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78 lines · 2.7 KB
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2title: "200 Jahre jüdische Geschichte in Rössing (7)"
3date: 2012-04-26
4authors:
5 - helga_fredebold
6tags: [juedische-geschichte, historie]
7description: "Ein Diebstahl auf dem Schloß Die ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem Eigentumsdelikt. 1757 wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Die"
8source: https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_7127.html
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11# Ein Diebstahl auf dem Schloß
12
13Die
14ältesten Judenakten in Rössing befassen sich mit einem
15Eigentumsdelikt.
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19**1757**
20wurde ein namentlich nicht genannter Jude beim Diebstahl von
21silbernen Tressen auf dem adeligen Gute ertappt. Er war geständig
22und gab die gestohlenen Tressen auch sogleich zurück. Es war die
23Zeit des Siebenjährigen Krieges, das Kurfürstentum Hannover war von
24den Franzosen besetzt und auch in Rössing lag Einquartierung.
25
26Bei
27dem Übeltäter handelte sich um einen hier angesessenen Juden und
28Herr F.L. von Rössing als Guts- und gleichzeitig Gerichtsherr
29sperrte den Übeltäter für drei Tage im Hundestall ein, der als
30Karzer diente. Danach ließ er ihn laufen und betrachtete die
31Angelegenheit damit als erledigt.
32
33Aber
34der Gerichtsvogt der Gemeinde, G.W. Rothard, erstattete über die
35Angelegenheit postwendend schriftlichen Bericht auf dem Calenberg.
36Offenbar stand er in persönlicher Feindschaft zu dem
37Patrimonialgerichtsherrn. Das zeigt die sehr aggressive Form, die in
38all seinen diesbezüglichen Schriftstücken hervorsticht. Er war der
39Meinung, Herr von Rössing hätte kein Recht gehabt, den Delinquenten
40eigenmächtig zu entlassen. Vielmehr hätte er ihn nach drei Tagen
41„zwischen den beiden Brücken" (Schloßgraben und
42Rössingbachbrücke) dem Calenberger Gericht übergeben müssen,
43damit dieser vom Amtsgericht ordentlich abgestraft würde.
44
45„*Allein
46die arglistigen Inhabers des Rössingschen*
47*Niedergerichts
48
49 versuchen öfters bei ein und den anderen Veränderungen, ob sie
50durch
51 dergleichen Einschleichung sich verbreiten können."*
52
53F.L
54von Rössing wurde vom Amt um Stellungnahme gebeten.
55
56Seine
57Antwort:
58
59„*Da
60der hier eingesessene Jude, als man ihn ertappte, die Silbertressen,
61die er in den Händen hielt*,
62*sogleich
63zurückgegeben hat*,
64*ist er
65nicht wegen Diebstahls, sondern nur wegen ungebührlicher Aufführung
66mit drei Tagen Hundezwinger bestraft. So habe ich mich auch nicht
67eines Eingriffs in die Königliche*
68*Jurisdiktion
69schuldig gemacht.“*
70
71Vereinzelt
72in den Dörfern lebende Juden hielten sich mit Vorliebe unter den
73„Adeligen Gerichtsherrn“ auf, weil sie dort meistens nicht die
74volle Härte der offiziellen restriktiven hannoverschen Judenpolitik
75traf.
76
77Quelle:
78NHSA, Sign. Hann 74, Cal Nr. 295