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| 2 | title: "Familienschicksale (Fortsetzung)" |
| 3 | sidebar_label: "Teil 10 – Familienschicksale (Forts.)" |
| 4 | sidebar_position: 10 |
| 5 | description: "Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle 18O8 nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das Ehepaar Simson/Schay als un" |
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| 8 | # Familienschicksale - Nathan Schay-Neuberg kauft eine Köthnerstelle |
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| 10 | 18O8 |
| 11 | nach der Verkündung des Westfälischen Namensediktes nahm das |
| 12 | Ehepaar Simson/Schay als unveränderlichen Nachnamen den Namen |
| 13 | Neuberg an. |
| 14 | |
| 15 | Die |
| 16 | von den Franzosen zugesicherte Gleichberechtigung schloß den bis |
| 17 | dahin im Kurfürstentum Hannover verbotenen Grunderwerb der Juden |
| 18 | ein. Nathan Schay nutzte die Gunst der Stunde. Nachdem er am 21. |
| 19 | Dezember 18O6 seinen Schutzbrief erhalten hatte, kaufte er die |
| 20 | Köthnerstelle Nr. 15 ( Lange Str. Nr.7**).** |
| 21 | |
| 22 | Diese |
| 23 | Köthnerstelle hatte Hans Heinrich Blume gehört, der über 40 Jahre |
| 24 | dort den Dorfkrug und einen einträglichen Garn- und Hokenhandel |
| 25 | betrieben hatte. Nach seinem Tode 1802 geriet sein Sohn Heinrich |
| 26 | Julius Blume in finanzielle Schwierigkeiten. Er ging in Konkurs. und |
| 27 | der Schlachter Schreyer aus Jeinsen kaufte Haus und Grundstück. Von |
| 28 | diesem erwarb Nathan Neuberg die Köthnerstelle. Aber die behördliche |
| 29 | Zustimmung zum Erwerb der „Köthnerey" wurde ihm von Seiten |
| 30 | der Regierung mit Schreiben vom 16. Juni 18O8 verweigert**.** |
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| 32 | Als |
| 33 | Begründung wurde angegeben, daß das Ehepaar nicht wohlhabend genug |
| 34 | sei, um solche finanziellen Verpflichtungen auf sich zu nehmen. Denn |
| 35 | es sei nicht einmal im Stande gewesen, die Schulden von Amsel Calman |
| 36 | abzutragen, dem ersten Ehemann der Rahel Simson. |
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| 38 | Solange |
| 39 | die Franzosen im Lande waren, ließ man die Familie Schay-Neuberg |
| 40 | unbehelligt. Sie wohnte in ihrem Hause, brachte es zu einer |
| 41 | ansehnlichen Kinderschar, hatte einen Hauslehrer, eine Dienstmagd, |
| 42 | einen Handelsknecht und brachte es durch den Handel mit „Tuch- und |
| 43 | Ellenwaren" zu einigem Wohlstand. |
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| 45 | Aber |
| 46 | als die Franzosen abgezogen waren, wurden die meisten alten |
| 47 | Judengesetze wieder in Kraft gesetzt und Familie Neuberg mußte um |
| 48 | ihren Besitz fürchten. |
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| 50 | Daher |
| 51 | richtete Neuberg im Sommer des Jahres 1814 an die Provisorische |
| 52 | Regierungskommission das Gesuch, ihn in seinem Besitz zu bestätigen. |
| 53 | Diese forderte das Amt Calenberg auf, Nathan Schay (auch die |
| 54 | bleibenden Familiennamen hatte man vorübergehend wieder abgeschafft) |
| 55 | zur Verantwortung zu ziehen, weil er die besagte Köthnerstelle |
| 56 | angekauft habe, obwohl ihm die Erlaubnis dazu (im Jahre 18O8) |
| 57 | verweigert worden war. Der in Rössing schon während der |
| 58 | Franzosenzeit amtierende Bürgermeister Georg Opitz befürwortete |
| 59 | aber das Gesuch des Nathan Schay-Neuberg sehr eindringlich. |
| 60 | |
| 61 | *"Da |
| 62 | es keine weiteren Gründe gibt, dem Schay-Neuberg die Erteilung der |
| 63 | Erlaubnis für den Erwerb zu verweigern, als den, weil eigentlich die |
| 64 | Schutzjuden nicht mit liegenden Gründen angesetzt sein sollten, so |
| 65 | ist dies in neueren Zeiten aber doch möglich. Die Familie ist |
| 66 | inzwischen wohlhabend und in der Lage, die Blumesche Konkurs-Sache |
