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2title: "Schlachten"
3sidebar_label: "Teil 3 – Schlachten"
4sidebar_position: 3
5description: "Berufsbeschränkungen der Juden Ein reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben, denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergil"
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8Berufsbeschränkungen der Juden
9
10Ein
11reguläres Handwerk durften die Juden weder erlernen noch ausüben,
12denn die Zünfte waren ihnen verschlossen. Die Handwerkergilden, die
13Zünfte und Innungen basierten auf den christlichen Bruderschaften
14des Mittelalters, und ihr Brauchtum war stark christlich geprägt.
15Mit der Zunftverfassung konnte eine "*durch
16Religion und Sitte ganz verschiedene Sekte*"
17kaum in Übereinstimmung gebracht werden.
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19**Schlachten**
20
21Das
22Schlachten war ihnen zum eigenen Verbrauch erlaubt, aber z.T. auch
23zum Verkauf an Christen. Ihr jüdischerGlaube gestattete ihnen, nur
24Fleisch von geschächteten Tieren zu essen.
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26Dieses
27Schächten ist eine rituelle Schlachtung makelfreier (koscherer)
28Tiere. Nach den jüdischen Speisegesetzen sind dies wiederkäuende
29Paarhufer wie Rind, Schaf, Ziege oder Hirsch. Es wird von einem
30Schächter, einem Kultbeamten durchgeführt. Dieser führt mit einem
31langen, scharfen Messer einen raschen Querschnitt durch
32Halsschlagader, Speise- und Luftröhre des Tieres, wodurch eine volle
33Ausblutung erreicht werden soll. Eine vorherige Betäubung des
34Schlachttieres war religionsgesetzlich unzulässig.
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36In
37Deutschland wurde das Schächten durch das Gesetz vom 21.4.1933
38verboten, weil es dem deutschen Tierschutzgesetz widerspricht. Durch
39Verordnung wurde es 1946 und 1947 von den Alliierten
40Militärregierungen wieder zugelassen. Eine einheitliche
41bundesgesetzliche Regelung steht auch heute noch aus und es wird in
42den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.
43
44**Handel
45und Geldgeschäfte**
46
47Die
48organisierten Kaufmannschaften waren ihnen verschlossen.
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50Die
51Juden durften mit alten und einigen neuen Waren handeln, so weit
52nicht die Privilegien der Zünfte oder der Bürgerschaft dagegen
53standen. Als „*Trödeljuden*"
54hielten sich viele über Wasser. Der Hokenhandel, der Kleinhandel,
55war ihnen erlaubt. Gewohnheitsmäßig kamen auf dem Lande der Vieh-,
56Getreide- und Pferdehandel dazu, sowie Geld- und Wechselgeschäfte.
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58Vor
59allem der Geldverleih lag in den Händen der Juden, den das
60kirchliche Zinsverbot den Christen untersagte. Sie hatten das
61Privileg, von Darlehen Zinsen zu nehmen und das Recht, verpfändete
62oder verkaufte Sachen bis zur Zahlung zurückzubehalten. Einige Juden
63kamen dadurch zu erheblichen Vermögen und wurden wegen ihrer
64Geschicklichkeit in Gelddingen von den stets finanzschwachen Fürsten
65an ihre Höfe gezogen.
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67Einer
68von diesen war der bekannte Joseph Süß-Oppenheimer (1692-1738), der
69von Herzog Karl Alexander von Württemberg zum Geh. Finanz-und
70Staatsrat ernannt wurde. Durch Münzmanipulationen und Verkauf von
71Ämtern, Titeln und Privilegien erschloß er dem geldbedürftigen
72Herzog immer neue Geldquellen. Die Beamtenschaft und die Landstände
73zwangen dem Herzog kurz vor seinem Tode den Haftbefehl gegen
74Süß-Oppenheimer ab, der in einem anfechtbaren Verfahren zum Tode
75verurteilt wurde. Seine Lebensgeschichte diente als Vorlage für den
76im Dritten Reich gedrehten Film „*Jud
77Süß.“*
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79# Geisteswissenschaften
80
81Öffentliche
82Ämter und Würden im Militär- und Zivilstand waren ihnen bis zur
83Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert nicht zugänglich, obwohl
84das in den verschiedenen deutschen Fürstentümern auch
85unterschiedlich gehandhabt. wurde. Die Universitäten standen ihnen
86offen und es gab jüdische Ärzte und Advokaten. Diese Gegebenheiten
87führten dann im 19. und 2O. Jahrhundert beinahe zwangsläufig in
88verschiedenen Berufsgruppen, vor allem geistigen und künstlerischen,
89zu einer Überrepräsentation der Juden im Verhältnis zur übrigen
90Bevölkerung.
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92Ein
93klassisches Beispiel dafür ist die Nachkommenschaft des jüdischen
94Bankiers und Kammeragenten Leffmann Behrens im 17. Jahrhundert am
95Hannoverschen Hofe
96
97Er
98war verheiratet mit Jente Hameln. Diese hatte aus erster Ehe schon
99sechs Kinder. Aus ihrer zweiten Ehe mit Leffmann Behrens gingen noch
100einmal drei Kinder hervor.
101
102Diese
103Kinder hatten sehr berühmte Nachfahren, u.a. Siegmund Freud, die
104Dichter Heinrich Heine und Carl Sternheim und der Komponist Felix
105Mendelssohn Bartholdy
106
107Quellen:
108
109Dr.
110jur.Löb, Abraham:
111
112„Rechtsverhältnisse
113derJuden im ehemaligen Königreiche und der jetzigen Provinz
114Hannover“, Frankfurt 1908
115
116M:
117Zuckermann.
118
119„Kollekteana
120zur Geschichte der Juden im Hannoverland“, Hannover 1912
121
122Jahrbuch
123des Historischen Vereins 1992, Uwe Eissing S.320 ff
124
125---
126
127*Aus der Reihe von Helga Fredebold, ursprünglich veröffentlicht am 2012-04-26 auf [fredebold.blogspot.com](https://fredebold.blogspot.com/2012/04/200-jahre-judische-geschichte-in.html).*