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1---
2title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (12)"
3date: 2012-04-26
4authors:
5 - helga_fredebold
6tags: [juedische-geschichte, historie]
7description: "Synagogen- und Schulwesen 1687 wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen Oberhaupt"
8source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_8903.html
9---
10
11Synagogen- und Schulwesen
12
13**1687**
14wurde den Juden in den Welfischen Fürstentümern Calenberg,
15Göttingen und Grubenhagen die Wahl eines eigenen geistlichen
16Oberhauptes, eines Landesrabbiners und damit endlich ihre freie
17Religionsausübung gestattet. Die Synagogen, soweit vorhanden,
18standen bisher schmucklos und in versteckten Winkeln. Die jüdische
19Religionsausübung sollte unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich
20gehen.
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22<!--truncate-->
23
24Der
25Landesrabbiner hatte richterliche Funktionen und war für
26Streitigkeiten der Juden untereinander verantwortlich. Außerdem
27unterstand ihm das jüdische Schulwesen, wobei es sich fast
28ausschließlich um Talmudschulen handelte. Der **Talmud**
29ist die Sammlung der Gesetze der religiösen Überlieferungen des
30nachbiblischen Judentums. Die Kinder lernten hauptsächlich
31Hebräisch, die jüdischen Gesetze und Gebetsriten. Weitere
32Lerninhalte waren vor allem für Mädchen kaum vorgegeben.
33
34Von
351802 bis ca. 1830war der
36Posten des Landesrabbiners nicht besetzt.
37
381816
39erfolgte von Seiten des Amtes Calenberg eine Anfrage an die Gemeinde
40Rös- sing, ob eine Synagoge oder eine jüdische Schule am Ort sei.
41Die Antwort war „Nein".
42
43In
44demselben Jahrwurde
45in einer Liste der zum Haushalt des Nathan Schay-Neuberg gehörenden
46Personen der 39jährige*Daniel
47Rufen*als
48Schullehrer angeführt. Solche jüdischen Hauslehrer waren damals vor
49allem Religionslehrer. Vom 3. Lebensjahr an wurden die Kinder im
50jüdischen Glauben und seinem Ritualkodex unterrichtet. Diese Lehrer
51waren auch besonders im Schächten ausgebildet, damit die jüdischen
52Speisegesetze eingehalten werden konnten. Sie fungierten als Sänger
53und Vorbeter bei den Gebetsstunden, bei denen die geschriebene
54Thorarolle der 5 Bücher Moses, der Gebetschal, der den Kopf bedeckte
55und der Gebetsriemen, ein Lederriemen, der in einer besonderen Art
56und Weise um den Arm gewickelt wurde, eine wichtige Rolle spielten.
57
58Wie
59im einzelnen hier auf dem Lande die jüdischen Gottesdienste
60abgehalten wurden, ist nicht überliefert. Zu einem
61vorschriftsmäßigen jüdischen Gottesdienst gehörten nämlich
62mindestens 10 männliche Juden über 14 Jahre.
63
641824waren
65aber lt. Statistik insgesamt nur 20 Juden in Rössing vorhanden,
66wovon mehr als die Hälfte Frauen und Kinder waren. Wahrscheinlich
67mußte hier das ganze Ritual in einer vereinfachten Form stattfinden.
68
691842
70wurden die Juden aufgefordert, Synagogengemeinden zu bilden.
71
72M.
73Zuckermann gibt in seinem Buch: „Kollektanea zur Geschichte der
74Juden im Hannoverland" (Hannover 1912) an, daß es 1842 in
75Rössing eine Synagoge gab.
76
77Dies war aber mit Sicherheit kein eigenständiger
78Kirchenbau, sondern der jüdische Gottesdienst wurde in einem
79Wohnraum der Familie Neuberg abgehalten.
80
811860/61wurde
82das Wohnhaus von Simon Neuberg umgebaut, man sieht es aus der
83Erhöhung der Versicherungssumme im Brandkataster. Es wurde mit einem
84Anbau versehen und dieser Anbau wurde lt. mündlicher Überlieferung
85als Synagoge genutzt, zumindest, so lange wie das Haus im Besitz der
86Familie Neuberg war (bis ca. 1900).
87
88# Synagogenvorsteher waren
89
901843
91Nathan Neuberg bis 1854
92
931855 Simon Neuberg bis 1873
94
95# 1873 Israel Levi Blumenthal
96
97Moritz Blumenthal
98
99Karl Blumenthal bis 1942
100
101Die
102Synagogenvorsteher waren verpflichtet, Heirats-, Geburts- und
103Sterbelisten zu führen. Leider enthalten sie sehr wenig Angaben, und
104es sind auch nur noch sehr wenige erhalten.
105
106Die
107nächste Synagoge mit einem richtigen Synagogengebäude befand sich
108bis 1942 in Eldagsen.
109
110## Jüdisches Schulwesen
111
1121854erfolgte
113die Neuordnung eines eigenständigen jüdischen Elementarschulwesens
114und der jüdischen Lehrerbildung, die beide dem Landrabbinat
115unterstanden. Nach der Schulordnung von 1854 waren mit 17
116Wochenstunden mehr als die Hälfte der Unterrichtsgegenstände auf
117jüdische Religion und Kultur ausgerichtet, davon waren allein 4
118Stunden hebräische Sprache und 3 Stunden für biblische und jüdische
119Geschichte vorgesehen.
120
121In
122Rössing hat es jedenfalls keine jüdische Elementarschule gegeben,
123dazu war der Ort viel zu klein. Vielleicht lag auch darin der Grund,
124daß so viele Kinder der hiesigen jüdischen Familien in den Akten
125nicht wieder auftauchten.
126
127Bei
128den Juden ist ein hervorstechendes Merkmal der Sippenzusammenhalt.
129Ältere oder auch jüngere Verwandte fanden ohne weiteres
130Unterschlupf in den Familien, und so ist auch möglich, daß die
131Kinder in größeren Orten bei Verwandten wohnten und dort die
132jüdische Schule besuchten.
133
134Die
135Eltern waren verpflichtet, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu
136schicken, wenn keine jüdischen Schulen am Ort waren. Vom
137Religionsunterricht waren sie allerdings befreit Für den jüdischen
138Religionsunterricht sorgte dann der Rabbiner.
139
140In
141der Schulstatistik der Rössinger Grundschule fanden sich nur
142Angaben.über den Zeitraum von 1898 bis 1911. Frühere Angaben über
143jüdische Schulkinder waren nicht aufzufinden.
144
1451898-1900 kein
146jüdisches Kind
147
1481901 2
149jüdische Kinder
150
1511904.24.Juli je
1521 jüd. Kind in Kl. III und Kl. IV
153
1541906.20.Juni 3
155jüdische Kinder
156
1571911.24.Mai 1
158jüdisches Kind
159
160Quellen:
161NHSA, Sign: Hann 74 Cal Nr. 431 und 432
162
163Niedersächsisches Jahrbuch 1989
164
165Rössinger Schulchronik Band 2