| 67 | endlich zu beendigen und den ausstehenden Teil der Kaufsumme und die |
| 68 | restlichen Zinsen bar zu bezahlen. Darum weiß ich dem Wunsche des |
| 69 | Schay-Neuberg, in seinem Eigentum von der jetzigen Landesregierung |
| 70 | geschützt zu werden, gar nichts entgegen zu setzen."* |
| 71 | |
| 72 | Aber |
| 73 | das Amt Calenberg fordert Rechtfertigung. Zweimal wird Schay |
| 74 | vergeblich vorgeladen. Ein seitenlanges, sehr interessantes Protokoll |
| 75 | gibt Kunde von der Verhandlung am 19. September 1814 auf dem Amt |
| 76 | Calenberg. |
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| 78 | Für sein zweimaliges Fernbleiben entschuldigt er |
| 79 | sich einmal wegen der Feier des jüdischen Neujahrsfestes und das |
| 80 | andere Mal sei er verreist gewesen. Ferner gibt er an: |
| 81 | |
| 82 | „*Solange |
| 83 | die Hannnöversche Verwaltung gedauert habe, hätte er es nicht |
| 84 | gewagt, gegen das von Königlicher Regierung ergangene Verbot, die |
| 85 | Stelle des Köthners Blume, die der Schlächter Schreyer aus Jeinsen |
| 86 | gekauft habe, zu erwerben.* ***Aber |
| 87 | während der Westfälischen Verfassung (König Jerôme) habe kein |
| 88 | Verbot bestanden, daß jüdische Untertanen Grundbesitz erwerben |
| 89 | dürften****, |
| 90 | und so habe er keine Bedenken gehabt, in den Kontrakt Schreyers |
| 91 | einzutreten. Diese Verhandlung sei indes nur mündlich abgemacht und |
| 92 | damit beschlossen, daß Schreyer ihm sämtliche sich auf den Ankauf |
| 93 | beziehenden Aktenstücke ausgehändigt habe. Da er nicht der einzige |
| 94 | Jude gewesen sei, der in dieser Periode Grundbesitz erworben habe, |
| 95 | hoffe er, daß man dieses nicht übel aufnehmen werde. Nur durch den |
| 96 | Tod des Schlächters Schreyer sei die Sache noch nicht abgewickelt |
| 97 | gewesen.* |
| 98 | |
| 99 | *Zu |
| 100 | der Köthnerei gehöre auch kein Ackerland, und das dem |
| 101 | Herrschaftlichen Amt zustehende Dienstgeld für Haus und Garten von |
| 102 | nur 5 Reichsthalern und 24 Mariengroschen könne er leicht aufbringen |
| 103 | (anstatt der auf den Köthnerstellen lastenden Hand- und |
| 104 | Spanndienste). Die 27O Reichsthaler in Gold, die Schlächter Schreyer |
| 105 | von der Kaufsumme schuldig geblieben sei, habe er auch übernommen |
| 106 | und hätte sie schon längst beim damaligen Mahlerter Friedensrichter |
| 107 | Liekefett bezahlt, wenn die angesagten Termine zustande gekommen |
| 108 | wären.* |
| 109 | |
| 110 | *Die |
| 111 | Schulden, die vom ersten Ehemann seiner Ehefrau , Amsel Calman |
| 112 | herrührten, seien längst vor dem Friedensrichter Liekefett in der |
| 113 | Westfälischen Zeit durch einen Vergleich bereinigt.* |
| 114 | |
| 115 | *Sehr |
| 116 | hart wäre es auch für ihn, wenn das Gesuch abgeschlagen würde, |
| 117 | weil er schon 3OO bis 4OO Reichsthaler an Reparaturen in das Haus |
| 118 | gesteckt habe."* |
| 119 | |
| 120 | Im Mai 1815 wird Nathan Schay-Neuberg folgender |
| 121 | Beschluß verkündet und schriftlich ausgehändigt: |
| 122 | |
| 123 | „**Nathan |
| 124 | Schay-Neuberg wird der Besitz des Kothofes zugesprochen.** |
| 125 | |
| 126 | **Sollte |
| 127 | allerdings ihm oder seinen Leibes- oder sonstigen Erben der |
| 128 | Landesherrliche Schutz (Schutzbrief) entzogen werden, so muß der |
| 129 | Kothof einem christlichen Einwohner verkauft oder überlassen werden. |
| 130 | Sollten er oder seine Frau zu ihren Lebzeiten den Kothof verkaufen |
| 131 | wollen, so gilt dieselbe Bedingung, daß der neue Besitzer ein Christ |
| 132 | sein muß und kein Jude sein darf."** |
| 133 | |
| 134 | Quelle: |
| 135 | NHSA Hannover, Sign. Hann 74 Calenberg, Nr. 430 und Nr. 439 |
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| 138 | |
| 139 | *Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in_9854.html).* |