlossen und von der Gestapo übernommen.
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57Der Landrat forderte am 23. Dezember 1941 und am 30. Januar
581942 noch einmal genaue Angaben über die Familie Blumenthal und den Aufenthalt
59der Kinder an, die zu diesem Zeitpunkt wieder in Rössing waren. Sie wurden
60einige Wochen später zusammen mit ihren Eltern nach Polen deportiert.
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62Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß nach dem 2. Weltkrieg
63wurde festgestellt, daß am 31.Juli.1941 der Befehl zur sog. „Endlösung"
64der Judenfrage durch Vernichtung erteilt worden sei. Dieses Datum wird aber
65heute in Frage gestellt. Die NS- Gesetzgebung war schon viel früher auf  den Holocaust perspektiviert.